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Das Elend der Welt ist eine soziologische Studie über die Banlieues, die Vororte von Paris. Das Original La misère du monde erschien 1993, die deutsche Übersetzung 1997.
Der Entstehung dieses Werkes ging ein jahrelanger Diskussionsprozess der zwanzig Autoren und Autorinnen unter der Leitung Pierre Bourdieus voraus. Als die über 900 Seiten umfassende Studie erschien, wurde sie innerhalb eines Jahres über 100.000 mal verkauft.
Inhaltsverzeichnis |
Gabrielle Balazs, Stéphane Beaud, Pierre Bourdieu, Sylvain Broccolichi, Patrick Champagne, Rosine Christin, Remi Lenoir, Francoise OEuvrard, Michel Pialoux, Abdelmalek Sayad, Franz Schultheis, Charles Soulié
Das Buch verzichtet weitgehend auf die soziologische Fachsprache und ist als Interviewband konzipiert. Die über vierzig Interviews werden jeweils mit einem kurzen Text eingeleitet. Dort beschreiben die Forscher, wie sie Zugang zu den Interviewten und ihrer sozialen Welt gefunden haben. Die befragten Personen erzählen von ihren Lebensverhältnissen, ihren beruflichen und familiären Perspektiven, ihren Erfahrungen und Hoffnungen, ihren Erwartungen und Enttäuschungen.
Den Interviews liegt das methodische Konzept des Verstehens zugrunde. Hierzu wurde versucht, eine Beziehung des aktiven und methodischen Zuhörens zu schaffen. Dies
„verbinde eine Haltung des sich rückhaltlos der befragten Person Zur-Verfügung-Stellens, des sich der Einzigartigkeit ihrer besonderen Geschichte Unterwerfens – was durch eine Art mehr oder weniger kontrollierten Effekt der Anpassung dazu führen kann, deren Sprache anzunehmen und sich ihre Sichtweisen, Gefühle und Gedanken zu eigen zu machen – mittels einer methodischen Konstruktion, die von der Kenntnis der objektiven Bedingungen gesättigt ist, welche einer ganzen gesellschaftlichen Kategorie gemeinsam sind.“
– Pierre Bourdieu: Das Elend der Welt, Studienausgabe, S. 395
Das Elend der Welt ist in sieben Abschnitte gegliedert:
Das Buch war binnen sehr kurzer Zeit Gegenstand vieler Rezensionen. Es diente als Grundlage für Theaterinszenierungen an renommierten Bühnen und für Fernsehdokumentarfilme.
Der für Das Elend der Welt entwickelte Forschungsansatz wurde auch für eine entsprechende Analyse der deutschen Verhältnisse übernommen. Hieraus entstand zwischen 2002 und 2004 eine Studie, an der dreißig Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mitgearbeitet haben. Die Arbeit ist 2005 erschienen unter dem Titel Gesellschaft mit begrenzter Haftung. Zumutungen und Leiden im deutschen Alltag (Herausgeben von Franz Schultheis und Kristina Schulz).
Auch in Österreich fand eine entsprechende Studie statt, die von Elisabeth Katschnig-Fasch geleitet wurde und die sich den Vororten von Graz widmete und unter Das ganz alltägliche Elend. Begegnungen im Schatten des Neoliberalismus 2003 erschienen ist.
Als Musiktheaterprojekt wurden Teile von Erzählungen aus dem Buch vom Düsseldorfer Schauspielhaus in der Spielzeit 2006/07 durch Laura Berman und Thomas Krupa (Konzept, Fassung) mit Schauspielern, Sängern und Musikern, verwoben mit Kantatenmusik von Johann Sebastian Bach auf die Bühne gebracht.