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Weihnachten, auch (heiliges) Christfest, Heilige(r) Christ oder Weihnacht genannt, ist das Fest der Geburt Jesu Christi.
Festtag ist der 25. Dezember, der Christtag, auch Hochfest der Geburt des Herrn, dessen Feierlichkeiten am Vorabend, am Heiligen Abend (Heiligabend) (auch Heilige Nacht, Christnacht, Weihnachtsabend, 24. Dezember), beginnen. Er ist in vielen Staaten ein gesetzlich geschĂŒtzter Feiertag. In Deutschland, Ăsterreich, der Schweiz und vielen anderen LĂ€ndern kommt als zweiter Weihnachtsfeiertag der 26. Dezember hinzu, der in der römisch-katholischen, der anglikanischen und der altkatholischen Kirche als Stephanstag (auch: Stefanitag) begangen wird.
Inhaltsverzeichnis |
Weihnachten ist mit Ostern und Pfingsten eines der drei Hauptfeste des Kirchenjahres. Die weihnachtliche Festzeit beginnt mit der ersten Vesper von Weihnachten am Heiligabend (siehe dazu auch Christvesper) und endet in der römisch-katholischen Kirche mit dem Fest Taufe des Herrn am Sonntag nach Erscheinung des Herrn. Der erste liturgische Höhepunkt der Weihnachtszeit ist die Mitternachtsmesse (siehe Christmette). Vor der Liturgiereform von 1963 erstreckte sich der Weihnachtsfestkreis, der den Advent als Vorbereitungszeit einschlieĂt, bis zum Fest Darstellung des Herrn am 2. Februar, umgangssprachlich âMariĂ€ Lichtmessâ genannt.
Als kirchlicher Feiertag ist der 25. Dezember erst seit 336 in Rom belegt. Wie es zu diesem Datum kam, ist umstritten. Diskutiert wird eine Beeinflussung durch den römischen Sonnenkult.
Christen und Nichtchristen feiern Weihnachten heute meist als Familienfest mit gegenseitigem Beschenken; dieser Brauch wurde seit 1535 von Martin Luther als Alternative zur bisherigen Geschenksitte am Nikolaustag propagiert, um so das Interesse der Kinder auf Christus anstelle der Heiligenverehrung zu lenken.[1] In römisch-katholischen Familien fand die Kinderbescherung weiterhin lange Zeit am Nikolaustag statt. Hinzu kamen alte und neue BrĂ€uche verschiedener Herkunft, zum Beispiel Krippenspiele seit dem 11. Jahrhundert, zudem der geschmĂŒckte Weihnachtsbaum (16. Jahrhundert), der Adventskranz (1839) und der Weihnachtsmann (20. Jahrhundert). Dieser löste in Norddeutschland das Christkind und den Nikolaus als Gabenbringer fĂŒr die Kinder ab. Viele LĂ€nder verbinden weitere eigene BrĂ€uche mit Weihnachten.
In vielen Familien gehört der Besuch eines Gottesdienstes am Heiligen Abend zum gewohnten Ritual, auch bei Nicht-KirchgÀngern oder Konfessionslosen.
Dass Jesus von Nazaret geboren wurde und als Mensch in seiner Zeit gelebt hat, wird von der Forschung nicht ernsthaft bestritten. Seine Geburt in Betlehem wird jedoch nur in zwei biblischen BĂŒchern erzĂ€hlt: MatthĂ€us und Lukas stellen ihrem Evangelium jeweils unabhĂ€ngig voneinander eine Kindheitsgeschichte voraus. In Form geschichtlicher Darstellung wollen sie aus nachösterlicher Sinndeutung deutlich machen, dass Jesus Christus von Anfang an, bereits als neugeborenes Kind durch Gott als sein Sohn erwĂ€hlt war.[2]
Die heute gelÀufigere Darstellung stammt aus dem Lukasevangelium:
âIn jenen Tagen erlieĂ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in GalilĂ€a hinauf nach JudĂ€a in die Stadt Davids, die Betlehem heiĂt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam fĂŒr Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz fĂŒr sie war.â
Es folgt bei Lukas die VerkĂŒndigung an die Hirten (Lk 2,8â20 EU), die Darstellung Jesu im Tempel entsprechend jĂŒdischer Vorschrift (Lk 2,21â40 EU) und die Wallfahrt des zwölfjĂ€hrigen Jesus zum Tempel nach Jerusalem (Lk 2,41â52 EU). Voraufgegangen war die VerkĂŒndigung Jesu an Maria und parallel dazu die VerkĂŒndigung und die Geburt von Johannes dem TĂ€ufer (Lk 1,3â80 EU).
Das MatthĂ€usevangelium spricht nach dem Stammbaum Jesu eher beilĂ€ufig von der Geburt Jesu in Zusammenhang mit dem Zweifel Josefs an seiner Vaterschaft, dem ein Engel im Traum den Hinweis auf die Bedeutung des Kindes der Maria gab (Mt 1,18â24 EU), und der Verehrung des Neugeborenen durch die Sterndeuter (Mt 2,1â12 EU). Daran schlieĂen sich die Flucht nach Ăgypten, der Kindermord des Herodes und die RĂŒckkehr von Josef mit Maria und dem Kind nach Nazaret an (Mt 2,13â23 EU).
Das Johannesevangelium beginnt in theologisch-dichterischer Redeweise mit einem Prolog, in dem die Menschwerdung des Gottessohnes ausgesagt wird:
âDas wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.â
Auch im Johannesevangelium wird diese VerkĂŒndigungsaussage bezeugt von Johannes dem TĂ€ufer als âVorlĂ€ufer Jesuâ (Joh 1,6â8.15 EU).
In den Briefen des Paulus wird der Glaube an Jesus Christus nicht in erzĂ€hlerischer Form dargestellt, sondern theologisch verdichtet. Die Menschwerdung des Gottessohnes wird als Kenosis, als âEntĂ€uĂerungâ und âErniedrigungâ gepredigt, so im Brief an die Philipper:
âSeid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
sondern er entĂ€uĂerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott ĂŒber alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der gröĂer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt: âJesus Christus ist der Herrâ â zur Ehre Gottes, des Vaters.â
Das populĂ€re âMaria legte das Kind in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz fĂŒr sie warâ (Lk 2,7 EU) entspricht somit dem Satz des Johannesevangeliums âEr kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht aufâ (Joh 1,11 EU) und der âInkarnationâ und âEntĂ€uĂerungâ, dem âDen-Menschen-gleich-werdenâ der paulinischen Theologie (Phil 2,7 EU). Es sind nicht Aussagen ĂŒber einen SĂ€ugling, sondern sie kennzeichnen die gesamte Sendung Jesu Christi als Gottes Heilstat zur Erlösung der Menschen durch seinen Sohn, von Jesu Geburt bis zu seiner Hinrichtung am Kreuz: âSchon in der Geburt ist (oder: wird) hier Jesus der Sohn Gottesâ, betonen MatthĂ€us und Lukas, indem sie ihrem Evangelium die weihnachtliche Vorgeschichte voranstellen.[3]
Aus der gleichen Zeit (um 1190) stammt das Gedicht des bayerischen Dichters Spervogel:[5]âdiu gnĂąde diu anegengete sih an dirre naht: von diu heizet si diu wĂźhe naht.â
âDie Gnade (Gottes) kam zu uns in dieser Nacht: deshalb heiĂt diese nunmehr Weihnacht.â
âEr ist gewaltic unde starc, der ze wihen naht geborn wart: daz ist der heilige krist.â
Das erste Wortglied weih wird von germanisch wÄ«Êja, wÄ«ha âheiligâ aus der Grundform des Verbs *wÄ«Êjan âweihenâ, und des Weiteren aus der indogermanischen Wortwurzel *ueik âaus-, absondern, weihenâ abgeleitet. FĂŒr die deutsche Sprache wichtige ableitende Formen sind: gotisch weih-s, althochdeutsch, altsĂ€chsisch wĂźh und mittelhochdeutsch wĂź(c)h und das schwache Verb wĂźchen. Das Wort kann also mit âheilige Nachtâ, beziehungsweise eher als âheilige NĂ€chteâ ĂŒbersetzt werden, da zum einen das zweite Wortglied -naht hier an die alte Zeiteinteilung vom Tag mit Beginn der Nacht ansetzt (englisch fortnight âvierzehn Tageâ aus altenglisch fÄowertyne niht) und zum anderen der Plural auf mehrere Feiertage in Bezug auf die altkirchliche Tradition der âzwölf Weihnachtstageâ vom 25. Dezember bis Epiphanias am 6. Januar hinweist. DarĂŒber hinaus ist weih, beziehungsweise die germanische Grundform mit lateinisch victima âOpfertierâ verwandt, wie auch die Bezeichnung der KultstĂ€tten, zum Beispiel altnordisch Ve.[6][7][8][9]
Schon frĂŒh wurde dagegen die Vermutung geĂ€uĂert, dass der Name vorchristlichen Ursprungs sei: âdas dieser heydnisch nam [Ostern] und standt nicht von Petro, sonder von den heyden in das christenthumb ist kommen, wie auch die fasznacht, weinnacht etc.â[10]
Da die ersten Belege fĂŒr das Wort aus dem 12. Jahrhundert stammen, nehmen viele Forscher an, dass der Begriff christlichen Ursprungs ist, vermutlich als LehnĂŒbersetzung des lateinischen nox sancta aus den Gebeten der lateinischen Christmette unter Verwendung des volkssprachlichen Wortschatzes und ohne Bezug auf vorchristliche pagane Begriffsbildungen, wie ein Vergleich mit dem erhaltenen skandinavischen Begriff des Juls zeigt.
Martin Luther dachte an wiegen und bildete Wygenachten âda wir das kindlein wiegenâ.[11]
Theodor Storm bildete aus dem Substantiv âWeihnachtenâ dann das Verb weihnachten.[12] In seinem Gedicht vom Knecht Ruprecht heiĂt es in den Anfangs- und Schlusszeilen: <poem> Von drauĂâ vom Walde komm ich her; Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr. </poem>
Das Geburtsdatum Jesu wird im Neuen Testament nicht genannt und war den Urchristen unbekannt, die sich fĂŒr die Todestage, nicht aber fĂŒr die Geburtstage ihrer MĂ€rtyrer interessierten. Doch bereits im 2. Jahrhundert ist ein wachsendes Interesse daran feststellbar. Dabei spielte das FrĂŒhlingsĂ€quinoktium am 25. MĂ€rz eine besondere Rolle. FĂŒr dieses nahm man den ersten Schöpfungstag und den Tag des Kreuzestodes Christi an. Der vor 221 schreibende Julius Africanus bezeichnete den 25. MĂ€rz als Datum seiner Passion als auch seiner EmpfĂ€ngnis, was bei einer exakt neunmonatigen Schwangerschaft Marias zu einem Geburtstag am 25. Dezember fĂŒhren wĂŒrde.
In Ăgypten gab Clemens von Alexandria[13] jedoch schon zu Beginn des 3. Jahrhunderts einen Tag zwischen Ostern und Pfingsten als Geburtstermin an. In den Ă€ltesten christlichen Kalendern, zum Beispiel im Osterkanon des Hippolyt von Rom, De pascha computus aus dem Jahre 222, wurde Jesu Geburt und sein Tod auf den 14. Nisan gelegt.[14] Der Ursprung dieses Datums liegt nach Strobel in einer jĂŒdischen Haggada, die Isaak, das Vorbild Christi in der frĂŒhen Kirche, ebenfalls am 14. Nisan geboren sein lĂ€sst. Hippolyt kannte also das Datum des 25. Dezember als Geburtstag Jesu sicher noch nicht. Eine entsprechende Stelle in seinem Danielkommentar ist als spĂ€tere Interpolation erwiesen.
In der morgenlĂ€ndischen Kirche war fĂŒr den Dienstag, Mittwoch und Donnerstag der dritten Woche nach Ostern die gleiche Leseordnung vorgeschrieben wie zu Weihnachten â bei den Armeniern die vom 5./6. Januar, in der georgischen Kirche die vom 25./26. Dezember. Es gab also in der altpalĂ€stinensischen Kirche eine Zeit, in der der Geburtstag Jesu Mitte Mai gefeiert wurde. Die Jungfrau Egeria beschrieb in einem Reisebericht fĂŒr diese Zeit eine besondere Feier in der Geburtskirche mit nĂ€chtlichem Gottesdienst zu Betlehem. Eine auf der Brust getragene Reliquienkapsel (Enkolpion) im Museum von Konstantinopel stellt eine Krippe dar und verweist in der Beischrift auf den 25. Mai (Pachoni). Eine Abschrift einer altpalĂ€stinensischen Liturgie fĂŒhrt die Weihnachtsliturgie fĂŒr den 16. bis 28. Mai auf (Kluge).
Erstmalig wird der 25. Dezember ausdrĂŒcklich von Furius Dionysius Filocalus in seinem Chronograph von 354 genannt, der auf römischen Quellen aus dem Jahre 336 beruht (ein Jahr vor dem Tod Konstantins und zu einer Zeit des Aufschwungs des Christentums). Ein Verzeichnis der römischen Konsuln enthĂ€lt den Eintrag: âChristus ist wĂ€hrend des Consulats von C. Augustus und L. Aemilianus Paulus am 25. Dezember, einem Freitag, dem 15. Tag des Mondalters geborenâ. In dieser römischen Quelle, deren AuthentizitĂ€t allerdings nicht unumstritten ist, ist das Datum auch als liturgischer Festtag zu verstehen. Wie lange davor der 25. Dezember als Festtag begangen wurde, ist unbekannt.
In Rom, wo der Geburtstag Jesu zuerst am 25. Dezember, und zwar nach der Weihnachtshomilie des Hieronymus von Anfang an, gefeiert wurde, spielte eine Berechnung, wie sie Africanus anstellte, keine Rolle. Stattdessen gibt es mehrere spekulative Vermutungen ĂŒber den dortigen Ursprung des Festdatums:
Sowohl die Berechnungshypothese als auch die an den Sol invictus gekoppelte Hypothese lassen Fragen offen: zum Beispiel, mit welcher Berechtigung der ĂŒblicherweise maĂgebliche Geburtstermin auf den Termin der EmpfĂ€ngnis zurĂŒckverlegt sein sollte. Die Hypothese des Festes fĂŒr den Sol invictus rĂ€umt der kulturellen Umgebung des frĂŒhen Christentums einen gröĂeren Einfluss auf die Kirche ein, als die Zeitgenossen es wohl zugegeben hĂ€tten. Allerdings ist in der Geschichte des Christentums die Methode nicht ungewöhnlich, das Heidentum zu ĂŒberwinden, indem dessen Feste umfunktioniert wurden. Im Falle der Umfunktionierung des Sol-invictus-Festes wurde der tiefen Sehnsucht der Menschen auf der Nordhalbkugel der Erde, dass die Dunkelheit des Dezembers ĂŒberwunden werden möge, eine christliche Form gegeben.
Auch die afrikanische Kirche feierte von vornherein nur den 25. Dezember. Augustinus warf den Donatisten vor, bei der Feier der Epiphanie abzuweichen, was manche aus einem argumentum e silentio vermuten lĂ€sst, dass der 25. Dezember bereits vor dem donatistischen Schisma 311 in Afrika der Weihnachtstermin gewesen sei. Ăltestes Zeugnis ist eine ĂŒberlieferte Predigt des Optatus von Mileve aus der Zeit um 360 ĂŒber den Kindermord in Betlehem. FĂŒr Oberitalien ist das Datum fĂŒr das Ende des 4. Jahrhunderts unter anderem durch Filastrius von Brescia, Diuersarum hereseon liber, Kap. 140, belegt. Die Synode von Saragossa bezeugte in can. 4 das Datum fĂŒr das Jahr 380 in Spanien. FĂŒr Gallien gibt es fĂŒr diese Zeit noch keinen Beleg. Erst im 5. Jahrhundert nennt es Gregor von Tours.[19]
Gregor von Nazianz feierte das Fest 380 in Konstantinopel. Seine Predigten zu Weihnachten und Epiphanie richteten sich gegen arianische und apollinaristische Lehren und betonten das trinitarische Bekenntnis von NicĂ€a. In Ăgypten ist es ab 432 nachgewiesen, wohl in der Auseinandersetzung mit Nestorius eingefĂŒhrt. In Jerusalem wurde es erst im 6. Jahrhundert unter Justinian II. gefeiert. WĂ€hrend alle anderen Kirchen den 25. Dezember fĂŒr Weihnachten ĂŒbernommen haben, hat die Armenische Kirche bis heute nur den 6. Januar als Geburtsfest Jesu. Dabei ist zu beachten, dass bei denjenigen Kirchen, die fĂŒr die Kirchenfeste den Julianischen Kalender heranziehen, der 25. Dezember ihres Kalenders auf den 7. Januar des Folgejahres im Gregorianischen Kalender fĂ€llt. Das Weihnachtsfest der Armenischen Kirche fĂ€llt aber auf den 6. Januar im Julianischen Kalender, der dem 19. Januar des Gregorianischen Kalenders entspricht.
Im deutschsprachigen Raum wird â soweit ersichtlich â Weihnachten zum ersten Mal in den SynodalbeschlĂŒssen der Bairischen Synode erwĂ€hnt, deren Datierung aber nicht gelungen ist. Nach dem Stil der Veröffentlichung der BeschlĂŒsse wird die Mitte des 8. Jahrhunderts angenommen. Dort wird eine Fastenzeit vor Weihnachten angeordnet.
Das mit Jesu Geburt verknĂŒpfte kirchliche Motiv der Jungfrauengeburt ist religionsgeschichtlich sehr alt: In der Geburtsschilderung des Aion Plutonios wird der Gottessohn von einer unberĂŒhrten Frau (Persephone) geboren. Sein Geburtstag wurde in Alexandrien am 25. Dezember und in der Nacht von 5. auf den 6. Januar begangen.[20]
Ebenso heiĂt es beim Propheten Jesaja 7,14 nach der Septuaginta, dass eine Jungfrau (ÏαÏÎžÎ”ÎœÎżÏ) (Jes 7,14 LXX) gebĂ€ren wird; der masoretische Text spricht hier von einer jungen Frau (ŚąŚŚŚ) (Jes 7,14 OT). Unter anderen hat Albertus Magnus diese Stelle ebenfalls zur Berechnung der Geburtsstunde Jesu herangezogen, indem Jesus die Jungfrau zum Aszendenten hatte, da zur Wintersonnenwende die Sonne mit dem Steinbock aufgeht, dementsprechend tritt Virgo genau zu Mitternacht ĂŒber den Horizont. Als weitere Anspielung weist Spica bzw. Stachys, die Ăhre der KorĂ€, auf die Geburt im Haus des Brotes hin.
Ob das christliche Weihnachtsfest als Ăbernahme solcher Ă€lteren oder aber als VerdrĂ€ngung von paralleler Kulte zu deuten ist, ist umstritten. Die antiken Darstellungen von Isis und Osiris beeinflussten jedenfalls die frĂŒhe christliche Ikonographie.
Der Ursprung aus einem germanischen oder skandinavischen Julfest ist unhaltbar. Hinsichtlich eines vorchristlichen Julfestes gibt es groĂe Quellen-Probleme. Dass es fĂŒr den Mittwinter bei den Nordgermanen Feste gab, ist ĂŒberliefert. Umstritten ist aber, zu welcher Zeit sie stattfanden und welchen Inhalt sie hatten. So fiel das Luciafest am 13. Dezember in Schweden bis 1752, als das Land vom julianischen zum gregorianischen Kalender wechselte, auf die Wintersonnenwende.
FĂŒr einen wie auch immer gearteten Zusammenhang zwischen dem Julfest und Weihnachten gibt es etwa den Hinweis beim altislĂ€ndischen, christlichen Schriftsteller Snorri, wonach der erste christliche König Norwegens HĂ„kon der Gute ein Fest namens âhoggunottâ bzw. âhaukunottâ von Mitte Januar auf den 25. Dezember habe verlegen lassen. Dies wird zuweilen so gedeutet, dass der christliche König die ĂŒbliche mittwinterliche Einladung an seine Adligen auf den Weihnachtstag vorverlegt habe. Der Text ist diesbezĂŒglich aber nicht eindeutig. Der Umstand, dass das Weihnachtsfest in Skandinavien den Namen âJulâ trĂ€gt, könnte jedoch diese Hypothese stĂŒtzen.
Im Koran wird die Weihnachtsgeschichte in der Sure 19:16â34 [22â25][21] erzĂ€hlt.
Die Parallele zum jĂŒdischen Chanukka-Fest ist eher oberflĂ€chlicher Natur: Zwar finden sowohl das Weihnachtsfest als auch das Chanukka-Fest in zeitlicher NĂ€he zur Wintersonnenwende statt, und bei beiden Festen spielt traditionell die EntzĂŒndung von Kerzen eine wichtige Rolle. Gemeinsamkeiten hinsichtlich des Festanlasses gibt es jedoch nicht: Das Chanukka-Fest erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jĂŒdischen Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr., das Weihnachtsfest hingegen an die Geburt Jesu. Gleichwohl gab und gibt es bei Juden, die sich seit dem 18. Jahrhundert an das Christentum assimilierten, synkretistische Vermischungen beider Feste, scherzhaft auch âWeihnukkaâ genannt.[22]
FĂŒr den Stern von Betlehem oder Weihnachtsstern, der den Weisen aus dem Morgenland als Wegweiser gedient haben soll, gibt es viele verschiedene Versuche der astronomischen Deutung. Diskutiert wurden in dieser Hinsicht Supernovaerscheinungen, Kometen, oder auch bedeutungsvolle Planetenkonstellationen. Diese Herangehensweise an den Text kam erst in der Neuzeit zu voller BlĂŒte. Doch weder Historiker noch Philologen haben sich an derlei Spekulationen beteiligt.
FĂŒr die Philologen mag exemplarisch die Deutung Albrecht Dieterichs herangezogen werden, der bereits 1902 die Reise der Magier aus dem Morgenlande mit der gigantischen Prozession des armenischen Königs Trdat I. im Jahre 66 n. Chr. nach Rom (also vor der Abfassungszeit des MatthĂ€usevangeliums), um Kaiser Nero zu huldigen, in Verbindung brachte. Unter dem lateinischen Namen Tiridates wurde Trdat von Plinius dem Ălteren als âMagusâ bezeichnet. Die Prozession kehrte auf anderem Wege in ihre Heimat zurĂŒck, wie auch die Magier im Evangelium. Dieterich meinte, der Verfasser könnte sich dieses Ereignisses als Vorbild bedient haben, zumal 66 n. Chr. auch der Halleysche Komet sichtbar war.[23]
FĂŒr die Historiker kann Franz Boll herangezogen werden, der 1917 darauf hinwies, dass die Episode mit dem Stern als Wundergeschichte angelegt sei und sich an damalige Vorstellungen angelehnt habe, dass mit der Geburt eines Menschen ein Stern entstehe und dieser mit seinem Tod wieder erlösche und dass der Stern um so gröĂer und heller sei, je bedeutender der betreffende Mensch in seinem Leben werde.[24]
Die Weihnachtszeit unterteilt sich in eine vorweihnachtliche BuĂ- und Fastenzeit (Adventszeit) sowie eine weihnachtliche Freudenzeit. Nach dem letzten Sonntag des Kirchenjahres beginnt mit dem ersten Adventssonntag das neue Kirchenjahr. Die Weihnachtszeit endet je nach Konfession am Fest der Taufe des Herrn (Sonntag nach dem 6. Januar) oder am Fest der Erscheinung des Herrn (am 6. Januar).
Abweichend von diesem in vielen westlichen Kirchen geltenden Brauch hat der vor allem im Bistum Mailand gepflegte ambrosianische Ritus auch in der Liturgiereform der römisch-katholischen Kirche die ambrosianischen Regelungen beibehalten. Dort beginnt die Adventszeit mit dem 11. November, einem Quatember, wodurch sich sechs statt vier Adventssonntage ergeben, und die Weihnachtszeit endet am 2. Februar mit dem Fest der Darstellung des Herrn (volkstĂŒmlich auch MariĂ€ Lichtmess genannt). Damit hat sich dort die Tradition bewahrt, dass BuĂ- und Fastenzeiten sowie die weihnachtliche und die österliche Freudenzeit in Anlehnung an Jesu RĂŒckzug in die WĂŒste (40 Tage; Mt 4,2 EU), die Sintflut (40 Tage; Gen 7,4.12 EU), Noahs Warten in der Arche auf dem Ararat (40 Tage; Gen 8,6 EU), Israels Exodus (40 Jahre; Ex 16,35 EU) jeweils 40 Tage dauern. Im Brauchtum zeigen sich die Unterschiede darin, dass Christbaum und Krippe bis 6. Januar oder 2. Februar stehenbleiben.
Am Fest der Darstellung des Herrn klingt die Weihnachtszeit nach. Der Grund dafĂŒr liegt unter anderem in den liturgischen Perikopen des Tages, die in den westlichen Kirchen gleich sind. In der alttestamentlichen Lesung (Mal 3,1â4 EU) klingt die Adventszeit nach, die Epistel (evangelisch Hebr 2,14â18 LUT, katholisch Hebr 2,11â12.13câ18 EU) blickt bereits auf den Karfreitag, das Evangelium (evangelisch Lk 2,22â24(25â35) LUT, katholisch Lk 2,22â40 EU) schlieĂt unmittelbar an das Weihnachtsevangelium an.
Die östlichen Kirchen stellten von jeher die Theophanie, heute Epiphanie, am 6. Januar in den Mittelpunkt. Sie ist Ă€lter als das Weihnachtsfest. Die Predigten Gregors von Nazianz aus den Jahren 380 und 381 markieren den Ăbergang vom Gesamtfest Epiphanie zu den beiden Festen Weihnachten â mit dem Schwerpunkt der Geburt â und Epiphanie, das auf die Taufe Jesu im Jordan bezogen wird. Antiochien ĂŒbernahm kurze Zeit spĂ€ter das Weihnachtsfest, wie eine Predigt des Johannes Chrysostomos aus dem Jahre 386 belegt. Die Jerusalemer Kirche lehnte das Weihnachtsfest bis ins 6. Jahrhundert ab. Die armenische Kirche hat es bis heute nicht ĂŒbernommen, sondern hĂ€lt am umfassenden Festtermin vom 6. Januar fest.
Bedingt durch die Kalenderreform Papst Gregors 1582, die erst nur in der katholischen und verspĂ€tet in den protestantischen Kirchen ĂŒbernommen wurde, wurde das Weihnachtsfest in denjenigen orthodoxen Kirchen, die den Gregorianischen Kalender ĂŒbernommen haben, am 25. Dezember gefeiert. Dies waren die orthodoxen Kirchen von Konstantinopel/Ăkumenisches Patriarchat, Alexandrien, Antiochien, RumĂ€nien, Bulgarien, Zypern, Griechenland (mit Ausnahme der Republik Athosklöster), Albanien, Finnland und die syrisch-orthodoxe Kirche. Teilkirchen, die bis heute fĂŒr alle kirchlichen Feiertage am Julianischen Kalender festhalten â die Altkalendarier â, sind z. B. die russische, weiĂrussische, ukrainische, serbische, mazedonische, georgische und jerusalemitische Kirche, sowie die Klöster auf dem Berge Athos. Sie begehen alle festliegenden Feiertage (wie zum Beispiel Weihnachten) im Zeitraum der Jahre 1900 bis 2100 jeweils 13 Tage spĂ€ter als die westlichen Kirchen und die orthodoxen Neukalendarier.
Das Fest findet meistens am Abend des 24. Dezember und am folgenden Tag statt, aber zum Neujahrstag findet die Ăbergabe der Geschenke statt. Seit Peter dem GroĂen wird der Jahreswechsel gröĂer gefeiert, aber erst seit der Kalenderreform 1918 ist das religiöse Fest am 6. Januar, zum Beginn des neuen Jahres.
Das vorweihnachtliche Fasten, das weniger streng ist als das Fasten vor Ostern, beginnt bei den Orthodoxen bereits 40 Tage vor Weihnachten. Ab dem 13. Dezember wird es strenger und erreicht seinen Höhepunkt am 24. Dezember. Es handelt sich dabei aber nicht um eine liturgische Adventszeit. WĂ€hrend dieser Zeit wird die Liturgie Schritt fĂŒr Schritt mit weihnachtlichen Motiven angereichert. Die beiden letzten Sonntage vor Weihnachten sind den Ahnen Christi gewidmet.
Am 24. Dezember wird die Vesper mit acht Schriftlesungen gefeiert, die alle auf Jesus als ErfĂŒllung der Prophezeiungen hinweisen. Auf die Vesper folgt die Taufliturgie des Basilius, ein Hinweis auf den Satz: âDu bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugtâ (Ps 2,7 EU). Die Lesungen bestehen aus Hebr 1,1â12 EU und Lk 2,1â20 EU. Die groĂe Komplet geht in den FrĂŒhgottesdienst ĂŒber. Beide zusammen gelten als âNachtwacheâ, in der die Geburt Christi nach Mt 1,18â25 EU verkĂŒndet wird. Zur Matutin wird der gesamte Kanon Christus ist geboren gesungen, und die GlĂ€ubigen beten vor der Ikone der Geburt Jesu.
Die Liturgie des Weihnachtstages befasst sich mit dem Besuch der Sterndeuter und hebt die Herrschaft Christi hervor. DafĂŒr wird die Chrysostomus-Anaphora verwendet. Das Evangelium aus Mt 2,1â12 EU widmet sich dem Besuch der Sterndeuter.
Mit dem zweiten Weihnachtsfeiertag beginnt die sechstÀgige Nachfeier mit der Synaxis der Theotokos (Zusammenschau der GottesgebÀrerin), einem Fest der Marienverehrung.[25] Am 1. (bzw. am 14. Januar) begeht die Orthodoxie das Hochfest der Beschneidung des Herrn.[26]
Bereits Gregor der GroĂe kannte drei Heilige Messen am Weihnachtsfest. Die Titelkirchen Roms feierten dagegen anfangs nur zwei Heilige Messen: eine nĂ€chtliche in Verbindung mit der Matutin und das Hochamt am folgenden Tag. Bereits das Capitulare lectionum aus der Mitte des 6. Jahrhunderts enthĂ€lt bei allen drei Weihnachtsmessen die klassische Abfolge der Lesungen aus dem Alten Testament (Jesaja), aus den Paulusbriefen und das Evangelium (Liturgie). Diese Ordnung war bis weit ins Mittelalter ĂŒblich, örtlich bis ins 18. Jahrhundert
Die Àlteste dieser Messen ist die Festmesse des Tages (in die), die bereits von Ambrosius und von Papst Coelestin I. Anfang des 5. Jahrhunderts erwÀhnt wird. Stationskirche war St. Peter im Vatikan, seit dem 12. Jahrhundert Santa Maria Maggiore.
Die zweite Messe war eine wohl aus Jerusalem ĂŒbernommene Mitternachtsmesse (in nocte, volkstĂŒmlich Christmette genannt wegen der Verbindung mit der Matutin). Die Stationskirche der Mitternachtsmesse war die Marienbasilika auf dem Esquilin, (S. Maria Maggiore). Dorthin wurde im 11. Jahrhundert auch die Tagesmesse verlegt, denn die Kirche beherbergte in der Krypta eine Nachbildung der Geburtsgrotte.
Eine dritte Messe kam im Morgengrauen (mane in aurora, volkstĂŒmlich aufgrund des Evangeliums von der Anbetung der Hirten âHirtenamtâ genannt) in der byzantinischen Hofkirche Santa Anastasia auf dem Palatin hinzu â â(eventuell aus Höflichkeit gegenĂŒber dort residierenden [byzanzinischen] Beamten)â.[27] Dort wurde am 25. Dezember das Patrozinium ihrer heiligen Anastasia gefeiert.
Diese pĂ€pstliche Stationsliturgie fĂŒhrte dazu, dass drei verschiedene Eucharistiefeiern mit unterschiedlichen Messformularen am gleichen Tag gefeiert werden. Die Texte stammen von Gregor dem GroĂen. So kam die Weihnachtsliturgie als Ganzes in den gallisch-frĂ€nkischen Norden. Karl der GroĂe erklĂ€rte sie dann fĂŒr verbindlich.
Im 11. Jahrhundert tauchen in Frankreich erstmalig szenische Darstellungen im Gottesdienst auf, sogenannte Weihnachtsspiele. Franz von Assisi stellte in Greccio eine Krippe mit einem lebenden Ochsen und Esel auf, verlas in der Messe das Evangelium und hielt eine Predigt. Kaiser Joseph II. verbot die Krippenspiele im Gottesdienst, die deshalb zum hÀuslichen Brauchtum wurden.
An dieser Messliturgie hat die Reform Pauls VI. im Wesentlichen festgehalten. So steht die klare dogmatische Aussage zur Gottheit Christi aus der Entstehungszeit im Vordergrund. Die Weihnachtszeit beginnt mit der ersten Vesper von Christi Geburt am spÀten Nachmittag des 24. Dezembers und endet am Fest der Taufe Christi am ersten Sonntag nach Epiphanie.[28]
Die Lesungstexte schreiten in den Messen fort. In der Vorabendmesse am 24. Dezember steht noch die Erwartung im Vordergrund (Jes 62,1â5 EU; Apg 13,16â26 EU und Mt 1,1â25 EU). In der Christmette wird die Freude ausgedrĂŒckt (Jes 9,1â6 EU; Tit 2,11â14 EU und Lk 2,1â14 EU). Die Hirtenmesse am Morgen handelt von der Hoffnung auf Erlösung durch die Inkarnation (Jes 62,11âf. EU, Tit 3,4â7 EU und Lk 2,15â20 EU). Das Hochamt bzw. die Tagesmesse hat Gottes Heilsplan zum Gegenstand, wie er im Prolog des Johannesevangeliums (Joh 1,1â18 EU) zum Ausdruck kommt; vorausgehende Lesungen sind Jes 52,7â10 EU und Hebr 1,16 EU. Innerhalb der Weihnachtsoktav dĂŒrfen keine anderen Heiligenfeste gefeiert werden mit Ausnahme der drei Comites Christi, nĂ€mlich Stephanus, Johannes' des Evangelisten und der Unschuldigen Kinder. Seit 1970 begeht die römisch-katholische Kirche den Oktavtag (Neujahr) als Hochfest der Gottesmutter Maria. Bis 1969 wurde am Neujahrstag das Fest der Beschneidung des Herrn begangen. Am Sonntag zwischen dem 1. und 5. Januar oder, wenn kein Sonntag dazwischenfiel, am 2. Januar, wurde das Fest des allerheiligsten Namens Jesu gefeiert.[29]
In den deutschen evangelischen Kirchen beginnt Weihnachten am 24. Dezember mit der Christvesper. Die liturgischen Texte bestehen aus den Weissagungen des Alten Testaments (Mi 5,1â3 LUT; Jes 9,5â6a LUT und Jes 11,1âf. LUT) und der Geburtsgeschichte des Lukasevangeliums. Dazwischen singt die Gemeinde Weihnachtslieder.
Um ânĂ€chtlichen Unfugâ zu unterbinden, verlegte man die Christmette, die im Zentrum von Weihnachten steht, in den frĂŒhesten Morgen des Festtages (oft um 4 Uhr) oder ersetzte sie durch die vorabendliche Vesper. Die behördlichen Reserven gegen den Gottesdienst um Mitternacht fĂŒhrten bis ins 18. Jahrhundert zu Konflikten. Die Zahl der Gemeinden, in denen heute der Nachtgottesdienst abgehalten wird, nimmt wieder zu. Das Evangelische Gottesdienstbuch von 1999 nahm dafĂŒr ein eigenes Formular auf. Eine Besonderheit des evangelischen Weihnachtsfestes, die bis in die Reformationszeit zurĂŒckreicht, ist es, das Weihnachtsfest auch auf den zweiten (frĂŒher gar den dritten) Weihnachtstag auszudehnen. Viele Kirchenordnungen regelten, dass auch am zweiten Feiertag ĂŒber die Geburt Jesu zu predigen sei. Das Evangelische Gottesdienstbuch bietet dafĂŒr zwei Formulare, âChristfest Iâ und âChristfest IIâ, die aber austauschbar sind. Das Fest des ErzmĂ€rtyrers Stephanus kann in einem Abendgottesdienst berĂŒcksichtigt werden. Der Neujahrstag kann auch als Tag der Beschneidung und Namengebung Jesu begangen werden.[30]
In Finnland und Estland wird am Heiligen Abend der âWeihnachtsfriedenâ ausgerufen. FrĂŒher erhielten Menschen, die wĂ€hrend des Weihnachtsfriedens in Finnland eine Straftat begingen, eine doppelt so hohe Strafe wie ĂŒblich.[31]
Die reformierten Kirchen lehnten das Weihnachtsfest frĂŒher ab. Deshalb gibt es keine reformierten liturgischen Besonderheiten; sie ĂŒbernahmen schlieĂlich in vielen FĂ€llen lutherische und unierte Traditionen. Die Entwicklung des Weihnachtsfestes wird in dieser Beziehung daher unter dem Titel âBrauchtumâ behandelt.
Amerikanische Lutheraner, Episkopalisten und Methodisten benutzen das Common Lectionary, welches von der Consultation on Common Texts erstellt worden ist. Danach werden folgende Texte verwendet: Jes 9 LUT, Tit 2 LUT, Lk 2,1â20 LUT oder: Jes 52 LUT, Hebr 1 LUT und Joh 1,1â14 LUT oder: Jes 62 LUT, Tit 3 LUT und Lk 2,1â20 LUT.
Bei den aktiven Gemeindemitgliedern der Anglikaner bildet die Kommunion in der mitternĂ€chtlichen Eucharistiefeier den Höhepunkt. WĂ€hrend das frĂŒhere Book of Common Prayer am Heiligen Abend nur in einigen Gebeten auf das Weihnachtsfest hinwies, wird in den heute gebrĂ€uchlichen Agenden, wie dem Common Worship aus dem Jahre 2000, das Weihnachtsereignis ins Zentrum der Schriftlesung und der Gebete gerĂŒckt.
Die Weihnachtsfeiertage sind gesetzliche Feiertage im Dezember oder Januar. Je nach Land ist die Festlegung der Anzahl der Feiertage unterschiedlich.
In der pastoralen Literatur wird auch Kritik an dem Weihnachtsfest in heutiger Gestalt geĂŒbt, das durch religionsfremde Motive und Erscheinungsformen âverunreinigtâ sei. Die Kritik lĂ€sst sich im Wesentlichen auf die drei Schlagworte Profanierung, Kommerzialisierung sowie Hektik und Stress konzentrieren.[32][33]
Unter dem Schlagwort âProfanierungâ wird vor allem vorgetragen, dass das Weihnachtsfest entchristlicht und zu einem Familienfest fĂŒr jedermann geworden sei. Der theologische Gehalt gehe dabei ĂŒber weite Strecken verloren. Stattdessen nĂ€hmen Kitsch und SentimentalitĂ€t zu. Die Ausbildung als Familienfest, im Wesentlichen seit dem 19. Jahrhundert verstĂ€rkt zu beobachten, zeigt, dass es jedenfalls in den nördlichen Breiten ein BedĂŒrfnis gibt, ein Fest zur Belebung und StĂ€rkung von Binnenbeziehungen, besonders in der Familie, zu feiern. Dass sich ein solches Fest an ein kirchliches Fest anschlieĂt, profaniert das kirchliche Fest selbst nicht zwangslĂ€ufig. Allerdings geht mit der Reduzierung auf Familie auch eine Ausgrenzung randstĂ€ndiger Gruppen einher. Deshalb betreiben viele Organisationen eine ErgĂ€nzung durch Weihnachtsfeiern fĂŒr Alleinstehende und Nichtsesshafte.
Unter dem Schlagwort âKommerzialisierungâ wird die weit in die Adventszeit (und darĂŒber hinaus) zurĂŒckreichende Ankurbelung des Umsatzes mit Weihnachtsmotiven in den KaufhĂ€usern und der Werbung beklagt. Die Nachfrage nach Weihnachtsgeschenken fĂŒhrt dazu, dass die Monate November und Dezember â das WeihnachtsgeschĂ€ft â im Einzelhandel die umsatzstĂ€rksten Monate des Jahres sind.
Die Werbung mit Lichteffekten, vor allem in Form der Weihnachtsbeleuchtung, fĂŒhrt zu einem hohen Stromverbrauch in der Vorweihnachtszeit und ist insofern klimaschĂ€dlich. Der Umgang mit Lichteffekten ist aber dem Weihnachtsfest nicht wesensfremd. Denn dieses ist auch ein Lichterfest. In der Zeit um die Wintersonnenwende soll die Geburt Jesu Christi gefeiert werden, des Messias, der auch als âLicht der Weltâ bezeichnet wird und der Licht in das (wörtlich, aber auch bildlich zu verstehende) âDunkel der Weltâ gebracht habe (Johannes 8,12).[34] Seit Jahrhunderten gibt es daher die nicht kommerziell begrĂŒndete Tradition, zu Weihnachten Kirchen, HĂ€user und StraĂen festlich zu beleuchten.
Unter dem Schlagwort Hektik wird kritisiert, dass der Mensch in der Adventszeit nicht zur Ruhe komme, weil er vollstÀndig mit den Festvorbereitungen und dem Suchen nach dem passenden Geschenk ausgelastet sei.
Die frĂŒheste bekannte Darstellung der Geburt Jesu stammt aus der Zeit um 320.[35] Dort ist die Krippe der Form eines Altares angeglichen.
Die christliche Kunst entwickelte ihre Motive zunĂ€chst aus den ErzĂ€hlungen des MatthĂ€us- und Lukasevangelium sowie aus den apokryphen Kindheitsevangelien. Hinzu kamen viele Legendentexte verschiedener Herkunft. Seit den Darstellungen in den Katakomben im 3. Jahrhundert bis weit in die Renaissance wurde die Geburtszene mit der VerkĂŒndigung an die Hirten und der Anbetung der Magier verbunden. Der Stall kommt im 4. Jahrhundert hinzu. Sehr frĂŒh schon thematisieren die Bilder die besondere Beziehung Jesu zu Maria, zum Beispiel das erste Bad oder die das Jesuskind stillende Mutter, wobei ĂŒber Maria ein Stern steht (Domitilla- und Priscilla-Katakomben, spĂ€tes 3. Jahrhundert). Zu einem neuen Thema fĂŒhrte die Entdeckung der Geburtsgrotte durch Flavia Iulia Helena und die Erbauung der Geburtskirche durch Kaiser Konstantin. Schon seit dem frĂŒhen 4. Jahrhundert befinden sich Ochs und Esel auf den Bildern, die auf Jesaja 1,3 verweisen: âDer Ochs kennt seinen Besitzer, der Esel seine Krippeâ. Sie und die Magier auf dem gleichen Bild bedeuten, dass sowohl die höchsten als auch die niedrigsten Lebewesen das Kind anbeten. Auch symbolisierte der Ochs als reines Tier das jĂŒdische Volk, das an das Gesetz gebunden ist, der Esel als unreines Tier die heidnischen Völker unter der Last des Heidentums. In den byzantinischen Darstellungen sind auch die beiden Hebammen Zelomi und Salome dargestellt, die in der christologischen Auseinandersetzung der damaligen Zeit die wirkliche menschliche Geburt Jesu betonen sollen. Die an der jungfrĂ€ulichen Geburt Jesu zweifelnde Salome will diesen Umstand mit ihrer Hand untersuchen, die dann zur Strafe verdorrt. Die BerĂŒhrung des Jesusknaben heilt sie wieder.[36] Dieses Thema ist im 5. und 6. Jahrhundert ein beliebtes Motiv der östlichen Kunst und ist auf der linken vorderen CiboriumssĂ€ule (Ciborium ist ein Baldachin) von San Marco in Venedig, die aus Konstantinopel geraubt wurde, dargestellt.[37]
Die Gattung der Biblia pauperum [Armenbibel] weist in ihren BezĂŒgen eine ganze Reihe von Anspielungen auf: Die Wurzel Jesse, Dan 2,45 LUT: Maria ist der unbehauene Berg, die Geburtshöhle ihr SchoĂ. âOhne Zutun eines Menschen brach ein Stein los.â Weihnachten wird mit Ostern in Beziehung gesetzt. Die Höhle ist auch Sinnbild seines Grabes. Der Kirchenvater IrenĂ€us verglich die Menschwerdung Christi mit seiner Höllenfahrt zwischen Tod und Auferstehung.[38] Als PrĂ€figurationen der JungfrĂ€ulichkeit Mariens gelten vor allem: Der brennende Dornbusch (Ex 3 EU). So wie die Flamme den Dornbusch nicht verzehrte, so versehrte die EmpfĂ€ngnis nicht die JungfrĂ€ulichkeit.[39] Felizetti beschreibt eine Ikone im Sinaikloster aus dem 14. Jahrhundert, auf der Maria selbst in den brennenden Dornbusch gestellt ist.[40]. Dann der grĂŒnende Aaronstab (Num 17,23 EU), da Aarons Stab BlĂŒten trug, ohne gepflanzt worden zu sein. Dann Gideon mit dem Vlies (Ri 6,37 EU), denn dies war das Zeichen der Berufung Gideons zu Rettung seines Volkes und symbolisierte das Wirken des Heiligen Geistes an Maria. Dann Ezechiel vor der verschlossenen Pforte (Hes 44,2 EU)) ebenfalls als Symbol der JungfrĂ€ulichkeit Mariens. Diese vier PrĂ€figurationen wurden bereits im 9. Jahrhundert in der byzantinischen Kunst entwickelt und kamen spĂ€ter auch ins Abendland. Sie finden sich auf Tafelbildern des 15. Jahrhunderts, wo sie um die Darstellung der Geburt Christi herum gruppiert werden, so zum Beispiel auf der Mitteltafel des FlĂŒgelaltars im Kloster Sams.[41]
Auch die antike Ikonographie der Mysterienkulte, die ebenfalls die Geburt eines Gottes kannten, hatte Einfluss auf die frĂŒhen christlichen Darstellungen, wie gewisse Parallelen zu antiken Darstellungen zur Geburt Alexanders oder des Dionysos zeigen.[42][43] Auf einem Elfenbeinrelief um 550 zeigt die Hebamme Salome Maria ihre verdorrte Hand. Die Haltung Mariens, liegend, halb aufgerichtet mit der linken Hand am Kinn ist sehr Ă€hnlich der halb liegenden und halb sitzenden Semele bei der Geburt des Dionysos auf einer Elfenbeinpyxis in Bologna.
Am Anfang fehlt auf vielen Bildern Maria, hĂ€ufiger noch Josef. Die Jungfrau Maria wurde erst zum zweiten Schwerpunkt, als das Konzil von Ephesus sie 431 als âGottesgebĂ€rerinâ bezeichnete. In der byzantinischen Ikonographie kommt den beiden Geburtshelferinnen eine besondere Bedeutung zu, die das Kind baden und die Einmaligkeit der Jungfrauengeburt Marias bezeugen. Meist liegt Maria auf einer Liege (ÎșÎ»ÎŻÎœÎ·), was den menschlichen Geburtsvorgang betonen soll. Die Szene wird oft in einer Grotte dargestellt. Josef ist, einer Ăberlieferung folgend, meist wesentlich Ă€lter als Maria und steht schĂŒtzend im Hintergrund. FrĂŒhchristliche und byzantinische Bilder der Geburt Christi sind wesentlich seltener als die mit Sterndeutern und Hirten, also der Epiphanie. Typisch fĂŒr den byzantinischen Einfluss in Italien ist das Bild von Duccio di Buoninsegna). Der Unterschied zur rein byzantinischen Darstellung liegt in der Darstellung der persönlichen Beziehungen der Personen auf dem Bild untereinander. Die wachsende Marienfrömmigkeit und die franziskanische SpiritualitĂ€t fĂŒhrten spĂ€ter dazu, dass bereits in der Hochgotik die frĂŒhere etwas distanzierte Darstellung zwischen Maria und dem Jesuskind einer innigeren Verbindung zwischen beiden wich und einer natĂŒrlicheren Darstellung Platz machte. Damit Ă€nderte sich auch die Rolle Josefs, der eine aktivere Rolle zugewiesen bekam. Typisch fĂŒr diese Darstellungsweise ist die Anbetungsszene von Giotto di Bondone.
Im 14. Jahrhundert hĂ€ufen sich Darstellungen, in denen Maria und Josef beiderseits des Kindes auf dem Boden sitzen. Am Ende des 14. Jahrhundert flieĂen genrehafte Motive in das Bildmaterial ein. Josef bereitet fĂŒr Mutter und Kind ein Essen, oder er wĂ€rmt sich die HĂ€nde an einem Ofen. Auch das Herstellen von Windeln oder das Trocknen von Windeln durch Josef wird darstellenswert. In der SpĂ€tgotik ist nicht mehr die Darstellung der Kindheitsgeschichte als solche Ziel der Darstellung, sondern die meditative Betrachtung der Menschwerdung. Es bildet sich eine Tendenz zum Andachtsbild heraus. Der Anbetungstypus entwickelt sich bis zum 16. Jahrhundert zum vorherrschenden Motiv. Ein besonderer Höhepunkt ist das theologisch-spekulativ ausgestaltete Geburtsbild von Matthias GrĂŒnewald auf der zweiten Schauseite des Isenheimer Altars (Abb. 3) und die Anbetung der Sterndeuter von Albrecht Altdorfer (Abb. 4).
Die weihnachtliche Kirchenmusik hat ihren Ursprung in der Ausgestaltung der drei Heiligen Messen, die an diesem Tag gefeiert werden dĂŒrfen (eigene Hymnen und Responsorien sind bereits seit frĂŒhchristlicher Zeit bekannt) sowie dem Gloria der Engel bei den Hirten auf dem Felde, von dem das Lukasevangelium 2, 14 berichtet.
In allen christlichen Kulturen bildete sich seit dem Mittelalter ein Bestand an speziellen volkstĂŒmlichen Weihnachtsliedern heraus, die zumindest anfangs in engem Zusammenhang mit der Kirche standen und von ihr auch in Gottesdiensten usw. eingebunden wurden.
Der deutsche Bestand an Weihnachtsliedern wurde durch Martin Luther wesentlich bereichert. Von ihm stammen:
Mit Versionen in etwa 300 Sprachen und Dialekten hat das 1818 erstmals aufgefĂŒhrte Weihnachtslied Stille Nacht, heilige Nacht die gröĂte Verbreitung gefunden; der Text stammt von Joseph Mohr, die Melodie von Franz Xaver Gruber. Ebenfalls weltweit bekannt ist das Lied O du fröhliche (Text: Johannes Daniel Falk und Heinrich Holzschuher, Melodie nach dem italienischen Marienlied âO sanctissima, o purissima, dulcis virgo Mariaâ). Im englischsprachigen Raum ist We wish you a merry christmas hervorzuheben, es bestehen aber auch traditionelle BrĂ€uche wie das Singen von Carols (alte englische Weihnachtslieder). Jingle bells ist allerdings kein Weihnachts-, sondern ein Winterlied ohne jeden Bezug auf den christlichen Kern des Festes.
Hirten- und Engelmusik gab schon vom Thema her Anlass, Weihnachten musikalisch darzustellen. Spezielle weihnachtliche Werke sind zum Teil bis heute bekannt und beliebt, zum Beispiel Heinrich SchĂŒtz' Weihnachtshistorie, J. S. Bachs Weihnachtsoratorium, ferner die auf Weihnachten bezogenen Teile des Messiah von HĂ€ndel. Auch Carl Heinrich Graun, J. G. Rheinberger, Engelbert Humperdinck, L. H. Berlioz, C. Saint-SaĂ«ns, F. Martin und Giselher Klebe haben Weihnachtsmusik verfasst. Vom Barock bis ins 21. Jahrhundert wurden Weihnachtskantaten komponiert.
Siehe auch: Weihnachtsoratorium, Weihnachtskantate
Der ĂŒberlieferte Bestand an Weihnachtsliedern, der ursprĂŒnglich nur im Kontext von Familie und Kirche gesungen wurde, gehörte bald auch zum Repertoire der StraĂenmusikanten. Im letzten Jahrhundert begannen dann auch KaufhĂ€user sowie Funk und Fernsehen sie zur Einstimmung und gezielten Werbung einzusetzen.
Neue, der Popmusik zuzurechnende Weihnachtslieder befassen sich textlich in den meisten FĂ€llen nicht mit dem Kern der christlichen Weihnachtsbotschaft, sondern beschrĂ€nken sich auf andere Aspekte wie zum Beispiel das Besingen der Weihnachtsvorfreude. Vielfach ist den StĂŒcken leicht anzumerken, wie sie das spezifisch Christliche bewusst zugunsten einer weltanschaulichen Unbestimmtheit ausklammern (zum Beispiel The Spirit of Christmas). HĂ€ufig sind es nur noch reine Winter- (wie Let it snow von Frank Sinatra und das bekannte Jingle Bells) oder sogar normale Liebeslieder (wie Last Christmas von Wham!), in denen lediglich einige Klangeffekte zum Einsatz kommen, die gemeinhin mit der Weihnachtszeit assoziiert sind (Schlittenglöckchen, Chöre, Orgeln usw.).
Diese Tendenz der inhaltlichen Abkehr von den Wurzeln und pantheistische Ăberhöhung war allerdings schon bei vielen Liedern des 19. Jahrhunderts zu beobachten, so unter anderem bei Lasst uns froh und munter sein oder Kling, Glöckchen, klingelingeling.
Bei Hohe Nacht der klaren Sterne handelt es sich um ein nationalsozialistisches âWeihnachtsliedâ, das 1936 von Hans Baumann, damals Referent der ReichsjugendfĂŒhrung, veröffentlicht wurde. Dieses intentional antichristliche Lied sollte Lieder wie Stille Nacht, heilige Nacht verdrĂ€ngen. Nach 1945 wurde es weiterhin rezipiert und wird bis heute gesungen.[44]
In der abendlĂ€ndisch, christlich geprĂ€gten Literatur wird die Weihnachtsgeschichte, die (Vor-)Weihnachtszeit oder auch nur das Weihnachtsfest selbst seit Jahrhunderten thematisiert, sei es am Rande als zeitlich bestimmender Fixpunkt eines (fiktiven) Ereignisses, das dadurch einen bewusst evozierten Beiklang bekommt, oder sei es gleich als beispielhafte Umdeutung eines jeweils aktuellen Zeitgeschehens in familiĂ€ren oder auch gesellschaftlichen ZusammenhĂ€ngen. Das kann dann als ernsthafte Auseinandersetzung mit der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte, aber auch als kritische, sich an den AuswĂŒchsen der Feierlichkeiten reibende Polemik nachzulesen sein.
Beispielhaft seien hier Klassiker genannt wie die MĂ€rchen A Christmas Carol (dt. âEine Weihnachtsgeschichteâ) von Charles Dickens oder Bergkristall von Adalbert Stifter. Neben den mĂ€rchenhaft besinnlichen ErzĂ€hlungen und Romanen dieser Tradition hat sich die Spannbreite der Genres seit Mitte des 20. Jahrhunderts unter anderem auch um satirische ErzĂ€hlungen wie Nicht nur zur Weihnachtszeit von Heinrich Böll bis hin zu Kriminalromanen oder -anthologien mit Titeln wie Blutiges Fest[45] oder Eiskalte Weihnachten[46] erweitert.
UnzĂ€hlig sind die sich hierbei von vorneherein an Kinder und Jugendliche wendenden Geschichten, angefangen mit Klassikern wie Peterchens Mondfahrt von Gerdt von Bassewitz und NuĂknacker und Mausekönig von E.T.A. Hoffmann ĂŒber Weihnachten im Stall von Astrid Lindgren bis hin zu den neueren ErzĂ€hlungen Das Weihnachtsgeheimnis und Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort von Jostein Gaarder. Lotet das letztgenannte Buch von Jostein Gaarder die Thematik mit durchaus tragischen Momenten auf Leben und Tod aus, geht es vielen Kinder- und Jugendbuchautoren zumeist schlicht darum, die kindlichen Erwartungen an das âGabenfestâ mit dem âeigentlichenâ Sinn weihnachtlicher NĂ€chstenliebe korrespondieren zu lassen â in den BilderbĂŒchern fĂŒr die ganz jungen Leser bzw. Zuhörer rĂŒckt dann nicht selten anstelle des Christkindes oder des Nikolaus der zu Werbe- und GabentrĂ€gern gewordene Weihnachtsmann in den Vordergrund. Im siebten und letzten Band der Harry Potter-Reihe erlebt der Titelheld Weihnachten auf der Flucht â jedoch ist in diesem Band wie in den BĂ€nden zuvor das Weihnachtsfest nur auf die Muggelwelt bezogen und dient ansonsten sinnentleert als reine Zeitangabe fĂŒr eine Ferienzeit der Hogwarts-SchĂŒler.[47]
Portal:Weihnachten â Ăbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Weihnachten
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