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Claus Mattheck (* 11. November 1947 in Dresden) ist am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Professor für Schadenskunde (siehe auch Materialwissenschaft). Er entwickelte unter anderem die Visual-Tree-Assessment-Methode zur Untersuchung von Bäumen anhand ihrer äußeren Gestalt.
Inhaltsverzeichnis |
Nach dem Abitur studierte Mattheck Physik an der Technischen Universität Dresden. 1973 promovierte er in Theoretischer Physik. 1978 wurde er aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland abgeschoben, nachdem er wegen eines missglückten Fluchtversuches 1976 zwei Jahre lang inhaftiert war. 1985 erhielt er seine Habilitation im Fach Schadenskunde an der Universität Karlsruhe. Seit diesem Zeitpunkt ist er Leiter der Abteilung Biomechanik im Forschungszentrum Karlsruhe.
Mattheck arbeitet auch als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für „Mechanik und Bruchverhalten der Bäume und Phänomenologie der Holzzersetzung durch Pilze“ und für „Ermüdungsbrüche mechanischer Elemente“.
Mattheck legt besonderen Wert auf die Vermittlungsarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. In seinen mit eigenen Cartoons illustrierten Büchern vermittelt er die für Laien scheinbar uninteressante Materie auf eingängige Weise, auch für Kinder und Jugendliche verständlich.
Mattheck zählt zu den Wissenschaftlern, die es in verschiedenen Fachrichtungen zu weltweiter Anerkennung der jeweiligen Fachwelt gebracht haben. Dies ist ihm in zwei höchst unterschiedlichen Bereichen gelungen, dem Maschinenbau und der Baumpflege. Er gilt als Vorreiter der Bionik. Bereits Mitte der achtziger Jahre schaute er sich von den Bäumen ab, wie man mit minimalem Einsatz von Material ein Maximum an Stabilität erreichen kann: In der Natur gleicht der Baum erhöhte Spannungen aus, indem er an den stärker belasteten Stellen mehr Holz anlagert, also gewissermaßen spannungsoptimiert zuwächst. Dies übertrug Mattheck auf ein Computerprogramm mit dem die Industrie ihre Bauteile optimiert. Dank des Leichtbau-Prinzips der Bäume sind beispielsweise Motoraufhängungen heute um die Hälfte leichter und wesentlich stärker belastbar als früher. Errechnet wird die Formoptimierung mit Hilfe von Hochleistungscomputern mit der so genannten Finite-Elemente-Methode, einem mathematischen Verfahren.
Mit dem Buch Warum alles kaputt geht - Form und Versagen in Natur und Technik wurde erstmals eine gesprochene, weitgehend formelfreie Schadenskunde vorgestellt. Der eigentliche Durchbruch in Richtung Einfachheit war 2005 die Entwicklung der „Zugdreiecksmethode“ zur Kerbformoptimierung. Ein einfaches Geodreieck ist nun genug, um Bauteile nach dem Vorbild der Natur zu optimieren. Dies kann in Richtung Dauerfestigkeit gehen, aber auch in Richtung Leichtbau. Da mit der „Methode der Zugdreiecke“ immer dieselbe optimale Kerbkontur sich ergibt, die nur gestaltähnlich vergrößert oder verkleinert werden muss, kann man in noch eher unbekannten Grenzen von einer „Universalkerbkontur“ reden. Sie wird in die CAD-Systeme eingehen. Die Folge wäre eine Optimierung per Mausklick.
Das neue Buch Denkwerkzeuge nach der Natur zeigt wie in der Natur mit 45-Grad-Winkeln in Laubblättern, Vogelfedern, Ästen, Zweigen, Baumgabeln Säuger- und Fischknochen Schubspannungen "entschärft" werden und welche Denkwerkzeuge sich hieraus entwickeln ließen. Mit den Denkwerkzeugen der Zugdreiecke, Schubvierecke und Kraftkegelmethode gibt Mattheck Anleitung zum verstehenden Sehen in Natur und Technik. Einerseits ergibt sich hieraus eine Art "Volksmechanik" ohne Formeln von beinahe universeller Reichweite und Einstieg in eine geometrische Naturwissenschaft, andererseits finden sich für Konstrukteure viele Ansätze zum Finden des optimalen Designs für viele Konstruktionsprobleme.
Die Bücher Warum alles kaputt geht und Denkwerkzeuge nach der Natur sind der Grundstein für eine gesprochene, weitgehend formelfreie Volksmechanik zur Schadenskunde und Schadensprävention.
Neben seiner Profession hat Mattheck 2009 ein Buch über menschliche Körpersprache veröffentlicht - „Bewegungsspuren“. Er zeigt in diesem Parallelen zwischen der Contenance des Menschen und dem negativen Geotropismus der Pflanzen auf.
Die von Mattheck entwickelte Methode zur Untersuchung der mechanischen Belastbarkeit eines Baumes Visual-Tree-Assessment (VTA) hat sich auch in der Rechtsprechung als (insbesondere zur Erfüllung der Verkehrssicherungspflicht) anerkannter Standard etabliert. [1]
Mattheck veröffentlichte 12 Bücher und ist Inhaber von etwa 13 Patenten.
Im Jahr 2003 erhielt Mattheck den Deutschen Umweltpreis für sein bisheriges wissenschaftliches Lebenswerk.[2]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mattheck, Claus |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Materialforscher und Sachverständiger |
| GEBURTSDATUM | 11. November 1947 |
| GEBURTSORT | Dresden |