|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Koreanische Schreibweise | |
|---|---|
| koreanisches Alphabet: | 주체사상 |
| chinesische Schriftzeichen: | 主體思想 |
| Revidierte Romanisierung: | Juche sasang |
| McCune-Reischauer: | Chuch’e sasang |
Die Chuch’e-Ideologie (von koreanisch Chuch’e: ‚Selbstständigkeit‘, ‚Autarkie‘; Aussprache in IPA: [ʨu.ʨʰe], sprich Dschutsche), auch Juche-Ideologie geschrieben, ist eine politische Ideologie, die von dem verstorbenen Präsidenten Nordkoreas (Demokratische Volksrepublik Korea, DVRK) Kim Il-sung entwickelt wurde.
Inhaltsverzeichnis |
Die Chuch’e-Ideologie wird von ihren Anhängern als eine Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus verstanden, widerspricht dessen Ideengehalt aber wesentlich. Kernpunkte der Ideologie sind, dass die Interessen der eigenen Nation über denen der internationalen kommunistischen Bewegung stehen würden und dass ein „Arbeiterführer“ die Gesellschaft transformieren müsse. Zudem wird über eine „besondere“ Rolle Koreas gesprochen, das im Mittelpunkt der Welt stehe. Der klassische Marxismus-Leninismus sei in seinen „historischen Grenzen“ gefangen, die Chuch’e-Ideologie jedoch ewig.
Der Ideologie zufolge muss jede Nation die gesellschaftliche Revolution aus eigener Kraft vorantreiben. Die drei fundamentalen Prinzipien der Chuch’e-Ideologie sind:
Der Staat hat demnach die Aufgabe, politische, wirtschaftliche und militärische Unabhängigkeit zu gewährleisten. Mit diesen Prinzipien begründet Nordkorea seine Isolierung gegenüber dem Ausland.
Der Mensch stehe in der Position eines Gestalters und Herrschers der Welt. Jedoch müsse sich das Individuum den Volksmassen unterordnen, da es sich nur in dem Zusammenschluss einer Gruppe entfalten könne. Die Volksmassen wiederum werden durch die Partei und den Führer geleitet. In der Chuch’e-Ideologie ist der Mensch zwar Subjekt, doch von ihm wird bedingungslose Loyalität gefordert.
Als weiteren Unterschied zum klassischen Marxismus-Leninismus betonen Chuch’e-Anhänger die Einbeziehung der Intellektuellen. So zeigt das Emblem der Partei der Arbeit Koreas Pinsel, Hammer und Sichel: den Hammer für die Arbeiterklasse, die Sichel für die Bauernschaft und den Pinsel für die Intellektuellen. Hierbei ist allerdings zu betonen, dass dieses Konzept keine „Erfindung“ aus Nordkorea ist. Auch andere kommunistische Strömungen wandten sich an die Intellektuellen, was teilweise auch in den verschiedenen Symbolen entsprechender Parteien und Bewegungen zum Ausdruck kommt.
Chuch’e ersetzte 1977 den Marxismus-Leninismus als Weltanschauung in der Verfassung der DVR Korea und hat auch nach dem Tod Kim Il-sungs 1994 als Weltanschauung in der DVRK Bedeutung. Unter seinem Sohn Kim Jong-il wurde die Chuch’e-Ideologie aber zunehmend durch die Sŏn’gun-Ideologie (nordkoreanischer Militarismus), die seit 2009 auch in der Verfassung der DVRK an erster Stelle genannt wird, verdrängt.[1]
Neun Jahre nach Kim Il-sungs Tod wurde in Nordkorea offiziell der Chuch’e-Kalender eingeführt. Er unterscheidet sich vom Gregorianischen Kalender durch die Jahreszählung, die mit dem Geburtsjahr Kims beginnt. So gilt seitdem das Jahr 1912 als Chuch’e (auch: Juche) 1.
Eine der Nationalblumen Nordkoreas, die Kimjongilia, steht für die Ideale der Chuch’e-Ideologie. Als Denkmal der Ideologie wurde der Chuch’e-Turm in Pjöngjang errichtet.
In den 1970er und 1980er Jahren gelang es Nordkorea international eine gewisse Anhängerschaft für die Chuch’e-Ideologie zu gewinnen. Vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika entstand eine relativ große Anzahl von „Chuch’e-Ideologie-Studiengruppen“. Diese Gruppen wurden großzügig mit Studienmaterialien unterstützt. Die Bilder von Anhängern, die die Werke von Kim Il Sung oder anderen für die Chuch’e-Ideologie relevanten Schriften lesenden Anhängern wurden regelmäßig in den Medien Nordkoreas veröffentlicht. Für diese Gruppen übte vor allem die Vorstellung einer von den damaligen Großmächten Sowjetunion und USA unabhängigen und auf die eigenen Kräfte gestützten nationalen Entwicklung eine gewisse Anziehungskraft aus. Die Anhängerschaft für die Chuch’e-Ideologie ging letztlich bis in die obersten Regierungsschichten einiger afrikanischer Staaten. So wurde das „Internationale Wissenschaftliche Seminar der Chuch’e-Ideologie“, das vom 28. bis 30. September 1976 in Antananarivo, Madagaskar stattfand, vom damaligen Staatspräsidenten Didier Ratsiraka mit einer Ansprache eröffnet. Auch andere Staatsoberhäupter äußerten sich bei Staatsbesuchen in der DVRK in der 1980er Jahren positiv über die Chuch’e-Ideologie.
Am 9. April 1978 wurde in Tokio das „International Institute of the Juche Idea“ (IIJI)[2] gegründet. Ziel des Instituts war laut Gründungserklärung „die Verbreitung der klassischen Werke des hochverehrten und geliebten Präsidenten Kim Il Sung, die Organisation von Seminaren und Vorlesungen sowie die Veröffentlichung von Schriften, die Koordinierung der Zusammenarbeit der Juche-Studiengruppen und die Eröffnung von Bibliotheken zum Studium der Juche-Ideologie sowie Buchausstellungen zur Verbreitung der Juche-Ideologie“.[3] Erster Generaldirektor des Instituts war der Japaner Prof. Yasui Kaori. Von 1985 bis 1989 wurde das IIJI vom vormaligen Bundesminister für Justiz der Republik Österreich Hans Klecatsky geleitet.[4] Gegenwärtiger Generaldirektor ist der Inder Vishwanath. Organ des IIJI ist die Zeitschrift "Study of the Juche Idea". Aus Anlass des 100. Geburtstages Kim Il-sungs plant das IIJI 2012 in Pjöngjang eine "Weltkonferenz der Chuch'e-Ideologie" abzuhalten.[5]
Heute hat die Chuch’e-Ideologie außerhalb der DVRK kaum noch Bedeutung. Es gibt allerdings in einigen Ländern noch vereinzelte Juche-Studiengruppen, besonders in Lateinamerika und Afrika, aber auch in Europa. In Deutschland zählen zu diesen Gruppen z.B. der „Freundeskreis der Juche-Ideologie“ in der KPD-Ost und die „Korean Friendship Association-Germany“, die engen Kontakt mit dem „Komitee für Kulturelle Beziehungen mit dem Ausland“ in Pjöngjang hält.
Im Rahmen seiner Querfrontstrategie orientierte sich auch der 2008 aufgelöste, neonazistische „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ an der Chuch'e-Ideologie.[6] Zudem wurde 1996 die mittlerweile wieder aufgelöste „Partei der Arbeit Deutschlands“ (PdAD) gegründet, die sich an der PdAK orientierte. Die Partei hatte kurzzeitig auch Kontakt zur NPD, wo die Ideologie zeitweilig im Rahmen des propagierten Antiamerikanismus rezipiert wurde.[7]