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Decknamen nationalsozialistischer Geheimobjekte

Während des Zweiten Weltkrieges wurden kriegswichtige Bauvorhaben in der Regel mit Decknamen bezeichnet. Dies betraf sowohl oberirdische Bauten als auch unterirdische Verlagerungen. Viele der Objekte wurden nicht fertiggestellt. Vorwiegende Verwendung fanden dabei Tier- und Pflanzennamen sowie Vornamen. Schwerpunkte waren dabei das U-Verlagerungsprogramm des Jägerstabes (unterirdische Fertigung von Jagdflugzeugen, wie der Me 262), das A 4-Programm (unterirdische Raketenproduktion) und das Geilenberg-Programm (unterirdische Verlagerung von Hydrierwerken).

Systematik der Decknamen beim RMfRuK (Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion):

Natürliche Höhlen Begriffe aus dem Münzwesen[1]
Alte Schachtanlagen Tiernamen aller Art
Alte Stollenanlagen Fisch- und Amphibiennamen
Neue Stollenanlagen Geologische Bezeichnungen
ehemalige Bunkeranlagen Begriffe aus der Pflanzenkunde
Tiefe Keller weibliche Vornamen
neue Bunkerbauten männliche Vornamen
Verkehrstunnel Vogelnamen

Daneben gab es aber auch andere Verschlüsselungssysteme wie Großbuchstaben oder Ziffern. Die Organisation Todt nutzte u. a. auch ein Tarnnamensystem aus Flussnamen (z. B. Elbe, Oker, Weser, Aller) und Tiernamen+Behausung (wie z. B. Bären-höhle, Adler-horst).[2] Auch wurden (falsche) Firmenbezeichnungen als Decknamen benutzt. Das gleiche Objekt konnte mehrere Namen tragen (z. B. bei der SS-IKL und dem RfRuK).

Inhaltsverzeichnis A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

A

  • Albit – Verlagerung aus den Zeiss-Werken in die Rothensteiner Höhle bei Rothenstein
  • Anhydrit – (Projekt B 3) geplante Erweiterung der V-Waffen-Produktionsstätte „Mittelwerk“ des Mittelbau-Dora als U-Verlagerung im Himmelsberg bei Woffleben. Hier war eine Produktionsstätte von Junkers-Strahltriebwerken vorgesehen (siehe auch Hydra).
  • Anke – Schiefergrube Kolditz bei Probstzella und Marktgölitz
  • Axinit – Klöckner-Werke in Gurein
  • Aal – Hausertorstollen in Wetzlar, öffentlicher Luftschutzbunker und unterirdische Produktionsstätte der Leitzwerke

B

C

D

E

F

G

H

  • Hecht – Produktionsstätte 1–6, unterirdische Produktion von V1, Bordfunkgeräten, U-Bootkurbelwellen sowie Bau von Flugzeugteilen in den Asphaltgruben im Hils in Holzen, Südniedersachsen
  • Heller – Flugzeugfahrwerke in der Höhle Heimkehle bei Uftrungen
  • HochwaldHauptquartier für Heinrich Himmler in Großgarten (heute Pozezdrze, Polen)
  • Hummer – (unterirdisches Objekt, altes Gipswerk bei Schlesisch Neuland (Nawojow Slaski), Polen)
  • Hydra – (Projekt B 3a) geplante Produktion der Hs-Raketen 117 (Schmetterling) und 298 (Taifun) durch die Henschel Flugzeug-Werk AG im Himmelsberg bei Woffleben; (Projekt B 3b) geplante Erweiterung mit Verbindungsstollen zu B 3a im Mühlberg bei Niedersachswerfen, wurde im Oktober 1944 nach zwei Monaten Anlaufphase wieder eingestellt

I, J

  • Iltis – siehe auch „Bulldogge“
  • Jakob (auch Jacob): im Juni 1944 geplant für Flugbenzin und Vergaserkraftstoff in unterirdischer Anlage, in Hirschfeld und in Berbersdorf, nicht ausgeführt

K

L

M

N

  • Nautilus – (unterirdische Verlagerung, Sandsteinhöhlen Wellnitz (Velenice u Zákup), Tschechien)

O

  • Ör – (unterirdische Verlagerung der Firma Rinkel GmbH Feinmechanische Rüstungsgeräte aus Göttingen in die natürliche Jettenhöhle; die Produktion wurde jedoch nicht mehr aufgenommen)
  • Okapi – (unterirdische Verlagerung der Maschinenfabrik Hamel AG, Chemnitz, Merkur- und Plutoschacht des Gersdorfer Steinkohlen-Aktien-Vereins in Gersdorf
  • Olga – (Verbunkerte Nachrichtenzentrale des Sonderbauvorhabens III im Jonastal bei Crawinkel für ein mögliches Führerhauptquartier in Thüringen)
  • Ortrud – für Marine in der Heidecksburg Rudolstadt
  • Ofen – s.oben Dachs – Kleindestillationsanlagen für die Herstellung von Kraftstoff. Sie waren so klein, dass sie in Stollen und Steinbrüchen untergebracht werden konnten. In ihnen wurde aus Rohöl Benzin und Diesel destilliert. Die Rückstände aus diesem Vorgang wurden in Hydrieranlagen „Dachs“ weiterverarbeitet. Das Benzin wurde meist in einer weiteren Anlage gekrackt d.h. weiter aufgespalten (Anlage „Jakob“)
  • Ofen I & II Kleindestillationsanlagen der Deurag-Nerag im Extertal bei Rinteln (Gutshof Börgerhof)[6]
  • Ofen III & IV Kleindestillationsanlagen der Deurag-Nerag in Brunkensen (Glenetal)[7][8].

P

R

S

T

U

  • Ulme – Sprengstofffabrik bei Christianstadt (Krzystkowice) in der Niederlausitz

V

W

  • Waldhof – Versuchsanlage zur Herstellung von Explosivstoffen der Eibia GmbH in Bomlitz
  • Walnuß II – teilweise unterirdischer Rüstungsbunker der Messerschmitt AG bei Igling zur Herstellung des Kampfflugzeugs Me 262 (nicht fertiggestellt)
  • Walo I – Forschungsanlage zur Herstellung von Explosivstoffen der Eibia GmbH bei Bomlitz
  • Walo II – älteste der drei großen Pulverfabriken der Eibia GmbH bei Benefeld (heute Bomlitz)
  • Wasserwerk – Bunker-Stellungen zur Montage und zum Abschuss von V1 oder V2 in Frankreich, z. B. in Siracourt
  • Weimar – Wetterkurzschlüssel
  • Weingut I – teilweise unterirdischer Rüstungsbunker der Messerschmitt AG im Mühldorfer Hart zur Herstellung des Kampfflugzeugs Me 262 (nicht fertiggestellt)
  • Weingut II – teilweise unterirdischer Rüstungsbunker der Messerschmitt AG bei Kaufering zur Herstellung des Kampfflugzeugs Me 262 (fertiggestellt)
  • Weser – zweite der drei großen Pulverfabriken der Eibia GmbH bei Dörverden
  • Wetterfrosch – Militärflugplatz Seyring
  • Wilhelm, KZ Wansleben (Wansleben)
  • Wiese –, mit den Decknamen Mansfeld, Biber II, A 6 und Wilhelm.unterirdische V3 Abschussanlage Mimoyecques, 13 km südwestlich von Calais
  • Wolfsschanze – Führerhauptquartier bei Rastenburg
  • Wüste – Industriekomplex, um im Rahmen des Geilenberg-Programms Treibstoff aus Ölschiefer zu gewinnen.

Z

  • Zander – (unterirdische Verlagerung der Zeiss-Ikon-Werke Dresden, Kalkwerk Nentmannsdorf)
  • Zaunkönig – akustisch gesteuerter Torpedo der Kriegsmarine
  • Zechstein – (Neuauffahrung im Sandstein für die Weserflug GmbH aus Bremen, Rabstein bei Böhmisch Kamnitz (Ceská Kamenice), Tschechien)
  • Zeisig – Zündkerzenproduktion der Firma Robert Bosch in einem nicht in Betrieb genommenen Eisenbahntunnel zwischen Treis und Bruttig
  • Zeolith – Aufnahme der Projekte „Ofen“ und „Schwalbe“ in einen neu zu erstellenden Stollenbau im Brockbachtal bei Ibbenbüren[11]
  • Zement – Produktionsstätte für A4-Programm im KZ Ebensee
  • Zingel – siehe auch „Steinbock II“ bei Unterloquitz
  • Zinnstein – für Junkers später Treibstoffe und Flüssig-O2 im Kohnstein (Niedersachswerfen)
  • Zitteraal – Windkanal im Ötztal – Der Stollen verläuft quer durch den Amberg.

Siehe auch

Literatur

  • Henry Hatt: Ignorierte Geheimobjekte Hitlers. Hattenhauer, 1995, ISBN 3-930988-00-3.
  • Henry Hatt: Deckname Kaulquappe. Hattenhauer, 2005, ISBN 3-930988-15-1.
  • Martin Weinmann (Hrsg.), mit Beiträgen von Anne Kaiser und Ursula Krause-Schmitt: Das nationalsozialistische Lagersystem. 4. Auflage (1. & 2. Auflage 1990, 3. Auflage 1999). Zweitausendeins, Frankfurt 2001.
  • 2500 Companies. Slave labour in the Nazi Camp System. Online lesbar: [1], Kenntnisstand Anfang der 1950er Jahre, für die neue Forschung siehe Benz & Distel, Reihe Der Ort des Terrors, München: Beck, 2005 ff. (englisch).
  • Hans Walter Wichert (Hrsg.): Decknamenverzeichnis deutscher unterirdischer Bauten des zweiten Weltkrieges. 2. Auflage. Joh. Schulte, 1999, ISBN 3-9803271-4-0.
  • Kai O. Arzinger: Stollen im Fels und Öl fürs Reich. 2. Auflage. Mönnig, 1997, ISBN 3-922885-70-5.
  • Christel Focken: FHQ „Führerhauptquartiere” Riese (Schlesien). Helios, Aachen 2008, ISBN 978-3-938208-63-2.
  • Hans-Josef Hansen: Felsennest – Das vergessene Führerhauptquartier in der Eifel. Bau, Nutzung, Zerstörung. Helios Verlag, 2., erweiterte Neuauflage 2008, Aachen.
  • Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes: Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859–1974. C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50276-8.

Einzelnachweise

  1. Frederic Gümmer: Die Rolle der Untertageverlagerung in der deutschen Rüstungsproduktion 1943–1945. GRIN-Verl., München 2007, ISBN 978-3-638-92393-4; Tab. 2 „Decknamenschema d. Untertageverlagerung“ S. 32, @goggle books abgerufen am 29. März 2011
  2. Klaus Böhm: Die Organisation Todt im Einsatz 1939–1945, dargestellt nach Kriegsschauplätzen auf Grund der Feldpostnummern. Biblio Verlag, Osnabrück 1987, ISBN 3-7648-1732-1, S. XV.
  3. http://www.porta.bergmann82.de/seiten/Dachs1U_verl.htm
  4. U-Verlagerung Lohmen, Stollenauffahrung Herrenleite – Objekt Carnallit / Rogenstein / Dachs 7
  5. Frederic Gümmer: Die Rolle der Untertageverlagerung in der deutschen Rüstungsproduktion 1943–1945. GRIN-Verl., München 2007, ISBN 978-3-638-92393-4; BMW Flugmotoren-GmbH, S. 67–74 & S. 94.
  6. http://www.relikte.com/silixen/index.htm
  7. http://www.relikte.com/brunkensen/index.htm
  8. http://www.brunkensen.de/sehenswuerdigkeiten/schwimmbad.htm
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