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Achille-Claude Debussy (* 22. August 1862 in Saint-Germain-en-Laye; †25. März 1918 in Paris) war ein französischer Komponist des Impressionismus, seine Musik gilt als Bindeglied zwischen Romantik und Moderne.
Inhaltsverzeichnis |
Geboren am 22. August 1862, als erstes von fünf Kindern, wurde Claude Debussy als Sohn von Manuel-Achille Debussy und seiner Frau Victorine eingetragen. Getauft wurde er erst zwei Jahre später, was für die damalige Zeit außergewöhnlich spät war. Seine Taufpaten waren der Bankier Achille Arosa und Debussys Tante Octavie de La Ferronière.
Debussy wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater führte ein Steingut- und Porzellangeschäft in Saint-Germain. Dieses musste er wenige Jahre nach Debussys Geburt aufgeben, da es nicht rentabel war. Nach der Geschäftsaufgabe zog Manuel-Achille Debussy mit seiner Familie nach Paris und arbeitete als Buchhalter bei einer Eisenbahngesellschaft.
Musik spielte im Hause Debussy keine besondere Rolle, aber der Vater mochte die Operette und soll seinen Sohn auch zu einigen AuffĂĽhrungen mitgenommen haben.
Claude hat nie eine Schule besucht. Die spärlichen Grundlagen des Lesens, Schreibens und Rechnens vermittelte ihm seine Mutter. Als Erwachsener versuchte Debussy diese Defizite auszugleichen, allerdings bereiteten ihm Orthographie und Grammatik zeitlebens Schwierigkeiten.
Als Kind besuchte er öfter seine Paten in Saint-Cloud und in Cannes. Die Erfahrung der ländlichen Umgebung war für ihn ein sehr gegensätzliches Erlebnis zu seinem normalen Alltag. Sein Pate Achille Arosa war es, der Debussy den ersten Klavierunterricht ermöglichte. Zufällig wurde Madame Mauté de Fleurville, eine Frau aus wohlhabenden Kreisen und ehemalige Chopin-Schülerin auf das Kind aufmerksam. Sie bot den Eltern an für Claudes Klavierausbildung zu sorgen. Innerhalb von zwei Jahren machte sie Debussy zu einem erfolgreichen Kandidaten für das Pariser Konservatorium. Bereits ein Jahr nach seiner Aufnahme besuchte Debussy die Oberklasse bei Antoine François Marmontel.
Die 13 Jahre des Musikstudiums, die Debussy ab seinem 10. Lebensjahr am Konservatorium verbrachte, waren von sehr unterschiedlichen Erfahrungen geprägt. Da gab es den 27-jährigen Albert Lavignac, der dem Rebellentum seines jungen Schülers sehr viel Sympathie entgegenbrachte. Und da war Marmontel, schon 30 Jahre Dozent des Konservatoriums, der dem Ungestüm der musikalischen Naturbegabung unbedingt Einhalt gebieten wollte. Aber er führte Debussy zu einigen Erfolgen: 1874 errang dieser in einem Konservatoriums-Wettbewerb durch die Darbietung des 2. Klavierkonzerts von Frédéric Chopin einen 2. Preis, mit der Chopin-Ballade in F-Dur erhielt er im darauffolgenden Jahr sogar den 1. Preis. Mit Beethoven, Schumann, Weber und dem Konzert-Allegro von Chopin blieb er in der Folgezeit indessen unerwartet erfolglos. „Debussy entwickelt sich zurück“, bemerkte ein Chronist der Wettbewerbe spöttisch.
Die Misserfolge bildeten in Debussys Leben eine Zäsur: Er nahm Abstand davon, Klaviervirtuose zu werden. Den Ausgleich hierfür hatte er schnell gefunden. Zwar war er im Klassenverbund genussvoll zelebriertes Opfer des Dozenten Émile Durand, dem die zahlreichen Verstöße Debussys gegen die tradierten Regeln der Harmonielehre sauer aufstießen, doch im Fach Klavierbegleitung, das ein gewisses Maß an Improvisationstalent voraussetzte, war er erfolgreich. Einen 1. Preis in einem der Fächer musste man haben, um in die Kompositionsklasse aufgenommen zu werden. Mit dem 1. Preis im Fach Klavierbegleitung stand es fest: Dieser junge Mann wird Komponist.
Debussy war 1880 im Alter von 18 Jahren noch nicht in der Lage, mit Musik allein sein Geld zu verdienen. Daher nahm er die Gelegenheit wahr, Nadeschda Filaretowna von Meck (die auch Peter Tschaikowski ein Leben lang unterstĂĽtzte) als Reisebegleiter durch Europa zu begleiten und ihren Kindern Klavierunterricht zu erteilen. Debussy begleitete sie durch Frankreich, Italien und die Schweiz. Der Kontakt zu der Familie Meck riss auch in der Folgezeit nicht ab, was Debussy finanziell zugute kam. In seiner Fortbildung am Konservatorium studierte Debussy bei Ernest Guiraud.
Der „Prix de Rome“ war zu Debussys Zeit die höchste Auszeichnung, die einem französischen Komponisten zuteilwerden konnte. Im Januar eines jeden Jahres gab es eine Zulassungsprüfung, war diese bestanden, mussten sich die Aspiranten im Mai einer Vorrunde stellen. Vorzulegen waren eine vierstimmige Fuge und nach verbindlich vorgegebenem Text ein Chorwerk, die in sechs Tagen in Klausur zu fertigen waren. Nur maximal sechs Teilnehmer wurden zur Schlussrunde zugelassen. In dieser bestand die Aufgabe in der Vertonung eines ebenfalls vorgegebenen Textes als zwei- oder dreistimmige Kantate. Der Gewinner des „Prix de Rome“ – der erste Preis wurde aber nicht zwingend vergeben – erhielt ein vierjähriges Stipendium für den Besuch der Académie des Beaux-Arts.
Anfangs war Debussy wenig begeistert von der Idee, er solle an diesem Wettbewerb teilnehmen. Aber seine Teilnahme war sehr erfolgreich: 1883 belegte er den 2. Platz, 1884 schließlich ging er mit der Kantate L’enfant prodigue als Sieger hervor. Nun durfte er vier Jahre lang auf Staatskosten in der römischen Villa Medici seinen musikalischen Studien nachgehen.
Den Aufenthalt in der Villa Medici – den er übrigens 1887 vorzeitig abbrach – empfand Debussy als quälend. Mit den Kommilitonen konnte oder wollte er nicht recht warm werden, klagte über sein „Sträflingsschicksal“:
Im FrĂĽhjahr 1886 entzog er sich zeitweilig dem Anstaltsleben und reiste nach Paris. Dort machte er die Bekanntschaft u. a. mit Franz Liszt, Giuseppe Verdi und Ruggero Leoncavallo. Das Stipendium war allerdings nicht dafĂĽr gedacht, die finanzierte Zeit mit Nichtstun herumzubringen. Debussy musste Ergebnisse seiner Kompositionsstudien vorlegen.
Seine erste Sendung aus Rom, eine Ode mit dem Titel Zuleima, wurde kĂĽhl aufgenommen. Die Akademie bemerkte:
Die nachfolgenden Stücke, die Debussy als Ergebnis seiner Studien vorlegte, wurden kaum besser bewertet, immerhin ließ sich die Akademie bei der dritten Sendung, La Damoiselle élue, dazu herab, dem Stück „Poesie“ und „Reiz“ zuzusprechen, was durch den „unbestimmten Charakter des Sujets gerechtfertigt“ sei. Als 1889 wie jedes Jahr eine Abschlussfeier mit den Absolventen der Akademie stattfand, verweigerte sich Debussy der Zeremonie.
Debussys Einschätzung der Musik Richard Wagners wandelte sich im Laufe der Zeit. Er hatte einige seiner Opern intensiv studiert, sagte aber von sich:
Mit seinem Zeitgenossen Erik Satie verband ihn eine Künstlerfreundschaft, die von gegenseitiger Bewunderung geprägt war. Beiden war die Bemühung um eine Überwindung tradierter musikalischer Formen gemeinsam. Während Satie den Weg der musikalischen Vereinfachung und Banalisierung einschlug und eine annähernde Formlosigkeit anstrebte, hielt Debussy in harmonischer wie formaler Hinsicht eine Alternative zur klassisch-romantischen Tradition für notwendig. Auf der Suche nach solchen Alternativen beschäftigte er sich ähnlich wie etwas später Béla Bartók intensiv mit traditioneller Musik aus außereuropäischen Kulturkreisen. Großen Einfluss übten so auf ihn die russische, die javanische und die arabische Musik aus, die 1889 mit der Weltausstellung nach Paris kam.
Debussy lernte auch Maurice Ravel kennen. Ihre distanzierte Freundschaft wurde durch eine kalkulierte Provokation des Musikkritikers Pierre Lalo (er unterstellte Ravel, den älteren Kollegen zu plagiieren) zerrüttet. Natürlich war der 12 Jahre jüngere Ravel kein Vorbild, Debussy war künstlerisch längst ausgereift. Indessen ist erstaunlich, dass beide oft die gleichen Themen zur musikalischen Bearbeitung wählten. Das seltsamste Ereignis in diesem Kontext passierte 1913: Unter dem gleichlautenden Titel Trois Poémes de Stéphane Mallarmé vertonten sowohl Ravel wie Debussy drei Gedichte des Poeten, von denen zwei (Soupir und Placet futile) bei beiden Werken thematisiert wurden. Da Ravel vorab die Erlaubnis zur Vertonung bei den Erben des Dichters eingeholt hatte, sah es so aus, dass er das stärkere Urheberrecht an einer musikalischen Bearbeitung der Texte innehabe. Debussy klagte in einem Brief an einen Freund vom 8. August 1913:
Dank Ravel, der schriftlich beim Verleger intervenierte, wurde auch Debussys Arbeit veröffentlicht.
Große Stücke hielt Debussy auf Igor Strawinsky, den er um 1901 kennengelernt hatte. Die beiden trafen sich regelmäßig zum Austausch über Komposition und Technik.
Die Zeit nach seinem Aufenthalt in der Villa Medici wird allgemein als Bohème-Periode bezeichnet. Sie war gekennzeichnet durch einen unbeständigen Lebensstil, bei welchem Debussy sich ohne feste Anstellung und ohne das Ansehen der späteren Jahre gewonnen zu haben, mit kleineren Kompositionen durchschlug, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Zusätzliche finanzielle Unterstützung erhielt er von einem Verleger namens Georges Hartmann. In die Zeit fällt auch die Komposition einer nie veröffentlichten Oper mit dem Titel Rodrigue et Chiméne, aber auch ein Stück, das bis heute Eingang in manchen Klavierunterricht findet: Die Suite bergamasque mit dem bekannten Clair de lune.
In seiner Bohème-Zeit arbeitete Debussy nebenbei als Musikkritiker für die La Revue blanche. Zu diesem Zweck kreierte er eine Figur, die für ihn ein virtueller Gesprächspartner war: „Monsieur Croche“, der sich absichtlich als „Monsieur Croche antidilettante“ vorstellt. Auf den ersten Eindruck ein knurriger, wortkarger Kerl, der aber sein Schweigen unvermittelt mit einem langen Vortrag über zeitgenössische Komposition und Komponisten zu durchbrechen pflegt, wobei ihm regelmäßig die Zigarre ausgeht. Zahlreiche Schriften über solche „Gespräche“ sind bis heute erhalten geblieben.
Um 1888/89 hatte Debussy eine kurze Affäre mit Camille Claudel, die aber schon 1891 beendet war.
Über Jahre hinweg hatte Debussy eine Beziehung mit Gabrielle Dupont, einem jungen Mädchen, das er an einem „frivolen Ort“ kennengelernt haben soll. Gaby „mit den grünen Augen“ kümmerte sich um Debussys Haushalt und hielt ihm die schlimmsten Alltagsprobleme vom Hals. Als Gaby jedoch 1897 einen Brief fand, aus dem sie auf Debussys heimliche Romanze mit einer anderen Frau schließen musste, kam es zu einem heftigen Streit, in dessen Verlauf Gaby einen Revolver gegen sich selbst richtete und schwer verletzt im Krankenhaus behandelt werden musste.
Die romantische Liebesaffäre, die das häusliche Drama ausgelöst hatte, drehte sich um ein Nähfräulein und Mannequin namens Rosalie Texier, auch Lily genannt: ein sehr hübsches Mädchen mit üppigen blonden Haaren. Am 18. Oktober 1899 ging Debussy mit ihr die Ehe ein, die jedoch ebenfalls keinen dauerhaften Bestand haben sollte.
1901 hatte Debussy die Bankierfrau Emma Bardac kennen gelernt. Ein heimliches Liebesverhältnis wurde bald publik, veranlasste seine Ehefrau zu einem Selbstmordversuch (ebenfalls mit dem Revolver) und verursachte einen öffentlichen Skandal - Debussy war eine Berühmtheit geworden, der man solche „Abwege“ nicht zugestehen mochte. Daraufhin brach er mit fast allen Freunden und reichte die Scheidung ein.
Am 30. Oktober 1905 kam die gemeinsame Tochter Debussys und Bardacs zur Welt. Ihr widmete er die Children's Corner. Ehelich legitimiert wurde die Geburt erst 1908, die Scheidungsprozesse hatten die Heirat über Jahre hinweg verzögert.
Am 13. Mai 1909 wurde bei Debussy eine Krebserkrankung (Darmkrebs) festgestellt. 1915 war sie so weit fortgeschritten, dass er sich im Dezember zu einer Operation entschloss, die keine Besserung brachte und sein Leiden nur verlängerte. Invalidität ließ seine Schaffenskraft erlahmen. Am 25. März 1918 starb er an seiner Krankheit. Er wurde auf dem Cimetière de Passy in Paris beigesetzt (Division 14, ungefähre Lage: 48° 51′ 45,4″ N, 2° 17′ 2,1″ O48.86262.28390277778).
Auf der Weltausstellung im Jahr 1889 in Paris war Claude Debussy nachhaltig vom Klangbild eines javanischen Gamelan-Ensembles fasziniert. Die Begegnung mit der orchestral verwendeten pentatonischen Stimmung beeinflusste seine weitere kompositorische Entwicklung entscheidend. Er adaptierte diese „fremdartige“ Musik und ihr schwebendes Klangideal in seinem Kompositionsstil, ohne ihn direkt zu kopieren. Die offenkundigste Bemühung Debussys um die Adaption südostasiatischer Musik auf ein abendländisches Instrument mit wohltemperierter Stimmung zeigt das Klavierstück Pagodes, der erste Satz seines Klavierzyklus Estampes. Er begann, auf eine zielgerichtete Auflösung harmonischer Spannungen zu verzichten, indem er anstelle der klassisch-romantischen Funktionsharmonik mit klaren tonalen Bezugs- und Schwerpunkten (Dur-Moll-Tonalität) im Laufe der Zeit eine eigenständige Harmonik entwickelte, die europäische Einflüsse mit Debussys Entdeckung traditioneller slawischer und asiatischer Musik verband, etwa durch die Verwendung von Pentatonik und der Ganztonleiter.
Weil seine daraus resultierenden Klangbilder als fremdartig, schwebend und sphärisch empfunden und dementsprechend mit den ebenso wahrgenommenen Bildern etwa von Claude Monet und Paul Gauguin in Verbindung gebracht wurden, gilt Debussy musikhistorisch als Hauptvertreter des Impressionismus. Exemplarisch wird Debussys Position in einem Brief an Pierre Louys vom 22. Januar 1895 deutlich:
Wesentliche Einflüsse erfuhr Debussy auch von den russischen Komponisten der Romantik, insbesondere von Modest Mussorgsky, dessen Oper Boris Godunow er intensiv studierte und aus deren Analyse er eine Alternative zu Wagners ariosem Gesang, die Prosodie, eine Art Sprechgesang, ableitete. Diese Art der Textartikulation brachte Debussy in seiner Oper Pélleas et Mélisande, zum Einsatz. Weitere wichtige Komponisten, mit denen Debussy sich auf dem Weg zu einem eigenständigen musikalischen Ausdruck beschäftigte, waren Alexander Borodin und Nikolai Rimsky-Korsakow.
Während Debussy selbst noch in seiner früheren Schaffensperiode etwa bis zur Fertigstellung der Partitur der Oper Pelleas et Mélisande diese beschriebene, schwebende und undurchsichtige Tonsprache bevorzugte, entwickelte er im Spätwerk (etwa in Jeux, den Etudes und dem Operntorso La chûte de la maison d'Usher) einen deutlich klareren, zur klanglichen Einfachheit bei gleichzeitig enormer struktureller Komplexität neigenden Stil. Auch Debussys großes Interesse an der französischen Barockmusik und an deren Hauptvertretern, Jean-Philippe Rameau, Jean-Baptiste Lully und François Couperin, sowie insbesondere seine Beschäftigung mit den musiktheoretischen Schriften Rameaus führte dazu, dass Debussy sich im Laufe der Jahre um die Erarbeitung einer im Vergleich zu seinen Hauptwerken bis ca. 1910 einfacheren und klareren Harmonik bemühte.
Neben der Verwendung von Pentatonik (etwa in Préludes I, Les collines d'Anacapri) und Ganztonskalen (z.B. in Préludes I, Voiles) verwendet Debussy von der Salonmusik seiner Zeit (bspw. Préludes I, Minstrels) und der frühen Jazzmusik entlehnte Harmonik (so in Children's Corner und Golliwogg's Cakewalk). Ähnlich wie Ravel liebte Debussy das Kolorit der spanischen Tanzmusik. Ein Denkmal errichtete er ihr beispielsweise in Iberia, dem mittleren Satz des Orchesterwerks Images, das zwar durch äußerst geschickte Orchestration und typische Rhythmik absolut authentisch erscheint, jedoch vollständig ohne Zitate spanischer Volksmusik auskommt und ganz und gar eine Eigenkomposition darstellt.
Die Verwendung nicht-Dur-Moll-basierter Harmonik, außereuropäischer Skalen und spanisch anmutender Färbungen wie auch Rhythmen ist bei Debussy niemals Selbstzweck um des bloßen Effekts willen. Aus einem Missverständnis heraus wurde Debussy als reiner Stimmungskomponist eingestuft, ähnlich wie man Monet als Stimmungsmaler bezeichnet hat. Tatsächlich folgen die Strukturen seiner Werke häufig ebenso strengen Regeln wie etwa eine Fuge von Johann Sebastian Bach.
So ist etwa die Ganztonleiter im bereits erwähnten Klavierwerk Voiles aus Préludes I nicht von Anfang an als Material vorhanden, sondern wird erst durch die systematische, sich durch die erste Hälfte des Stückes ziehende intervallische Brechung der Oktave erreicht. Während im Einleitungsmotiv große Terzen, mithin Dritteloktaven, das Klangbild dominieren, kommen bald übermäßige Quarten bzw. Tritoni, also Oktavenhälften, und schließlich große Sekunden als Sechsteloktaven hinzu. Der Formteil des Satzes wird abgeschlossen mit der erstmaligen Einführung der Oktave selbst. Im zweiten Formteil wechselt Debussy kurzfristig zur Pentatonik, um das Stück in einem dritten Abschnitt wieder in der Ganztonleiter und schlussendlich mit einer großen, verklingenden Terz enden zu lassen. Verfolgt man das System der gleichmäßigen Brechung bestimmter Intervalle konsequent weiter, landet man zwangsläufig bei Mikrointervallen, wie sie in der Spektralmusik angewendet werden. Auch die rhythmische Struktur von Voiles ist äußerst komplex. Es lassen sich über das ganze Stück hinweg symmetrische Muster und das Spiel mit additiven Rhythmen nachweisen, wie sie 40-50 Jahre später von Olivier Messiaen angewendet worden sind. So lässt sich auch der Untertitel Voiles („Schleier“) nicht nur als exotische Anspielung auf einen asiatischen Schleier interpretieren, sondern deutet auch an, dass Debussy die Lichtbrechungen und Schatten, die ein Schleier wirft, im Sinne hatte und formal sowie strukturell widerspiegeln wollte.
Voiles ist nur ein Beispiel für die wegweisende Beschäftigung Debussys mit harmonischen Möglichkeiten jenseits der klassischen abendländischen Musik, für seine Erprobung additiver Rhythmik statt des in Klassik und Romantik üblichen Akzentstufentaktes und für die komplette kompositorische Durchdringung einer Inspiration.
Den Durchbruch schaffte Debussy mit dem von einem Gedicht von Stéphane Mallarmés inspirierten Prélude à l'après-midi d'un faune (zu Deutsch: Vorspiel zum Nachmittag eines Faunes), das am 22. Dezember 1894 in Paris uraufgeführt wurde. Trotz einer Länge von lediglich ungefähr zehn Minuten muss das Stück als Debussys erstes bedeutendes Hauptwerk bezeichnet werden, weil sich in ihm erstmals alle Aspekte einer eigenständigen Tonsprache (s.o.) manifestieren. Die geschickte und kammermusikalische Instrumentation sowie die für damalige Verhältnisse kühne Harmonik verbinden sich mit einer avancierten Architektur der Proportionen des Stückes. Diese Merkmale tauchten auch in späteren Werken auf und haben dazu geführt, dass viele Komponisten des 20. Jahrhunderts Debussys Musik als wesentlichen Ausgangspunkt der Neuen Musik begriffen haben.
Die zeitgenössische Rezeption des "Prélude" war indessen zwiespältig: Bei den Proben waren die Orchestermusiker frustriert darüber, dass Debussy immer wieder Änderungen an der Orchestrierung vornahm, aber sie taten bei der Premiere ihr Bestes, und die Resonanz beim Publikum war wohlwollend. Nicht einhellig fiel jedoch die Kritik seitens der Fachwelt aus, während Paul Dukas sich lobend äußerte, gab es auch Mahner, die Debussy rieten, er solle zu größerer Einfachheit zurückkehren. So urteilte z. B. Camille Saint-Saëns:
1912 diente das Prélude als musikalische Begleitung zu Vaslav Nijinskys Ballett L'Après-midi d'un faune, das ebenfalls als künstlerischer Meilenstein, in diesem Fall des Tanzes, angesehen wird, auch wenn die freizügige Choreographie die Ballettpremiere beim konservativen Pariser Publikum zum Skandal geraten ließ.
Die UrauffĂĽhrung von Les Nocturnes, einem Orchesterwerk, das Debussy schon seit 1892 geplant hatte, fand am 9. November 1900 statt. Debussy schrieb in einem Vorwort:
Das Werk rief die Begeisterung des Publikums hervor und brachte ihm zwar wenig Geld, aber groĂźe Anerkennung bei den Musikkritikern.
Debussys Oper Pelléas et Mélisande kam 1902 zur Aufführung. Ihr vorangegangen war eine lange und teilweise quälende Schaffenszeit, schon 1893 hatte Debussy mit den Arbeiten daran begonnen, verwarf aber vieles wieder und sah sich zeitweilig außerstande, produktiv daran weiterzuarbeiten. Dabei hatte sich alles so gut angelassen: Vom Dichter Maurice Maeterlinck persönlich autorisiert, bestand über die geplante Verarbeitung des Textes zu einer Oper herzliches Einvernehmen. Als es jedoch daran ging, für die Uraufführung die Besetzungsliste zu erstellen, kam es zu einer nervenaufreibenden Auseinandersetzung: Maeterlinck, frisch verheiratet mit der Primadonna Georgette Leblanc, wollte natürlich seine Frau in der Rolle der Mélisande sehen. Debussy wiederum hatte auf Vorschlag des Dirigenten André Messager der Entscheidung zugestimmt, Mélisande von der Sängerin Mary Garden darstellen zu lassen. In einem über die Zeitung Le Figaro öffentlich geführten Feldzug gegen Debussy behauptete Maeterlinck, dieser habe ohne seine Einwilligung weite Teile des Textes verfälscht, und er, Maeterlinck, gestatte die Aufführung deshalb nicht.
Bei den Proben zu Pelléas und Mélisande stellte sich überdies heraus, dass manche Übergänge nicht lang genug für den notwendigen Dekorationswechsel waren, so dass Debussy diese entsprechend umarbeiten musste. Am 27. April fand im Rahmen einer Matinée die Generalprobe vor einem Publikum statt, das zu einem guten Teil aus aufgestachelten Maeterlinck-Anhängern bestand. Die neuen Harmonien und Rhythmen des Werks sowie die besondere Art der Artikulation der Texte (Prosodie) stießen bei diesem jedoch auf Unverständnis. Schon bei dem geringsten Anlass erschallten Buh-Rufe und Pfiffe. Mélisande sang auf der Bühne:
Ab dem zweiten Akt kam das Orchester gegen das Publikum kaum noch an, im vierten brach endgültig ein Tumult los. Dass die Oper nicht abgebrochen wurde, war der Disziplin des Dirigenten und der Musiker zu verdanken, die tapfer bis zum Schluss durchhielten. Die Premiere zwei Tage später verlief wesentlich ruhiger, sie erhielt lobende Kritiken und stand sogar mehrere Monate bei ausverkauftem Haus auf dem Spielplan.
1912 spielte Debussy für die Freiburger Firma M. Welte & Söhne, Hersteller des Reproduktionsklaviers Welte-Mignon, sechs eigene Kompositionen auf Klavierrollen ein:
| Entstehungsjahr | Titel | Instrumentierung | Satzbezeichungen/Titel |
|---|---|---|---|
| Klavierwerke | |||
| 1888–89 | Petite suite | I. En bateau - II. Cortège - III. Menuet - IV. Ballet | |
| 1888–91 | Deux Arabesques | <center>Klavier solo | I. Andantino con moto - II. Allegretto scherzando |
| 1890 | Tarentelle styrienne | <center> Klavier solo | Allegretto |
| 1890 | Suite bergamasque | <center> Klavier solo | I. Prélude - II. Menuet - III. Clair de lune - IV. Passepied |
| 1891 | Marche écossaise | <center> Klavier vierhändig | Sur un thème populaire |
| 1894 | Images (1894) | <center> Klavier solo | I. Lent - II. Sarabande - III. Très vite |
| 1901 | Lindaraja | <center> Zwei Klaviere | Modéré mais sans lenteur et dans un rythme très souple |
| 1901–02 | Pour le piano | <center> Klavier solo | I. Prélude - II. Sarabande - III. Toccata |
| 1903 | Estampes | <center> Klavier solo | I. Pagodes - II. La soirée dans Grenade - III. Jardins sous la pluie |
| 1903 | D'un cahier d'esquisses | <center> Klavier solo | Très lent, sans rigueur |
| 1904 | Masques | <center> Klavier solo | Très vif et fantasque |
| 1904 | L'Isle Joyeuse | <center> Klavier solo | Quasi una cadenza |
| 1904 | Images - Livre I | <center> Klavier solo | I. Reflets dans l'eau - II. Hommage Ă Rameau - III. Mouvement |
| 1906–08 | Children's Corner | <center> Klavier solo | I. Doctor gradus ad parnassum - II. Jimbo's lullaby - III. Serenade for the doll IV. The snow is dancing - V. The little shepherd - VI. Golliwogg's cake-walk |
| 1907 | Images - Livre II | <center> Klavier solo | I. Cloches Ă travers les feuilles - II. Et la lune descend sur le temple qui fut - III. Poissons d'or |
| 1909–10 | Préludes - Livre I | <center> Klavier solo | I. Danseuses de Delphes - II. Voiles - III. Le vent dans la plaine - IV. Les sons et les parfums tournent dans l'air du soir - V. Les collines d'Anacapri - VI. Des pas sur la neige - VII. Ce qu'a vu le vent d'ouest - VIII. La fille aux cheveux de lin - IX. La sérénade interrompue - X. La cathédrale engloutie - XI. La danse de Puck - XII. Minstrels |
| 1910–12 | Préludes - Livre II | <center> Klavier solo | I. Brouillards - II. Feuilles mortes - III. La Puerta del vino - IV. Les fées sont d'exquises danseuses V. Bruyères - VI. General Lavine. Eccentric - VII. Ondine - VIII. La terrasse des audiences du clair de lune - IX. Canope - X. Hommage à Samuel Pickwick - XI. Les tierces alternées - XII. Feux d'artifice |
| 1914–15 | Six Épigraphes antiques | <center> Zwei Klaviere | I. Pour invoquer Pan, dieu du vent d'été - II. Pour un tombeau sans nom - III. Pour que la nuit soit propice - IV. Pour la danseuse aux crotales - V. Pour l'Égyptienne - VI. Pour remercier la pluie au matin |
| 1915 | En blanc et noir | <center> Zwei Klaviere | I. Avec emportement - II. Lent. Sombre - III. Scherzando |
| 1915 | Études - Livre I | <center> Klavier solo | I. Pour les cinq doigts - II. Pour les tierces - III. Pour les quartes - IV. Pour les sixtes
V. Pour les octaves - VI. Pour les huit doigts |
| 1915 | Études - Livre II | <center> Klavier solo | I. Pour les degrés chromatiques - II. Pour les agréments - III. Pour les notes répétées -
IV. Pour les sonorités opposées - V. Pour les arpèges composés - VI. Pour les accords |
| Orchesterwerke | |||
| 1887 | Printemps | <center>Orchester | I. Très modéré - II. Modéré |
| 1889–90 | Fantaisie pour piano et orchestre | <center>Klavier und Orchester | I. Andante. Allegro - II. Lento e molto espressivo - III. Allegro molto |
| 1892–94 | Prélude à l'après-midi d'un faune | <center>Orchester | Très modéré |
| 1897–99 | Nocturnes | <center>Orchester und Frauenchöre | I. Nuages - II. Fêtes - III. Sirènes |
| 1901–11 | Rhapsodie | <center>Saxophon und Orchester | Très modéré |
| 1903–05 | La Mer | <center>Orchester | I. De l'aube à midi sur la mer - II. Jeux de vagues - III. Dialogue du vent et de la mer |
| 1904 | Danses | <center>Harfe und Streichorchester | I. Danse sacrée - II. Danse profane |
| 1905–12 | Images pour orchestre | <center>Orchester | I. Gigues : modéré II. Ibéria : 1. Par les rues et par les chemins 2. Les parfums de la nuit 3. Le matin d'un jour de fête III. Rondes de printemps : Modérément animé |
| 1909–10 | Première Rhapsodie | <center>Klarinette und Orchester | Rêveusement lent |
| Kammermusik | |||
| 1882 | Nocturne et scherzo | <center>Violoncello und Klavier | I. Nocturne - II. Scherzo |
| 1893 | Streichquartett in g-Moll | <center>zwei Violinen, Viola und Violoncello | I. Animé et très décidé - II. Assez vif et bien rythmé - III. Andantino modérément expressif IV. Très modéré - très animé |
| 1909–10 | Première Rhapsodie | <center>Klarinette und Klavier | Rêveusement lent |
| 1910 | Petite pièce | <center> Klarinette und Klavier | I. Allegro - II. Très vif - III. Lent - IV. Vif, avec entrain |
| 1913 | Syrinx | <center>Flöte | Très modéré |
| 1915 | Sonate für Violoncello und Klavier | <center>Violoncello und Klavier | I. Prologue. Lent - II. Sérénade. Modérément animé - vivace - III. Finale. Animé - lento - vivace |
| 1915 | Sonate für Flöte, Viola und Harfe | <center>Flöte, Viola und Harfe | I. Pastorale - II. Interlude - III. Finale |
| 1916–17 | Sonate für Violine und Klavier | <center>Violine und Klavier | I. Allegro vivo - II. Intermède. Fantasque et léger - III. Finale. Très animé |
| Lied | |||
| 1884 | Apparition (Mallarmé) | <center>Gesang und Klavier | |
| 1887–89 | Cinq poèmes de Baudelaire | <center>Gesang und Klavier | Le balcon; Harmonie du soir; Le jet d'eau; Recueillement; La mort des amants |
| 1888 (1903) | Ariettes oubliées (Verlaine) | <center>Gesang und Klavier | C'est l'extase; Il pleure dans mon coeur; L'ompbre des arbres; Chevaux de bois; Green; Spleen; |
| 1891 | Les Angélus (Le Roy) | <center>Gesang und Klavier | |
| 1891 | Dans le jardin (Gravollet) | <center>Gesang und Klavier | |
| 1891? | Trois mélodies (Verlaine) | <center>Gesang und Klavier | La mer est plus belle; Le son du cor s'afflige; L'échelonnement des haies; |
| 1892 | FĂŞtes galantes I (Verlaine) | <center>Gesang und Klavier | En sourdine; Clair de lune; Fantoches; |
| 1892–93 | Proses lyriques (Debussy) | <center>Gesang und Klavier | De rêve; De Grêve; De fleurs; De soir; |
| 1892–93 | Chansons de Bilitis (Louys) | <center>Gesang und Klavier | La flûte de Pan; La chevelure; Le tombeau des Naïades; |
| 1904 | Fêtes galantes II (Verlaine) | <center>Gesang und Klavier | Les ingénus; Le Faune; Colloque sentimental; |
| 1904 | Trois chansons de France (d'Orléans, L'Hermite) | <center>Gesang und Klavier | Le temps a laissié son manteau; La grotte; Pour ce que plaisance est morte; |
| 1910 | Trois ballades de François Villon | <center>Gesang und Klavier | Ballade de Villon à s'amye; Ballade que Villon feit à la requeste de sa mère pour prier Nostre Dame; Ballade des femmes de Paris; |
| 1913 | Trois poèmes de Stéphane Mallarmeé | <center>Gesang und Klavier | Soupir; Placet futile; Eventail; |
| 1915 | Noël des enfants qui n'ont plus de maison (Debussy) | <center>Gesang und Klavier | |
| Chormusik | |||
| 1898-1908 | Trois chansons (d'Orléans) | <center>Chor a cappella | Dieu! qu'il la fait bon regarder; Quand j'ai ouy le tambourin sonner; Yver, vous n'estes qu'un villain |
| Ballettmusik | |||
| 1911–12 | Khamma | <center>Orchester | Legende in drei Szenen |
| 1912 | Jeux | <center>Orchester | Gedicht in einem Aufzug |
| 1913 | La Boîte à joujoux | <center>Orchester | Ballett für Kinder |
| Opern | |||
| 1890–92 | Rodrigue et Chimène | unvollendete Oper in drei Aufzügen nach einem Text von Catulle Mendès | |
| 1893–1902 | Pelléas et Mélisande | lyrisches Drama in fünf Aufzügen und zwölf Bildern mit Orchester nach einem Text von Maurice Maeterlinck | |
| 1908–1916 | La chute de la Maison Usher | Opernfragment, geplant als Oper in einem Aufzug nach dem Werk von Edgar Allan Poe | |
| 1911 | Le Martyre de Saint Sébastien | Bühnenmusik zu einem Mysterium in fünf Akten mit Text von Gabriele D'Annunzio | |
Eine Nummerierung der Werke wurde u.a. von Francois Lesure vorgenommen. Die Werke erhalten dabei eine Werknummer mit vorangestelltem 'L'.
Préludes, Book 2: VII. La Terrasse Des Audiences Du Clair De Lune (Datei, ?)
Préludes, Book 2: VIII. Ondine (Datei, ?)
Préludes, Book 2: XII. Feux D'Artifice, (Datei, ?)
Préludes, Book 2: VI. 'General Lavine' - Excentric. (Datei, ?)
Clair de lune (Datei, ?)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Debussy, Claude |
| ALTERNATIVNAMEN | Debussy, Achille-Claude |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Komponist |
| GEBURTSDATUM | 22. August 1862 |
| GEBURTSORT | Saint-Germain-en-Laye |
| STERBEDATUM | 25. März 1918 |
| STERBEORT | Paris |