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Dan Diner

Dan Diner (* 20. Mai 1946 in München) ist ein Historiker an der Hebräischen Universität Jerusalem sowie Leiter des Simon-Dubnow Instituts für Jüdische Geschichte und Kultur und Professor am Historischen Seminar der Universität Leipzig. Er ist ordentliches Mitglied der philologisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Dan Diner studierte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Dort wurde er 1973 in Völkerrecht promoviert, 1980 erfolgte die Habilitation. Von 1980 bis 1985 war er Professor für moderne arabische Geschichte an der Universität Odense, Dänemark; 1985 erhielt er einen Ruf auf den Lehrstuhl für außereuropäische Geschichte an der Universität Essen. Seit 1988 war er zudem Professor für europäische Geschichte an der Universität Tel Aviv; dort war er von 1994 bis 1999 Direktor des Instituts für deutsche Geschichte.[1][2]

Dan Diner ist seit 1999 Direktor des Simon-Dubnow Instituts für Jüdische Geschichte und Kultur und Professor am Historischen Seminar der Universität Leipzig und seit 2001 Professor für moderne europäische Zeitgeschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem.

2006 wurde Dan Diner mit dem Ernst-Bloch-Preis der Stadt Ludwigshafen am Rhein zur Würdigung einer Stimme des Verstehens und der Vernunft ausgezeichnet, [3] im Jahre 2007 mit dem Capalbio Preis. Im akademischen Jahr 2004/2005 war er Member des Institute for Advanced Study, Princeton. Er war Gastprofessor an verschiedenen Universitäten und Forschungseinrichtungen des In- und Auslands und ist Mitglied in wissenschaftlichen Gremien.

Wirken

Dan Diner verknüpft in seinem Werk Traditionen der europäischen Geschichte, der Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens und der jüdischen Geschichte – vornehmlich in ihren Verschränkungen. Dabei sucht er methodisch kulturelle Unterscheidungen zu überschreiten, und dies, indem er die Perspektive der Peripherie anlegt – Peripherie in ihrer räumlichen wie epistemischen Bedeutung.

Sein Werk ist insbesondere für methodische Fragen des Verhältnisses von Geschichte und Gedächtnis bekannt, vor allem die Zeit des Nationalsozialismus betreffend. So geht auf ihn die Prägung des epistemischen Konzepts vom „Zivilisationsbruch“ zurück.

Seine Forschungen sind derzeit von zwei wesentlichen Fragestellungen bestimmt: zum einen die Neukonzeptualisierung einer jüdischen Geschichte in der Moderne, zum anderen die Bedeutung der Erfahrungsgeschichte der Juden als Seismograph für die Verwerfungen der Moderne. Diese Forschungen werden im Rahmen des Leipziger Simon-Dubnow-Instituts durchgeführt und erfahren ihre Umsetzung in der Projektleitung des Akademieprojekts „Europäische Traditionen – Enzyklopädie jüdischer Kulturen“ [4] an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.

Werke

  • Zeitenschwelle. Gegenwartsfragen an die Geschichte', MĂĽnchen 2010. 272 Seiten[5]
  • Gegenläufige Gedächtnisse. Ăśber Geltung und Wirkung des Holocaust. Toldot Reihe, Band 7, Göttingen 2007
  • Versiegelte Zeit. Ăśber den Stillstand in der islamischen Welt Berlin 2005 ISBN 3549072449
  • als Hg.: Synchrone Welten. Zeitenräume jĂĽdischer Geschichte. Göttingen 2005.
  • Gedächtniszeiten. Ăśber jĂĽdische und andere Geschichten MĂĽnchen 2003. ISBN 3406505600 (Rezension: Norbert Frei in Die Welt, 28. Juni 2003; Willi Jasper in Die Zeit Nr. 28, 3. Juli 2003)
  • Feindbild Amerika. Ăśber die Beständigkeit eines Ressentiments Berlin 2002. ISBN 3549071744
  • als Hg.: Historische Migrationsforschung Universität Tel Aviv - Fakultät fĂĽr Geisteswissenschaften - Forschungszentrum fĂĽr Geschichte - Institut fĂĽr Deutsche Geschichte. Bleicher, Gerlingen 1998.
  • Beyond the conceivable. Studies on Germany, Nazism and the Holocaust. Berkeley 2000.
  • Das Jahrhundert verstehen. Eine universalhistorische Deutung MĂĽnchen 1999.
  • als Hg. mit Michael Stolleis: Hans Kelsen and Carl Schmitt. A juxtaposition. Gerlingen 1999.
  • Kreisläufe: Nationalsozialismus und Gedächtnis. Berlin 1995.
  • Weltordnungen. Ăśber Geschichte und Wirkung von Recht und Macht. Frankfurt/M. 1993.
  • Der Krieg der Erinnerungen und die Ordnung der Welt. Berlin 1991.
  • als Hg.: Zivilisationsbruch: Denken nach Auschwitz Frankfurt/M. 1988.
  • als Hg.: Ist der Nationalsozialismus Geschichte? Zu Historisierung und Historikerstreit. Frankfurt/M. 1987.
  • Israel in Palästina. Ăśber Tausch und Gewalt im Vorderen Orient. Königstein 1980.
Herausgeberschaften
  • Publikationen des Simon-Dubnow-Instituts
  • Bulletin
  • Jahrbuch/Yearbook
  • Leipziger Beiträge zur jĂĽdischen Geschichte und Kultur
  • Schriften des Simon-Dubnow-Instituts
  • Toldot – Essays zur jĂĽdischen Geschichte und Kultur
Mitherausgeberschaften
  • Babylon. Beiträge zur jĂĽdischen Gegenwart
  • Blätter fĂĽr deutsche und internationale Politik
  • Constellations. An International Journal of Critical and Democratic Theory
  • History & Memory. Studies in Representation of the Past (1988–1998)
  • Jewish History Quarterly (Warschau)
  • Leo Baeck Institute Year Book
  • Naharaim. Zeitschrift fĂĽr deutsch-jĂĽdische Literatur und Kulturgeschichte / Journal of German-Jewish Literature and Cultural History
  • Storia della Shoah. La crisi dell'Europa, lo sterminio degli ebrei e la memoria del XX secolo
  • Tabur. Yearbook for European History, Society, Culture and Thought
  • Tel Aviv Yearbook for German History (1994–1999)
Essays

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ [1], Biografie von Dan Diner (Simon-Dubnow-Institut)
  2. ↑ [2], Biografie von Dan Diner (3sat)
  3. ↑ Pressemitteilung der Stadt Ludwigshafen vom 2. August 2006
  4. ↑ Europäische Traditionen – Enzyklopädie jüdischer Kulturen — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig
  5. ↑ DeutschlandRadio Kultur vom 18 Juli 2010: Rezension Schonungslose Reflexion zu Zeitenschwelle
  6. ↑ The Richard Koebner - Minerva Center for German History
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