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| Strukturformel | ||||||||||||||||
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| Allgemeines | ||||||||||||||||
| Name | Cholesterin | |||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C27H46O | |||||||||||||||
| CAS-Nummer | 57-88-5 | |||||||||||||||
| PubChem | 5997 | |||||||||||||||
| DrugBank | EXPT00945 | |||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
weiĂer, fast geruchloser Feststoff[1] | |||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||
| Molare Masse | 386,67 g·molâ1 | |||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest | |||||||||||||||
| Dichte |
1,07 g·cmâ3 (20 °C)[1] | |||||||||||||||
| Schmelzpunkt | ||||||||||||||||
| Siedepunkt |
Zersetzung bei 360 °C[1] | |||||||||||||||
| Löslichkeit |
praktisch unlöslich in Wasser[1] | |||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||
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| Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. | ||||||||||||||||
Das Cholesterin (auch Cholesterol) ist ein in allen tierischen Zellen vorkommender Naturstoff. Der Name leitet sich vom griechischen chole âGalleâ und stereos âfestâ ab, da es â bereits im 18. Jahrhundert â in Gallensteinen gefunden wurde.
Cholesterin ist ein lebenswichtiges Sterol und ein wichtiger Bestandteil der Plasmamembran. Es erhöht die StabilitĂ€t der Membran und trĂ€gt gemeinsam mit Proteinen dazu bei, Signalstoffe in die Zellmembran einzuschleusen und wieder hinauszubefördern. Der menschliche Körper enthĂ€lt etwa 140 g Cholesterin. Da es in Wasser nicht löslich ist, befinden sich ĂŒber 95 % des Cholesterins innerhalb der Zellen. Um Cholesterin mit dem Blut transportieren zu können, wird es an Lipoproteine gebunden. Diese können von unterschiedlicher Dichte sein und werden nach ihrem Verhalten beim Zentrifugieren bzw. bei der Elektrophorese unterteilt in Chylomikronen, VLDL, IDL, LDL, HDL und Lipoprotein (a).
Cholesterin dient im Körper unter anderem als Vorstufe fĂŒr Steroidhormone und GallensĂ€uren. FĂŒr die Bildung von Hormonen wandelt das Cholesterin-Seitenkettentrennungsenzym Cholesterin zu Pregnenolon um. Dieses ist die Ausgangsverbindung, aus der der Körper die Geschlechtshormone Testosteron, Ăstradiol und Progesteron und Nebennierenhormone (Corticoide) wie Cortisol und Aldosteron aufbaut. Auch GallensĂ€uren wie CholsĂ€ure und GlykocholsĂ€ure basieren auf der Ausgangssubstanz Cholesterin.[2]
Ein Zwischenprodukt der Cholesterinbiosynthese, das 7-Dehydrocholesterin, ist das Provitamin zur Bildung von Vitamin D durch UV-Licht.
Neue Forschungen zeigen zudem, dass der Körper Cholesterin zur Biosynthese herzwirksamer Glykoside nutzt. Welche Bedeutung diese endogen synthetisierten Glykoside haben, ist noch weitgehend unbekannt.
Aufgrund von Sedimentfunden mit chemischen Cholesterin-Verwandten (Sterolen) wird von einigen Forschern angenommen, dass das CholesterinmolekĂŒl, sofern es nie anders als in belebter Materie auftrat, evolutionsgeschichtlich sehr alt sein mĂŒsse.[3] Die Biosynthese des MolekĂŒls könne allerdings erst funktionieren, seitdem Sauerstoff in der AtmosphĂ€re vorhanden sei. In Bakterien und den Membranen von Mitochondrien finde sich aus diesem Grund kaum Cholesterin; Pflanzen und Pilze enthalten ebenfalls kein Cholesterin, dafĂŒr aber andere, strukturell Ă€hnliche Sterole.
Cholesterin ist ein polyzyklischer Alkohol. Herkömmlich wird es als zur Gruppe der Sterine (Sterole) gehörendes Steroid zu den Lipiden gerechnet. Entgegen einer verbreiteten Verwechslung ist es jedoch kein Fett, selbst die Einordnung als Lipid ist nicht zwingend.
Cholesterin ist ein fĂŒr Menschen und Tiere lebenswichtiges Zoosterin. Beim Menschen wird Cholesterin zum GroĂteil (90 %) im Körper selbst hergestellt (synthetisiert), beim Erwachsenen in einer Menge von 1 bis 2 g pro Tag, und nur zu einem kleinen Teil mit der Nahrung aufgenommen. Die Cholesterinresorption liegt im Durchschnitt bei 0,1 bis 0,3 g pro Tag und kann höchstens auf 0,5 g pro Tag gesteigert werden. Das entspricht 30 bis 60 % des in der Nahrung enthaltenen Cholesterins.
Alle Tiere synthetisieren Cholesterin. Ausgehend von "aktivierter EssigsĂ€ure", dem Acetyl-CoA, wird ĂŒber MevalonsĂ€ure in vier Schritten Isopentenyldiphosphat erzeugt. Weitere drei Reaktionsschritte fĂŒhren zum Squalen. Nach dem Ringschluss zum Lanosterin folgen etwa ein Dutzend enzymatischer Reaktionen, die auch parallel verlaufen können, bis schlieĂlich Cholesterin entstanden ist. Dieser letzte Abschnitt ist nicht in allen Einzelheiten bekannt, die beteiligten Enzyme sind jedoch identifiziert.[4]
Cholesterin wird ĂŒber die Leber ausgeschieden, indem es in Form von GallensĂ€uren ĂŒber die Gallenwege in den Darm sezerniert wird (etwa 500 mg pro Tag). GallensĂ€uren sind fĂŒr die Resorption wasserunlöslicher Nahrungsbestandteile, also auch von Cholesterin, erforderlich. Cholesterin wird durch GallensĂ€uren emulgiert und im DĂŒnndarm resorbiert. Da etwa 90 % der GallensĂ€uren wieder aufgenommen werden, ist die Ausscheidung von Cholesterin entsprechend ineffektiv. Durch Medikamente wie Colestyramin, die GallensĂ€uren binden und damit ihre Wiederaufnahme erschweren, kann die Cholesterinausscheidung gesteigert werden. Allerdings wird dann die Senkung des Cholesterinspiegels durch Zunahme der LDL-Rezeptordichte auf Leberzellen und die damit gesteigerte Cholesterinaufnahme aus dem Blut in die Leber, teilweise auch durch eine vermehrte Neusynthese, ausgeglichen.[5]
Die Biosynthese des Cholesterins, die insbesondere durch Arbeiten von Konrad Bloch, Feodor Lynen, George Joseph Popjåk und John W. Cornforth aufgeklÀrt wurde, geht von den Endprodukten des Mevalonatbiosyntheseweges, von Dimethylallylpyrophosphat und von Isopentenylpyrophosphat aus und benötigt 13 weitere Reaktionen. Beim Menschen sind die Leber und die Darmschleimhaut die Hauptorte der Cholesterinsynthese.
Das Gleichgewicht zwischen benötigtem, selbst produziertem und ĂŒber die Nahrung aufgenommenem Cholesterin wird ĂŒber vielfĂ€ltige Mechanismen aufrechterhalten. Als wichtig kann dabei die Hemmung der HMG-CoA-Reduktase, des wichtigsten Enzyms der Cholesterinbiosynthese, durch Cholesterin gelten (noch stĂ€rker wird die HMG-CoA-Reduktase durch Lanosterol, eine Vorstufe von Cholesterin, gehemmt). Damit hemmen Produkte dieses Stoffwechselwegs (Cholesterinsynthese) âihrâ Enzym; dies ist ein typisches Beispiel negativer RĂŒckkopplung. AuĂerdem verkĂŒrzt sich die Halbwertszeit der HMG-CoA-Reduktase bei erhöhtem Lanosterolspiegel stark, da sie dann vermehrt an Insigs (insulininduzierte Gene) bindet, was schlieĂlich zu ihrem Abbau im Proteasom fĂŒhrt. Es gibt noch viele andere, weniger direkte Regulationsmechanismen, die auf transkriptioneller Ebene ablaufen. Hier sind die Proteine SCAP, Insig-1 und -2 wichtig, die in Anwesenheit von Cholesterin, fĂŒr das sie eine Bindungsstelle besitzen, ĂŒber die proteolytische Aktivierung von SREBPs die AktivitĂ€t einer gröĂeren Anzahl Gene regulieren. Auch Insulin spielt hier eine Rolle, da es u. a. die Transkription von SREBP1c steigert.
Die HMG-CoA-Reduktase, das SchlĂŒsselenzym der Cholesterinbiosynthese, kann spezifisch und effektiv durch verschiedene Substanzen gehemmt werden (beispielsweise Statine, die als HMG-CoA-Reduktase-Hemmer eine bestimmte Klasse von Medikamenten darstellen). Ăber den LDL-Rezeptor wird die Aufnahme in die Zelle aktiviert.
Die Höhe des Cholesterinspiegels hĂ€ngt vor allem von der körpereigenen Produktion ab und erst in zweiter Linie von der Zufuhr ĂŒber die Nahrung. Daneben gibt es eine Vielzahl genetisch bedingter HypercholesterinĂ€mien. Auch als Folge anderer Erkrankungen kann der Cholesterinspiegel erhöht sein (beispielsweise durch Hypothyreose, Niereninsuffizienz oder metabolisches Syndrom).
Da Cholesterin in Wasser unlöslich ist, erfolgt der Transport im Blutplasma zusammen mit anderen lipophilen Substanzen wie Phospholipiden, Triglyceriden oder FettsÀuren, mit Hilfe von Transportvesikeln, den Lipoproteinen.
Das ĂŒber die Nahrung zugefĂŒhrte Cholesterin sowie Triglyceride werden nach der Resorption aus dem Darm von den Chylomikronen aufgenommen und von dort in die Gewebe transportiert. Lipoproteine verschiedener Dichte (VLDL, IDL und LDL) transportieren selbst hergestelltes und aufgenommenes Cholesterin von der Leber zu den Geweben. HDL nehmen Cholesterin aus den Geweben auf und bringen es zur Leber zurĂŒck (reverser Cholesterintransport). Das Cholesterin in den Lipoproteinen ist ĂŒberwiegend mit FettsĂ€uren verestert. Das Spektrum dieser FettsĂ€uren ist in starkem MaĂe durch die mit der Nahrung aufgenommenen Triglyceride zu beeinflussen. Dies zeigen insbesondere Studien an Bevölkerungsgruppen mit speziellen ErnĂ€hrungsformen wie z. B. Vegetarier und Veganer.[6]
FĂŒr den Abbau des LDL-Cholesterins im Blut gibt es im menschlichen Körper zwei voneinander unabhĂ€ngige Wege, den LDL-Rezeptorweg und den sogenannten Scavenger-Pathway. Der gröĂte Teil, ca. 65 % des LDL-Cholesterins im Plasma, wird ĂŒber LDL-Rezeptoren verstoffwechselt. LDL-Rezeptoren findet man in allen Zelltypen der Arterien und in Hepatozyten (Leberzellen). Neben dem LDL-Rezeptorweg werden circa 15 % des LDL-Cholesterins im Plasma ĂŒber den sogenannten Scavenger Pathway in den BlutgefĂ€Ăen abgebaut. Als Scavenger-Zellen werden die Makrophagen bezeichnet. Sie besitzen sogenannte Scavenger-Rezeptoren, ĂŒber die chemisch modifizierte (oxidierte) LDL ungehemmt und konzentrationsunabhĂ€ngig aufgenommen und gespeichert werden können.
Zusammenfassend lassen sich drei verschiedene Wege beschreiben, die das Cholesterin (unabhĂ€ngig ob ĂŒber die Nahrung oder selbst synthetisiert) im Organismus nimmt:
Der durchschnittliche Gesamtcholesterinspiegel wie auch die LDL- und HDL-Spiegel der gesunden Normalbevölkerung sind von Land zu Land verschieden und darĂŒber hinaus alters- und geschlechtsabhĂ€ngig. Eine Korrelation zwischen den Blutcholesterin-Werten und dem Body-Mass-Index besteht nicht.
Generell nimmt der Gesamtcholesterinspiegel mit dem Alter deutlich zu. In der Regel ist er bei jungen Frauen etwas niedriger als bei jungen MĂ€nnern. Mit zunehmendem Alter gleicht sich dieser Unterschied jedoch aus, und Ă€ltere Frauen haben schlieĂlich im Mittel einen höheren Cholesterinspiegel als Ă€ltere MĂ€nner. Einen Sonderfall stellt die Schwangerschaft dar, in der der Gesamtcholesterinspiegel im Normalfall deutlich erhöht ist.
Der durchschnittliche Gesamtcholesterinspiegel der Altersgruppe zwischen 35 und 65 Jahren in Deutschland liegt bei etwa 236 mg/dl (entspricht 6,1 mmol/l), die Standardabweichung bei ±46 mg/dl. Das bedeutet nÀherungsweise, dass etwa zwei Drittel der deutschen Bevölkerung in dieser Altersgruppe einen Gesamtcholesterinwert im Bereich zwischen 190 mg/dl und 280 mg/dl aufweisen, und je ein Sechstel der Deutschen in dieser Altersgruppe Werte oberhalb beziehungsweise unterhalb dieses Bereichs. In manchen Teilen Chinas liegt der durchschnittliche Cholesterinwert bei 94 mg/dl mit Normwerten zwischen 70 mg/dl und 170 mg/dl[8], wobei die geringeren Cholesterinwerte mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit an Herz- und Krebserkrankungen korrelieren[8].
Der LDL-Cholesterinspiegel unterliegt einer Àhnlichen alters- und geschlechtsabhÀngigen Verteilung. Auch hier ist der altersabhÀngige Anstieg bei den Frauen deutlich stÀrker ausgeprÀgt als bei den MÀnnern. Der Mittelwert der Altersgruppe zwischen 35 und 65 Jahren liegt dabei bei den deutschen Frauen bei 164 mg/dl (Standardabweichung ±44 mg/dl), bei den MÀnnern bei 168 mg/dl (±43 mg/dl).
Der durchschnittliche HDL-Spiegel unterscheidet sich stÀrker zwischen den beiden Geschlechtern, wobei Frauen im mittleren Alter einen höheren HDL-Spiegel aufweisen als MÀnner. Die AltersabhÀngigkeit zeigt sich hier bei beiden Geschlechtern in einem Absinken ab einem Alter von etwa 55 Jahren. Der durchschnittliche HDL-Spiegel bei den deutschen Frauen in der Altersgruppe zwischen 35 und 65 Jahren liegt bei 45 mg/dl (±12 mg/dl), bei den MÀnnern bei 37 mg/dl (±11 mg/dl).
Auf Grundlage der vorgenannten Parameter werden gelegentlich Quotienten aus diesen Werten bestimmt. Der Mittelwert des Quotienten aus LDL- und HDL-Spiegel liegt fĂŒr die deutschen Frauen zwischen 35 und 65 Jahren bei 3,9 (±1,6), bei den MĂ€nnern bei 4,9 (±1,9). Die entsprechenden Durchschnittswerte fĂŒr den Quotienten aus dem Gesamtcholesterin- und dem HDL-Spiegel liegen fĂŒr die Frauen bei 5,7 (±2,1), fĂŒr die MĂ€nner bei 7,0 (±2,3).
Die Bestimmung der Konzentration von Cholesterin im Blut in medizinischen Routinelabors gehört heute zu den Bestimmungsmethoden, die in Deutschland ringversuchspflichtig sind. Ein Ringversuch ist die externe QualitĂ€tskontrolle von Laborparametern, die von der BundesĂ€rztekammer kontrolliert und zertifiziert wird. An die so genannten âRichtlinien der BundesĂ€rztekammerâ (RiLiBĂK) muss sich jedes Labor in Deutschland halten. Der Referenzbereich (oftmals irrefĂŒhrend als âNormalwertâ bezeichnet) ist vom MessgerĂ€t und der Methode abhĂ€ngig. FĂŒr die Bestimmung von Cholesterin werden in Deutschland in den meisten Labors GerĂ€te von Roche Diagnostics (frĂŒher Boehringer Mannheim) verwendet. Auf dem Modell Hitachi wird als Referenzwert fĂŒr das Gesamtcholesterin 110â230 mg/dl angegeben. Beim neueren GerĂ€t Modular wird als Referenzbereich <240 mg/dl angegeben. Die Referenzbereiche wurden in den letzten Jahren mehrfach nach oben korrigiert. Um eine VerfĂ€lschung der Ergebnisse auszuschlieĂen, wird die Bestimmung hĂ€ufig erst 12 bis 16 Stunden nach der letzten Mahlzeit durchgefĂŒhrt.
Lange Zeit wurde im Labor nur das Gesamtcholesterin bestimmt, da die direkte Messung der verschiedenen Lipoproteine nicht möglich bzw. sehr aufwendig war. Das hat sich mittlerweile geĂ€ndert. Das LDL-Cholesterin wird nicht direkt bestimmt, sondern aus den direkt gemessenen Werten fĂŒr Gesamtcholesterin, Triglyceride und HDL nach Friedewald et al.[9] abgeschĂ€tzt als Gesamtcholesterin minus HDL-Cholesterin minus ein FĂŒnftel des Triglyceridwertes (alle Angaben in mg/dl). Diese Methode kann nicht angewendet werden fĂŒr Triglyzeridwerte ĂŒber 400 mg/dl oder bei Vorliegen einer ChylomikronĂ€mie. Verschiedene Korrekturfaktoren sind vorgeschlagen worden, um die PrĂ€zision dieser AbschĂ€tzung zu erhöhen, jedoch sind sie bisher nicht in die klinische Praxis eingegangen. Der Referenzbereich fĂŒr den LDL-Cholesterinspiegel wird fĂŒr Frauen und MĂ€nner zwischen 70 und 180 mg/dl angegeben.
In Westdeutschland wird fĂŒr die Angabe der Konzentration von Cholesterin im Blut hĂ€ufig die Einheit âmg/dlâ (Milligramm pro Deziliter) verwendet. In Ostdeutschland wird dagegen â wie im angelsĂ€chsischen Sprachraum â ĂŒberwiegend die Einheit âmmol/lâ (Millimol pro Liter, vergleiche Milli und Mol) benutzt. FĂŒr Cholesterin (nicht jedoch fĂŒr Triglyceride oder andere Stoffe) gilt der folgende Zusammenhang zwischen diesen MaĂeinheiten:
Beispiel:
FĂŒr Triglyceride gelten die folgenden Umrechnungsformeln:
Zu den bekannten Erkrankungen im Zusammenhang mit Cholesterin gehören die familiÀre HypercholesterinÀmie und Gallensteine (Gallenkonkrement).
Es gibt erbliche Störungen des Cholesterinstoffwechsels (familiĂ€re HypercholesterinĂ€mie), die unabhĂ€ngig von der Nahrungsaufnahme zu stark erhöhten Cholesterinwerten im Blut fĂŒhren. Bei einer der bekannten Formen der HypercholesterinĂ€mie sind die LDL-Rezeptoren nur unvollstĂ€ndig ausgebildet oder fehlen ganz.
Heterozygote TrĂ€ger dieser Erbfaktoren sind ĂŒberdurchschnittlich hĂ€ufig schon in jĂŒngeren Jahren von Herzinfarkten und anderen GefĂ€Ăkrankheiten betroffen. GemÀà einer Untersuchung aus dem Jahre 1991 gilt dies nicht mehr fĂŒr Ă€ltere Personen. Hier geht die MortalitĂ€t sogar deutlich zurĂŒck und liegt nur bei 44 % gegenĂŒber dem Standard.[10]
Die PrÀvalenz der hÀufigsten monogenetischen HypercholesterinÀmie, der sogenannten autosomal dominanten familiÀren HypercholesterinÀmie, liegt bei ca 1:500. Allerdings scheint es im Verlauf der letzten 200 Jahre eine bedeutende VariabilitÀt in der HÀufigkeit von Symptomen bei Betroffenen gegeben zu haben, was auf eine Interaktion einer verÀnderten Umwelt (beispielsweise ErnÀhrung, Lebensstil) mit dem Genotyp hindeutet [11].
Cholesterin wird mit der GallensĂ€ure im Darm vom Körper aufgenommen. Dabei wird Cholesterin emulgiert und im DĂŒnndarm resorbiert. Die Löslichkeit von Cholesterin in der Gesamtgalle liegt bei 0,26 %. Bei einer VerĂ€nderung der Zusammensetzung der Galle kommt es zur Bildung von Cholesterinsteinen. 80 % der Gallensteine sind cholesterinreich und 50 % reine Cholesterinsteine. Die Bildung von Gallensteinen erfolgt nur in der Gallenblase.
Weniger bekannte Erkrankungen sind zum Beispiel die Cholesterinspeicherkrankheit (Xanthomatose oder Hand-SchĂŒller-Christian-Syndrom), bei der Cholesterin krankhaft unter anderem in der Haut gespeichert wird.
Mit einer HĂ€ufigkeit von ca. 1:60.000 kommt in Europa das Smith-Lemli-Opitz-Syndrom (SLO) vor. Grund fĂŒr die Erkrankung mit SLO-Syndrom ist ein Defekt des letzten Enzyms des Cholesterin-Biosynthesewegs, der 7-Dehydrocholesterin-Reduktase. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch geistige Retardierung, Wachstumsprobleme, Entwicklungsstörungen und GesichtsverĂ€nderungen.
Weiterhin ist eine HypocholesterinÀmie bekannt, bei der der Cholesterinspiegel unter 130 mg/dl im Blut vorliegt. Dies tritt vor allem bei LeberschÀdigung wie einer Leberzirrhose[12], der genetisch bedingten Tangier-Krankheit[13] und bei Mangan<b/>mangel[14] auf. Dabei kann unter anderem das Vitamin E nicht mehr an seine entsprechenden Zielorte transportiert werden.
Herz-Kreislauferkrankungen, dabei insbesondere die koronare Herzkrankheit (KHK), lösten mit steigendem Lebensstandard im 20. Jahrhundert in den westlichen Industrienationen die Infektionskrankheiten als hĂ€ufigste Todesursache ab. In den 1950er-Jahren fand die Hypothese des amerikanischen ErnĂ€hrungsforschers Ancel Keys groĂe Beachtung, diese Entwicklung sei zusĂ€tzlich dadurch begĂŒnstigt, dass der steigende Wohlstand mit einer zu fetthaltigen ErnĂ€hrung einhergehe. Insbesondere fĂŒhre eine cholesterinreiche ErnĂ€hrung (in erster Linie Fleisch, HĂŒhnerei, Milch, Butter und andere Milchprodukte) zu einem erhöhten Cholesterinspiegel. Der erhöhte Cholesterinspiegel wiederum fĂŒhre zu Arteriosklerose, welche die hĂ€ufigste Ursache von Herzinfarkten ist. Die Aufnahme von cholesterinhaltiger Nahrung sei somit eine von vielen Ursachen fĂŒr einen Herzinfarkt. Diese These ist umstritten. Siehe dazu den Abschnitt Kritik.
Die Hypothese, cholesterinreiche ErnĂ€hrung und ein hoher Blut-Cholesterinspiegel spielten eine ursĂ€chliche Rolle bei der Entstehung von Herzinfarkten, hat in den vergangenen Jahrzehnten im wissenschaftlichen Umfeld wie in der öffentlichen Wahrnehmung groĂe Verbreitung gefunden. Sie bildet heute in der medizinischen Praxis ein wesentliches Element der Vorbeugung von Herzinfarkten. Sie fĂŒhrte insbesondere in den USA, aber auch in Europa zur Verbreitung kĂŒnstlich cholesterinreduzierter oder cholesterinfreier Lebensmittel (beispielsweise Margarine), und darĂŒber hinaus zu einer routinemĂ€Ăigen Verschreibung von Medikamenten zur Senkung des Cholesterinspiegels.
Cholesterinsenker stellen heute das weltweit umsatzstĂ€rkste Segment des Pharmamarktes dar. Im Jahre 2004 wurden mit Cholesterinsenkern weltweit UmsĂ€tze von 27 Milliarden US-Dollar erzielt, bei einer Wachstumsrate von 10,9 %. UmsatzstĂ€rkstes Medikament ist Atorvastatin (LipitorÂź, SortisÂź) des US-Herstellers Pfizer, welches 2005 einen Umsatz von weltweit 12,2 Milliarden US-Dollar erzielte.[15] Dieses Medikament spielt allerdings auf dem deutschen Markt heute keine wesentliche Rolle mehr, seit die Krankenkassen eine Festbetragsregelung fĂŒr Statine eingefĂŒhrt haben.
Weltweit nehmen etwa 25 Millionen Menschen regelmĂ€Ăig cholesterinsenkende PrĂ€parate ein.
Die Cholesterin-Hypothese stĂŒtzt sich ausschlieĂlich auf empirisch gewonnene Hinweise. Es konnte jedoch bisher kein biologischer Mechanismus nachgewiesen werden, der ĂŒber das Cholesterin bzw. einen erhöhter Cholesterinspiegel zur Plaquebildung fĂŒhrt.
Die ursprĂŒngliche Hypothese, ein erhöhter Cholesterinspiegel sei kausal verantwortlich fĂŒr die koronare Herzerkrankung, wird in jĂŒngerer Zeit meist in etwas modifizierter Form vertreten. Unterschieden wird nun zwischen HDL- und LDL-Cholesterin, wobei ein hoher HDL-Cholesterinspiegel als gĂŒnstig, ein hoher LDL-Spiegel dagegen als weniger gĂŒnstig angesehen wird. Entsprechend dieser Vorstellung wird HDL populĂ€rwissenschaftlich als âgutesâ Cholesterin bezeichnet, LDL als âschlechtesâ oder âbösesâ Cholesterin. Diese Vorstellung stĂŒtzt sich im Wesentlichen auf folgende Beobachtungen:
Die Hypothese, Cholesterin sei kausal verantwortlich fĂŒr Herzinfarkte, fĂŒhrte bereits in den 1960er Jahren zu einer breit angelegten öffentlichen Informationskampagne in den USA, um die Bevölkerung vor den möglichen Gefahren eines hohen Cholesterinspiegels zu warnen. Im Jahre 1984 warnte das amerikanische Nachrichtenmagazin Time in einer Titelgeschichte vor dem Verzehr von Eiern und Wurst. Im Jahre 1985 wurde zur Ausweitung dieser Kampagne durch die American Heart Association (AHA, Amerikanischer Kardiologenverband) das National Cholesterol Education Program (NCEP, Nationales Cholesterin-Erziehungsprogramm) ins Leben gerufen. Das NCEP gibt seit seiner GrĂŒndung regelmĂ€Ăig Empfehlungen heraus, an denen sich die Behandlung von Patienten mit hohem Cholesterinspiegel orientieren soll. In Deutschland ist die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Kardiologie (DGK) die entsprechende Fachgesellschaft, die eigene Zielwerte heraus gibt, die aber in der Regel den amerikanischen Werten sehr Ă€hnlich sind. Eine vergleichbare Rolle wie das NCEP ĂŒbernimmt in Deutschland die industrienahe Lipid-Liga.
Die grundlegenden Richtlinien der NCEP III, denen sich die europĂ€ischen und deutschen Gesellschaften angeschlossen haben, unterscheiden drei gestaffelte Risikogruppen. Zur Gruppe 1 zĂ€hlen alle Patienten, die bereits eine KHK entwickelt haben oder ein vergleichbares Risiko aufweisen (dazu zĂ€hlt z. B. auch eine Diabeteserkrankung). Diese Patienten haben ein 10-Jahres-Risiko fĂŒr ein kardiales Ereignis von >20 %. Zur Gruppe 2 zĂ€hlen die Patienten, die mindestens zwei Risikofaktoren aufweisen, zur Gruppe 3 die Patienten, die weniger als zwei Risikofaktoren aufweisen.[18]
Patienten der Gruppe 1 sollten bei LDL-Werten ĂŒber 100 mg/dl LebensstilĂ€nderungen vornehmen (ErnĂ€hrung etc.), bei Werten ĂŒber 130 mg/dl eine medikamentöse Therapie beginnen. Ziel sollte fĂŒr sie sein, LDL-Werte unter 100 mg/dl zu erreichen.
Patienten der Gruppe 2 sollten bei LDL-Werten ĂŒber 130 mg/dl LebensstilĂ€nderungen vornehmen, bei Werten ĂŒber 130 mg/dl oder 160 mg/dl (abhĂ€ngig von der spezifischen Risikoberechnung) eine medikamentöse Therapie beginnen. Ziel sollte sein, LDL-Werte unter 130 mg/dl zu erreichen.
Patienten der Gruppe 3 sollten bei LDL-Werten ĂŒber 160 mg/dl eine LebensstilĂ€nderung vornehmen und eine medikamentöse Therapie erwĂ€gen, ab 190 mg/dl wird eine medikamentöse Therapie dringend empfohlen.
Als Risikofaktoren gelten:
Als LebensstilÀnderungen werden empfohlen:
Die Anwendung dieser Zielwerte wird von den deutschen Fachgesellschaften der Kardiologen und Internisten unterstĂŒtzt und befĂŒrwortet.[19]
Die Forderung, ein (LDL-)Cholesterinspiegel oberhalb der publizierten Zielwerte mĂŒsse gegebenenfalls durch ErnĂ€hrungsumstellung und/oder eine medikamentöse Therapie abgesenkt werden, war und ist umstritten. Im Folgenden werden die wichtigsten Kritikpunkte aufgefĂŒhrt:
Die auf der Cholesterinhypothese beruhenden Empfehlungen fĂŒhren hĂ€ufig dazu, dass sich gesunde Menschen prophylaktisch einer risikobehafteten, medikamentösen Therapie unterziehen oder ihre ErnĂ€hrung umstellen. Auf Basis der umfangreichen Studienlage zu dieser Fragestellung wird zunehmend angezweifelt, dass ein auslösender, kausaler Zusammenhang zwischen dem Cholesterinspiegel und der KHK besteht.
Der hohe Grad der Finanzierung durch Mittel der Pharmaindustrie betrifft einen GroĂteil der gesamten medizinischen Forschung und Entwicklung zu. Auch universitĂ€re Institute finanzieren ihre Forschungsarbeit hĂ€ufig durch Drittmittel. Einfluss auf die öffentliche Meinung und die Verordnungspraxis von Medikamenten, versucht die Pharamaindustrie auch durch sogenannte âMeinungsbildnerâ zu gewinnen, die Beratungs- und Vortragshonoraren erhalten. Nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2001 werden etwa 3 % des Marketingbudgets der Pharmaindustrie â im Falle von cholesterinsenkenden PrĂ€paraten entsprĂ€che dieser Anteil jĂ€hrlich einem dreistelligen Euro-Millionenbetrag â in Form von substanziellen Zuwendungen an eine relativ kleine Gruppe von meist international, national oder regional bekannten Professoren ausgeschĂŒttet. Es besteht in Deutschland keine Verpflichtung diese finanziellen Verflechtungen transparent zu machen. Seit Januar 2006 fordert das âDeutsche Ărzteblattâ allerdings seine Autoren auf, solche AbhĂ€ngigkeiten bekanntzugeben und zu veröffentlichen, entsprechend den Gepflogenheiten in internationalen Fachpublikationen. In einer im Jahre 2005 veröffentlichten Studie kritisiert der deutsche Zweig der internationalen Anti-Korruptions-Organisation Transparency International sowohl die AbhĂ€ngigkeit der medizinischen Forschung von der Pharma-Industrie als auch die nach seiner Ansicht âalltĂ€gliche Praxis der Pharmaindustrieâ, sich medizinische Meinungsbildner zu âkaufenâ, und spricht in diesem Zusammenhang von einer âstrukturellen Korruptionâ.
Ein hoher Cholesterinspiegel wird hĂ€ufig als Risikofaktor fĂŒr SchlaganfĂ€lle dargestellt. Die industrienahe Lipid-Liga bezeichnet Cholesterin als einen der wichtigsten Risikofaktoren fĂŒr SchlaganfĂ€lle[36], und gelegentlich wird Cholesterin sogar als âder wichtigste Risikofaktorâ[37] fĂŒr SchlaganfĂ€lle dargestellt, und eine Senkung des Cholesterinspiegels wird als VorbeugemaĂnahme empfohlen.
TatsĂ€chlich existiert nach Studienlage kein Zusammenhang zwischen dem Cholesterinspiegel und dem Schlaganfallrisiko, der diese Behauptung rechtfertigen wĂŒrde, und eine mögliche Rolle des Serum-Cholesterins bei der Entstehung von SchlaganfĂ€llen und ein Nutzen von cholesterinsenkenden Medikamenten ist umstritten.[38]
In der Framingham-Studie, der gröĂten zu dieser Fragestellung vorliegenden Kohortenstudie, findet sich keinerlei Korrelation zwischen dem Cholesterinspiegel und dem Schlaganfallrisiko.[39]
Auch eine Metaanalyse von 45 Kohortenstudien mit insgesamt 450.000 beobachteten Individuen und ĂŒber 13.000 beobachteten SchlaganfĂ€llen ergab keinerlei Korrelation zwischen dem Cholesterinspiegel und dem Schlaganfallrisiko. Allenfalls bei unter 45-jĂ€hrigen Patienten besteht möglicherweise eine leichte positive Korrelation.[40]
Andere Studien zeigen bei jungen Frauen ebenfalls eine positive Korrelation zwischen dem (in diesem Alter allerdings absolut gesehen sehr geringen) Schlaganfallrisiko und dem Cholesterinspiegel, wÀhrend bei Àlteren Frauen ab dem 50. Lebensjahr das Schlaganfallrisiko mit steigendem Cholesterinspiegel sogar sinkt.[41]
Unterscheidet man zwischen den unterschiedlichen Arten von SchlaganfĂ€llen, so sind niedrige Cholesterinspiegel mit einem leicht erhöhten Risiko fĂŒr hĂ€morrhagische SchlaganfĂ€lle verbunden, wĂ€hrend hohe Cholesterinspiegel mit einem leicht erhöhten Risiko fĂŒr ischĂ€mische SchlaganfĂ€lle einhergehen.[42]
Bis heute liegt keine randomisierte Studie vor, die dafĂŒr angelegt war, den Einfluss von Cholesterinsenkung auf das Schlaganfallrisiko zu untersuchen. Allerdings können die vorliegenden Cholesterinsenkungs-Studien zur KHK-PrĂ€vention, meist mit KHK-Hochrisikopatienten (i. d. R. mit vorangegangenem Herzinfarkt oder Diabetes) als Probanden, als Grundlage fĂŒr entsprechende Auswertungen herangezogen werden.
In einer im Jahr 2003 veröffentlichten Meta-Analyse von 38 zufĂ€llig ausgewĂ€hlten Cholesterinsenkungs-Studien mit unterschiedlichen PrĂ€paraten zeigte sich in der Behandlungsgruppe eine zwar geringe aber statistisch signifikante relative Reduzierung der Schlaganfall-HĂ€ufigkeit um 17 Prozent, gleichzeitig jedoch eine nicht signifikante Zunahme der tödlichen SchlaganfĂ€lle um 9 Prozent.[43] Statine sind dabei die einzige Wirkstoffgruppe, die zu einer statistisch signifikanten Reduzierung des Schlaganfallsrisikos fĂŒhrt. Möglicherweise ist hierfĂŒr allerdings die geringe aber statistisch signifikant nachgewiesene blutdrucksenkende Wirkung von Statinen verantwortlich; Bluthochdruck gilt als wichtiger Schlaganfall-Risikofaktor.[44]
In der einzigen vorliegenden randomisierten Cholesterinsenkungsstudie mit Ă€lteren Patienten (PROSPER) zeigte sich ebenfalls ein RĂŒckgang nichttödlicher ischĂ€mischer SchlaganfĂ€lle bei einer gleichzeitigen Zunahme tödlicher SchlaganfĂ€lle. In der im Jahre 2005 veröffentlichten 4D-Studie mit unter Typ2-Diabetes leidenden Dialysepatienten kam es zu einer statistisch signifikanten Verdopplung der tödlichen SchlaganfĂ€lle in der mit Statinen behandelten Gruppe (siehe Abschnitt âStudienâ).
Bei Krebserkrankung ist der Cholesterinspiegel zum Beispiel bei an Brustkrebs erkrankten Frauen im Vergleich zu Gesunden erhöht.[45][46] Bei fortschreitendem Leberkrebs wird die Cholesterinbildung eingeschrÀnkt und als Folge sinkt auch der Serum-Cholesterinspiegel.
Von besonderer Bedeutung ist darĂŒber hinaus die Fragestellung, ob eine Cholesterinsenkung eine prĂ€ventive Wirkung gegenĂŒber bestimmten Krebserkrankungen hat, oder ob diese die Entstehung von Krebserkrankungen sogar begĂŒnstigt.
Eine im Juli 2007 veröffentlichte Metaanalyse von prospektiven Cholesterinsenkungsstudien ergab eine signifikante Korrelation des Krebsrisikos mit der Einnahme von Statinen. Je niedriger die erzielten LDL-Cholesterinwerte, desto höher war der Anteil der Patienten, die an Krebs erkrankten. Innerhalb einer Beobachtungsdauer zwischen einem und fĂŒnf Jahren wurde in der Gruppe der Patienten mit den niedrigsten erzielten LDL-Cholesterinspiegeln etwa eine zusĂ€tzliche Krebserkrankung auf 1000 Patienten beobachtet.[47]
In der 1996 veröffentlichten CARE-Studie[48] hatte sich ein hochsignifikanter Anstieg der BrustkrebsfÀlle in der mit Pravastatin behandelten Gruppe gezeigt (von 1 auf 12). In der 2002 veröffentlichten PROSPER-Studie[49] mit einem im Vergleich zu anderen Statin-Studien vergleichsweise hohen mittleren Alter (und damit Krebsrisiko) der Probanden fand sich ein statistisch signifikanter Anstieg von Krebserkrankungen in der mit Pravastatin behandelten Gruppe. Auch in der 4S- und HPS-Studie zeigte sich jeweils ein (nicht signifikanter) Anstieg von Krebserkrankungen in der mit Simvastatin behandelten Gruppe.[50]
In den letzten Jahren fand auf der Grundlage verschiedener Fall-Kontroll-Studien die gegenteilige Hypothese groĂe Beachtung, Statine hĂ€tten möglicherweise gegen verschiedene Krebserkrankungen (u. a. Prostata-Karzinom[51], Kolorektales Karzinom[52], Brustkrebs[53], Nierenkrebs[54]) sogar eine vorbeugende Wirkung. Grundlage fĂŒr die zum Teil euphorische Medienberichterstattung war folgende Beobachtung: Unter denjenigen Patienten, die die jeweilige Krebserkrankung entwickelt hatten, war der Anteil der Patienten, die Cholesterinsenker eingenommen hatten niedriger, als in einer Vergleichsgruppe ohne Krebserkrankung.
Solche nicht randomisierten Fall-Kontroll-Studien sind allerdings statistisch nur begrenzt aussagekrĂ€ftig[55], und erlauben insbesondere keinerlei Aussage ĂŒber Ursache-Wirkungsbeziehungen (siehe auch Fall-Kontroll-Studie). Der hier beobachtete Effekt kann beispielsweise auch darauf beruhen, dass Patienten mit hohem Cholesterinspiegel, die bekanntermaĂen eine niedrigere Krebsrate haben, hĂ€ufiger Cholesterinsenker verschrieben bekommen. Bei dieser Verschreibungspraxis wĂŒrde sich auch bei einem völlig wirkungsfreien Medikament ergeben, dass diejenigen Patienten, die das Medikament einnehmen, eine niedrigere Krebsrate aufweisen.
Die Fragestellung, ob Statine eine prĂ€ventive Wirkung gegen das Kolorektal-Karzinom haben, wurde in einer 2006 veröffentlichten Analyse einer groĂen Kohortenstudie geprĂŒft. Es fand sich jedoch eine nicht signifikante Erhöhung des Krebsrisikos bei der Patientengruppe, die mit cholesterinsenkenden Mitteln behandelt worden war.[56]
Eine im gleichen Jahr erschienene Meta-Analyse der zahlreichen Statin-Studien kommt gleichfalls zu dem Schluss, dass eine Cholesterinsenkung mit Statinen eindeutig keine prĂ€ventive Wirkung gegenĂŒber Krebserkrankungen hat, weder auf die Gesamtheit aller Krebserkrankungen noch auf einzelne Krebsarten, die Entstehung von Krebs jedoch auch nicht statistisch signifikant begĂŒnstigt.[57]
Die eindeutig negativen Ergebnisse der beiden letztgenannten Studien lassen weitere Studien zu der erhofften krebsprÀventiven Wirkung von CholesterinsenkungsprÀparaten nach EinschÀtzung von Experten nicht sinnvoll erscheinen.[58]
Nach einer Diagnose eines hohen Cholesterinspiegels wird in der Regel als erste MaĂnahme eine fettmodifizierte und cholesterinarme ErnĂ€hrung empfohlen. Diese Empfehlung ist allerdings umstritten. Eine umfassende Darstellung zu dieser Frage wurde vom Institut fĂŒr Sozialmedizin und Epidemiologie des Bundesgesundheitsamts veröffentlicht.[59]
GemÀà den Empfehlungen der DGFF (Lipid-Liga) sollten hierbei folgende Punkte bei der Nahrungsaufnahme bedacht werden:
Kritiker halten dagegen, dass der Einfluss einer kurzfristigen Nahrungsumstellung auf den Cholesterinspiegel nur gering ist, da die Nahrungsaufnahme nur ein geringer Anteil bei der Bildung von Cholesterin ist.
Eine prospektive Studie, die Verbundstudie ErnĂ€hrungserhebung und Risikofaktoren Analytik (VERA, von 1985 bis 1988 mit 25.000 Teilnehmern) ergab, dass auch bei verschiedenen Mengen von gesĂ€ttigten, aber auch ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren sowohl die HDL- als auch die LDL-Werte sich, wenn ĂŒberhaupt, nur minimal Ă€nderten. Dagegen wird wiederum eingewendet, die Zusammensetzung des LDLs werde ignoriert: es gebe Hinweise, dass es einen Unterschied machen wĂŒrde, mit welchen FettsĂ€uren (ĂŒberwiegend ungesĂ€ttigt wie bei Veganern versus ĂŒberwiegend gesĂ€ttigte) das Lipoprotein LDL âbestĂŒcktâ sei. Die Oxidierbarkeit des LDLs, und damit eine potenzielle SchĂ€digung der GefĂ€Ăe, hĂ€nge von den transportierten FettsĂ€uren ab, und hier wĂŒrden die ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren besser abschneiden - besonders in Verbindung mit Vitamin E, welches ebenfalls in den LDL-MolekĂŒlen im Blut transportiert wird. Selbst wenn sich diese ZusammenhĂ€nge bestĂ€tigen sollten, bleibt unbewiesen, dass der Anteil ungesĂ€ttigter Fette an der Nahrung seinerseits Einfluss auf die Zusammensetzung des LDLs hat, und welche ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren dabei welche Wirkung haben.
Allerdings lĂ€sst sich durch eine langfristige drastische Verringerung der Fettzufuhr, z. B. durch einen verlĂ€ngerten Fastentest, auch der Cholesterinspiegel senken. Bei Vegetariern und Veganern werden verringerte Cholesterinspiegel beobachtet, deren Ursache allerdings nicht geklĂ€rt ist: sie können auf ihrer geringen Cholesterinaufnahme mit der Nahrung beruhen, aber auch Nebeneffekt einer insgesamt gesundheitsbewussteren Lebensweise sein. DafĂŒr spricht, dass man (gegenĂŒber US-Amerikanern) deutlich verringerte Cholesterinwerte auch in Gruppen gefunden hat, die sich fast ausschlieĂlich von Milch und Fleisch ernĂ€hren (belegt fĂŒr Massai-Angehörige und von Samburu-MĂ€nner).
Neben der umstrittenen These des Einflusses von direkter Aufnahme von Cholesterin in der Nahrung besteht auch ein Einfluss der ErnĂ€hrung auf die Cholesterinsynthese durch die Beeinflussung der Synthese von Prostaglandinen. Prostaglandine sind Gewebshormone, die unter Anderem die Synthese von Cholesterin steuern, wobei ein Prostaglandin in die eine Richtung wirkt (etwa das cholesterinsenkende Serie-1 PGE1) und ein anderes gegensĂ€tzlich (hier Serie-2 PGE2). Die Bildung von Serie-1 oder Serie-2 Prostaglandinen wiederum wird durch das VerhĂ€ltnis von mehrfach ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren (omega-3 zu omega-6) in der Nahrung beeinflusst.[60][61] Prostaglandine steuern auĂer der Cholesterinsynthese auch andere Faktoren der Entstehung von Arteriosklerose, so z. B. Lipoprotein(A) und EntzĂŒndungsparameter. Die ErnĂ€hrungsempfehlungen, um die Prostaglandine gĂŒnstig zur Cholesterinsenkung zu beeinflussen, wĂ€ren etwa:
Niedrige Cholesterinspiegel der werdenden Mutter (Gesamtcholesterin unter 160 mg/dl) sind ein Risikofaktor fĂŒr FrĂŒhgeburt und niedriges Geburtsgewicht.[64]
Muttermilch enthĂ€lt einen sehr hohen Anteil an Cholesterin (ca. 25 mg / 100 g, Kuhmilch enthĂ€lt nur ca. 12 mg / 100 g). Es wird vermutet, dass der höhere Cholesterinanteil der Muttermilch dafĂŒr verantwortlich sein könnte, dass gestillte Kinder spĂ€ter im Mittel einen höheren IQ entwickeln, auch weil bekannt ist, dass Cholesterin beim Aufbau des Gehirns und Nervensystems eine wesentliche Rolle spielt. Babynahrungshersteller verzichten auf die Anreicherung von Muttermilch-Ersatz mit Cholesterin, vermutlich weil sie wegen negativer Assoziationen der Verbraucher mit diesem Stoff mit Absatzproblemen rechnen mĂŒssten.
In einer im Jahre 2005 veröffentlichten Studie zeigte sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen einem niedrigen Gesamtcholesterinspiegel bei Kindern und Schulverweisen. Kinder und Jugendliche mit einem Gesamtcholesterinspiegel unterhalb des 25 Perzentils (<145 mg/dl) hatten eine fast dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit, in ihrer Schullaufbahn von der Schule verwiesen worden zu sein. Dies wird von den Autoren als weiterer Hinweis dafĂŒr gewertet, dass niedrige Cholesterinspiegel mit einer erhöhten AggressivitĂ€t im Zusammenhang stehen.[65]
Niedrige Cholesterinspiegel haben sich in verschiedenen Studien als Risikofaktor fĂŒr das Auftreten von Depressionen herausgestellt. So zeigte sich beispielsweise bei jungen, gesunden Frauen mit einem Gesamtcholesterinspiegel unterhalb von 4,14mmol/l (160 mg/dl) ein etwa doppelt so hohes Risiko fĂŒr das Auftreten von Depressionen wie bei Frauen mit mittlerem bis hohem Cholesterinspiegel.[66]
Auch die Einnahme von cholesterinsenkenden Medikamenten begĂŒnstigt offenbar die Entstehung von Depressionen. So zeigte sich in einer Studie an 234 Ă€lteren, depressiven Patienten, dass diejenigen Patienten, die Cholesterinsenker einnahmen, ein statistisch signifikant um fast 80 % erhöhtes relatives Risiko fĂŒr das Auftreten eines RĂŒckfalls hatten als Patienten ohne diese Medikation.[67] In einer placebokontrollierten Studie an ĂŒber 70-jĂ€hrigen Patienten zeigte sich, dass die Stimmungslage der Patienten in der mit einem Cholesterinsenker behandelten Patientengruppe statistisch signifikant negativ beeintrĂ€chtigt war.[68]
Von möglichen positiven Auswirkungen der Statin-Einnahme auf die Psyche berichtet eine Kohortenstudie, in der Patienten, die ĂŒber den Zeitraum von vier Jahren ununterbrochen Statine eingenommen hatten, mit solchen Patienten verglichen wurden, die gar nicht oder nur mit Unterbrechungen Statine eingenommen hatten. In der ersten Gruppe zeigte sich eine reduzierte PrĂ€valenz von Depressionen, die jedoch nicht mit dem MaĂ der Cholesterinsenkung in Zusammenhang stand.[69] Die Aussagekraft dieser Studie ist jedoch dadurch beeintrĂ€chtigt, dass Patienten, die zum Beispiel wegen möglicher Nebenwirkungen der Medikamenteneinnahme aus der Studie ausschieden, in der Auswertung nicht berĂŒcksichtigt werden konnten.
In verschiedenen Studien wurde der Einfluss einer Cholesterinsenkung auf die GedĂ€chtnisleistung untersucht. In einer im Jahr 2000 veröffentlichten Studie an 192 gesunden Erwachsenen zeigte sich, dass sowohl die GedĂ€chtnisleistung als auch die Aufmerksamkeit der Probanden in der mit dem Cholesterinsenker Lovastatin behandelten Gruppe signifikant schlechter ausfiel als in der Kontrollgruppe. Der Leistungsunterschied war signifikant verknĂŒpft mit den absoluten LDL-Cholesterinwerten nach der Behandlung, d. h. niedrigere Cholesterinwerte gingen mit einer schlechteren GedĂ€chtnisleistung einher. Auch in einer an 326 Frauen mittleren Alters durchgefĂŒhrten und 2003 veröffentlichten Studie zeigte sich eine lineare Korrelation der GedĂ€chtnisleistung mit dem LDL-Cholesterinspiegel.
In einem im Jahr 2003 veröffentlichten Ăbersichtsartikel werden 60 FĂ€lle von totalem GedĂ€chtnisverlust im Zusammenhang mit einer Statin-Behandlung beschrieben. Nach Absetzen der Statin-Behandlung verschwanden in etwas weniger als der HĂ€lfte der dokumentierten FĂ€lle die GedĂ€chtnisstörungen ganz oder teilweise.[70]
Niedrige Serum-Cholesterinspiegel stehen offenbar mit dem Auftreten von nĂ€chtlichen AlbtrĂ€umen in Verbindung.[71] DarĂŒber hinaus gibt es einzelne Fallberichte, in denen ein direkter Zusammenhang zwischen der Einnahme von Cholesterinsenkern und dem Auftreten von AlbtrĂ€umen beschrieben wurde.[72]
Die ersten Mittel zur Senkung des Cholesterinspiegels waren GallensÀureaustauscherharze (Cholestipol). SpÀter kamen dann Fibrate sowie NikotinsÀureprÀparate und deren Derivate auf den Markt. Heute werden in diesem Indikationsbereich fast nur noch Statine und Cholesterinwiederaufnahmehemmer eingesetzt, in EinzelfÀllen noch Fibrate.
Derzeit sind die Wirkstoffe Bezafibrat, Fenofibrat und Gemfibrozil im Einsatz. Fibrate zeichnen sich durch eine gute Triglyceridsenkung aus und werden heute deshalb vor allem bei Diabetikern eingesetzt.
Als die zur Zeit wirksamsten Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels gelten Statine. Sie gehören zur Gruppe der HMG-CoA-Reduktase-Hemmer (CSE-Hemmer), da sie das SchlĂŒsselenzym der Cholesterinsynthese in der Zelle, die ÎČ-Hydroxy-ÎČ-methylglutaryl-Coenzym-A-Reduktase hemmen. Als Folge stellt die Zelle benötigtes Cholesterin nicht mehr selbst her, sondern nimmt Cholesterin aus dem Blut, ĂŒber LDL-Rezeptoren, auf.
Der relativ neuartige Wirkstoff Ezetimib ist ein im Darm wirkender, selektiver Cholesterinwiederaufnahmehemmer, der gezielt das Niemann-Pick C1-Like 1 (NPC1L1)-Protein blockiert. NPC1-L1 sitzt in der Membran von Entherozyten der DĂŒnndarmwand und ist fĂŒr die Aufnahme von Cholesterin und Phytosterolen aus dem Darm zustĂ€ndig. Studien, welche die Wirkung von Ezetimib zur PrĂ€vention der Komplikationen von Atherosklerose belegen, sind noch nicht abgeschlossen
In zahlreichen Studien wurde die Auswirkung des Cholesterinspiegels auf die Inzidenz von Herz-Kreislauferkrankungen untersucht, aber auch andere Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Cholesterinspiegel. Die Vielzahl der Studien macht das Heranziehen einzelner Studien zur BegrĂŒndung eines Effekts grundsĂ€tzlich problematisch, da die DurchfĂŒhrung mehrerer Studien zur Beantwortung der gleichen Fragestellung die vermeintliche statistische Signifikanz einer einzelnen Studie auĂer Kraft setzen kann. So genĂŒgen im Mittel zwanzig fĂŒr sich betrachtet methodisch korrekt angelegte Studien, um einen nicht vorhandenen Effekt einmal statistisch signifikant ânachzuweisenâ. Metastudien gewinnen daher im Zusammenhang mit der Cholesterin-Thematik ein besonderes Gewicht. Auch diese sind jedoch durch den sogenannten âPublikationsbiasâ beeinflusst.
Eine der wegweisenden Studien auf dem Gebiet der Untersuchung von KHK-Risikofaktoren war die Framingham-Studie, die heute als die wichtigste epidemiologische Studie der USA gilt. Sie untersuchte 6000 Personen zweier Generationen in Framingham/Massachusetts. Ăber die Framingham-Studie wurden bis zum heutigen Tag ĂŒber 1000 wissenschaftliche Publikationen erstellt. Im Rahmen dieser Studie wurden unter anderem nachgewiesen, dass Rauchen und Ăbergewicht wichtige KHK-Risikofaktoren sind. Es ergab sich darĂŒber hinaus, dass bei MĂ€nnern im Alter von 30 bis 59 Jahren das Auftreten von KHK entsprechend dem Cholesteringehalt im Blut erhöht ist. Bei MĂ€nnern in den DreiĂigern wiesen die Personen mit dem höchsten Gesamtcholesteringehalt im Blut ein viermal höheres Risiko auf als diejenigen mit dem geringsten Cholesterin. FĂŒr Frauen und fĂŒr Personen ĂŒber 50 Jahre zeigte sich kein solcher Zusammenhang. Eine PrĂŒfung der Framingham-Studie im Jahre 1987 zeigte, dass bei Personen ĂŒber 50 eine Absenkung des Cholesterinspiegels um 1 mg/dl zu einer Steigerung der Gesamttodesrate von 11 % und zu einer Steigerung der Todesrate durch Herzkrankheiten um 14 % fĂŒhrte.[73]
Das American National Heart, Lung and Blood-Institute fĂŒhrte Metastudien zum gesundheitlichen Nutzen der Cholesterinsenkung durch. 19 Studien wurden analysiert. Untersucht wurden 650.000 Menschen und 70.000 TodesfĂ€lle: Geringe Cholesterinspiegel gehen nicht mit einer allgemeinen Erhöhung der Lebenserwartung einher, sondern beziehen sich nur auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sie erhöhen das Risiko von SchlaganfĂ€llen und das Krebsrisiko. Allerdings ist immer noch umstritten, wo hier Ursache und Wirkung liegen; zum Zeitpunkt der Messung könnten niedrige wie auch hohe Cholesterinspiegel auch durch (noch nicht diagnostizierte) Krankheiten im Anfangsstadium verursacht sein. Als gesichert gilt, dass sehr hohe, sehr niedrige und fallende Cholesterinspiegel mit einer erhöhten MortalitĂ€t verbunden sind, wobei unklar bleibt, ob das Cholesterin Ursache oder eben nur Indiz eines verschlechterten Gesundheitszustandes ist.[74][75]
Die CARE-Studie ( Cholesterol And Recurrent Event Study) mit Patienten mit 3 bis 20 Monaten zurĂŒckliegenden Herzinfarkt zeigte als Folge einer LDL-Cholesterinsenkung zwischen 115 und 174 mg/dl eine statistisch nicht signifikante Reduktion von Reinfarktraten und der Frequenz des Koronartods (von 5,7 % in der Kontrollgruppe auf 4,6 % in der Behandlungsgruppe nach fĂŒnf Jahren). Der RĂŒckgang der KHK-Toten wurde allerdings durch eine Zunahme anderer Todesursachen in der Behandlungsgruppe ausgeglichen. Bei den nicht-tödlichen Herzinfarkten und bei der Zahl der SchlaganfĂ€lle zeigten sich Vorteile in der Behandlungsgruppe.
Die erste Statin-Studie begann 1990 unter dem Namen Expanded Clinical Evaluation of Lovastatin (EXCEL). An der Studie nahmen 8245 Personen mit âmoderat erhöhtemâ Cholesterinspiegel teil. Die drei Behandlungsgruppen erhielten Lovastatin in unterschiedlichen Dosierungen, die Kontrollgruppe von 1.650 Patienten erhielt ein Placebo. In einer 1991 veröffentlichten ersten Auswertung der Studie zeigte sich ein Anstieg der Sterblichkeit von 0,2 % in der Kontrollgruppe auf 0,5 % im Mittel der drei Behandlungsgruppen, der grenzwertig statistisch signifikant war. Ăber den weiteren Verlauf der MortalitĂ€t in dieser Studie wurden vom Lovastatin-Hersteller MSD Sharp & Dohme keine Zahlen veröffentlicht.
Die Scandinavian Simvastatin Survival Study wird kurz als 4S-Studie bezeichnet. Innerhalb der ersten 5 Behandlungsjahre wurden unter den beteiligten 4444 Patienten mit mindestens sechs Monate zurĂŒckliegenden Herzinfarkt oder stabilen Angina Pectoris in der Vorgeschichte die LDL-Cholesterinspiegel um durchschnittlich 35 % gesenkt und die HDL-Cholesterinspiegel um durchschnittlich 8 % gesteigert. Im gleichen Zeitraum wurde die KHK-MortalitĂ€t von 8,5 % auf 5,0 % gesenkt, die Rate definitiver Herzinfarkte reduzierte sich von 12,1 % auf 7,4 %.
An dieser Studie gibt es erhebliche methodische Kritik, z. B. vom anzeigenfreien Arznei-Telegramm zur Bewertung von Medikamenten. Die Altersverteilung von Simvastatin- und Placebogruppe war aus den veröffentlichten Daten nicht entnehmbar, gleichzeitig traten typische altersabhĂ€ngige Krankheiten in der Placebogruppe deutlich hĂ€ufiger auf. Eine Standardisierung fĂŒr andere gleichzeitig eingenommene Medikamente, wie z. B. Aspirin, wurde nicht vorgenommen. DarĂŒber hinaus war das KHK-Risikoprofil der Kontrollgruppe deutlich ungĂŒnstiger. Und schlieĂlich erschien es verdĂ€chtig, dass in einer angeblichen Doppelblindstudie bei den Patienten der Simvastatin-Gruppe die Dosis nach einem halben Jahr verdoppelt wurde, bei denen der Cholesterinspiegel nicht gesunken war. Die Autoren mussten spĂ€ter einrĂ€umen, dass das Patientenkollektiv nicht vollstĂ€ndig randomisiert war.[76][77]
Dennoch bestĂ€tigt das Arzneitelegramm im Jahr 2004, dass die 4S-Studie erstmals den Nachweis erbrachte, dass mĂ€nnliche Patienten mit Herzinfarkt oder stabiler Angina Pectoris in der Vorgeschichte von einer medikamentösen Cholesterinsenkung im Sinne einer LebensverlĂ€ngerung profitieren könnten. Dieses Ergebnis sei inzwischen durch zwei weitere Studien (HPS und LIPID) bestĂ€tigt worden. Das Fachblatt rĂ€t jedoch vom Einsatz von Statinen bei Frauen und bei ĂŒber 70-JĂ€hrigen ohne arteriosklerotische Erkrankung ab.[78]
Die PROCAM-Studie ( Prospective Cardiovascular MĂŒnster Study) begann 1979 in MĂŒnster und untersuchte fast 50.000 Angehörige von Firmen und Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes. Sie ergab Hinweise, dass nicht nur die Höhe des Gesamtcholesterins sondern auch das VerhĂ€ltnis der verschiedenen Cholesterinfraktionen (LDL, HDL, Triglyceride) fĂŒr die KHK-Risikobetrachtung ausschlaggebend sein könnte. Auf Basis der Studie wurden Risikorechner fĂŒr Herzinfarkt und Schlaganfall entwickelt.
Die LIPID-Studie ( Long-Term Intervention with Pravastatin in Ischaemic Disease-Study ) zeigte an fast 10.000 Probanden mit mindestens 3 bis 36 Monate zurĂŒckliegenden Herzinfarkt oder Krankenhausentlassung nach instabiler Angina Pectoris mit Gesamtcholesterinwerten ab 155 mg/dl und durchschnittlichen LDL-Cholesterinwerten von 150 mg/dl, dass das LDL um durchschnittlich 25 % stĂ€rker als unter Placebo gesenkt und das HDL um 5 % angehoben wurde. Dabei wurde die Gesamtsterblichkeit von 14 % auf 11 % gesenkt, die KHK-Sterblichkeit von 8,3 % auf 6,2 %. Die Wirkung hing dabei nicht vom anfĂ€nglichen Gesamt- oder LDL-Cholesterinspiegel ab. Auch andere Todesursachen, wie Krebs und Selbstmord, nahmen in der Behandlungsgruppe ab. Damit wird von Kritikern die Vergleichbarkeit der beiden Gruppen in Frage gestellt. Anders als ĂŒblich sind entsprechende Durchschnittswerte der Studie nicht zu entnehmen.
In der englisch-skandinavischen Heart Protection Study lieĂ sich an 20.536 Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder anderen atherosklerotischen Erkrankungen oder Hypertonie etc. eine zwar geringe, aber signifikante Senkung der Gesamtsterblichkeit von 14,7 % in der Placebogruppe auf ca. 12,9 % in der behandelten Gruppe (mit Simvastatin) nachweisen[79][80]; d. h. rund 50 Personen mĂŒssen fĂŒnf Jahre behandelt werden, um einen Todesfall zu verhindern (NNT=56). Die zur Errechnung dieser Schlussfolgerung der Studie verwendeten statistischen Methoden sind nicht unumstritten.[81] Auch die Kosteneffizienz wurde, u. a. wegen der hohen Preise fĂŒr Simvastatin, in Frage gestellt. Allerdings hat sich die Grundlage dieser Berechnungen mit EinfĂŒhrung der Simvastatin-Generika 2003 verĂ€ndert.[82] Ob der in der Studie erkennbare positive Effekt allein auf die cholesterinsenkende Wirkung oder auch auf andere Wirkmechanismen der Statine zurĂŒckzufĂŒhren ist, ist umstritten und Gegenstand aktueller Forschungsarbeit.[83]
In der 4D-Studie (âDie Deutsche Diabetes Dialyseâ-Studie) wurde erstmals die Wirkung von Atorvastatin (Lipitor/Sortis) bei der Behandlung von Dialysepatienten mit Typ-2-Diabetes untersucht, die ein sehr hohes kardiovaskulĂ€res Risiko haben. Die placebokontrollierte Studie umfasste 1.255 Patienten, die ĂŒber vier Jahre beobachtet wurden. In der Behandlungsgruppe wurde der LDL-Cholesterinspiegel im Mittel um 42 % reduziert. Es zeigte sich jedoch kein Vorteil bei den KHK-TodesfĂ€llen oder bei der Gesamtsterblichkeit. Stattdessen kam es in der Behandlungsgruppe zu einer statistisch signifikanten Verdopplung der Zahl der tödlichen SchlaganfĂ€lle.[84]
Hu et al. untersuchten 1999 in Ihrer Studie: âA Prospective Study of Egg Consumption and Risk of Cardiovascular Disease in Men and Womenâ mit ĂŒber 117.000 Probanden den vermuteten Zusammenhang zwischen Eiverzehr und KHK oder Schlaganfall. Ein erhöhtes Risiko bei erhöhtem Eikonsum konnte dabei nur fĂŒr Diabetiker festgestellt werden. FĂŒr die Gesamtgruppe gab es keinen signifikanten Zusammenhang.[85]
WeingĂ€rtner et al. untersuchten 583 Angestellte des UniversitĂ€tsklinikums des Saarlandes ohne kardiovaskulĂ€re Erkrankungen, bzw. Lipid-senkende Medikamente bezĂŒglich Cholesterinhomöostase (Cholesterinsynthese/Cholesterinresorption) und frĂŒher Atherosklerose. Daten dieser Studie zeigen, dass nicht nur Gesamtcholesterin und der Framingham-Risiko-Score, sondern auch Unterschiede in der Cholesterinhomöostase direkt mit Carotis Intima-Media Dicke assoziiert sind.[86]
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