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| Chisinau | |
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| Basisdaten | |
|---|---|
| Rajon: | Chișinău |
| Einwohner: | 723.500 (2012[1]) |
| Bevölkerungsdichte: | 6.029 Einwohner je km² |
| Postleitzahlen: | MD-2000 - 2075 |
| Vorwahl: | +373 22 |
| Geographische Lage: | 47° 1′ N, 28° 51′ O47.013888888928.8585Koordinaten: 47° 0′ 50″ N, 28° 51′ 0″ O |
| Verwaltungsgliederung: | Munizip Chișinău |
| Bürgermeister: | Dorin Chirtoacă |
| Website: | www.chisinau.md |
| Flagge und Wappen | |
|---|---|
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| Karten | |
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| Stadtdaten | |
| Amtssprache: | Moldauisch (Rumänisch) |
| Bevölkerungsdichte: | 5.660 Einwohner pro km² |
| Stadtgliederung: | 5 Stadtbezirke |
| Flughafen: |
Flughafen Chișinău (KIV) Distanz: ca. 15 km |
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| Chișinău – Satelliten-Aufnahme | |
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| Grafik: Bevölkerungsentwicklung | |
Chișinău [kiʃiˈnəu̯][2] (deutsch Kischinau, russisch Кишинёв/Kischinjow[3]) ist die Hauptstadt der Republik Moldau.
Die Stadt hat eine Fläche von 635 km² und ist mit ca. 794.800 Einwohnern (etwa 22.5 Prozent der Gesamtbevölkerung; Stand 1. Januar 2012) die bevölkerungsreichste Stadt des Landes.
Inhaltsverzeichnis |
Die Etymologie des Namens Chișinău lässt sich nach Ansicht einiger Historiker aus der Kombination des altrumänischen Wortes chișla (Wasserquelle, heute cișmea) und nouă (neu) ableiten und würde somit auf eine Grundwasserquelle hinweisen, die in der Ursprungszeit der Stadt als wichtige Versorgungsgrundlage diente. Jene Wasserquelle befindet sich heute an der Kreuzung zwischen den Straßen A. Pușkin und Albișoara.
Unter anderen rumänischen Historikern, wie früher Ștefan Ciobanu, wird die gleiche Ableitung wie für Chișineu-Criș vertreten, also vom ungarischen Namen Kis-Jenő (auf Ungarisch: kis "klein" + Jenő "Eugen" und zugleich Name eines der sieben altmagyarischen Stämme, bei Konstantin VII. in De administrando imperio: Genach). Als das Kumanische Reich im 13. Jahrhundert besiegt wurde, geriet die Region unter ungarische Hegemonie. Die Szekler errichteten in dieser Region Befestigungen um das Königreich Ungarn gegen weitere Mongoleneinfälle zu schützen. Dazu zählen Miclăușeni (ung. Miklóshely),Orhei (ung. Várhély) und Ciubărciu (Ciobruciu) (ung. Csupor) unweit der heutigen Hauptstadt Moldawiens. Dies macht einen ungarischen Ursprung plausibel.
Die offizielle Bezeichnung der Stadt lautet Municipiul Chișinău (Munizip Chișinău), wobei auch die umliegenden, zum Munizip gehörenden Gemeinden gemeint sind. Durch die häufigen Veränderungen der Gebietszugehörigkeit wurde die Stadt mehrmals umbenannt. So nannte man sie zur Zeit, als sie Hauptstadt von Bessarabien war, mit ihrem russischen Namen Кишинёв/Kischinjow [kiʃɨˈnʲɔf]. Später, als Bessarabien Teil von Rumänien wurde, bekam die Stadt den offiziellen Namen Chișinău [kiʃiˈnəu̯][2]. Während der kurzzeitigen deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt vermutlich mit der damals gängigen russisch-deutschen Transkription als Kischinew bezeichnet. Mit der sowjetischen Annexion nach dem Zweiten Weltkrieg führte man in der Moldauischen Sowjetrepublik die kyrillische Schrift ein, und der Name wurde nun als Кишинэу/Kischineu (moldauische Aussprache: [kiʃiˈnəu̯]) und Кишинёв/Kischinjow (russisch) geschrieben. Diese Schreibweisen hielten sich bis zum 31. August 1989, als die Wiedereinführung der lateinischen Schrift und die Erklärung der moldauischen Sprache zur Amtssprache durch die Spitze der damaligen Moldauischen SSR. Seither nennt sich die Stadt offiziell Chișinău.
| offizieller Name | Moldauisch/Rumänisch | Kyrillisch-Moldauisch | Russisch | Deutsch |
|---|---|---|---|---|
| Municipiul Chișinău | Chișinău | Кишинэу | Кишинёв | |
| Munizip Chișinău | Kischineu | Kischinjow/Kischinew* | Kischinau | |
| Kišinėu | Kišinёv | |||
| * = alte, fehlerhafte Transkription | [kiʃi'nəʊ] | [kiʃi'nəʊ] | [kiʃɨˈnʲɔf] |
Die Stadt Chișinău liegt am Bîc auf etwa 85 m. ü. M. bei 47° 00' 50" nördlicher Breite 28° 51' 00" und östlicher Länge und hat eine geschätzte Fläche von 120 km². Das Stadtgebiet ist in fünf, mit Ausnahme des Centru, flächenmäßig etwa gleich große Stadtbezirke (rumänisch Sector) eingeteilt:
| Centru (Чентру/Центр) |
| Rîșcani (Рышкань/Рышкановка) |
| Botanica (Ботаника) |
| Ciocana (Чокана) |
| Buiucani (Буюкань/Боюканы) |
Zum Munizip Chișinău (Municipiul Chișinău) mit einer Fläche von 635 km² gehören neben elf kleineren Dörfern zusätzlich sechs umliegende Gemeinden:
Politisch liegt die Stadt mitten im Zentrum Moldawiens im gleichnamigen Bezirk Chișinău (Județul Chișinău). Geographisch gelegen im Osteuropäischen Flachland, ist die Stadt umgeben von einer flachhügeligen Landschaft mit sehr fruchtbarem Erdboden aus Schwarzerde, der schon seit Urzeiten die Grundlage für landwirtschaftliche Nutzung bot, sowohl für den Anbau von Wein als auch Obst. Durchzogen vom Fluss Bîc zeigt die Stadt, besonders im Frühling und Sommer, ein sehr naturbezogenes Stadtbild mit vielen Bäumen und großen Parkanlagen.
Erste Wetterdaten reichen bis in das Jahr 1884 zurück. Damals beschäftigten sich die Forschungen allerdings eher mit dem idealen Klima für einen optimalen Weinbau. Dabei rechnet man im Verlauf eines Jahres mit etwa 2215 Stunden Sonne – 329 Stunden alleine im Rekordmonat Juli – hingegen bloß mit 54 Stunden Sonnenschein im Dezember. Regional herrscht ein kontinentales Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 9,6 °C und einer Niederschlagsmenge von 547 mm. Der Sommer beginnt etwa Mitte Mai, er fällt kurz, aber stark aus. Hohe Temperaturen um 25 °C erreicht das Thermometer vor allem in den Monaten Juni, Juli und August. Mit verstärktem Niederschlag ist im Juni und Juli zu rechnen. Wie der Sommer ist auch der Winter sehr kurz. Der Januar erreicht mit durchschnittlich −3,2 °C die tiefsten Temperaturen, der Oktober mit 27 mm die geringste Niederschlagsmenge. Ausgeprägt lang und warm ist der Herbst dank der Lage nahe dem Schwarzen Meer, welches das Klima der Region ebenfalls stark beeinflusst. Meistens herrscht jedoch mit 10 °C eine mittlere Temperatur, mit einer generell geringen Niederschlagsmenge während des ganzen Jahres.
| Jahr | Januar | Februar | März | April | Mai | Juni | Juli | August | September | Oktober | November | Dezember | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Maximale Temperatur | 39 °C | 15 °C | 16 °C | 25 °C | 32 °C | 36 °C | 37 °C | 39 °C | 39 °C | 37 °C | 33 °C | 28 °C | 16 °C |
| Durchschnittliche Temperatur | 9,4 °C | −3,5 °C | −2,5 °C | 2,6 °C | 9,5 °C | 15,8 °C | 19,3 °C | 21,5 °C | 20,7 °C | 15,9 °C | 10,1 °C | 3,9 °C | −0,9 °C |
| Minimale Temperatur | −32 °C | −30 °C | −32 °C | −23 °C | −9 °C | −2 °C | 4 °C | 8 °C | 7 °C | −1 °C | −16 °C | −22 °C | −22 °C |
Chișinău ist eine ausgesprochen grüne Stadt. Viele Hauptstraßen sind von Bäumen gesäumt. Hinzu kommen großzügige Parkanlagen, die auf dem ganzen Stadtgebiet verteilt liegen und das Stadtbild prägen. Zu den wichtigsten Parks gehören:
In den Parkanlagen von Chișinău leben etwa 14 Vogel-, 14 Reptil- und Amphibienarten. Vertretene Säugetiere sind Igel, Maulwurf, Wiesel und Marder sowie Fledermäuse. Dazu kommen verschiedene Nagetiere, wie beispielsweise Eichhörnchen und Feldmaus. Bei den Vögeln findet man eine Reihe verschiedener Taubenarten, wie zum Beispiel die Waldtaube. Weiter gibt es den Mauersegler, Stare und Spatzen. In den Gewässern des Parks Valea Morilor, im südwestlichen Teil von Chișinău gelegen, leben etwa 20 verschiedene Fischarten. Der See bietet Lebensraum für Barsche sowie Karauschen, Brachsen, Karpfen und weitere Karpfenfische.
Die erste schriftliche Erwähnung von Chișinău geht ins Jahr 1436 zurück, als die Ortschaft Teil des Fürstentums Moldau war. Dieses Fürstentum stand zuerst unter polnischer, später unter osmanischer Oberhoheit. Eine nennenswerte Entwicklung blieb aus, und die Ortschaft blieb bis ins 19. Jahrhundert als Bojaren- und Klostersiedlung praktisch unverändert. 1818 wurde die kleine Stadt als Kischinjow Verwaltungssitz des vom Osmanischen Reich an das Russische Kaiserreich im Frieden von Bukarest 1812 abgetretenen Gouvernements Bessarabien. Kischinjow genoss als Stadt am Rande des Russischen Reichs keinen guten Ruf, sondern galt als Strafversetzungslager für Unzufriedene und Aufmüpfige. Der junge russische Nationaldichter Alexander Sergejewitsch Puschkin war vom 21. September 1820 bis 1823 als Übersetzer nach Kischinjow verbannt und schrieb über die Stadt:
„O Kischinjow, o dunkle Stadt!“; „Verfluchte Stadt Kischinjow, die Zunge wird nicht müde, Dich zu beschimpfen.“
Ab 1834 entstand durch einen großzügigen Stadtentwicklungsplan ein imperiales Stadtbild mit breiten und langen Straßen. Der Plan teilte die Stadt grob in zwei Bereiche. Die Altstadt mit ihren verwinkelt gebauten Straßen und den unregelmäßigen Gebäudestrukturen, sowie die Innenstadt mit dem im Voraus geplanten Konzept des Straßenverlaufs. Zur selben Zeit wurden ebenfalls das Stadtzentrum und der im Bezirk Centru liegende Bahnhofsplatz geplant. Zwischen dem 26. Mai 1830 und dem 13. Oktober 1836 errichtete der Architekt Avraam Melnikov die Catedrala Nașterea Domnului mit ihrem prächtigen Glockenturm. 1840 folgte der Bau des im folgenden Jahr fertig gestellten Triumphbogens durch den Architekten Luca Zaușkevici. In unmittelbarer Umgebung begann der Bau einer Vielzahl weiterer Gebäude und Plätze.
1858 entstand die vom Architekten P. Piskariov erbaute Catedrala Sfîntul Mare Mucenic Teodor Tiron, die sich mit einem blauen Erscheinungsbild abhebt. Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts wuchs die Stadt kontinuierlich. 1891 leitete der Schweizer Architekt Alexander Bernardazzi den Bau mehrerer Projekte, darunter den der Biserica Sfîntul Pantelemon (Grecească – griechische Kirche), sowie von 1900 bis 1903 des Frauengymnasiums Dadiani und der dortigen Kapelle (1895–1897). Zwischen 1898 und 1901 entstand am Bulevardul Ștefan cel Mare și Sfînt durch Mitrofan Elladi und Alexander Bernardazzi das Fosta Dumă Orășenească, das Gebäude des Bürgermeisters.
| Stadt Chișinău | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1812 | 7.000 |
| 1835 | 34.000 |
| 1861 | 93.400 |
| 1897 | 108.500 |
| 1913 | 116.500 |
| 1930 | 114.800 |
| 1950 | 134.000 |
| 1963 | 253.500 |
| 1980 | 519.200 |
| 1991 | 676.700 |
| 1993 | 663.400 |
| 1996 | 662.500 |
| 2002 | 662.200 |
| 2003 | 662.400 |
| 2004 | 662.200 |
| 2005 | 592.600 |
| 2006 | 593.800 |
Kischinjow war um 1900 ein Zentrum jüdischen Lebens im Russischen Reich. So bildeten Juden mit einem Anteil von 45,9 % nach einer Zählung aus dem Jahr 1897 die größte Bevölkerungsgruppe in Kischinjow, noch vor den Russen (27,0 %) und den Rumänen (17,6 %). Am 6.jul./ 19. April 1903greg. und 7.jul./ 20. April 1903greg., dem ersten Osterfeiertag, kam es in Chișinău zu einem großen antisemitischen Pogrom. Der Tumult kostete 47-49 jüdische Einwohner das Leben. Schätzungsweise 400 wurden verletzt. Mehrere hundert Haushalte und nochmals so viele Geschäfte wurden geplündert und zerstört. Der damalige Bürgermeister Karl Schmidt, der bessarabiendeutscher Herkunft war, trug wesentlich zur Aufklärung und Anklage der Täter bei.[4] Die als das „Pogrom von Kischinjow“ bezeichneten Ausschreitungen wurden offenbar vom Verleger der damals einzigen offiziellen Zeitung, Bessarabez (Бессарабецъ), demagogisch geschürt und wiesen Anzeichen einer organisierten Aktion auf. Die Reaktionen in der Weltpresse waren heftig, auch im Russischen Zarenreich selber. So wurde im Juli 1905 eine vom amerikanischen Volk an Präsident Theodore Roosevelt aufgetragene Petition dem Zaren Nikolaus II. übergeben, welche allerdings keine Wirkung auf seine Politik hatte. Seit der Ablehnung der Petition durch den Zaren lagert sie bis heute im Besitz der US-Regierung. Auch der Hilfsverein der deutschen Juden unter dem Vorsitz von Paul Nathan rief die Vertreter von relevanten jüdischen Organisationen aus verschiedenen Ländern zu einer Erörterung der Situation zusammen.[5]
Nachdem der Verleger der Zeitung Pawolatschi Kruschewan eine Messerattacke durch den Kiewer Studenten Pinkus Daschewski am 17. Juni 1903 auf dem Newski-Prospekt in Sankt Petersburg nur knapp überlebt hatte, wurde er 1905 durch eine Gruppe des Jüdischen Kolonisierungsverbandes (ICA) erschossen. Zeitungen wurden zu dieser Zeit durch die russische Geheimpolizei Ochrana in ihrem antisemitischen Tun bewusst unterstützt und gefördert. Dazu gehörte auch die Verbreitung von Publikationen, z. B. der „Protokolle der Weisen von Zion“.
Am 22. August 1905 kam es in der Stadt erneut zu einer blutigen Eskalation, wobei die Polizei das Feuer auf geschätzt 3.000 demonstrierende Landarbeiter eröffnete. Vergleichbar ist diese Tragödie mit dem Petersburger Blutsonntag, der sich am 9. Januarjul./ 22. Januar 1905greg. in Sankt Petersburg ereignete; dort wurden etwa 1.000 demonstrierende Arbeiter getötet.
Nur wenige Monate später, am 19.jul./ 1. November 1905greg. und 20.jul./ 2. November 1905greg., geriet ein Demonstrationszug, der sich gegen die Erklärung des Oktobermanifestes von Zar Nikolaus II. richtete, außer Kontrolle, und Anhänger der Oktobristen und Schwarzhunderter führten in der Stadt bewaffnete Attacken gegen Juden, liberale Studenten und sozialdemokratische Arbeiter durch. Bei den Ausschreitungen kamen wiederum 19 Juden ums Leben, und 56 wurden verletzt. Diese Judenfeindlichkeit führte schließlich zu einem stetigen Abwandern der jüdischen Bevölkerung in die Vereinigten Staaten und nach Palästina.
Im Zuge der russischen Oktoberrevolution übernahm im November 1917 eine nationale Vollversammlung namens Sfatul Țării (Landrat) mit Sitz in Chișinău die Regierung. Am 2. Dezemberjul./ 15. Dezember 1917greg. erklärte sich das Land zu einer Autonomie innerhalb von Russland, und die Moldauische Demokratische Republik wurde ausgerufen. Nachdem Bolschewiki am 5. Januar 1918 Chișinău besetzt hatten, bat der Landrat Rumänien um militärischen Beistand. Die am 16. Januar einmarschierten rumänischen Truppen stellten innerhalb von wenigen Tagen die Ordnung im Land wieder her. Am 24. Januarjul./ 6. Februar 1918greg. erklärte der Sfatul Țării die Unabhängigkeit und am 27. Märzjul./ 9. April 1918greg., unter Beibehaltung einer Teilautonomie, den Anschluss an Rumänien. Der Anschluss wurde 1920 im Frieden von Paris durch die westlichen Alliierten bestätigt. Chișinău verlor mit der Auflösung des Sfatul Țării seine Funktion als Hauptstadt und rückte in den Hintergrund.
In der Zeit zwischen 1918 und 1940 unternahm die Stadt große Renovierungsarbeiten im Zentrum. Dabei wurde 1927 auch ein Denkmal des Fürsten der Moldau, Ștefan cel Mare și Sfînt, durch den Künstler Alexandru Plămădeală und den Architekten Eugen Bernardazzi errichtet.
In den Wirren des Zweiten Weltkriegs wurde Chișinău fast vollständig zerstört. Am 28. Juni 1940 wurde die Stadt durch die Rote Armee besetzt. Dabei wurde das zu Rumänien gehörende Gebiet, Bessarabien, von der Sowjetunion annektiert. Am 10. November 1940 ereignete sich ein verheerendes Erdbeben. Das Beben mit Epizentrum im östlichen Rumänien hatte eine Stärke von 7,3 auf der Richterskala und führte in der Stadt zu massiven Zerstörungen.
Nach knapp einem Jahr verhandeltem Frieden (Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt) folgte am 22. Juni 1941 der deutsch-sowjetische Krieg, dem sich auch rumänische Truppen anschlossen. Zu Beginn des Großangriffs war auf dem Gebiet der Stadt das II. mechanisierte Korps (Panzer mit motorisierter Infanterie) stationiert. Das Gebiet um die Stadt lag unter der Kontrolle der 9. Roten Armee von Jakow Tscherewitschenko und der von Andrei Smirnow befehligten 18. Roten Armee. Im Juli 1941 war die Stadt bei zähem Widerstand der sowjetischen Truppen schwer umkämpft. Es gab Bombardierungen durch die deutsche Luftwaffe. Die vorrückende deutsche 11. Armee unter Generaloberst Eugen von Schobert, Teil der Heeresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt, wurde durch Truppen der rumänischen 3. und 4. Armee unterstützt. Der sowjetische Widerstand hielt an, bis Chișinău am 17. Juli 1941 schließlich erobert wurde. Deutsche und rumänische Truppen besetzten die Stadt von Norden über die Ortschaft Sculeni und von Süden via Hîncești.
Während der deutsch-rumänischen Besetzung kam es in der Stadt zu systematisch organisiertem Massenmord an vorwiegend jüdischen Einwohnern. Die zusammengetriebenen Personen wurden dabei auf Lastwagen verladen und aus der Stadt transportiert. Dann wurden sie in teilweise von ihnen selbst ausgehobenen Gruben erschossen. Das Kommando über die Ausführung hatte Paul Zapp, Anführer des Sonderkommandos 11a. Als Teil der Einsatzgruppe D unterstand dieses Kommando dem SS-Gruppenführer Otto Ohlendorf. Die Zahl der nach der Besetzung von Chișinău ermordeten Juden wird auf ungefähr 10.000 geschätzt.[6]
Das am 24. Juli 1941 in der Altstadt von Chișinău eingerichtete Ghetto diente als Zwischenstation, dessen Bewohner man als Arbeitskräfte im Steinbruch von Ghidighichi arbeiten ließ. Das Ghetto beschränkte sich auf wenige Straßen und bestand aus wenigen Gebäuden, von denen die meisten bereits stark zerstört waren. Um das Ghetto verlief eine Mauer mit mehreren kontrollierten Ein- und Ausgängen. Laut Angaben der rumänischen Armee befanden sich im Ghetto von Chișinău 11.525 Personen.
Zehntausende Juden und andere unerwünschte Ethnien wurden direkt in sogenannten Todesmärschen in das östlich gelegene Transnistria (nicht zu verwechseln mit dem heute flächenmäßig kleineren Transnistrien), deportiert. Es gab Überquerungsorte bei Rezina nahe Rîbnița, bei Cosăuți in der Nähe von Soroca und in Otaci bei der ukrainischen Ortschaft Mohyliw-Podilskyj. Etwa ein Drittel von ihnen starb an Erschöpfung, andere wurden erschossen; nur wenige konnten sich in der Ukraine verstecken. Einige ausgesonderte Gruppen ließ man erst in Lagern sammeln, wie etwa 23.000 im Lager in Vertujeni (heute Vertiujeni), um sie zur Zwangsarbeit zu pressen. Andere Lager befanden sich in Secăreni, Edineț und Mărculești.
Verschiedene Berichte zeugen von grässlichen Geschehnissen in dieser Region. Dazu gehört der Todeszug von Iași. Am 1. August 1941 brachte man auf Befehl der Gestapo 450 Juden aus dem Ghetto von Chișinău, darunter besonders Frauen und Gelehrte, nach Visterniceni, etwa zwei Kilometer von der Stadt entfernt. Von ihnen wurden 411 erschossen, wie die Überlebenden nach ihrer Rückkehr berichteten. Am 6. August wurden etwa 200 Juden durch Beamte der Polizei von Chișinău erschossen; ihre Leichen wurden in den einige Kilometer östlich von Chișinău fließenden Dnister geworfen. Daraufhin brachte man zwischen dem 7. August und 8. August 525 Juden (davon 25 Frauen) zur Arbeit beim Bahnhof Ghidighichi, von denen nach einer Woche schätzungsweise noch 200 zurückkamen.
Auf Befehl des rumänischen Marschalls Ion Antonescu begann man schließlich, das Ghetto in Chișinău zwischen dem 4. Oktober 1941 und Mai 1942 ebenfalls zu räumen und die Gefangenen auf Todesmärschen nach Transnistria zu deportieren. Von den ehemals 65.000 Juden in Chișinău im Jahr 1939 fielen 53.000 dem NS-Regime zum Opfer. Der Holocaustforscher Matatias Carp hat sich eingehend mit dem Thema Holocaust in Rumänien befasst.
Siehe auch: Holocaust – Zeit des Nationalsozialismus
Stark ins Kriegsgeschehen einbezogen wurde die ehemalige bessarabische Provinzhauptstadt auch gegen Kriegsende beim Rückzug der deutschen und rumänischen Truppen. Am 28. März 1944 überschritten Teile der sowjetischen 2. Ukrainischen Front den Pruth nördlich von Jassy (Iași) und bezogen eine Linie am Karpatenkamm. Die deutsch-rumänische Front wurde immer weiter zurückgedrängt, bis Anfang April die 3. Ukrainische Front im Osten bei Tiraspol entlang dem Dnister zum Stehen kam.
Am 20. August 1944 folgte schließlich der sowjetische Großangriff „Operation Jassy-Kischinew“ unter der Führung von Fjodor Tolbuchin und Rodion Malinowski. Durch den Angriff in Form einer Zangenoperation geriet ein Teil der Heeresgruppe Süd von Generaloberst Johannes Frießner, darunter die neugruppierte deutsche 6. Armee unter Führung des Generals der Artillerie Maximilian Fretter-Pico, am 24. August bei ihrem Rückzug südwestlich von Chișinău und Huși in einen Kessel und wurde vernichtet. Ebenfalls am Kampfgeschehen beteiligt war der spätere sowjetische Stadtkommandant von Berlin, Generaloberst Nikolai Bersarin, der mit seiner 5. Stoßarmee die deutschen Linien am Dnister durchbrach. Teile der deutschen 8. Armee konnten sich über die Karpaten nach Ungarn zurückziehen, während die 6. Armee zum Großteil vernichtet wurde. Die bis dahin mit den Deutschen verbündete rumänische Armee wechselte bereits am 23. August 1944 die Seite und hatte den Kampf eingestellt. Am 24. August 1944 wurde Chișinău von der Roten Armee besetzt.
Die Stadt verlor trotz der Verschonung durch direkte Kampfhandlungen bis zum Kriegsende schätzungsweise 70 % ihrer Wohnfläche. Vor allem das Erdbeben von 1940 und die Luftangriffe beim Vorbeiziehen der Fronten trugen dabei einen wesentlichen Teil dazu bei.
Nach der Wiedereroberung forderte die Sowjetunion unter Josef Stalin das bereits aufgrund des geheimen Zusatzprotokolls des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts von 1939 annektierte Bessarabien zurück. Mit dem Friedensvertrag von Paris im Februar 1947 erkannte Rumänien Bessarabien als Teil der UdSSR an. Chișinău wurde Hauptstadt der Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik.
In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 198 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[7]
In den Folgejahren von 1947 bis 1949 entwickelte der Architekt Alexei Schtschussew unter Mithilfe eines mehrköpfigen Architektenteams einen Plan zum schrittweisen Wiederaufbau der Stadt.
Zu Beginn der 1950er-Jahre setzte ein rasantes Bevölkerungswachstum ein. Während Stalin weiter auf riesige Paläste im Zuckerbäckerstil (Sozialistischer Klassizismus) setze, entstand für die Bevölkerung ein zunehmender Wohnungsmangel. Mit dem Beginn der Chruschtschow-Ära im September 1953 wurde in der ganzen Sowjetunion zu Sparmaßnahmen aufgerufen. Chruschtschow versammelte im Dezember 1954 die leitenden Architekten und Baufunktionäre der Sowjetunion zur „Allunionskonferenz der Bauschaffenden“ und ließ öffentlich die Entstalinisierung der Baukultur und die Abschaffung des „Konservatismus in der Architektur“ bekanntgeben – unter dem Motto „Besser, billiger und schneller bauen“ folgten drastische Änderungen im Wohnkonzept. Mit dem neuen Baustil jener Zeit entstand das bis heute charakteristische Stadtbild von Chișinău mit vielen großen Wohnblocks, angeordnet im Stil von „Chruschtschowki“ (хрущёвки (Plattenbau-Siedlungen). Um das eigentliche Stadtzentrum herum entstanden neue Wohnbezirke, sogenannte Schlafstädte, die neben Einzelhandelsgeschäften und Schulen nur wenig soziale Infrastruktur besaßen.
Siehe auch: Sozialistischer Städtebau
Am 4. März 1977 ereignete sich in der Stadt ein schweres Erdbeben, das mehrere Todesopfer forderte und eine Panik auslöste. 1989 kam es in Chișinău zu Spannungen mit der Zentralregierung in Moskau, was zur Wiedereinführung der rumänischen Sprache und im Jahre 1991 zur Unabhängigkeit des Landes führte.
Der erste Bürgermeister von Chișinău war Angel Nour im Jahr 1817. 1941 wurde das Amt des Bürgermeisters abgeschafft. Nach der Sowjet-Ära und der Wiedereinführung des Amtes im Jahr 1990 war Nicolae Costin der erste Bürgermeister.
Bei den Wahlen 2007 wurde der prowestliche, 28-jährige Dorin Chirtoaca in einer Stichwahl mit 61 % der Stimmen gewählt. Er setzte sich deutlich als Herausforderer gegen den kommunistischen Kandidaten Veaceslav Iordan (38 %) durch. Die Wahlbeteiligung betrug diesmal 35 % der wahlberechtigten Stadteinwohner.
| Name | Amtsantritt | Ende der Amtszeit |
|---|---|---|
| Angel Nour | 1817 | – |
| kein Bürgermeister | von 1941 | bis 1990 |
| Nicolae Costin | 1990 | 1994 |
| Serafim Urecheanu | 9. August 1994 | 20. April 2005 |
| Vasile Ursu | 20. April 2005 | 2007 |
| Veaceslav Iordan</br>(kommissarisch) | 25. Januar 2007 | 18. Juni 2007 |
| Dorin Chirtoacă | 18. Juni 2007 | – |
Chișinău hat insgesamt sieben Partnerschaften mit anderen Städten geschlossen. Seit Dezember 1989 unterhält Chișinău eine Städtepartnerschaft mit Mannheim in Deutschland. Es ist die einzige deutschsprachige Partnerstadt. Daneben gibt es noch weitere Partnerschaften mit:
Zudem gibt eine Reihe von Kooperationsabkommen mit anderen Städten, dazu gehören Beijing (Peking), Qingdao und Xi'an (China), Jerusalem und Tel Aviv-Jaffa (seit 2000) (Israel), Città di Castello (Italien), Moskau, Sankt Petersburg, Saratow und Joschkar-Ola (Russland), Hampshire (Vereinigtes Königreich), sowie Minsk (Weißrussland).
In Chișinău arbeiten verschiedene internationale Organisationen aus dem politischen und humanitären Bereich und der Entwicklungshilfe.
Chișinău beherbergt vor allem Lebensmittelindustrie. So finden sich dort eine große Weinkellerei, Obst- und Gemüsekonservenindustrie, Tabakindustrie und Textilindustrie. Nach dem Ende des kommunistischen Systems in Moldawien entwickelte sich die Stadt zunehmend als attraktiver Standort für Banken. Aufgrund der schwierigen gesetzlichen Lage im Land und der anhaltenden Korruption blieb ein Zuzug großer ausländischer Investoren, wie in anderen ehemals kommunistisch regierten Republiken, bisher aus.
Die Bewohner von Chișinău genießen im Vergleich zu den ländlichen Verhältnissen eine höhere Lebensqualität. Im Vergleich zum europäischen Standard liegen die Lebensumstände aber auch in der Stadt weit unter dem Durchschnitt. Nach einem großen wirtschaftlichen Tief um das Jahr 2000 trat wieder eine Besserung ein.
Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Chișinău eine Straßenbahn mit 1.000 mm Spurbreite. Die Bahn wurde nach dem Krieg erst mit Betriebswagen MAN 1914 geführt. In den 1950er Jahren starteten erste Gothawagen des Typs T57 aus der deutschen Gothaer Waggonfabrik den Betrieb. Der Betrieb des Tramnetzes wurde jedoch 1961 eingestellt, und die Wagen wurden nach Lemberg (Lwiw) in der Ukraine verlegt.
Das generell meistgenutzte Fernverkehrsmittel in Moldawien ist der Bus. Mit ihm reist man sehr preiswert über mehrere Stunden oder Tage. Er dient als Verkehrsmittel zwischen verschiedenen Städten und Ortschaften, innerhalb wie auch außerhalb Moldawiens. Beliebte Ziele sind beispielsweise Bukarest, Constanța (Rumänien) und Odessa (Ukraine). Zur Fahrt nach Odessa gibt es einige Busse, deren Route nicht durch Transnistrien, sondern über die Grenzorte Palanca oder Tudora führt.
Da Chișinău an der Hauptbahnstrecke Athen/Istanbul–Moskau liegt, stellt vor allem die Eisenbahn eine der wichtigsten Verbindungen nach Europa und anderen Großstädten dar. Wegen des anhaltenden Konflikts zwischen Moldawien und der international nicht anerkannten Transnistrischen Moldauischen Republik ist der Schienenverkehr in Richtung Ukraine zeitweise komplett zum Stillstand gekommen. Die nationale Bahngesellschaft ist die Calea Ferată din Moldova. Beim Personenbahnhof der Stadt liegt auch der einzige Rangierbahnhof des Landes.
Der internationale Flughafen Chișinău (KIV) befindet sich ca. 15 km südlich des Stadtzentrums und bietet internationale Flugverbindungen unter anderem nach Athen, Budapest, Bukarest, Frankfurt am Main, Istanbul, Lissabon, London, Madrid, Moskau, München, Paris, Prag, Rom, St. Petersburg, Tel Aviv, Timișoara, Verona und Wien.
Es existieren die öffentlich rechtlichen Medien, so unter anderem die Mediengruppe Teleradio Moldova, welche sowohl Fernsehsender umfasst als auch einige Radiostationen. Des Weiteren existieren im privaten Bereich die Mediengruppe Jurnal TV und Publika. Alle drei sitzen mit ihren Zentralen in Chișinău.
Der nationale TV-Sender von Moldawien heißt Moldova 1 und hat seinen Hauptsitz in Chișinău. Der Sender gehört zur staatlichen Teleradio Moldova, kurz TRM.
Pro TV Chișinău ist ein lokaler Fernsehsender, der seit dem Sendestart am 3. September 1999 täglich jeweils ein Nachrichtenformat sowie zwei Sendungen auf Rumänisch bzw. Russisch überträgt. Der Rest der Sendung wird aus Bukarest (Rumänien) weiter übertragen.
Es gibt mehrere lokale Radiosender in Chișinău. Hinzu kommen Sender aus Rumänien, die in lokalen Sendefenstern in Chișinău übertragen werden. Die wichtigsten Sender sind Vocea Basarabiei, Radio Noroc (lokal), Kiss FM, Pro FM, Radio 21/Hit Radio und Național FM/Fresh FM (rumänisch) sowie HIT FM, Radio Chanson, Русское Радио (Russkoje Radio) (russisch).
Chișinău bietet Hotels verschiedener Preisklassen an. Je nach Preis unterscheiden sich die Qualität und der angebotene Service der Unterkunft jedoch beträchtlich. Eine Registrierung innerhalb von drei Tagen nach der Ankunft im Land bei den zuständigen Behörden (Registrierungsstelle) ist nicht mehr notwendig.
Jeweils jährlich am 14. Oktober feiern die Einwohner Chișinăus den Geburtstag der Stadt mit einem großen Umzug und diversen kleinen Ständen und Attraktionen im autofreien Stadtzentrum.
In Chișinău gibt es mehrere Fußballclubs, die in der Divizia Națională spielen; darunter sind CSF Zimbru Chișinău, FC Dacia Chișinău, FC Unisport-Auto Chișinău und CS Steaua Chișinău. Zu den größeren Fußballstadien in Chișinău gehören das Stadionul Dinamo (Dinamo-Stadion) mit 2.692 Plätzen sowie das am 20. Mai 2006 eröffnete und nach dem gleichnamigen Fußballclub benannte Zimbru-Stadion. Etwa zur gleichen Zeit wurde das Stadionul Republicii (Stadion der Republik) mit seinen 8.000 Sitzplätzen abgerissen.
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Dieser Artikel wurde am 21. Juni 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |
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