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Als Deutschamerikaner (German Americans) werden in den Vereinigten Staaten von Amerika US-amerikanische Staatsbürger bezeichnet, die der Gruppe der emigrierten Deutschen angehören, d. h. dass sie selbst oder ihre Vorfahren aus Deutschland oder aus Siedlungsgebieten deutscher Minderheiten in Europa in die USA eingewandert sind.[1]
42,8 Millionen US-Amerikaner gaben in einer im Jahr 2000 durchgeführten Volkszählung „German“ als ihre Hauptabstammung an.[2]
Inhaltsverzeichnis |
→ Hauptartikel: Geschichte der Deutschen in den Vereinigten Staaten
Das Hauptziel der frühen deutschen Einwanderung war Pennsylvania. Dort wurde 1683 die erste deutsche Siedlung auf dem Boden der heutigen Vereinigten Staaten gegründet. 1775 bestand ein Drittel der Bevölkerung Pennsylvanias aus deutschstämmigen Bewohnern. Sie waren überwiegend Lutheraner, Reformierte, Amische, Mennoniten und Anhänger anderer protestantischer Glaubensrichtungen. Die Deutschamerikaner in Pennsylvania entwickelten eine eigene Sprachform auf der Basis pfälzischer Dialekte, das Pennsylvania Dutch, das vereinzelt auch heute noch gesprochen wird. Andere bedeutende deutsche Siedlungen gab es in Nordamerika zur Kolonialzeit in New York und Virginia.
Benjamin Franklin war kurze Zeit Redakteur der Philadelphischen Zeitung; allerdings entwickelte er sich in dieser Rolle zum massiven Gegner der deutschen Immigration, da der Herausgeber der Zeitung, Christopher Sauer, die Immigranten darin bestärkte, ihre kulturelle und religiöse Eigenständigkeit zu wahren und sich von Quäkern, Angehörigen der Episkopalkirche und anderen Konfessionen fernzuhalten. Der Deist Franklin sah in dieser Haltung eine gefährliche kulturelle Rückständigkeit; er bezeichnete die deutschsprachigen Einwanderer, die meist aus verarmten ländlichen Regionen Süddeutschlands und Böhmens kamen, als religiöse Eiferer und „boors“ (pejorativ: Buren, Bauern). Viele Deutsche in Pennsylvania verweigerten ihren Kindern den Besuch englischsprachiger Schulen. Seit Mitte der 1750er Jahre reagierten Verwaltung und Kirche in Pennsylvanien immer stärker auf diese Tendenz zur Integrationsverweigerung. Sie forderten Zwangsehen und ein Verbot der deutschsprachigen Presse und der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit, was allerdings von Franklin als überzogen kritisiert wurde.[3] Auch Thomas Jefferson und James Madison teilte die Phobie Franklins gegenüber deutschsprachigen Migranten, allerdings bedienten sie sich anderer Argumente: Deutsche, Österreicher und Migranten aus anderen „rückständigen“ absolutistischen Ländern stellten aus ihrer Sicht eine Gefahr für die US-amerikanische Kultur der Freiheit und den Wohlstand an.
1816 gab es vor allem in Süddeutschland und der Schweiz eine Hungersnot (siehe Jahr ohne Sommer - der Vulkan Tambora hatte im April 1815 so viel Asche ausgestoßen, dass diese sich wie ein Schleier um die Erde legte und das Weltklima bis 1819 kühler machte). Auch dies führte zur Auswanderung.
Die größte deutsche Einwanderungswelle gab es zwischen 1848 und dem Ersten Weltkrieg, als über sechs Millionen Deutsche in die USA einwanderten. Die meisten davon kamen
Die deutschen Einwanderer von 1848/1849 hatten in vielen Regionen - anders als ihre Vorgänger in Pennsylvania und die meisten Nichteuropäer - wie z. B. die mexikanischen und chinesischen Einwanderer – das Glück, nicht diskriminiert zu werden. In Texas z.B. wurden sie aufgrund ihrer landwirtschaftlichen Techniken und ihres Fleißes akzeptiert. So fügten sich die deutschen Immigranten immer stärker in die junge amerikanische Gesellschaft ein und gelangten in vielen Fällen zu ähnlichem wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Einfluss wie die englischen Einwanderer. Allerdings setzen sie anders als angloamerikanischen Farmer auf ihren Baumwollfeldern meist nur freie Arbeitskräfte ein, was ihnen nicht nur Sympathie einbrachte.[4] So gab es immer wieder antideutsche (wie auch antiirische) Pogrome, vor allem auf dem Gipfel einer erneuten massiven Einwanderungswelle wie das am 6. August 1855 in Louisville (Kentucky) mit 22 Toten. Viele dieser Unruhen hatten auch religiöse Ursachen. So verstießen die Deutschen oft gegen das sonntägliche Alkoholverbot. Der Zorn der Puritaner richtete sich dabei immer stärker auf die katholischen Einwanderer aus Süddeutschland, die sich weigerten, die King-James-Bibel zu benutzen, sowie auf katholische Migranten aus Österreich, Italien und Irland und auf die Hispanics.[5]
Seit den 1890er Jahren wechselte das Diskriminierungsmuster: Nun wurden deutschsprachige Menschen als Einwanderergruppe z.B. gegenüber Polen aus Preußen oder Tschechen und Juden aus dem Habsburgerreich offenbar systematisch bevorzugt, was sich in Forderungen der Restriktionisten nach Sprachtests, in denen jeder ein paar Sätze in der offiziellen Amtssprache seines Heimatlandes beherrschen musste, äußerte.[6]
Während des Ersten Weltkrieges wurden Deutsch-US-Amerikaner verdächtigt, mit den Mittelmächten zu sympathisieren. In machen Gegenden kam es 1917/1918 zum Verbot des Deutschunterrichts und zur Verbrennung deutschsprachiger Schulbücher.[7] Viele Deutsch-US-amerikaner reagierten auf diesen Druck mit einer demonstrativen Anpassung an den englischen kulturellen „Mainstream” (Hauptrichtung).
Ein weiterer deutsch-US-amerikanischer Migrationsschub erfolgte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ab 1933. Viele Akademiker verließen das Deutsche Reich, weil sie dort nicht mehr arbeiten konnten (z.B. Berufsverbot); bald suchten viele Deutsche auch deshalb Zuflucht in den USA, weil ihr Leben im Hitler-Deutschland akut bedroht war.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden Tausende in den Vereinigten Staaten lebende Deutsche interniert (Näheres hier). Nach Kriegsende bewiesen viele Deutsch-US-Amerikaner ihre Solidarität mit der alten Heimat, indem sie CARE-Pakete ins verwüstete Deutschland schickten.
Noch heute ziehen viele Deutsche in die USA um. An die Stelle der Armutsmigration und der Flucht vor Verfolgung ist inzwischen eine Arbeitsmigration insbesondere von Wissenschaftlern getreten, die in den USA günstigere Karriere-, Arbeits- und Forschungsbedingungen suchen, als sie sie im deutschen Sprachraum vorfinden. Auch die Unterscheidung von „Auswanderung“ und einem temporären Arbeitsaufenthalt im Ausland ist heute sehr fließend geworden.
Aufgrund der Tatsache, dass US-Amerikaner mit nationalen Wurzeln im deutschen Sprachraum seit Bestehen der USA zu den größten Bevölkerungsgruppen zählen, haben sie in entscheidender Weise zur Herausbildung einer US-amerikanischen Kultur beigetragen. Baron von Steuben, ein ehemaliger preußischer Offizier, hat den Aufbau der US-amerikanischen Armee im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg geleitet und dadurch den Sieg über die britischen Truppen möglich gemacht.
Während der nationalsozialistischen Herrschaft im Deutschen Reich und im übrigen Mitteleuropa immigrierten zahlreiche deutsche, vor allem jüdische Wissenschaftler in die Vereinigten Staaten. Der bekannteste davon ist Albert Einstein, bekannt für die Relativitätstheorie. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Wernher von Braun und die meisten Ingenieure der Heeresversuchsanstalt Peenemünde in die USA gebracht, wo sie am US-amerikanischen Raketenprogramm entscheidend mitarbeiteten.
Auch der Einfluss der Deutschen Küche ist in den USA spürbar: Frankfurter, Hamburger, Bratwurst und Strudel sind weit verbreitete Gerichte. Auch die Renaissance der Mikro-Brauereien ist von deutschen Brauern geprägt. Eine weitere deutsch-US-amerikanische Spezialität sind Brezeln, die in den USA erstmals von Julius Sturgis (Lititz, Pennsylvania, 1861) auf den Markt gebracht wurden.[8]
Ohio ist bekannt für das deutsch-US-amerikanische Festival Zinzinnati, und in New York, Philadelphia und anderen Städten findet jedes Jahr die Steubenparade, ein Umzug von Deutsch-US-amerikanern, statt. Außerdem finden im ganzen Land deutsch-US-amerikanische Festivals und Octoberfests statt. Zehntausende US-amerikanischer Touristen reisen jedes Jahr nach Deutschland, um das Land ihrer Vorfahren zu entdecken.
Nach der letzten Volkszählung (2000) in den USA verwenden 1.382.610 Menschen Deutsch als Muttersprache, zählt man die Sprecher der deutschen Dialekte, des Pennsylvania Dutch und des Luxemburgischen dazu, beläuft sich die Zahl auf 1.467.184 Sprecher. Von dieser Anzahl sind 11,9 % zwischen 5 und 17 Jahren alt, 64,9 % sind zwischen 18 und 64 und 23,2 % sind älter als 65 Jahre.
In den meisten Bundesstaaten der USA gibt es Stadtgründungen durch Deutsche und Städte mit deutschen Namen, beispielsweise Hamburg (New York), Stuttgart (Arkansas), Augsburg (Arkansas), Bismarck (North Dakota), New Braunfels (Texas), Minden (Nebraska), Augsburg (Illinois), Schaumburg (Illinois), New Baden (Illinois), New Minden (Illinois), New Berlin (Illinois), Flensburg (Minnesota), Frankenmuth (Michigan), Frankfort (Kentucky), Frankfort (Indiana), Dresden (Ohio), New Berlin (Wisconsin), Kiel (Wisconsin), New Holstein (Wisconsin), Hanover (Pennsylvania), Berlin (New Hampshire), Hanover (New Hampshire), Karlsruhe (North Dakota), New Leipzig (North Dakota), New Ulm (Minnesota), New Trier (Minnesota), Bremen (Georgia), Weimar (Texas), Amberg (Wisconsin), Couburg (Oregon), Bingen (Washington) oder Lennep (Montana). Neben diesen bekannten Städtenamen gibt es in den USA auch zahlreiche Städte, die nach deutschen Kleinstädten wie z.B. Altenburg (in Missouri) benannt wurden.
Zahlreiche Gesellschaften und Vereine pflegen das kulturelle Erbe.
Als Dachverband fungiert die 1977 in Philadelphia gegründete German-American Heritage Foundation.[9]
Die älteste und wahrscheinlich auch aktivste Gesellschaft ist die 1764 gegründete German Society of Pennsylvania in Philadelphia.
The German Society of Maryland[10]mit Sitz in Baltimore wurde 1783 gegründet.
Die German Society of the City of New York widmet sich in erster Linie der Unterstützung von in New York lebenden Deutschen.
→ Für die Geschichte der schriftdeutschen Presse in den USA siehe: Geschichte der Deutschen in den Vereinigten Staaten#Publizistik
In den USA erscheinen bis heute Zeitungen in deutscher Sprache, die allerdings höchstens regional verbreitet sind. Die älteste davon ist die bereits 1834 gegründete New Yorker Staats-Zeitung. Ein weiteres Beispiel ist die im pennsylvania-deutschen Dialekt verfasste, nur zweimal jährlich erscheinende Zeitung Hiwwe wie Driwwe.