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Das Lied von der Erde ist ein groĂer sinfonischer Liederzyklus, den Gustav Mahler 1908-1909 auf Nachdichtungen altchinesischer Lyrik von Hans Bethge komponierte. Als Besetzung sind groĂes Sinfonieorchester und zwei Solisten (Alt oder Bariton sowie Tenor) vorgesehen. Die UrauffĂŒhrung fand posthum am 20. November 1911 in MĂŒnchen unter Bruno Walter statt.
Inhaltsverzeichnis |
Das Lied von der Erde besteht aus sechs Teilen, in denen Mahler jeweils ein Gedicht aus der Gedichtsammlung Die chinesische Flöte von Hans Bethge vertont hat. Bethge wiederum hatte die Gedichte aus dem Französischen in der Version von Marquis D'Hervey de Saint-Denys ĂŒbersetzt (in Klammern jeweils der Verfasser des chinesischen Originals):
| Satz | Besetzung |
|---|---|
| I. Das Trinklied vom Jammer der Erde | 1 Piccolo, 3 gr. Flöten, 3 Oboen (3. doppelt Englisch Horn), 3 Klarinetten (1xEs, 2xB), 1 Bassklarinette (B), 3 Fagotte
4 Hörner (F), 3 Trompeten (F), 3 Posaunen Schlagwerk (Glockenspiel, Becken, Triangel) 2 Harfen |
| II. Der Einsame im Herbst | 2 gr. Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten (B), 1 Bassklarinette (B), 3 Fagotte
4 Hörner (F) 2 Harfen Streicher |
| III. Von der Jugend | 1 Piccolo, 2 gr. Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten (B), 2 Fagotte
4 Hörner (F), 1 Trompete (B) Schlagwerk (gr. Trommel, Becken, Triangel) Tenor Streicher |
| IV. Von der Schönheit | 1 Piccolo, 3 gr. Flöten, 3 Oboen, 4 Klarinetten (1xEs, 3xB), 3 Fagotte (3. doppelt Kontrafagott)
4 Hörner (F), 2 Trompeten (beide: F+B), 3 Posaunen, 1 Tuba Pauken, Schlagwerk (Glockenspiel, kl. Trommel, Tamburin, gr. Trommel, Becken) 2 Harfen Alt/Bariton Streicher |
| V. Der Trunkene im FrĂŒhling | 1 Piccolo, 2 gr. Flöten, 2 Oboen, 3 Klarinetten (1xEs, 2xB), 2 Fagotte, 1 Kontrafagott
4 Hörner (F), 1 Trompete (F+B) Schlagwerk (Triangel) 1 Harfe Tenor Streicher |
| VI. Der Abschied | 1 Piccolo, 3 gr. Flöte, 3 Oboen (3. doppelt Englisch Horn), 3 Klarinetten (B), 1 Bassklarinette (B+A), 3 Fagotte (3. doppelt Kontrafagott)
4 Hörner (F), 3 Posaunen Schlagwerk (Tamtam, Gr. Trommel) Mandoline 2 Harfen Alt/Bariton Streicher |
Mit dem Lied von der Erde setzt das SpĂ€twerk Gustav Mahlers ein, in dem er zu einer deutlich anderen Tonsprache als in seinen frĂŒheren Kompositionen fand. Mahler begann mit der Komposition 1907, in dem ihn drei schwere SchicksalsschlĂ€ge ereilten: Mahlers Ă€ltere Tochter Maria Anna, genannt âPutziâ, war im Alter von vier Jahren an Diphtherie gestorben. Nach einer antisemitisch motivierten Pressekampagne gegen seine Person hatte er als Direktor der Wiener Hofoper zurĂŒcktreten mĂŒssen. AuĂerdem wurde in diesem Jahr eine schwere Herzkrankheit diagnostiziert, die vier Jahre spĂ€ter zu seinem Tod fĂŒhrte. In dieser Phase beschĂ€ftigte er sich mit Hans Bethges Sammlung Die Chinesische Flöte mit Nachdichtungen altchinesischer Lyrik. Die Texte lieĂen ihn zu einer Reduziertheit und Kargheit der Tonsprache finden, die in krassem Gegensatz zu dem Aufgebot von Riesenorchestern und -chören seiner frĂŒheren Werke steht.
Mahler vermied den Titel âSinfonieâ, da er Angst hatte, dass eine 9. Sinfonie wie bei seinen Vorbildern Ludwig van Beethoven und Anton Bruckner seine letzte sein könnte. Allerdings genĂŒgt das Werk den Formkriterien der Sinfonie ebenso wie die anderen spĂ€ten Mahler-Sinfonien, so dass es mit gleichem Recht als Liederzyklus und als Sinfoniekantate angesehen werden kann. Das Werk â das rund zwei Jahre vor der 9. Sinfonie entstand â verunsicherte die Kunstwelt erheblich, zum einen wegen seiner ungewöhnlichen orchestralen Dichtung, andererseits wegen seiner Stimmung. Mahlers Freund und Dirigent der UrauffĂŒhrung, Bruno Walter, wunderte sich selbst:
âIst es wirklich derselbe Mensch, der âin Harmonie mit dem Unendlichenâ den Bau der Achten errichtet hatte, den wir nun im Trinklied vom Jammer der Erde wiederfinden? Der einsam im Herbst zur trauten RuhestĂ€tte schleicht, nach Erquickung lechzend? Der mit freundlichem Altersblick auf die Jugend, mit sanfter RĂŒhrung auf die Schönheit schaut? Der in der Trunkenheit Vergessen des sinnlosen irdischen Daseins sucht und schlieĂlich in Schwermut Abschied nimmt? [âŠ] Es ist kaum derselbe Mensch und Komponist. Alle Werke bis dahin waren aus dem GefĂŒhl des Lebens entstanden [âŠ] Die Erde ist im Entschwinden, eine andere Luft weht herein, ein anderes Licht leuchtet darĂŒber [âŠ].â
â Bruno Walter[2]
Bruno Walter blieb fĂŒr viele Jahre einer der wichtigsten Interpreten des Lieds von der Erde, das er wiederholt dirigierte und auf Schallplatte aufzeichnete, und so wesentlich zur Verbreitung der Komposition beitrug. FĂŒr viele bekannte SĂ€nger war und ist das StĂŒck eine ungeheure Herausforderung und emotional bewegend.
Die von Arnold Schönberg als Fragment hinterlassene, von Rainer Riehn vollendete Kammerorchester-Fassung des Liedes von der Erde von Gustav Mahler ist im letzten Jahrzehnt weltweit fast so hĂ€ufig, zeitweilig sogar hĂ€ufiger aufgefĂŒhrt worden als die Mahlersche Originalfassung mit groĂem Orchester. Die Einrichtung durch Schönberg reicht nur bis etwa zur Mitte des ersten Satzes; die Bearbeitung von dessen zweiter HĂ€lfte sowie der fĂŒnf ĂŒbrigen SĂ€tze stammt von Rainer Riehn.
Eine Aufnahme mit dem Staatsopern-Tenor Julius Patzak, Kathleen Ferrier und den Wiener Philharmonikern unter Bruno Walter ist noch nach Jahrzehnten auf Schallplatten begehrt. Auch die Aufnahme mit Fritz Wunderlich, Christa Ludwig und dem Philharmonia Orchestra unter Otto Klemperer fand viele AnhÀnger und ist seit Jahrzehnten im Handel erhÀltlich.
Nr. 1 (D-Dur) | Nr. 2 (c-Moll) | Nr. 3 (d-Moll) | Nr. 4 (G-Dur) | Nr. 5 | Nr. 6 (a-Moll) | Nr. 7 | Nr. 8 (Es-Dur) | Das Lied von der Erde | Nr. 9 | Nr. 10 (Fis-Dur) (unvollendet)