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Christoph Kardinal Schönborn OP (* 22. Jänner 1945 in Skalken bei Leitmeritz, Böhmen; eigentlich Christoph Maria Michael Hugo Damian Peter Adalbert Schönborn) ist ein römisch-katholischer Theologe und seit 1995 Erzbischof von Wien.
Inhaltsverzeichnis |
Der Kardinal entstammt der Adelsfamilie Schönborn, die bereits in der frühen Neuzeit Würdenträger der katholischen Kirche im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gestellt hat. In Böhmen geboren, wuchs er in Schruns (Vorarlberg, Österreich) auf, wo 1954 auch sein Bruder, der Schauspieler Michael Schönborn, geboren wurde. Sein Vater war der Maler Hugo-Damian Schönborn (1916-1979), Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten[1] und Freimaurer[2].
Nach der Matura trat er 1963 in den Dominikanerorden in Warburg (Westfalen) ein. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie in Bornheim-Walberberg, Wien und Paris wurde er am 27. Dezember 1970 in Wien durch Erzbischof Franz Kardinal König zum Priester geweiht. Ab 1971 absolvierte er am Institut Catholique de Paris ein Promotionsstudium zum Dr. theol., das er 1974 mit der Vorlage einer Dissertation mit dem Titel „L’Icône du Christ. Fondements théologiques“ („Die Christus-Ikone. Theologische Grundlagen“) abschloss. Während der Promotionsphase studierte er von 1972 bis 1973 ein Jahr lang an der Universität Regensburg, unter anderem bei Joseph Ratzinger.
Ab 1975 lehrte Schönborn – zunächst als Gastprofessor, später als ordentlicher Professor – katholische Dogmatik, ab 1978 Theologie des christlichen Ostens, an der Universität Freiburg (Schweiz). Von 1978 bis 1988 lehrte er auch Theologie des christlichen Ostens in Form eines kleinen Lehrauftrages neben seinem Ordinariat der Dogmatik. Sein Nachfolger in diesem Ressort war Iso Baumer.
1980 wurde Schönborn Mitglied der internationalen Theologenkommission des Heiligen Stuhls und 1987 Redaktionssekretär des Weltkatechismus. Am 11. Juli 1991 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Sutrium und zum Weihbischof in Wien. Die Bischofsweihe spendete ihm der Wiener Erzbischof, Hans Hermann Kardinal Groër, am 29. September desselben Jahres im Wiener Stephansdom; Mitkonsekratoren waren der emeritierte Wiener Erzbischof, Franz Kardinal König, und der Bischof von Brünn, Vojtěch Cikrle. Am 13. April 1995 wurde er zum Koadjutorerzbischof der Erzdiözese Wien ernannt und am 14. September desselben Jahres folgte er seinem Vorgänger Hans Hermann Groër als Erzbischof nach.
Am 29. Juni 1996 erhielt er von Papst Johannes Paul II. das Pallium, das Ehrenzeichen der Metropoliten, und wurde im Konsistorium vom 21. Februar 1998 als Kardinalpriester mit der Titelkirche Gesù Divin Lavoratore in das Kardinalskollegium aufgenommen. Im selben Jahr wurde er zum Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz gewählt, deren stellvertretender Vorsitzender er schon seit 1996 war. Am 10. November 2004 wurde er wiedergewählt. Schönborn ist Ordinarius für die Gläubigen des byzantinischen Ritus in Österreich.
Christoph Kardinal Schönborn war Teilnehmer am Konklave 2005, in dem Benedikt XVI. gewählt wurde.
Die St. Nikolaus-Kindertagesheimstiftung in der Erzdiözese Wien wurde von Kardinal Christoph Schönborn mit Wirkung vom 1. Juni 2009 ins Leben gerufen. Die Stiftung ist Träger der meisten katholischen Kindertagesheime in Wien.
Der Wappenschild geviert, zeigt in Feld 1 und 4 auf rotem Grund ein griechisches Kreuz auf weißem Balken, das Wappen des Erzbistums Wien. In Feld 2 in rot auf drei silbernen Spitzen ein schreitender goldener Löwe mit blauer Krone, das Stammwappen der Schönborn. In Feld 3 weißer Mantelzug auf schwarzen Grund, das Mantelwappen der Dominikaner.
Hinter dem Schild stehend das Doppelkreuz (Patriarchenkreuz), darüber der rote Galero (Kardinalshut) mit den jeweils fünfzehn herunterhängenden rote Quasten (fiocchi).
Sein Wahlspruch lautet VOS AUTEM DIXI AMICOS („Vielmehr habe ich euch Freunde genannt“), und wurde dem Johannesevangelium (Joh 15,15 EU) entnommen.
Im März 2009 legte Schönborn bei einem Vortrag vor der Österreichischen Akademie der Wissenschaften noch einmal seine Position in der wissenschaftlichen Diskussion um Schöpfung und Evolutionstheorie dar und übte dabei erstmals schärfere Selbstkritik. Sein Artikel in der New York Times sei „etwas holzschnittartig“ gewesen und „hätte noch einiger Differenzierung bedurft“[9], so Schönborn. Außerdem distanzierte er sich ausdrücklich vom Kreationismus. Die Idee der Erschaffung fertiger einzelner Wesen oder Arten sei für ihn absurd, so Schönborn. „Sie ist so unhaltbar wie die kreationistischen Thesen von einer Erschaffung der Welt in sechs 24-Stunden-Tagen, wie die pseudowissenschaftliche Spekulationen über eine 'junge' Erde, über eine historische Deutung der Sintflut, etc.“[9] Allerdings dürfe man einen fundierten christlichen Schöpfungsglauben auch nicht in einen Topf mit einem fundamentalistisch-biblizistischen Schöpfungsverständnis werfen, so der Kardinal.
Auch die Theorie des Intelligent Design kritisierte Schönborn erstmals deutlich: Der Versuch dieser Schule, hohe Komplexität in der Natur als „Beweis für ein 'intelligent design' zu bewerten, krankt an dem fundamentalen Denkfehler, dass 'design', Plan, Zielgerichtetheit nicht auf der Ebene der Kausalität gefunden werden kann, mit der sich die naturwissenschaftliche Methode befasst“[9], sagte Schönborn.
Schönborn hat 1995 - damals Weihbischof - nach der Veröffentlichung der Missbrauchanschuldigungen gegen Kardinal Groer in der Zeitschrift Profil diese in scharfer Form zurückgewiesen. In einer Stellungnahme hatte er unter anderem erklärt: Seit der Zeit des Nationalsozialismus, als Priesterprozesse unter dem Vorwand homosexueller Verfehlungen geführt wurden, hat es in Österreich derlei Verleumdungspraktiken gegen die Kirche nicht mehr gegeben. Schönborn dazu 2011: Ich hatte vor meiner Ernennung zum Weihbischof im Ausland gelebt und nie einschlägige Gerüchte gehört. Ich war daher zunächst ehrlich überzeugt, dass es sich um Verleumdungen handeln müsse. So sind auch meine ebenso emotionalen wie überzogenen Worte zu erklären, die die Vorgangsweise mit jener aus der Nazizeit verglichen. [10][11]
Für Verstimmung im Vatikan sorgte Schönborn im Frühjahr 2010 mit seiner Kritik am Kardinaldekan, Kardinal Angelo Sodano. Schönborn warf ihm in einem Interview mit der Presse vor, dass der ehemalige Vatikan-Kardinalstaatssekretär vor 15 Jahren die Bildung einer Untersuchungskommission zum Fall Groer verhindert habe, schrieb Il Giornale unter Berufung auf Kathpress.[12]
Der Kardinal übte Kritik an der Idee einer gleichgeschlechtlichen Ehe. Noch im Jahr 2008 kritisierte er gleichgeschlechtliche Ehe in einer Predigt. Er nannte unter anderem die Einführung einer derartigen Ehe ein "Nein zum Leben". Künstliche Empfängnisverhütung, Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehen sollen zusammengenommen zum Ende der europäischen Kultur führen: "Europa ist im Begriff zu sterben, da es Nein zum Leben gesagt hat."[13]
2010 sagte er dagegen in einem Interview: „Beim Thema Homosexualität etwa sollten wir stärker die Qualität einer Beziehung sehen. Und über diese Qualität auch wertschätzend sprechen. Eine stabile Beziehung ist sicher besser, als wenn jemand seine Promiskuität einfach auslebt.“ Dies sei für ihn ein Wandel von einer „Pflicht-Moral“ hin zu einer „Moral des Glücks“. Dabei stehe nicht die Sünde im Zentrum der Betrachtung, sondern der Versuch den Geboten zu entsprechen.[14]
In der aus Sicht des Judentums einen Affront darstellenden Karfreitagsfürbitte für die Juden verteidigte Schönborn 2008 in der englischsprachigen katholischen Zeitung The Tablet[15] die Haltung des Papstes. Als „wertvolle Beispiele für die besondere Art und Weise, wie Christen in Bezug auf das Evangelium gegenüber den Juden Zeugnis ablegen müssen“, zitierte er u. a. (Römer 1,16 EU): „Das Evangelium […] ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt, zuerst den Juden, aber ebenso den Griechen.“ Er rechtfertigt dies weiters mit der Bibelstelle (Lk 24,47 EU), wonach Jesus den Aposteln aufgetragen hat, das Evangelium „allen Völkern, angefangen in Jerusalem, [zu] verkünden.“ Denn „Für euch zuerst hat Gott [ihn] gesandt, damit er euch segnet und jeden von seiner Bosheit abbringt.“ (Apg 3,26 EU).
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Johann Weber | Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz seit 1998 |
... |
| Hans Hermann Kardinal Groër OSB | Erzbischof von Wien seit 1995 |
Erzbischöfe: Alois Kothgasser (Salzburg) | Christoph Schönborn (Wien)
Suffraganbischöfe: Ägidius Zsifkovics (Eisenstadt) | Egon Kapellari (Graz-Seckau) | Alois Schwarz (Gurk) | Manfred Scheuer (Innsbruck) | Ludwig Schwarz (Linz) | Klaus Küng (St. Pölten)
Weihbischöfe: Franz Lackner (Graz-Seckau) | Andreas Laun (Salzburg) | Anton Leichtfried (St. Pölten) | Franz Scharl (Wien) | Stephan Turnovszky (Wien)
| Personendaten | |
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| NAME | Schönborn, Christoph |
| ALTERNATIVNAMEN | Schönborn-Wiesentheid, Christoph Maria Michael Hugo Damian Peter Adalbert Graf von |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Erzbischof und Kardinal |
| GEBURTSDATUM | 22. Januar 1945 |
| GEBURTSORT | Skalken bei Leitmeritz, Böhmen |