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Colin Powell

Colin L. Powell (2001)

Colin Luther Powell (* 5. April 1937 in New York) ist ein ehemaliger General der US Army und Politiker. Von 1987 bis 1989 war er Nationaler Sicherheitsberater und anschließend von 1989 bis 1993 Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff. Nach seiner Pensionierung ging er in die Politik und war in der ersten Amtszeit von US-PrĂ€sident George W. Bush (2001–2005) Außenminister.

Inhaltsverzeichnis

Jugend

Colin Powell ist das jĂŒngere von zwei Kindern von Maud Ariel McKoy und Luther Powell, einem Immigrantenpaar aus Jamaika. Sein Vater war Lagerarbeiter, seine Mutter war NĂ€herin in einer Textilfabrik. Er wuchs in New York im afroamerikanisch dominierten Stadtviertel, der Bronx, auf. Powell besuchte öffentliche Schulen und studierte an der City University in New York Geologie. Danach meldete er sich zum Reserve Officer Training Corps und absolvierte als Soldat den Masterstudiengang in Betriebswirtschaftslehre an der George Washington University.

MilitÀrische Laufbahn

Colin Powell als Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff (1989)

Seine Ausbildung zum Offizier schloss er 1958 ab und wurde First Lieutenant bei der US Army. 1962 heiratete er Alma V. Johnson. Das Paar hat drei Kinder. ZunĂ€chst bei der 3. US-Panzerdivision in Westdeutschland[1], wurde er 1962/63 im Vietnamkrieg eingesetzt und dabei verwundet. 1963 bekam er die Auszeichnung Purple Heart. 1968 kehrte er nach Vietnam zurĂŒck und befehligte als stellvertretender Kommandeur ein Bataillon der Infanterie.

1972 wurde er nach Washington versetzt. Ab 1977 arbeitete er im BĂŒro des Verteidigungsministers. Von 1979 bis 1981 diente er als Senior Military Assistant von US-Verteidigungsminister Harold Brown und von 1983 bis 1986 war er als MilitĂ€rberater fĂŒr das Verteidigungsministerium unter Caspar Weinberger tĂ€tig. 1986 wurde Colin Powell zum Lieutenant General befördert. Er bekam das Kommando ĂŒber das V. US-Armeekorps in der Bundesrepublik Deutschland. Diese Funktion hatte er bis 1987 inne. Im Januar 1987 wurde er als erster schwarzer US-Amerikaner zunĂ€chst stellvertretender US-Sicherheitsberater des Weißen Hauses. Nachdem der bisherige Nationale Sicherheitsberater Frank Carlucci zum Verteidigungsminister ernannt wurde, bestimmte US-PrĂ€sident Ronald Reagan am 5. November 1987 Powell zu dessen Nachfolger.

In diesem Amt wirkte er an den AbrĂŒstungsverhandlungen mit der Sowjetunion mit. In dieser Zeit wurde er auch zum General befördert. Anfang 1989 ĂŒbernahm er unter PrĂ€sident George Bush sen. das Kommando ĂŒber die gesamten LandstreitkrĂ€fte der Vereinigten Staaten. Im August 1989 wurde er vom PrĂ€sidenten zum Vorsitzenden des Generalstabs (Joint Chiefs of Staff) berufen. Colin Powell war nicht nur der erste Afroamerikaner in dieser Position, sondern auch der erste CJCS, der das Reserve Officer Training Corps durchlaufen hatte. Im gleichen Jahr unterstĂŒtzte er die US-Invasion in Panama und beteiligte sich 1990 an den Vorbereitungen zum Golfkrieg (Desert Storm). 1993 zog er sich ins Privatleben zurĂŒck.

1997 grĂŒndete er die Hilfsorganisation America's Promise - The Alliance for Youth fĂŒr sozialschwache Kinder in den USA.

Politische Karriere

Am 16. Dezember 2000 gab US-PrĂ€sident George W. Bush bekannt, Colin Powell zum neuen Außenminister zu ernennen; seine Berufung erfolgte dann im Januar 2001. Der als gemĂ€ĂŸigt geltende Powell wurde im Kabinett der Bush-Regierung als Gegenspieler des Verteidigungsministers Rumsfeld gesehen. Im Sommer 2002 kam es zu offenen Differenzen in der Irak-Frage. Letztlich unterstĂŒtzte Powell jedoch den US-amerikanischen Angriff auf den Irak im MĂ€rz 2003. Am 5. Februar 2003 folgte Powells denkwĂŒrdiger Auftritt[2] vor dem Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen. Powell plĂ€dierte fĂŒr den Sturz Saddam Husseins, da dieser im Besitz von Massenvernichtungswaffen sei. Im September 2005 bedauerte Powell in einem ABC-Fernsehinterview diese Rede, in der er den Weltsicherheitsrat mit spĂ€ter als falsch erkannten Tatsachenbehauptungen von der Notwendigkeit des Irak-Kriegs zu ĂŒberzeugen suchte und bezeichnet sie als einen „Schandfleck“ in seiner Karriere.[3]

Colin Powell bei der Verleihung des Ellis Island Family Heritage Awards

Auch bezĂŒglich der Nachkriegsordnung des Irak gab es massive Differenzen zwischen dem US-State Department unter Colin Powell und dem Pentagon unter Donald Rumsfeld. Colin Powell verkĂŒndete, sich nach der ersten Amtszeit von US-PrĂ€sident George W. Bush aus dem politischen Leben zurĂŒckzuziehen und als Außenminister fĂŒr eine zweite Amtszeit nicht mehr zur VerfĂŒgung zu stehen. Dies wurde als Indiz fĂŒr einen Machtzuwachs seines Hauptkontrahenten Donald Rumsfeld und eine StĂ€rkung der Hardliner in der US-Regierung gewertet.

Am 15. November 2004, knapp zwei Wochen nach den US-PrĂ€sidentschaftswahlen 2004, reichte Colin Powell tatsĂ€chlich seinen RĂŒcktritt vom Posten des Außenministers ein. Regierungen in aller Welt bedauerten Powells RĂŒcktritt, da dieser als moderate Figur innerhalb der Bush-Regierung galt. Sein Amt ĂŒbernahm am 28. Januar 2005 die bisherige Beraterin fĂŒr nationale Sicherheit Condoleezza Rice.

Karriere nach dem Staatsdienst

Im Juli 2005 stieg Powell als Partner bei der kalifornischen Beteiligungsgesellschaft KPCB ein, einer der bekanntesten Risikokapital-Firmen, die beispielsweise den Aufstieg der Internetfirmen Google und Amazon.com mitfinanziert hatte.

Am 19. Oktober 2008 erklĂ€rte Powell in der Fernsehsendung „Meet the Press“, dass er im PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2008 den Demokraten Barack Obama unterstĂŒtzen werde. Er kritisierte bei dieser Gelegenheit auch den Rechtsruck der Republikanischen Partei unter ihrem Kandidaten John McCain.[4]

Ehrungen

1991 erhielt er die Goldene Ehrenmedaille des Kongresses und am 30. September 1993 erhielt Powell die Freiheitsmedaille („The Presidential Medal of Freedom“), die höchste zivile Auszeichnung in den USA.

Schriften

Literatur

  • Richard Steins: Colin Powell: A biography. Greenwood Press, Westport, Conn. [u.a.] 2003, ISBN 0-313-32266-X
  • Oren Harari: The leadership secrets of Colin Powell. McGraw-Hill, New York [u.a.] 2002, ISBN 0-07-138859-1
  • Alice K. Flanagan: Colin Powell: U.S. general and Secretary of State. Ferguson Pub, Chicago 2001, ISBN 0-89434-372-6
  • Judith Cummings, Stefan Rudnicki: Colin Powell and the American dream. Dove Books, Beverly Hills, Calif. 1995, ISBN 0-7871-0936-3
  • David Roth: Sacred honour: A biography of Colin Powell. Zondervan [u.a.], Grand Rapids, Mich. 1993, ISBN 0-310-60480-X
  • Carl Senna: Colin Powell. A man of war and peace. Walker, New York 1992, ISBN 0-8027-8180-2
  • Howard Means: Colin Powell: Soldier, statesman - statesman, soldier. Fine, New York 1992, ISBN 1-55611-335-8
  • Clarence Lusane: Colin Powell and Condoleezza Rice: Foreign policy, race and the new American century. Praeger, Westport, Conn. [u.a.] 2006, ISBN 0-275-98309-9

Weblinks

 Commons: Colin Powell â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Colin Powell - Gelnhausen 1958-60
  2. ↑ Secretary Colin L. Powell: Remarks to the United Nations Security Council, New York City, 5. Februar 2003 (via Internet Archive)
  3. ↑ Powell: „Schandfleck meiner Karriere“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. September 2005
  4. ↑ Powell unterstĂŒtzt Obama, FinanzNachrichten.de, 19. Oktober 2008
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