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Das Reich und die Herrlichkeit

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Filmdaten
Deutscher TitelDas Reich und die Herrlichkeit
OriginaltitelThe Claim
ProduktionslandGroßbritannien, Kanada, Frankreich
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2000
LĂ€nge115 [1] Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieMichael Winterbottom
DrehbuchFrank Cottrell Boyce
ProduktionAndrew Eaton
Douglas Berquist
MusikMichael Nyman
KameraAlwin KĂŒchler
SchnittTrevor Waite
Besetzung

Das Reich und die Herrlichkeit (Originaltitel: The Claim, ĂŒbersetzt die Parzelle/der Anspruch) ist ein Western des Briten Michael Winterbottom aus dem Jahr 2000 und basiert frei auf dem Roman „Der BĂŒrgermeister von Casterbridge. Leben und Tod eines Mannes von Charakter“ („The Mayor of Casterbridge“) von Thomas Hardy (1886).

Michael Nyman, Frank Cottrell Boyce und Andrew Eaton arbeiteten schon mehrfach mit Winterbottom. Neben Peter Mullan spielen in der Schicksalstragödie unter anderem Milla Jovovich, Wes Bentley, Sarah Polley und Nastassja Kinski.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Überblick

Patriarch Dillon fĂŒhrt die Gemeinde Kingdom Come in der amerikanischen Sierra Nevada 1867 mit strenger Hand. Er war GoldgrĂ€ber, und wird mit einer furchtbaren Entscheidung seiner Jugend konfrontiert: er tauschte Frau und Kind gegen die SchĂŒrfrechte, die ihm den gewaltigen Reichtum brachten. Allein durch dieses schmutzige Gold wurde die Errichtung der Siedlung in der eisigen Einöde möglich. Seine sterbenskranke Jugendliebe und die gemeinsame Tochter kehren Jahre spĂ€ter aus der Fremde zurĂŒck, doch was geschehen ist, ist geschehen. Nach einer blutigen Konfrontation und ihrem Tod muss sich zudem sein kleines Reich der Moderne und dem Vordringen der transkontinentalen Eisenbahn geschlagen geben, und die Einwohner wenden der Stadt fluchtartig den RĂŒcken zu. Dillon brennt die verlassenen HĂŒtten von Kingdom Come nieder und wĂ€hlt den Suizid im Schnee.

Ein Fremder in der Stadt * Allerlei VergnĂŒgen [1]

Landschaftspanorama, verschneites Hochgebirge, neblig. Ein SechsspĂ€nner kommt durchs Bild, geladen sind acht weibliche FlĂŒchtlinge, unter schweren Decken, und es ist bitterkalt. Weite Aufnahme auf die Stadt, Titel: Kingdom Come, Sierra Nevada, Kalifornien, 1867, einige Menschen auf den Straßen, alle geschĂ€ftig, und Viehherden. Kingdom Come hat etwa 1200 Einwohner. Bei den Neuankömmlingen handelt es sich um Prostituierte, und sie werden von einer Dirne in Empfang genommen. Weiterhin treffen der junge DraufgĂ€nger Dalglish, die bezaubernde Elena Burn und deren Tochter Hope (englisch fĂŒr: Hoffnung) ein. Jemand versucht, Gewehre zu konfiszieren, und Dalglish gibt schnell nach. Erste Kunden beginnen sich fĂŒr die MĂ€dchen zu interessieren, Sheriff Sweetley muss einen Warnschuss abfeuern, um sich Gehör zu verschaffen. Dalglish ist Chefingenieur der Vermessungstruppe der Central Pacific, und plaudert kurz mit der jungen Hope: er soll ĂŒber den Verlauf einer neuen Bahnlinie entscheiden, und ob die Stadt eingebunden wird. Sie sind gekommen, um BĂŒrgermeister Daniel Dillon zu sehen. Elena und Hope in einem dunklen, aber sauberen KĂ€mmerlein im Hotel. Elena hustet, vermutlich Tuberkulose. Große Gala im dunklen, beengten, aber gemĂŒtlichen Saloon: Die umwerfende Lucia, heimliche Königin der Stadt, singt einen portugiesischen Fado, und recht bezaubernd. Auch die anderen sind Migranten, Dillon stammt aus Irland, Elena aus Polen, Dalglish ist Schotte. Sheriff Sweetley lĂ€sst Dalglish zu BĂŒrgermeister Dillon vor: Die Stadtoberen spielen Roulette, die AtmosphĂ€re am Tisch ist angespannt. Dalglish muss einen ironischen Bestechungsversuch ĂŒber einige Jetons ablehnen. Dem Vermessungstrupp wird ein Prosit im Namen der Stadt ausgegeben. In einem Hinterzimmer mit Dillon und seiner Geliebten Lucia folgt eine Liebesszene im Kerzenlicht. Der „milde gewordene Tyrann“ [2] Dillon ist vielleicht 20 Jahre Ă€lter als seine Partnerin. Ausgelassener Krach tönt von entfernt herein: ihre Beziehung funktioniert. Bordell, einzelne Zimmer. Sweetley schlichtet mit vorgehaltener Waffe eine Streiterei. Einige Störenfriede werden auf unzweideutige Weise zu Patriarch Dillon zitiert. Alle versuchen, den Eisenbahnleuten ihren Aufenthalt gemĂŒtlich zu machen. Der Vermessungstrupp tut sich an den Prostituierten gĂŒtlich.

Gerechtigkeit? * Schmerzliche Erinnerungen * Zu Besuch

NĂ€chster Morgen: Elena und Hope erkennen „Mister Dillon“ vom Fenster aus, es schneit. Elena beauftragt ihre Tochter, Dillon einen Rosenkranz zu ĂŒberbringen, wie eine Botschaft. Dillon peitscht einen Störenfried vor allen Einwohnern auf nackten RĂŒcken aus, die Zahl der Hiebe hat er gnĂ€dig von der Regelstrafe 50 auf 25 reduziert, effektiv verhindert er damit, dass der Mann gelyncht wird. Hope schafft es, ihm den Rosenkranz in die Hand zu drĂŒcken: Dillon ist bei ihrem Anblick sprachlos und gelĂ€hmt. Hope selbst ist ganz ahnungslos. Erneut ausgelassenes GesprĂ€ch zwischen Dalglish und der viel jĂŒngeren Hope. Dalglish deutet an, wie gefĂ€hrlich seine TĂ€tigkeit ist, da er des Öfteren angefeindet wird. Dillon geht allein in eine alte GoldgrĂ€berhĂŒtte fernab, seine eigene. Beim gedankenverlorenen DurchwĂŒhlen seiner AusrĂŒstung steigen Erinnerungen auf. RĂŒckblende.

Mitten im Blizzard, der junge Daniel Dillon (Barry Ward) kĂ€mpft sich in Begleitung einer Frau (Karolina Muller) durch das Niemandsland, schwer bepackt. Es wird sogar Schnee gegessen und wir hören den Namen „Elena“. Die beiden erreichen eine HĂŒtte, und einen schmutzigen GoldgrĂ€ber. Sie tragen ein Neugeborenes. Elena ist abgekĂ€mpft, aber wunderschön, und sie ist der englischen Sprache kaum mĂ€chtig. Die beiden haben noch kein Korn Gold gefunden, und sind verzweifelt. Der Fremde schĂŒttet einige Nuggets auf den Tisch, und Dillon, auch betrunken, bekommt wĂ€ssrige Augen: „Ist da noch mehr?“. Der Einsiedler interessiert sich fĂŒr das MĂ€dchen. Es ist stockdunkel, der Sturm pfeift in die notdĂŒrftig gezimmerte HĂŒtte, und das Baby ist unruhig. Dillon tauscht seine Frau und das Kind gegen die HĂŒtte und den Claim. Elena protestiert, und der noch nicht einmal unsympathische GoldgrĂ€ber wĂŒrde auch gerne das Kind adoptieren. Das GeschĂ€ft ist beschlossen, ein Handschlag, vermutlich vergeht er sich nun an dem MĂ€dchen.

Dalglishs Trupp zieht mit Hope aus fĂŒr Sprengungen, Hope verliert einige Worte ĂŒber ihren verstorbenen Stiefvater, und die (vermeintliche) Kinderlosigkeit Dillons. Hope: „Als ich ein Baby war, war ganz Kalifornien so öde und leer“. Es wird gesprengt, vielleicht soll die gesamte Bergkette abgetragen werden, Lawinen gehen ab. ZurĂŒck mit Hope im Hotel, Lucia lĂ€dt sie zu sich und Dillon ein. Ihre Mutter Elena, die nahezu bettlĂ€gerig ist, könne natĂŒrlich mitkommen. Im Zimmer rĂ€t Elena Hope besorgt zu schweigen, weiht sie aber noch nicht ein. Hope und Lucia könnten ungeachtet des Altersunterschiedes beinahe Freundinnen sein. Hope spielt Klavier, sie ĂŒbt mit Lucia das Lied fĂŒr den Abend, und probiert mit ihr ausgelassen Kleider und Schmuck an, in dem gepflegten BĂŒrgermeisteranwesen. Hope deutet an, dass sie Dalglish hĂŒbsch findet.

Mount Ritter, Sierra Nevada

Junge Talente * Der Tod naht * Trennung

Es geht weiter im prall gefĂŒllten Saloon. Lucia singt, Hope steuert die Klavierbegleitung bei. Im Anschluss [3] will die adrette Hope das Gedicht „The Ballad of Noreen Bawn“ [4] rezitieren. Ein Kollege von Dalglish, Bellanger, verliebt sich in eine der Kurtisanen, Annie. Der Saloon wird wieder lauter und Dillon applaudiert, zigarrerauchend und demonstrativ, fĂŒr Tochter Hope. Dillon muss ein Machtwort sprechen, danach kann man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. RĂŒckblende.

Im Schneetreiben: Dillon sieht seine verlorene Familie vor sich, den Rosenkranz, und wie er fĂŒr das Baby den Namen Hope wĂ€hlte.

Dillon und Hope sprechen ĂŒber den Stiefvater und Dillons Privatleben: Hope ahnt nichts. Danach Bellanger und die Dirne Annie leichtbekleidet in einem Zimmer, LiebesgeplĂ€nkel. Bellanger ist der Sprenger der Truppe. Man sieht die Belegschaft des Bordells zusammen, nach beendeter Schicht, trinkend und Einnahmen zĂ€hlend. Lucia ist vor Ort, und scheint tatsĂ€chlich wegen der jungen Hope eifersĂŒchtig. Annie fĂŒrchtet um ihren neugefundenen Freund Bellanger, der am nĂ€chsten Tag in die Berge muss.

Am Tag darauf bringt Sweetley im Auftrag des BĂŒrgermeisters Geschenke, und soll Elena mitnehmen, aber sie ist doch höflich resolut. Die beiden treffen sich in seiner baufĂ€lligen, löchrigen GoldgrĂ€berhĂŒtte, auf dem Claim. Ihm ist bekannt, dass sie schwerkrank ist: sie wird bald sterben. „Ich trinke nicht mehr, Elena. Das sollst du wissen.“ Elena ist in die Stadt gekommen, weil sie Geld will von Dillon; fĂŒr die Zukunft der Tochter, wie sie sagt. Dillon möchte erfahren, ob seine Tochter informiert ist, dem ist nicht so. Sie trennen sich. Dillon lĂ€uft in die Bank, wo er eine Kammer unterhĂ€lt: einen Goldspeicher. Er entzĂŒndet eine Lampe, und im Flackern werden gestapelte Goldbarren sichtbar, in zwei Reihen, bis unter die Decke. Im Kino wird die Leinwand leuchtend gelb. Dillon betrachtet nachdenklich seine ReichtĂŒmer, und nimmt einige Barren mit sich. Es folgt eine Liebesszene zwischen Dillon und Lucia. Nachdem sie sich angezogen haben, schenkt er ihr die Besitzurkunden fĂŒr den Saloon. Dann sagt er ihr, dass es vorbei ist. Es folgt ein Streit und eine Handgreiflichkeit. Auch Lucia kennt die HintergrĂŒnde nicht.

Unterwegs mit Dalglishs Team in unberĂŒhrter Wildnis. In knietiefem Schnee schwĂ€rmt Bellanger davon, wie es wĂ€re, mit Annie eine Familie zu grĂŒnden. Vermessungsarbeiten, Sprengungen und Kletterei, man kĂ€mpft sich durch das GelĂ€nde, zu ruckelig fĂŒr das Nitroglyzerin, der Kutscher verbrennt in einer Explosion, schlagartig aus dem Leben gerissen. Wie ein Omen sieht man ein brennendes Pferd durch einen Gebirgsbach davongaloppieren.

Ein neues Heim * Hochzeit * Die Bahn kommt 


Die Überreste des Kollegen werden bestattet. Besprechung zwischen Dalglish und Bellanger in einem Zelt, aus geologischen GrĂŒnden stehen die Chancen schlecht fĂŒr Dillons Stadt, doch wĂ€re es nicht weise, dies bereits jetzt auszusprechen. FĂŒr die Landvermesser war die Ortschaft nur ein Zwischenstopp, und Annie eine Liebschaft. Kingdom Come wird, buchstĂ€blich, gestrichen.

Hektisch Dillon mit Arbeitern und Fuhrwerken im Freien, und Geschrei. Schnitt, hinein in ein Haus in diesem LĂ€rm, Blick aus dem Fenster, die kleine Villa bewegt sich. Dillon lĂ€sst es auf eine HĂŒgelkuppe ziehen. Dann inspiziert er kurz das Mobiliar des Alterswohnsitzes, der „viktorianische Eleganz imitiert“ [2]: ein FlĂŒgel, Statuetten, Vasen, Bilder; dafĂŒr war das Gold. Elena trifft ein. Dillon macht ihr einen Heiratsantrag, sie antwortet: „Wir sind bereits verheiratet“, von Lucia hĂ€tte er sich getrennt. Dillon: „Es wĂŒrde alles in Ordnung bringen“. Bedingung sei, dass die Tochter nicht erfĂ€hrt, was sich zugetragen hat. In einer Distanz von zwei Metern wirkt Dillon immer noch wie ein GeschĂ€ftsmann, es ist taghell. Sie gibt ihm das Jawort, sie hat ihm vergeben. [5] Elena und Hope gehen zu Bett. Sie versucht, ihrer Tochter ihre GefĂŒhle darzulegen, im FlĂŒsterton. Elena offenbart, dass sie Dillon von frĂŒher kannte, vermutlich wird sie ihr nicht alles sagen.

Am Tag kommen die Landvermesser zurĂŒck, die Straßen sind leer, Lucia erklĂ€rt Dalglish gekrĂ€nkt, dass die Einwohner bei der Hochzeit von Ms. Dillon und Mrs. Burn wĂ€ren. Das junge Ehepaar tanzt, Dalglish und Hope, spĂ€ter auch Dillon mit seiner Tochter, die Stimmung nicht ausgelassen, als vielmehr bieder und bĂŒrgerlich. Der BĂŒrgermeister bespricht kurz diplomatisch und taktisch die Lage mit Dalglish. Fotos und Feuerwerk schließen sich an. Bellanger und Annie haben zueinander gefunden, allseits leuchtende Augen. Elena und Dillon sind glĂŒcklich. Dalglish und Hope bleiben nach der Feier zusammen: die Eisenbahn wĂŒrde viel Ă€ndern, eine Schule, eine Kirche, vielleicht sogar Straßen. Dalglish: „Ich muss morgen wieder fort“. Bellanger und Annie haben sich verlobt. Lucia versucht sich im Saloon ziemlich rĂŒde an Dalglish heranzumachen, erhĂ€lt aber einen Korb. Mit Elenas Gesundheit geht es allmĂ€hlich bergab. Morgens besteht das Eisenbahnteam darauf, alle Rechnungen voll zu bezahlen, und des BĂŒrgermeisters Winken mit dem Zaunpfahl wird deutlicher, er droht.


oder auch nicht! * Abschied von der Stadt * Helena liegt im Sterben

Die neugegrĂŒndete Familie bezieht ihr Haus. Wegen der Erkrankung wird ein Quacksalber empfangen, der eine Magneto- oder Elektroschocktherapie empfiehlt, Geld spielt keine Rolle. Kurz merkwĂŒrdige Prozeduren mit den elektrischen GerĂ€ten.

Dalglish muss mit einem Freund einen Vorgesetzten besuchen, in einem Waggon auf einer neuen Strecke, Hundertschaften von Arbeitern hĂ€mmern Gleise in den vereisten Boden. Die Dampflok setzt sich in Bewegung. Dalglishs Chef wĂ€re ein ebenbĂŒrtiger Gegner fĂŒr Dillon, und sein Auftreten ist Ă€hnlich. Die Stadt muss „verlegt“ werden. Dalglish nimmt die Befehle loyal mit soldatischer Haltung entgegen, und wenn da jemand ist, der ihm Schwierigkeiten machen kann, hat er alle Vollmachten. Dalglish wirkt nun endgĂŒltig wie ein Killer. Elena spuckt Blut, in den Armen ihrer Tochter, und Dillon steht daneben. Das Leben verlĂ€sst schrittweise ihren Körper. RĂŒckblende.

Am nĂ€chsten Morgen stolpert er verkatert aus seiner HĂŒtte, alleine, und im Hemd. Er schreit den Namen Elena in den Berg, und niemand antwortet.

Hope kauft HeilkrĂ€uter, die Eisenbahner kommen zurĂŒck. Sie machen sich fĂŒr den Aufbruch bereit, und einige BĂŒrger bemerken es. Sweetley ĂŒberbringt Dillon die Hiobsbotschaft, dieser beaufsichtigt noch am Krankenbett den Wunderheiler. Sweetley hĂ€ndigt wortlos Flinten an seine Leute aus. Dillons Mannen stellen schwer bewaffnet die Eisenbahner, dabei geht Dalglish nicht mehr ohne Schusswaffe ins Freie. Das Team hat fĂŒr ein oder zwei Tage ein Lager vor den Toren der Stadt aufgeschlagen. Dalglish verkĂŒndet, dass die Eisenbahnlinie durchs Tal fĂŒhren wird. Hope kommt dazu, in einer blitzschnellen Eskalation erschießt Dalglish Sweetley, vielleicht in Notwehr. Dillon blickt in GewehrlĂ€ufe, und steht mit dem RĂŒcken zur Wand. Er muss sich zurĂŒckziehen, fordert aber „In der FrĂŒhe seid ihr weg!“, und entfernt sich, mit dem Gang eines alten Mannes. Vielsagende Blicke werden ausgetauscht, und Hope ist den TrĂ€nen nahe. ZurĂŒck im Krankenzimmer hĂ€lt Hope ihre Mutter im Arm. Elena: „Manchmal wendest du dich von jemandem ab, und dann blickst du zurĂŒck, und dein halbes Leben ist vorĂŒber“.

Ein Trupp Prostituierter empfĂ€ngt ein letztes Mal das Vermessungsteam, sie hĂ€ngen nicht so sehr an Kingdom Come wie die BĂŒrgerlichen, und können ihr Gewerbe auch anderswo betreiben. Annie versucht Bellanger zum Bleiben zu ĂŒberreden. Langsames, trauriges Musizieren und Kuscheln, und der Abschied ist nahe. Dalglish rĂ€t Lucia, in die neue Siedlung zu gehen, die mit Sicherheit bald entstehen wird, im Tal, entlang der Bahnlinie. Elena liegt im Sterben, nur ihr Mann hĂ€lt Wache. Im Morgengrauen kommt es zum Shoot-Out: Dillon schleicht sich mit vier Helfern an, in schwerer Lederkluft, und erschießt zwei schlafende TĂŒrposten. Allgemeiner Tumult folgt. Dann bedroht er Annie und erpresst Bellanger um die Information: Dalglish ist bei Lucia. Er findet die beiden im Bett vor, und zerschießt einen Spiegel. Lucia weiß nun, dass Hope seine Tochter ist, und schreit ihn damit an. Dillon zittert wie Espenlaub, senkt nach einem Moment die Waffe, und geht. Die Huren packen bereits, sind aber nach wie vor heiter, Aufbruchstimmung und endlich Sonnenschein, Kolonnen ziehen aus dem StĂ€dtchen. Bordell und Saloon sind fĂŒr immer geschlossen, aber ein jeder ist eingeladen zu folgen. Dalglish verabschiedet sich von Lucia, seine Mission sei, die Bahn zu bauen.

Dillons GestÀndnis * Feuer * Erfroren in der KÀlte

Dillon wird Hope frĂŒher oder spĂ€ter die Wahrheit sagen mĂŒssen. Elena stirbt qualvoll.

Zu Pferd besucht Dillon die neue Siedlung, wo BrettergerĂŒste errichtet werden, er benötigt einen Pfarrer. Er begegnet Lucia, die dort bereits Charisma und GeschĂ€ftssinn an den Tag legt. Er teilt ihr mit, dass Elena nicht mehr unter den Lebenden weilt. SpĂ€ter wird Elena im Schneetreiben bestattet. Dillon fĂŒhrt seine Tochter in seine BerghĂŒtte, zeigt ihr Photographien, und enthĂŒllt seinen Fehler: „Ich habe euch verkauft“. Hope bricht in TrĂ€nen aus. Wieder steht Dillon knietief im Schnee, mit Frack und Melone, er brĂŒllt: „Hope“. Doch sie stĂŒrzt davon. Annie fĂ€ngt Bellanger ein, Dalglish erfĂ€hrt, dass Elena gestorben ist, die Central Pacific Railroad eröffnet die neue Kirche, die Stadt erhĂ€lt den Namen Lisboa. Dillon beginnt in den Abendstunden, seine Geisterstadt niederzubrennen.

Dalglish begegnet Hope bei der RĂŒckkehr mit dem Pfarrer, der Minuten spĂ€ter die Trauung von Annie und Bellanger durchfĂŒhrt. Er spricht sein Beileid aus. Die Menschen bemerken eine Rauchwolke ĂŒber einem Gipfel, beinahe Panik. Auf dem Berg Bilder der Zerstörung und des Infernos, und Dillon, der Frau, Kind und Stadt verloren hat, legt sich abseits in den Schnee. SpĂ€ter kĂ€mpfen alle gegen das Feuer, aber es ist aussichts- und auch sinnlos, man versucht, Dillon zu finden. Dalglish nimmt Hope in die Arme. Am nĂ€chsten Morgen wird die vereiste Leiche geborgen, und er hielt den Rosenkranz in den HĂ€nden. Auch Lucia nimmt Abschied von Dillons sterblichen Überresten, und das Paar streift durch die Ruinen:

Dalglish: Sie waren wie Könige.
Hope: Wer?
Dalglish: Die Pioniere. Solche MĂ€nner wie Dillon. Sie kamen her, als hier nichts war, sie bauten diese StĂ€dte und herrschten ĂŒber sie.

Durch die qualmenden TrĂŒmmer der Stadt Kingdom Come schallt der Ruf „Gold!“ In den letzten Bildern ist zu sehen, dass es sich um das eingeschmolzene Gold Dillons in den TrĂŒmmern der Bank handelt, dann setzt ein Treiben und Gerangel ein.

Einzelheiten

Nastassja Kinski spielte bereits die Tess Durbeyfield (Roman Polanski, 1979) des Thomas Hardy. Peter Mullan sammelte bereits Erfahrungen mit der Darstellung von trockenen Alkoholikern in Mein Name ist Joe (Ken Loach, 1998), ausgezeichnet mit dem Darstellerpreis von Cannes 1998. Madonna soll fĂŒr die Rolle der Lucia vorgesehen gewesen sein. [6] Auch die Mitwirkung Robert De Niros kam nicht zustande, die angeblich angedacht war. [7]

Hiermit liegt nach Herzen in Aufruhr (1996) die zweite Bearbeitung eines Thomas-Hardy-Stoffes [8] durch M. Winterbottom vor. Die Literaturvorlage spielte im lĂ€ndlichen England des frĂŒhen 19. Jahrhunderts, wurde also verlegt. [9] Der Stoff wurde mehrfach verfilmt, 1921 von Sidney Morgan, 1978 und 2003. [10] Michael Henchard wird im Film zu Dillon, Donald Farfrae zu Dalglish, und Lucetta zu Lucia, stellt The Observer fest (und aus Susan Henchard wird Elena Burn, aus Elizabeth Hope). [11] Ein richtiggehendes Novum war 2000, dass offen einige Szenen des Drehbuchs auf der Webseite des Films im Zuge der Dreharbeiten zur Abstimmung publiziert wurden. [4] Selbst verschiedene Titelalternativen wurden zur Diskussion gestellt.

Drehbuchautor Boyce hat sich in einem Interview von dem fertigen Produkt ein wenig distanziert, er hĂ€tte die Verfehlung Dillons doch lieber zu Beginn enthĂŒllt gesehen.

Neben der von Winterbottom und Eaton gegrĂŒndeten Revolution Films waren u. a. Kingdom Films Ltd. und Kingdom Come Productions Inc. beteiligt. [1] „Kingdom Come“ war als Titel eingeplant, aber aus rechtlichen GrĂŒnden nicht verfĂŒgbar. [12] Das Budget hat 20 Millionen Dollar betragen. Der Film war kein finanzieller Erfolg, [6][13] und blieb eher unbekannt.

UrsprĂŒnglich war geplant, in den französischen Alpen zu filmen, die Produktion wurde in einer frĂŒhen Phase aber angehalten. Gedreht wurde dann unter mehr als widrigen Bedingungen zwei Stunden westlich vom kanadischen Calgary im Skiresort Fortress Mountain (50° 49â€Č N, 115° 12â€Č W50.8166666667-115.22100) in etwa 2100 Meter bei minus 20 Grad Celsius in der Sonne. Zudem hĂ€tte bei der Independentproduktion das Geld fĂŒr Helikopter gefehlt, man war auf Zugtiere oder Schneemobile angewiesen. Erfrierungen und KreislaufzusammenbrĂŒche waren an der Tagesordnung. Die 20 GebĂ€ude wurden eigens fĂŒr die Aufnahmen errichtet. [14] Winterbottom scheint einiges Augenmerk auf maximale AuthentizitĂ€t gelegt zu haben, wie aus der Webseite des Films ersichtlich ist: dort wird das CinĂ©ma vĂ©ritĂ© erwĂ€hnt. [15]

Kalifornische Goldfelder

Der deutsche Filmtitel weist direkt auf das christliche Gebet Vaterunser hin, wie auch der Name der Stadt im Imperativ Kingdom Come (unverĂ€ndert aus dem englischen Original) das „Dein Reich komme“ ist.

Kritiken

„Eindrucksvoll fotografierte, hervorragend gespielte Tragödie um Schuld und SĂŒhne, Liebe und Vergebung. Inszeniert als Hommage auf die Schnee- und SpĂ€twestern der 70er-Jahre, stellt der Film auf vielschichtige Weise der Sicht des amerikanischen Pioniergeistes die RealitĂ€t der multikulturellen Immigranten-Gesellschaft entgegen. (Kinotipp der katholischen Filmkritik) – Sehenswert.“

– Lexikon des internationalen Films[16]

„„Das Reich und die Herrlichkeit“ ist so pathetisch und konsequent wie das französische Kino der 60er Jahre – endlich einmal wieder ein Film aus Europa, der von großen GefĂŒhlen erzĂ€hlt, ohne verquast oder zerquasselt zu sein [
] Und bei dem Kino darum letztlich auch eine Denkfabrik ist, eine Weise der Erkenntnis der Welt.“

– RĂŒdiger Suchsland: „Das Reich und die Herrlichkeit“ in „Schnitt - das Filmmagazin“ [17]

„[
] Alle drei [Winterbottom, Tykwer, Medem] sind Filmemacher der unbedingten, tragischen Leidenschaft und stellen in ihrer visionĂ€ren Kraft Ausnahmeerscheinungen des europĂ€ischen Kinos dar.“

– Rainer Gansera: „Das Reich und die Herrlichkeit – Michael Winterbottoms visionĂ€re Thomas-Hardy-Verfilmung“ in „epd film“ [18]

„[
] naturalistisch ist der gesamte Film. Atemberaubend – hier trifft diese inflationĂ€r gebrauchte Formulierung. Vor grandiosen Bergketten, durch Wolken und DĂ€mmerung in einen monochromen Farbschleier gehĂŒllt, zĂŒngelt das Orange der hochschlagenden Flammen – ein wirkungsvollerer Kontrast ist undenkbar. Die Ästhetik zerstörter TrĂ€ume.“

– Roland Huschke: „Im Western was Neues“ in Cinema [19]

Die New York Times sieht in Polley, Kinski und Bentley gute Darstellerleistungen, die jedoch etwas leblos bleiben. Peter Mullan wird die beste Darbietung attestiert, seine Figur bleibe aber enigmatisch. Der Autor spricht von vielen einprĂ€gsamen Bildern, die der Film zu bieten hat. [20] Salon.com hĂ€lt die KamerafĂŒhrung von Alwin KĂŒchler fĂŒr beinahe so intensiv und intim wie die des Sven Nykvist bei Bergman[21]

The Guardian hĂ€lt den Charakter des Dalglish fĂŒr bis zur UnglaubwĂŒrdigkeit gespalten zwischen Charme und AbgrĂŒndigkeit, bescheinigt dem Film aber im Übrigen, dass er „inspiriert“ sei. [22]

Etwas verhaltener beurteilen andere Quellen den Film: Emanuel Levy nennt in Variety die NarrativitĂ€t schwach und zerfasert, die Art der ErzĂ€hlung temperamentlos, und empfindet das Schauspiel Milla Jovovichs als irritierend. [23] Andere kritische Stimmen im englischsprachigen Raum erkannten eine gewisse emotionelle Distanziertheit oder sogar Unaufrichtigkeit.

Rotten Tomatoes bezeichnet den Film mit 62 Prozent als „Frisch“ [24], die Benutzer der Internet Movie Database werten ihn mit 6,5 von 10 Punkten bei 3.147 Zuschauerbewertungen [10] (22. Februar 2009).

Interpretationsbausteine

Das Reich und die Herrlichkeit sei kein Western, epd film sieht ihn als existenzielles Drama, eine balladeske Form, und eine „zentrale, tragisch vibrierende Empfindung“, von „traumartigen Bildern umkreist“. [2] 

film-dienst nennt den SpĂ€t-/Anti-Western McCabe & Mrs. Miller von Robert Altman (1971) und Sacramento von Sam Peckinpah (1962). [25]

Die Thematik gleicht in einigen Punkten der von Spiel mir das Lied vom Tod [26] von Sergio Leone (1968). Bereits The Mayor of Casterbridge behandelt alte und neue Ordnungen, und der Untergang des BĂŒrgermeisters steht auch dort in Verbindung mit Technik und modernen GeschĂ€ftsmethoden. [27] Hier wie dort unterstreicht die programmatische Musik die EmotionalitĂ€t der Szenen, zerfĂ€llt in The Claim aber nicht so auffĂ€llig in figĂŒrliche Leitmotive.

Die abgelichtete Schneemenge dĂŒrfte im jĂŒngeren Kino allenfalls von StĂŒcken wie Fargo (Ethan und Joel Coen, 1996), WinterschlĂ€fer (Tom Tykwer, 1997) oder Ein einfacher Plan (Sam Raimi, 1998) ĂŒbertroffen werden. In dem Horrorfilm Shining von Stanley Kubrick (1980) spiegelt die jeweilige Wetterlage die GemĂŒtsverfassung der Figuren wider und trĂ€gt zur Beschleunigung der Story bei. In The Claim herrscht ĂŒber die gesamte Dauer bitterer Winter. Dillon stirbt wie Jack Torrance einen Erfrierungstod. [9]

Der fĂŒr das Genre Western ĂŒberaus bedeutende John Ford [26] (1895-1973) portrĂ€tierte die Familie als „kleinste Einheit der Gesellschaft, als Zeugungszelle der Nation, als Nukleus des (entstehenden) Staates. [
] Einfach ausgedrĂŒckt: funktioniert die Familie, funktioniert der zukĂŒnftige Staat“. In diesen Tagen ging die „Gemeinschaft“ in die „Gesellschaft“ ĂŒber. [28] Besonders musikalische Darbietungen, BĂ€lle und Gottesdienste standen bei ihm fĂŒr die Zivilisation und zeigten die vollzogene Domestizierung des starken Geschlechts. [29] In dieser Symbolik zerfĂ€llt Dillons Gemeinwesen folgerichtig.

Kingdom Come

„Ich wĂ€re gerne dabei gewesen und hĂ€tte das Abenteuer, die Aufregung und die blendende Kraft des Goldrausches miterlebt [
] Man hat den Eindruck, als wĂ€ren zehntausend Jahre europĂ€ischer Geschichte komprimiert in wenige Jahre: Massenauswanderung, Landkriege, Staatenbildung. Sozusagen Geschichte im Zeitraffer. [
] Eine Tragödie, gewiss, doch sie feiert zugleich die Hoffnung und den Pioniergeist.“

– Frank Cottrell Boyce [30]

Nach dem mexikanisch-amerikanischen Krieg wurde Kalifornien 1847 bis 1849 vom U. S.-MilitĂ€r regiert, erst 1850 wurde es Bundesstaat. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte der Staat bei den Farmern und Siedlern an der frontier noch kaum eingegriffen [31], und von 1829 bis 1883 war Inkompetenz, Verantwortungslosigkeit und Korruption in den wenigen öffentlichen Ämtern auf Bundesebene normal [32] (in dieser Zeit schrieben de Tocqueville, Thoreau und Emerson). WĂ€hrend des Goldrausches mĂŒssen sich in der Einöde schreckliche Tragödien zugetragen haben.

„Aber, trotz aller HĂ€rten, Entbehrungen und EnttĂ€uschungen bewahrte sich die ĂŒberwiegende Mehrheit [
] ihren Optimismus, Anstand und ein GefĂŒhl fĂŒr Werte. Ebenfalls fĂŒr sie sprach, dass diese Durchschnittsamerikaner, trotz des Fehlens aller förmlichen Regierungen und Gesetze, der Auflösung der Gruppe entgegen arbeiteten und sich nicht der Anarchie beugten, sondern Regeln schufen, Vorschriften und eigene Gerichte [33], um den MĂ€nnern das Zusammenleben und -arbeiten mit einem Mindestmaß von Friede und Ordnung zu ermöglichen.“

– S. Shufelt: Ein Brief eines GoldgrĂ€bers, Placerville, Kalifornien, Oktober, 1850, mit einer EinfĂŒhrung von Robert Glass Cleland, EinfĂŒhrung [34]

Frederick Jackson Turner zufolge seien die Siedler auf dem Marsch westwĂ€rts mit den Generationen immer uneuropĂ€ischer geworden („The Significance of the Frontier in American History“, 1893), auch durch ihn entstand spĂ€ter der Mythos frontier.

Was man im zeitgenössischen Western sehen kann, ist nur ein Ausschnitt der historischen Wirklichkeit, die Industrialisierung war mehr als nur die Verbesserung des Transportwesens[35] Die Besiedlung des mittleren Westens in dieser Ära kann als wellenartige Ablagerung von Kultursedimenten begriffen werden, durch den die Zivilisation allmĂ€hlich die Wildnis verdrĂ€ngte. [36] Nach einem vorĂŒbergehenden AufblĂŒhen der Landwirtschaft begann dann nach 1880 das Herz Amerikas an der Wall Street zu schlagen. [37]

Entsprechend ist die Staatsmacht in der Geschichte eigentlich abwesend, weder Dalglish noch Dillon werden fĂŒr die SchĂŒsse zur Verantwortung gezogen, Sweetley ist nicht mehr als die rechte Hand des BĂŒrgermeisters, und hat kaum eine Dialogzeile. Es ist auch wenig Religion in The Claim vorhanden, obwohl Heirat, Beerdigung und selbst eine Kirchweihe gezeigt werden.

Das komplette Ensemble von The Claim besteht aus FlĂŒchtlingen, sie scheinen in immerwĂ€hrender Bewegung, Siedlungen werden wie vom Wind weggetragen, RĂŒdiger Suchsland stellt fest, es wĂ€re die „[
] Zivilisation, die ganz auf das Kurzfristige und GegenwĂ€rtige ausgerichtet ist, und das, was gerade zerstört wurde, sofort noch grĂ¶ĂŸer und noch schöner wieder aufbaut“ [17], die hier dargestellt wird, und bis heute vom Wesen her unverĂ€ndert sei. Die Auflösung von Kingdom Come stimmt noch nicht einmal sonderlich traurig, eher wie die unsichtbare Hand der Marktwirtschaft. Damit enthĂ€lt das Werk geschichtsphilosophische und makrosoziologische Elemente. [38]

Daniel Dillon

„Und was gefiel Ihnen daran?
- Ein Teil der AttraktivitĂ€t war die Offenheit des Startpunktes. Wenn du ĂŒber Leute sprichst, die gerade in einer Wildnis ankommen und moralische Entscheidungen treffen mĂŒssen, ist das nicht im Bezug zu einzelnen gesellschaftlichen Konventionen zu sehen, vielmehr geht es darum, was richtig und falsch ist.“

– Michael Winterbottom: im Interview mit Stephen Applebaum, Netribution Ltd. [39]

film-dienst will den Film als „nahezu antike Tragödie“ verstanden wissen, und zugleich als europĂ€ische Hommage. Landschaftspanoramen werden mit kammerspielartigen Szenen, mitunter unter Einsatz der Handkamera, kontrastiert, und der Autor bescheinigt „melancholisch-dĂŒstere Bildkompositionen“, entfĂ€rbt, von „ungeheurer Ă€ußerer wie innerer Wucht“. Zu einzelnen Rollen wird festgestellt, in Wes Bentley sehe man genau die „Cowboy-MentalitĂ€t, die Stolz, Aufrichtigkeit, Familie und Gewalt unter einen Hut bringt“, Peter Mullan sei der Patriarch vielleicht eine Spur zu sanft geraten, und Sarah Polley stehe prototypisch fĂŒr Verletzlichkeit und Liebe, ResĂŒmee: „zeitloses Kunstwerk“. [25]

Roger Ebert entdeckte „kreuzende Pfade; Dillon ist dabei, ein besserer Mensch zu werden, wĂ€hrend es mit Dalglish abwĂ€rts geht.“[40]

Die New York Times sieht das Herz der Geschichte in der „Unmöglichkeit der Selbsterfindung“ und erwĂ€hnt Der große Gatsby[20] Damit wĂŒrde das Werk PrĂ€missen des Existentialismus bestreiten (siehe: Philosophische Anthropologie). Im Vergleich zu den Felsmassiven und Naturschauspielen sind die Schicksale einzelner Sterblicher jedoch unbedeutend. Eine Rezension bei Salon.com [21] schließt mit den Worten „Das GlĂŒck war nur eine kurze Episode“, ein Hardy-Zitat, und liegt damit dicht bei Freud: „[
] man möchte sagen, die Absicht, dass der Mensch ‚glĂŒcklich‘ sei, ist im Plan der ‚Schöpfung‘ nicht enthalten.“ [41]

Das Magazin fĂŒr Theologie und Ästhetik erkennt im neuen Leiden im Film in Anlehnung an Georg Seeßlen bei Winterbottom biblische BruchstĂŒcke, Pathos, einen absoluten Ernst und eine „nachmoderne Gestalt“ der Katharsis, und bespricht den Film neben Dancer in the Dark (Lars von Trier) und Das Zimmer meines Sohnes (Nanni Moretti). [42]

In der Literatur sind Aufstieg und Fall eines MĂ€chtigen seit jeher gestaltet worden (Ödipus bei Sophokles oder König Lear). [27]

„Die Kamera fĂ€hrt am Ende nach oben, als wĂŒrde der Zuschauer nun den Platz einnehmen, den sonst das Auge Gottes hat: er allein sieht, wie die Geschichte weitergeht, aus einer Perspektive, die das Ganze im Blick hat, die die ganze Geschichte kennt; und diese, die Geschichte der Liebe, scheint niemals zu enden, dem Tod des einzelnen, dem Verlöschen jeder individuellen Hoffnung zum Trotz.“

– Inge Kirsner: „Von der Verabschiedung Gottes zum Verlust des Subjekts“ in „Magazin fĂŒr Theologie und Ästhetik“ 15/2002 [42]

Musik

Die New York Times nennt den Soundtrack von Michael Nyman „minimalistisch“ und es gĂ€be BezĂŒge auf die Dichtung Ozymandias von Percy Bysshe Shelley, und dies wĂŒrde einen deutlich englischen Klang ergeben. [20] Die Dichtung thematisiert unter anderem die VergĂ€nglichkeit der Macht, gezeigt im alten Ägypten.

Die Musik wurde aufgenommen in den Whitfield Street Studios, London, veröffentlicht von Chester Music Limited/Michael Nyman Limited, gespielt vom Michael Nyman Orchestra, OrchesterfĂŒhrung Alexander Bălănescu, beteiligt Gary Carpenter, Robert Worby und Austin Ince. [43] Der Name der Sopranistin wurde nicht veröffentlicht.

  • The Exchange (2:38)
  • The First Encounter (3:45)
  • The Hut (1:16)
  • The Explosion (1:35)
  • The Recollection (1:35)
  • The Fiery House (4:19)
  • The Betrothal (1:55)
  • The Firework Display (3:23)
  • The Train (2:34)
  • The Shoot Out (5:07)
  • The Death of Elena (1:34)
  • The Explanation (2:01)
  • The Burning (9:19)
  • The Snowy Death (4:51)
  • The Closing (4:03)

Spielzeit 50 Minuten und 5 Sekunden. Allerdings hat es weder alle Musik des Films auf die CD geschafft, noch umgekehrt die gesamte Partitur Nymans in den Film.

Preise und Nominierungen [10]

  • 2001: Nominierung fĂŒr den „Goldenen BĂ€r“ in Berlin [44] fĂŒr Michael Winterbottom. Der Preis ging an Intimacy von Patrice Chereau.
  • 2001: Zwei Nominierungen bei den „British Independent Film Awards“ fĂŒr Beste Regie und Bestes Screenplay.
  • 2001: Nominierung fĂŒr Michael Winterbottom beim „Valladolid International Film Festival“, Gewinn der Auszeichnung fĂŒr die beste KamerafĂŒhrung (Alwin KĂŒchler).
  • 2002: Drei Nominierungen bei dem „Genie Award“.

Siehe auch

WeiterfĂŒhrende Literatur

  •  Thomas Hardy: Der BĂŒrgermeister von Casterbridge: Leben und Tod eines Mannes von Charakter. Insel-Verl., Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-458-34442-X (Aus dem Engl. von Eva-Maria König, 1. Auflage, Lizenz von Reclam).</span>
  •  Frank Cottrell Boyce: The Claim. ScreenPress Books, Dublin 2001, ISBN 1-901-68056-8.</span>
  •  Gayla S. McGlamery: Hardy Goes West: The Claim, the Western, and The Mayor of Casterbridge. In: Literature Film Quarterly. VOL XXXV (2007) No. 1, Salisbury State College, Salisbury, Md. 1973-, ISSN 0090-4260.</span>
  •  Paul J. Niemeyer: Seeing Hardy: Film and Television Adaptations of the Fiction of Thomas Hardy. McFarland, Jefferson 2003, ISBN 0-786-41429-4 (http://books.google.com/books?id=pvyuCm6BPK8C).</span>
  •  T. R. Wright (Hrsg.): Thomas Hardy on Screen. Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 0-521-84081-3.</span>

Weblinks

Einzelnachweise

Teilweise ĂŒbersetzt durch Wikipedia.

  1. ↑ a b c Cover/Booklet der DVD von Concorde Home Entertainment GmbH, MĂŒnchen 2002, EAN 4-010324-020840, im folgenden DVD. Laufzeit nach Lexikon des internationalen Films: 121 Minuten.
  2. ↑ a b c epd film 11/2001, im folgenden epd. epd, S. 32 f.: Rainer Gansera: Das Reich und die Herrlichkeit - Michael Winterbottoms visionĂ€re Thomas-Hardy-Verfilmung.
  3. ↑ an Ozymandias von Percy Bysshe Shelley.
  4. ↑ a b Von Frank Cottrell Boyce, nach mĂŒndlicher Überlieferung irischer Folklore, beschĂ€ftigt sich mit Tod und Verlust, aber auch konkreter: Einwanderung. Online-Ressource (Archivversion vom 20. April 2001) (abgerufen am 22. Dezember 2006; im Internet Archive)
  5. ↑ Online-Ressource (Archivversion vom 9. September 2002) Nach der Ansicht von Nastassja Kinski, die die Rolle interpretierte, nachzulesen auf der Webseite des Films.
  6. ↑ a b Michael Winterbottom, engl. Wikipedia, Online-Ressource, abgerufen am 14. April 2007.
  7. ↑ Online-Ressource, abgerufen am 12. Januar 2007.
  8. ↑ The Mayor of Casterbridge in der engl. Wikipedia.
  9. ↑ a b epd, S. 32.
  10. ↑ a b c Nach Internet Movie Database, Online-Ressource, abgerufen am 22. Februar 2009.
  11. ↑ Online-Ressource, Philip French vom 4. Februar 2001 in The Observer, abgerufen am 22. Dezember 2006.
  12. ↑ Cinema 11/01, S. 64.
  13. ↑ Box Office Mojo, Online-Ressource.
  14. ↑ Cinema 11/01, S. 62 ff.: Roland Huschke: Im Western was Neues ĂŒber die Dreharbeiten.
  15. ↑ Online-Ressource, abgerufen am 20. Dezember 2006.
  16. ↑ Das Reich und die Herrlichkeit im Lexikon des Internationalen Films
  17. ↑ a b Online-Ressource, abgerufen am 20. Dezember 2006.
  18. ↑ epd, S. 33.
  19. ↑ Cinema 11/01, S. 66.
  20. ↑ a b c New York Times, Stephen Holden: Im Stil von Thomas Hardy, eine ErzĂ€hlung vom goldhungrigen Wilden Westen, 20. April 2001.
  21. ↑ a b Online-Ressource, abgerufen am 20. Dezember 2006.
  22. ↑ Online-Ressource, Peter Bradshaw vom 2. Februar 2001 in The Guardian, abgerufen am 22. Dezember 2006.
  23. ↑ Variety, 4. Dezember 2000, Online-Ressource, abgerufen am 20. Dezember 2006.
  24. ↑ Online-Ressource, abgerufen am 22. Februar 2009.
  25. ↑ a b film-dienst 23/01, S. 28 f.: Rolf-Ruediger Hamacher: Das Reich und die Herrlichkeit - The Claim.
  26. ↑ a b McGlamery (Literatur).
  27. ↑ a b Walter Jens (Hrsg.): Kindlers neues Literaturlexikon. Studienausg., Lizenausg., durchgesehene Originalausg., Komet, MĂŒnchen 19XX, ISBN 3-89836-214-0, Band 7, S. 298, zu The Mayor of Casterbridge (Horst Strittmatter).
  28. ↑ Dirk Christian Loew: Die Kavallerie-Western John Fords. Inaugural-Dissertation (Philosophie), Johann-Wolfgang-Goethe-UniversitĂ€t, Frankfurt am Main 2003. Dokument, S. 66.
  29. ↑ a. a. O., S. 71.
  30. ↑ Produktionsnotizen, Bonusmaterial der DVD.
  31. ↑ Willi Paul Adams (Hrsg.): Fischer Weltgeschichte Band 30 - Die Vereinigten Staaten von Amerika. ND als Weltbild Weltgeschichte, Weltbild, Augsburg 1998, ISBN 3-89350-989-5, im folgenden WW. WW, S. 170.
  32. ↑ WW S. 173.
  33. ↑ Siehe auch: Das war Roy Bean (John Huston, 1972).
  34. ↑ S. Shufelt: A letter from a gold miner, Placerville, California, October, 1850, with an introduction by Robert Glass Cleland. Übersetzt durch Wikipedia. Friends of the Huntington library, San Marino 1944, Online-Ressource.
  35. ↑ WW S. 133. Siehe auch: Rail transport in California, engl. Wikipedia.
  36. ↑ WW S. 149.
  37. ↑ WW S. 182.
  38. ↑ Vgl. dazu Andreas Busche (Weblinks).
  39. ↑ Online-Ressource, abgerufen am 24. Dezember 2006.
  40. ↑ Roger Ebert: The Claim. In: rogerebert.suntimes.com. 20. April 2001, abgerufen am 22. Februar 2009 (englisch): „The strength of "The Claim" is that Dillon and Dalglish are on intersecting paths; Dillon is getting better, while Dalglish started out good and is headed down“
  41. ↑ Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur, 1930.
  42. ↑ a b Inge Kirsner: Von der Verabschiedung Gottes zum Verlust des Subjekts in Magazin fĂŒr Theologie und Ästhetik 15/2002. Online-Ressource, abgerufen am 31. Januar 2007.
  43. ↑ Nachspann.
  44. ↑ Internationale Filmfestspiele Berlin, Online-Ressource, PDF, etwa 74 KB, abgerufen am 20. Dezember 2006.
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