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Daniel Paul Schreber (* 25. Juli 1842 in Leipzig; † 14. April 1911 ebenda) war ein deutscher Jurist und Schriftsteller.
Inhaltsverzeichnis |
Paul Schreber war Sohn des Pädagogen und Orthopäden Moritz Schreber, des Namensgebers der späteren Schreber- bzw. Kleingarten-Bewegung. Der Vater, der als einer der Hauptvertreter der „Schwarzen Pädagogik“ gilt,[1] erzog seine Kinder mittels orthopädischer Geräte zu „gesunder Haltung“. Paul Schreber hatte einen Bruder Daniel Gustav (1839-1877) und drei Schwestern. 1877 beging der ältere Bruder Selbstmord. Schreber heiratete 1878 die fünfzehn Jahre jüngere Sabine Behr (1857-1912).[2] Nachdem diese sechs spontane Fehlgeburten erlitten hatte, adoptierte Schreber 1903 eine zehnjährige Halbwaise, die bis 1907, als Sabine einen Schlaganfall hatte, in der Familie Schreber lebte. Die Adoptivtochter wurde 1972 von Niederland interviewt.[3]
Nach dem Abitur an der Thomasschule studierte Schreber Jura und wurde Richter im sächsischen Staatsdienst. 1884 kandidierte er erfolglos als Nationalliberaler bei der Reichstagswahl, woraufhin er erkrankte und sechs Monate hospitalisierte.[4] Im Juni 1893 wurde er, der seit 1891 Präsident des Landgerichts Freiberg war[5], zum Senatspräsidenten am Oberlandesgericht Dresden ernannt und er entging dieser Pflicht, indem er - ein zweites Mal - psychisch erkrankte und das Amt am 1. Oktober 1893 niederlegen durfte[6]. Er ist der Verfasser des Buches Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken, das er 1903 nach einem längeren Klinikaufenthalt wegen Dementia paranoides veröffentlichte, Schreber brachte insgesamt vierzehn Jahre seines Lebens in Nervenheilanstalten zu und starb in der Heilanstalt Dösen.
Sein Buch gilt als klassische Fallstudie aus Sicht eines Psychosekranken. Basierend auf dieser Fallstudie schrieb Sigmund Freud 1910/11 den Aufsatz Psychoanalytische Bemerkungen zu einem autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia (Dementia Paranoides), der 1911 erschien. Darin entwickelte er seine Sicht der Paranoia, indem er Schrebers »Fall für die These benutzte, daß der männlichen Paranoia ein homosexueller Konflikt zugrunde liegt.«[7]
In den 1950er Jahren begann William G. Niederland, ein Psychiater und Analytiker, Schrebers Hintergrund zu erforschen. Er kam als erster auf die Idee, einige der Bücher, die Vater Schreber über Kinderaufzucht verfasst hatte, zu lesen. Er war der Überzeugung, dass die Rolle des Vaters in früheren Forschungen vernachlässigt worden sei. Niederland widmete einen großen Teil seines wissenschaftlichen Interesses jahrzehntelang dem Fall Schreber. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel über Schreber, in denen er den Fokus auf die Sohn-Vater-Beziehung legte. Seine erste Arbeit über Schreber wurde 1951 unter dem Titel Three Notes on the Schreber Case veröffentlicht.[8] Morton Schatzman, ein seinerzeit junger amerikanischer, in England lebender Psychiater baute sein 1973 erschienenes Buch über Schreber mit dem Originaltitel Soul Murder: Persecution in the Family auf Niederlands Untersuchung über den Fall Schreber auf; sein ausschließliches Augenmerk galt ebenfalls Vater Schreber. Niederlands Buch über Schreber erschien erst 1974, The Schreber Case: Psychoanalytic Profile of a Paranoid Personality. Zwischen Schatzman, der damals Anhänger der antipsychiatrischen Bewegung von Ronald D. Laing war, die den Einfluss der Realität auf Geisteskrankheit mit besonderer Betonung der Familie hervorhob, und den sogenannten Freudianern, unter ihnen Niederland, entbrannte ein heftiger Streit. Schatzman betrachtete Freuds These über Schrebers unterdrückte homosexuelle Gefühle seinem Vater gegenüber als lächerliche Belanglosigkeit. Er warf Freud vor, dass er die Bücher des Vaters Schreber, obwohl er von ihnen wusste, nicht als Unterlagen verwandt hatte. (Angaben nach dem Buch von Malcolm)
Niederland verteidigte Freud gegen diesen Vorwurf mit der Bemerkung, Schatzman ignoriere »die Politik der Zurückhaltung«, die Freud sich seiner eigenen Ankündigung zufolge in seiner Abhandlung auferlegt hatte, um die Gefühle Schrebers, seiner Familie und seines Psychiaters Paul Flechsig zu schonen.
In dem Abschnitt Herrschaft und Paranoia des Werkes Masse und Macht von Elias Canetti stellen die Denkwürdigkeiten das am eingehendsten analysierte Dokument zum Themenfeld der Macht dar.
»Von Erfolg als Kriterium hat eine gewissenhafte Untersuchung der Macht völlig abzusehen. Ihre Eigenschaften wie ihre Auswüchse müssen von überall her sorgfältig zusammengetragen und verglichen werden. Ein Geisteskranker, der, ausgestoßen, hilfslos und verachtet, seine Tage in der Anstalt verdämmert hat, mag durch Erkenntnisse, zu denen er verhilft, von größerer Bedeutung werden als Hitler und Napoleon, und der Menschheit ihren Fluch und ihre Herren erleuchten.«
– Elias Canetti: Der Fall Schreber: Erster Teil (Ende)[9]
»Schreber war, so Lothane, einem dreifachen »Mord« unterworfen: dem »Seelenmord«, begangen von seinem Psychiater Paul Flechsig, der seinen Patienten einfach in die Irrenanstalt verbannte anstatt ihn angemessen zu behandeln; dem »Justizmord«, begangen vom Anstaltsdirektor Weber, welcher die definitive Entmündigung Schreber veranlasste und dem »Rufmord« Elias Canettis, der in Schrebers vermeintlicher Paranoia ein Modell für Hitlers psychische Disposition sah.«
– Lothane: Seelenmord und Psychiatrie. Zur Rehabilitierung Schrebers[10]
In zeitlicher Reihenfolge nach Erscheinungsjahr:
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schreber, Daniel Paul |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist und Autor |
| GEBURTSDATUM | 25. Juli 1842 |
| GEBURTSORT | Leipzig |
| STERBEDATUM | 14. April 1911 |
| STERBEORT | Leipzig |
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