CorpsCorps (n, /koːr/ (s.), /koːrs/ (pl.), französisch „Körper(schaft), Gesamtheit“; zeitweilig auch „Korps“) ist eine heute im deutschen Sprachraum gebräuchliche Bezeichnung für eine besonders alte Form von Studentenverbindungen. Die ersten Corps entstanden im Ausgang des 18. Jahrhunderts. Idee und HintergrundDie (späteren) Corps übernahmen Elemente der alten Landsmannschaften des 18. Jahrhunderts (farbige Kleidungsbestandteile als Vorläufer des Couleurs und Namen, die auf die Heimatregionen der Mitglieder hinweisen) sowie der Studentenorden (verbindliche, festverschworene Mitgliedschaft, schriftliche und grafische Geheimzeichen als Erkennungsmerkmale), brachten aber als Neuerung die Ideen des Deutschen Idealismus hinsichtlich Persönlichkeitsbildung und Charakterfestigung ein, die durch schriftlich formulierte Normen für die Studenten einer Universität festgelegt wurden. Markiert wird die Entstehung der Corps durch die Bildung von Senioren-Conventen (SC) und die Verabschiedung von Constitutionen und SC-Comments an den meisten deutschen Universitäten im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. Früher bestehende studentische Zusammenschlüsse haben diese Entwicklung nicht überdauert, sodass die Corps damit die früheste Form von Studentenverbindung im heutigen Sinne sind. An jeder klassischen deutschen Universität bilden die Corps heute die ältesten und traditionsreichsten Studentenverbindungen[1] CharakterisierungCorps bekennen sich zum Toleranzprinzip. Deswegen kann jeder an einer deutschen, österreichischen oder schweizerischen Universität immatrikulierte männliche Student Corpsstudent werden, ungeachtet seiner ethnischen oder sozialen Herkunft, seiner Hautfarbe oder Religion. Dadurch unterscheiden sich die Corps von Korporationen, die zum Beispiel nur Studenten deutscher Nationalität (Deutsche Burschenschaft) oder nur Mitglieder bestimmter religiöser Bekenntnisgruppen aufnehmen, wie zum Beispiel der CV oder der Wingolf. Corps sind gegen Radikalismus und Gewalt. Sie versuchen, sowohl tagespolitische als auch parteipolitische Neutralität zu wahren. Trotz des Strebens nach Neutralität legen die Corps großen Wert auf gesellschaftspolitisches Engagement des einzelnen Studenten. Nach corpsstudentischen Prinzipien sollte er sich eine ethischen Grundsätzen folgende Meinung bilden und sie engagiert – ohne Rücksicht auf zu erwartende vordergründige Nachteile – vertreten. Aufgrund dieser Kombination von Neutralität des Verbandes und Engagement des Einzelnen findet man immer wieder Corpsstudenten unter den führenden Köpfen der unterschiedlichsten politischen Gruppierungen, wobei sie durch ihre Einsatzbereitschaft nicht selten zu Opfern von fanatischen oder totalitären Gegnern werden[2]. (Siehe dazu: „Eine Auswahl bekannter Corpsstudenten“) Als älteste heute existierende Verbindungsform haben die Corps ein besonderes Traditionsbewusstsein und pflegen hinsichtlich ihrer traditionellen Formen und Feiern ein eher selbstbewusst-natürliches Auftreten. Sie lehnen viele (später erfundene) Gespreiztheiten und Manierismen des Verbindungsstudententums ab. Ihr Brauchtum hielt auch den studentischen Reformbestrebungen des 19. Jahrhunderts stand, die zur Gründung aller anderen heute existierenden Verbindungsformen geführt haben. Corps sind traditionell „pflichtschlagend“. Die studentische Mensur, die allen Corpsstudenten auferlegt wird, gilt den Corps als wichtiges Merkmal ihrer Verbände und als unverzichtbares Mittel zur Charakterfestigung und Persönlichkeitsbildung.
Die Corpsmitglieder tragen Couleur. Sie erhalten als äußeres Zeichen ihrer Mitgliedschaft das Corpsband oder die Corpsschleife. Das gesellschaftliche Renommee der Corps erreichte im späten 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt, als im deutschen Kaiserreich die Söhne regierender Herrscherhäuser, des deutschen Hochadels und des Großbürgertums in den Corps die entscheidende Rolle spielten.[4] VorgeschichteIm größten Teil des 18. Jahrhunderts bestimmten die Landsmannschaften alten Typs (nicht zu verwechseln mit den heute existierenden studentischen Landsmannschaften, die jüngeren Datums sind), das Gemeinschaftsleben an den Universitäten. Es handelte sich dabei um vergleichsweise unverbindliche Gruppierungen, die gegenseitige Unterstützung aufgrund gemeinsamer landsmannschaftlicher Herkunft boten. Ein regulierender Einfluss auf das studentische Leben oder eine persönliche Bindung über die Studentenzeit hinaus war nicht angestrebt. Anders agierten die studentischen Orden, die freimaurerische Ideale verfolgten und das akademische Leben im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts prägten. Sie strebten eine persönliche Bindung für das ganze Leben an, kümmerten sich aber nicht um speziell studentische Belange. Auch hatten sie keinen landsmannschaftlichen Bezug. GeschichteHerausbildung des CorpsstudententumsSiehe auch: Geschichte der Studentenverbindungen Ab dem Jahr 1794 entstand, geprägt durch die Lehre Johann Gottlieb Fichtes, an den deutschen Universitäten im Geiste des Klassischen Idealismus, ein neuer Typus von studentischen Zusammenschlüssen (siehe auch Deutscher Idealismus, Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus). Diese Zusammenschlüsse erfreuten sich zumindest anfänglich sogar der Unterstützung durch Professoren, die sonst den selbstverwalteten studentischen Gemeinschaften sehr kritisch gegenüberstanden. Ziel war es, die Umgangsformen der Studenten an den Universitäten zu verbessern, und zwar nicht durch obrigkeitliche Verordnungen, denn das hatte in vielen Jahrhunderten wenig gefruchtet.[5] Landshuter Burschengarderobe um 1806 (Stammbuchzeichnung) Der neue Ansatz bestand darin, dass die Charakter- und Persönlichkeitsbildung zur Aufgabe der neuen Gemeinschaften erklärt wurde. Im Sinne des Idealismus sollten keine politischen Programme verfolgt, sondern der Charakter des Menschen ausgebildet werden. Die positiven Auswirkungen für die Gesellschaft würden sich dann zwangsläufig von selbst ergeben. Bereits in den ersten, frühen Definitionen des Corpsstudententums wird ausdrücklich betont, dass politische Betätigung keine Aufgabe der Corps sei. Schon in den Anfangsjahren war es den Mitgliedern freigestellt, welche politische Überzeugung sie persönlich hegen. Diese Grundauffassung wirkt sich bis heute dahingehend aus, dass Corpsstudenten vielen verschiedenen politischen Richtungen und Parteien angehören, aber nach Ansicht der Corps einen besonderen, überdurchschnittlichen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung genommen haben. In Anlehnung an die alten Landsmannschaften des 18. Jahrhunderts gaben sie sich lateinische Namen, die sich auf das Herkunftsland ihrer Mitglieder bezogen, so zum Beispiel Borussia (Preußen), Bavaria (Bayern), Saxonia (Sachsen), Guestphalia (Westfalen), Brunsviga (Braunschweig), Franconia (Franken) oder Suevia (Schwaben). Ihre Mitgliederstruktur war ursprünglich stark landsmannschaftlich ausgerichtet[6]. Sie gaben sich bei der Gründung eine Konstitution (Gründungsurkunde und gleichzeitig Verfassung) und Farben (Couleur) sowie weitere Identitätsmerkmale, die teilweise auf Bräuche des 18. Jahrhunderts zurückgehen (siehe auch Bundeszeichen, Zirkel). Das Besondere und Neue aber war die Bildung von Senioren-Conventen (SC) an den einzelnen Universitätsorten, die jeweils für ihren Bereich einen SC-Comment verfassten und für dessen Einhaltung sorgten. Jede Verbindung entsandte also ihren höchsten Repräsentanten („Senior“) in ein gemeinsames Gremium, in dem darüber beraten wurde, wie sich ein Student an der Universität zu verhalten habe. Ziel war die Besserung der damals sehr rauen Sitten an den Universitäten. Die SC beanspruchten dabei das Recht zur Gesamtvertretung der Studentenschaft, da alle landsmannschaftlichen Gruppierungen in ihm vertreten waren. Heute betrachten die Corps diese Bildung von SC und SC-Comments als ihre Geburtsstunde, auch wenn dieser neue Typus von Verbindung noch unterschiedliche Bezeichnungen erhielt, zum Beispiel „Landsmannschaft“, „Gesellschaft“, „Kränzchen“, teilweise sogar „Club“, aber auch schon „Corps“[6]. Besonders in der Zeit nach dem Wiener Kongress verfolgten die Behörden die Bildung von studentischen Zusammenschlüssen argwöhnisch. In der Zeit der Restauration wurden umstürzlerische Umtriebe vermutet, wenn sich Studenten unkontrolliert zusammentaten (Karlsbader Beschlüsse 1819). Deshalb hielten die ersten Corps ihre Konstitution geheim, mussten sich auflösen und heimlich wieder eröffnen oder wählten nach Verfolgungen andere Bezeichnungen, um harmlos zu wirken. So entstand wohl auch die Bezeichnung „Corps“, die 1810 in Heidelberg erstmals nachweisbar ist. „Corps“ bedeutete eigentlich das „engere Corps“ der Landsmannschaft, in das der „Fuchs“ gewählt werden konnte. Die Fuchserziehung und das Satisfaktionsprinzip wurden im Progress die Eckpfeiler des „konservativen“ Corpsstudententums, dem die „liberalen“ Landsmannschaften entgegenstanden. [7] „Die neuen ‚Landsmannschaften mit Corps‘ strebten von vornherein danach, die Auslese der Studentenschaft zu sein. Sie gaben den Ton an. Die Masse der Studierenden hatte sich ihm anzupassen. Die Auflösung des Ständestaats zu Beginn des 19. Jahrhunderts führte andererseits dazu, daß der adlige Student nicht unter seinen Standesgenossen blieb, sondern Gemeinschaften suchte, die seiner Lebensauffassung entsprachen. Es festigte sich deshalb der aristokratische Zug in den ‚Landsmannschaften mit Corps‘ im Gegensatz zu den späteren demokratischen Bestrebungen der Burschenschaft.“ [8] Abgrenzung gegenüber neuen VerbindungsformenDie Gründung der ersten Burschenschaft in Jena im Jahre 1815 und die Ausbreitung der burschenschaftlichen Idee über ganz Deutschland stellte die Corps vor eine große Herausforderung. Die Forderung war, alle landsmannschaftlich orientierten Zusammenschlüsse an einer Universität aufzulösen und in eine einheitliche gesamtdeutsche Burschenschaft (verbreiteter Name war „Germania“) zusammenzuführen. Dies stellte natürlich den Alleinvertretungsanspruch des SC in Frage. Die Auseinandersetzungen waren heftig. Gerade die älteren Corps zogen sich auf die Positionen des Klassischen Idealismus zurück. Dessen, den philosophischen Gedankenmodellen des Deutschen Idealismus entgegenstehender, praktischer Ansatz der Umsetzung von Werten, wie Pflichterfüllung und Toleranz, durch praktisches Handeln beruhte mehr auf der Philosophie Friedrichs des Großen und paarte sich mit dem Kosmopolitismus Goethes und Schillers, der schon in dem relativ hohen Ausländeranteil bei den Corpsmitgliedern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich wurde.[9] Sogar die Kleidung wurde über die Couleur hinaus zum äußerlichen Abgrenzungskriterium untereinander. Die Folge dieser Differenzierungen war, dass sich in den nächsten Jahrzehnten nicht nur weiterhin neue Corps formierten, sondern sich auch an den meisten Universitäten mehrere Burschenschaften mit unterschiedlichen Ausrichtungen gründeten. Im Rahmen der Reformbewegung des Progress entstanden nach 1840 sogar noch weitere Formen von Studentenverbindungen, von denen viele heute noch existieren. Die neue Vielfalt verwässerte nach Ansicht der Corps die studentischen Traditionen. Der SC-Comment hatte seine Allgemeingültigkeit verloren. Die Corps sahen im Laufe der Zeit ein, dass sie aufgrund der Vielfalt der Neugründungen ihren Alleinvertretungsanspruch gegenüber der gesamten Studentenschaft nicht mehr wiedererlangen konnten. Sie waren jedoch trotzdem der Ansicht, dass ihre Regelungen für das Studentenleben eine ideale Lösung darstellten. Es war zu klären, wodurch sich „Corps“ gegenüber anderen, jüngeren Verbindungen unterscheiden. Dazu mussten sie sich überregional organisieren und sich selbst sowie ihre Ziele und Ideale definieren. Vorarbeit leisteten hier die SC zu Jena, Leipzig und Halle, die sich ab 1820 regelmäßig konsultierten und von 1821 bis 1844 einen "Allgemeinen SC" bildeten, der oft auf der Rudelsburg tagte. VerbandsgründungDie Rudelsburg bei Bad Kösen wurde ab 1848 zum beliebten Treffpunkt und zum Symbol der Kösener Corpsstudenten. Am 15. Juli 1848 fand auf Anregung von Friedrich von Klinggräff (Corps Vandalia Heidelberg) der erste corpsstudentische Kongress in Jena statt, an dem die SC von Leipzig, Heidelberg, Jena, Halle, München, Gießen, Breslau, Erlangen, Freiburg im Breisgau, Berlin, Greifswald und Göttingen (sowie einzelne Corps von anderen Orten) teilnahmen.[10] Tagungsort wurde bald danach Bad Kösen an der Saale mit der bei den Studenten beliebten Rudelsburg und dem Gasthof Mutiger Ritter. Nach und nach folgten auch die anderen SC im deutschen Raum, zuletzt die bayerischen. So entstand der älteste Dachverband studentischer Verbindungen, der Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Noch heute findet der alljährliche Congress (oKC) zu Pfingsten (unterbrochen durch die Weltkriege und die Zeit der deutschen Teilung, in der der Congress in Würzburg tagte) in Bad Kösen statt. In den nachfolgenden Jahrzehnten folgten die Gründung weiterer corpsstudentischer Verbände, so auch am 7. April 1863 des Weinheimer Senioren-Convents (WSC), der die Corps an den technischen Hochschulen vertrat und heute noch vertritt. 1873 entstand der Rudolstädter Seniorenconvent (RSC) und 1882 der Naumburger Seniorenconvent (NSC) für tierärztliche bzw. landwirtschaftliche Bünde. Diese Gründungen wurden als notwendig erachtet, weil die betreffenden Hochschulen damals noch kein Promotionsrecht besaßen und den wissenschaftlichen Hochschulen nicht gleichgestellt waren. Der KSCV lehnte daher eine Aufnahme von Corps dieser Hochschulen ab. Im Burghof der Rudelsburg um 1880, im Vordergrund, mit Bierkrug in der Hand, der erste und legendäre Rudelsburgwirt Gottlieb „Samiel“ Wagner Nachdem sich im KSCV ab 1855 das Verbandsleben gefestigt hatte, begannen sich im darauffolgenden Jahrzehnt innere Strukturen zu bilden. Die seit alters her üblichen Kartelle (feste freundschaftliche Verbindungen von Corps an verschiedenen Universitätsstädten) formierten sich langsam zu festen Kreisen (zuerst „Kartellkreise“ genannt), die verbandspolitische Bedeutung zu entwickeln begannen. Es ging wohl hauptsächlich darum, im Verbund mit den Kartellcorps die eigenen Auffassungen im Kösener Congress besser zur Geltung bringen zu können. Alle offiziellen Publikationen des KSCV bedauern diese Entwicklung und stellen ihre Ergebnisse als wenig nützlich für das Corpsstudententum dar, obwohl die Kreispolitik (mit all ihren folkloristischen Auswüchsen) bis heute die Kultur des KSCV prägt. So spricht man heute zum Beispiel vom „schwarzen Kreis“, vom „blauen“, „grünen“, „weißen“ und „roten Kreis“, denen jeweils bestimmte Charakteristika zugeschrieben werden. Die Kreiszugehörigkeit ist jedoch bis heute vollkommen inoffiziell. Der KSCV veröffentlicht keine expliziten Listen. Alles beruht auf mündlicher Tradition. Ausnahmen bilden das „Süddeutsche Kartell“ (mit je drei Corps aus Deutschland und Österreich) und der Magdeburger Kreis (mit neun Corps aus Deutschland). Diese vergleichsweise spät entstandenen Gruppierungen sind vertraglich definiert und veröffentlichen Mitgliedslisten. Die Corps des WSC erbauten sich zwischen 1907 und 1928 in Weinheim an der Bergstraße ihre eigene und noch heute in ihrem Besitz befindliche Tagungs- und Begegnungsstätte, die Wachenburg, wo jedes Jahr zu Christi Himmelfahrt die Weinheimtagung stattfindet. Gesellschaftspolitische Bedeutung im Deutschen BundCorps Teutonia Gießen, Lithographie, 1858 Als in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – besonders in Vorbereitung der Verbandsgründung 1848 – die ersten Definitionen formuliert wurden, worin das Eigentümliche der Corps im Verhältnis zu den anderen neu gegründeten Verbindungen bestehe, wurde die unpolitische Ausrichtung betont. Corps schreiben ihren Mitgliedern keine politische Richtung vor, bereiten sie aber auf verantwortungsvolle Positionen in der Gesellschaft vor. Und das wurde bereits in den Jahren und Jahrzehnten nach der Gründung der ersten Corps deutlich. So beteiligten sich Corpsstudenten an der Organisation des Hambacher Festes 1832, wie die Rechtsanwälte Johann Georg August Wirth (Corps Franconia Erlangen) und Ernst Savoye (Corps Hassia Heidelberg).[11] Teilnehmer hieran waren auch die Publizisten Friedrich Wilhelm Knoebel und Georg Geib (beide Corps Rhenania Heidelberg, Corps Rhenania Erlangen, Corps Hassia Heidelberg).[12] Auch beim Frankfurter Wachensturm 1833 waren Corpsstudenten führend beteiligt wie der Privatdozent Johann Ernst Arminius von Rauschenplatt (Corps Hildesia Göttingen) und der Rechtsanwalt Friedrich Neuhoff (Corps Hassia Heidelberg). Die berühmtesten corpsstudentischen Revolutionäre und Rädelsführer durchgeführter oder geplanter Aufstände waren der Rechtsanwalt Friedrich Hecker (Mitglied der Heidelberger Corps Hassia, Palatia und Rhenania)[13], der „Berufsrevolutionär“ Heinrich Scheffer (Mitbegründer des Corps Teutonia Marburg) und der Rechtsanwalt und Redakteur Gustav von Struve (Corps Bado-Württembergia Göttingen). So saßen im Vorparlament, dem vom 31. März bis zum 5. April 1848 in der Frankfurter Paulskirche tagenden, vorbereitenden Gremium für die deutsche Nationalversammlung 32 (bisher namentlich erfasste) Corpsstudenten, sein Präsident war der Jura-Professor Joseph Mittermaier (Mitbegründer des Corps Bavaria München). Der Nationalversammlung in der Paulskirche gehörten schließlich insgesamt 585 Abgeordnete an, inklusive Nachrücker sind 812 Abgeordnete in historischen Dokumenten namentlich nachweisbar, rund 600 davon mit akademischer Ausbildung. Von diesen sind 106 Personen heute mit Hilfe der Mitgliedslisten des Kösener Senioren-Convents-Verbands als Corpsstudenten zu identifizieren. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele nur kurzfristig existente Corps gegeben hat, von denen heute keine Aufzeichnungen mehr vorhanden sind, und dass also von einer entsprechenden Dunkelziffer auszugehen ist. Dritter Präsident der Nationalversammlung war Eduard Simson (Corps Littuania Königsberg), der schließlich als Führer der Abordnung des Parlaments dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die erbliche Kaiserwürde antrug. Dieses Ansinnen scheiterte jedoch zusammen mit dem Entwurf der Reichsverfassung. Corpsstudenten waren aber nicht nur Revolutionäre und Aufrührer, sondern dienten auch den Herrschern der deutschen Einzelstaaten in hohen Positionen. Schon damals war die Präsenz der Corpsstudenten in politisch sich entgegen stehenden Lagern typisch. Im Folgenden einige Beispiele.
Teilweise trafen Corpsstudenten sogar in bewaffneten Auseinandersetzungen aufeinander. So setzte der Deutsche Bund den General Friedrich Freiherr von Gagern (Corps Hannovera Göttingen) als Befehlshaber der Bundestruppen ein, um die von dem Corpsstudenten Friedrich Hecker in Südwestdeutschland angeführte Volkserhebung niederzuschlagen. Nach gescheiterten Verhandlungen fiel der General am 20. April 1848 im Gefecht bei Kandern, die Revolutionäre wurden dennoch geschlagen. Hecker entkam in die USA und wird dort neben dem Corpsstudenten Gustav Struve zum Kreis der bedeutenderen Forty-Eighters gezählt. Zur unterschiedlichen Präsenz von „unpolitischen“ Corpsstudenten und „politischen“ Burschenschaftern in staatstragenden Ämtern sagte später der Burschenschafter und Geschichtsprofessor Heinrich von Treitschke:
Datei:Die schöne Münchnerin.jpg Junge Frau der Lola-Montez-Zeit in Münchner Tracht im Gespräch mit einem Studenten des Corps Suevia München (1847) Als nach der Aufhebung der Karlsbader Beschlüsse im Jahre 1848 das gesellschaftspolitische Leben in Deutschland aufkeimen konnte, Vereine und Parteien gegründet werden konnten, waren Corpsstudenten führend an der Gründung beinahe aller deutschlandweiten Politorganisationen und später der reichsweiten Parteien beteiligt – und zwar in allen Strömungen, bei den Kommunisten, den Sozialdemokraten, den Katholiken, den Liberalen und den Nationalkonservativen.
Der spätere hessische Finanzminister Wilhelm Küchler (Corps Rhenania Heidelberg, Corps Teutonia Gießen) Durch die Herausbildung der Organisationen der als neue politische Kraft erstehenden Arbeiterklasse verschob sich das politische Gefüge im deutschsprachigen Raum. Während in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Bürgertum seine Rechte gegenüber dem Adel geltend zu machen versuchte, opponierte nun die Arbeiterschaft gegen Bürgertum und Adel. Das gehobene Bürgertum rückte mit der Aristokratie zusammen und versuchte, die Machtübernahme durch das Proletariat zu verhindern. Obwohl bei der Herausbildung von Arbeiterorganisationen auch Corpsstudenten und andere Verbindungsstudenten beteiligt waren, wurden die Verbindungen – und ganz besonders die Corps – zu Organisationen des bürgerlichen und aristokratischen Establishments. Ihnen wurde – modern gesprochen – die außerfachliche Erziehung an den Universitäten anvertraut. Die „Corpserziehung” galt als vornehmliche Aufgabe der aktiven Corps. Der „gesellschaftliche Schliff”, der hier vermittelt wurde, galt als höchstes Erziehungsideal. Manche Familien schickten ihre Söhne überhaupt nur deshalb zur Universität. Auf den Besuch universitärer Veranstaltungen wurde dabei oft gänzlich verzichtet. Kaiser Wilhelm II. als Alter Herr des Corps Borussia Bonn, Ölgemälde von Ludwig Noster (1859–1910) von 1897 So mittlerweile auch in vielen bedeutenden deutschen Herrscherfamilien. Während in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die „geheimen Verbindungen” im Verdacht standen, die bestehende aristokratische Struktur unterhöhlen oder gar auflösen zu wollen, wurden die Corps jetzt zu Stützen des Staates. So schickten die herrschenden Familien aus Preußen, Württemberg, Baden, Sachsen-Coburg und Gotha, Mecklenburg und Schaumburg-Lippe ihre Söhne an die Universitäten, damit sie in den als besonders vornehm geltenden Corps aktiv werden konnten. Andere Verbindungstypen, wie zum Beispiel Burschenschaften, kamen dafür aus gesellschaftlichen Erwägungen nicht in Betracht. Corpsstudenten als Parlamentarier des Norddeutschen BundesDem konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes gehörten anfänglich im Jahr 1867 von den 297 gewählten Abgeordneten 69 einem Corps an. In der Folgezeit bis Begründung des Deutschen Reiches waren insgesamt 113 Corpsstudenten Abgeordnete des Norddeutschen Reichstages oder des Zollparlaments[15]. Sie gehörten sechs verschiedenen Parteien an, die das gesamte politische Spektrum von der Sozialdemokratie bis zu den Konservativen abdeckten. Die Corps im KaiserreichChristian Wilhelm Allers: Aufnahme ins Corps, 1902 Nach der Gründung des Deutschen Reiches erlangten die studentischen Corps eine gesellschaftlich extrem anerkannte Stellung und erneut die führende Position unter den Studentenverbindungen. Der Corpsstudent wurde – ähnlich dem preußischen Offizier – zum Idealbild eines jungen Mannes dieser Zeit[16]. Die Alten Herren der Corps nahmen die politischen Führungspositionen ein. So waren die beiden führenden Persönlichkeiten des Kaiserreichs Corpsstudenten: Otto von Bismarck (Corps Hannovera Göttingen) und Kaiser Wilhelm II. (Corps Borussia Bonn). Reichskanzler Bismarck wurde gar für viele Jahrzehnte zur politischen Kultfigur – sowohl unter der Bevölkerung, als auch unter den Studenten. Niemandem wurden in Deutschland mehr Denkmäler gebaut. Unter Bezugnahme auf das Couleurband seines Corps sagte Bismarck[17]:
Georg Mühlberg: „Auf die Mensur“, Darstellung einer Mensur auf Korbschläger, ungefähr um 1900, Corps Saxo-Borussia Heidelberg (links) und Corps Vandalia Heidelberg Datei:Franconia Tübingen 1907.jpg Winterliche Ausfahrt des Corps Franconia Tübingen im Jahre 1907 Je mehr die Corps in die gesellschaftliche Spitze aufrückten, desto mehr wandelte sich das Alltagsleben der Corpsstudenten. Die Corps fühlten sich verpflichtet, ihrer Führungsrolle auch durch äußeres Gepränge Ausdruck zu verleihen. Die Repräsentationskosten, die der einzelne aktive Corpsstudent aufzubringen hatte, stiegen in bisher nicht gekannte Höhen. Die meisten Corps machten einen „Mindestwechsel” zur Aufnahmebedingung. So wurde von einem Studenten, der Mitglied in einem Corps werden wollte, ein Mindesteinkommen verlangt, von dem eine mehrköpfige Handwerkerfamilie zu der Zeit bequem hätte leben können. Nur noch wenige Studenten konnten sich die Mitgliedschaft in einem Corps überhaupt leisten. Und obwohl im Kaiserreich die Zahl der Studenten stark anstieg, blieb die Zahl der Corpsstudenten weitgehend konstant, während sich zugleich eine Vielzahl neuer Korporationsformen bildete, die den traditionellen Führungsanspruch der Corps infrage stellten.[18] Weiterhin formalisierte sich das Aktivenleben stark. Die Benimm- und Kleidungsvorschriften erreichten Ausmaße, die nach heutigen Begriffen nicht mehr nachzuvollziehen sind. Die Einrichtung des Comment wurde überstrapaziert, was offenbar von den jungen Leuten ausging, denn historische Quellen berichten von dem Unverständnis der Alten Herren, die noch das freie Burschenleben genossen hatten, gegenüber diesem strengen Formalismus. Diese gehobene gesellschaftliche Position und die formalistischen Verhaltensweisen provozierten auch zahlreiche satirische Angriffe bis hin zu polemischer Kritik. Besonders die Zeitschrift Simplicissimus, in deren Redaktion auch Alte Herren verschiedener Corps mitarbeiteten, veröffentlichte legendäre, bis heute immer wieder nachgedruckte Karikaturen über das Leben der Corpsstudenten, allerdings eher wohlwollend mit einem zwinkerndem Auge. Besondere Zielscheibe war dabei das „Kaisercorps” Corps Borussia Bonn, in dem viele Hohenzollernprinzen Mitglied waren [19]. Aber auch der amerikanische Autor und Satiriker Mark Twain, der im Sommer 1878 mehrere Monate in Heidelberg verbrachte, schenkte den dortigen Corps große Aufmerksamkeit und berichtete über ihren strengen Verhaltenskodex [20]:
Der Dramatiker Wilhelm Meyer-Förster hatte mit seinem Theaterstück Alt-Heidelberg (Schauspiel in 5 Aufzügen, uraufgeführt am 22. November 1901 im Berliner Theater) großen Erfolg. In dem Stück wird Karl Heinrich, Erbprinz des fiktiven thüringischen Kleinstaates Sachsen-Karlsburg zum Studium nach Heidelberg geschickt, wo er in das fiktive Corps Saxonia Heidelberg eintritt und eine fröhliche Zeit verlebt. Durch den unerwarteten Tod seines Vaters muss er früh die Thronfolge antreten und dem Ernst des Lebens ins Auge sehen. In dem Stück, in dem es um die Unwiederholbarkeit jugendlicher Freude und Unbeschwertheit geht, steht das Corps als Synonym für die Freuden der Jugend[21]. Die Handlung wurde im Jahre 1924 für ein Musical am Broadway (The Student Prince) umgearbeitet und erlebte bis in die 1950er Jahre mehrere Verfilmungen in den USA und Deutschland. Bis heute wird das Musical mit deutschen Dialogen und englischen Liedtexten jedes Jahr bei den Heidelberger Schlossfestspielen aufgeführt. Die linke Presse in Deutschland dagegen betrachtete die Corps als Brutstätte der reaktionären gesellschaftlichen Kräfte, gegen die sie kämpfte. So schrieb die SPD-Zeitung Vorwärts, die einst den Corpsstudenten Wilhelm Liebknecht zum Chefredakteur hatte, im Jahre 1892:
Heinrich Mann lässt in seinem das Kaiserreich persiflierenden Roman Der Untertan den Helden Diederich Heßling in das fiktive Corps Neuteutonia Berlin eintreten. Er schildert, wie das Corpsleben bei seiner Romanfigur zur Herausbildung des wilhelminischen Untertanengeistes beiträgt. Der Roman wurde im Jahre 1951 in der DDR verfilmt und mit einem Filmpreis ausgezeichnet (siehe auch: Der Untertan (Film)). Diese Darstellungen sind noch heute im Bewusstsein einiger Kritiker aller Arten von Studentenverbindungen präsent, auch wenn sie schon vor über 100 Jahren verfasst wurden. Zandersche BewegungIm Kaiserreich fanden weitere einschneidende Veränderungen im Leben der Studentenverbindungen statt, die bis heute das studentische Verbindungsleben prägen. Bei diesen Veränderungen spielten die Corps fast immer die Vorreiterrolle. So verstärkte sich das Engagement der Alten Herren, also der nicht mehr studierenden Mitglieder. Bei den Corps waren hier Missstände ausschlaggebend, die zu Beginn der Kaiserzeit aufgetreten waren und die von den Alten Herren nicht gutgeheißen wurden. Intendanturrat Zander (Borussia Breslau, Lusatia Breslau, Guestphalia Jena, Marchia Halle) in Posen, Regierungsrat Hirche (Lusatia Leipzig, Neoborussia Berlin) in Bromberg und Leutnant a. D. Alexander von Claer (Palatia Bonn EM, IdC der Borussia Bonn, Guestphalia Bonn, Rhenania Bonn und Guestphalia Halle) verschickten im Herbst 1880 ein Rundschreiben an die Alten Herren und den KSCV, um die Auswüchse und Mißbräuche der Kösener Sitten abzuschaffen. Die Zustimmung war groß. Unter den 4.077 Unterschriften der Beteiligungslisten waren die des Kronprinzen Wilhelm und des Fürsten Bismarck. Es bildete sich ein Zentralausschuss von 170 Mitgliedern in ganz Deutschland. Die Entwicklung gipfelte 1888 in der Gründung des Verbandes Alter Corpsstudenten (VAC), dem ersten Zusammenschluss von Altherrenvereinigungen studentischer Verbindungen. Bereits wenige Jahre später erhielt der VAC durch persönliche Anweisung von Kaiser Wilhelm II. einen Status als Rechtsperson, vergleichbar den noch heute bestehenden altrechtlichen Vereinen. Später gründeten alle anderen studentischen Verbände ebenfalls spezielle Altherrenverbände. Corpshaus der Rhenania Tübingen, Erstbau 1886, heutiger Zustand seit 1912 Durch das verstärkte, auch finanzielle Engagement der Alten Herren konnten die Repräsentationsaufwendungen neue Höhen erreichen. In der Kaiserzeit entstand das Bedürfnis der Corps nach einer eigenen Immobilie, einem eigenen „Heim“ oder „Kneipe“, was in dem Bau prunkvoller Jugendstilvillen (siehe auch Korporationshaus) in allen Universitätsstädten gipfelte. Das Corps Teutonia Marburg machte den Anfang mit der Nutzung eines kleinen Grundstücks mit Kegelbahn auf einem Gelände am Marburger Schlossberg in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts. Später, nach mehreren Ausbauphasen, entstand auf diesem Grundstück eines der prächtigsten Corpshäuser Deutschlands. Das erste Verbindungshaus Deutschlands, das von Beginn an als solches gebaut wurde, war das Haus des Corps Rhenania Tübingen, das heute – ebenfalls nach mehreren Bauphasen – eindrucksvoll über dem Neckar und der Tübinger Altstadt auf dem Österberg liegt.
Obwohl die Corps prinzipiell unpolitisch waren und sind, hielt man es doch in dieser Zeit für ganz selbstverständlich, dass man sich für das neugegründete Deutsche Reich, seinen Gründer Otto von Bismarck und den Kaiser begeisterte. Das Singen vaterländischer Lieder und das „Hoch“ auf den Kaiser gehörten zu corpsstudentischen Veranstaltungen wie das Amen in der Kirche. Als in den 1880er Jahren des 19. Jahrhunderts der Antisemitismus in Deutschland – und ganz besonders unter den Studenten – einen Aufschwung erfuhr, gingen auch viele Corps dazu über, keine Juden mehr aufzunehmen, wie z.B als eines der ersten das Corps Teutonia Marburg. Der KSCV lehnte es jedoch ab – im Gegensatz zu anderen studentischen Verbänden – einen entsprechenden Verbandsbeschluss zu fällen. So blieb es jedem Corps selbst überlassen, wie es sich in dieser Frage verhielt (siehe auch: Jüdische Studentenverbindung). Viele studentische Verbände versuchten, sich durch besondere Strenge in der „Judenfrage“ gesellschaftlich zu profilieren und die Corps an Bedeutung zu übertrumpfen, was aber nicht gelang. Den „Krawall-Antisemitismus” anderer Verbände wollten die Corps nicht mitmachen und hielten sich vornehm zurück. Der Ausschluss von Alten Herren, die jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung waren, wurde in den Corps nicht diskutiert, so dass bei Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 noch viele Corps jüdische Mitglieder oder Mitglieder jüdischer Abstammung hatten. Trotz des hohen gesellschaftlichen Ansehens der Corps im Kaiserreich gab es zum Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts Entwicklungen, die sich gegen die traditionelle Ausrichtung der Studentenverbindungen im Allgemeinen und gegen die Corps im Speziellen richteten. Durch die steigende Zahl der Studenten stieg auch die Zahl der nichtkorporierten Studenten, also der Studenten, die nicht in einer Studentenverbindung Mitglied waren. Obwohl noch in der Minderheit verlangte diese Gruppe zunehmend Mitspracherecht an den Universitäten und forderte eine Studentenvertretung, die von den Studentenverbindungen unabhängig ist. Die Freistudentenbewegung bildete die Basis für die nach dem Ersten Weltkrieg eingerichteten Verfassten Studentenschaften (AStA) mit der Deutschen Studentenschaft als Dachorganisation. Aber nicht nur in der Hochschulpolitik, auch im Zeitgeist zeigten sich gegenläufige Tendenzen. Die Jugendbewegung (Wandervogel) galt als moderne Form des Zusammenschlusses junger Menschen. Es bildeten sich Begriffe wie „Zurück zur Natur“ und „gesunde Lebensweise“. Alkoholkonsum wurde abgelehnt, Sport befürwortet. Die Folgen für die Corps zeigten sich in der Statistik: Im Jahre 1901 gehörten 8,3 Prozent aller männlichen Studenten im Deutschen Reich einem Kösener Corps an. Das entsprach 2891 Aktiven und Inaktiven. Im Jahre 1908 war dieser Anteil bereits auf 6,4 Prozent gesunken, was einer absoluten Zahl von 3.100 studierenden Corpsmitgliedern entsprach. Im Jahre 1914 betrug der Anteil noch 5,0 Prozent (2.914 Studenten). Die absolute Zahl der Corpsstudenten stagnierte also, während die allgemeinen Studentenzahlen stark stiegen. In den damaligen Corpspublikationen wurden als Kritikpunkte der übermäßige Alkoholgenuss genannt, aber auch die Strenge in der Mensurbeurteilung, eine übertriebene Kreispolitik, also eine Cliquenwirtschaft innerhalb des Verbandes, sowie der Aufwand an Zeit und Geld, den der einzelne Student für die Aktivenzeit im Corps zu erbringen habe. Zudem gab es damals bereits alternative Freizeitmöglichkeiten, die das Monopol der Verbindungen auf die Freizeitgestaltung der Studenten längst aufgebrochen hatten. Andere Stimmen kritisierten, dass die Corps zu wenig Nationalismus zeigten, um für die Jugend, die sich damals für das Vaterland begeisterte, attraktiv zu sein. Die Begeisterung für das Vaterland ließ auch viele Corpsstudenten mit Enthusiasmus in den Ersten Weltkrieg ziehen. Vaterlandslieder wurden gesungen, vaterländische Reden gehalten [...] die Erregung war auf dem Höhepunkt, heißt es im Semesterbericht des Corps Borussia Tübingen vom Sommer 1914, Unter Vorantritt der Musik zogen wir heim. [...] noch einmal Deutschland, Deutschland über alles und ein Hoch auf den Kaiser und König. Doch ernst waren die Nachrichten. Was sollten wir tun? Wir wollten gern fahren, jeder wollte gleich, wenn "es" käme, an seinem Platze sein.[22] Während des Kriegs kam das Universitäts- und Verbindungsleben fast zum Erliegen. Teilweise wurden die CC-Ferien bis Kriegsende verlängert. Mancherorts hielten Kriegsverwundete und Alte Herren den Betrieb mühsam aufrecht. Das Ende des Kaiserreichs war aber nicht mehr aufzuhalten. Zum Ende des Krieges erklärte der letzte Reichskanzler des Kaiserreichs, Prinz Max von Baden (Corps Rhenania Freiburg, Corps Saxo-Borussia Heidelberg, Corps Suevia Heidelberg) die Abdankung des Kaisers und übergab die Regierungsgeschäfte dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert. Weimarer RepublikNach dem Ende des Ersten Weltkriegs strömten die Kriegsheimkehrer an die Universitäten, und die Sorgen um den Nachwuchs zerstreuten sich. Während im Jahre 1914 noch 58.700 männliche Studenten an den Universitäten des Reichs immatrikuliert waren, stieg diese Zahl bereits unmittelbar nach Kriegsende auf 82.300. Die Zahl der Aktiven, also der Mitglieder in den ersten Semestern, verdoppelte sich bei den Kösener Corps im Vergleich zum letzten Vorkriegsjahr beinahe. Jedoch blieb die Gesamtzahl der studierenden Corpsmitglieder eher konstant. Der prozentuale Anteil der Kösener Corpsstudenten an der männlichen Studentenschaft sank auf 3,7 Prozent. Stabilisierung erst nach bürgerkriegsartigen UnruhenVon 1919 bis 1920 wurden immer wieder Studenten von SPD-Reichswehrminister Gustav Noske aufgefordert, sich in Zeitfreiwilligenverbänden der Reichswehr anzuschließen, um kommunistische Aufstände an verschiedenen Orten im Lande zu zerschlagen. Unter den Freiwilligen waren auch viele Verbindungsstudenten und auch Corpsstudenten mit Fronterfahrung aus dem Weltkrieg. Ziel der SPD-Führung war es dabei, die Bildung von Räterepubliken seitens der USPD und der später gegründeten KPD zu verhindern und Wahlen für eine parlamentarische Demokratie zu ermöglichen, was schließlich auch gelang. Die Demokratie konnte errichtet werden, Wahlen fanden statt. Die Weimarer Republik stabilisierte sich zumindest für eine gewisse Zeit. (Siehe auch: Ebert-Groener-Pakt) Die Maßnahmen, die während dieser bürgerkriegsähnlichen Zustände ergriffen wurden, verstießen nicht selten gegen Recht und Gesetz. Übergriffe und Gräuel fanden an vielen Orten im Reich statt. Besonderes Aufsehen erregten die Morde an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die zuvor zu einem bewaffneten kommunistischen Aufstand aufgerufen hatten. Die juristische Aufarbeitung dieser Vorgänge erfüllte selten rechtsstaatliche Anforderungen, denn auch die Spitzen von Gesellschaft und Justiz waren in dieser Hinsicht zu befangen. Politische AusrichtungNotgeld der Stadt Bad Kösen (1921) Auch bei der politischen Bewertung dieser Vorgänge ging ein tiefer Riss durch die Bevölkerung Deutschlands. Das Bündnis der SPD mit den konservativen Militärs ließ viele Sozialdemokraten zu den Kommunisten abwandern. Die reaktionären Kräfte, die dem alten System anhingen, waren mit der Demokratie, die sie eigentlich gestützt und überhaupt erst ermöglicht hatten, auch nicht zufrieden. Die Anhänger der parlamentarischen Demokratie saßen zwischen allen Stühlen und hatten auch keine ausreichende Mehrheit, um die Republik dauerhaft zu stabilisieren. Die Mitglieder der Corps stammten vorzugsweise aus dem Großbürgertum und dem Adel und waren die Stützen des Kaiserreichs gewesen. Nur wenige konnten sich mit der neuen Demokratie anfreunden. Obwohl die Corps auch in dieser Zeit streng vermieden, sich zu politisieren oder politische Richtungen zu begünstigen, waren demonstrative Kundgebungen für das alte Regime doch in diesen Jahren üblich. Aber unter Mitgliedern der Corps waren auch bedeutende Sozialdemokraten. So wurde Wilhelm Blos, Mitglied der SPD und des Corps Rhenania Freiburg, erster Staatspräsident Württembergs und löste damit König Wilhelm II. (Corps Suevia Tübingen, Corps Bremensia Göttingen) als Staatsoberhaupt in Stuttgart ab. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg geriet Deutschland territorial und materiell zunehmend unter Druck. Die Regelungen des Versailler Vertrages wurde als Demütigung und unzumutbare Last empfunden. Als Gegenbewegung bildete sich in weiten Kreisen des Bürgertums eine „vaterländische“ Gesinnung, die die Basis für die Wiederherstellung eines stabilen Landes dienen sollte. So schrieb der König Wilhelm II. von Württemberg kurz nach seiner Abdankung an den Vorsitzenden der Altherrenschaft seines Tübinger Corps Suevia:
In weiten Teilen des deutschen Bürgertums machte sich die Überzeugung breit, dass nur mit einer „nationalen“, „deutsch-völkischen“ und „vaterländischen“ Gesinnung der Aufbau des Landes möglich sein werde. Diese Auffassungen wurden damals nicht parteipolitisch begriffen, sondern stellten sich den Vertretern des Bürgertums als moralische Überzeugungen und ethische Grundwerte dar. So bekannten sich auch die Corps zu diesen Überzeugungen, ohne der Meinung zu sein, dafür ihre Überparteilichkeit und unpolitische Ausrichtung aufgegeben zu haben.
Kommunismus und Internationalismus wurden strikt abgelehnt. Unter Internationalismus wurde damals ein nationale Grenzen überschreitender, nur am Profitstreben ausgerichteter Kapitalismus verstanden, also ein Vorläufer der heute so genannten Globalisierung. Diese Auffassungen waren im Bürgertum und damit auch unter den Studenten in der Zeit der Weimarer Republik weit verbreitet. Hochschulpolitische MaßnahmenBereits zu Beginn der Weimarer Republik machte die Hochschulpolitik eine entscheidende Wandlung durch. Der Freistudentenschaft gelang es, eine Vertretung der Studenten unabhängig von den Korporationen zu etablieren, die Verfasste Studentenschaft. Es bildeten sich die ersten Allgemeinen Studentenausschüsse (AStA) und ihr Dachverband, die Deutsche Studentenschaft. Das bedeutete, dass die Studentenverbindungen nicht mehr die alleinige und typische Form studentischen Zusammenschlusses war. Das bewirkte, das die traditionellen studentischen Verbände, die seit jeher massive Meinungsverschiedenheiten hatten, jetzt anfingen, Gemeinsamkeiten zu entdecken, und danach strebten, sich zu Arbeitsgemeinschaften zusammenzuschließen. Dazu musste eine Menge aufgestautes Konfliktpotenzial abgearbeitet werden, was nur teilweise gelang. Die schlagenden Verbindungen schlossen sich zur Durchsetzung ihrer Interessen in den neuen Gremien an den einzelnen Hochschulorten zu so genannten Waffenringen zusammen, die als Dachverband den Allgemeinen Deutschen Waffenring gründeten.[23] Nationalsozialismus und Zweiter WeltkriegDer Nationalsozialismus trat an den deutschen Hochschulen zuerst in Form des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds (NSDStB) auf, der im Jahre 1926 gegründet wurde.[24] Die Nationalsozialisten konkurrierten mit den etablierten Studentenverbindungen bei den AStA-Wahlen. Hier dominierten damals – mit Unterschieden von Universität zu Universität – verschieden zusammengesetzte hochschulpolitische Gruppierungen der schlagenden und der nichtschlagenden Verbindungen. Gegen Ende der 1920er Jahre wurde der NSDStB dabei immer erfolgreicher und übernahm auf dem Grazer Studententag im Juli 1931 die Führung der Deutschen Studentenschaft. In seiner Abschiedsrede griff der scheidende Vorsitzende der DSt Hans-Heinrich Schulz (Mitglied des Corps Hildeso-Guestphalia Göttingen) den NSDStB wegen dessen Totalitätsanspruch scharf an und erklärte unter anderem: „In dem Augenblick, in dem eine politische Partei der Deutschen Studentenschaft ausschließlich ihren Stempel aufdrückt, wird man von einer Deutschen Studentenschaft nicht mehr sprechen können“. Im Juli 1932 war die Gleichschaltung der DSt vollzogen: Auf dem Königsberger Studententag erschienen die Delegierten in den Uniformen der NSDAP-Gliederungen; an nahezu allen Universitäten stellte der NSDStB den Allgemeinen Studentenausschuss (AStA).[25] Obwohl viele Corpsstudenten mit einigen nationalsozialistischen Ideen sympathisierten, vor allem hinsichtlich des Strebens nach einer autoritären Staatsform und des Revanchismus für den verlorenen Weltkrieg, gab es auch entscheidende Unterschiede zwischen den NS-Ideologien und den corpsstudentischen Traditionen. So vertrug sich das Führerprinzip nicht mit dem althergebrachten Conventsprinzip, das für die einzelnen Corps eine demokratische Entscheidungsfindung und eine Autonomie gegenüber staatlichen Stellen vorsieht. Die Abgrenzung der Akademiker von anderen Bevölkerungsgruppen durch das Tragen von Couleur war den NS-Ideologen auch ein Dorn im Auge. Ihr Ideal war der gleichgeschaltete, uniformierte Volksgenosse. Die corpsstudentische Ehrauffassung vertrug sich nicht mit dem von den Nationalsozialisten geforderten Kadavergehorsam gegenüber Staat und Partei. Die corpsstudentische Lebensfreude und üppige Freizeitgestaltung kam in Konflikt mit den NS-Konzepten von ideologischer Schulung und Wehrsport. Die Gleichschaltung der Deutschen Studentenschaft im nationalsozialistischen Sinne hatte bereits deutlich vor 1933 stattgefunden, die der verschiedenen Verbindungen und ihrer Verbände sollte noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Ein Instrument dazu sollte der Allgemeine Deutsche Waffenring (ADW) werden. Der NSDStB hatte bereits im Januar 1931 mit dem ADW ein Abkommen abgeschlossen, das die hochschulpolitische Zusammenarbeit regelte und eine Ehrenordnung enthielt. So sollte der ADW auf die Verbände und ihre Mitgliedsverbindungen im Sinne des NSDStB von oben herab Einfluss nehmen, was auch zunehmend der Fall war. Um dem entgegenzutreten, stellte der SC zu Heidelberg auf dem Kösener Congress im Oktober 1932 den Antrag, die Mitgliedschaft des KSCV im ADW zu kündigen: Der Verlauf der letzten Waffenstudententage nötigt uns zu der Erkenntnis, dass durch die Vergewaltigung des ADW-Vertrages durch zweifelhafte Mehrheitsbeschlüsse die Erhaltung des Kösener Gesetzes auf die Dauer unmöglich wird. Diese Erkenntnis zieht aber die Konsequenz nach sich, dass man aus diesem Gremium austreten muss, solange noch Zeit dazu ist. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen, der KSCV trat aus dem ADW aus. Die dreimonatige Kündigungsfrist reichte bis zum Januar 1933. Die Auseinandersetzungen nahmen auch nach der Machtergreifung 1933 weiter zu. Rempeleien und Pöbeleien uferten teilweise in regelrechte Straßenschlachten aus. Diese Konflikte kamen in Form der Göttinger Krawalle und des Heidelberger Spargelessens in die öffentliche Diskussion. Die gleichgeschalteten Medien forderten zunehmend die Auflösung der traditionellen Studentenverbindungen. Die selbstbewussten Corps galten dabei als besonders kritisch. Der ordentliche Kösener Congress an Pfingsten 1933, der die Gleichschaltung und Übernahme des Führerprinzips einleiten sollte, brachte den KSCV an den Rand der Handlungsunfähigkeit.[26] Erst nach Konsultation des Staatssekretärs Dr. Lammers in Berlin ernannte der Gesamtausschuss den Juristen Dr. Max Blunck zum „Führer des KSCV“.[27] Während seiner Amtszeit nahm durch Gesetzgebung und Verwaltungsentscheidungen der Druck auf die Verbindungen weiter zu. Wichtige Schritte waren das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums 1933 und der Feickert-Plan 1934.[28] Ziel der Nationalsozialisten war Gleichschaltung der Verbindungen durch Eingliederung aller Studenten in die NS-Kameradschaften, gegen die sich die Verbindungen, allen voran die Corps, heftig wehrten. Im Jahre 1934 schlossen sich im Rahmen von Widerständen gegen die Gleichschaltungen der Rudolstädter Senioren-Convent (RSC) sowie der Naumburger Senioren-Convent (NSC) dem Weinheimer Senioren-Convent (WSC) an, was aber die Zwangsauflösung der Verbände und ihrer Einzelcorps nicht verhindern konnte. Damit setzte sich der NS-Staat bis Ende 1935 im wesentlichen durch. Die österreichischen Corps wurden nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 aufgelöst, ihre Mitglieder in die NS-Kameradschaften aufgenommen. Trotz der Verbote und offiziellen Suspendierungen führten viele Corps ihre Aktivitäten in der Kriegszeit im Geheimen fort. Wiedergründung nach dem WeltkriegTrotz der Suspension der Corps in den dreißiger Jahren stehen diese auf dem Index der verbotenen Vereine der 4-Mächte Verordnung Nr. 24: „Die führenden Universitätsburschenschaften [sic!] …, die dem Kösener Studentencorps angeschlossen waren“. Nach dem Krieg wurden in Westdeutschland und in Österreich nach dieser Unterdrückung ab etwa 1947 erste Versuche der Wiedergründung der Corps gemacht, bis 1950 hatten sie konkrete Formen angenommen, ab 1953 wurde die Mensur für straffrei erklärt, zugleich mit dem Verzicht der mensurschlagenden Verbände auf das Prinzip der unbedingten Satisfaktion und die Einführung der Kösener Ehrenordnung (1958) ein bedeutsamer Wandel vollzogen. Die Corps an den Hochschulen auf dem Gebiet der DDR, der deutschen Ostgebiete und in Böhmen/Mähren verlegten ihren Standort nach Westdeutschland oder Österreich. Dabei fusionierten manche mit befreundeten Corps oder mit den anderen Corps am Standort, um mehr Ressourcen für den Wiederaufbau zu haben. Dies traf besonders für die Corps aus Königsberg und Halle an der Saale zu. Die baltischen Verbindungen, die an den Standorten Riga und Dorpat eine eigene Kultur entwickelt hatten, sich dabei jedoch immer dem Corpsstudententum verbunden fühlten, gründeten nach dem Kriege in Westdeutschland neue Corps in Göttingen und Hamburg, die innerhalb des KSCV bis heute ihre speziell baltischen Traditionen weiterführen. Deutsche WiedervereinigungNach der deutschen Wiedervereinigung im Jahre 1990 kehrten viele Corps wieder an ihre alten Standorte in die neuen Bundesländer zurück, es wurden auch neue Standorte (Potsdam, Magdeburg, Frankfurt (Oder)) für das Corpsstudententum erschlossen.[29] Am 30. Juni 2007 wurde auch wieder ein Kösener Corps in der Schweiz neu gegründet. Dabei wurde bewusst auf der Tradition des untergegangenen Corps Tigurinia Zürich aufgebaut, das nach den Richtlinien des KSCV nicht wiederbelebt werden durfte. Die Tigurinia II gilt als neu gegründetes Corps, führt aber die Tradition der Tigurinia I weiter.[30] Gesellschaftliches EngagementDie Corps und ihre Verbände setzen seit jeher auf das persönliche Engagement des einzelnen Corpsstudenten, der sich vor Ort in gesellschaftliche und soziale Verantwortung stellen soll. Den Konstitutionen der Corps und den Statuten ihrer Verbände liefe ein Allgemeinpolitisches Mandat zuwider. Ein Corps wird deshalb keine politischen Erklärungen abgeben. In der Nachwuchsarbeit zielen die Corps auf eigenverantwortliche, aufgeschlossene und gebildete Menschen. Aus welchem Land oder Kulturkreis sie kommen, spielt keine Rolle. Noch heute dem Humboldtschen Bildungsideal anhängend, wird die Begabtenförderung von Corpsstudenten und ihren Verbänden nicht unwesentlich finanziert. Ein Beispiel ist das Projekt Jugend Aktiv, das 1999 mit seinen Regionalvereinen vom Pathologen Wolfgang Höpker (ehemals Corps Albertina) initiiert wurde.[31][32][33] Angesprochen sind hochbegabte Schüler und Jugendliche.[34] Auch unter den Mitgliedern werden Begabung und Leistung durch verbandsseigene Bildungswerke gefördert.[35][36] Der Stifterverein Alter Corpsstudenten verleiht alljährlich beim Kösener Congress die Friedrich-von-Klinggräff-Medaille an junge Corpsstudenten, die als Vorbild gelten können. Corpsstudentisches Engagement, Dienst am Gemeinwohl und herausragende wissenschaftliche Leistungen werden gleichermaßen gewürdigt.[37] Bis zum Jahr 2009 wurden 115 Kösener und Weinheimer Corpsstudenten geehrt und gefördert. International unterstützen Corps und Corpsstudenten auf Initiative von Wolf-Gerhard Ansohn (Corps Concordia Rigensis) im Rahmen der Europäischen Integration schwerpunktmäßig Schüler und Studenten im Baltikum über den Förderkreis Brücke zum Baltikum.[38] Ein weiteres Feld gesellschaftlichen Engagements ergibt sich aus dem Traditionsverständnis von KSCV und VAC. Nach der deutschen Vereinigung haben Corpsverbände und einzelne Corpsstudenten erhebliche Mittel aufgebracht, um den alten Tagungsort, den Mutigen Ritter und die Rudelsburg in Bad Kösen, wieder benutzen zu können. Das Gleiche gilt für die Denkmäler bei der Rudelsburg. In diesen ideellen Rahmen ist auch die mittelbare Kofinanzierung des Instituts für Hochschulkunde an der Universität Würzburg einzuordnen. Durch ihre Corpshäuser fühlen sich die Corps und ihre Altherrenvereine dem Denkmalschutz besonders verpflichtet. Als Baudenkmäler prägen sie gerade in den kleineren Universitätsstädten oft das Ortsbild. Ihre Erhaltung bindet den größten Teil der finanziellen Mittel und ist daher - unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten - der Kernbereich des gesellschaftlichen Engagements. Seit 2007 diskutieren und erarbeiten die Corpsverbände ein aktualisiertes Leitbild. DachverbändeHeutige SituationHeute bestehen als Dachverbände der Corps der Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) mit Mitgliedscorps in Deutschland, Österreich und der Schweiz und der Weinheimer Senioren-Convent (WSC), früher auch in der Schweiz präsent, jetzt nur noch mit aktiven Verbindungen in Deutschland. Beide sind pflichtschlagend und farbentragend und pflegen durch einen Kartellvertrag eine enge Kooperation. Einige Mitgliedsverbindungen des Wernigeroder Jagdkorporationen-Senioren-Convents (WJSC) bezeichnen sich als „Jagdcorps“. Historische VerbändeIn Deutschland existierten mit dem Rudolstädter Senioren-Convent (RSC) und dem Naumburger Senioren-Convent (NSC) bis 1934 zwei weitere überregional bedeutsame fachstudentisch ausgerichtete Corpsverbände. Der Rudolstädter Senioren-Convent (RSC) wurde im Jahre 1873 von Landsmannschaften an Tierärztlichen Hochschulen gegründet und später ausgedehnt auf Verbindungen an deutschen Universitäten, Technischen Hochschulen und Handelshochschulen. Diese Verbindungen benannten sich später in Corps um. Der gesamte Verband trat 1934 dem WSC bei. Nach 1945 gab es keine Versuche, den Verband zu rekonstituieren. Der Naumburger Senioren-Convent (NSC) ist im Jahre 1928 hervorgegangen aus dem Verband der akademischen landwirtschaftlichen Verbindungen, die sich nunmehr in Corps umbenannten. Von den ehemaligen NSC-Corps gehören heute zwei dem WSC an (Agronomia Hallensis zu Göttingen, Alemannia Kiel) und eine verblieb unabhängig (Corps Donaria Freising). In Österreich bildeten sich in der Zwischenkriegszeit Legitimistische Corps, schlagende legitimistische Studentenverbindungen, die sich in allen bekannten Fällen früher oder später als Corps bezeichneten. Gemeinsam war diesen Bünden, dass sie nach dem Zusammenbruch der Monarchie aus konservativen Kreisen, ehemaliger Adel und Militär, entstanden waren. Darum kamen sie mehr oder weniger berechtigt in den Ruf, legitimistisch[39] zu sein. War vor dem Ersten Weltkriege für die Corps Kaisertreue gut mit dem Anspruch, politisch neutral zu sein, vereinbar, so war in der Ersten Republik für diese nun als politisch positioniert wahrgenommenen Neugründungen kein Platz in den Corpsdachverbänden. Die relativ offen legitimistischen Bünde in Wien fanden sich im Wiener SC zusammen. In der Schweiz bestand in Konkurrenz zu den dem KSCV angegliederten Corps zeitweilig der Aarburger Senioren-Convent (ASC). Er wurde am 22. November 1884 als Verband schweizerischer Corps gegründet und ähnelte in seiner Ausrichtung dem KSCV. Er war Nachfolgeinstitution des 1876 gebildeten Aarburger Kartellverbands. 1889 erklärten sich die Verbindungen zu Corps. 1971 wurde der ASC suspendiert, da keine aktive Verbindung mehr bestand. Die Altherrenvereine schlossen sich bei Wahrung der Selbständigkeit zu einem gemeinsamen Altherren-Convent zusammen, der inzwischen ebenfalls erloschen ist. Eine Auswahl bekannter Corpsstudenten(Siehe auch: Kategorie:Corpsstudent) Staatsoberhäupter
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Siehe auch
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