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Der Begriff Coaching stammt vom englischen 'to coach' (betreuen, trainieren) und bezeichnet den Prozess der Entwicklung von Fertigkeiten (Skills) im Sport und im Beruf. In der heutigen Bedeutung umfasst er eine oft längerfristige Beratung bei der Entwicklung und Umsetzung von persönlichen Zielen und Perspektiven einschließlich Unterstützung zur eigenständigen Bewältigung von Veränderungen. Damit können Selbstmanagement und Umsetzungskompetenzen gefördert werden. Coaching gilt auch als wichtige Führungskompetenz zur Entwicklung der Leistungsfähigkeit und Motivation von Mitarbeitern. Der Begriff Coach ist nicht geschützt, und es gibt auch keine staatlich anerkannte Ausbildung für diese Tätigkeit. Das gilt sowohl für betriebsinterne als auch für externe Berater.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Obwohl die Psychotherapie in den letzten beiden Jahrzehnten aus der Ecke der Glaubenssysteme und Konfessionen herausgetreten ist und sich zunehmend zu einer wissenschaftlich begründeten Heilbehandlung entwickelt hat, gibt es noch keine allgemein anerkannte, Erfolg versprechende Methode oder Theorie (siehe auch Psychotherapieforschung). Dennoch lassen sich einige Prinzipien identifizieren, die eine Wirkung im Sinne eines Behandlungserfolges aufweisen und somit auch im Coaching einen Nutzen versprechen.[2] Diese so genannten Wirkfaktoren sind[3]:
Die Abgrenzung zwischen Psychotherapie und Coaching beschreiben Maja Storch und Frank Krause wie folgt: „Diejenigen Fachpersonen, die ZRM (Zürcher Ressourcen Modell, d. V.) im Beratungssetting oder im Coaching anwenden möchten, bitten wir, diese Begriffe mental zu ersetzen. Statt 'Psychotherapie' kann man 'Beratung', 'Training' oder 'Coaching' denken, statt 'Patient' empfiehlt sich 'Klient'.“[4]
Dagegen unterscheidet Rolf Winiarski zwischen Beratungs- und Therapieklientel. Im Falle der Beratung sind Leidensdruck, Motivation für längerfristige Veränderungen und das Problembewusstsein der Klienten deutlich geringer. Für die Psychotherapie ist hingegen eine gezielte Veränderungsarbeit an emotionalen Problemreaktionen mit 10 bis 60 Stunden, also eine langfristige therapeutische Beziehung charakteristisch.[5]
Sowohl in der Psychotherapie als auch beim Coaching ist für den Behandlungserfolg das persönliche Verhältnis zwischen Berater und Klient besonders wichtig.[6] Es sollte den Prinzipien des Vertrauens, der Wertschätzung, Authentizität, Empathie, Fürsorge, und des Interesses getragen sein. Außerdem sind Komplimente sehr wichtig.[7] Das hat zur Folge, dass Patienten ihren Berater oder Therapeuten als Menschen (und damit auch die Therapie) als sehr positiv einschätzen. In der Regel kommen sie in die Beratung, wenn der Höhepunkt ihrer Probleme bereits erreicht ist (eine Besserung also ohnehin eingetreten wäre). Ferner glauben sie, die Therapie (durch einen Experten) habe zur Besserung beigetragen zumal sie sehr teuer war (Placebo-effekt). Aus diesen Gründen ist es fraglich, ob ein Coaching überhaupt eine Wirkung hat, die über ein intensives Gespräch mit guten Freunden oder Personen des Vertrauens mit gesundem Menschenverstand hinausgeht.[8]
Eine Recherche der wichtigsten Datenbanken (PubMed, ScienceDirect, INGENTA, EBSCO, Perinorm) im Januar 2012 ergab, dass es keine seriösen, wissenschaftlich belastbaren Belege für die Wirksamkeit einzelner Coaching-Konzepte oder des Coaching insgesamt gibt. Damit ist der Scharlatanerie Tür und Tor geöffnet. Ein Grund: Seit dem Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes im Jahr 1999 wurden strengere Kriterien für diese Art der Beratung festgelegt. Hinzu kam die Kürzung vieler Ausbildungsprogramme in Unternehmen. Seither fungieren viele Laien und ehemalige Trainer als Coaches. Diese benötigen irgendwelche "Qualitätsnachweise" und sorgen für eine große Nachfrage nach Zertifizierungen, die von den über 20 Coaching-Verbänden in Deutschland zu Preisen um ca. 13.000 Euro angeboten werden (in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien gibt es nur einen oder zwei solcher Verbände).[9] Die Situation scheint in den USA nicht grundsätzlich anders zu sein.[10] Dennoch findet man einzelne positive Beispiele, deren Übertragbarkeit auf andere Fälle allerdings sorgfältig zu prüfen ist.
Ein Beispiel aus dem medizinischen Bereich betrifft Patienten mit koronarer Herzerkrankung.[11] Ziel der Randomisierten kontrollierten Studie mit 245 Patienten war es herauszufinden, ob das Coaching von Patienten geeignet ist, ein bestimmtes Cholesterin-Niveau zu erreichen. Ergebnis: Das Coaching hat dazu beigetragen, die Lücke zwischen der empfohlenen und der tatsächlichen Therapie (‚treatment gap‘) zu schließen. Dazu die Autoren: The effectivenes of the coaching intervention is best explained by both adherence to drug therapy and to dietary advice given.“[12] Mit dem Coaching wurden die Patienten trainiert, mehr Eigenverantwortung für die Umsetzung der Therapieziele zu übernehmen. Der Coach war ein Experte für die Behandlung von Patienten mit koronarer Herzerkrankung. Das Coaching erfolgte telefonisch. Dabei wurde von den Patienten erwartet, dass sie ihre Cholesterinwerte kennen und regelmäßig einen Soll-Ist-Vergleich durchführen. Ferner wurde überprüft, ob sie die Einflussfaktoren auf ihre Cholesterinwerte kennen und wissen, wann sie ihren Arzt konsultieren sollen.[13] Aus diesem Fall leiten die Autoren einen Coaching-Zyklus ab. Dieser besteht aus fünf Schritten.[14]
Fazit: Mit diesem Coaching-Ansatz wird die Willenskraft der Klienten trainiert, wie auch in einem anderen Beispiel aus der Schmerztherapie.[15]
In der Führungskräfteentwicklung gilt das Coaching als eine Führungskompetenz mit dem primären Ziel, die Leistungsfähigkeit und Motivation der Mitarbeiter zu steigern und einen Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten. Es hat einen anderen Schwerpunkt als traditionelles Management. Einen Vergleich beider Ansätze zeigt die nachfolgende Übersicht:[16]
Für die Einschätzung der Wirksamkeit gibt es quantitative und qualitative Ansätze. Ein quantitatives Beispiel ist die Berechnung einer Coaching-Rendite (ROI) durch Dianna and Merryl Anderson. Dabei haben die Autoren eine Kosten-Nutzen-Rechnung durchgeführt und einen ROI von 51 Prozent ermittelt (ohne Berücksichtigung des immateriellen Nutzens wie zum Beispiel größere Kundenzufriedenheit, geringere Fehlerquote etc.)[17]
Bei qualitativen Ansätzen geht es vor allem um die Evaluierung des Verhaltens von Führungskräften. Als Kriterium für den Führungserfolg kann man zum einen die Zielerreichung (wirtschaftliche Ziele) und zum anderen Verhaltensbeschreibungen heranziehen, die in unternehmensinternen Kompetenzmodellen beschrieben sind (Verhaltensziele). Die Beurteilung erfolgt meist in einem 360-Grad-Feedback vor und nach einer Coaching-Maßnahme. Dadurch, dass die zu beurteilende Person in einem solchen Feedback-Verfahren eine Beurteilung von eigenen Vorgesetzten, Mitarbeitern, Kollegen sowie von internen oder externen Kunden bekommt, ist eine größere Objektivität gegeben als beim traditionellen Feedback.[18]
Statt eines unternehmensinternen Kompetenzmodells wird häufig als Maßstab für erfolgreiches Führungsverhalten ein validiertes Führungsmodell herangezogen, das sich in der Praxis bewährt hat. Ein Beispiel ist das weit verbreitete Konzept der Transformationalen Führung.[19]
An die Person des Coaches werden im Management besondere Anforderungen gestellt. Um als Gesprächspartner ernst genommen zu werden, sollte er die Vorbildfunktion erfüllen können über fundierte Praxiserfahrungen insbesondere bei seinen Führungs- und Managementkompetenzen verfügen. Diese Erfahrungen sind notwendig für die Besonderheiten des Coaching-Prozesses im Management:
Damit verschiebt sich die Priorität beim Führungskräfte-Coaching von der Form (Gesprächstechnik) auf den Inhalt (Bewältigung unternehmerischer Herausforderungen und Probleme).[20]
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Der Begriff Coaching wird in vielen Bereichen verwendet. Dazu gehören unter anderem Schauspiel, Management, Vertrieb, Sport, das Gesundheitswesen oder der private Bereich.
Qualität im Coaching
Für die Bewertung der Qualität von Coaching-Maßnahmen gibt es weder gesetzliche noch wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse oder Regelungen. Verschiedene meist kommerziell ausgerichtete Verbände bieten Zertifizierungen und Ausbildungskurse an. Zur Qualität gibt es keine seriösen Untersuchungen (abgesehen von einzelnen Fallbeispielen).
Vergleichbare Beratungsformen
Manche Autoren sehen im Coaching eine Art Supervision. Für andere grenzt sich Coaching von anderen Formen der Beratung wie Training, Mediation oder Consulting ab. Auch hierzu gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Die Abgrenzung zwischen Coaching und Psychotherapie wurde oben (im ersten Abschnitt) behandelt.