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Deep Impact (dt. âheftiger Einschlagâ, aber auch âstarker Eindruckâ) ist eine NASA-Mission des Discovery-Programms zum Kometen Tempel 1, der innerhalb von fĂŒnfeinhalb Jahren die Sonne umkreist und sich der Erde bis auf 133 Millionen Kilometer nĂ€hert. Ihren Namen teilte die Raumsonde mit dem etwa zur gleichen Zeit erschienenen Film Deep Impact, der von einem Kometen, welcher mit der Erde zu kollidieren droht, handelt. Die Namensgleichheit soll jedoch zufĂ€llig entstanden sein. Die Mission ist ein Gemeinschaftsprojekt der University of Maryland, des JPL und Ball Aerospace. Die NASA investierte in die Mission sechs Jahre Arbeit und insgesamt 333 Millionen US-Dollar, davon 267 Millionen fĂŒr die Sonde selbst, 15 Millionen fĂŒr die DurchfĂŒhrung der PrimĂ€rmission (bis 3. August 2005) und etwa 50 Millionen fĂŒr die TrĂ€gerrakete.
Nach Abschluss der PrimĂ€rmission wurde die Mission der voll einsatzbereiten Vorbeiflugsonde verlĂ€ngert. Unter dem Missionsnamen EPOXI verfolgt die Sonde seitdem zwei neue Ziele. Bei einem Vorbeiflug am 4. November 2010 wurden aus nur 700 Kilometern Entfernung Bilder des Kometen 103P/Hartley gemacht, um diesen nĂ€her zu erforschen. AuĂerdem wird das HRI-Teleskop dazu genutzt, nach erdĂ€hnlichen Exoplaneten zu suchen.
Inhaltsverzeichnis |
Das Hauptmissionsziel von Deep Impact war die Erforschung des Inneren des Kometen Tempel 1. Dazu wurde ein 372 kg schweres Projektil (Impaktor) in die Flugbahn des Kometen gebracht, das auf dem Kometen einschlug und dort einen Krater hinterlieĂ. AnschlieĂend wurde das herausgeschleuderte Material mit den Instrumenten der Sonde sowie mit weiteren Teleskopen auf der Erde und im Weltraum untersucht. Erstmals bestand so die Möglichkeit, den Blick auf das Innere eines Kometen freizugeben und das sich im Kometen befindliche Urmaterial des Sonnensystems freizusetzen. Dieses Material stammt noch aus der Zeit der Entstehung des Sonnensystems und bildet die Kerne von Kometen. Wissenschaftler hoffen, durch diese neue Sicht nicht nur die Kometen besser verstehen, sondern auch die Rolle der Kometen in der frĂŒhen Geschichte des Sonnensystems besser nachvollziehen zu können. Die Missionsziele im Einzelnen waren:
Das Ziel der Mission war somit, Unterschiede zwischen den Eigenschaften des Inneren eines Kometenkerns und denen seiner OberflÀche zu erforschen.
Deep Impact bestand aus zwei Komponenten: der Vorbeiflugsonde, die sich derzeit (2006) intakt auf einer Umlaufbahn um die Sonne befindet, und dem Impaktor, der am 4. Juli 2005 auf dem Kometen aufschlug und dabei zerstört wurde. Die Vorbeiflugsonde diente dem Impaktor bis kurz vor dem Aufschlag als Bus. Die Gesamtmasse der beiden Komponenten betrug beim Start 973 kg [1] (nach anderen Angaben 1022 kg [2] [3]).
Die Vorbeiflugsonde der Deep-Impact-Mission wurde von dem Unternehmen Ball Aerospace entwickelt. Sie ist etwa 3,2 m lang, 1,7 m breit sowie 2,3 m hoch und hatte beim Start eine Masse von 601 kg [1] (nach anderen Angaben 650 kg [2] [3]), von denen 86 kg auf den Treibstoff entfielen. Die Sonde ist dreiachsen-stabilisiert und verfĂŒgt ĂŒber ein fest angebrachtes, 2,8 m Ă 2,8 m messendes Solarpanel, welches abhĂ€ngig vom Abstand zur Sonne bis zu 750 Watt Leistung liefern kann. Zur Energiespeicherung dient ein NiH2-Akkumulator mit einer SpeicherkapazitĂ€t von 16 Amperestunden. Die Struktur der Sonde besteht aus Aluminium-Profilen und Aluminium in Sandwich-Wabenkern-Bauweise.
Die Vorbeiflugsonde verfĂŒgt ĂŒber zwei redundante Computersysteme. Das Herz des Bordcomputers ist ein 133 MHz schneller, aus 10,4 Millionen Transistoren bestehender 32-bit-RAD-750-Prozessor. Der Prozessor ist im Grunde ein gegen Strahlung gehĂ€rteter PowerPC-750 G3 und der Nachfolger des RAD6000-Prozessors, der beispielsweise in den Mars-Rovern Spirit und Opportunity Verwendung findet. Der Einsatz in Deep Impact war der erste Einsatz eines RAD-750-Prozessors. Beide Rechner der Sonde verfĂŒgen ĂŒber einen gemeinsamen Speicher von 1.024 MByte. 309 MByte wissenschaftlicher Daten wurden wĂ€hrend der PrimĂ€rmission von der Raumsonde erwartet.
Die Kommunikation mit der Erde erfolgt im X-Band auf einer 8-GHz-Frequenz mit maximal 175 kbit/s zur Erde und 125 bit/s zur Sonde. Mit dem Impaktor wurde im S-Band mit 64 kbit/s auf einer maximalen Entfernung von 8.700 km kommuniziert. Die Sonde verfĂŒgt ĂŒber eine bewegliche 1-m-Hochgewinnantenne (HGA) und zwei fest angebrachte Niedriggewinnantennen (LGA). FĂŒr Kurskorrekturen ist ein Antriebssystem, bestehend aus einer Gruppe von Triebwerken, vorhanden. Es verbrennt mit einem Gesamtschub von 5.000 N Hydrazin und vermag eine Gesamt-GeschwindigkeitsĂ€nderung (Delta v) von 190 m/s zu erzeugen.
Der Impaktor stammt ebenfalls von Ball Aerospace und war 1 m hoch, hatte einen Durchmesser von 1 m und wog 372 kg, wobei 8 kg auf den Treibstoff fĂŒr Kurskorrekturen unmittelbar vor dem Aufprall entfielen. Der Impaktor bestand ĂŒberwiegend aus Kupfer (49 %) und Aluminium (24 %). Diese Mischung verringerte eine Verunreinigung der Spektrallinien des Kometenkerns, die nach dem Aufprall aufgenommen wurden, da Vorkommen von Kupfer auf dem Kometen nicht zu erwarten waren. 113 kg der Impaktor-Gesamtmasse waren âcratering massâ, bestimmt dazu, einen möglichst groĂen Krater zu erzeugen. Diese Masse bestand aus mehreren Kupferplatten, die am vorderen Ende des Impaktors angebracht waren. Diese Platten bildeten eine sphĂ€rische Form.
Der Impaktor wurde 24 Stunden vor dem Aufschlag auf dem Kometen von der Vorbeiflugsonde, mit der er mechanisch und elektrisch verbunden war, abgetrennt. Lediglich die letzten 24 Stunden bezog er seine Energie von einer bordeigenen nichtaufladbaren Batterie mit einer KapazitĂ€t von 250 Amperestunden. Der Bordcomputer und die Flugsteuerung des Impaktors waren der Vorbeiflugsonde Ă€hnlich. Bedingt durch die kurze Lebensdauer verfĂŒgte der Impaktor im Gegensatz zur Vorbeiflugsonde ĂŒber keine redundanten Systeme. Die Ăbertragungsdatenrate zur Vorbeiflugsonde betrug 64 kbit/s auf einer maximalen Entfernung von 8.700 km. Kommandos wurden mit 16 kbit/s zum Impaktor ĂŒbertragen. Das hydrazinverbrennende Antriebssystem bestand aus einer Gruppe von Triebwerken mit einem Gesamtschub von 1.750 N und ermöglichte eine GeschwindigkeitsĂ€nderung von 25 m/s.
Der Impaktor trug eine CD, die mit 625.000 Namen von Internetnutzern beschrieben war, die sich in der Zeit zwischen Mai 2003 und Ende Januar 2004 bei der Deep-Impact-Homepage fĂŒr die âSend Your Name to a Cometâ-Aktion angemeldet haben.
Aus KostengrĂŒnden mussten die Experimente der Mission auf lediglich drei Instrumente beschrĂ€nkt werden, davon zwei (HRI und MRI) auf der Vorbeiflugstufe und eines (ITS) auf dem Impaktor. Die Instrumente der Vorbeiflugsonde wiegen insgesamt 90 kg, zum Betrieb ist eine elektrische Leistung von 92 Watt erforderlich. Hauptaufgabe ist die Aufnahme von Infrarotspektren und Fotos im sichtbaren Licht, die anschlieĂend zur Erde gefunkt werden sollen. Alle drei Instrumente wurden von Ball Aerospace entwickelt.
Die ersten VorschlĂ€ge fĂŒr eine Kometeneinschlagmission gab es bei der NASA bereits 1996. Doch damals blieben NASA-Ingenieure skeptisch, ob der Komet getroffen werden könne [7]. Ein ĂŒberarbeiteter und technologisch auf den neusten Stand gebrachter Missionsvorschlag, genannt Deep Impact, wurde im MĂ€rz 1998 von der NASA in die Auswahl fĂŒr eine Mission im Rahmen des Discovery-Programms einbezogen, im November 1998 war Deep Impact einer der fĂŒnf Finalisten mit der besten wissenschaftlichen Ausbeute von insgesamt 26 VorschlĂ€gen [8]. SchlieĂlich wurde am 7. Juli 1999 Deep Impact unter der Leitung von Dr. Michael A'Hearn von der University of Maryland in College Park zusammen mit MESSENGER zur Finanzierung im Rahmen des Discovery-Programms bewilligt. Die Kosten der Raumsonde wurden damals mit 240 Millionen US-Dollar angegeben [9]. Beide Teile der Deep-Impact-Raumsonde (Vorbeiflugsonde und Impaktor) sowie die drei wissenschaftlichen Instrumente wurden bei Ball Aerospace in Boulder (Colorado), USA gefertigt.
Bei der Entwicklung der Deep-Impact-Mission war der Start der Sonde zunĂ€chst fĂŒr Januar 2004 mit einem Swing-by-Manöver an der Erde am 31. Dezember 2004 und dem Zusammentreffen mit dem Kometen Tempel 1 am 4. Juli 2005 geplant [10]. Doch aufgrund von Schwierigkeiten bei der Entwicklung der Sonde konnte der Starttermin nicht gehalten werden, der schlieĂlich auf den 30. Dezember 2004 verschoben wurde. Dadurch flog die Sonde auf einer direkten Route zum Kometen, brauchte dafĂŒr allerdings eine etwas stĂ€rkere und daher auch teurere TrĂ€gerrakete [11].
Am 18. Oktober 2004 traf Deep Impact in Kennedy Space Center zu Startvorbereitungen ein. Doch auch der Starttermin am 30. Dezember 2004 konnte nicht gehalten werden und wurde zunĂ€chst auf den 8. Januar 2005 verschoben, um mehr Zeit fĂŒr Softwaretests zu haben. Deep Impact wurde schlieĂlich am 12. Januar 2005 um 18:47:08,574 UTC mit einer Delta-II-7925-TrĂ€gerrakete, ausgestattet mit einer Star-48-Oberstufe, vom Launch Pad 17-B der Cape Canaveral Air Force Station aus auf eine sechsmonatige und 431 Millionen Kilometer weite Reise zum Kometen Tempel 1 geschickt. Kurz nach dem Einschuss in die interplanetare Transferbahn ging die Sonde in ein safe mode ĂŒber, konnte aber schnell reaktiviert werden. Als Ursache wurde ein zu empfindlicher Temperatursensor festgestellt, was die Mission nicht weiter gefĂ€hrden sollte.
Nach dem erfolgreichen Start begann die commissioning phase der Mission, wÀhrend der die Flugsysteme und die Instrumente aktiviert, getestet und kalibriert wurden. Diese Tests ergaben ein vermindertes Auflösungsvermögen des HRI-Teleskops; es stellte sich spÀter heraus, dass dieser Fehler nachtrÀglich durch Bearbeitung auf der Erde teilweise korrigiert werden kann (mehr dazu im HRI-Abschnitt dieses Artikels) [12][13].
Am 11. Februar 2005 wurde wie geplant das erste Kurskorrekturmanöver durchgefĂŒhrt. Dieses Manöver war so prĂ€zise, dass die nĂ€chste geplante Kurskorrektur am 31. MĂ€rz abgesagt werden konnte. Am 25. MĂ€rz begann die cruise phase, die bis 60 Tage vor dem Eintreffen beim Kometen laufen sollte. Am 25. April machte Deep Impact mit dem MRI-Instrument das erste Foto des Zielkometen, welcher zu dem Zeitpunkt noch 63,9 Millionen Kilometer von der Sonde entfernt war [14]. Am 4. Mai folgte das zweite Kurskorrekturmanöver, wobei die Triebwerke fĂŒr 95 Sekunden feuerten und die Geschwindigkeit der Sonde um 18,2 km/h (5 m/s) Ă€nderten.
Am 5. Mai begann die approach phase, die von 60 bis fĂŒnf Tagen vor dem Zusammentreffen mit dem Kometen lief. 60 Tage vor dem Eintreffen sollte der frĂŒhestmögliche Termin sein, um den Kometen mit dem MRI-Instrument entdecken zu können. TatsĂ€chlich wurde der Komet wie oben erwĂ€hnt bereits am 25. April erfolgreich fotografiert. In dieser Flugphase wurde die Umlaufbahn des Kometen, seine Rotation, AktivitĂ€t und Staubeigenschaften studiert. Am 14. und 22. Juni beobachtete Deep Impact zwei AusbrĂŒche auf dem Kometen, der letzte sechs Mal stĂ€rker als der erste [15].
Drei Wochen vor dem Einschlag wurde mit dem prĂ€ziseren Ausrichten der Sonde auf ihr Ziel begonnen. Dazu wurden fortlaufend Aufnahmen des Kometen gemacht, um genaue Parameter fĂŒr die letzten zwei Kurskorrekturen (targeting maneuver) vor dem Abtrennen des Impaktors zu bestimmen. Am 23. Juni wurde das erste targeting maneuver durchgefĂŒhrt, wobei die Geschwindigkeit um 6 m/s geĂ€ndert und die Sonde in ein 100 km breites Zielfenster gesteuert wurde.
Die nachfolgenden Zeitangaben beziehen sich auf die sogenannte Earth-receive-UTC-Zeit, das heiĂt das tatsĂ€chliche Ereignis trat in Wirklichkeit circa 7 min 26 s frĂŒher auf. Dies ist die Zeit, die ein sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegendes Radiosignal braucht, um von der Raumsonde zur Erde zu gelangen.
Die encounter phase begann fĂŒnf Tage vor und endete einen Tag nach dem Einschlag. Am 2. Juli, sechs Stunden vor dem Abtrennen des Impaktors, wurde das zweite und letzte targeting maneuver durchgefĂŒhrt. Die Triebwerke feuerten 30 Sekunden lang und Ă€nderten die Geschwindigkeit der Sonde um etwa 1 km/h (etwa 0,278 m/s). Sie wurde nun in ein etwa 15 km breites Zielfenster gesteuert. Am 3. Juli um 6:07, etwa 24 Stunden vor dem Einschlag, wurde der Impaktor durch losgelöste Federn mit einer Geschwindigkeit von 34,8 cm/s abgetrennt. Zuvor wurde er um 5:12 auf bordeigene Energieversorgung umgeschaltet. Um 6:19, zwölf Minuten nach dem Abtrennen des Impaktors, feuerten die Triebwerke der Vorbeiflugsonde fĂŒr 14 Minuten und verringerten ihre Geschwindigkeit um 102 m/s, um die Sonde vom Kollisionskurs abzubringen und Abstand zum Impaktor zu gewinnen. 22 Stunden vor dem Einschlag schoss der Impaktor sein erstes Bild des Kometenkerns.
Um 3:53 am 4. Juli, zwei Stunden vor dem Einschlag, ĂŒbernahm die Autonavigationssoftware die Steuerung des Impaktors. Das Autonavigationssystem machte alle 15 Sekunden ein Bild des Kometen, um so die hellste Stelle auf der OberflĂ€che zu bestimmen. Zu dieser Stelle sollte der Impaktor mit Hilfe von drei Impactor Targeting Manoeuvers (ITMs) gesteuert werden. Damit sollte bewirkt werden, dass das Projektil in einem von der Sonne beleuchteten, gut einsehbaren Gebiet niedergeht, um das Ereignis bei optimalen Bedingungen von der Vorbeiflugsonde beobachten zu können. Das erste ITM erfolgte um 4:22 und dauerte 20 Sekunden, das zweite um 5:17, wobei 0,36 kg Treibstoff verbraucht wurden, und das dritte und letzte um 5:39 fĂŒr 44 Sekunden mit 0,37 kg verbrauchtem Treibstoff.
Der Einschlag erfolgte um 5:52. Dabei wurde das letzte Bild 3,7 Sekunden vor der Kollision aus einer Höhe von etwa 30 km ĂŒber der OberflĂ€che vom Impaktor zur Muttersonde ĂŒbertragen. Der Impaktor schlug unter einem Winkel von etwa 25 Grad auf. Die Raumsonde und der Komet bewegten sich auf unabhĂ€ngigen Umlaufbahnen um die Sonne, die Sonde mit 21,9 km/s und der Komet mit 29,9 km/s. Die Kollision fand mit einer relativen Geschwindigkeit von 10,3 km/s (etwa 37.000 Kilometern pro Stunde) statt, dabei wurden ca. 19 GJoule oder 4,5 Tonnen TNT-Ăquivalent Energie freigesetzt. Die Geschwindigkeit des Kometen wurde durch den Einschlag lediglich um 0,0001 mm/s verringert, was fast unmessbar ist.
Zum Zeitpunkt des Einschlags war die Vorbeiflugsonde etwa 8.600 km von der Einschlagsstelle entfernt. Die Instrumente der Vorbeiflugsonde beobachteten bereits davor sowie 13 Minuten danach die Einschlagstelle. Um 6:05 wurde die Sonde so ausgerichtet, dass das Solarpanel sie vor den PartikeleinschlĂ€gen beim Passieren des Kometenkomas schĂŒtzte. In dieser Zeit konnten die Instrumente den Kometen nicht sehen. Um 6:51 drehte sich die Sonde schlieĂlich mit ihren Instrumenten wieder Richtung des Kometen, um fĂŒr weitere 24 Stunden Observationen des ausströmenden Materials durchzufĂŒhren.
Das Ereignis wurde ebenfalls von mehreren im Weltraum und auf der Erde stationierten Teleskopen beobachtet. Zu den beteiligten Weltraumobservatorien zĂ€hlten Hubble-Weltraumteleskop, Spitzer, Chandra, GALEX, SWAS und Swift. Die EuropĂ€ische Weltraumorganisation (ESA) richtete die Instrumente ihrer Rosetta-Raumsonde ebenfalls auf Tempel 1, die zwar sehr weit vom Ereignisort entfernt war, dafĂŒr aber eine Sicht unter einem anderen Blickwinkel erlaubte.
Die PrimĂ€rmission der Deep-Impact-Vorbeiflugsonde endete am 3. August 2005 nach dem Ăberspielen der letzten, beim Kometen Tempel 1 gewonnenen wissenschaftlichen Daten. Da die Sonde den Flug durch die Koma des Kometen völlig schadlos ĂŒberstanden hatte und noch ĂŒber ausreichend Treibstoffreserven verfĂŒgte, wurde bald in ErwĂ€gung gezogen, die Mission zu verlĂ€ngern und Deep Impact zu einem anderen Kometen zu schicken. Diese Erweiterung der Mission wurde unter dem Namen DIXI (Deep Impact eXtended Investigation of comets) bekannt.
Ein anderer Vorschlag einer erweiterten Mission unter dem Namen EPOCh (Extrasolar Planet Observations and Characterization) bestand darin, das HRI-Teleskop dazu zu nutzen, um bei anderen Sternen nach erdÀhnlichen Planeten (Exoplaneten) zu suchen.
2007 gab die NASA bekannt, dass beide MissionsvorschlĂ€ge ausgewĂ€hlt wurden und die Sonde nun die kombinierte Mission unter dem Namen EPOXI (Extrasolar Planet Observation/eXtended Investigation of comets) ausfĂŒhrt.[16] Nachdem der ursprĂŒnglich fĂŒr die EPOXI-Mission vorgesehene Zielkomet 85P/Boethin nicht mehr aufgefunden werden konnte, wurde der Komet 103P/Hartley als neues Ziel ausgewĂ€hlt.[17] Die Sonde erreichte 103P/Hartley am 4. November 2010. Dazu war die Raumsonde am 27. Juni 2010 an der Erde vorbeigeflogen, um den Kurs zum Kometen zu korrigieren. WĂ€hrend des Vorbeiflugs in nur 700 km Entfernung beobachtete EPOXI mit drei Instrumenten den Kometen: mit zwei Teleskopen mit Digitalkameras sowie einem Infrarot-Spektrometer.[18]
Die GröĂe des Kometen konnte durch die Aufnahmen der Raumsonde auf 7,6 Ă 4,9 km und seine Albedo mit 0,04 bestimmt werden.
Kurz nach dem Aufprall des Impaktors wurde zunĂ€chst ein thermischer Blitz beobachtet, in dem das Geschoss explosionsartig zerstört wurde. Als Folge der Explosion stieg eine FontĂ€ne aus zirka 3.500 °C heiĂem, geschmolzenem Kernmaterial mit einer Gesamtmasse von rund vier Tonnen und einer Geschwindigkeit von 5 bis 8 km/s auf. WĂ€hrend sich auf dem Kometenkern ein Impaktkrater mit einem geschĂ€tzten Durchmesser von etwa 100 (-50/+100) Meter und eine Tiefe von zirka 30 Metern bildete, wurden weitere 10.000 bis 20.000 Tonnen Material ausgeworfen, davon 3.000 bis 6.000 Tonnen Staub. Demnach besitzt Tempel 1 keine harte Kruste, sondern ist von einer weichen Staubschicht umgeben.
Das freigesetzte Gas breitete sich mit 1 km/s und mehr aus, wĂ€hrend die Staubteilchen mit Geschwindigkeiten zwischen 10 und 400 m/s deutlich langsamer waren. Der GroĂteil des Staubes (etwa 80 %) fiel daher wieder auf den Kern zurĂŒck, der restliche Staub und das Gas wurden in die Koma des Kometen, und in weiterer Folge in den interplanetaren Raum, abgegeben. Unerwarteterweise wurde so viel pulverförmiges Material ausgeworfen, dass die Sicht auf den entstehenden Krater völlig verdeckt wurde. Daher konnte die GröĂe des Kraters nur aus der Masse des freigesetzten Materials abgeschĂ€tzt werden.
Aus der Flugbahn der ausgeworfenen Staubteilchen konnte die Dichte des Kometenkerns zu 0,62 (+0.47/-0.33) g/cm3 â etwa zwei Drittel der Dichte von Wassereis â bestimmt werden. Der Kometenkern scheint aus porösem und zerbrechlichem Material zu bestehen; ungefĂ€hr zwischen 50 % und 70 % des Kometenkerns sind leerer Raum. Auf der OberflĂ€che des Kerns, dessen OberflĂ€chentemperatur zwischen +56 °C und â13 °C lag, konnten in einigen isolierten Regionen Spuren von Wassereis nachgewiesen werden. Im Spektrum des Auswurfmaterials konnte aber Wasser ebenso gefunden werden, wie Kohlendioxid, Karbonate, komplexe organische Verbindungen (wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), Silikate (wie das Mineral Olivin) und Tonminerale. Jedenfalls scheinen die festen Bestandteile gegenĂŒber den flĂŒchtigen Elementen zu ĂŒberwiegen, so dass Kometen, die bis dahin oft als dirty snowballs (âschmutzige SchneebĂ€lleâ) bezeichnet wurden, wohl eher als snowy dirtballs (âschneeige SchmutzbĂ€lleâ) anzusehen sind.
Die Zusammensetzung und Menge des Auswurfmaterials Ă€hnelt einigen bereits untersuchten Kometen der Oortschen Wolke. Möglicherweise stammen daher einige Kometen aus dem KuipergĂŒrtel, darunter Tempel 1, nahe der Gasriesen-Region der protoplanetaren Scheibe. Dies wĂŒrde einen gemeinsamen Ursprung fĂŒr heute weit von der Sonne entfernte Kometen nahelegen.[19]
Eine Ăberraschung war, dass die OberflĂ€che des Kometenkerns seit seiner Entstehung nicht nur von Einschlagkratern â die hier zum ersten Mal bei einem Kometen beobachtet wurden â und Unebenheiten durch Verlust von Eis und SonnenerwĂ€rmung gezeichnet ist. Es konnten auch unterschiedliche geologische Schichten beobachtet werden, die an die des kometenĂ€hnlichen Saturnmondes Phoebe erinnern. Demnach könnten Kometen bestimmten geologischen Prozessen unterworfen, oder Tempel 1 aus dem Zusammenschluss zweier unterschiedlicher Körper entstanden sein.[20]
Da der durch den Einschlag des Impaktors entstandene Krater von Deep Impact nicht beobachtet werden konnte, wurde die Raumsonde Stardust in einer erweiterten Mission zum Kometen Tempel 1 umgeleitet[21][22]. Der Vorbeiflug an Tempel 1 erfolgte am 14. Februar 2011.[23]
âDeep Impact: Obeservations from a Worldwide Earth-Based Champaignâ, Science. Vol. 310, 14. Oktober 2005, AAAS, S. 265ff
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Dieser Artikel wurde am 12. Juli 2006 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |