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Dési Bouterse

Dési Bouterse am 12. August 2010

DesirĂ© Delano Bouterse [ˈdeːziː ˈbÊŒÊŠÌŻtəɟsə] (* 13. Oktober 1945 in Domburg, Wanica-Distrikt, Suriname) ist seit dem 12. August 2010 PrĂ€sident von Suriname und war vorher Sportlehrer beim MilitĂ€r, PutschfĂŒhrer und Oberbefehlshaber der Armee. Er ist GrĂŒnder und Vorsitzender der Nationale Democratische Partij (NDP) in Suriname. Er gilt als eine der umstrittensten Persönlichkeiten in der jĂŒngeren Geschichte Surinames. Am 19. Juli 2010 wurde er vom Parlament zum neunten PrĂ€sidenten von Suriname gewĂ€hlt, darauf folgte am 12. August 2010 die AmtseinfĂŒhrung.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

Jugend und Ausbildung

Bouterse wuchs in der damaligen Kolonie NiederlĂ€ndisch-Guayana auf und besuchte die Handelsschule in Paramaribo. Von 1968 bis 1975 lebte seine Familie in den Niederlanden, wo er 1970 Ingrid Figueira heiratete. Aus der inzwischen geschiedenen Verbindung gingen zwei Kinder hervor, Tochter Peggy und Sohn Dino. Er absolvierte verschiedene militĂ€rische Ausbildungen in der niederlĂ€ndischen Armee. Als Soldat (Feldwebel) war er im letzten Jahr vor seiner RĂŒckkehr nach Suriname auch in der NATO-Kaserne im niedersĂ€chsischen Seedorf stationiert.

MilitÀrische und Politische Karriere

MilitÀrputsch in Suriname

ZurĂŒck im gerade unabhĂ€ngig werdenden Suriname (25. November 1975), war Bouterse am Aufbau eines neuen Heeres beteiligt. Am 25. Februar 1980 verĂŒbten DĂ©si Bouterse und Roy Horb (1953-1983) sowie vierzehn weitere Unteroffiziere einen MilitĂ€rputsch (Sergeantencoup) und setzten die Regierung unter Premierminister Henck A. E. Arron ab. Dieser MilitĂ€rputsch wurde von einem Großteil der Bevölkerung anfĂ€nglich begrĂŒĂŸt, da sie sich einen RĂŒckgang der Korruption und eine Steigerung des Lebensstandards versprach.[3]

Als neuer Regierungschef wurde nach dem Putsch Hendrick Chin A Sen ernannt. Nach vermeintlichen PlĂ€nen zu einem Gegencoup setzte Bouterse die Verfassung außer Kraft und löste das Parlament auf. Der seit 1975 im Amt befindliche PrĂ€sident Johan Ferrier trat auf DĂ©si Bouterses Druck hin zurĂŒck.

MilitÀrregime, Dezember-Morde und KriminalitÀt

Dési Bouterse, Aufnahme 1985

Bouterses Name ist eng mit dem des MilitĂ€rregimes verknĂŒpft, das Suriname von 1980 an beherrschte. Die negativen Höhepunkte waren die „Dezember-Morde“ von 1982, der BĂŒrgerkrieg (Binnenlandse Oorlog) von 1986 bis 1992 und das Massaker in dem Ndyuka-Dorf 1986 („Moiwana-Morde“). Daneben wurde er mehrfach der Verwicklung in illegale DrogengeschĂ€fte bezichtigt.[4] Im Juli 1999 wurde er in den Niederlanden in Abwesenheit zu elf Jahren GefĂ€ngnis wegen Kokainhandels verurteilt. Die Niederlande haben einen Internationalen Haftbefehl gegen Bouterse erwirkt, wodurch ein Verlassen seines Heimatlandes fĂŒr ihn praktisch unmöglich war. Seit Antritt des PrĂ€sidentenamtes genießt Bouterse ImmunitĂ€t; der Haftbefehl darf nach Völkerrecht nicht vollstreckt werden.[5]

Sein Sohn Dino wurde im August 2005 in Paramaribo wegen aktiver Mitwirkung an internationalem Drogenhandel und Waffenschmuggel zu acht Jahren GefÀngnis verurteilt.[6]

Parlamentsdebatte

Nach der RĂŒckkehr demokratischer VerhĂ€ltnisse unter den PrĂ€sidenten Ronald Venetiaan und Jules Wijdenbosch (der wiederum von Venetiaan abgelöst wurde) hat Bouterse mehrmals erfolglos versucht, bei Wahlen erneut an die Macht zu kommen. Bei den Wahlen vom 25. Mai 2005 wurde die von ihm gegrĂŒndete Nationale Democratische Partij (NDP) zur zweitstĂ€rksten Partei in der Nationalversammlung von Suriname.[7]

Bouterse ist jedoch kein Mitglied des Parlaments mehr. Nachdem er nach dreizehn-monatiger Abwesenheit am 27. Januar 2009 wieder an einer Parlamentssitzung teilnehmen wollte, leitete der Parlamentsvorsitzende Paul Somohardjo sofort das Ausschlussverfahren ein. Per Gerichtsvollzieher und Brief wurde Bouterse noch am selben Tag mitgeteilt, dass seine Mitgliedschaft im Parlament, De Nationale AssemblĂ©e (DNA), beendet sei. BegrĂŒndet wurde der Ausschluss mit Artikel 68, Nr. 1, f des Grundgesetzes. Hiernach endet die Mitgliedschaft in der DNA nach einer Abwesenheit im Parlament von einer zusammenhĂ€ngenden Periode von fĂŒnf Monaten.

Seine monatelange Abwesenheit in der DNA versteht Bouterse vor allem als Protest gegen die Weigerung der Regierung, ihn nicht seit Beginn der Legislaturperiode 2005 u.a. im Verteidigungsausschuss mitwirken zu lassen. Die RechtmĂ€ĂŸigkeit des Ausschlusses aus dem Parlament will er gerichtlich klĂ€ren lassen.

Prozess Dezember-Morde

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Am 30. November 2007, 25 Jahre nach den Dezember-Morden im Fort Zeelandia, begann der Prozess vor dem surinamischen Krijgsraad, dem MilitĂ€rgericht in Boxel, sĂŒdlich von Paramaribo. Einer der Hauptangeklagten ist DĂ©si Bouterse als damaliger Oberbefehlshaber der Armee. Er selbst bestreitet seine Anwesenheit im Fort Zeelandia, als hier am 8. Dezember 1982 fĂŒnfzehn prominente Oppositionelle (darunter mehrere AnwĂ€lte und Journalisten) erschossen wurden.[8] Die Verantwortung fĂŒr die Morde lag nach seinen Worten beim Kommandeur des ausfĂŒhrenden MilitĂ€rbataillons, Paul Bhagwandas, der ihm jedoch unterstellt war. Dieser starb 1996.

Nach einer halbjÀhrigen Unterbrechung wurde der Prozess am 23. Januar 2009 fortgesetzt.

PrÀsidentschaftswahl 2010

Am 25. Mai 2010 gewann die Megacombinatie (MC) (ein Zusammenschluss aus Nationale Democratische Partij (NDP), Progressieve Arbeiders- en Landbouwers Unie (PALU), Nieuw Suriname (NS), Kerukunan Tulodo Pranatan Inggil (KTPI) und Democratisch Nationaal Platform 2000) unter dem Vorsitz von DĂ©si Bouterse die Parlamentswahlen in Suriname (23 Sitze). Mit Hilfe der Volksalliantie um Paul Somohardjo (6 Sitze) sowie der A Combinatie unter Vorsitz seines ehemaligen Erzfeindes Ronnie Brunswijk (7 Sitze) wurde eine Zweidrittelmehrheit von Bouterse möglich. Am 19. Juli 2010 wĂ€hlte die Nationalversammlung von Suriname Bouterse zum neuen PrĂ€sidenten von Suriname. Er erreichte 36 von 51 möglichen Stimmen und lag so knapp ĂŒber den benötigten 34 Stimmen. Der Gegenkandidat, Chandrikapersad Santokhi von der Koalition Nieuw Front, erhielt 13 Stimmen. Suriname hat ein PrĂ€sidentielles Regierungssystem, in dem der PrĂ€sident zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef ist und sich so zwei SpitzenĂ€mter auf eine Person vereinen, die sich nicht vor dem Parlament verantworten muss.[9] Der niederlĂ€ndische Außenminister Verhagen hat am selben Tag geĂ€ußert, dass er in den Niederlanden nur willkommen sei um seine GefĂ€ngnisstrafe zu verbĂŒĂŸen. Die Inauguration von Bouterse sowie des VizeprĂ€sidenten Robert Ameerali erfolgte am 12. August 2010.

Literatur

  • Harmen Boerboom; Joost Oranje: De 8-december-moorden. Slagschaduw over Suriname. BZZToH, 's-Gravenhage 1992, ISBN 90-6291-762-3
  • Wim Hoogbergen; Dirk Kruijt: De oorlog van de sergeanten. Surinaamse militairen in de politiek. Bert Bakker, Amsterdam 2005, ISBN 90-351-2998-9
  •  HĂ€nde des Volkes. In: Der Spiegel. Nr. 3, 1983 (online).</span>

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Bouterse spreekt na jaren met Venetiaan, In: NRC Handelsblad, 29. Juli 2010, (ndl.)
  2. ↑ Suriname ex-strongman Bouterse back in power, In: BBC News, 19 Juli 2010, (engl.)
  3. ↑ Suriname - Ein Haufen Chaos, In: Der Spiegel, 12. Januar 1987
  4. ↑  Verfilzte Clique. In: Der Spiegel. Nr. 35, 1991 (online).</span>
  5. ↑ 'Arrestatiebevel tegen staatshoofd mag niet' In: De Telegraaf, 19. Juli 2010, (ndl.)
  6. ↑ Surinam ex-leader's son is jailed In: BBC News, 12 August 2005, (engl.)
  7. ↑ Ronald Venetiaan erneut PrĂ€sident von Surinam In: Neue ZĂŒrcher Zeitung, 5. August 2005
  8. ↑ Surinam: Der Sozialismus ist Ă€ußerst unpopulĂ€r, IN: Die Zeit, Nr. 51, 17. Dezember 1982
  9. ↑ Nina Jurna: Bouterse gekozen tot president van Suriname, In: NRC Handelsblad, 19 Juli 2010, (ndl.)
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