Der englische Begriff Claim wird im Marketing, vor allem in der Werbung, hĂ€ufig in derselben Bedeutung wie Slogan verwendet. "Claim" wird ausschlieĂlich in Deutschland als Bezeichnung eines Werbeslogans benutzt, in England kennt man diesen als "Endline" oder "Strapline". [1] Er bezeichnet einen fest mit dem Unternehmens- oder Markennamen verbundenen Satz oder Teilsatz, der untrennbarer Bestandteil des Unternehmenslogos oder Markenzeichens sein kann. Teilweise gibt es auch Kampagnen-Claims, die nur fĂŒr die Dauer einer Werbekampagne verwendet werden.
Ein Claim kann mehrere Funktionen haben: Er kann die Positionierung eines Leistungsangebotes oder einer Marke, ein zentrales âVersprechenâ [2] oder einen Produktnutzen, eine Mission, eine Vision oder das Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens oder der Marke kommunizieren.
Der Begriff leitet sich aus der frĂŒher in Nordamerika und Australien verwendeten Bezeichnung Claim fĂŒr ein abgestecktes GrundstĂŒck ab.
Manche Claims sind zu geflĂŒgelten Worten geworden.
Sub-Claim
Neben den (Haupt-)Claims gibt es bei etlichen Unternehmen auch untergeordnete Sub-Claims, die z. B. anlassabhĂ€ngig verwendet werden.[3] Beispielsweise ergĂ€nzte der Radiosender SWR1 seinen Haupt-Claim Eins gehört gehört â SWR1 mit dem Sub-Claim Die gröĂten Hits aller Zeiten, um gegenĂŒber den Radiohörern die Positionierung seines Musikprogramms zu verdeutlichen. FĂŒr die Medienbranche begrĂŒndet sich die Wichtigkeit solcher Claims dadurch, dass sie auch im Rahmen von Media-Analysen bei TV- und Hörfunk-Konsumenten abgefragt werden und so den messbaren Erfolg beeinflussen können.
Erfolgskriterien
Um erfolgreich zu sein, sollte ein Claim mindestens folgende Merkmale aufweisen (vereinfachte Darstellung):[4]
- Differenzierung (PrÀgnanz, Memorierbarkeit, BotschaftstrÀger)
- Assoziation und Bedeutung (positive Belegung)
- Erinnerungswirkung (Bedeutungsgehalt, phonetische QualitÀt, ImagestÀrke)
- Internationalisierung (linguistische Bedeutungssicherung)
- zeitliche Ungebundenheit (Resistenz gegen Zeitgeist und abklingende Trends)
- SchutzfĂ€higkeit (VerfĂŒgbarkeit, SchĂŒtzbarkeit)
- Design und Sound (klare Visualisierbarkeit, phonetische Einzigartigkeit)
AnsÀtze
Die meisten Claims nennen ihren Zielgruppen einen âguten Grundâ (Reason Why), warum sie sich bei ihrem Kauf fĂŒr das betreffende Unternehmen bzw. die betreffende Marke entscheiden sollten. Dabei werden meist folgende AnsĂ€tze gewĂ€hlt:
- Nennung von Eigenschaften des Unternehmens bzw. seiner Mitarbeiter (z. B. engagiert [5], hingebungsvoll [6], kompetent [7], anwenderorientiert [8], sympathisch [9]);
- Nennung von Eigenschaften der Marke bzw. ihrer Produkte (z. B. zuverlĂ€ssig [10], vertrauenswĂŒrdig [11], SpitzenqualitĂ€t [12], bedienungsfreundlich [13]);
- Nennung eines Nutzenâversprechensâ (z. B. Freude [14], Gelassenheit [15], Sorgenfreiheit [16], Erlebnis [17], Harmonie [18]);
- ErwĂ€hnung eines âguten Anlassesâ [19];
- Adressierung der Zielgruppe durch
- Nennung des SelbstverstĂ€ndnisses ihrer Mitglieder (z. B. anspruchsvoll [20], erfahren (âKennerâ) [21], (extrem) preisbewusst [22]) oder
- ein Ansprechen von Emotionen ihrer Mitglieder (z. B. Patriotismus [23], Begeisterung [24]).
Unternehmen, die auf die (explizite) Nennung eines âguten Grundesâ verzichten, wĂ€hlen fĂŒr ihren Claim beispielsweise folgenden Ansatz:
- Nennung des Leistungsportfolios [25];
- Nennung der Rolle, die das Unternehmen gegenĂŒber seinen Kunden spielt (z. B. âArchitektâ) [26];
- Empfehlen des Unternehmens bzw. der Marke als âerste Wahlâ [27].
Oft werden in einem Claim mehrere dieser AnsÀtze kombiniert [28].
Rhetorische Figuren
Bei der Gestaltung von Claims werden oft rhetorische Figuren verwendet, beispielsweise
Branchentypische Ăhnlichkeiten
Claims von Unternehmen, die in derselben Branche arbeiten, weisen oft sprachliche Ăhnlichkeiten auf. Claims in der Medienbranche betonen beispielsweise oft, dass man mit dem jeweiligen Medium mehr oder besser sehen, erkennen, verstehen oder wissen könne [41].
Rezeption
Die Naming-Agentur Endmark fĂŒhrte in den Jahren 2003, 2006 und 2009 Claim-Studien durch.[42] Dabei wurde die VerstĂ€ndlichkeit englischsprachiger Werbung bei deutschen Verbrauchern untersucht. In der aktuellen Studie wurden zehn Werbeslogans unterschiedlicher Branchen, die sich alle an Endverbraucher richteten, untersucht. Die Bandbreite reichte dabei von Leviâs (Live unbuttoned) ĂŒber Braun (Design Desire) bis Langnese (Worldâs Pleasure Authority). Ăhnlich wie in den Jahren zuvor ergab die Befragung, dass ĂŒber zwei Drittel der Konsumenten die englischen Werbebotschaften entweder gar nicht oder falsch verstehen. In EinzelfĂ€llen fĂŒhrten die Ăbersetzungsversuche zu skurrilen Ergebnissen wie Mache Deinen Brotkasten selbst fĂŒr Broadcast Yourself (YouTube) und Explosionen an der Stadtgrenze fĂŒr Explore the city limits (Opel). Nur etwa 28 Prozent der Befragten waren im Durchschnitt in der Lage, die englischen WerbesprĂŒche im Sinne ihrer Absender zu verstehen.
Plagiierung
Obwohl Claims den Anspruch erheben, so unverwechselbar zu sein wie das Unternehmen oder die Marke, fĂŒr die sie stehen, werden Claims mitunter plagiiert. Beispielsweise wĂ€hlte der (bereits oben erwĂ€hnte) deutsche Radiosender SWR1 2001 den angeblich von der Frankfurter Werbeagentur Conrad & Burnett vorgeschlagenen [43] Claim Eins gehört gehört. SWR1. Allerdings hatte bereits 1995 der Autor Wolf Haas in seiner Eigenschaft als Werbetexter der Wiener Werbeagentur Demner & Merlicek den gleichen, im Original immer noch verwendeten Claim Ă1 gehört gehört! fĂŒr das erste österreichische Radioprogramm erfunden und in den Radiospots selbst gesprochen.
Anmerkungen und Einzelnachweise
- â Slogans? Claims? Taglines?Slogans? Claims? Taglines? Abgerufen am 15. MĂ€rz 2012.
- â Genau genommen handelt es sich um eine feste AbsichtserklĂ€rung oder Selbstverpflichtung (englisch self commitment), nicht um eine vertraglich bindende Zusage, die bei Nichteinhaltung ein Recht des Kunden auf Haftung begrĂŒnden wĂŒrde.
- â Im weiteren Verlauf dieses Artikels wird nicht mehr explizit zwischen Claims und Sub-Claims unterschieden.
- â SBBC Brand Consulting: Erfolgskriterien fĂŒr einen guten Claim (2007)
- â Beispiel: âEure Gunst â unser Strebenâ (Circus Krone)
- â Beispiel: âWir lieben Lebensmittelâ (Edeka)
- â Beispiel: âWe know howâ (Linde)
- â Beispiel: âBauknecht weiĂ, was Frauen wĂŒnschenâ (Bauknecht, 1954)
- â Beispiel: âMit dem grĂŒnen Band der Sympathieâ (Dresdner Bank)
- â Beispiel: âAlle reden vom Wetter. Wir nicht.â (Deutsche Bundesbahn, 1966)
- â Beispiel: âAuf diese Steine können Sie bauenâ (SchwĂ€bisch Hall (Bausparkasse), 1962)
- â Beispiel: âThe Queen of Table Watersâ (Apollinaris (Mineralwasser), 1895)
- â Beispiel: âsense and simplicityâ (Philips Deutschland)
- â Beispiel: âFreude am Fahrenâ (BMW)
- â Beispiel: âWer wird denn gleich in die Luft gehen?â (HB (Zigarettenmarke))
- â Beispiel: âWir machen den Weg freiâ (Volksbanken und Raiffeisenbanken, 1988)
- â Beispiel: âMittendrin statt nur dabeiâ (DSF)
- â Beispiel: âCome together and live as friendsâ (Peter Stuyvesant (Zigarettenmarke))
- â Dieser Ansatz wird vor allem bei alkoholischen GetrĂ€nken gewĂ€hlt, die nicht als ânĂŒtzlichâ beworben werden dĂŒrfen. â Beispiele: âDarauf einen Dujardinâ (Dujardin (Weinbrand), âWenn einem so viel Gutes widerfĂ€hrt â das ist schon einen Asbach Uralt wertâ (Asbach Uralt (Weinbrand), 1950er Jahre)
- â Beispiel: âSchenken Sie Ihren Kindern schlaue Elternâ (SĂŒddeutsche Zeitung, 2008)
- â Beispiel: âRiesig nicht, aber feinâ (ChantrĂ© (Weinbrand))
- â Beispiel: âGeiz ist geil!" (Saturn, 2003)
- â Beispiel: âEin Bier wie Bayernâ (LöwenbrĂ€u)
- â Beispiel: âIch liebe esâ (McDonaldâs)
- â Beispiel: âConsoluting. Technology. Outsourcing.â (Capgemini (Management-, IT- und Unternehmensberatung))
- â Beispiel: âyour archITectâ (Cirquent (IT-Beratung), 2010)
- â Beispiel: âIhre Auskunftâ (11883 (Telefonauskunft)), âDas Ersteâ (ARD)
- â Beispiel: âIntelligent Logisticsâ (Eigenschaft der Marke + Leistungsportfolio) (Dachser)
- â Beispiele: âSwitch!â (Apple), âJust do itâ (Nike), âSagâ doch einfach, wir fahren Golfâ (VW Golf)
- â Beispiel: âEr lĂ€uft und lĂ€uft und lĂ€uftâ (VW KĂ€fer)
- â Beispiel: âQuadratisch. Praktisch. Gutâ (Ritter Sport)
- â Beispiel: âGut. Besser. Paulanerâ (Paulaner)
- â Beispiel: âBigger, Better, Burger Kingâ (Burger King)
- â Beispiele: âGut. Besser. Gösserâ (Gösser Bier), âYou are, we carâ (Fiat 500 retro, 2007)
- â Beispiel: âGeiz ist geil!" (Saturn, 2003)
- â Beispiele: âMotion & Emotionâ (Peugeot), âNicht immer, aber immer öfterâ (Clausthaler (alkoholfreies Bier), Ende 1980er Jahre), âPreise gut, alles gutâ (C&A), âMehr Leistung. Mehr ZuverlĂ€ssigkeit.â (Hilti),
- â Beispiel: âHimmel der Bayernâ (Hacker-Pschorr (Biermarke))
- â Beispiel: âWas sonst.â [ohne Fragezeichen!] (Campari)
- â Beispiel: âWohnst Du noch oder lebst Du schon?â (Ikea)
- â Manche Claims erlauben aufgrund ihrer zweideutigen Formulierung das Heraushören einer sexuellen Anspielung. â Beispiele: âBauknecht weiĂ, was Frauen wĂŒnschenâ (Bauknecht, 1954), âNicht immer, aber immer öfterâ (Clausthaler (alkoholfreies Bier), Ende 1980er Jahre), â... dann klapptâs auch mit dem Nachbarnâ (Calgonit, 1992), âBin ich schon drin?â (AOL)
- â Beispiele: SPIEGEL-Leser wissen mehrâ (Der Spiegel), âWer sie liest, sieht mehrâ (SĂŒddeutsche Zeitung), âJe spitzer die Feder, desto mehr erkennt manâ (Der Spiegel, 2009), âWer das Ganze sieht, versteht das Detail besserâ (Die Welt, 1994), âMit dem Zweiten sieht man besserâ (ZDF)
- â Samland, Bernd: Endmark Claim Studie 2009. Executive Summary.
- â âSWR 1 gehört gehört - Baden-WĂŒrttembergs erstes Programm kommt anâ (RADIOjournal, August 2006)
Weblinks
Literatur
- Ulrich Görg: Claims. Claiming als Wertschöpfungsinstrument der MarkenfĂŒhrung. Gabal-Verlag, 1. Aufl. 2005. ISBN 978-3897495623
- Bernd M. Samland: Unverwechselbar: Name, Claim & Marke. Haufe-Lexware, 1. Auflage 2006. ISBN 978-3448072563