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Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich (kurz: Der Wachtturm) ist eine religiöse Zeitschrift, die von der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas herausgegeben wird. Der Druck und die Distribution in Deutschland erfolgt durch die gemeinschaftseigene gemeinnützige Verlagsunternehmung der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft der Zeugen Jehovas, e.V., Selters/Taunus. Die Zeitschrift erscheint halbmonatlich in 194 Sprachen weltweit mit einer durchschnittlichen Auflage von mehr als 42 Millionen Ausgaben.
Themenschwerpunkte der Zeitschrift sind die Auslegung und Verbreitung der Bibel, biblische Prophetie, Lebenshilfe auf biblischer Grundlage sowie Berichte über die Tätigkeit von Jehovas Zeugen in aller Welt. Jehovas Zeugen verwenden in ihren bibelerklärenden Publikationen wie dem Wachtturm die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift, die unter Berücksichtigung des Urtextes von der WT-Gesellschaft in mehr als 100 Sprachen und Dialekten übersetzt worden ist.
Der Bezug des „Wachtturm“ und seiner Begleitzeitschrift „Erwachet!“ ist kostenfrei. Die Produktion und die Redaktion wird durch freiwillige Spenden finanziert. Die Verbreitung erfolgt in der Form des Direktvertriebs durch den Verlag und die Mitglieder der Religionsgemeinschaft.
Inhaltsverzeichnis |
Der Zweck der Herausgabe des Wachtturms besteht darin, „Jehova Gott als den höchsten Herrscher des Universums zu ehren“.[3]
Der Name „Der Wachtturm“ weist auf einen buchstäblichen Wachtturm hin, der es Wächtern in biblischer Zeit ermöglichte, Geschehnisse im Voraus zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu veranlassen. So soll auch die Zeitschrift „die Bedeutung von Weltereignissen im Licht biblischer Prophezeiungen“ zeigen.[3]
So erklärt der Herausgeber in der Einleitung des Wachtturms selbst:
Die Zeitschrift erreicht eine weltweite Auflage von 42,162 Millionen Exemplaren pro Ausgabe.[1][2] Laut Guinness-Buch der Rekorde ist Der Wachtturm damit die auflagenstärkste Zeitschrift weltweit.
Der Wachtturm erscheint derzeit in 227 Sprachen, davon einige auch in Blindenschrift, Großdruck (ausgewählte Artikel in einfarbigem Druck ohne Bilder) oder auf CDs, sowie in Gebärdensprache auf Video und DVD.[1][2] Alle Artikel der jeweils sechs jüngsten Ausgaben des Wachtturm sind auch als Download im MP3- beziehungsweise M4B-Format sowie als Podcast im offiziellen Online-Portal Weltweite Gemeinschaft der Zeugen Jehovas[4] für die Öffentlichkeit auf Deutsch und in 22 weiteren Sprachen kostenfrei verfügbar. Zudem lassen sich dort auch die aktuellen Wachtturm-Studienartikel, die biblische Themen eingehend behandeln, im PDF-Format in 174 Sprachen herunterladen. Seit der Ausgabe vom Juli 2010 gibt es die Zeitschrift in vielen Sprachen auch komplett als PDF.
Der Wachtturm erscheint zweimal im Monat (jeweils am 1. und 15.) im Format 7 × 9 Zoll und umfasst jeweils 32 Seiten.
Die Ausgabe vom 1. des Monats richtet sich speziell an Außenstehende, denen die Lehren der Zeugen Jehovas näher gebracht werden sollen. Die Artikel sind leicht verständlich geschrieben und die Themenauswahl ist breit gefächert. Das Titelthema der Zeitschrift wird durch eine Artikelserie (bestehend aus den ersten 2 bis 3 Artikeln) entwickelt.
Außerdem sind folgende Rubriken zu finden (teils abwechselnd):
Die Ausgabe vom 15. des Monats ist speziell für Zeugen Jehovas und „Personen, die in ihrem Bibelstudium gewisse Fortschritte erkennen lassen“[5] gedacht (Studienausgabe). Die „Studienausgabe“ enthält so genannte Studienartikel, die von Zeugen Jehovas in ihren wöchentlichen Zusammenkünften anhand von Fragen und Antworten betrachtet werden.
Die Trennung zwischen der Ausgabe für die Öffentlichkeit und der Studienausgabe wurde 2008 eingeführt, um die Zeitschrift für unregelmäßige Leser leichter verständlich zu machen.
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Im Jahr 1876 erhielt Charles Taze Russell eine Ausgabe der Zeitschrift „The Herald of the Morning“, die von dem Adventisten Nelson H. Barbour in Rochester herausgegeben worden war. Russell unterstützte die Zeitschrift, wurde ihr redaktioneller Mitherausgeber und Finanzier. Barbour und Russell arbeiteten zusammen, bis es zu einem Streit über die Bedeutung des Loskaufsopfers kam. Kurz darauf trennten sich die beiden. Russell gründete eine eigene Zeitschrift, die unter dem Titel Zion’s Watch Tower and Herald of Christ’s Presence erstmals am 1. Juli 1879[6] in den Vereinigten Staaten erschien.
Auf Deutsch erscheint der Wachtturm seit 1897. Während der Zeit des Nationalsozialismus war die Verbreitung des Wachtturms verboten. Die Zeitschriften wurden nach der Beschlagnahmung der Druckmaschinen und der Verbrennung aller gelagerten Publikationen in Magdeburg illegal aus der Schweiz nach Deutschland eingeführt, heimlich vervielfältigt und verteilt. Sie wurden auch in verschiedene Konzentrationslager geschmuggelt, in denen zahlreiche Bibelforscher, wie Jehovas Zeugen damals auch bezeichnet wurden, wegen ihrer verbotenen Predigttätigkeit inhaftiert waren.
Auch in der DDR wurde die Verbreitung des Wachtturms schon kurze Zeit nach der Staatsgründung untersagt und Anhänger der Lehre wegen ihrer illegalen Tätigkeit zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Leser in der DDR erreichte die Zeitschrift wiederum durch Einschmuggeln, meist durch Besucher aus dem Westen und über West-Berlin.
Ab Juli 1879 erschien die Zeitschrift schwarz-weiß, monatlich und achtseitig, die Erstauflage betrug 6000 Stück. Ab 1891 erschien sie 16-seitig, ab 1892 halbmonatlich und ab 1950/1953 32-seitig und mit einfarbigen Abbildungen. Seit 1986 erscheint sie im Vierfarbdruck. Das Format des Wachtturms wurde über die Jahrzehnte immer kleiner: 1927–1932 hatte er ein Format von 298 × 240 mm, 1946 290 × 213 mm (annähernd DIN A4), 1948 284 × 213 mm und seit 1960 sind es 178 × 223 mm.
Der englische Titel hat über die Jahre mehrfach gewechselt. Die ersten Ausgaben hießen Zion’s Watch Tower and Herald of Christ’s Presence, ab 1919 The Watch Tower and Herald of Christ’s Presence, ab 1931 The Watchtower and Herald of Christ’s Presence. Die ersten sechs Ausgaben des Jahres 1939 hießen The Watchtower and Herald of Christ’s Kingdom. Alle folgenden Ausgaben hießen The Watchtower Announcing Jehovah’s Kingdom.
Die von 1886 bis 1889 erschienen deutschen Wachttürme trugen den Titel Zions Wacht-Turm und Verkündiger der Gegenwart Christi, nach mehrjähriger Erscheinenspause erschienen sie ab 1897 unter eben diesem Titel. 1909 erfolgte die Umbenennung in Der Wacht-Turm und Verkündiger der Gegenwart Christi. 1931 wurde der Bindestrich weggelassen. Ab 1. Mai 1939 lautete der Titel Der Wachtturm und Verkündiger des Königreiches Christi. 1950 erfolgte die Umbenennung in Der Wachtturm als Verkündiger von Jehovas Königreich, 1983 wurde der bis heute gültige Titel Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich eingeführt.
Seit dem 1. April 1984 werden mehr und mehr anderssprachige Ausgaben simultan zur englischsprachigen herausgegeben. 1985 wurden bereits Ausgaben in 23 Sprachen simultan herausgegeben, darunter auch die deutschsprachige Ausgabe. 1991 wurden 65 Sprachen erreicht, 1994 waren es 85 und damit 99,3 % der Auflage.[7] Heute sind es insgesamt 188 Sprachen, in denen der Wachtturm erscheint.[1][2]
Beginnend mit den Ausgaben vom März und Juni 1880 wird das Jahr 1914 als bedeutsames Jahr gekennzeichnet, in dem die „Zeiten der Nationen“ enden sollten. Man verband damit unter anderem weltweite Unruhen und Anarchie als ein Vorzeichen des dann seinen Höhepunkt erreichenden Krieges Gottes, wie er zum Beispiel in Offenbarung 16,14 angedeutet wird. In der März-Ausgabe von 1885 griff der Wachtturm in dem Artikel „Die Evolution und das Gehirnzeitalter“ erstmals die Evolutionstheorie an. 1919 erwartete der Wachtturm, im Gegensatz zu vielen Kirchenvertretern, das Scheitern des Völkerbundes. In der Ausgabe vom 1. August 1970 stand Folgendes: „Doch gemäß der biblischen Chronologie, nach der Adam im Herbst des Jahres 4026 v. u. Z. erschaffen wurde, wären im Jahre 1975 u. Z. 6000 Jahre Menschheitsgeschichte vergangen, und dann stünden uns noch 1000 Jahre der Königreichsherrschaft Christi bevor. Wenn wir auch das Datum für das Ende dieses Systems der Dinge nicht kennen, wissen wir doch genau, dass die verbleibende Zeit verkürzt ist und daß es nur noch etwa sechs Jahre sind bis zum Ende der 6000 Jahre Menschheitsgeschichte.“ 1976 verwarf der Wachtturm die Erwartungen bezüglich des Ablaufs von 6000 Jahren ab Adam, weil die Erschaffung Adams nicht mit dem Ende des sechsten Schöpfungstages gleichgesetzt werden könnte.
Bis 1990 wurden die Veröffentlichungen der Zeugen Jehovas in aller Welt gegen einen geringen Unkostenbeitrag zur Deckung der Druck- und Versandkosten abgegeben, zuletzt nahm man für einen Wachtturm in Deutschland 0,50 DM. Im deutschsprachigen Raum werden seit September 1991 alle Veröffentlichungen kostenfrei an interessierte Leser abgegeben. Schrittweise wurde bis 2002 weltweit auf kostenlose Verbreitung umgestellt.
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