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Das Glasperlenspiel. Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften ist ein Roman von Hermann Hesse, der 1931 begonnen und 1943 im Verlag Fretz & Wasmuth, Zürich, veröffentlicht wurde und das Streben nach Wahrheit beschreibt.
1946, drei Jahre nach Erscheinen des Glasperlenspiels, wurde Hesse der Nobelpreis für Literatur verliehen.
Inhaltsverzeichnis |
Der eigentlichen Handlung voran geht ein Kapitel, das in Form einer historischen Abhandlung abgefasst ist und die Entwicklung der von Hesse entworfenen Welt darstellt. Nach der Handlung folgen kleinere literarische Werke, deren Autorenschaft Hesse der Hauptfigur Josef Knecht zuschreibt: einige Gedichte sowie drei „Lebensläufe“, die Knechts Leben in verschiedene geschichtliche Epochen zurückprojizieren sollen. Wie auch im Hauptteil variiert Hesse hier sein altes Thema von Meister und Jünger, und zwar vorwiegend in der Form, dass der zeitweise ungetreue Jünger/Schüler am Ende reuig zu seinem Meister zurückkehrt, um dessen Nachfolge anzutreten. Hesse lässt in dem Roman abschließend einige Elemente seiner Jahrzehnte zurückliegenden Begegnung mit Gusto Gräser auf dem Monte Verità anklingen.
Hermann Hesses letztes großes Werk spielt in einer Zukunftswelt, in welcher er das Leben seines Helden Magister Ludi Josef Knecht ansiedelt. Auf die wesentlichen Charakteristika dieser Welt verweist der Namenszusatz ‚Magister Ludi‘, ein Wortspiel, da das lateinische Wort ‚ludus‘ sowohl ‚Schule‘ (ein magister ludi ist historisch ein Schulmeister) als auch Spiel (der Titel würde dann „Meister des Spiels“ heißen) bedeutet. In der von Hesse entworfenen Welt bilden die (männlichen, zölibatär lebenden) Gelehrten einen straff organisierten Orden, der seine Aufgaben sowohl im Bildungssystem sieht (das ihm wiederum zur eigenen Reproduktion dient), als auch in der Perfektion der Wissenschaften und Künste und insbesondere der Synthese beider Bereiche, dem Glasperlenspiel.
Die genauen Regeln dieses Spiels werden nur angedeutet und sollen so kompliziert sein, dass sie nicht einfach zu veranschaulichen sind. Das Spiel hat bereits quasirituellen Charakter angenommen; Ziel scheint es zu sein, tiefe Verbindungen zwischen anscheinend nicht verwandten Themengebieten herzustellen und theoretische Gemeinsamkeiten von Künsten und Wissenschaften aufzuzeigen. Beispielsweise wird ein Bach-Konzert mit einer mathematischen Formel verknüpft.
„Beim Glasperlenspiel muss alles möglich sein, auch dass etwa eine einzelne Pflanze sich mit Herrn Linné auf lateinisch unterhält.“ (S. 148)
Der Publikumserfolg für ein „gutes Spiel“ wird dabei sowohl durch musikalische Klasse als auch mathematische Eleganz erreicht. Das Glasperlenspiel erhielt seinen Namen von den ursprünglich verwendeten Spielsteinen, vielleicht ähnlich denen eines Abakus oder des Go-Spiels. Zur Zeit der Romanhandlung sind diese jedoch überflüssig geworden, und das Spiel wurde nur noch mit abstrakten gesprochenen Formeln gespielt. Das Konzept des Glasperlenspiels scheint so Ähnlichkeit zu den Ideen von Leibniz einer universellen wissenschaftlichen Formalsprache (Characteristica universalis) aufzuweisen. Zudem ist auch das Internet verschiedentlich als Analogie zum Glasperlenspiel herangezogen worden.
Das Glasperlenspiel setzt einen Kulturzustand voraus, in dem nichts Neues, Aufregendes, Abenteuerliches mehr entdeckt und geschaffen, sondern nur noch mit dem Vorhandenen „gespielt“ werden kann - umgangssprachlich wurde Glasperlenspiel daher zum Ausdruck für ein selbstzweckhaftes, eitles und unkreatives Hantieren mit kulturellen Klischees. Das Heraufziehen eines solchen Kulturzustands war die Sorge vieler Intellektueller in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Thomas Mann gestaltete sie in seinem Doktor Faustus, der nach seinem eigenen Urteil Parallelität zum Glasperlenspiel aufweist.
Zudem schottet der nur noch der Betrachtung des Gegebenen gewidmete Orden sich von der Außenwelt ab, indem er sich nicht mehr mit praktischen, insbesondere politischen Fragen befasst.
Diese Widersprüche sind es, die für das Leben des Helden, Josef Knecht, entscheidend sind. Als Knabe wird er von der örtlichen Lateinschule weg an eine Eliteschule in der Ordensprovinz Kastalien berufen. Wesentlich verändert durch die Bekanntschaft mit dem Musikmeister, einem der Ordensoberen, ordnet er sich ganz unter die Regel des Ordens unter, immer mehr macht er sich die Fähigkeiten zu eigen, die diesen auszeichnen - Wissenschaft, Musik, Meditation und schließlich das Glasperlenspiel -, steigt immer höher in der Hierarchie, bis er schließlich eines der höchsten Ämter, das des Glasperlenspielmeisters (magister ludi) bekleidet. Von Anfang an prägen ihn aber auch die Einblicke in die Außenwelt. Schon in der Schulzeit sind eine seiner wesentlichen Antriebsfedern seine heißen Diskussionen mit dem Klassenkameraden Plionio Designori, der ein Leben außerhalb des Ordens anstrebt und das zölibatäre, weltabgewandte Leben scharf angreift. Ein wesentlicher Schritt auf der Karriereleiter ist weiterhin Knechts Gesandtschaft in ein katholisches Kloster. Auch dies ein Stück Außenwelt, das er kennenlernt, zumal ihn ein Pater in die Geschichtswissenschaft einweist, die als zutiefst „weltliches“, in der Materialität verhaftetes Fach im kastalischen Kanon aus gutem Grund keinen Platz hat.
Knecht muss erkennen, dass aufgrund der weltpolitischen Lage auch die Existenz Kastaliens auf tönernen Füßen steht. Von den Ordensbrüdern, die er warnt, nicht verstanden und zur Ordnung gerufen, verlässt er die Gelehrtenwelt, um sich dem Dienst an einem jungen Manne zu widmen, dem rohen und unerzogenen Naturburschen Tito Designori, dem Sohn seines alten Widersachers Plinio. Als Knecht mit seinem neuen Schüler in einem Bergsee schwimmen möchte, stirbt er im eiskalten Wasser. In der Schlussszene des Romans bringt Tito „der Sonne und den Göttern im Tanz seine fromme Seele zum Opfer dar“. Leben und Sterben seines noch ungekannten Meisters, so lässt das Ende anklingen, haben ihn in seinem Streben nachhaltig verändert - wie sich dies äußern wird, bleibt offen.
Ursprünglich wollte Hermann Hesse Karten als Spielzeuge für sein Spiel benutzen. Erst später entschied er sich dann aber für „Glasperlen“ als (eher metaphorische) Spielzeuge.
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