James David Graham Niven (* 1. März 1910 in London, England; †29. Juli 1983 in Château-d’Œx, Schweiz) war ein britischer Schauspieler.
Leben und Werk
Niven war der Sohn von William Edward Graham Niven und Henrietta Julia de Gacher. Sein Vater fiel als Offizier 1915 in der Schlacht von Gallipoli.
Wie kaum ein anderer Schauspieler war Niven jahrzehntelang in der Rolle des britischen Gentleman erfolgreich und wurde von vielen Zuschauern nahezu ausschließlich mit diesem Image identifiziert. Seine Rollengestaltungen waren oft auch komödiantisch angelegt, sei es als Dieb (in den Pink-Panther-Filmen), als Heiratsschwindler oder als Mitglied der höheren Gesellschaft. Zu Nivens engsten Freunden gehörten Errol Flynn, Humphrey Bogart, Roger Moore und Peter Ustinov.
Niven war zweimal verheiratet. 1940 heiratete er Primula Rollo (* 1918), mit der er zwei Söhne hatte: David jr. und Jamie, die 1942 bzw. 1946 geboren wurden. Primula starb 1946 nach einem unglücklichen Sturz im Hause Tyrone Powers an schweren Kopfverletzungen. Seine zweite Frau, das schwedische Model Hjordis Tersmeden (1921–1997), heiratete er 1948. Mit ihr adoptierte David Niven zwei Töchter: Kristina und Fiona.
Während des Zweiten Weltkriegs war er Koordinator aller Veranstaltungen zur Truppenbetreuung der US-amerikanischen und britischen Streitkräfte in Europa. In dieser Funktion organisierte er auch die Auftritte von Marlene Dietrich und war persönlich an der Front in der Ardennenoffensive mitverantwortlich für ihre Rettung vor der herannahenden Wehrmacht. Er war zu dieser Zeit auch mit Glenn Miller befreundet, für den er eine Truppenbetreuungsreise organisierte, die nach dessen nicht vollständig geklärtem Tod nicht mehr stattfand.
1952 grĂĽndete er mit den Kollegen Charles Boyer, Ida Lupino und Dick Powell die Fernsehproduktion Four Star Television und trat erfolgreich in den eigenen Fernsehserien The David Niven Show (1959) und Gauner gegen Gauner (1964 bis 1965) auf.
1959 wurde David Niven fĂĽr seine Darstellung des Majors Pollock in dem Film Getrennt von Tisch und Bett mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.
David Niven erkrankte an ALS und starb an der Krankheit am selben Tag wie sein Kollege Raymond Massey, mit dem er 1937 in Der Gefangene von Zenda mitwirkte. Seine Grabstelle befindet sich auf dem Friedhof Château-d'Œx in der Schweiz. Sein Vermögen vermachte Niven der Forschung.
Seine deutsche Synchronstimme sprach bis auf wenige Ausnahmen Friedrich Schoenfelder.
Sonstiges
Die Figur des Anstandslehrers in dem Comic Calamity Jane von Lucky Luke wurde ihm nachempfunden.
Filmografie (Auswahl)
- 1935: San Francisco im Goldfieber (Barbary Coast); Regie: Howard Hawks
- 1936: Rose-Marie; Regie: W. S. van Dyke
- 1936: Der Verrat des Surat Khan (The Charge of the Light Brigade); Regie: Michael Curtiz
- 1936: Geliebter Rebell (Beloved Enemy); Regie: Henry C. Potter
- 1936: Zeit der Liebe, Zeit des Abschieds (Dodsworth); Regie: William Wyler
- 1937: Der Gefangene von Zenda (The Prisoner of Zenda); Regie: John Cromwell
- 1938: Blaubarts achte Frau (Bluebeard’s Eighth Wife); Regie: Ernst Lubitsch
- 1939: Die Findelmutter (Bachelor Mother); Regie: Garson Kanin
- 1939: Sturmhöhe (Wuthering Heights); Regie: William Wyler
- 1939: Verrat im Dschungel (The Real Glory); Regie: Henry Hathaway
- 1939: Zauberer der Liebe (Eternally Yours); Regie: Tay Garnett
- 1946: Die wunderbare Puppe (Magnificent Doll); Regie: Frank Borzage
- 1946: Irrtum im Jenseits (A Matter of Life and Death); Regie: Michael Powell, Emeric Pressburger
- 1947: Eine brennende Liebe (The Other Love); Regie: André de Toth
- 1947: Jede Frau braucht einen Engel (The Bishop’s Wife); Regie: Henry Koster
- 1948: Betrogene Jugend (Enchantment); Regie: Irving Reis
- 1950: Das dunkelrote Siegel (The Elusive Pimpernel); Regie: Michael Powell, Emeric Pressburger
- 1950: Der Fischer von Louisiana (The Toast of New Orleans); Regie: Norman Taurog
- 1950/51: GlĂĽcklich und verliebt (Happy Go Lovely); Regie: H. Bruce Humberstone
- 1951: Drei auf Abenteuer (Soldiers Three); Regie: Tay Garnett
- 1953: Liebeslotterie (The Love Lottery); Regie: Charles Crichton
- 1953: Wolken sind ĂĽberall (The Moon Is Blue); Regie: Otto Preminger
- 1954: Ein neuer Geist auf SchloĂź Rathbarney (Happy Every After); Regie: Mario Zampi
- 1954: Major Carrington (Carrington VC); Regie: Anthony Asquith
- 1955: Des Königs Dieb (The King’s Thief); Regie: Robert Z. Leonard
- 1956: In 80 Tagen um die Welt (Around the World in 80 Days); Regie: Michael Anderson
- 1956: Die falsche Eva (The Birds and the Bees); Regie: Norman Taurog
- 1957: Bonjour Tristesse (Bonjour Tristesse); Regie: Otto Preminger
- 1957: Die kleine HĂĽtte (The Little Hut); Regie: Mark Robson
- 1957: Mein Mann Gottfried (My Man Godfrey); Regie: Henry Koster
- 1958: Getrennt von Tisch und Bett (Separate Tables); Regie: Delbert Mann
- 1959: Immer die verflixten Frauen (Ask Any Girl); Regie: Charles Walters
- 1959: Ehegeheimnisse (Happy Anniversary); Regie: David Miller
- 1960: Meisterschaft im Seitensprung (Please Don't Eat the Daisies); Regie: Charles Walters
- 1961: Die Kanonen von Navarone (The Guns of Navarone); Regie: J. Lee Thompson
- 1961: Der Weg nach Hongkong (Road to Hongkong); Regie: Norman Panama
- 1961: Liebenswerte Gegner (I due nemici); Regie: Guy Hamilton
- 1962: 55 Tage in Peking (55 Days in Peking); Regie: Nicholas Ray
- 1962: Flucht aus dem Dunkel (Guns of Darkness); Regie: Anthony Asquith
- 1963: Der rosarote Panther (The Pink Panther); Regie: Blake Edwards
- 1964: Zwei erfolgreiche VerfĂĽhrer (Bedtime Story); Regie: Ralph Levy
- 1964/65: The Rogues
- 1965: Dolche in der Kasbah (Where the Spies Are); Regie: Val Guest
- 1965: Die schwarze 13 (Eye of the Devil); Regie: J. Lee Thompson
- 1965: Lady L; Regie: Peter Ustinov
- 1967: Alles was verboten ist (The Impossible Years); Regie: Michael Gordon
- 1967: Die Pille war an allem schuld (Prudence and the Pill); Regie: J. Fielder Cook, Ronald Neame
- 1967: Casino Royale (Casino Royale); Regie: John Huston, Ken Hughes, Val Guest, Robert Parrish, Joseph McGrath
- 1968: Bevor der Winter kommt (Before Winter Comes); Regie: J. Lee Thompson
- 1969: Das Superhirn (Le Cerveau); Regie: Gérard Oury
- 1971: Herzbube (King, Queen, Knave); Regie: Jerzy Skolimowski
- 1974: Papiertiger (Paper Tiger); Regie: Ken Annakin
- 1974: Vampira (Vampira); Regie: Clive Donner
- 1974: Das Gespenst von Canterville (The Canterville Ghost)
- 1976: Eine Leiche zum Dessert (Murder by Death); Regie: Robert Moore
- 1976: Das groĂźe Ferienabenteuer (No Deposit, No Return); Regie: Norman Tokar
- 1977: Abenteuer auf SchloĂź Candleshoe (Candleshoe); Regie: Norman Tokar
- 1977: Speed Fever (Speed Fever); Regie: Mario Morra, Oscar Orefici
- 1978: Tod auf dem Nil (Death on the Nile); Regie: John Guillermin
- 1979: Der Furchtlose (A Man Called Intrepid); Regie: Peter Carter
- 1979: Der Löwe zeigt die Krallen (Rough Cut); Regie: Don Siegel
- 1979: Die Seewölfe kommen (The Sea Wolves); Regie: Andrew V. McLaglen
- 1979: Die Superprofis (A Nightingale Sang in Berkeley Square); Regie: Ralph Thomas
- 1979: Flucht nach Athena (Escape to Athena); Regie: George Pan Cosmatos
- 1982: Der rosarote Panther wird gejagt (Trail of the Pink Panther); Regie: Blake Edwards
- 1982: Ein Opa kommt selten allein (Better Late Than Never); Regie: Brian Forbes
- 1983: Der Fluch des rosaroten Panthers (Curse of the Pink Panther); Regie: Blake Edwards
Auszeichnungen
Auf dem Hollywood Walk of Fame erinnern zwei Sterne an David Niven (Film: 6384 Hollywood Blvd., Fernsehen: 1625 Vine Street).
Autobiografien
- Vielleicht ist der Mond nur ein Luftballon. Mein bewegtes Leben. (OT: The Moon's a Balloon). Ehrenwirth, MĂĽnchen 1975, ISBN 3-431-01674-X
- Stars, die nicht vom Himmel fielen. Hollywood und alle meine Freunde. (OT: Bring On the Empty Horses). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1979, ISBN 3-499-14444-1
Literatur
- David Niven: The Moon's a Balloon. Putnam Pub Group 1972, ISBN 0-399-10557-3
- Sheridan Morley: David Niven. The Other Side of the Moon. Coronet/Hodder & Stoughton, Sevenoaks 1986, ISBN 0-340-39643-1
Weblinks