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Der Commodore Amiga (spanisch amiga: âFreundinâ) war ein von Mitte der 1980er bis Anfang/Mitte der 1990er weit verbreiteter Computer, der besonders in seinen Einsteigermodellen (A500 und A1200) als Heimcomputer beliebt war. FĂŒr seine Zeit hatte er ausgeprĂ€gte MultimediafĂ€higkeiten und ein leistungsfĂ€higes, prĂ€emptives Multitasking-Betriebssystem. In der Commodore-Zeit arbeitete er durchgĂ€ngig mit Prozessoren der Motorola 68000er-Familie.
Inhaltsverzeichnis |
Jay Miner war der Schöpfer und geistige Vater des Amiga. Er stieg 1981 bei Atari aus, dort war er u. a. fĂŒr die Entwicklung der Spielkonsole Atari 2600 und der Heimcomputer Atari 400 und 800 zustĂ€ndig gewesen. Danach grĂŒndete er das Unternehmen Hi Toro, das etwas spĂ€ter zur Amiga Corporation wurde. Anfangs lieferte Amiga Spielmodule und Controller fĂŒr die Atari-2600-Konsole, etwas spĂ€ter wurde eine eigene Amiga-Spielkonsole geplant. Aus der Spielkonsole wurde in den Köpfen der Entwickler ein Computer.
Atari (damals unter FĂŒhrung von Raymond Kassar, Warner Communications) war per Vereinbarung vom Juli 1983 Geldgeber und wollte den Amiga als Nachfolger der mittlerweile veralteten XL-Computer-Serie auf den Markt bringen. Mit dem Börsenskandal vom Dezember 1982 im Nacken musste Kassar noch im Juli 1983 zurĂŒcktreten. Der neue CEO Morgan verfolgte weiter das Ziel, das Projekt âLorraineâ, wie der Amiga intern genannt wurde, als Nachfolger des XL zur Marktreife zu bringen.
Am 2. Juli 1984 verkaufte Warner Communications die Konsolen- und Computerabteilung von Atari an Jack Tramiel, den zu diesem Zeitpunkt bereits entlassenen GrĂŒnder von Commodore. Tramiel versuchte Amiga endgĂŒltig zu kaufen und bot den AktionĂ€ren 0,98 $ pro Aktie. Commodore (unter Irving Gould) bot kurz vor Ende der 24-Stunden-Frist schlussendlich 4,25 US-Dollar pro Aktie und bekam den Zuschlag, wonach Commodore die Entwicklungsrichtung des Amigas immer stĂ€rker beeinflusste â nach Ansicht von Kritikern nicht immer im Geiste der Erfinder oder zum Vorteil des Amiga. Commodore hat sich an dieser Ăbernahme und der folgenden ProdukteinfĂŒhrung beinahe ĂŒberhoben und geriet in eine ernste finanzielle Krise.
Das erste Amiga-Modell â spĂ€ter Amiga 1000 genannt â wurde am 23. Juli 1985 in New York im Rahmen einer groĂen Show mit den Gaststars Andy Warhol und Deborah Harry (âBlondieâ) vorgestellt. Die Entwickler demonstrierten die besonderen Eigenschaften, die den Amiga von den zeitgenössischen Konkurrenten IBM-PC, Mac und Atari ST abhoben:
Nach Ansicht des ehemaligen Amiga-Entwicklers Dave Haynie war der Amiga der bedeutendste Einfluss von Commodore auf die Entwicklung der Personal Computer.[1] Der Amiga fĂŒhrte demnach in den 1980er Jahren folgende Innovationen ein, die die PCs der 1970er in die 1990er Jahre brachten:
In Deutschland fand eine Àhnliche Veranstaltung am 21. Mai 1986 in der Alten Oper in Frankfurt am Main statt, die von Frank Elstner moderiert wurde.
Als ein Kaufargument wurde die potenzielle IBM-PC-KompatibilitĂ€t herausgestellt, zunĂ€chst in Form einer Software-Emulation namens Transformer, spĂ€ter dann ĂŒber das Sidecar (entwickelt von der Braunschweiger Commodore-Entwicklungsabteilung), die parallel zum Betrieb des Amiga-Betriebssystems auch die Benutzung von MS-DOS ermöglichte (im Sidecar auf einer eigens dafĂŒr vorgesehenen 8088-CPU).
Die direkten Konkurrenten des Amiga waren zunÀchst der Atari ST und (in den USA) der Apple IIgs, wenig spÀter auch die farbfÀhigen Macintosh-Modelle von Apple.
WĂ€hrend der A1000 noch eine teure und vom Anwendungsgebiet her unklare (und damit schwer verkĂ€ufliche) Mischung aus Heim- und BerufsgerĂ€t war, wurden 1987 die Modelle Amiga 500 und Amiga 2000 eingefĂŒhrt. Ersterer sollte eine Art Nachfolger des legendĂ€ren Heimcomputers C64 werden, letzterer glich den professionellen PCs. Der Amiga 500 wurde der nach verkauften Einheiten erfolgreichste Amiga und galt in der sich schnell entwickelnden Szene als Kult und Computer fĂŒr Millionen.
Ab A2000 und A500 boten die Amiga-Modelle dem IBM-PC-Standard entsprechende parallele und serielle Schnittstellen an; beim A1000 hingegen waren die Pinbelegung sowie das âGeschlechtâ der jeweiligen Buchse anders.
FĂŒr professionelle Anwender wurde 1988 auch ein Rechner namens Amiga 2500/UX angeboten, auf dem parallel ein UNIX-Betriebssystem (AMIX) verfĂŒgbar war. Technisch gesehen waren die Amiga-2500-Modelle mit dem normalen Amiga 2000 nahezu identisch, aber durch den Einbau eines zusĂ€tzlichen Prozessorboards (mit einer 68020- bzw. 68030-CPU) waren sie deutlich leistungsfĂ€higer.
Als Bindeglied zwischen Amiga und der IBM-PC-Welt besaĂ der Amiga 2000 sowohl die Amiga-eigenen Zorro-2-Slots als auch IBM-PC-typische ISA-SteckplĂ€tze. Diese konnten mit einem Bridgeboard (BrĂŒckenkarte bzw. PC-Emulator, dem Nachfolger des Sidecar) aktiviert werden. Damit besaĂ man dann einen vollwertigen IBM-PC im Amiga, auf den man von Amiga-Seite her zugreifen konnte.
Dem Amiga 2000 folgte 1990 der Amiga 3000 in einer Desktop- und Tower-Variante (Amiga 3000T), die zum ersten Mal ein neues Betriebssystem in einem modernen 3D-Look mit sich brachten. Das erstmals mit dem A3000 ausgelieferte Betriebssystem AmigaOS 2.0 wies zahlreiche Neuerungen und Optimierungen auf, die noch heute in modernen Betriebssystemen wiederzufinden sind. Auch der Amiga 3000 wurde â nicht zuletzt dank des fortschrittlichen Betriebssystems â ein Erfolg. Er ist heute vergleichsweise selten und Liebhaber zahlen dafĂŒr deutlich höhere Preise als beispielsweise fĂŒr seinen Nachfolger, den Amiga 4000.
Mit dem Amiga 500 Plus und dem Amiga 600 wurden 1991 fĂŒr den Amiga 500 gleich zwei technisch fast identische Nachfolger geschaffen, die kommerziell erfolglos waren und 1992 durch den technisch stark verbesserten Amiga 1200 abgelöst wurden.
Der Amiga 1200 wurde als kostengĂŒnstige Variante seines groĂen Bruders, des Amiga 4000 (sowie Tower-Variante Amiga 4000T) eingefĂŒhrt. Dieser seinerseits kam als Nachfolger des Amiga 3000 auf den Markt. Die wesentliche Gemeinsamkeit zwischen Amiga 1200 und Amiga 4000 besteht in der Verwendung der gleichen Kickstart-Version, der gleichen Workbench und des AA-Grafikchipsatzes (s. u.). Ansonsten ist der Amiga 4000 dem A1200 technisch ĂŒberlegen, weil er ĂŒber einen 32 Bit breiten Adressbus verfĂŒgte (im Gegensatz zu den 24 Bit des Amiga 1200), durch die Zorro-SteckplĂ€tze erweiterungsfĂ€hig war und in der Regel den leistungsfĂ€higeren Prozessor MC68040, in preiswerteren Versionen immerhin noch einen MC68EC030 verwendete.
Commodore versuchte bereits Anfang der 1990er-Jahre, mit dem CDTV (einem Amiga im Design eines CD-Spielers mit der vereinigten FunktionalitĂ€t beider) den Amiga als Multimedia-Plattform zu positionieren und in die Wohnzimmer zu bringen. Zu dieser Zeit entstand auch das Autorensystem AmigaVision. Kurz vor dem Niedergang Commodores folgte 1993 dann das CDÂłÂČ, dem trotz aufwendiger Fernsehwerbung der groĂe Durchbruch versagt blieb, weil Commodore nicht die georderten Mengen produzieren und ausliefern konnte. Das CDÂłÂČ basiert auf der Amiga-1200-Hardware, die um ein CD-ROM-Laufwerk sowie einen Customchip (Akiko) erweitert wurde. Tastatur, Floppy und Festplatte lieĂen sich optional nachrĂŒsten.
Die Modelle Amiga 500/600/1200 waren die kostengĂŒnstigen Varianten der groĂen Amiga-Desktop-Modelle (Amiga 2000/4000). Tastatur, Floppy (Diskettenlaufwerk), Erweiterungsschnittstellen und die Hauptplatine bilden eine Einheit. Beim A600 und A1200 ist unter anderem auch noch Platz fĂŒr eine 2,5âł-ATA-Festplatte. Im A1200 lĂ€sst sich mit ein wenig technischem Geschick und einem passenden Adapterkabel auch eine 3,5âł-Platte einbauen. Zudem gab es auch fĂŒr den Amiga 500 sogenannte Turbokarten, diese enthielten einen 32-Bit-Prozessor wie 68020, 68030, 68040 und auch teilweise eine FPU. Da keine speziellen Slots fĂŒr solche Karten vorhanden waren, wurde der Prozessor entfernt und an dessen Stelle die Erweiterungskarte gesteckt. Eine einfache Möglichkeit, den A500/A2000 etwas schneller zu machen, war der Austausch des 68000 gegen einen 68010. Dieser ist pinkompatibel zum 68000, aber optimiert in den Taktzyklen, und er verfĂŒgte schon ĂŒber einen 6-Byte-Cache.
Die Modelle Amiga 2000/3000/4000 sind erweiterbare Systeme, in denen zusĂ€tzliche Laufwerke und Erweiterungskarten integriert werden können. Die Modelle 3000 und 4000 wurden auch als Tower-Versionen angeboten und waren im oberen Preissegment angesiedelt â vergleichbar mit heutigen High-End-Rechnern. Auch die Tastaturrechner verfĂŒgen ĂŒber einen Expansion-Slot, in den Erweiterungskarten eingesetzt werden können.
Die Amiga 3000/4000 wurden mit verschiedenen Prozessoren angeboten. Die Palette reicht vom 68020 bis hin zum 68040. Es gab sogar eine Sonderanfertigung des Amiga 4000 mit einem 68060-Prozessor, die durch die Insolvenz von Amiga Technologies nur kurzzeitig in den USA ausgeliefert wurde. Dieses Modell war allerdings nur ein gewöhnlicher Amiga 4000T, der durch eine QuikPak 4060 erweitert worden war.
Zum Anschluss von Festplatten verfĂŒgen A2500, 3000(T) und A4000T ĂŒber eine interne SCSI-Schnittstelle, Amiga 600, 1200 und 4000 besitzen dagegen einen ATA-Controller. FĂŒr die restlichen Modelle waren Festplattencontroller als Erweiterung erhĂ€ltlich â am populĂ€rsten war SCSI, in der Anfangszeit wurde teilweise auch ST506 verwendet. Ein Grund fĂŒr den Einsatz des teuren SCSI-Standards ist die geringe Belastung des Prozessors bei den LadevorgĂ€ngen.
FĂŒr praktisch alle Amiga-Modelle gab es in Form sogenannter Turbokarten Steckkarten mit schnelleren oder ganz abweichenden Prozessorvarianten. Dazu wurde bei den frĂŒhen GerĂ€ten der 68000-Chip entfernt und durch eine Prozessorkarte ersetzt. Diese enthielt dann entweder einen 68020- oder eine 68030-Prozessor und oft auch entsprechendes RAM (32 Bit Datenbusbreite). SpĂ€tere Modelle hatten einen dafĂŒr vorbereiteten CPU-Slot. Zuletzt wurden Varianten angeboten, die auch PowerPC-Prozessoren enthielten.
FĂŒr den Erweiterungsport des Amiga 500/500+ brachte Commodore das externe CD-ROM-Laufwerk A570 heraus. Im Grunde handelte es sich dabei um die zusĂ€tzliche Komponente, die das Commodore CDTV vom Amiga 500 unterschied. So konnte das A570 die speziellen CDTV-DatentrĂ€ger wiedergeben und bot dieselbe CD-Player-OberflĂ€che. Mangels einer direkten Anbindung an den Soundprozessor des Amiga 500 besaĂ das A570 eigene AudioausgĂ€nge. Bei dem CD-Laufwerk handelte es sich um ein Single-Speed-GerĂ€t. ZusĂ€tzlich bot das A570 den vom CDTV bekannten SCSI-Steckplatz sowie einen Steckplatz fĂŒr Speichererweiterungen bis 2 MB.
FĂŒr die ersten Amiga-Modelle mit Original Chip Set (s. u.) wurde speziell der Monitor A2024 herausgebracht, der die professionelle Anwendung der Rechner im BĂŒro ermöglichen sollte. Dazu stellte er mit erheblichem Hardwareaufwand eine wesentlich höhere Bildauflösung zur VerfĂŒgung â auf Kosten von Farbanzahl und Darstellungsgeschwindigkeit.
Besonders in den frĂŒhen Amiga-Produkten verewigten sich die Entwickler mehr oder weniger offen auĂerhalb des offiziellen Rahmens. Bekannt war die sogenannte Guru Meditation. Diese bezeichnet den Zustand eines durch das Amiga-Betriebssystem abgefangenen schweren Programmfehlers. Sie ist vergleichbar mit dem âBlue Screen Of Deathâ der auf Windows NT basierenden Systeme oder mit dem âBomben-Bus-Errorâ des Atari ST. ZusĂ€tzlich zu diesem konnte man aber mittels eines Rechtsklicks der Maus einen internen Debugger aufrufen und den Amiga-Speicher ĂŒber einen weiteren Computer, der an der seriellen Schnittstelle angeschlossen wurde, durchsehen und so genau feststellen, was den Fehler verursacht hatte. Auch wenn diese Fehlermeldung spĂ€ter durch ein nĂŒchternes âSoftware Failureâ ersetzt wurde, hielt sich die Bezeichnung umgangssprachlich. NatĂŒrlich gibt es auch mittels diverser Aktionen abrufbare Easter Eggs und nur mit einem Speichermonitor finden sich eine Reihe versteckter Botschaften im Betriebssystem-ROM.
Wichtige Bauteile bekamen eigene Namen: Zorro, Big/Fat Agnus, Denise und Paula sind einige davon. Die Innenseite des Amiga-1000-Deckels zieren in den Kunststoff gegossene Unterschriften der Entwickler sowie ein Pfotenabdruck des Hundes Mitchy von Jay Miner. Ebenso findet sich auf der Platine des Amiga 500 der Schriftzug âB52/ROCK LOBSTERâ eingeĂ€tzt, was eine Hommage an einen Song der Band The B-52's darstellt.
Auch bei der Betriebssystemsoftware zeigten die Entwickler Humor. Bearbeitete man mit dem Programm Diskdoctor eine Diskette und konnten nur Teile wiederhergestellt werden, so bekam diese Diskette den Namen Lazarus.
Gerade diese persönliche Note wurde von manchen Benutzern als Kaufargument gegenĂŒber den sterilen IBM-PCs angefĂŒhrt.
Sehr bekannt wurden auch Musiker, die mit dem Amiga Musik (siehe auch Chiptune) machten:
sowie KĂŒnstler, die den Amiga fĂŒr Computergrafik, Videoinstallationen und Pop Art nutzten:
AuĂerdem kam der Amiga als Requisite in Spielfilmen und Serien der 1980er Jahre zum Einsatz. Zum Beispiel sind in einigen Folgen von Miami Vice sowohl ein Amiga 1000 (ab der vierten Staffel durch einen Amiga 2000 ersetzt) als auch Bildschirmaufnahmen von der CLI-OberflĂ€che zu sehen. Ebenso wurde er in einigen Folgen der deutschsprachigen Version der SesamstraĂe eingesetzt.
Beim ersten Spielfilm der Jurassic-Park-Reihe wurden mit Amigas die schnellen VorentwĂŒrfe fĂŒr Dinosaurieranimationen erstellt, bevor diese mit gröĂeren Workstations endgĂŒltig gerendert wurden.
Zu Zeiten von Commodore wurden durchweg Prozessoren der Motorola-68000-Familie verwendet. Es begann mit dem 68000, der als 16/32-Bit-System angesehen werden kann. SpÀter kamen die weiterentwickelten Mitglieder der Familie wie 68020, 68030, 68040 und 68060 zum Einsatz, die den Amiga zum 32-Bit-System machten.
Parallel dazu wurden â zunĂ€chst auf Prozessor-Steckkarten, in der Nach-Commodore-Ăra auch als Hauptprozessor â CPUs aus der PowerPC-Familie (PPC) eingesetzt.
Wichtigstes Kennzeichen der klassischen Amiga-Hardware sind die spezialisierten Custom-Chips. Diese stellen eigenstĂ€ndige Co-Prozessoren dar, die den Hauptprozessor bei Grafikoperationen, Interruptverwaltung, Sounderzeugung und diversen Ein-/Ausgabeoperationen entlasten, wofĂŒr insgesamt 25 DMA-KanĂ€le zur VerfĂŒgung stehen. Dieser Custom-Chipsatz begrĂŒndete die seinerzeit im Vergleich zu anderen konkurrierenden Systemen als sehr fortschrittlich angesehenen Grafik- und Soundeigenschaften des Amiga.
Der Chipsatz setzt sich aus den folgenden Custom-Chips zusammen:
Anfang der 1990er-Jahre wirkte sich jedoch diese Fixierung auf den Chipsatz von Seiten des Betriebssystems zunehmend negativ auf die FlexibilitĂ€t der Architektur aus, da man lange Zeit keine Möglichkeiten hatte, leistungsfĂ€higere Erweiterungskarten wie z. B. Grafik- oder Soundkarten systemkonform zu nutzen. Das fĂŒhrte in Kombination mit der stagnierenden Weiterentwicklung des Chipsatzes dazu, dass die Architektur in zunehmendem MaĂe veraltete und bis spĂ€testens zur Mitte der 1990er-Jahre bereits technisch ĂŒberholt war.
Im Laufe der Zeit wurden drei verschiedene Versionen des Chipsatzes entwickelt: Amiga 1000, Amiga 500 und Amiga 2000 nutzen die erste Version von 1985, die spĂ€ter auch als Original Chip Set (OCS) bezeichnet wurde. Im HiRes-Modus können damit Auflösungen von 640Ă256 beziehungsweise 640Ă512 Bildpunkten im Zeilensprungverfahren (PAL) mit einer Palette von maximal 16 aus 4096 möglichen Farben dargestellt werden. Ungleich flexibler ist der LoRes-Modus mit einer Auflösung von 320Ă256 beziehungsweise 320Ă512 Bildpunkten im Zeilensprungverfahren (PAL), der nicht nur die Möglichkeit bietet, eine frei wĂ€hlbare Palette von 32 Farben zu nutzen, sondern im sogenannten HAM6-Modus auch alle 4096 Farben gleichzeitig (bei gewissen EinschrĂ€nkungen) darzustellen. ZusĂ€tzlich gibt es noch den EHB-Modus (Extra-Halfbright-Modus), der eine Palette von 64 Farben ermöglicht, wobei allerdings nur die ersten 32 frei wĂ€hlbar sind und die restlichen aus diesen mit halber Helligkeit erzeugt werden. Dieser Modus war nicht bei den ersten in den USA verkauften Amigas vorhanden. Mittels Overscan können diese Auflösungen geringfĂŒgig angepasst werden, indem die oberen und seitlichen BildschirmrĂ€nder eliminiert werden, um die FlĂ€che des Videomonitors/Fernsehers besser auszunutzen. Mit dem Soundchip Paula ist es auĂerdem möglich, vierstimmigen 8-Bit-Sound abzuspielen (zwei Stimmen pro Stereokanal), wobei Samples mit jeweils frei wĂ€hlbarer Samplingfrequenz von bis zu 28 Kilohertz (OCS) bzw. 56 Kilohertz (ECS, AGA) abgespielt werden können.
Das im Amiga 600, Amiga 500 Plus und Amiga 3000 verwendete Enhanced Chip Set (ECS) aus dem Jahr 1990 wurde marginal um einen SuperHiRes-Modus mit 1280Ă256 beziehungsweise 1280Ă512 Bildpunkten im Zeilensprungverfahren (PAL) bei maximal 4 Farben sowie um freier programmierbare Zeilenfrequenzen, die auch höhere vertikale Auflösungen ohne Zeilensprung erlaubten, und die Möglichkeit, 2 MB Chip-RAM zu adressieren, ergĂ€nzt.
Die letzte verkaufte Variante, der in der Advanced Graphics Architecture (AGA) verwendete AGA-Chipsatz aus dem Jahr 1992, kam erstmals im Amiga 4000 und spÀter im Amiga 1200 zum Einsatz. (In Deutschland musste er als AA-Chipsatz bezeichnet werden, weil es eine Namenskollision mit einer Grafikkarte aus der Anfangszeit der IBM-kompatiblen Commodore-PCs gab.) AGA erweitert die Farbtiefe von 12 Bit (4096 Farben) auf 24 Bit (16,8 Mio. Farben). Die Farbpaletten können mit AGA durchgehend 256 EintrÀge umfassen. Der HAM-Modus wurde ebenfalls erweitert, so dass mehrere hunderttausend Farben gleichzeitig dargestellt werden können. Auch bei AGA sind maximal 2 MB Chip-RAM möglich.
Der klassische Amiga unterscheidet beim Arbeitsspeicher (RAM) zwischen zwei verschiedenen Varianten: Das sogenannte Chip-Memory oder Chip-RAM, auf das der Prozessor und die Custom-Chips zugreifen können, sowie das sogenannte Fast-Memory oder Fast-RAM, das allein dem Prozessor zur VerfĂŒgung steht und daher deutlich schneller arbeitet. Das Chip-Memory entspricht in etwa dem Shared Memory, das hĂ€ufig fĂŒr Onboard-Grafikkarten in heutigen PCs und Laptops verwendet wird. Im Gegensatz zu dieser Architektur ist beim Amiga jedoch kein festgelegter Teil des Chip-RAMs als Grafikspeicher deklariert, sondern der gesamte Bereich kann je nach momentanem Bedarf fĂŒr Grafik oder generische Daten genutzt werden. Vorteil dieses Konzeptes beim Amiga ist vor allem, dass keine feste Trennung vorliegt, sondern der Prozessor auch direkt in den Speicher des Grafikchips schreiben kann.
Das Bussystem des Amiga fĂŒr Erweiterungssteckkarten ist der sogenannte Zorro-Bus mit 24-Bit- (Zorro 2) bzw. 32-Bit-Adressraum (Zorro 3). Der A500 und der A1000 haben seitlich einen 86-poligen Anschluss mit Zorro-2-Bus, der A2000 hat intern mehrere 100-polige Zorro-2-SteckplĂ€tze (mechanisch Ă€hnlich PC-Steckkarten). Der A3000 und der A4000 haben intern mehrere 100-polige SteckplĂ€tze mit Zorro-3-Bus. Die 32-Bit-Adressbreite bei Zorro3 wird durch Multiplexen einiger Signalleitungen erreicht. Durch einen Adapter kann man Zorro-2-Karten an einem Amiga 500/1000 betreiben. SelbstverstĂ€ndlich laufen auch alle Zorro-2-Karten noch am Zorro-3-Bus, da am Bus selbstĂ€ndig erkannt wird, ob es sich bei der Karte um eine Zorro-2- oder Zorro-3-Karte handelt. Mit einer PC-Emulator-Karte oder einer Bridge-Karte sind auch handelsĂŒbliche IBM-kompatible 16-Bit-ISA-Steckkarten nutzbar.
Der Amiga hat bereits ein Autokonfigurationssystem (Àhnlich dem spÀteren Plug-and-Play), das es dem Betriebssystem ermöglicht, Adressen und Interrupts den Karten variabel zuzuweisen. Daher gibt es weit weniger Konfliktpotenzial als bei den ISA-SteckplÀtzen der IBM-kompatiblen Systeme.
Neben diesen ErweiterungssteckplĂ€tzen weisen viele Amiga-Modelle auch einen CPU-Steckplatz auf, in den eine neue Prozessorkarte eingesteckt werden kann, deren Prozessor den Prozessor auf der Hauptplatine ablöst. Dadurch konnten diese Amigas auf neuere, schnellere Prozessoren aktualisiert werden, ohne einen komplett neuen Rechner kaufen zu mĂŒssen.
Eine der gĂ€ngigsten Erweiterungen fĂŒr den internen Amiga-1200-Erweiterungsbus (einen abgespeckten Zorro-3-Bus) war die Blizzard-Turbokarte mit den Prozessoren 68030 bei 50 MHz, 68040 bei 25 MHz oder 68060 bei 50 MHz.
Die gröĂeren Amiga-Modelle A2000, A3000 und A4000 weisen auĂerdem einen Video-Steckplatz auf, in den eine Grafikerweiterungskarte gesteckt werden kann. Dementsprechend sind auf ihm die eigenen Amiga-Videosignale verfĂŒgbar, um von so einer Karte weiterverarbeitet zu werden.
Eine weitere damals herausragende Möglichkeit des klassischen Amigas ist die Genlock-FĂ€higkeit. Diese ermöglicht beispielsweise (Chroma-)Keying, das Ersetzen einer bestimmen Farbe im Computerbild in Echtzeit durch ein Videobild. HauptsĂ€chlich dient es aber dazu, den ganzen Amiga auf eine externe Videoquelle zu synchronisieren, so dass deren Videosignale reibungslos gemischt bzw. ĂŒberlagert werden können. Deshalb wurde der Amiga oft zum privaten oder halbprofessionellen Videoschnitt, zur Vertitelung oder fĂŒr aufwendige Blenden benutzt. Auch professionelle Blue-Box-Anwendungen waren verfĂŒgbar. Diverse Sendeanstalten benutzten den Amiga lange zur Einblendung ihrer Logos in das laufende Programm oder als Schriftgenerator zur Einblendung z. B. von Sportergebnissen und ZwischenstĂ€nden.
SpĂ€ter wurden fĂŒr den Amiga Grafikkarten (zunĂ€chst reine Flickerfixer) angeboten, die die beim Original vorhandenen VideofĂ€higkeiten um eine flimmerfreie (sozusagen bĂŒrotaugliche) Darstellung ergĂ€nzen sollten. Zu dieser Zeit hatte allerdings der IBM-PC-kompatible Computer zusammen mit Microsoft Windows schon seinen Siegeszug in die BĂŒros der Welt angetreten.
Die wohl bekannteste Hardwareerweiterung fĂŒr den Amiga ist neben einer 512 KB groĂen Speichererweiterung fĂŒr den A500 der sogenannte Scandoubler (mit integriertem Flickerfixer). Die ersten Modelle des Amiga (1000, 500 und 2000) können ausschlieĂlich Videosignale entsprechend dem PAL- oder NTSC-Standard erzeugen, die mit einer Zeilenfrequenz von 15,625 kHz arbeiten. Höhere vertikale Auflösungen als ca. 256 Pixel sind damit nur durch Verwendung eines Zeilensprungverfahrens möglich, was zu heftigem Flimmern der Darstellung fĂŒhrt. Um dennoch VGA-Monitore ansteuern zu können, wurde der Scandoubler/Flickerfixer entwickelt, der die Zeilenfrequenz der PAL-Modi verdoppelt, die beiden in den Interlace-Auflösungen ausgegebenen Halbbilder zu einem Einzelbild zusammenfĂŒgt und sie mit der fĂŒr diese Monitore erforderlichen doppelten Zeilenfrequenz von 31 kHz ausgibt. Amiga 500 Plus, 600 und 3000 konnten durch ihren erweiterten ECS-Chipsatz von sich aus mit unterschiedlichen Zeilenfrequenzen umgehen, mĂŒssen dabei allerdings mangels Speicherbandbreite Kompromisse eingehen, was die Auswahl der darstellbaren Farben angeht. Um den Amiga 3000 auch in BĂŒroumgebungen einsetzen zu können, wurde hier ein Scandoubler/Flickerfixer bereits ab Werk eingebaut. Auch bei den neueren Modellen Amiga 1200 und 4000 war der Scandoubler/Flickerfixer eine beliebte Erweiterung. Aufgrund des nochmals erweiterten AGA-Chipsatzes waren diese Rechner zwar in der Lage, VGA-Ă€hnliche Bildschirmmodi darzustellen, aber wegen des fehlenden Flickerfixers flimmerten die Interlace-Modi stark, was ein professionelles Arbeiten praktisch unmöglich machte; und zahlreiche Spiele, die direkt auf den AGA-Chipsatz zugriffen, zwangen den Amiga in einen 15,625-kHz-PAL-Modus.
Vorrangig in den USA benutzten Filmstudios und Fernsehsender den Amiga zusammen mit einer Video Toaster genannten Hardwareerweiterung fĂŒr die tĂ€gliche Arbeit z. B. fĂŒr die Einblendung von Logos. Der Video Toaster war jedoch nur fĂŒr den NTSC-Betrieb ausgelegt und konnte aufgrund spezifischer Hardwarebesonderheiten nicht fĂŒr den PAL-Betrieb entwickelt werden.
Bekannt ist die Fernsehserie Babylon 5, deren mit einem Emmy ausgezeichneten Spezialeffekte teilweise mit Amiga-Rechnern und dem Programm Lightwave 3D ebenso wie bei der Fernsehserie SeaQuest DSV erzeugt wurden.
Die ersten Festplatten fĂŒr den Amiga waren ST506-, spĂ€ter dann SCSI- und ATA-Festplatten.
Bei schnellen Amigas können bei einigen internen ATA-Festplatten Probleme auftreten: Nach einem Reset fragt der Amiga die Hardware ab, noch bevor die Festplatte dem Rechner antworten kann, da sie noch nicht bereit ist. Daher wird die Festplatte vom System nicht erkannt. Mit einem Trick schaffen sich manche Benutzer Abhilfe: Die Resetleitung zur Festplatte wird durchtrennt. Sofern die anderen Pins dabei unversehrt bleiben, fĂŒhrt die Festplatte nach dem Einschalten selbsttĂ€tig einen Einschalt-Reset durch, nicht jedoch beim Reset beim DrĂŒcken beider Amiga-Tasten und der Ctrl-Taste. FĂŒhrt man dann nach dem Einschalten des Amigas nach kurzer Wartezeit (eine Sekunde ist ausreichend) einen Tastatur-Reset durch, wird so auch die Festplatte erkannt. Je nach Festplatte ist das Durchtrennen ĂŒberflĂŒssig, da manche Festplatten nur nach dem Einschalten lĂ€ngere Zeit fĂŒr das Einrichten ihrer Schnittstelle benötigen, nach einem Reset-Signal des Rechners jedoch schneller bereit sind.
Technisch war der Amiga vielen Computern seiner Zeit voraus. Neben den herausragenden technischen Eigenschaften (z. B. Plug and Play in Form des Auto-Config-Mechanismus), unterstĂŒtzte das Betriebssystem bereits prĂ€emptives Multitasking im priorisierten Round-Robin-Verfahren.
AmigaOS, das Betriebssystem des Amiga, ist modular aufgebaut und besitzt diverse Ăhnlichkeiten zu Konzepten, wie sie von UNIX her bekannt sind. Der Amiga besitzt dynamisch nachladbare GerĂ€te-Treiber (Suffix: .device) sowie Shared Libraries (Suffix: .library) und unterstĂŒtzt viele Konzepte moderner Betriebssysteme (Streams, Pipelining, Signals, Message-Queues usw.). Auch der von Unix und Linux her bekannte Kommandozeileninterpreter ist dem Amiga nicht fremd. Anfangs wurde er CLI (fĂŒr Command Line Interface) genannt, nach diversen Erweiterungen wurde er in die auch bei Unix ĂŒbliche Bezeichnung Shell umbenannt. Von Anfang an war AmigaOS ein 32-Bit-taugliches Betriebssystem, obwohl die anfĂ€ngliche Hardware eher als 16/32-Bit zu bezeichnen ist.
Das ganze Betriebssystem des Amiga passte zunĂ€chst auf zwei Disketten, die Kickstart- und die Workbench-Diskette. Als der Kickstart soweit stabilisiert war, dass er in ein ROM verlegt werden konnte, reichte eine einzige Diskette von 880 Kilobyte KapazitĂ€t. AmigaOS bietet eine grafische OberflĂ€che in Farbe, im Multitasking mit relativ kurzen Reaktionszeiten z. B. auf Benutzereingaben. Die fehlende Abschottung der Prozesse untereinander durch Speicherschutz ermöglicht eine schnelle Interprozesskommunikation durch einfache Ăbergabe von Zeigern, ohne Daten zu kopieren, allerdings kann dadurch jedes Programm bei einem schweren Fehler das gesamte System zum Absturz bringen. Die Geschwindigkeit des Betriebssystems wurde ĂŒber die Jahre durch diverse Verbesserungen noch gesteigert.
Das AmigaOS bietet bereits seit 1986 eine permanente, dynamische RAM-Disk, die als RAM: wie ein gewöhnliches Laufwerk ansprechbar ist. Durch die RAM-Disk können Dateioperationen enorm beschleunigt werden, da die langsamen Zugriffe auf Disketten oder Festplatten entfallen. Das AmigaOS benutzt die RAM-Disk standardmĂ€Ăig fĂŒr das temporĂ€re Verzeichnis, fĂŒr Umgebungsvariablen und als Zwischenablage, ansonsten kann sie frei verwendet werden. Ab Kickstart 1.3 gibt es sogar die Möglichkeit, eine resetfeste RAM-Disk RAD: einzubinden, die eine feste GröĂe hat, bootfĂ€hig ist und auch nach einem Neustart mit allen vorher gespeicherten Daten zur VerfĂŒgung steht. GenĂŒgend Arbeitsspeicher vorausgesetzt, kann RAD: z. B. exakt das Volumen einer Diskette haben.
Der Amiga kann verschiedene Dateisysteme verwenden. UrsprĂŒnglich wurde das Amiga File System genutzt (spĂ€ter OFS mit O von engl. âoldâ oder âoriginalâ). Mit der Version 1.3 des Betriebssystems wurde eine verbesserte Version namens Fast File System (FFS) ausgeliefert. Beide gelten als sehr robust. Da das Betriebssystem modular aufgebaut ist, ist es leicht, UnterstĂŒtzung fĂŒr weitere Dateisysteme hinzuzufĂŒgen; neben einem Treiber fĂŒr das von MS-DOS verwendete FAT-System wurden von anderen auch weitere Dateisysteme insbesondere fĂŒr die Verwendung mit Festplatten entwickelt. Bei Disketten wurde nicht nur das Einlegen und Entfernen automatisch erkannt, sondern auch das genutzte Dateisystem. Disketten sowie jedes andere Laufwerk können auch ĂŒber den Namen des DatentrĂ€gers angesprochen werden. Ein weiterer Vorteil des Multitasking-Betriebes war, dass man bis zu vier Disketten gleichzeitig formatieren konnte.
Als Festplatten noch sehr teuer waren und eher die Ausnahme bildeten, wurden Daten ausschlieĂlich auf 3,5-Zoll-DD-Disketten mit einer SpeicherkapazitĂ€t von 880 Kilobyte gespeichert. Mit dem FFS können auch HD-Disketten mit der doppelten KapazitĂ€t beschrieben werden. Allerdings sind beim Original-Controller dazu spezielle Laufwerke erforderlich, die HD-Disketten mit halber Drehzahl antreiben, da er nicht die normalerweise mit HD-Disketten verbundene doppelte Datenrate unterstĂŒtzt.
Mit der Bibliothek translator.library und dem Treiber narrator.device wurde die Möglichkeit integriert, von höheren Programmiersprachen aus Sprachausgabe zu verwirklichen. Der Amiga war einer der ersten Rechner, der serienmĂ€Ăig mit Software zur Sprachsynthese ausgeliefert wurde. Dies wurde möglich, weil die Audioausgabe des Amiga auf Pulse Code Modulation (PCM) basiert und somit (abgesehen von der Ausgabe-QualitĂ€t), wie heutige PCs, jeden beliebigen Klang ausgeben kann â die meisten anderen Rechner der damaligen Zeit bieten, wenn ĂŒberhaupt, nur Synthesizer-Chips, die auf bestimmte KlĂ€nge beschrĂ€nkt sind.
Wegweisend war auch der konsequente Einsatz sogenannter Datatypes â das sind Codecs, die eine einheitliche Schnittstelle zum Laden und Speichern aller gĂ€ngigen Dateiformate anbieten. Bei Entwicklung eines neuen Dateiformates musste nur der entsprechende Datatype dem Betriebssystem bekannt gemacht werden. SĂ€mtliche Programme, die die Datatypes-Schnittstelle unterstĂŒtzen, konnten dann dieses Dateiformat lesen bzw. schreiben. Aus diesem Grund waren Dateiformatkonverter auf dem Amiga nahezu unbekannt.
Die Grafische BenutzeroberflĂ€che (GUI) des AmigaOS zeichnete sich durch eine â fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse â sehr intuitive Bedienung aus. Insbesondere die aus der Public-Domain-Szene stammende GUI-Erweiterung Magic User Interface (MUI) war beliebt; mit ihr standen auf dem objektorientierten BOOPSI-System basierende Gadgets (entspricht: Widget) zur VerfĂŒgung. Das machte alle Elemente der OberflĂ€che inkl. der Beschriftungen z. B. beliebig in der GröĂe skalierbar, also an jede Grafikkartenauflösung automatisch anpassend.
Als grundlegender Text-Zeichensatz wurde der 8-Bit-Zeichensatz ISO 8859-1 gewĂ€hlt, wodurch der internationale Einsatz ermöglicht wurde und eine zumindest teilweise KompatibilitĂ€t zu Windows hergestellt wurde. Durch ladbare andere ZeichensĂ€tze (Fonts) konnten weitere Schriften unterstĂŒtzt werden.
Gerade in der Anfangsphase des Amigas wurden viele Anwendungen ĂŒber Tauschbörsen oder Amiga-Magazine vertrieben. Besonders ein Mann, Fred Fish, hat sich besondere Verdienste durch seine Sammlung der AmigaLibDisks erworben, allgemein als Fish-Disks bekannt.
Zu den nennenswerten Anwendungen fĂŒr den Amiga zĂ€hlen unter anderem folgende:
Beim nicht in Deutschland erschienenen AmigaOS 1.0 wurde noch der Basic-Interpreter ABASIC von MetaComCo mitgeliefert. Mit AmigaOS 1.1 bis 1.3 wurde AmigaBASIC ausgeliefert, das einzige Programm, das Microsoft jemals fĂŒr den Amiga entwickelte. Unter spĂ€teren Systemversionen versagte es teilweise den Dienst.
Als systeminterne Skriptsprache wird REXX verwendet (seit AmigaOS 2.0 Teil des Amiga-Betriebssystems). Die ARexx genannte Amiga-Version dieser Skriptsprache bietet unter anderem die Möglichkeit, Programme extern ĂŒber ARexx-Scripts zu steuern. Beispielsweise kann man damit den Ablauf bestimmter Funktionen eines Programms ĂŒber ein Skript angeben und somit dem Programm neue Funktionen zuordnen, wie beim Eagleplayer geschehen.
Sehr frĂŒh wurden auf dem Amiga Vernetzung (LAN) und Internet (TCP/IP-Stacks) eingefĂŒhrt. Der erste Webbrowser fĂŒr den Amiga war AMosaic, ein Port des bekannten Webbrowsers Mosaic. AMosaic wurde spĂ€ter in IBrowse umbenannt. Als zweiter Browser kam Voyager auf den Markt, von Amiga Technologies auch zusammen mit dem Amiga 1200 im sogenannten Surfer Bundle als Mindwalker verkauft. Als dritter Browser trat schlieĂlich AWeb auf.
Der Amiga wurde, auĂer zum Spielen (was beim Amiga 500/1200 eher der Fall war), hauptsĂ€chlich zum Bearbeiten von Videos benutzt. Hier stellte das Schnittprogramm MovieShop lange Zeit einen Quasi-Standard dar, entsprechende Kurse wurden z. B. an der MĂŒnchener Akademie der Bildenden KĂŒnste angeboten. Weitere wichtige Anwendungen waren 3D-Animation (s. u.), Musik (Tracker wie The Ultimate Soundtracker, FutureComposer u. Ă€. genieĂen heute noch Kultstatus)[2]. In den letzten Jahren kamen auch noch Anwendungen wie das Authoring hinzu. Bekannteste Vertreter: AmigaVision, eine Autorensoftware fĂŒr die Erstellung von interaktiven CDs, zur Wiedergabe von Laserdiscs und fĂŒr Karaoke-Anwendungen und Scala, dessen leistungsfĂ€higste Version, Info Channel, auch heute noch in Kabelfernsehanlagen eingesetzt wird.
Die heute noch (auf Windows und MacOS) erfolgreichen 3D-Programme Maxon Cinema 4D und Lightwave 3D sowie das Audio-Programm Samplitude (und viele andere) hatten ihren Ursprung auf dem Amiga.
Vor allem bei den genannten Grafikanwendungen stellte es sich als Vorteil heraus, dass Amiga frĂŒhzeitig in einer Kooperation mit dem Unternehmen Electronic Arts einen ĂŒbergreifenden Standard fĂŒr Dokumentdateien definiert hatte, das Interchange File Format, kurz IFF. Mit ihm konnten nicht nur Grafikdaten, sondern auch Audio-, Text- oder komplexe Multimediadaten in einer logischen und sinnvoll gleich strukturierten Weise gespeichert werden. Die Vorteile des Formats waren so offensichtlich, dass kaum ein Softwarehersteller Sonderwege einschlug und es nicht benutzte. Als einige Jahre nach Erscheinen des Amiga die Grafikanimation immer bedeutender wurde, wurde der Standard organisch auf entsprechende Inhalte erweitert. SpĂ€tere Versionen des AmigaOS enthielten auch UnterstĂŒtzung zur Verarbeitung dieses Formats, so dass Programmierer auf einer soliden Basis aufsetzen konnten.
FĂŒr die Amiga-Plattform erschienen im Laufe der Jahre ĂŒber 3.000 kommerzielle Spiele sowie Hunderte von Public-Domain-Spielen. Vor allem die populĂ€rste aller Amiga-Varianten, der Amiga 500, galt als der Spielecomputer schlechthin.
Als erstes Spiel wird oft Mindwalker bezeichnet, da es den ersten Amiga 1000 beilag. Allerdings erschienen zeitgleich auch u. a. Textadventures des Unternehmens Infocom fĂŒr den Amiga. 1986 wurde mit Defender of the Crown ein Spiel mit herausragender Grafik veröffentlicht, das zum ersten Mal von den FĂ€higkeiten des Systems Gebrauch machte. 1987 erschienen Umsetzungen der beliebten Adventurespiele King's Quest, Police Quest und Space Quest des Unternehmens Sierra On-Line, die so erfolgreich waren, dass sie jeweils viele Fortsetzungen nach sich zogen. The Great Giana Sisters vom deutschen Spieleentwickler Rainbow Arts stand 1988 wegen eines Rechtsstreits aufgrund seiner Ăhnlichkeit zu Super Mario Bros. von Nintendo nicht lĂ€nger als eine Woche in den Regalen der GeschĂ€fte und dĂŒrfte damit das am kĂŒrzesten auf dem Amiga-Markt erhĂ€ltliche Spiel gewesen sein. Im selben Jahr erschienen der MaĂstĂ€be setzende Flugsimulator Falcon und David Brabens Kultklassiker vom BBC, Elite. Shadow of the Beast legte 1989 die Messlatte durch ruckelfrei in mehreren Ebenen bewegte Grafik (sogenanntes Parallax-Scrolling) nochmals höher, konnte spielerisch jedoch nicht ĂŒberzeugen. DafĂŒr sorgten die Konvertierung des Kultadventures Maniac Mansion von Lucasfilm Games und das FuĂballspiel Kick Off sowohl fĂŒr SpielspaĂ als auch hohe Verkaufszahlen. Die Anzahl der zuerst fĂŒr den Amiga entwickelten Spiele nahm in den folgenden Jahren jedoch immer weiter ab, vor allem aufwĂ€ndige Produktionen erschienen in den 1990er Jahren fast immer zuerst fĂŒr MS-DOS oder Microsoft Windows und wurden allenfalls danach auf den Amiga konvertiert.
FĂŒr ein innovatives Spielkonzept stand 1990 insbesondere Lemmings, fĂŒr Lobeshymnen sorgten zudem das Rennspiel Lotus Esprit Turbo Challenge und Speedball 2. Bahnbrechend waren 1991 die Konvertierung des IBM-PC Adventures The Secret of Monkey Island und das Actionspiel Turrican II; zudem brachte das deutsche Softwarehaus Software 2000 mit dem Bundesliga Manager Professional ein Spiel heraus, das sich ĂŒber 100.000 Mal verkaufte. Das FuĂballspiel Sensible Soccer, das Grafikadventure Monkey Island 2 sowie die beiden sehr erfolgreichen Flippersimulationen Pinball Dreams und Pinball Fantasies, die alle 1992 erschienen, gelten noch heute als herausragende Beispiele an Spielwitz und zogen mehrere Fortsetzungen â auch fĂŒr andere Plattformen â nach sich. Zudem erschien im selben Jahr die zuvor fĂŒr technisch nicht möglich gehaltene Umsetzung des PC-Hits Wing Commander, die jedoch auf dem verbreiteten Amiga 500 wegen des starken Ruckelns nicht spielbar war. Ab 1993 erschienen vermehrt grafisch verbesserte Versionen fĂŒr die ein Jahr zuvor neu hinzugekommenen Amiga-Modelle A1200 und A4000 mit AGA-Chipsatz. In diesem Jahr sorgten das innovative Aufbauspiel Die Siedler, die Actionspiele Desert Strike: Return to the Gulf und The Chaos Engine sowie das Hit-Adventure Indiana Jones and the Fate of Atlantis fĂŒr Höchstwertungen der Fachpresse und verkauften sich entsprechend. Letzteres war â auch aufgrund der Schwarzkopier-Problematik â das letzte Spiel von LucasArts fĂŒr den Amiga. Im Jahr 1994 erschienen mit Sensible World of Soccer, Theme Park und Sim City 2000 die letzten groĂen Spielehits. Biing! erschien 1995 wegen der damals noch recht geringen Verbreitung von CD-Laufwerken auch auf 19 Disketten (in der AGA-Version) â das Installationsprogramm zum Spiel enthielt selbst ein kleines Spiel, um die Wartezeit ertrĂ€glich zu machen. Im selben Jahr erschienen mit Alien Breed 3D und Gloom zwei Spiele, die vom Erfolg des PC-Ego-Shooters Doom profitieren wollten, sowie das erfolgreiche Rennspiel Super Skidmarks und das Actionspiel Virocop von Entwickler-Legende Andrew Braybrook. Ab 1996 hatten sich die meisten bekannten SoftwarehĂ€user vom Amiga abgewendet und entwickelten ausschlieĂlich fĂŒr PC und Konsolen. Selbst qualitativ hochwertige und von der Fachpresse gelobte Spiele wie der Knobel-Plattformer The Humans III, das Beat âem Up Fightinâ Spirit, die Wirtschaftssimulation Mag!!!, das FuĂballspiel Sensible World of Soccer 96/97 und die Flippersimulation Slamtilt konnten nur noch in geringen StĂŒckzahlen verkauft werden, insbesondere wegen des anhaltenden Siegeszuges von Sonys PlayStation. Bis Ende der 1990er Jahre erschienen zwar noch vereinzelt kommerzielle Spiele kleinerer Entwickler, allerdings nur noch fĂŒr AGA-Amigas, insbesondere z. B. vom Publisher Vulcan Software.[3]
Eine AufzÀhlung weiterer populÀrer Spiele-Titel findet sich in der Kategorie:Amiga-Spiel.
Das gröĂte Problem fĂŒr den Amiga stellte sein Hersteller Commodore dar, der eine Reihe fataler Fehlentscheidungen traf und ĂŒber die Zeit die Weiterentwicklung vernachlĂ€ssigte.
Zwar war der Commodore Amiga vor allem mit den ersten Modellen 1000, 2000 und 500 seiner Zeit in puncto Grafik, Sound und Multitasking voraus â dennoch konnte er sich gegen den PC im BĂŒrobereich nie durchsetzen. Die GrĂŒnde dafĂŒr waren fast alle hausgemacht.
SpĂ€testens bei der MarkteinfĂŒhrung des Amiga 500 erhielt der Amiga den Ruf eines in erster Linie fĂŒr Spiele geeigneten Computers. Er wurde sehr beliebt unter Jugendlichen, die zwar viel mit dem Amiga spielten, aber eher selten fĂŒr die Software bezahlten. Der unzulĂ€ssige Austausch von Kopien von Hand zu Hand, z. B. auf Schulhöfen, erlebte damals eine Hochkonjunktur. FĂŒr ernsthaftere Anwender belastete dieses Bild den Amiga allgemein; er wurde es trotz mancher Korrekturversuche nie richtig los; das fĂŒr professionelle Anwendungen gedachte Parallelmodell Amiga 2000 Ă€nderte daran wenig. Viele Nutzer des PCs wĂŒrdigten damals zwar die VorzĂŒge, hielten jedoch gebĂŒhrenden Abstand zum Amiga. Das eher schwache Marketing von Commodore tat sein ĂŒbriges.
Die vergleichsweise einfache Erstellung von unzulĂ€ssigen Kopien fĂŒhrte neben Imageproblemen insbesondere zu einer abnehmenden Zahl an Spieleveröffentlichungen. Spielehersteller konnten mit Konsolenversionen fĂŒr das Mega Drive und das SNES deutlich mehr Spiele verkaufen, da hier das private Erstellen von Kopien praktisch unmöglich war. Mitte der 1990er lohnte sich selbst das Konvertieren eines Konsolenspiels auf den Amiga wegen zu geringer Verkaufszahlen nur noch in EinzelfĂ€llen.
AuĂerdem war der Amiga nur im Bereich der kombinierten Grafik wirklich schnell. Bei den klassischen Aufgaben in der BĂŒrowelt zĂ€hlte die Rechengeschwindigkeit mehr als grafische FĂ€higkeiten. Hier konnte der Amiga zwar gut mithalten (z. B. gegenĂŒber dem Intel 80286), war aber nicht so viel schneller, um einen Umstieg zu begrĂŒnden. Viel Standardsoftware war fĂŒr den Amiga nicht oder zu spĂ€t verfĂŒgbar. Selbst im Bereich Grafik hatte es z. B. der Bereich Konstruktion schwer, denn die fĂŒr diesen Zweck nötigen hohen Bildauflösungen konnten zunĂ€chst nur per Zeilensprungverfahren dargestellt werden.
Die Modelle mit dem sogenannten OCS (Original Chip Set) â die Basismodelle 1000, 500 und 2000 â erreichten nur Bildwiederholfrequenzen bis 50 Hz, da sie speziell fĂŒr die Benutzung mit nach der PAL-Norm arbeitenden Standardmonitoren konzipiert waren. Die maximale Auflösung von 640 auf 512 Pixel wĂ€re zu dieser Zeit ausreichend gewesen, die Zeilenzahl von 512 war jedoch nur eine theoretische Angabe. Sie erforderte den Bildaufbau mittels abwechselnder Halbbilder (Zeilensprungverfahren oder Interlace), es wurden also â wie beim Fernsehen â abwechselnd die geraden und die ungeraden Zeilen dargestellt, um auf die nötige Frequenz von 50 Hz zu kommen. Das Interlacing machte sich vor allem bei kontrastreichen horizontalen Linien, wie sie auf ProgrammoberflĂ€chen hĂ€ufig vorkommen, negativ bemerkbar, weshalb lange Bildschirmarbeit Ă€uĂerst anstrengend und ermĂŒdend war. Deshalb waren die OberflĂ€chen professioneller Werkzeuge entsprechend angepasst, d. h. auf kontrastreiche Bildpartien und Bedienelemente wurde weitestgehend verzichtet.
Bei den amerikanischen Modellen sind die Zahlen leicht abweichend (NTSC-Norm). Die maximale Auflösung lag bei 640 auf 400 bzw. 200 Pixeln, die maximale Bildwiederholfrequenz bei 60 Hz.
Wegen der Zeilenfrequenz von nur 15,6 kHz war das AnschlieĂen von VGA-Standardmonitoren nicht ohne ZusatzgerĂ€te möglich. Das konnte mit einem Scandoubler (der bei den meisten erhĂ€ltlichen GerĂ€ten mit einem Flickerfixer kombiniert war) erreicht werden, der die Zeilenfrequenz verdoppelte. Alternativ konnten die teureren Multisync- bzw. Multiscan-Monitore verwendet werden.
Commodore war sich der MĂ€ngel beim BĂŒroeinsatz bewusst und entwickelte deshalb einen speziellen sogenannten Hedley-Monitor (A2024), der mittels Digitizer, internem Framebuffer und einem speziellen Monitortreiber ein hochauflösendes Graustufen-Bild aus vier (bzw. sechs) Video-Einzelbildern des Amigas aufbaute. Aufgrund des vergleichsweise hohen Preises und der eingeschrĂ€nkten Verwendbarkeit (keine Farbe) fand dieser Monitor aber keine weite Verbreitung.
Eines der gröĂtes Mankos des Amiga 1200 bestand darin, dass er nur ein DD-Diskettenlaufwerk = 880 Kilobyte besaĂ, was dem Speicherplatzbedarf damals aktueller Spiele nicht mehr angemessen war.
Die AbwĂ€rtskompatibilitĂ€t des A1200 zum A500 wurde ĂŒber ein BootmenĂŒ hergestellt, das startete, wenn man beide Maustasten beim Booten des Rechners gleichzeitig drĂŒckte. Die KompatibilitĂ€t war jedoch auch eher mĂ€Ăig, ca. 30â40 % der Amiga-500-Programme liefen nicht. Findige Hacker stellten die KompatibilitĂ€t vieler A500-Spiele zum A1200 auch direkt durch Patches im Programm her, die sogenannten AGA-Fixes.
Letzten Endes lag der Hauptgrund am Scheitern des Amigas darin, dass er unter Fehlern des Commodore-Managements zu leiden hatte. So wurden die hohen Gewinne, die Commodore mit dem Amiga eine Zeitlang machte, nicht in erfolgversprechende Neuentwicklungen reinvestiert.
Daraus entstanden dann am Markt vorbeizielende Entwicklungen wie der Amiga 500+ und der Amiga 600, die sich beide technisch nicht genug von den VorgĂ€ngermodellen abhoben, um den Erfolg des Amiga 500 fortsetzen zu können. Beim CDTV war die Entwicklung innovativ, aber nicht zu Ende gedacht und ebenfalls technisch zu schwach. Zudem kam es zu spĂ€t, um den schon etablierten Konsolen Marktanteile abzuluchsen. Diese FehleinschĂ€tzungen der Verantwortlichen kosteten viel Kapital und Marktanteile. Die EinfĂŒhrung der technisch besseren Modelle A1200 und A4000 erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem sich viele Kunden schon vom Amiga abgewandt hatten. Zudem erschien die erste Spielkonsole mit 32-Bit-Architektur, das CDÂłÂČ, zu frĂŒh auf dem Markt, so dass einerseits der Markt noch nicht fĂŒr Spielkonsolen mit CD-ROM bereit war, andererseits Commodore zudem auch die Nachfrage nicht befriedigen konnte. Verlorene Marktanteile und die hohen Entwicklungskosten fĂŒr neue GerĂ€te mĂŒndeten schlieĂlich in einer Krise.
Ein weiteres Problem fĂŒr den Amiga war die zunehmende Verbreitung des IBM-kompatiblen PCs in Privathaushalten. Die (geplante) Nutzung von BĂŒrosoftware war meist kein Verkaufsargument mehr fĂŒr den Amiga. Neben den Rechen- entwickelten sich auch die Grafik- und SoundfĂ€higkeiten von DOS-PCs deutlich schneller als die der Amiga-Familie. SpĂ€testens mit VGA-Grafik und Soundblaster-Sound kamen IBM-kompatible PCs dem Amiga auch beim Spieleerlebnis sehr nahe, boten aber zusĂ€tzlich noch geeignete Auflösungen und Bildwiederholraten fĂŒr Textverarbeitung und Office. Wurden Strategiespiele und Simulationen in der BlĂŒtezeit des Amiga oft zuerst fĂŒr diesen herausgebracht, so erschienen diese in den 1990ern zunehmend erst fĂŒr den DOS-PC.
Obwohl das Mutterunternehmen Commodore bereits 1994 liquidiert wurde, wurde die Entwicklung des Amiga nie ganz beendet.
Durch den auf Commodore folgenden EigentĂŒmer an den Rechten, die deutsche PC-Handelskette ESCOM AG (Heppenheim), wurde das neue Unternehmen Amiga Technologies GmbH (in Bensheim, Deutschland) gegrĂŒndet und von diesem wurden die Modelle Amiga 1200 und Amiga 4000T neu aufgelegt. Das geplante Nachfolgemodell Walker (wurde inoffiziell auch als Amiga 1300 bezeichnet), das bereits auf der CeBit 1996 vorgestellt wurde, ist jedoch nicht mehr erschienen. ESCOM ging in Konkurs. Auch das geplante Advanced Amiga Architecture Chip Set (AAA oder Triple-A Chip Set)[4] hat daher nur noch legendenhaften Charakter.
Ein Ăbernahmeversuch von VisCorp â unter der Leitung des heutigen Genesi-CEO Bill Buck â scheiterte nach langwierigen BemĂŒhungen.
1997 ĂŒbernahm der PC-Direktversender Gateway 2000 die Amiga-Rechte und vertrieb die vorhandene Hardware ĂŒber dessen neu gegrĂŒndete Tochtergesellschaft Amiga International in Deutschland weiter.
Im Jahr 2000 wurde dann alles an ein Unternehmen ehemaliger Gateway-Mitarbeiter namens Amino Development verkauft, das dann in Amiga Inc. (in USA) umfirmiert hat.
Von ehemaligen Entwicklungsingenieuren und Managern der Amiga Technologies wurde auch das Unternehmen PIOS Computer AG gegrĂŒndet, das spĂ€ter zur Metabox AG umfirmiert wurde. ZunĂ€chst wurde bei PIOS-Metabox die Idee von PowerPC-basierten Rechnern bzw. Powermac-Clones auf CHRP-Basis verfolgt. Diese Idee scheiterte an der geĂ€nderten Lizenzpolitik von Apple, so dass spĂ€ter lediglich noch Turbokarten fĂŒr Mac-Rechner gefertigt wurden. Inspiriert von phase5, die ab 1996 ebenfalls PPC-Turbokarten fĂŒr Powermacs und Amiga-Rechner entwickelten, startete Metabox mit der AmiJoe (basierend auf der joeCard) eigene Anstrengungen. SpĂ€ter wurde der Einstieg in den Set-Top-Box-Markt versucht, der in einem Fiasko fĂŒr Metabox und deren Entwickler endete. Teilweise ist die begonnene Software-Entwicklung jedoch in MorphOS eingeflossen â der Open-Source-AmigaOS-Clone AROS stellt hier eines der Bindeglieder dar.
Die PowerPC-Anstrengungen von phase5 endeten zwar mit dem Konkurs des Unternehmens â die Karten wurden danach aber noch eine Zeit lang von DCE gefertigt und verkauft. Die bereits verkauften Cyberstorm- und Blizzard-Prozessorkarten können mit den verschiedensten Betriebssystemen betrieben werden. Neben OS3.9, das diese Hybride unterstĂŒtzt, gab es das Powerup System, das von Phase5 fĂŒr genau diese Karten entwickelt wurde (eine Art System-Plug-In ins vorhandene AmigaOS 3.x). Das konnte sich â trotz der besseren Speicherverwaltung â nicht gegen das aufkommende WarpOS von Haage&Partner durchsetzen. Angepasst wurden u. a. auch AmigaOS4, NetBSD, Linux, Morphos.
Das Unternehmen Amiga, Inc. konzentrierte sich zunĂ€chst auf die Entwicklung des AmigaDE (Digital Environment) auf Basis von TAO/Intent sowie dem zugehörigen SDK fĂŒr Windows- und Unix/Linux-Rechner. Danach folgte AmigaAnywhere unter anderem fĂŒr PocketPC basierte PDA-Systeme. Um dem ungebrochenen Interesse einer WeiterfĂŒhrung der jetzt Classic Amiga getauften Produktlinie nachzukommen, suchte sich Amiga, Inc. Partner fĂŒr eine Neubelebung der Amiga-Plattform: Eyetech und Hyperion Entertainment.
Im Jahr 2003 ist schlieĂlich die Hardware eines offiziellen Nachfolgers â des AmigaOne von Eyetech â erschienen, die statt der veralteten 680x0-CPUs von Motorola moderne PowerPC-CPUs enthĂ€lt. Anfangs stand fĂŒr diesen Computer nur Linux/PPC zur VerfĂŒgung â die erste öffentliche Version des von Hyperion Entertainment entwickelten neuen AmigaOS 4.0 ist erst spĂ€ter, im Juni 2004, als Developer Pre-Release an die bisherigen KĂ€ufer ausgeliefert worden. Als inoffizielle Konkurrenz zum AmigaOne hat sich der â ebenfalls CHRP-basierte â Pegasos-Rechner von Genesi etabliert, der allerdings eher in der Tradition von phase5 und VisCorp zu sehen ist.
Mitte 2003 sind die Rechte am Amiga-Betriebssystem durch das Unternehmen KMOS gekauft worden, im Juli 2004 wurde auch Amiga, Inc. von KMOS ĂŒbernommen.
Am 24. Dezember 2006 stellte das Unternehmen Hyperion nach fĂŒnf Jahren Entwicklung AmigaOS 4.0 fertig. Diese Betriebssystemversion lĂ€uft nativ auf PowerPC-Systemen.
Im Mai 2007 kĂŒndigte Amiga Inc. zwei neue Rechner an. Das Einstiegsmodell sollte 489 US$ kosten, der groĂe Rechner 1.498 $. Der Verkauf sollte ab Winter 2007 erfolgen.[5] Dies geschah allerdings nicht.
Im August 2008 veröffentlichte Hyperion Entertainment AmigaOS 4.1, wobei es sich um die erste Version von AmigaOS handelt, die eine reine PPC-Hardware voraussetzt und dadurch nicht mehr auf klassischen Amigas mit PowerUP-Erweiterung lÀuft. Die Version 4.1 war damit vorerst nur mit AmigaOne-Hardware zu gebrauchen, obwohl dieser zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht mehr erhÀltlich war.
Wenige Monate spĂ€ter gaben die italienischen Unternehmen Acube Systems und Hyperion bekannt, dass AmigaOS 4.1 auf Rechnern mit einer aktualisierten Version des SAM440-Motherboards von Acube lauffĂ€hig ist. Da die Rechte der Marke Amiga bei dem Unternehmen Amiga Inc. liegen und die UnterstĂŒtzung der SAM440-Hardware von AmigaOS 4.1 nur durch die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Hyperion und ACUBE entstanden ist, gibt es Zweifel darĂŒber, ob diese Lösung rechtens ist. Amiga Inc. gab mehrfach bekannt, neue Amiga-Hardware von anderen Herstellern produzieren zu lassen, ohne diese AnkĂŒndigung umzusetzen, so dass Hyperion als Hersteller des Betriebssystems selbstĂ€ndig nach einem Anbieter von geeigneter Hardware fĂŒr sein Betriebssystem suchte. Inzwischen (Dezember 2009) hat Hyperion eine Klage gegen Amiga, Inc. gewonnen und hat damit die vollen Nutzungsrechte am AmigaOS 3.1, sowie den eigenentwickelten Versionen 4.0 und Folgesystemen, sowie an der Nutzung des Namen Amiga und AmigaOS, sowie des Boingball-Logos. Im Januar 2010 gab Hyperion bekannt, ĂŒber die neu gegrĂŒndete Tochterfirma A.Eon einen neuen Computer namens AmigaOne X1000 zu bauen. Bekannt ist bereits, dass dieser neue Rechner einen FPDGA namens Xena haben wird, auĂerdem einen Prozessor aus der Familie des PowerPC. VerfĂŒgbar soll der neue Amiga-Nachfolger ab Ende 2011 sein. Acube hingegen stellte im September 2011 mit dem AmigaOne 500 ebenfalls ein Komplettsystem auf Basis des SAM460ex-Mainboards und AmigaOS 4.1 vor.[6]
Auf der Basis von frei reprogrammierbaren FPGAs gibt es auch immer wieder Versuche von Hobbyprogrammierern, Amiga-Rechner weitestgehend in Hardware nachzubilden. Ein Ableger dieser Versuche ist z. B. der Minimig von Dennis van Weeren, der heute fĂŒr ca. 150 ⏠angeboten wird. Dabei handelt es sich um einen mit 7,09 MHz (via OSD umschaltbar auf 49,63 MHz) getakteten MC68SEC000 mit 2 MB oder optional 4 MB S-RAM, wobei alle Zusatzchips des Amiga 500 in einem 400 Kgate Spartan-3 (XC3S400)-FPGA nachgebildet wurden. Als Laufwerk dient ein MMC-/SD-Flash-Kartenleser. ZusĂ€tzlich verfĂŒgt der Minimig ĂŒber einen nachprogrammierten Scandoubler (Amber-Chip aus dem Amiga 3000) und ist somit wahlweise tauglich fĂŒr VGA 31 kHz und PAL 15 kHz. Die meisten TFT-Bildschirme können das 31-kHz-Signal sauber anzeigen.
In Verbindung mit einem ARM-Miniboard-Upgrade unterstĂŒtzt der Minimig mittlerweile auch bis zu vier virtuelle Laufwerke, die optional mit mehrfacher Geschwindigkeit betrieben werden können, einen Turbo-Modus mit 4 KB CPU Cache und beschleunigtem Blitter sowie maximal 2 MB Chip- und 1,5 MB Slow-RAM. Die KompatibilitĂ€t wurde bei jeder neuen open-source Release verbessert, es wird auch aktuell weiter entwickelt. [7]
Die aktuelle Minimig-Firmware bietet dazu eine UnterstĂŒtzung von Hard Drive Files (HDF) und der ECS-Agnus + Denise.[8]
Mit Hilfe von FPGAs wurden auch schon der C64 im C-One oder das MSX im One Chip MSX neu aufgelegt. Der aktuelle C-One bildet zudem seit 2008 mit dem FPGA extender die Basis fĂŒr einen leistungsfĂ€higeren Minimig, der fĂŒr die Amiga-Nachbildung keinen ARM-Chip mehr benötigt und dafĂŒr mit einem 68k-Soft-Core, dem TG68 von Tobias Gubener[9] in einem gröĂeren Cyclone-3-FPGA auskommt, der auch höhere Leistungen erzielt als der Original 68000.[10]
Ein auf Minimig basierendes Projekt ist der FPGA Arcade bzw. MikeJ's Replay FPGA Board, mit dem auch versucht wird, zusĂ€tzlich zum Minimig Core den Original-AGA-Chipsatz des Amiga 1200 kompatibel nachzubilden, auch dafĂŒr wird ein TG68 Softcore eingesetzt, der trotz noch fehlender Befehle des originalen 68020 die fast doppelte MIPS-Leistung des A1200 erbringt.[11][12]
Mit FPGAs bietet sich heute ein groĂes Spielfeld, viele Originalfunktionen nachzubilden und die AbwĂ€rtskompatibilitĂ€t beizubehalten, fĂŒr Zusatzfunktionen und Geschwindigkeitssteigerungen. Reverse Engineering, die freie Kickstart-Alternative AROS wie auch Open-Source-Hardware gegenĂŒber der originalen 68000er-Familie ersparen dabei den Erwerb der Original-Lizenzen und Rechte. Je nach Zielsetzung treibt man einfache Low-Cost-FPGAs aber auch schnell an die Grenzen, wodurch der Optimierungsaufwand steigt.
Neben dem standardmĂ€Ăigen AmigaOS existiert auch eine Anzahl von alternativen Betriebssystemen fĂŒr den Amiga:
Anmerkung zu MorphOS und zu dem dahinter stehenden Konflikt:
Die Unternehmen Genesi und bplan haben die Pegasos-Mainboards auf den Markt gebracht, fĂŒr die das Betriebssystem MorphOS geliefert wird. MorphOS ist ein Amiga-Ă€hnliches PowerPC-Betriebssystem auf Microkernel-Basis. Es stellt neben MorphOS-spezifischen neuen Funktionen den gröĂten Teil der AmigaOS3-API bereit und ist dadurch weitgehend Sourcecode-kompatibel und â soweit es die neue Hardware zulĂ€sst â binĂ€r-kompatibel zu AmigaOS 3 und AmigaOS-3-Anwendungen (zu AmigaOS-4-PPC-Anwendungen besteht eine eingeschrĂ€nkte BinĂ€rkompatibilitĂ€t ĂŒber die alten AmigaOS-PPC-Kernel-Erweiterungen wie PowerUP und die os4emu-API-Emulation). MorphOS war ursprĂŒnglich als Nachfolger von AmigaOS 3 geplant, da eine offizielle Weiterentwicklung eine Zeit lang nicht sicher schien. Die Verhandlungen mit Amiga Inc. ĂŒber die Verwendung von MorphOS als neues PPC-AmigaOS scheiterten jedoch, und Amiga Inc. entschied sich, AmigaOS 3 von Hyperion Entertainment auf die PowerPC-Plattform portieren zu lassen.
Die âClassic Amigaâ-Reihe wird so korrekt wie möglich durch Emulatoren nachgebildet.
Die ausgelieferten Amiga-Modelle wurden oben in der Historie behandelt. Eine vollstĂ€ndige Liste mit Links zu den ausfĂŒhrlichen Einzelartikeln findet sich in der Commodore-ProduktĂŒbersicht. Hier seien nur noch Modelle mit PPC-CPU von Fremdherstellern oder Nachfolgern aufgefĂŒhrt:
PET/CBM: KIM-1 | PET 2001 | CBM 3000 | CBM 4000 | CBM 8000 | MMF 9000 CBM II: CBM 500∗ | CBM 600 | CBM 700 | CBM 900∗
Heimcomputer: VC 10 | VC 20 | C64 (SX, GSâ ) | 264-Reihe (C16, C116, Plus/4) | C128 | C65∗
Amiga (Ăbersicht): 1000 | Sidecar | 500 | 2000 | CDTVâ | 600 | 3000/T/UX | 1200 | 4000 | CDÂłÂČâ
IBM-kompatibel: PC-1 | PC-10 bis PC-60 | x86LT | A1060
Peripherie: Laufwerke:
Datasette |
VC15xx (VC1540/41, VC1551, VC1570/71, VC1581) |
SFD100x (SFD1001, SFD1002) |
CBM 2020 bis 8250 |
A570 |
A590 |
A3070
Drucker:
MPS-Serie |
MPS 801 |
MPS 1000 |
MPS 1500C |
VC1520 |
CBM-8000-Serie |
CBM 4022
Sonstige Hardware:
Zorro-Bus |
Uhrenport |
WOM |
RAM Expansion Unit |
Commodore-Maus |
Monochrom- und Farb-Monitore |
Lautsprecher A10 |
Mehrfachbenutzersysteme (MBS)
Historische Hardware:
Schreib- und Tischrechenmaschinen |
LED-Uhren |
2000K/3000Hâ |
Chessmate
Chips: MOS Technology | VIC | VIC II | TED | VDC | SID | PIA | VIA | TPI | CIA | ACIA | Agnus (Blitter, Copper) | Paula | EHB-Modus | HAM-Modus ChipsÀtze: OCS | ECS | AGA
Software: Commodore BASIC | Commodore Basic V2 | Kernal | CBM-ASCII (PETSCII) | GEOS | Commodore DOS | AmigaOS | Kickstart | Workbench | ARexx | AmigaGuide | AMIX