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Cholesterin

Strukturformel
Strukturformel von Cholesterin
Allgemeines
Name Cholesterin
Andere Namen
  • Cholesterol
  • Cholest-5-en-3ÎČ-ol
  • 5-Cholesten-3ÎČ-ol
Summenformel C27H46O
CAS-Nummer 57-88-5
PubChem 5997
DrugBank EXPT00945
Kurzbeschreibung

weißer, fast geruchloser Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 386,67 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,07 g·cm−3 (20 Â°C)[1]

Schmelzpunkt

147–150 °C[1]

Siedepunkt

Zersetzung bei 360 °C[1]

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-SĂ€tze H: keine H-SĂ€tze
EUH: keine EUH-SĂ€tze
P: keine P-SĂ€tze [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Gefahrensymbole
R- und S-SĂ€tze R: keine R-SĂ€tze
S: keine S-SĂ€tze
Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden
Reines Cholesterin ist ein weißer Feststoff

Das Cholesterin (auch Cholesterol) ist ein in allen tierischen Zellen vorkommender Naturstoff. Der Name leitet sich vom griechischen chole ‚Galle‘ und stereos ‚fest‘ ab, da es – bereits im 18. Jahrhundert – in Gallensteinen gefunden wurde.

Inhaltsverzeichnis

Funktion

Cholesterin ist ein lebenswichtiges Sterol und ein wichtiger Bestandteil der Plasmamembran. Es erhöht die StabilitĂ€t der Membran und trĂ€gt gemeinsam mit Proteinen dazu bei, Signalstoffe in die Zellmembran einzuschleusen und wieder hinauszubefördern. Der menschliche Körper enthĂ€lt etwa 140 g Cholesterin. Da es in Wasser nicht löslich ist, befinden sich ĂŒber 95 % des Cholesterins innerhalb der Zellen. Um Cholesterin mit dem Blut transportieren zu können, wird es an Lipoproteine gebunden. Diese können von unterschiedlicher Dichte sein und werden nach ihrem Verhalten beim Zentrifugieren bzw. bei der Elektrophorese unterteilt in Chylomikronen, VLDL, IDL, LDL, HDL und Lipoprotein (a).

Nummerierung der Kohlenstoffatome und Bezeichnung der Ringe im Steroid-GerĂŒst, das auch dem Cholesterin zugrunde liegt.

Cholesterin dient im Körper unter anderem als Vorstufe fĂŒr Steroidhormone und GallensĂ€uren. FĂŒr die Bildung von Hormonen wandelt das Cholesterin-Seitenkettentrennungsenzym Cholesterin zu Pregnenolon um. Dieses ist die Ausgangsverbindung, aus der der Körper die Geschlechtshormone Testosteron, Östradiol und Progesteron und Nebennierenhormone (Corticoide) wie Cortisol und Aldosteron aufbaut. Auch GallensĂ€uren wie CholsĂ€ure und GlykocholsĂ€ure basieren auf der Ausgangssubstanz Cholesterin.[2]

Ein Zwischenprodukt der Cholesterinbiosynthese, das 7-Dehydrocholesterin, ist das Provitamin zur Bildung von Vitamin D durch UV-Licht.

Neue Forschungen zeigen zudem, dass der Körper Cholesterin zur Biosynthese herzwirksamer Glykoside nutzt. Welche Bedeutung diese endogen synthetisierten Glykoside haben, ist noch weitgehend unbekannt.

Aufgrund von Sedimentfunden mit chemischen Cholesterin-Verwandten (Sterolen) wird von einigen Forschern angenommen, dass das CholesterinmolekĂŒl, sofern es nie anders als in belebter Materie auftrat, evolutionsgeschichtlich sehr alt sein mĂŒsse.[3] Die Biosynthese des MolekĂŒls könne allerdings erst funktionieren, seitdem Sauerstoff in der AtmosphĂ€re vorhanden sei. In Bakterien und den Membranen von Mitochondrien finde sich aus diesem Grund kaum Cholesterin; Pflanzen und Pilze enthalten ebenfalls kein Cholesterin, dafĂŒr aber andere, strukturell Ă€hnliche Sterole.

Chemische Einordnung

Cholesterin ist ein polyzyklischer Alkohol. Herkömmlich wird es als zur Gruppe der Sterine (Sterole) gehörendes Steroid zu den Lipiden gerechnet. Entgegen einer verbreiteten Verwechslung ist es jedoch kein Fett, selbst die Einordnung als Lipid ist nicht zwingend.

Physiologie

Cholesterin ist ein fĂŒr Menschen und Tiere lebenswichtiges Zoosterin. Beim Menschen wird Cholesterin zum Großteil (90 %) im Körper selbst hergestellt (synthetisiert), beim Erwachsenen in einer Menge von 1 bis 2 g pro Tag, und nur zu einem kleinen Teil mit der Nahrung aufgenommen. Die Cholesterinresorption liegt im Durchschnitt bei 0,1 bis 0,3 g pro Tag und kann höchstens auf 0,5 g pro Tag gesteigert werden. Das entspricht 30 bis 60 % des in der Nahrung enthaltenen Cholesterins.

Alle Tiere synthetisieren Cholesterin. Ausgehend von "aktivierter EssigsĂ€ure", dem Acetyl-CoA, wird ĂŒber MevalonsĂ€ure in vier Schritten Isopentenyldiphosphat erzeugt. Weitere drei Reaktionsschritte fĂŒhren zum Squalen. Nach dem Ringschluss zum Lanosterin folgen etwa ein Dutzend enzymatischer Reaktionen, die auch parallel verlaufen können, bis schließlich Cholesterin entstanden ist. Dieser letzte Abschnitt ist nicht in allen Einzelheiten bekannt, die beteiligten Enzyme sind jedoch identifiziert.[4]

Cholesterin wird ĂŒber die Leber ausgeschieden, indem es in Form von GallensĂ€uren ĂŒber die Gallenwege in den Darm sezerniert wird (etwa 500 mg pro Tag). GallensĂ€uren sind fĂŒr die Resorption wasserunlöslicher Nahrungsbestandteile, also auch von Cholesterin, erforderlich. Cholesterin wird durch GallensĂ€uren emulgiert und im DĂŒnndarm resorbiert. Da etwa 90 % der GallensĂ€uren wieder aufgenommen werden, ist die Ausscheidung von Cholesterin entsprechend ineffektiv. Durch Medikamente wie Colestyramin, die GallensĂ€uren binden und damit ihre Wiederaufnahme erschweren, kann die Cholesterinausscheidung gesteigert werden. Allerdings wird dann die Senkung des Cholesterinspiegels durch Zunahme der LDL-Rezeptordichte auf Leberzellen und die damit gesteigerte Cholesterinaufnahme aus dem Blut in die Leber, teilweise auch durch eine vermehrte Neusynthese, ausgeglichen.[5]

Biosynthese

Die Biosynthese des Cholesterins, die insbesondere durch Arbeiten von Konrad Bloch, Feodor Lynen, George Joseph Popjåk und John W. Cornforth aufgeklÀrt wurde, geht von den Endprodukten des Mevalonatbiosyntheseweges, von Dimethylallylpyrophosphat und von Isopentenylpyrophosphat aus und benötigt 13 weitere Reaktionen. Beim Menschen sind die Leber und die Darmschleimhaut die Hauptorte der Cholesterinsynthese.

→ Hauptartikel: Cholesterinbiosynthese

Regulation

Das Gleichgewicht zwischen benötigtem, selbst produziertem und ĂŒber die Nahrung aufgenommenem Cholesterin wird ĂŒber vielfĂ€ltige Mechanismen aufrechterhalten. Als wichtig kann dabei die Hemmung der HMG-CoA-Reduktase, des wichtigsten Enzyms der Cholesterinbiosynthese, durch Cholesterin gelten (noch stĂ€rker wird die HMG-CoA-Reduktase durch Lanosterol, eine Vorstufe von Cholesterin, gehemmt). Damit hemmen Produkte dieses Stoffwechselwegs (Cholesterinsynthese) „ihr“ Enzym; dies ist ein typisches Beispiel negativer RĂŒckkopplung. Außerdem verkĂŒrzt sich die Halbwertszeit der HMG-CoA-Reduktase bei erhöhtem Lanosterolspiegel stark, da sie dann vermehrt an Insigs (insulininduzierte Gene) bindet, was schließlich zu ihrem Abbau im Proteasom fĂŒhrt. Es gibt noch viele andere, weniger direkte Regulationsmechanismen, die auf transkriptioneller Ebene ablaufen. Hier sind die Proteine SCAP, Insig-1 und -2 wichtig, die in Anwesenheit von Cholesterin, fĂŒr das sie eine Bindungsstelle besitzen, ĂŒber die proteolytische Aktivierung von SREBPs die AktivitĂ€t einer grĂ¶ĂŸeren Anzahl Gene regulieren. Auch Insulin spielt hier eine Rolle, da es u. a. die Transkription von SREBP1c steigert.

Die HMG-CoA-Reduktase, das SchlĂŒsselenzym der Cholesterinbiosynthese, kann spezifisch und effektiv durch verschiedene Substanzen gehemmt werden (beispielsweise Statine, die als HMG-CoA-Reduktase-Hemmer eine bestimmte Klasse von Medikamenten darstellen). Über den LDL-Rezeptor wird die Aufnahme in die Zelle aktiviert.

Die Höhe des Cholesterinspiegels hĂ€ngt vor allem von der körpereigenen Produktion ab und erst in zweiter Linie von der Zufuhr ĂŒber die Nahrung. Daneben gibt es eine Vielzahl genetisch bedingter HypercholesterinĂ€mien. Auch als Folge anderer Erkrankungen kann der Cholesterinspiegel erhöht sein (beispielsweise durch Hypothyreose, Niereninsuffizienz oder metabolisches Syndrom).

Cholesterintransport (Lipoproteine)

Da Cholesterin in Wasser unlöslich ist, erfolgt der Transport im Blutplasma zusammen mit anderen lipophilen Substanzen wie Phospholipiden, Triglyceriden oder FettsÀuren, mit Hilfe von Transportvesikeln, den Lipoproteinen.

Das ĂŒber die Nahrung zugefĂŒhrte Cholesterin sowie Triglyceride werden nach der Resorption aus dem Darm von den Chylomikronen aufgenommen und von dort in die Gewebe transportiert. Lipoproteine verschiedener Dichte (VLDL, IDL und LDL) transportieren selbst hergestelltes und aufgenommenes Cholesterin von der Leber zu den Geweben. HDL nehmen Cholesterin aus den Geweben auf und bringen es zur Leber zurĂŒck (reverser Cholesterintransport). Das Cholesterin in den Lipoproteinen ist ĂŒberwiegend mit FettsĂ€uren verestert. Das Spektrum dieser FettsĂ€uren ist in starkem Maße durch die mit der Nahrung aufgenommenen Triglyceride zu beeinflussen. Dies zeigen insbesondere Studien an Bevölkerungsgruppen mit speziellen ErnĂ€hrungsformen wie z. B. Vegetarier und Veganer.[6]

FĂŒr den Abbau des LDL-Cholesterins im Blut gibt es im menschlichen Körper zwei voneinander unabhĂ€ngige Wege, den LDL-Rezeptorweg und den sogenannten Scavenger-Pathway. Der grĂ¶ĂŸte Teil, ca. 65 % des LDL-Cholesterins im Plasma, wird ĂŒber LDL-Rezeptoren verstoffwechselt. LDL-Rezeptoren findet man in allen Zelltypen der Arterien und in Hepatozyten (Leberzellen). Neben dem LDL-Rezeptorweg werden circa 15 % des LDL-Cholesterins im Plasma ĂŒber den sogenannten Scavenger Pathway in den BlutgefĂ€ĂŸen abgebaut. Als Scavenger-Zellen werden die Makrophagen bezeichnet. Sie besitzen sogenannte Scavenger-Rezeptoren, ĂŒber die chemisch modifizierte (oxidierte) LDL ungehemmt und konzentrationsunabhĂ€ngig aufgenommen und gespeichert werden können.

Zusammenfassend lassen sich drei verschiedene Wege beschreiben, die das Cholesterin (unabhĂ€ngig ob ĂŒber die Nahrung oder selbst synthetisiert) im Organismus nimmt:

  1. Ausscheidung in die Galle und damit in einen enterohepatischen Kreislauf (Leber → Galle → Darm → Blut ĂŒber die Venae portae → Leber).
  2. Umwandlung zu GallensÀuren, die an den Darm abgegeben werden.
  3. Abgabe ins Blut in Form von Lipoproteinen (VLDL → LDL → HDL) zur Synthese von Steroiden und Bildung von Membranen in anderen Organen.

Blutspiegel

Der durchschnittliche Gesamtcholesterinspiegel wie auch die LDL- und HDL-Spiegel der gesunden Normalbevölkerung sind von Land zu Land verschieden und darĂŒber hinaus alters- und geschlechtsabhĂ€ngig. Eine Korrelation zwischen den Blutcholesterin-Werten und dem Body-Mass-Index besteht nicht.

Gesamtcholesterinspiegel

Durchschnittlicher Gesamtcholesterinspiegel von erwachsenen Deutschen mittleren Alters (Daten von 2816 Teilnehmern einer von den Krankenkassen kostenlos angebotenen Gesundheitsvorsorgeuntersuchung[7])

Generell nimmt der Gesamtcholesterinspiegel mit dem Alter deutlich zu. In der Regel ist er bei jungen Frauen etwas niedriger als bei jungen MĂ€nnern. Mit zunehmendem Alter gleicht sich dieser Unterschied jedoch aus, und Ă€ltere Frauen haben schließlich im Mittel einen höheren Cholesterinspiegel als Ă€ltere MĂ€nner. Einen Sonderfall stellt die Schwangerschaft dar, in der der Gesamtcholesterinspiegel im Normalfall deutlich erhöht ist.

Der durchschnittliche Gesamtcholesterinspiegel der Altersgruppe zwischen 35 und 65 Jahren in Deutschland liegt bei etwa 236 mg/dl (entspricht 6,1 mmol/l), die Standardabweichung bei ±46 mg/dl. Das bedeutet nĂ€herungsweise, dass etwa zwei Drittel der deutschen Bevölkerung in dieser Altersgruppe einen Gesamtcholesterinwert im Bereich zwischen 190 mg/dl und 280 mg/dl aufweisen, und je ein Sechstel der Deutschen in dieser Altersgruppe Werte oberhalb beziehungsweise unterhalb dieses Bereichs. In manchen Teilen Chinas liegt der durchschnittliche Cholesterinwert bei 94 mg/dl mit Normwerten zwischen 70 mg/dl und 170 mg/dl[8], wobei die geringeren Cholesterinwerte mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit an Herz- und Krebserkrankungen korrelieren[8].

LDL-Cholesterinspiegel

→ Hauptartikel: Low Density Lipoprotein

Der LDL-Cholesterinspiegel unterliegt einer Ă€hnlichen alters- und geschlechtsabhĂ€ngigen Verteilung. Auch hier ist der altersabhĂ€ngige Anstieg bei den Frauen deutlich stĂ€rker ausgeprĂ€gt als bei den MĂ€nnern. Der Mittelwert der Altersgruppe zwischen 35 und 65 Jahren liegt dabei bei den deutschen Frauen bei 164 mg/dl (Standardabweichung ±44 mg/dl), bei den MĂ€nnern bei 168 mg/dl (±43 mg/dl).

HDL-Cholesterinspiegel

→ Hauptartikel: High Density Lipoprotein

Der durchschnittliche HDL-Spiegel unterscheidet sich stĂ€rker zwischen den beiden Geschlechtern, wobei Frauen im mittleren Alter einen höheren HDL-Spiegel aufweisen als MĂ€nner. Die AltersabhĂ€ngigkeit zeigt sich hier bei beiden Geschlechtern in einem Absinken ab einem Alter von etwa 55 Jahren. Der durchschnittliche HDL-Spiegel bei den deutschen Frauen in der Altersgruppe zwischen 35 und 65 Jahren liegt bei 45 mg/dl (±12 mg/dl), bei den MĂ€nnern bei 37 mg/dl (±11 mg/dl).

Quotienten

Auf Grundlage der vorgenannten Parameter werden gelegentlich Quotienten aus diesen Werten bestimmt. Der Mittelwert des Quotienten aus LDL- und HDL-Spiegel liegt fĂŒr die deutschen Frauen zwischen 35 und 65 Jahren bei 3,9 (±1,6), bei den MĂ€nnern bei 4,9 (±1,9). Die entsprechenden Durchschnittswerte fĂŒr den Quotienten aus dem Gesamtcholesterin- und dem HDL-Spiegel liegen fĂŒr die Frauen bei 5,7 (±2,1), fĂŒr die MĂ€nner bei 7,0 (±2,3).

Messung und Labor-Referenzwerte

Die Bestimmung der Konzentration von Cholesterin im Blut in medizinischen Routinelabors gehört heute zu den Bestimmungsmethoden, die in Deutschland ringversuchspflichtig sind. Ein Ringversuch ist die externe QualitĂ€tskontrolle von Laborparametern, die von der BundesĂ€rztekammer kontrolliert und zertifiziert wird. An die so genannten „Richtlinien der BundesĂ€rztekammer“ (RiLiBÄK) muss sich jedes Labor in Deutschland halten. Der Referenzbereich (oftmals irrefĂŒhrend als „Normalwert“ bezeichnet) ist vom MessgerĂ€t und der Methode abhĂ€ngig. FĂŒr die Bestimmung von Cholesterin werden in Deutschland in den meisten Labors GerĂ€te von Roche Diagnostics (frĂŒher Boehringer Mannheim) verwendet. Auf dem Modell Hitachi wird als Referenzwert fĂŒr das Gesamtcholesterin 110–230 mg/dl angegeben. Beim neueren GerĂ€t Modular wird als Referenzbereich <240 mg/dl angegeben. Die Referenzbereiche wurden in den letzten Jahren mehrfach nach oben korrigiert. Um eine VerfĂ€lschung der Ergebnisse auszuschließen, wird die Bestimmung hĂ€ufig erst 12 bis 16 Stunden nach der letzten Mahlzeit durchgefĂŒhrt.

Lange Zeit wurde im Labor nur das Gesamtcholesterin bestimmt, da die direkte Messung der verschiedenen Lipoproteine nicht möglich bzw. sehr aufwendig war. Das hat sich mittlerweile geĂ€ndert. Das LDL-Cholesterin wird nicht direkt bestimmt, sondern aus den direkt gemessenen Werten fĂŒr Gesamtcholesterin, Triglyceride und HDL nach Friedewald et al.[9] abgeschĂ€tzt als Gesamtcholesterin minus HDL-Cholesterin minus ein FĂŒnftel des Triglyceridwertes (alle Angaben in mg/dl). Diese Methode kann nicht angewendet werden fĂŒr Triglyzeridwerte ĂŒber 400 mg/dl oder bei Vorliegen einer ChylomikronĂ€mie. Verschiedene Korrekturfaktoren sind vorgeschlagen worden, um die PrĂ€zision dieser AbschĂ€tzung zu erhöhen, jedoch sind sie bisher nicht in die klinische Praxis eingegangen. Der Referenzbereich fĂŒr den LDL-Cholesterinspiegel wird fĂŒr Frauen und MĂ€nner zwischen 70 und 180 mg/dl angegeben.

Einheiten und Umrechnung

In Westdeutschland wird fĂŒr die Angabe der Konzentration von Cholesterin im Blut hĂ€ufig die Einheit „mg/dl“ (Milligramm pro Deziliter) verwendet. In Ostdeutschland wird dagegen – wie im angelsĂ€chsischen Sprachraum – ĂŒberwiegend die Einheit „mmol/l“ (Millimol pro Liter, vergleiche Milli und Mol) benutzt. FĂŒr Cholesterin (nicht jedoch fĂŒr Triglyceride oder andere Stoffe) gilt der folgende Zusammenhang zwischen diesen Maßeinheiten:

1 mg/dl = 0,02586 mmol/l
1 mmol/l = 38,67 mg/dl

Beispiel:

236 mg/dl = 236 · 0,02586 mmol/l = 6,10 mmol/l
6,10 mmol/l = 6,10 · 38,67 mg/dl = 236 mg/dl

FĂŒr Triglyceride gelten die folgenden Umrechnungsformeln:

1 mg/dl = 0,0113 mmol/l
1 mmol/l = 88,57 mg/dl

Erkrankungen

Zu den bekannten Erkrankungen im Zusammenhang mit Cholesterin gehören die familiÀre HypercholesterinÀmie und Gallensteine (Gallenkonkrement).

FamiliÀre HypercholesterinÀmie

Es gibt erbliche Störungen des Cholesterinstoffwechsels (familiĂ€re HypercholesterinĂ€mie), die unabhĂ€ngig von der Nahrungsaufnahme zu stark erhöhten Cholesterinwerten im Blut fĂŒhren. Bei einer der bekannten Formen der HypercholesterinĂ€mie sind die LDL-Rezeptoren nur unvollstĂ€ndig ausgebildet oder fehlen ganz.

Heterozygote TrĂ€ger dieser Erbfaktoren sind ĂŒberdurchschnittlich hĂ€ufig schon in jĂŒngeren Jahren von Herzinfarkten und anderen GefĂ€ĂŸkrankheiten betroffen. GemĂ€ĂŸ einer Untersuchung aus dem Jahre 1991 gilt dies nicht mehr fĂŒr Ă€ltere Personen. Hier geht die MortalitĂ€t sogar deutlich zurĂŒck und liegt nur bei 44 % gegenĂŒber dem Standard.[10]

Die PrÀvalenz der hÀufigsten monogenetischen HypercholesterinÀmie, der sogenannten autosomal dominanten familiÀren HypercholesterinÀmie, liegt bei ca 1:500. Allerdings scheint es im Verlauf der letzten 200 Jahre eine bedeutende VariabilitÀt in der HÀufigkeit von Symptomen bei Betroffenen gegeben zu haben, was auf eine Interaktion einer verÀnderten Umwelt (beispielsweise ErnÀhrung, Lebensstil) mit dem Genotyp hindeutet [11].

Gallensteine

Cholesterin wird mit der GallensĂ€ure im Darm vom Körper aufgenommen. Dabei wird Cholesterin emulgiert und im DĂŒnndarm resorbiert. Die Löslichkeit von Cholesterin in der Gesamtgalle liegt bei 0,26 %. Bei einer VerĂ€nderung der Zusammensetzung der Galle kommt es zur Bildung von Cholesterinsteinen. 80 % der Gallensteine sind cholesterinreich und 50 % reine Cholesterinsteine. Die Bildung von Gallensteinen erfolgt nur in der Gallenblase.

Weitere Krankheitsformen

Weniger bekannte Erkrankungen sind zum Beispiel die Cholesterinspeicherkrankheit (Xanthomatose oder Hand-SchĂŒller-Christian-Syndrom), bei der Cholesterin krankhaft unter anderem in der Haut gespeichert wird.

Mit einer HĂ€ufigkeit von ca. 1:60.000 kommt in Europa das Smith-Lemli-Opitz-Syndrom (SLO) vor. Grund fĂŒr die Erkrankung mit SLO-Syndrom ist ein Defekt des letzten Enzyms des Cholesterin-Biosynthesewegs, der 7-Dehydrocholesterin-Reduktase. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch geistige Retardierung, Wachstumsprobleme, Entwicklungsstörungen und GesichtsverĂ€nderungen.

Weiterhin ist eine HypocholesterinĂ€mie bekannt, bei der der Cholesterinspiegel unter 130 mg/dl im Blut vorliegt. Dies tritt vor allem bei LeberschĂ€digung wie einer Leberzirrhose[12], der genetisch bedingten Tangier-Krankheit[13] und bei Mangan<b/>mangel[14] auf. Dabei kann unter anderem das Vitamin E nicht mehr an seine entsprechenden Zielorte transportiert werden.

Cholesterin und die Koronare Herzkrankheit (KHK)

Herz-Kreislauferkrankungen, dabei insbesondere die koronare Herzkrankheit (KHK), lösten mit steigendem Lebensstandard im 20. Jahrhundert in den westlichen Industrienationen die Infektionskrankheiten als hĂ€ufigste Todesursache ab. In den 1950er-Jahren fand die Hypothese des amerikanischen ErnĂ€hrungsforschers Ancel Keys große Beachtung, diese Entwicklung sei zusĂ€tzlich dadurch begĂŒnstigt, dass der steigende Wohlstand mit einer zu fetthaltigen ErnĂ€hrung einhergehe. Insbesondere fĂŒhre eine cholesterinreiche ErnĂ€hrung (in erster Linie Fleisch, HĂŒhnerei, Milch, Butter und andere Milchprodukte) zu einem erhöhten Cholesterinspiegel. Der erhöhte Cholesterinspiegel wiederum fĂŒhre zu Arteriosklerose, welche die hĂ€ufigste Ursache von Herzinfarkten ist. Die Aufnahme von cholesterinhaltiger Nahrung sei somit eine von vielen Ursachen fĂŒr einen Herzinfarkt. Diese These ist umstritten. Siehe dazu den Abschnitt Kritik.

Bedeutung der Hypothese

Die Hypothese, cholesterinreiche ErnĂ€hrung und ein hoher Blut-Cholesterinspiegel spielten eine ursĂ€chliche Rolle bei der Entstehung von Herzinfarkten, hat in den vergangenen Jahrzehnten im wissenschaftlichen Umfeld wie in der öffentlichen Wahrnehmung große Verbreitung gefunden. Sie bildet heute in der medizinischen Praxis ein wesentliches Element der Vorbeugung von Herzinfarkten. Sie fĂŒhrte insbesondere in den USA, aber auch in Europa zur Verbreitung kĂŒnstlich cholesterinreduzierter oder cholesterinfreier Lebensmittel (beispielsweise Margarine), und darĂŒber hinaus zu einer routinemĂ€ĂŸigen Verschreibung von Medikamenten zur Senkung des Cholesterinspiegels.

Cholesterinsenker stellen heute das weltweit umsatzstĂ€rkste Segment des Pharmamarktes dar. Im Jahre 2004 wurden mit Cholesterinsenkern weltweit UmsĂ€tze von 27 Milliarden US-Dollar erzielt, bei einer Wachstumsrate von 10,9 %. UmsatzstĂ€rkstes Medikament ist Atorvastatin (LipitorÂź, SortisÂź) des US-Herstellers Pfizer, welches 2005 einen Umsatz von weltweit 12,2 Milliarden US-Dollar erzielte.[15] Dieses Medikament spielt allerdings auf dem deutschen Markt heute keine wesentliche Rolle mehr, seit die Krankenkassen eine Festbetragsregelung fĂŒr Statine eingefĂŒhrt haben.

Weltweit nehmen etwa 25 Millionen Menschen regelmĂ€ĂŸig cholesterinsenkende PrĂ€parate ein.

Empirisch gewonnene Hinweise

Die Cholesterin-Hypothese stĂŒtzt sich ausschließlich auf empirisch gewonnene Hinweise. Es konnte jedoch bisher kein biologischer Mechanismus nachgewiesen werden, der ĂŒber das Cholesterin bzw. einen erhöhter Cholesterinspiegel zur Plaquebildung fĂŒhrt.

  • Bei Hasen und anderen ĂŒberwiegend vegetarisch lebenden Tieren fĂŒhrt im Tierversuch die Verabreichung einer stark cholesterinhaltigen Nahrung (Milch, Eigelb) zur Entwicklung einer Arteriosklerose. Diese Beobachtung wurde erstmals 1908 von dem russischen Wissenschaftler Alexander Ignatowski veröffentlicht. Umstritten ist allerdings die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf den Menschen, da dessen natĂŒrlicher Regelmechanismus fĂŒr die Höhe des Cholesterinspiegels die Aufnahme von Cholesterin ĂŒber die Nahrung nahezu vollstĂ€ndig kompensiert. Daher wurden spĂ€ter Ă€hnliche Untersuchungen an Schweinen vorgenommen, welche eine 70%-ige Homologie zum Menschen aufweisen, beziehungsweise auch an Affen, mit Ă€hnlichen Ergebnissen wie bei den Hasen. Bei einzelnen der untersuchten Affenarten (wie die Schweine meist Allesfresser mit ĂŒberwiegend vegetarischer ErnĂ€hrung) fand man allerdings starke individuelle Unterschiede auch innerhalb einer Art. Bei einzelnen Individuen lĂ€sst sich der Cholesterinspiegel demnach durch die ErnĂ€hrung beeinflussen („hyperresponders“), bei anderen nicht („hypo-responders“).
  • Cholesterin ist ein wesentlicher Bestandteil der arteriosklerotischen Plaques. Dies wurde 1910 vom deutschen Chemiker und spĂ€teren NobelpreistrĂ€ger Adolf Windaus nachgewiesen.
  • Ancel Keys veröffentlichte in den 1950er Jahren aufsehenerregende vergleichende Studien von sechs bzw. sieben LĂ€ndern, in denen er fĂŒr diese LĂ€nder lĂ€nderĂŒbergreifend eine Korrelation zwischen der KHK-Rate (Erkrankung der HerzkranzgefĂ€ĂŸe) und dem Anteil tierischer Fette in der ErnĂ€hrung zeigte. Insbesondere in Japan zeigte sich eine niedrige KHK-Rate bei gleichzeitig geringem Anteil tierischer Fette in der Nahrung, in den USA zeigte sich das Gegenteil. SpĂ€ter wurde ihm allerdings zum Vorwurf gemacht, dass er gezielt nur diejenigen der zu diesem Zeitpunkt veröffentlichten LĂ€nder-DatensĂ€tze prĂ€sentiert hĂ€tte, die die von ihm postulierte Korrelation zu unterstĂŒtzen scheinen. Andere Studien, welche die KHK-Rate von eingewanderten Japanern in den USA untersuchten, konstatierten eine Angleichung der niedrigeren japanischen an die USA-KHK-Rate. Dies könnte wiederum fĂŒr ernĂ€hrungsbedingte Faktoren sprechen, wĂ€re aber auch durch andere Faktoren erklĂ€rbar, die mit dem Lebensstil zusammenhĂ€ngen. Kritiker stellen darĂŒber hinaus die in beiden FĂ€llen vorausgesetzte Vergleichbarkeit der von verschiedenen LĂ€ndern veröffentlichten Todesursachen in Frage, da bei der Feststellung der Todesursache auch kulturelle Faktoren eine Rolle spielten.
  • Bei jĂŒngeren MĂ€nnern bis zum Alter von etwa 45 Jahren geht ein hoher Gesamt- bzw. LDL-Cholesterinspiegel mit einem erhöhten Auftreten von KHK-Erkrankungen einher und stellt dabei neben den weiteren bekannten Risikofaktoren einen eigenstĂ€ndigen Risikofaktor dar. Das bedeutet, dass sich diese Korrelation nicht allein durch die Korrelation des Cholesterinspiegels mit anderen bekannten KHK-Risikofaktoren erklĂ€ren lĂ€sst. Weitere bekannte Risikofaktoren sind Lebensalter, Geschlecht, positive Familienanamnese (d. h. Auftreten von Herzinfarkt in der nĂ€heren Verwandtschaft), Rauchen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Übergewicht und Bewegungsmangel. FĂŒr jĂŒngere wie Ă€ltere Frauen und fĂŒr Ă€ltere MĂ€nner stellt ein hoher Cholesterinspiegel allerdings entgegen der weit verbreiteten Meinung keinen Risikofaktor fĂŒr KHK-Erkrankungen dar.
  • Patienten mit familiĂ€rer HypercholesterinĂ€mie haben aufgrund eines erblichen Gendefekts einen sehr hohen Cholesterinspiegel (oft 400 mg/dl und mehr), und in jungen Jahren ein gegenĂŒber der Normalbevölkerung um ein Vielfaches gesteigertes KHK-Risiko. Durch die Vergabe verschiedener Lipidsenker konnte die Lebenserwartung dieser Patienten erhöht werden. Das KHK-Risiko dieser Patienten normalisiert sich allerdings in einem Alter ab etwa 55 Jahren.[16]
  • In zahlreichen Studien wurde demonstriert, dass die Einnahme von Medikamenten zur Cholesterinsenkung insbesondere bei mĂ€nnlichen KHK-Hochrisikopatienten zu einem RĂŒckgang des Herzinfarktrisikos fĂŒhren kann, der allerdings in aller Regel durch eine Zunahme anderer Todesursachen kompensiert wurde. In den vergangenen Jahren konnte mit der Medikamentengruppe der Statine in einzelnen Studien erstmals auch ein geringer lebensverlĂ€ngernder Nutzen der Einnahme eines Cholesterinsenkungs-PrĂ€parats demonstriert werden. Dieser zeigte sich allerdings nur in einem Teil der durchgefĂŒhrten Studien und nur bei mĂ€nnlichen KHK-Hochrisikopatienten mittleren Alters.
  • Menschen mit einer bestimmten Variante im Gen fĂŒr den Low-Density-Lipoprotein(LDL-)Rezeptor haben ein Leben lang niedrigere Cholesterinspiegel im Blut. Das Herzinfarkt-Risiko ist bei diesen Menschen um 23 % vermindert. Der LDL-Rezeptor bindet allerdings nicht nur LDL, sondern auch mehrere andere Proteine, so dass der Zusammenhang durch diesen Fakt noch nicht hergestellt ist.[17]

Die Rolle von High Density Lipoprotein und Low Density Lipoprotein

Die ursprĂŒngliche Hypothese, ein erhöhter Cholesterinspiegel sei kausal verantwortlich fĂŒr die koronare Herzerkrankung, wird in jĂŒngerer Zeit meist in etwas modifizierter Form vertreten. Unterschieden wird nun zwischen HDL- und LDL-Cholesterin, wobei ein hoher HDL-Cholesterinspiegel als gĂŒnstig, ein hoher LDL-Spiegel dagegen als weniger gĂŒnstig angesehen wird. Entsprechend dieser Vorstellung wird HDL populĂ€rwissenschaftlich als „gutes“ Cholesterin bezeichnet, LDL als „schlechtes“ oder „böses“ Cholesterin. Diese Vorstellung stĂŒtzt sich im Wesentlichen auf folgende Beobachtungen:

  • HDL dient dem Transport von Cholesterin vom Gewebe zur Leber, LDL dient dem Transport in umgekehrter Richtung. Auf Grundlage dieser Erkenntnis wird vermutet, dass ein hoher HDL-Spiegel und ein niedriger LDL-Spiegel dazu fĂŒhren, dass im VerhĂ€ltnis mehr Cholesterin von den GefĂ€ĂŸen zur Leber transportiert wird und sich deshalb weniger arteriosklerotische Plaques bilden können.
  • Das VerhĂ€ltnis von HDL und LDL korreliert noch stĂ€rker als der Gesamtcholesterinspiegel mit den bekannten Risikofaktoren fĂŒr Arteriosklerose, wie Alter, Geschlecht, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Betrachtet man also lediglich die HDL- und LDL-Spiegel, ohne eine Normierung bezĂŒglich der bekannten Risikofaktoren vorzunehmen, so zeigt sich der vermutete Zusammenhang sehr deutlich. Allerdings ergibt sich nach dem Herausrechnen dieser Korrelationen keine höhere prognostische Kraft fĂŒr das KHK-Risiko als beim Gesamtcholesterinspiegel.
  • In wissenschaftlichen Untersuchungen der letzten 20–30 Jahre hat man festgestellt, dass die arteriosklerotischen Plaques ĂŒberwiegend aus chemisch modifizierten (oxidiertem) LDL-Cholesterin entstehen (siehe auch Lipoprotein-induced atherosclerosis Hypothese unter Arteriosklerose).

Zielwerte und Richtlinien

Die Hypothese, Cholesterin sei kausal verantwortlich fĂŒr Herzinfarkte, fĂŒhrte bereits in den 1960er Jahren zu einer breit angelegten öffentlichen Informationskampagne in den USA, um die Bevölkerung vor den möglichen Gefahren eines hohen Cholesterinspiegels zu warnen. Im Jahre 1984 warnte das amerikanische Nachrichtenmagazin Time in einer Titelgeschichte vor dem Verzehr von Eiern und Wurst. Im Jahre 1985 wurde zur Ausweitung dieser Kampagne durch die American Heart Association (AHA, Amerikanischer Kardiologenverband) das National Cholesterol Education Program (NCEP, Nationales Cholesterin-Erziehungsprogramm) ins Leben gerufen. Das NCEP gibt seit seiner GrĂŒndung regelmĂ€ĂŸig Empfehlungen heraus, an denen sich die Behandlung von Patienten mit hohem Cholesterinspiegel orientieren soll. In Deutschland ist die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Kardiologie (DGK) die entsprechende Fachgesellschaft, die eigene Zielwerte heraus gibt, die aber in der Regel den amerikanischen Werten sehr Ă€hnlich sind. Eine vergleichbare Rolle wie das NCEP ĂŒbernimmt in Deutschland die industrienahe Lipid-Liga.

Die grundlegenden Richtlinien der NCEP III, denen sich die europĂ€ischen und deutschen Gesellschaften angeschlossen haben, unterscheiden drei gestaffelte Risikogruppen. Zur Gruppe 1 zĂ€hlen alle Patienten, die bereits eine KHK entwickelt haben oder ein vergleichbares Risiko aufweisen (dazu zĂ€hlt z. B. auch eine Diabeteserkrankung). Diese Patienten haben ein 10-Jahres-Risiko fĂŒr ein kardiales Ereignis von >20 %. Zur Gruppe 2 zĂ€hlen die Patienten, die mindestens zwei Risikofaktoren aufweisen, zur Gruppe 3 die Patienten, die weniger als zwei Risikofaktoren aufweisen.[18]

Patienten der Gruppe 1 sollten bei LDL-Werten ĂŒber 100 mg/dl LebensstilĂ€nderungen vornehmen (ErnĂ€hrung etc.), bei Werten ĂŒber 130 mg/dl eine medikamentöse Therapie beginnen. Ziel sollte fĂŒr sie sein, LDL-Werte unter 100 mg/dl zu erreichen.

Patienten der Gruppe 2 sollten bei LDL-Werten ĂŒber 130 mg/dl LebensstilĂ€nderungen vornehmen, bei Werten ĂŒber 130 mg/dl oder 160 mg/dl (abhĂ€ngig von der spezifischen Risikoberechnung) eine medikamentöse Therapie beginnen. Ziel sollte sein, LDL-Werte unter 130 mg/dl zu erreichen.

Patienten der Gruppe 3 sollten bei LDL-Werten ĂŒber 160 mg/dl eine LebensstilĂ€nderung vornehmen und eine medikamentöse Therapie erwĂ€gen, ab 190 mg/dl wird eine medikamentöse Therapie dringend empfohlen.

Als Risikofaktoren gelten:

  • Rauchen
  • erhöhter Blutdruck (ĂŒber 140/90 mmHg oder eine aktuelle hypertensive Behandlung)
  • niedriges HDL-Cholesterin (<40 mg/dl)
  • KHK-Erkrankungen in der Familie (bei mĂ€nnlichen Verwandten ersten Grades unter 55 Jahren oder weiblichen Verwandten ersten Grades unter 65 Jahren)
  • Alter (MĂ€nner ĂŒber 45, Frauen ĂŒber 55 Jahre)

Als LebensstilÀnderungen werden empfohlen:

  • Reduktion der verzehrten gesĂ€ttigten FettsĂ€uren (<7 % der Gesamtkalorien) und Cholesterins
  • Nichtmedikamentöse Therapieoptionen zur LDL-Senkung (z. B. pflanzliche Sterole (2 g/Tag) etc.)
  • Gewichtsreduktion
  • Erhöhte körperliche BetĂ€tigung

Die Anwendung dieser Zielwerte wird von den deutschen Fachgesellschaften der Kardiologen und Internisten unterstĂŒtzt und befĂŒrwortet.[19]

Kritik

Die Forderung, ein (LDL-)Cholesterinspiegel oberhalb der publizierten Zielwerte mĂŒsse gegebenenfalls durch ErnĂ€hrungsumstellung und/oder eine medikamentöse Therapie abgesenkt werden, war und ist umstritten. Im Folgenden werden die wichtigsten Kritikpunkte aufgefĂŒhrt:

Zweifel an der Kausalkette ErnĂ€hrung – Cholesterin – KHK-Erkrankung

Die auf der Cholesterinhypothese beruhenden Empfehlungen fĂŒhren hĂ€ufig dazu, dass sich gesunde Menschen prophylaktisch einer risikobehafteten, medikamentösen Therapie unterziehen oder ihre ErnĂ€hrung umstellen. Auf Basis der umfangreichen Studienlage zu dieser Fragestellung wird zunehmend angezweifelt, dass ein auslösender, kausaler Zusammenhang zwischen dem Cholesterinspiegel und der KHK besteht.

  • Beim Menschen ist ein Zusammenhang zwischen ErnĂ€hrung und Cholesterinspiegel nur schwach ausgeprĂ€gt (siehe auch Abschnitt Einfluss der ErnĂ€hrung auf den Cholesterinspiegel. Die Empfehlungen zur ErnĂ€hrungsumstellung seien daher meist zum Scheitern verurteilt.
  • Cholesterin ist Bestandteil der Zellmembran und eine der hĂ€ufigsten im Körper vorkommenden Substanzen. Sie spielt, wie die unten aufgefĂŒhrten Beispiele zeigen, unter anderem fĂŒr den Gehirnstoffwechsel eine wichtige Rolle - weshalb der Körper sich auch nicht auf die Zufuhr von außen verlĂ€sst, sondern den Spiegel selbst reguliert. Welche Nebenfolgen man mit medikamentösen Eingriffen in diesen Mechanismus auslöst, ist kaum abzusehen.
  • Ein hoher (LDL-)Cholesterinspiegel korreliert nur bei MĂ€nnern bis 45 Jahren mit der Anzahl der KHK-Erkrankungen. Aus einer bloßen Korrelation lasse sich aber noch nicht einmal bei dieser Bevölkerungsgruppe auf eine KausalitĂ€t schließen. Wahrscheinlicher sei vielmehr eine gemeinsame Ursache fĂŒr den Anstieg des Cholesterinspiegels und des KHK-Risikos. Unter anderem wird vermutet, Cholesterinablagerungen in den Arterien könnten eine Reparaturmaßnahme sein, mit der der Körper auf geschĂ€digte BlutgefĂ€ĂŸe reagiert. UnterdrĂŒckt man diese Reparaturmaßnahme durch Reduzierung des freien Cholesterins, dann mag dies in ExtremfĂ€llen die Infarktgefahr reduzieren, aber nur um den Preis anderer, womöglich grĂ¶ĂŸerer SchĂ€den – etwa eines erhöhten Krebsrisikos (s. unten). Dazu passt der nĂ€chste Kritikpunkt:
  • Ein hoher (LDL-)Cholesterinspiegel ist statistisch zumindest bei Ă€lteren Menschen nicht mit einer VerkĂŒrzung der Lebenserwartung verknĂŒpft.[20][21] Das Senken des Infarktrisikos wird also, so es ĂŒberhaupt stattfindet, durch das Ansteigen anderer tödlicher Krankheiten jedenfalls wieder ausgeglichen.
  • WĂ€re ein hoher Serum-(LDL)-Cholesterinspiegel ein Auslöser fĂŒr Arteriosklerose, so mĂŒsste sich in pathologischen Untersuchungen an verstorbenen Patienten eine deutliche Korrelation zwischen dem (LDL-)Cholesterinspiegel und dem Grad der arteriosklerotischen VerĂ€nderungen der GefĂ€ĂŸe zeigen. Dieser Zusammenhang mĂŒsste sich sogar weitaus deutlicher zeigen, als eine etwaige Korrelation mit der KHK-Rate, da nur ein Teil der Herzinfarkte durch Arteriosklerose ausgelöst wird. Eine 1998 veröffentlichte Analyse aller vorliegenden Autopsiestudien zu dieser Fragestellung kommt jedoch auch unter BerĂŒcksichtigung der methodischen SchwĂ€chen der Untersuchungen zur einzig möglichen Schlussfolgerung, dass es keine signifikante Beziehung zwischen Serum-Cholesterin und Atherogenese gibt.[22]
  • Die grĂ¶ĂŸte jemals durchgefĂŒhrte ErnĂ€hrungs-Interventionsstudie, die Anfang 2006 veröffentlicht wurde, zeigte keinerlei Vorteile einer fettarmen ErnĂ€hrung. Weder das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauferkrankungen, noch das Risiko fĂŒr Schlaganfall, noch das Risiko fĂŒr verschiedene Krebserkrankungen konnte durch die ErnĂ€hrungsumstellung (weniger Fett, mehr Obst und GemĂŒse) reduziert werden. An der Studie nahmen fast 50.000 Frauen im Alter zwischen 50 und 79 Jahren teil, die ĂŒber einen Zeitraum von etwa 8 Jahren beobachtet wurden. Der LDL-Cholesterinspiegel der Studienteilnehmer reduzierte sich durch die ErnĂ€hrungsumstellung nur marginal um durchschnittlich 2,7 mg/dl (0,07 mmol/l).[23]

Kritische Bewertung von Nutzen und Risiko einer medikamentösen Cholesterinsenkung

  • Die Ergebnisse von Studien zur medikamentösen Senkung des Cholesterinspiegels rechtfertigen nach Ansicht von Kritikern keineswegs den breiten Einsatz dieser Medikamente. In einer Vielzahl von Studien sei zwar ein Nachweis erbracht worden, dass sich mit diesen Medikamenten effektiv eine Absenkung des Cholesterinspiegels erzielen lasse. Die Erfolge im Hinblick auf einen echten Patientennutzen, insbesondere eine lebensverlĂ€ngernde Wirkung, seien jedoch gering.
  • Die Fokussierung auf die Höhe des Cholesterinspiegels und auf das KHK-Risiko fĂŒhre dazu, dass solche Cholesterin-Senkungs-Studien von den Autoren selbst dann noch als Erfolg dargestellt wĂŒrden, wenn es, wie in einzelnen Studien geschehen, in der Behandlungsgruppe zu einem erheblichen und statistisch signifikanten Anstieg von Krebserkrankungen und TodesfĂ€llen gekommen sei.
  • Der Nutzen von Statinen bei der Reduktion des Herzinfarktrisikos insbesondere von mĂ€nnlichen KHK-Hochrisikopatienten sei auch durch andere Wirkmechanismen erklĂ€rlich als durch die Absenkung des Cholesterinspiegels. DafĂŒr spreche auch, dass der Ausgangs-Cholesterinspiegel fĂŒr den Erfolg einer Statin-Behandlung keine Rolle spielt.
  • Statine haben im Vergleich zu anderen Gruppen von Lipid-Senkern relativ seltene, aber u. U. schwerste Nebenwirkungen, teilweise mit tödlichen Folgen.
  • Die medikamentöse Absenkung des Cholesterinspiegels im ersten Schwangerschaftsdrittel, z. B. mit Statinen, fĂŒhrt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu schwersten Fehlbildungen in der Ausbildung des zentralen Nervensystems und der Gliedmaßen des Kindes, vergleichbar mit SchĂ€digungen durch Thalidomid. Eine Verschreibung von Cholesterinsenkern in der Schwangerschaft ist deshalb kontraindiziert. Kritiker bemĂ€ngeln, dass eine Verschreibung an junge Frauen bei Sicherstellung einer „zuverlĂ€ssigen“ VerhĂŒtung dennoch zulĂ€ssig ist, was dazu gefĂŒhrt hat, dass zahlreiche entsprechende FĂ€lle in der medizinischen Literatur dokumentiert sind.[24]
  • Der LDL-Cholesterinspiegel korreliert mit der GedĂ€chtnisleistung und mit anderen kognitiven Funktionen. Eine Absenkung des LDL-Cholesterinspiegels fĂŒhrt zu einem signifikanten RĂŒckgang von GedĂ€chtnisleistung und Aufmerksamkeit. Als mögliche ErklĂ€rung fĂŒr diesen in verschiedenen Studien beobachteten Effekt kommt die Tatsache in Frage, dass Cholesterin bekanntermaßen bei der Ausbildung von Synapsen im Gehirn eine wesentliche Rolle spielt. Die Ausbildung von Synapsen ist wiederum von wesentlicher Bedeutung beim Lernen und bei der Funktion des GedĂ€chtnisses. Bekannt ist auch, dass sich der Cholesterinspiegel bei Gabe von Statinen nicht nur im Blut, sondern auch im Gehirn deutlich absenkt. In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass in der medizinischen Literatur zahlreiche FĂ€lle von totalem GedĂ€chtnisverlust im direkten Zusammenhang mit der Einnahme von cholesterinsenkenden PrĂ€paraten dokumentiert sind.[25]

Möglicher Einfluss wirtschaftlicher Faktoren auf Forschung, Fachgesellschaften und veröffentlichte Meinung

  • Folgt man den Richtlinien und Zielwerten, so handelt es sich bei dem ĂŒberwiegenden Teil der erwachsenen Bevölkerung um behandlungsbedĂŒrftige „KHK-Risikopatienten“. So sollte etwa ein gesunder 40-jĂ€hriger deutscher Mann mit normalem Blutdruck, der nie geraucht hat und keine KHK-Erkrankungen in der Verwandtschaft hat, mit fĂŒr seine Altersgruppe durchschnittlichen LDL- und HDL-Werten (168 mg/dl bzw. 37 mg/dl), entsprechend den Richtlinien bereits eine medikamentöse Therapie in ErwĂ€gung ziehen. Erreicht er mit diesen durchschnittlichen HDL- und LDL-Werten das Alter von 45 Jahren, so gehört er bereits in die „Risikoklasse 2“, in der er entsprechend den Richtlinien bereits mittels einer medikamentösen Therapie seinen LDL-Spiegel auf 130 mg/dl absenken sollte. Erreicht er ein durchschnittliches Lebensalter, so ist damit zu rechnen, dass er etwa 35 Jahre lang regelmĂ€ĂŸig Medikamente zur Cholesterinsenkung einnehmen wird. DemgegenĂŒber liegt bis heute keine einzige Studie vor, die fĂŒr diesen „Patienten“ auch nur einen geringfĂŒgigen Nutzen einer Cholesterinsenkungstherapie zeigen wĂŒrde. Kritiker sehen in diesen Richtlinien daher in erster Linie ein Instrument zur Steigerung der UmsĂ€tze der pharmazeutischen Industrie.
  • Die ĂŒberwiegende Zahl der Forscher im Bereich Cholesterin und KHK-Erkrankungen, darunter auch die Autoren der NCEP-Richtlinien und die VorstĂ€nde der deutschen DGFF (Lipid-Liga), seien in einem hohen Maße finanziell von Fördermitteln der Pharma-Industrie abhĂ€ngig oder profitierten sogar persönlich von Beratungs- und Vortragshonoraren oder Aktienoptionen dieser Firmen, fĂŒr die wiederum die Medikamente zur Cholesterinsenkung der grĂ¶ĂŸte UmsatztrĂ€ger sind. Folgen dieser AbhĂ€ngigkeit seien:
    • Die Tatsache, dass ein hoher Cholesterinspiegel, anders als vielfach suggeriert, statistisch nicht mit einer VerkĂŒrzung der Lebenserwartung verknĂŒpft ist, wĂŒrde in der kardiologischen Fachwelt weitgehend ignoriert.
    • Gleiches gelte fĂŒr Hinweise auf die Bedeutung des Cholesterinspiegels fĂŒr die GedĂ€chtnisleistung und Aufmerksamkeit sowie fĂŒr Hinweise darauf, dass niedrige Cholesterinspiegel einen Risikofaktor fĂŒr verschiedene Krebserkrankungen darstellen.
    • Wissenschaftliche Studien, die einen Zusammenhang zwischen KHK-Erkrankungen und Cholesterin zu belegen scheinen, werden sechsmal hĂ€ufiger zitiert als Studien, deren Ergebnisse zu dieser Hypothese eher im Widerspruch stehen, obwohl sich die Gesamtzahl der veröffentlichten Studien insgesamt in der Waage hĂ€lt.
    • Ergebnisse von Studien, die fĂŒr die Hersteller der Cholesterinsenkungs-PrĂ€parate ungĂŒnstig verlaufen seien, wĂŒrden zum Teil nicht vollstĂ€ndig veröffentlicht, so etwa im Fall der EXCEL-Studie.
    • Die wissenschaftliche QualitĂ€t der fast ausschließlich von Herstellern finanzierten Medikamentenstudien zum Thema Cholesterinsenkung wird in Frage gestellt. So bezeichnete etwa im Jahr 2005 das deutsche Institut fĂŒr QualitĂ€t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen die wissenschaftliche QualitĂ€t der vorliegenden Statin-Studien generell als „mangelhaft“. Besonders die als einer der wichtigsten Belege fĂŒr den Nutzen einer Statin-Behandlung angefĂŒhrte 4S-Studie steht methodisch erheblich in der Kritik.

Der hohe Grad der Finanzierung durch Mittel der Pharmaindustrie betrifft einen Großteil der gesamten medizinischen Forschung und Entwicklung zu. Auch universitĂ€re Institute finanzieren ihre Forschungsarbeit hĂ€ufig durch Drittmittel. Einfluss auf die öffentliche Meinung und die Verordnungspraxis von Medikamenten, versucht die Pharamaindustrie auch durch sogenannte „Meinungsbildner“ zu gewinnen, die Beratungs- und Vortragshonoraren erhalten. Nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2001 werden etwa 3 % des Marketingbudgets der Pharmaindustrie – im Falle von cholesterinsenkenden PrĂ€paraten entsprĂ€che dieser Anteil jĂ€hrlich einem dreistelligen Euro-Millionenbetrag – in Form von substanziellen Zuwendungen an eine relativ kleine Gruppe von meist international, national oder regional bekannten Professoren ausgeschĂŒttet. Es besteht in Deutschland keine Verpflichtung diese finanziellen Verflechtungen transparent zu machen. Seit Januar 2006 fordert das „Deutsche Ärzteblatt“ allerdings seine Autoren auf, solche AbhĂ€ngigkeiten bekanntzugeben und zu veröffentlichen, entsprechend den Gepflogenheiten in internationalen Fachpublikationen. In einer im Jahre 2005 veröffentlichten Studie kritisiert der deutsche Zweig der internationalen Anti-Korruptions-Organisation Transparency International sowohl die AbhĂ€ngigkeit der medizinischen Forschung von der Pharma-Industrie als auch die nach seiner Ansicht „alltĂ€gliche Praxis der Pharmaindustrie“, sich medizinische Meinungsbildner zu „kaufen“, und spricht in diesem Zusammenhang von einer „strukturellen Korruption“.

  • Die Vorsitzende des Verbandes deutscher Medizinjournalisten (VDMJ) hĂ€lt es fĂŒr eine gĂ€ngige Praxis, dass auch Medizinjournalisten von der Pharmaindustrie fĂŒr ihre Artikel bezahlt werden. Das enorme wirtschaftliche Gewicht von CholesterinsenkungsprĂ€paraten fĂŒr die Pharma-Industrie fĂŒhrt nach Ansicht von Kritikern gerade aus diesem Grunde zu einer ebenso hĂ€ufigen wie unkritischen Thematisierung von Cholesterin und Cholesterinsenkern in Publikumsmedien.
  • Die AbhĂ€ngigkeit der meisten an medizinische Praktiker (niedergelassene Ärzte oder KrankenhausĂ€rzte) gerichteten medizinischen Publikationen (z. B. Ärzte-Zeitung, Medical Tribune, Der Internist) vom Werbebudget der großen Pharmakonzerne verhindere eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema in solchen Zeitschriften. Die Redaktion der Fachpublikation „BDI aktuell“ des Berufsverbandes deutscher Internisten (BDI) fĂŒhrt einen kritischen Artikel zum Thema Cholesterinsenkung mit den Worten ein: „
 und kommt zu Schlussfolgerungen, die Deutschland-weit kein Anzeigen-finanziertes medizinisches Blatt zu drucken bereit wĂ€re.“[26]
  • Apotheken partizipieren in Deutschland mit einer Gewinnspanne von 3 % und einem Festzuschlag von 5,80 Euro (8,10 Euro abzĂŒglich eines Kassenrabatts von 2,30 Euro) pro Packung an den MedikamentenumsĂ€tzen. Wie fĂŒr die Pharmaindustrie stellen Cholesterinsenker daher auch fĂŒr Apotheken einen HauptumsatztrĂ€ger dar. Gleichzeitig spielen ApothekerfunktionĂ€re und Apotheker eine wesentliche Rolle bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Aufmerksamkeit fĂŒr das Thema Cholesterinspiegel-Messung und -Senkung. So treten etwa FunktionĂ€re von Apothekerkammern oder ApothekerverbĂ€nden in Gesundheitssendungen als „Cholesterin-Experten“ auf oder veröffentlichen Ratgeber zum Thema Cholesterinsenkung. Zahlreiche Apotheken wirken bei dem von der Lipid-Liga veranstalteten „Tag des Cholesterins“ mit. DarĂŒber hinaus wird das Thema in den in Apotheken ausliegenden kostenlosen Publikationen regelmĂ€ĂŸig im Sinne der Cholesterin-KHK-Hypothese aufgegriffen. Kritiker stellen angesichts der klaren Interessenkollision in Frage, ob bei diesem Engagement ausschließlich das Patientenwohl im Vordergrund steht.[27][28][29]
  • Auf politischer Ebene spielen industrienahe Denkfabriken wie das „Stockholm Network“ eine große Rolle bei der Verbreitung der Botschaft, dass Cholesterinsenkung notwendig und nĂŒtzlich sei. So veröffentlichte das „Stockholm Network“ mit seiner Unterorganisation „Centre for the New Europe“ (CNE) im Jahre 2006 eine Studie mit dem Titel „Cholesterin: Die Bedeutung des Nicht-genug-Tuns fĂŒr das staatliche Handeln“ (Cholesterol: The Public Policy Implications of Not Doing Enough) und prophezeit eine „Gesundheitskrise“ bis 2020, falls die gegenwĂ€rtige Praxis des „Cholesterin-Managements“ nicht im Sinne einer verstĂ€rkten Anwendung von CholesterinsenkungsprĂ€paraten geĂ€ndert wĂŒrde. Zu den GrĂŒndern des „Stockholm Network“ gehört Pfizer-Vorstand Michael W. Hodin; im Vorstand des CNE sitzt darĂŒber hinaus Catherine Windels, die gleichzeitig als „Director of International Affairs“ fĂŒr Pfizer tĂ€tig ist. Berichten zufolge erhĂ€lt das CNE ĂŒber 50 % seiner Finanzierung alleine von Pfizer, dessen HauptumsatztrĂ€ger der Cholesterinsenker Lipitor/Sortis ist, daneben soll auch der Pharmakonzern Merck Sharp & Dohme (MSD), Hersteller der Cholesterinsenker Zocor und Ezetrol (Ezetimib), zur Finanzierung der Organisation beitragen. Zocor ist mit 4,4 Milliarden Dollar Jahresumsatz (2005) HauptumsatztrĂ€ger von MSD. Der genannte Bericht selbst wurde nach Angaben des Stockholm Network durch die Pharmakonzerne MSD und Schering Plough Corporation finanziert; letzterer vermarktet Ezetrol gemeinsam mit MSD.[30][31][32][33][34][35]

Cholesterin und Schlaganfallrisiko

Ein hoher Cholesterinspiegel wird hĂ€ufig als Risikofaktor fĂŒr SchlaganfĂ€lle dargestellt. Die industrienahe Lipid-Liga bezeichnet Cholesterin als einen der wichtigsten Risikofaktoren fĂŒr SchlaganfĂ€lle[36], und gelegentlich wird Cholesterin sogar als „der wichtigste Risikofaktor“[37] fĂŒr SchlaganfĂ€lle dargestellt, und eine Senkung des Cholesterinspiegels wird als Vorbeugemaßnahme empfohlen.

TatsĂ€chlich existiert nach Studienlage kein Zusammenhang zwischen dem Cholesterinspiegel und dem Schlaganfallrisiko, der diese Behauptung rechtfertigen wĂŒrde, und eine mögliche Rolle des Serum-Cholesterins bei der Entstehung von SchlaganfĂ€llen und ein Nutzen von cholesterinsenkenden Medikamenten ist umstritten.[38]

Serum-Cholesterinspiegel und Schlaganfallrisiko

In der Framingham-Studie, der grĂ¶ĂŸten zu dieser Fragestellung vorliegenden Kohortenstudie, findet sich keinerlei Korrelation zwischen dem Cholesterinspiegel und dem Schlaganfallrisiko.[39]

Auch eine Metaanalyse von 45 Kohortenstudien mit insgesamt 450.000 beobachteten Individuen und ĂŒber 13.000 beobachteten SchlaganfĂ€llen ergab keinerlei Korrelation zwischen dem Cholesterinspiegel und dem Schlaganfallrisiko. Allenfalls bei unter 45-jĂ€hrigen Patienten besteht möglicherweise eine leichte positive Korrelation.[40]

Andere Studien zeigen bei jungen Frauen ebenfalls eine positive Korrelation zwischen dem (in diesem Alter allerdings absolut gesehen sehr geringen) Schlaganfallrisiko und dem Cholesterinspiegel, wÀhrend bei Àlteren Frauen ab dem 50. Lebensjahr das Schlaganfallrisiko mit steigendem Cholesterinspiegel sogar sinkt.[41]

Unterscheidet man zwischen den unterschiedlichen Arten von SchlaganfĂ€llen, so sind niedrige Cholesterinspiegel mit einem leicht erhöhten Risiko fĂŒr hĂ€morrhagische SchlaganfĂ€lle verbunden, wĂ€hrend hohe Cholesterinspiegel mit einem leicht erhöhten Risiko fĂŒr ischĂ€mische SchlaganfĂ€lle einhergehen.[42]

Cholesterinsenkende Medikamente und ihr Einfluss auf das Schlaganfall-Risiko

Bis heute liegt keine randomisierte Studie vor, die dafĂŒr angelegt war, den Einfluss von Cholesterinsenkung auf das Schlaganfallrisiko zu untersuchen. Allerdings können die vorliegenden Cholesterinsenkungs-Studien zur KHK-PrĂ€vention, meist mit KHK-Hochrisikopatienten (i. d. R. mit vorangegangenem Herzinfarkt oder Diabetes) als Probanden, als Grundlage fĂŒr entsprechende Auswertungen herangezogen werden.

In einer im Jahr 2003 veröffentlichten Meta-Analyse von 38 zufĂ€llig ausgewĂ€hlten Cholesterinsenkungs-Studien mit unterschiedlichen PrĂ€paraten zeigte sich in der Behandlungsgruppe eine zwar geringe aber statistisch signifikante relative Reduzierung der Schlaganfall-HĂ€ufigkeit um 17 Prozent, gleichzeitig jedoch eine nicht signifikante Zunahme der tödlichen SchlaganfĂ€lle um 9 Prozent.[43] Statine sind dabei die einzige Wirkstoffgruppe, die zu einer statistisch signifikanten Reduzierung des Schlaganfallsrisikos fĂŒhrt. Möglicherweise ist hierfĂŒr allerdings die geringe aber statistisch signifikant nachgewiesene blutdrucksenkende Wirkung von Statinen verantwortlich; Bluthochdruck gilt als wichtiger Schlaganfall-Risikofaktor.[44]

In der einzigen vorliegenden randomisierten Cholesterinsenkungsstudie mit Ă€lteren Patienten (PROSPER) zeigte sich ebenfalls ein RĂŒckgang nichttödlicher ischĂ€mischer SchlaganfĂ€lle bei einer gleichzeitigen Zunahme tödlicher SchlaganfĂ€lle. In der im Jahre 2005 veröffentlichten 4D-Studie mit unter Typ2-Diabetes leidenden Dialysepatienten kam es zu einer statistisch signifikanten Verdopplung der tödlichen SchlaganfĂ€lle in der mit Statinen behandelten Gruppe (siehe Abschnitt „Studien“).

Cholesterin und Krebserkrankungen

Serum-Cholesterinspiegel und Krebsrisiko

Bei Krebserkrankung ist der Cholesterinspiegel zum Beispiel bei an Brustkrebs erkrankten Frauen im Vergleich zu Gesunden erhöht.[45][46] Bei fortschreitendem Leberkrebs wird die Cholesterinbildung eingeschrÀnkt und als Folge sinkt auch der Serum-Cholesterinspiegel.

Cholesterinsenkende Medikamente und ihr Einfluss auf das Krebsrisiko

Von besonderer Bedeutung ist darĂŒber hinaus die Fragestellung, ob eine Cholesterinsenkung eine prĂ€ventive Wirkung gegenĂŒber bestimmten Krebserkrankungen hat, oder ob diese die Entstehung von Krebserkrankungen sogar begĂŒnstigt.

Erhöhung des Krebsrisikos

Eine im Juli 2007 veröffentlichte Metaanalyse von prospektiven Cholesterinsenkungsstudien ergab eine signifikante Korrelation des Krebsrisikos mit der Einnahme von Statinen. Je niedriger die erzielten LDL-Cholesterinwerte, desto höher war der Anteil der Patienten, die an Krebs erkrankten. Innerhalb einer Beobachtungsdauer zwischen einem und fĂŒnf Jahren wurde in der Gruppe der Patienten mit den niedrigsten erzielten LDL-Cholesterinspiegeln etwa eine zusĂ€tzliche Krebserkrankung auf 1000 Patienten beobachtet.[47]

In der 1996 veröffentlichten CARE-Studie[48] hatte sich ein hochsignifikanter Anstieg der BrustkrebsfÀlle in der mit Pravastatin behandelten Gruppe gezeigt (von 1 auf 12). In der 2002 veröffentlichten PROSPER-Studie[49] mit einem im Vergleich zu anderen Statin-Studien vergleichsweise hohen mittleren Alter (und damit Krebsrisiko) der Probanden fand sich ein statistisch signifikanter Anstieg von Krebserkrankungen in der mit Pravastatin behandelten Gruppe. Auch in der 4S- und HPS-Studie zeigte sich jeweils ein (nicht signifikanter) Anstieg von Krebserkrankungen in der mit Simvastatin behandelten Gruppe.[50]

Senkung des Krebsrisikos

In den letzten Jahren fand auf der Grundlage verschiedener Fall-Kontroll-Studien die gegenteilige Hypothese große Beachtung, Statine hĂ€tten möglicherweise gegen verschiedene Krebserkrankungen (u. a. Prostata-Karzinom[51], Kolorektales Karzinom[52], Brustkrebs[53], Nierenkrebs[54]) sogar eine vorbeugende Wirkung. Grundlage fĂŒr die zum Teil euphorische Medienberichterstattung war folgende Beobachtung: Unter denjenigen Patienten, die die jeweilige Krebserkrankung entwickelt hatten, war der Anteil der Patienten, die Cholesterinsenker eingenommen hatten niedriger, als in einer Vergleichsgruppe ohne Krebserkrankung.

Solche nicht randomisierten Fall-Kontroll-Studien sind allerdings statistisch nur begrenzt aussagekrĂ€ftig[55], und erlauben insbesondere keinerlei Aussage ĂŒber Ursache-Wirkungsbeziehungen (siehe auch Fall-Kontroll-Studie). Der hier beobachtete Effekt kann beispielsweise auch darauf beruhen, dass Patienten mit hohem Cholesterinspiegel, die bekanntermaßen eine niedrigere Krebsrate haben, hĂ€ufiger Cholesterinsenker verschrieben bekommen. Bei dieser Verschreibungspraxis wĂŒrde sich auch bei einem völlig wirkungsfreien Medikament ergeben, dass diejenigen Patienten, die das Medikament einnehmen, eine niedrigere Krebsrate aufweisen.

Kein Einfluss auf Krebsrisiko

Die Fragestellung, ob Statine eine prĂ€ventive Wirkung gegen das Kolorektal-Karzinom haben, wurde in einer 2006 veröffentlichten Analyse einer großen Kohortenstudie geprĂŒft. Es fand sich jedoch eine nicht signifikante Erhöhung des Krebsrisikos bei der Patientengruppe, die mit cholesterinsenkenden Mitteln behandelt worden war.[56]

Eine im gleichen Jahr erschienene Meta-Analyse der zahlreichen Statin-Studien kommt gleichfalls zu dem Schluss, dass eine Cholesterinsenkung mit Statinen eindeutig keine prĂ€ventive Wirkung gegenĂŒber Krebserkrankungen hat, weder auf die Gesamtheit aller Krebserkrankungen noch auf einzelne Krebsarten, die Entstehung von Krebs jedoch auch nicht statistisch signifikant begĂŒnstigt.[57]

Die eindeutig negativen Ergebnisse der beiden letztgenannten Studien lassen weitere Studien zu der erhofften krebsprÀventiven Wirkung von CholesterinsenkungsprÀparaten nach EinschÀtzung von Experten nicht sinnvoll erscheinen.[58]

Cholesterin und ErnÀhrung

Das HĂŒhnerei wird wegen des hohen Cholesteringehalts im Eigelb hĂ€ufig als „Cholesterinbombe“ angeprangert.

Nach einer Diagnose eines hohen Cholesterinspiegels wird in der Regel als erste Maßnahme eine fettmodifizierte und cholesterinarme ErnĂ€hrung empfohlen. Diese Empfehlung ist allerdings umstritten. Eine umfassende Darstellung zu dieser Frage wurde vom Institut fĂŒr Sozialmedizin und Epidemiologie des Bundesgesundheitsamts veröffentlicht.[59]

Empfehlung bei hohem Cholesterinspiegel

GemĂ€ĂŸ den Empfehlungen der DGFF (Lipid-Liga) sollten hierbei folgende Punkte bei der Nahrungsaufnahme bedacht werden:

  1. Wenig fettes Fleisch, Innereien, Wurstwaren, KĂ€se und Eigelb
  2. Fettarme Zubereitung
  3. Wenig tierische Lebensmittel
  4. Mehrmals am Tag frisches Obst und GemĂŒse
  5. Verwendung von Pflanzenöl
  6. Verzicht auf Alkohol
  7. Ausreichend Bewegung

Einfluss der ErnÀhrung auf den Cholesterinspiegel

Kritiker halten dagegen, dass der Einfluss einer kurzfristigen Nahrungsumstellung auf den Cholesterinspiegel nur gering ist, da die Nahrungsaufnahme nur ein geringer Anteil bei der Bildung von Cholesterin ist.

Eine prospektive Studie, die Verbundstudie ErnĂ€hrungserhebung und Risikofaktoren Analytik (VERA, von 1985 bis 1988 mit 25.000 Teilnehmern) ergab, dass auch bei verschiedenen Mengen von gesĂ€ttigten, aber auch ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren sowohl die HDL- als auch die LDL-Werte sich, wenn ĂŒberhaupt, nur minimal Ă€nderten. Dagegen wird wiederum eingewendet, die Zusammensetzung des LDLs werde ignoriert: es gebe Hinweise, dass es einen Unterschied machen wĂŒrde, mit welchen FettsĂ€uren (ĂŒberwiegend ungesĂ€ttigt wie bei Veganern versus ĂŒberwiegend gesĂ€ttigte) das Lipoprotein LDL „bestĂŒckt“ sei. Die Oxidierbarkeit des LDLs, und damit eine potenzielle SchĂ€digung der GefĂ€ĂŸe, hĂ€nge von den transportierten FettsĂ€uren ab, und hier wĂŒrden die ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren besser abschneiden - besonders in Verbindung mit Vitamin E, welches ebenfalls in den LDL-MolekĂŒlen im Blut transportiert wird. Selbst wenn sich diese ZusammenhĂ€nge bestĂ€tigen sollten, bleibt unbewiesen, dass der Anteil ungesĂ€ttigter Fette an der Nahrung seinerseits Einfluss auf die Zusammensetzung des LDLs hat, und welche ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren dabei welche Wirkung haben.

Allerdings lĂ€sst sich durch eine langfristige drastische Verringerung der Fettzufuhr, z. B. durch einen verlĂ€ngerten Fastentest, auch der Cholesterinspiegel senken. Bei Vegetariern und Veganern werden verringerte Cholesterinspiegel beobachtet, deren Ursache allerdings nicht geklĂ€rt ist: sie können auf ihrer geringen Cholesterinaufnahme mit der Nahrung beruhen, aber auch Nebeneffekt einer insgesamt gesundheitsbewussteren Lebensweise sein. DafĂŒr spricht, dass man (gegenĂŒber US-Amerikanern) deutlich verringerte Cholesterinwerte auch in Gruppen gefunden hat, die sich fast ausschließlich von Milch und Fleisch ernĂ€hren (belegt fĂŒr Massai-Angehörige und von Samburu-MĂ€nner).

Einfluss der ErnÀhrung auf den Cholesterinspiegel durch Prostaglandine

Neben der umstrittenen These des Einflusses von direkter Aufnahme von Cholesterin in der Nahrung besteht auch ein Einfluss der ErnĂ€hrung auf die Cholesterinsynthese durch die Beeinflussung der Synthese von Prostaglandinen. Prostaglandine sind Gewebshormone, die unter Anderem die Synthese von Cholesterin steuern, wobei ein Prostaglandin in die eine Richtung wirkt (etwa das cholesterinsenkende Serie-1 PGE1) und ein anderes gegensĂ€tzlich (hier Serie-2 PGE2). Die Bildung von Serie-1 oder Serie-2 Prostaglandinen wiederum wird durch das VerhĂ€ltnis von mehrfach ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren (omega-3 zu omega-6) in der Nahrung beeinflusst.[60][61] Prostaglandine steuern außer der Cholesterinsynthese auch andere Faktoren der Entstehung von Arteriosklerose, so z. B. Lipoprotein(A) und EntzĂŒndungsparameter. Die ErnĂ€hrungsempfehlungen, um die Prostaglandine gĂŒnstig zur Cholesterinsenkung zu beeinflussen, wĂ€ren etwa:

Cholesterin und Schwangerschaft

Niedrige Cholesterinspiegel der werdenden Mutter (Gesamtcholesterin unter 160 mg/dl) sind ein Risikofaktor fĂŒr FrĂŒhgeburt und niedriges Geburtsgewicht.[64]

Cholesterin und Muttermilch

Muttermilch enthĂ€lt einen sehr hohen Anteil an Cholesterin (ca. 25 mg / 100 g, Kuhmilch enthĂ€lt nur ca. 12 mg / 100 g). Es wird vermutet, dass der höhere Cholesterinanteil der Muttermilch dafĂŒr verantwortlich sein könnte, dass gestillte Kinder spĂ€ter im Mittel einen höheren IQ entwickeln, auch weil bekannt ist, dass Cholesterin beim Aufbau des Gehirns und Nervensystems eine wesentliche Rolle spielt. Babynahrungshersteller verzichten auf die Anreicherung von Muttermilch-Ersatz mit Cholesterin, vermutlich weil sie wegen negativer Assoziationen der Verbraucher mit diesem Stoff mit Absatzproblemen rechnen mĂŒssten.

Cholesterin, Psyche und GedÀchtnis

Cholesterin und Gewaltbereitschaft

In einer im Jahre 2005 veröffentlichten Studie zeigte sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen einem niedrigen Gesamtcholesterinspiegel bei Kindern und Schulverweisen. Kinder und Jugendliche mit einem Gesamtcholesterinspiegel unterhalb des 25 Perzentils (<145 mg/dl) hatten eine fast dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit, in ihrer Schullaufbahn von der Schule verwiesen worden zu sein. Dies wird von den Autoren als weiterer Hinweis dafĂŒr gewertet, dass niedrige Cholesterinspiegel mit einer erhöhten AggressivitĂ€t im Zusammenhang stehen.[65]

Cholesterin und Depressionen

Niedrige Cholesterinspiegel haben sich in verschiedenen Studien als Risikofaktor fĂŒr das Auftreten von Depressionen herausgestellt. So zeigte sich beispielsweise bei jungen, gesunden Frauen mit einem Gesamtcholesterinspiegel unterhalb von 4,14mmol/l (160 mg/dl) ein etwa doppelt so hohes Risiko fĂŒr das Auftreten von Depressionen wie bei Frauen mit mittlerem bis hohem Cholesterinspiegel.[66]

Auch die Einnahme von cholesterinsenkenden Medikamenten begĂŒnstigt offenbar die Entstehung von Depressionen. So zeigte sich in einer Studie an 234 Ă€lteren, depressiven Patienten, dass diejenigen Patienten, die Cholesterinsenker einnahmen, ein statistisch signifikant um fast 80 % erhöhtes relatives Risiko fĂŒr das Auftreten eines RĂŒckfalls hatten als Patienten ohne diese Medikation.[67] In einer placebokontrollierten Studie an ĂŒber 70-jĂ€hrigen Patienten zeigte sich, dass die Stimmungslage der Patienten in der mit einem Cholesterinsenker behandelten Patientengruppe statistisch signifikant negativ beeintrĂ€chtigt war.[68]

Von möglichen positiven Auswirkungen der Statin-Einnahme auf die Psyche berichtet eine Kohortenstudie, in der Patienten, die ĂŒber den Zeitraum von vier Jahren ununterbrochen Statine eingenommen hatten, mit solchen Patienten verglichen wurden, die gar nicht oder nur mit Unterbrechungen Statine eingenommen hatten. In der ersten Gruppe zeigte sich eine reduzierte PrĂ€valenz von Depressionen, die jedoch nicht mit dem Maß der Cholesterinsenkung in Zusammenhang stand.[69] Die Aussagekraft dieser Studie ist jedoch dadurch beeintrĂ€chtigt, dass Patienten, die zum Beispiel wegen möglicher Nebenwirkungen der Medikamenteneinnahme aus der Studie ausschieden, in der Auswertung nicht berĂŒcksichtigt werden konnten.

Cholesterin und GedÀchtnis

In verschiedenen Studien wurde der Einfluss einer Cholesterinsenkung auf die GedĂ€chtnisleistung untersucht. In einer im Jahr 2000 veröffentlichten Studie an 192 gesunden Erwachsenen zeigte sich, dass sowohl die GedĂ€chtnisleistung als auch die Aufmerksamkeit der Probanden in der mit dem Cholesterinsenker Lovastatin behandelten Gruppe signifikant schlechter ausfiel als in der Kontrollgruppe. Der Leistungsunterschied war signifikant verknĂŒpft mit den absoluten LDL-Cholesterinwerten nach der Behandlung, d. h. niedrigere Cholesterinwerte gingen mit einer schlechteren GedĂ€chtnisleistung einher. Auch in einer an 326 Frauen mittleren Alters durchgefĂŒhrten und 2003 veröffentlichten Studie zeigte sich eine lineare Korrelation der GedĂ€chtnisleistung mit dem LDL-Cholesterinspiegel.

In einem im Jahr 2003 veröffentlichten Übersichtsartikel werden 60 FĂ€lle von totalem GedĂ€chtnisverlust im Zusammenhang mit einer Statin-Behandlung beschrieben. Nach Absetzen der Statin-Behandlung verschwanden in etwas weniger als der HĂ€lfte der dokumentierten FĂ€lle die GedĂ€chtnisstörungen ganz oder teilweise.[70]

Cholesterinsenkung und AlbtrÀume

Niedrige Serum-Cholesterinspiegel stehen offenbar mit dem Auftreten von nĂ€chtlichen AlbtrĂ€umen in Verbindung.[71] DarĂŒber hinaus gibt es einzelne Fallberichte, in denen ein direkter Zusammenhang zwischen der Einnahme von Cholesterinsenkern und dem Auftreten von AlbtrĂ€umen beschrieben wurde.[72]

Arzneimittel

Die ersten Mittel zur Senkung des Cholesterinspiegels waren GallensÀureaustauscherharze (Cholestipol). SpÀter kamen dann Fibrate sowie NikotinsÀureprÀparate und deren Derivate auf den Markt. Heute werden in diesem Indikationsbereich fast nur noch Statine und Cholesterinwiederaufnahmehemmer eingesetzt, in EinzelfÀllen noch Fibrate.

Fibrate

→ Hauptartikel: Fibrate

Derzeit sind die Wirkstoffe Bezafibrat, Fenofibrat und Gemfibrozil im Einsatz. Fibrate zeichnen sich durch eine gute Triglyceridsenkung aus und werden heute deshalb vor allem bei Diabetikern eingesetzt.

Statine

→ Hauptartikel: Statine

Als die zur Zeit wirksamsten Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels gelten Statine. Sie gehören zur Gruppe der HMG-CoA-Reduktase-Hemmer (CSE-Hemmer), da sie das SchlĂŒsselenzym der Cholesterinsynthese in der Zelle, die ÎČ-Hydroxy-ÎČ-methylglutaryl-Coenzym-A-Reduktase hemmen. Als Folge stellt die Zelle benötigtes Cholesterin nicht mehr selbst her, sondern nimmt Cholesterin aus dem Blut, ĂŒber LDL-Rezeptoren, auf.

Ezetimib

→ Hauptartikel: Ezetimib

Der relativ neuartige Wirkstoff Ezetimib ist ein im Darm wirkender, selektiver Cholesterinwiederaufnahmehemmer, der gezielt das Niemann-Pick C1-Like 1 (NPC1L1)-Protein blockiert. NPC1-L1 sitzt in der Membran von Entherozyten der DĂŒnndarmwand und ist fĂŒr die Aufnahme von Cholesterin und Phytosterolen aus dem Darm zustĂ€ndig. Studien, welche die Wirkung von Ezetimib zur PrĂ€vention der Komplikationen von Atherosklerose belegen, sind noch nicht abgeschlossen

Studien

In zahlreichen Studien wurde die Auswirkung des Cholesterinspiegels auf die Inzidenz von Herz-Kreislauferkrankungen untersucht, aber auch andere Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Cholesterinspiegel. Die Vielzahl der Studien macht das Heranziehen einzelner Studien zur BegrĂŒndung eines Effekts grundsĂ€tzlich problematisch, da die DurchfĂŒhrung mehrerer Studien zur Beantwortung der gleichen Fragestellung die vermeintliche statistische Signifikanz einer einzelnen Studie außer Kraft setzen kann. So genĂŒgen im Mittel zwanzig fĂŒr sich betrachtet methodisch korrekt angelegte Studien, um einen nicht vorhandenen Effekt einmal statistisch signifikant „nachzuweisen“. Metastudien gewinnen daher im Zusammenhang mit der Cholesterin-Thematik ein besonderes Gewicht. Auch diese sind jedoch durch den sogenannten „Publikationsbias“ beeinflusst.

Framingham-Studie

Eine der wegweisenden Studien auf dem Gebiet der Untersuchung von KHK-Risikofaktoren war die Framingham-Studie, die heute als die wichtigste epidemiologische Studie der USA gilt. Sie untersuchte 6000 Personen zweier Generationen in Framingham/Massachusetts. Über die Framingham-Studie wurden bis zum heutigen Tag ĂŒber 1000 wissenschaftliche Publikationen erstellt. Im Rahmen dieser Studie wurden unter anderem nachgewiesen, dass Rauchen und Übergewicht wichtige KHK-Risikofaktoren sind. Es ergab sich darĂŒber hinaus, dass bei MĂ€nnern im Alter von 30 bis 59 Jahren das Auftreten von KHK entsprechend dem Cholesteringehalt im Blut erhöht ist. Bei MĂ€nnern in den Dreißigern wiesen die Personen mit dem höchsten Gesamtcholesteringehalt im Blut ein viermal höheres Risiko auf als diejenigen mit dem geringsten Cholesterin. FĂŒr Frauen und fĂŒr Personen ĂŒber 50 Jahre zeigte sich kein solcher Zusammenhang. Eine PrĂŒfung der Framingham-Studie im Jahre 1987 zeigte, dass bei Personen ĂŒber 50 eine Absenkung des Cholesterinspiegels um 1 mg/dl zu einer Steigerung der Gesamttodesrate von 11 % und zu einer Steigerung der Todesrate durch Herzkrankheiten um 14 % fĂŒhrte.[73]

Metastudien

Das American National Heart, Lung and Blood-Institute fĂŒhrte Metastudien zum gesundheitlichen Nutzen der Cholesterinsenkung durch. 19 Studien wurden analysiert. Untersucht wurden 650.000 Menschen und 70.000 TodesfĂ€lle: Geringe Cholesterinspiegel gehen nicht mit einer allgemeinen Erhöhung der Lebenserwartung einher, sondern beziehen sich nur auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sie erhöhen das Risiko von SchlaganfĂ€llen und das Krebsrisiko. Allerdings ist immer noch umstritten, wo hier Ursache und Wirkung liegen; zum Zeitpunkt der Messung könnten niedrige wie auch hohe Cholesterinspiegel auch durch (noch nicht diagnostizierte) Krankheiten im Anfangsstadium verursacht sein. Als gesichert gilt, dass sehr hohe, sehr niedrige und fallende Cholesterinspiegel mit einer erhöhten MortalitĂ€t verbunden sind, wobei unklar bleibt, ob das Cholesterin Ursache oder eben nur Indiz eines verschlechterten Gesundheitszustandes ist.[74][75]

CARE

Die CARE-Studie ( Cholesterol And Recurrent Event Study) mit Patienten mit 3 bis 20 Monaten zurĂŒckliegenden Herzinfarkt zeigte als Folge einer LDL-Cholesterinsenkung zwischen 115 und 174 mg/dl eine statistisch nicht signifikante Reduktion von Reinfarktraten und der Frequenz des Koronartods (von 5,7 % in der Kontrollgruppe auf 4,6 % in der Behandlungsgruppe nach fĂŒnf Jahren). Der RĂŒckgang der KHK-Toten wurde allerdings durch eine Zunahme anderer Todesursachen in der Behandlungsgruppe ausgeglichen. Bei den nicht-tödlichen Herzinfarkten und bei der Zahl der SchlaganfĂ€lle zeigten sich Vorteile in der Behandlungsgruppe.

EXCEL

Die erste Statin-Studie begann 1990 unter dem Namen Expanded Clinical Evaluation of Lovastatin (EXCEL). An der Studie nahmen 8245 Personen mit „moderat erhöhtem“ Cholesterinspiegel teil. Die drei Behandlungsgruppen erhielten Lovastatin in unterschiedlichen Dosierungen, die Kontrollgruppe von 1.650 Patienten erhielt ein Placebo. In einer 1991 veröffentlichten ersten Auswertung der Studie zeigte sich ein Anstieg der Sterblichkeit von 0,2 % in der Kontrollgruppe auf 0,5 % im Mittel der drei Behandlungsgruppen, der grenzwertig statistisch signifikant war. Über den weiteren Verlauf der MortalitĂ€t in dieser Studie wurden vom Lovastatin-Hersteller MSD Sharp & Dohme keine Zahlen veröffentlicht.

4S

Die Scandinavian Simvastatin Survival Study wird kurz als 4S-Studie bezeichnet. Innerhalb der ersten 5 Behandlungsjahre wurden unter den beteiligten 4444 Patienten mit mindestens sechs Monate zurĂŒckliegenden Herzinfarkt oder stabilen Angina Pectoris in der Vorgeschichte die LDL-Cholesterinspiegel um durchschnittlich 35 % gesenkt und die HDL-Cholesterinspiegel um durchschnittlich 8 % gesteigert. Im gleichen Zeitraum wurde die KHK-MortalitĂ€t von 8,5 % auf 5,0 % gesenkt, die Rate definitiver Herzinfarkte reduzierte sich von 12,1 % auf 7,4 %.

An dieser Studie gibt es erhebliche methodische Kritik, z. B. vom anzeigenfreien Arznei-Telegramm zur Bewertung von Medikamenten. Die Altersverteilung von Simvastatin- und Placebogruppe war aus den veröffentlichten Daten nicht entnehmbar, gleichzeitig traten typische altersabhĂ€ngige Krankheiten in der Placebogruppe deutlich hĂ€ufiger auf. Eine Standardisierung fĂŒr andere gleichzeitig eingenommene Medikamente, wie z. B. Aspirin, wurde nicht vorgenommen. DarĂŒber hinaus war das KHK-Risikoprofil der Kontrollgruppe deutlich ungĂŒnstiger. Und schließlich erschien es verdĂ€chtig, dass in einer angeblichen Doppelblindstudie bei den Patienten der Simvastatin-Gruppe die Dosis nach einem halben Jahr verdoppelt wurde, bei denen der Cholesterinspiegel nicht gesunken war. Die Autoren mussten spĂ€ter einrĂ€umen, dass das Patientenkollektiv nicht vollstĂ€ndig randomisiert war.[76][77]

Dennoch bestĂ€tigt das Arzneitelegramm im Jahr 2004, dass die 4S-Studie erstmals den Nachweis erbrachte, dass mĂ€nnliche Patienten mit Herzinfarkt oder stabiler Angina Pectoris in der Vorgeschichte von einer medikamentösen Cholesterinsenkung im Sinne einer LebensverlĂ€ngerung profitieren könnten. Dieses Ergebnis sei inzwischen durch zwei weitere Studien (HPS und LIPID) bestĂ€tigt worden. Das Fachblatt rĂ€t jedoch vom Einsatz von Statinen bei Frauen und bei ĂŒber 70-JĂ€hrigen ohne arteriosklerotische Erkrankung ab.[78]

PROCAM

Die PROCAM-Studie ( Prospective Cardiovascular MĂŒnster Study) begann 1979 in MĂŒnster und untersuchte fast 50.000 Angehörige von Firmen und Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes. Sie ergab Hinweise, dass nicht nur die Höhe des Gesamtcholesterins sondern auch das VerhĂ€ltnis der verschiedenen Cholesterinfraktionen (LDL, HDL, Triglyceride) fĂŒr die KHK-Risikobetrachtung ausschlaggebend sein könnte. Auf Basis der Studie wurden Risikorechner fĂŒr Herzinfarkt und Schlaganfall entwickelt.

LIPID

Die LIPID-Studie ( Long-Term Intervention with Pravastatin in Ischaemic Disease-Study ) zeigte an fast 10.000 Probanden mit mindestens 3 bis 36 Monate zurĂŒckliegenden Herzinfarkt oder Krankenhausentlassung nach instabiler Angina Pectoris mit Gesamtcholesterinwerten ab 155 mg/dl und durchschnittlichen LDL-Cholesterinwerten von 150 mg/dl, dass das LDL um durchschnittlich 25 % stĂ€rker als unter Placebo gesenkt und das HDL um 5 % angehoben wurde. Dabei wurde die Gesamtsterblichkeit von 14 % auf 11 % gesenkt, die KHK-Sterblichkeit von 8,3 % auf 6,2 %. Die Wirkung hing dabei nicht vom anfĂ€nglichen Gesamt- oder LDL-Cholesterinspiegel ab. Auch andere Todesursachen, wie Krebs und Selbstmord, nahmen in der Behandlungsgruppe ab. Damit wird von Kritikern die Vergleichbarkeit der beiden Gruppen in Frage gestellt. Anders als ĂŒblich sind entsprechende Durchschnittswerte der Studie nicht zu entnehmen.

HPS

In der englisch-skandinavischen Heart Protection Study ließ sich an 20.536 Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder anderen atherosklerotischen Erkrankungen oder Hypertonie etc. eine zwar geringe, aber signifikante Senkung der Gesamtsterblichkeit von 14,7 % in der Placebogruppe auf ca. 12,9 % in der behandelten Gruppe (mit Simvastatin) nachweisen[79][80]; d. h. rund 50 Personen mĂŒssen fĂŒnf Jahre behandelt werden, um einen Todesfall zu verhindern (NNT=56). Die zur Errechnung dieser Schlussfolgerung der Studie verwendeten statistischen Methoden sind nicht unumstritten.[81] Auch die Kosteneffizienz wurde, u. a. wegen der hohen Preise fĂŒr Simvastatin, in Frage gestellt. Allerdings hat sich die Grundlage dieser Berechnungen mit EinfĂŒhrung der Simvastatin-Generika 2003 verĂ€ndert.[82] Ob der in der Studie erkennbare positive Effekt allein auf die cholesterinsenkende Wirkung oder auch auf andere Wirkmechanismen der Statine zurĂŒckzufĂŒhren ist, ist umstritten und Gegenstand aktueller Forschungsarbeit.[83]

4D

In der 4D-Studie („Die Deutsche Diabetes Dialyse“-Studie) wurde erstmals die Wirkung von Atorvastatin (Lipitor/Sortis) bei der Behandlung von Dialysepatienten mit Typ-2-Diabetes untersucht, die ein sehr hohes kardiovaskulĂ€res Risiko haben. Die placebokontrollierte Studie umfasste 1.255 Patienten, die ĂŒber vier Jahre beobachtet wurden. In der Behandlungsgruppe wurde der LDL-Cholesterinspiegel im Mittel um 42 % reduziert. Es zeigte sich jedoch kein Vorteil bei den KHK-TodesfĂ€llen oder bei der Gesamtsterblichkeit. Stattdessen kam es in der Behandlungsgruppe zu einer statistisch signifikanten Verdopplung der Zahl der tödlichen SchlaganfĂ€lle.[84]

Hu 1999

Hu et al. untersuchten 1999 in Ihrer Studie: „A Prospective Study of Egg Consumption and Risk of Cardiovascular Disease in Men and Women” mit ĂŒber 117.000 Probanden den vermuteten Zusammenhang zwischen Eiverzehr und KHK oder Schlaganfall. Ein erhöhtes Risiko bei erhöhtem Eikonsum konnte dabei nur fĂŒr Diabetiker festgestellt werden. FĂŒr die Gesamtgruppe gab es keinen signifikanten Zusammenhang.[85]

Carotid Intima-Media Thickness

WeingĂ€rtner et al. untersuchten 583 Angestellte des UniversitĂ€tsklinikums des Saarlandes ohne kardiovaskulĂ€re Erkrankungen, bzw. Lipid-senkende Medikamente bezĂŒglich Cholesterinhomöostase (Cholesterinsynthese/Cholesterinresorption) und frĂŒher Atherosklerose. Daten dieser Studie zeigen, dass nicht nur Gesamtcholesterin und der Framingham-Risiko-Score, sondern auch Unterschiede in der Cholesterinhomöostase direkt mit Carotis Intima-Media Dicke assoziiert sind.[86]

Zitate

  • Achim Weizel, Vorsitzender der Lipid-Liga, in einer Stellungnahme zum Buch Die Krankheitserfinder – Wie wir zu Patienten gemacht werden von Jörg Blech (im Jahre 2004):„Tatsache ist, dass der Wert von 200 mg/dl Gesamtcholesterin nie als Grenze zwischen normal und pathologisch eingesetzt wurde. Es wird nur empfohlen bei einem Wert ĂŒber 200 mg/dl zusĂ€tzlich das LDL- und HDL-Cholesterin im Blut zu bestimmen, da nur dann entschieden werden kann, ob pathologische VerhĂ€ltnisse vorliegen. Bei normalen Relationen von LDL-Cholesterin/HDL-Cholesterin ist keine Behandlung nötig. Dies trifft vor allem fĂŒr die Mehrzahl der Frauen vor der Menopause zu, die ĂŒber ein hohes HDL-Cholesterin verfĂŒgen. Der Grenzwert von 200 mg/dl dient deshalb vor allem dazu, die Menschen herauszufinden, die nicht behandelt werden mĂŒssen. Nur eine kleine Zahl der Untersuchten muss dann einer Therapie (ErnĂ€hrungsumstellung, vermehrte körperliche AktivitĂ€t, Medikamente) zugefĂŒhrt werden.“
  • Ancel Keys, BegrĂŒnder der Cholesterin-KHK-Hypothese (in der Zeitschrift Eating Well, MĂ€rz/April 1997):
„Es gibt absolut keine Verbindung zwischen Cholesterin im Essen und Cholesterin im Blut. Keine. Und das haben wir schon immer gewusst.“
  • Frank P. Meyer, ehemaliger Institutsdirektor der Klinischen Pharmakologie an der Otto-von-Guericke-UniversitĂ€t in Magdeburg (im Jahre 2003):
„Über ein halbes Jahrhundert wurde uns von interessierter Seite (Pharma-Industrie, Lebensmittelindustrie, Verlage, Apotheker, Ärzte) die Cholesterol-Legende prĂ€sentiert. In 15 guten Studien wurde demonstriert, dass der Effekt der Lipidsenker hinsichtlich der PrimĂ€rprĂ€vention gegen Null geht und im Hinblick auf die SekundĂ€rprĂ€vention nur sehr marginal ist. In HPS (Heart Protection Study, 2002) wurde von den Autoren explizit auf die Bedeutungslosigkeit des Cholesterols verwiesen. Wie man aus der aktuellen Literatur entnehmen kann ([
]), können Legenden jedoch sehr zĂ€hlebig sein. Wir sollten uns an den Ausspruch von H. Immich erinnern. ‚Nicht Experten zĂ€hlen, sondern Fakten‘.“
  • Peter Sawicki, Leiter des Instituts fĂŒr QualitĂ€t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (in der SĂŒddeutschen Zeitung vom 15. November 2005):
„Umstritten ist, ob und inwieweit die Senkung des LDL-Cholesterins den Gesundheitszustand positiv beeinflusst.“[87]

Literatur

Zur Biochemie und Physiologie
  • Hans-JĂŒrgen Holtmeier: Cholesterin, Zur Physiologie, Pathophysiologie und Klinik. Springer, Berlin 1996. ISBN 3-540-60671-8 (Umfassendes Buch)
  • E. Buddecke: Grundriss der Biochemie. 5. Auflage. de Gruyter, Berlin 1977. ISBN 3-11-004796-9
  • Georg Löffler, Petro E. Petrides: Biochemie und Pathobiochemie. 8. Auflage. Springer, Heidelberg 2007. ISBN 3-540-32680-4
Zur Verteilung der Lipid-Werte in Deutschland
BĂŒcher von Vertretern der Cholesterin-KHK-Hypothese
  • P. Schwandt, W. Richter, K. Parhofer: Handbuch der Fettstoffwechselstörungen. 2. Auflage. Schattauer, Stuttgart 2001, ISBN 3-7945-1977-9 (Die drei Herausgeber sind ehemalige VorstĂ€nde der Lipid-Liga)
  • Christiane Eckert-Lill: Kampf dem Cholesterin. 2. Aufl. Govi, Eschborn 2003. ISBN 3-7741-0990-7 (Die Autorin fungiert als GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Pharmazie der Bundesvereinigung der ApothekerverbĂ€nde, ABDA)
Kritische BĂŒcher zur Cholesterin-KHK-Hypothese
  • Dieter Borgers, Michael Berger (Hrsg.): Cholesterin - Risiko fĂŒr PrĂ€vention und Gesundheitspolitik. Blackwell Wissenschaft, Berlin/Wien 1995, ISBN 3-89412-212-9
  • Uffe Ravnskov, Udo Pollmer: Mythos Cholesterin. Hirzel, Stuttgart 2004. ISBN 3-7776-1181-6
  • Jörg Blech: Die Krankheitserfinder. Wie wir zu Patienten gemacht werden. S. Fischer, Frankfurt 2003, S.78 ff, ISBN 3-10-004410-X (u. a. zur wirtschaftlichen Ausnutzung der Cholesterinproblematik)
  • Ray Moynihan, Alan Cassels: Selling sickness. How the world's biggest pharmaceutical companies are turning us all into patients. Nation Books, New York 2005. ISBN 1-56025-697-4
  • Walter Hartenbach: Die Cholesterin-LĂŒge. Das MĂ€rchen vom bösen Cholesterin. Herbig, MĂŒnchen 2002. ISBN 3-7766-2277-6

Einzelnachweise

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  3. ↑ http://webdoc.sub.gwdg.de/univerlag/2006/systemerde_book.pdf
  4. ↑ Jassal / reactome: Cholesterol biosynthesis
  5. ↑ Jassal / reactome: Metabolism of bile acids and bile salts
  6. ↑ H.-U. Melchert et al.: Fatty acid patterns in triglycerides, diglycerides, free fatty acids, cholesteryl esters and phosphatidylcholine in serum from vegetarians and non-vegetarians. Atherosclerosis, 1987;65(1–2):159–66. PMID 3606730
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  14. ↑ Walter Siegenthaler: Klinische Pathophysiologie. 9. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2006, ISBN 978-3-13-449609-3, S. 218.
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  33. ↑ Istituto Bruno Leoni - Ie wirtschaftlichen Freigeister stellen sich auf die Hinterbeine Link auf PDF
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