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Die Deutsche Burschenschaft (DB) ist ein Korporationsverband von Studentenverbindungen in Deutschland und Ăsterreich. Ihr gehören 120 Burschenschaften aus ĂŒber 50 HochschulstĂ€dten mit zusammengenommen etwa 1.300 aktiven Mitgliedern und etwa 10.000 Alten Herren an.[1][2]
Die Deutsche Burschenschaft entstand 1881 als Allgemeiner Deputierten-Convent (ADC) und erhielt ihren heutigen Namen 1902. Sie fĂŒhrt sich zurĂŒck auf die Ideen, die mit der GrĂŒndung der Urburschenschaft in Jena 1815 verbunden waren.
Inhaltsverzeichnis |
Die Burschenschaften entstanden nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon. 1815 wurde in Jena die sogenannte Urburschenschaft gegrĂŒndet, auf deren Ideen sich heute noch die meisten Burschenschaften berufen. 1818 wurde durch Burschenschaften aus 14 UniversitĂ€tsstĂ€dten die Allgemeine Deutsche Burschenschaft gegrĂŒndet, die alle bisherigen Studentenverbindungen ablösen sollte. Dieses Ziel der Vereinigung aller Studenten konnte letztlich aber nicht erreicht werden, da sich zum einen die burschenschaftliche Bewegung gleichzeitig zu ihrer Ausbreitung stark diversifizierte und zum anderen die ĂŒberwiegende Zahl der Corps weiterhin an ihren alten Traditionen festhielt.
In der Zeit der Demagogenverfolgung zerfiel die Allgemeine Deutsche Burschenschaft, und Teile der burschenschaftlichen Bewegung radikalisierten sich. Erst nach der Deutschen Revolution von 1848/49 und dem Ende der Demagogenverfolgung schien die GrĂŒndung eines burschenschaftlichen Dachverbandes wieder möglich zu sein.
Die GrĂŒndung des ersten deutschen Nationalstaates 1871 kam durch mehrere Kriege zustande, die von schweren Wirtschaftskrisen begleitet waren. Innenpolitisch bedeutete die Reichseinigung einerseits einen enormen Schub fĂŒr die Burschenschaften, die sich dem nationalen Einheitsgedanken verpflichtet hatten. Sie konnten nun selbstbewusst auftreten und Mitglieder werben. Andererseits verĂ€nderte die neue Situation die burschenschaftliche Bewegung im Deutschen Reich nachhaltig. Nach der ErfĂŒllung der wichtigsten burschenschaftlichen Forderung wandelte sie sich von einer revolutionĂ€ren Bewegung zu einer staatstragenden. Anders in Ăsterreich, wo die Burschenschaften weiterhin fester Bestandteil der deutschnationalen und deutschfreiheitlichen Opposition blieben. In dieser Zeit gleichen sich viele Burschenschaften im Reich den Corps an, einige wenige wandelten sich sogar um und traten dem KSCV bei.
Die Geschichte des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft beginnt im Jahr 1881 mit der GrĂŒndung des Allgemeinen Deputierten-Conventes. In den Jahrzehnten zuvor waren immer wieder kurzlebige DachverbĂ€nde entstanden, die aber nie die Mehrheit der Burschenschaften in sich vereinigen konnten und jeweils nach wenigen Jahren an inneren Streitigkeiten zerbrachen (Allgemeine Burschenschaft (1850), Eisenacher Burschenbund (1864), Eisenacher Konvention (1870), Eisenacher Deputierten-Convent (1874)).
Am 20. Juli 1881 luden schlieĂlich die drei Jenaer Burschenschaften erneut nach Eisenach ein. Dort grĂŒndeten 35 Burschenschaften einen Dachverband, der den unverbindlich gehaltenen Namen Allgemeiner Deputierten-Convent (ADC) erhielt. Die Aufnahme von Burschenschaften aus Ăsterreich wurde zunĂ€chst mit der BegrĂŒndung abgelehnt, dass âder A.D.C. als solcher grundsĂ€tzlich die aktive Beteiligung an politischen Fragen verwerfe und diese den einzelnen Burschenschaften ĂŒberlasse.â[3] Zwei Jahre spĂ€ter erstand als liberale GegengrĂŒndung der Reformburschenschaften der Allgemeine Deutsche Burschenbund.
1887 erschien als Verbandsorgan der DB erstmals die Zeitschrift Burschenschaftliche BlÀtter.
Nach 1880 nahm bei fast allen DachverbĂ€nden der Korporationen im deutschen Kaiserreich und im österreichischen Kaiserreich der Antisemitismus zu. Der auĂerordentliche Burschentag des Jahres 1896 verlangte ein Bekenntnis seiner Mitglieder zu Deutschtum und Christentum. Die Alten Herren konnten diesen Trend, der sich auch noch nach dem Ersten Weltkrieg fortsetzte, nicht bremsen.[4]
Als 1890 die Vereinigung Alter Burschenschafter (VAB) gegrĂŒndet wurde, gewannen die Alten Herren erstmals gröĂeren Einfluss auf die Entwicklung eines burschenschaftlichen Dachverbandes. Neben dem Burschentag wurde seitdem parallel ein Altherrentag ausgerichtet. Am 22. Mai 1902 wurde in Eisenach das Burschenschaftsdenkmal eingeweiht. Im selben Jahr Ă€nderte der ADC seinen Namen in Deutsche Burschenschaft. Im Ersten Weltkrieg fielen etwa 3.500 Mitglieder der DB.
Bis zum AbschluĂ des Versailler Vertrages lehnte die DB das politische System der Weimarer Republik nicht völlig ab.[5] Sie begriff diese stattdessen als Chance, nun ihre alten Ziele von einer stĂ€ndelosen und demokratischen Nationalversammlung seit den Tagen des ersten Wartburgfestes zu verwirklichen. So schwor sie beispielsweise ihre Mitglieder am 22. November 1918 auf einer Tagung in Berlin auf konstruktive Mitarbeit ein.[6] Ein wesentlicher Auslöser zu einem Stimmungswandel war der Friede von St. Germain, der die Hoffnungen auf ein groĂdeutsches Reich unter EinschluĂ Ăsterreichs machte.
Im Flaggenstreit befĂŒrwortete die DB eine schwarz-weiĂ-rote Staatsflagge, um die KontinuitĂ€t zum wilhelminischen Kaiserreich zu betonen. Die Farben schwarz-rot-gold wollte sie nur als groĂdeutsche Farben gelten lassen.[7] Der Burschentag beschloss dazu:
âWenn jetzt in der Nationalversammlung mit schwacher Mehrheit die Farben schwarz-rot-gold zu den neuen Reichsfarben erklĂ€rt worden sind, so können diese nicht als nationales Einheitssymbol der alten Burschenschaft angesehen werden.â
â Burschentag 1920 [8]
1919 fusionierte die DB mit dem RVDB, dem burschenschaftlichen Verband an den Technischen Hochschulen und vollzog im Juli desselben Jahres als Ausdruck ihres groĂdeutschen SelbstverstĂ€ndnisses schlieĂlich die Vereinigung mit der Burschenschaft der Ostmark (BdO), dem 1907 gegrĂŒndeten Dachverband der österreichischen Burschenschaften, wodurch sie zum gröĂten Korporationsverband anwuchs.
Nachdem die DB sich zur Abwehr des Bolschewismus zunĂ€chst aktiv fĂŒr die UnterstĂŒtzung der Regierung eingesetzt hatte, beanspruchte sie nach 1924 eine fĂŒhrende Rolle in der völkischen Bewegung.[9]
Als dies academicus feierte sie nicht den Verfassungstag, sondern den Tag der ReichsgrĂŒndung. Sie legte dies erstmals auf dem Eisenacher Burschentag 1920 fest.[10] Auf diesem Burschentag beschloss sie auch, keine Juden mehr aufzunehmen und von allen neu aufzunehmenden Mitgliedern das Ehrenwort zu verlangen, dass sie ânach bestem Wissen und Gewissen frei von jĂŒdischem oder farbigem Bluteinschlagâ seien:
Dieser vor allem auf Druck der österreichischen Burschenschaften auch in die GrundsĂ€tze der DB aufgenommene Rassestandpunkt erstreckte sich auch auf die zukĂŒnftigen Ehefrauen.[12] Im RĂŒckblick bewertet der Studentenhistoriker Kaupp den Beschluss als âDurchbruch des verhĂ€ngnisvollen Rassenantisemitismus.â[13] Einige Alte Herren empfanden den Eisenacher Beschluss als tiefe EntwĂŒrdigung und wiesen ihn entschieden zurĂŒck. Der Völkerrechtler und Pazifist Hans Wehberg (1885â1962) schrieb einen kritischen Artikel und sammelte Unterschriften gegen diesen Beschluss. Etwa 100 Alte Herren unterstĂŒtzten ihn aktiv. Das war eine kleine Minderheit.[14] Der Berliner Burschenschafter und Historiker Friedrich Meinecke (1862â1954) warnte 1925 vor der antisemitischen âVerirrung und Verwirrungâ: âEine gute politische Sache wird dadurch gewiĂ nicht schlechter, daĂ sie auch von Juden vertreten wird.â[15]âDer Burschentag ist der Ansicht, daĂ nach den bestehenden Bestimmungen und dem seitherigen Brauch eine Aufnahme von Juden nicht in Frage kommt.â
â Burschentag 1920 [11]
Politisch war die DB ein Teil des âvaterlĂ€ndischenâ Lagers, das seit Anbeginn die Republik ablehnte und bekĂ€mpfte. Die Burschenschaften werden von dem Historiker Ingo Haar als einer der âWehrverbĂ€ndeâ eingeschĂ€tzt, âdie zwischen 1918 und 1923 zum aktivsten Element der antirepublikanischen WehrverbĂ€nde gehörtenâ.[16] Die Deutsche Burschenschaft (wie auch andere studentische VerbĂ€nde) teilte die SympathieerklĂ€rungen des Deutschen Hochschulrings fĂŒr den Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 und dessen Opfer.[17]
Seit 1920 durften Mitglieder einer der DB angehörenden Burschenschaft nicht zugleich in KPD oder SPD Mitglied sein, seit 1929 auch nicht mehr im Zentrum.
1929 wurde die DB Mitglied im Kampfbund fĂŒr deutsche Kultur[18] und im ReichsausschuĂ fĂŒr das Volksbegehren gegen den Young-Plan.[19] Dort hatten sich erstmals die republikfeindlichen Parteien und VerbĂ€nde zusammengeschlossen.[20].
Im VerhĂ€ltnis der DB zu NS-Organisationen gab es keinen Unvereinbarkeitsbeschluss. Mit dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB), der Studentenorganisation der NSDAP gab es daher personelle Ăberschneidungen.[21], ebenso mit der SA.[22]
Die DB bejahte wie die Mehrheit der studentischen VerbĂ€nde einen âvölkischen Nationalismusâ, bestritt aber einen âAlleinvertretungsanspruch der Nationalsozialisten.â[23] Erst nach dem Studententag 1931 brach offener Streit aus. Auf dem Burschentag von 1932 sprach die DB dem NSDStB das Misstrauen aus und beschloss, dass ihre Mitglieder durch Selbstausschluss ausscheiden, wenn sie Anweisungen von auĂerhalb der DB stehenden Personen annehmen.[24] Damit reagierte die DB auf in die Reihen der Studentenverbindungen eingeschleuste NSDStB-Mitglieder, die diese nach dem Willen von Baldur von Schirach in den NSDStB ĂŒberfĂŒhren sollten.[25] Auf dem Burschentag 1932 war ein Schreiben des NSDStB an NSDAP-Mitglieder, die am Burschentag teilnahmen, bekannt geworden. Diese wurden angewiesen, bestimmte AntrĂ€ge zu stellen und zu unterstĂŒtzen. Einstimmig verwahrte sich der Burschentag daraufhin gegen die âAnmaĂung einer Befehlsgewalt ĂŒber Burschenschafterâ und bildete schlieĂlich kurz vor der Machtergreifung gemeinsam mit anderen konservativen Gruppen die in Opposition zum NSDStB stehende Hochschulpolitische Arbeitsgemeinschaft studentischer VerbĂ€nde (Hopoag).[24] Man grenzte sich gegen die NSDAP mit dem Vorwurf ab, die NSDAP sei rom- und freimaurerhörig.[26]
Die âMachtergreifungâ der Nationalsozialisten wurde von der FĂŒhrung der DB begrĂŒĂt;[27] in den Burschenschaftlichen BlĂ€ttern hieĂ es dazu: âWas wir seit Jahren ersehnt und erstrebt und wofĂŒr wir im Geiste der Burschenschaft von 1817 jahraus, jahrein an uns gearbeitet haben, ist Tatsache geworden.â[28] Auch der Allgemeine Deutsche Waffenring (ADW), dem die DB angehörte, gab seiner Befriedigung ĂŒber die ânationale Erhebungâ Ausdruck. Die âpolitischen VerhĂ€ltnisseâ in Deutschland hĂ€tten sich âerfreulicherweise grundlegend geĂ€ndert.â[29]
Noch im FrĂŒhjahr 1933 wurde die Deutsche Studentenschaft (DSt), die bereits seit 1931 vom NSDStB dominiert wurde, vollends gleichgeschaltet, die Hopoag aufgelöst. ZunĂ€chst versuchte die FĂŒhrung der DSt, die KorporationsverbĂ€nde zu umwerben, und bekannte sich zu den Werten des Korporationsstudententums. Noch im Jahr 1933 stellten die neuen Machthaber zudem die Mensur offiziell straffrei.[30]
Die DB wurde, wie alle KorporationsverbĂ€nde, von den nationalsozialistischen Machthabern zur EinfĂŒhrung des FĂŒhrerprinzips gezwungen.[31] Die Burschenschaften in Ăsterreich und der Tschechoslowakei schieden daraufhin aus der DB aus und reaktivierten die Burschenschaft der Ostmark (BdO). Die AmtstrĂ€ger der DB ĂŒbertrugen die FĂŒhrung der DB fĂŒr die Dauer eines Jahres Otto Schwab, der einige Monate zuvor Mitglied der NSDAP geworden war. Der Burschentag genehmigte dieses Vorgehen und entrechtete sich dadurch selbst.
Der ebenfalls gleichgeschaltete ADW gab sich ein neues Bundesgesetz, nach dem alle angeschlossenen VerbĂ€nde von ihren Mitgliedern bis zum 28. Februar 1934 die âJudenfreiheitâ auf einem Formular nachweisen sollten. Allerdings sollte hier nach den Vorschriften des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums verfahren werden. Einige VerbĂ€nde, darunter die DB, forderten, stattdessen die weitergehenden GrundsĂ€tze der NSDAP fĂŒr die Aufnahme von Parteimitgliedern zu ĂŒbernehmen. Ein im September 1934 vom FĂŒhrer der DSt Andreas Feickert angekĂŒndigter Plan sah den Einbezug von Studenten in den Reichsarbeitsdienst und die EinfĂŒhrung von âWohnkameradschaftenâ des NSDStB vor. Nur wenige VerbĂ€nde unterstĂŒtzten diese Vorstellung, darunter auch hier vor allem solche, deren FĂŒhrer nach einem Mittel suchten, ihre LoyalitĂ€t und Zusammenarbeit mit der neuen Regierung zum Ausdruck zu bringen. Zu ihnen gehörte die DB unter Otto Schwab. Die DB, so erklĂ€rte ihr FĂŒhrer das neue SelbstverstĂ€ndnis, beanspruche, âin Zukunft innerhalb der Hochschule die gleiche Stellung und Haltung einnehmenâ zu wollen âwie etwa die NSDAP im Staatâ.[32] Er war bestrebt, die DB zu einem âeinheitlichen nationalsozialistischen Bund mit straffer FĂŒhrung bei weitestgehender Reduzierung des Einflusses der einzelnen Burschenschaften zu machenâ.[33]
Die DB isolierte sich und verlieĂ in der Folge mit anderen VerbĂ€nden am 27. Oktober 1934 den ADW.[34] Feickerts Plan war jedoch nicht mit der Regierung abgesprochen und wurde nicht umgesetzt. Neben diesem Plan löste auch die verbindliche Vorschrift, alle Juden und Freimaurer aus den Reihen der Verbindungen auszuschlieĂen, wachsenden Unmut und Gegenwehr einiger Burschenschaften aus. Auch die vielen anderen Eingriffe in die Rechte der einzelnen Mitgliedsverbindungen â darunter der nicht mehr verwirklichte Plan, einheitliche MĂŒtzen und Einheitsfarben fĂŒr alle Burschenschaften einzufĂŒhren â fĂŒhrten zu einer Entfremdung zwischen vielen MitgliedsbĂŒnden und der sich dem System anbiedernden FĂŒhrung der DB. Ende des Jahres 1934 grĂŒndeten schlieĂlich aus der DB ausgeschlossene und ausgetretene Burschenschaften den Verband Alte Burschenschaft, der zuletzt 35 Burschenschaften vereinigte, die sich mit der nationalsozialistischen Gleichschaltung der DB nicht einverstanden erklĂ€rten.[33]
Mit weiteren aus dem ADW ausgetretenen VerbÀnden schloss sich die DB am 15. Dezember 1934 in Berlin zum Völkischen Waffenring zusammen, der sich bereits im April 1935 wieder auflöste.[35]
Die gleichgeschaltete DB und der NSDStB schlossen am 5. Oktober 1935 das Plauener Abkommen, das die geordnete und geschlossene ĂberfĂŒhrung der Burschenschaften der DB in Kameradschaften des NSDStB vorsah.[31] Der Nachfolger Schwabs als âFĂŒhrer der Deutschen Burschenschaftâ, Hans Glauning, sah in der Ankopplung an den NSDStB fĂ€lschlicherweise eine Möglichkeit, die DB am Leben zu erhalten, nachdem andere KorporationsverbĂ€nde sich mit politischer NeutralitĂ€t schon nicht hatten halten können. Am 18. Oktober 1935 löste sich die DB gemÀà diesem Abkommen mit einem an das Wartburgfest erinnernden Festakt auf und ĂŒbergab ihre Fahnen an den NSDStB. Die Alte Burschenschaft hatte sich bereits zwei Tage zuvor in Berlin aufgelöst, da die hochschulpolitische Lage sich weiter verschlechtert hatte. Bereits am 27. Januar 1936 wurde das Plauener Abkommen bei der Feier des zehnjĂ€hrigen JubilĂ€ums des NSDStB einseitig fĂŒr nichtig erklĂ€rt und das vollstĂ€ndige Verschwinden der alten Formen des studentischen Verbindungslebens gefordert.[36] Bereits als Kameradschaften in den NSDStB ĂŒbernommene Burschenschaften wurden daraufhin fĂŒr aufgelöst erklĂ€rt. Alle Mitglieder mussten fortan einer neu zu beantragenden Kameradschaft einzeln beitreten, der alte Namen durfte nicht ĂŒbernommen werden, das Verbindungshaus wurde zwangsweise dem NSDStB ĂŒberschrieben.
Im MĂ€rz 1936 verbot Rudolf HeĂ schlieĂlich allen Studenten der NSDAP die Mitgliedschaft in einer studentischen Verbindung, ein öffentliches Aktivenleben wurde dadurch unmöglich.[31] Nicht alle Burschenschaften der DB wandelten sich in Kameradschaften um, viele entschieden sich stattdessen fĂŒr eine offizielle Auflösung. Ende 1936 gab es im Deutschen Reich schlieĂlich keine aktive Burschenschaft mehr. Die 1933 aus der DB ausgeschiedenen Burschenschaften der BdO wurden als letzte Burschenschaften nach dem Anschluss Ăsterreichs 1938 bzw. der Errichtung des Reichsprotektorats Böhmen und MĂ€hren 1939 ebenfalls aufgelöst.
Diejenigen Burschenschaften, deren UniversitĂ€tsstĂ€dte östlich der Oder-NeiĂe-Linie, in der Tschechoslowakei oder in der DDR lagen, mussten nach dem Krieg einen Neuanfang im Westen Deutschlands wagen oder mit dort ansĂ€ssigen Burschenschaften fusionieren.
Die 1945 von den alliierten MilitĂ€rregierungen erlassenen Vereinsverbote betrafen auch die Studentenverbindungen. Dieses Verbot wurde in der Bundesrepublik erst 1950 offiziell wieder aufgehoben. In diesem Jahr grĂŒndete sich die DB wieder. Seitdem setzen sich viele ihrer Mitglieder auf zahlreichen Tagungen, Seminaren, und in den Burschenschaftlichen BlĂ€ttern intensiv und selbstkritisch mit der eigenen Geschichte auseinander. Die DB bekennt sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und hat sich von jeder Form des Antisemitismus distanziert. 1958 nahm sie den Fall Zind â eines Mitglieds, das sich antisemitisch geĂ€uĂert hatte â zum Anlass, sich erneut zu Artikel 1 des Grundgesetzes zu bekennen und sich âmit Nachdruck von jedem Antisemitismus und Rassenwahn zu distanzierenâ. Die Verbrechen des Dritten Reiches âverpflichten jeden Deutschen, alles in seinen KrĂ€ften stehende zu tun, um zur VerstĂ€ndigung unter den Völkern beizutragen.â Die DB âbekrĂ€ftigt daher ihren Willen, auch in Zukunft antisemitischen Tendenzen, wo immer sie auftreten, energisch entgegenzutreten.â Dieser Beschluss ist bis heute fĂŒr alle Burschenschafter der DB bindend.[37]
Das Farbentragen und die Mensur waren in den ersten Jahren des Bestehens freigestellt. Das Farbentragen setzte sich aber schnell allgemein wieder durch. 1953 wurde die Bestimmungsmensur durch ein Gerichtsurteil des BGH endgĂŒltig von jeder internen âEhrenreinigungâ gelöst und somit legalisiert. Seit dem Burschentag von 1954 wurde darum wieder von allen Mitgliedern das Schlagen einer Mensur verlangt.[38] In diesem Jahr hatte die DB etwa 26.000 Mitglieder, davon ĂŒber 4.000 Aktive.[39]
Auf dem Burschentag von 1961 fand ein Antrag auf Fusion der bis dahin rein bundesdeutschen DB mit dem Dachverband der österreichischen Burschenschaften Deutsche Burschenschaft in Ăsterreich (DBĂ) keine Mehrheit. Daraufhin grĂŒndeten mehrere Burschenschaften eine neue Arbeitsgemeinschaft innerhalb von DB und DBĂ: die Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG). Ziel dieser NeugrĂŒndung war es, auch österreichischen BĂŒnden die Möglichkeit zu schaffen, Mitglied der DB zu werden. Gleichzeitig fĂŒhrte das durch die Studentenbewegung der 1960er Jahre verĂ€nderte Gesellschaftsklima bei vielen Burschenschaften zu dem Wunsch, das ĂŒberlieferte studentische Brauchtum dem Zeitgeist anzupassen und die Pflichtmensur wieder abzuschaffen.
Die scharfen Auseinandersetzungen in diesen beiden Fragen fĂŒhrten die DB in eine tiefe Krise, die auch eine Spaltung des Verbandes möglich erscheinen lieĂ. Der Spiegel berichtete ĂŒber den Burschentag von 1970:[40]
âBei fortschrittlicher gesinnten BĂŒnden, die fortan keine Mensuren mehr schlagen wollen, wird denn auch seit letzter Woche die GrĂŒndung eines Gegenverbandes ernsthaft erwogen. Mit-Initiator JĂŒrgen Gutknecht: âWir werden doch immer unglaubwĂŒrdiger, wenn wir in dem Verein noch drinbleiben.â Gutknechts Konzept: Auf Basis des âNeuen Landauer Kreisesâ (NLK) einer im Vorjahr gegrĂŒndeten Arbeitsgruppe, der Politik mehr gilt als Pauken, soll âmöglichst schnell ein eigener Verbandâ entstehen. âDenn bei den jetzigen MehrheitsverhĂ€ltnissenâ, prophezeit der NLK-Sprecher, âwird sich auch 1971 nichts Ă€ndern.ââ
AntrĂ€ge auf Vertagung oder Auflösung der DB zeugen von der HandlungsunfĂ€higkeit des Verbandes in dieser Zeit. 1970 wurde darum ein Satzungsausschuss eingesetzt, der zum Burschentag 1971 eine Kompromisslösung prĂ€sentieren konnte, die vier wesentliche Ănderungen beinhaltete:[41]
âDie Bestimmungsmensur wird den einzelnen Verbindungen zukĂŒnftig freigestellt sein. Im Gegenzug dafĂŒr können die Burschenschaften aus Ăsterreich bis zum 31. August 1972 in die DB eintreten. DarĂŒber hinaus wird der volkstumsbezogene Vaterlandsbegriff in die GrundsĂ€tze verankert und bei Aufgabe bzw. VerstoĂ gegen die GrundsĂ€tze wird die sog. SelbstausschluĂklausel wirksam.â
Eine unter den Aktivitates durchgefĂŒhrte schriftliche Probeabstimmung ĂŒber diesen sogenannten Historischen Kompromiss ergab, dass auf dem Burschentag die nötige 3/4-Mehrheit nicht zu erwarten war. In den Burschenschaftlichen BlĂ€ttern war zu den GrĂŒnden zu lesen:[42]
âVersucht man die GrĂŒnde derjenigen zu analysieren, die den Vorschlag des Satzungsausschusses abgelehnt haben, so stöĂt man in erster Linie auf zwei Motive: Eine âkonservative Gruppeâ möchte auf jeden Fall die Bestimmungsmensur als Verbandsprinzip erhalten [âŠ] Ihre Antipode, eine âliberale Gruppeâ, ist gegen die Aufnahme der Burschenschaften der DBĂ, von der sie die StĂ€rkung der konservativen KrĂ€fte, vor allem in politischer Hinsicht, befĂŒrchtet.â
Auf dem folgenden Burschentag, der vom 6. bis zum 8. Oktober in Landau stattfand, waren auch mehrere Burschenschaften anwesend, die zuvor durch vom Rechtsausschuss festgestellten Selbstausschluss aus der DB ausgeschieden waren, jedoch durch einstweilige VerfĂŒgungen die Teilnahme am Burschentag erstritten hatten und somit stimmberechtigt waren. Der Vorschlag des Satzungsausschusses verfehlte zunĂ€chst die benötigte 3/4-Mehrheit, woraufhin der Burschentag fĂŒr einige Stunden vertagt wurde, um anschlieĂend ĂŒber einen Antrag des SĂŒddeutschen Kartells auf Auflösung der DB zu diskutieren.[43] WĂ€hrend dieser Pause stellte der Verhandlungsleiter allerdings fest, âdaĂ die einstweilige VerfĂŒgung, mit der sich Alemannia Freiburg die Zulassung verschafft hat(te), nicht rechtskrĂ€ftig zugestelltâ worden war. Die Burschenschaft wurde von der Teilnahme am Burschentag ausgeschlossen, die vorangegangene Abstimmung war ungĂŒltig.[43] Nach Wiederaufnahme der Diskussion wurde schlieĂlich dem vierten verhandelten AbĂ€nderungsantrag genau mit der benötigten 3/4-Mehrheit zugestimmt.[43] Der lange befĂŒrchtete Bruch zwischen konservativen und liberalen Burschenschaften war somit â zumindest vorerst â vermieden worden.
Viele Burschenschaften aus Ăsterreich traten noch 1971 durch ErklĂ€rung der DB bei, die Wiener Burschenschaften Libertas und Vandalia (heute: Olympia) noch am Tag der Abstimmung, andere zu einem spĂ€teren Zeitpunkt ĂŒber ein ordentliches Aufnahmegesuch nach Zustimmung des Burschentages.
Anders als ursprĂŒnglich vorgesehen, löste die BG sich im Anschluss an den Kompromiss nicht wieder auf. Viele Burschenschaften traten jedoch 1971 aus der BG aus. Durch den Beitritt der österreichischen Burschenschaften wurde der Einfluss der BG auf die DB dennoch gestĂ€rkt. Teilweise wird der Kompromiss als der Punkt angesehen, ab dem der Einfluss der BG, dem âTrĂ€ger rechter Ideologieâ, auf die DB ĂŒberhand nahm: âDa 10 Jahre spĂ€ter mit dem âhistorischen Kompromissâ dem GrĂŒndungsziel der BG nachgekommen wurde, entwickelte sich diese âlatent-aggressiveâ burschenschaftliche âArbeitsgemeinschaftâ weiter zur heute beherrschenden Gruppierung innerhalb der DB.â[44]
Die BG fordert von ihren MitgliedsbĂŒnden unter anderem zwei Pflichtpartien, wodurch die Mitarbeit fakultativ-schlagender Burschenschaften ausgeschlossen ist. Bis in die spĂ€ten 1990er Jahre galt innerhalb der BG Fraktionszwang. Dadurch gelang es ihr, auf die Besetzung der FĂŒhrungsorgane der DB und andere Entscheidungen des Burschentages Einfluss zu nehmen. Zum Beispiel konnte die BG die Aufnahme von Burschenschaften in die DB durch ihre SperrminoritĂ€t verhindern, da fĂŒr diese eine Zweidrittelmehrheit benötigt wird.
Der Historische Kompromiss konnte die grundsĂ€tzlichen internen Konflikte um den gesamtpolitischen Kurs der DB nicht lösen. Mehrere Burschenschaften konnten sich entweder mit dem volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff oder der Abschaffung der Pflichtmensur nicht abfinden und traten in den folgenden Jahren aus der DB aus, darunter die Burschenschaften des SĂŒddeutschen Kartells.
Der Burschentag von 1973 beschloss mehrheitlich, keine Kriegsdienstverweigerer mehr in DB-Burschenschaften aufzunehmen. Die StĂ€rkung der âWehrbereitschaftâ wurde nun als âselbstverstĂ€ndliche Pflichtâ jedes Burschen aus dem Vaterlands-Prinzip abgeleitet. Nur bereits anerkannte Verweigerer durften noch Mitglied bleiben, um einen Konflikt mit dem Lebensbundprinzip zu vermeiden. Einen VerstoĂ von DB-MitgliedsbĂŒnden dagegen legte der Rechtsausschuss der DB als âautomatischen Selbstausschlussâ aus. Dies fĂŒhrte dazu, dass die DB fortan immer wieder einzelne Burschenschaften ausschloss, die weiterhin Kriegsdienstverweigerer aufnahmen. 1996 hob der Rechtsausschuss der DB diese Entscheidung wieder auf. Ob eine Verbindung Kriegsdienstverweigerer aufnimmt, ist seitdem dem jeweiligen Bund ĂŒberlassen.[45]
Einer der Hauptkonfliktpunkte war der Abstimmungsmodus. In der DB gilt traditionell jeweils eine Stimme pro nicht vertagter Altherrenschaft und Aktivitas, was kleine Burschenschaften bei Abstimmungen mitgliederstarken Burschenschaften gleichstellt. Gleichzeitig werden die MitgliedsbeitrĂ€ge nach der Anzahl der Mitglieder berechnet, wodurch sich einige âgroĂeâ BĂŒnde benachteiligt sahen. ĂnderungsantrĂ€ge scheiterten aber jeweils an der SperrminoritĂ€t der BG. Die lange schwelenden Konflikte um die Pflichtmensur, die Aufnahme von nichtdeutschen Studenten, die Begrenzung der Dachverbandsmitgliedschaft auf das bundesdeutsche Staatsgebiet einerseits oder auf den deutschen Kulturraum andererseits (volkstumsbezogener oder staatsbezogener Vaterlandsbegriff), sowie um die Aufnahme von Kriegsdienstverweigerern fĂŒhrten 1996 schlieĂlich zum Austritt mehrerer Mitgliedsburschenschaften. Einige der ausgetretenen Burschenschaften schlossen sich mit anderen dachverbandsfreien Burschenschaften zur Neuen Deutschen Burschenschaft (NeueDB) zusammen. Auch danach gingen die Auseinandersetzungen in der DB um ihren gesamtpolitischen Kurs weiter.[46]
1999 öffnete sich die DB gegenĂŒber Studenten an Fachhochschulen und nahm die acht Burschenschaften der Deutschen Hochschulburschenschaft (DHB) auf.
Die Farben der Deutschen Burschenschaft sind seit ihrer GrĂŒndung die erstmals von der Urburschenschaft verwendeten Farben Schwarz-Rot-Gold, die seit dem Hambacher Fest als deutsche Nationalfarben gelten und 1848, 1919 und 1949 jeweils zu offiziellen Staatsfarben wurden.[47]
â Siehe auch: Prinzipien von Studentenverbindungen
Der Wahlspruch der DB wurde bereits von der Urburschenschaft gefĂŒhrt und lautet Ehre, Freiheit, Vaterland.[48] Die Mitgliedsburschenschaften sind zur Achtung dieser drei GrundsĂ€tze verpflichtet.
GemÀà der Verfassung der DB fordert der Grundsatz der Ehre âvon jedem Burschenschafter eine lautere, aufrechte und wahrhaftige Haltung im Denken, Reden und Handeln. Die unantastbare WĂŒrde des Menschen zu achten und zu schĂŒtzen, ist seine unbedingte Pflichtâ.[49]
Der Grundsatz der Freiheit besteht fĂŒr die DB aus der persönlichen, der politischen und der akademischen Freiheit und âfordert von jedem Burschenschafter, daĂ er sich die innere Freiheit des Geistes selbst erwirbt. Der Burschenschafter soll frei von Vorurteilen, unabhĂ€ngig und selbstĂ€ndig im Denken sowie freimĂŒtig und tatkrĂ€ftig in der Vertretung der eigenen Meinung seinâ.[50]
Das Vaterland versteht die DB im Unterschied zu anderen KorporationsverbĂ€nden unabhĂ€ngig von politischen Grenzen. Dieses umfasst nach ihrer Auffassung den gesamten deutschen Sprach- und Kulturraum: âDie Burschenschaft bekennt sich zum deutschen Vaterland als der geistig-kulturellen Heimat des deutschen Volkes. Unter dem Volk versteht sie die Gemeinschaft, die durch gleiches geschichtliches Schicksal, gleiche Kultur, verwandtes Brauchtum und gleiche Sprache verbunden istâ.[51] Dem Vaterland-Prinzip zufolge können â anders als bei anderen studentischen DachverbĂ€nden â nur Menschen, die dem deutschen Kulturkreis angehören, Mitglied in einer DB-Burschenschaft werden (siehe auch: Aufnahmevoraussetzungen und Mitgliedschaft).
Inoffizielle Hymne der Deutschen Burschenschaft ist Schwört bei dieser blanken Wehre, auch Burschenschafterlied genannt.[52] Das Lied ist auf dem Wahlspruch der Burschenschaft Ehre, Freiheit, Vaterland aufgebaut. Verfasst wurde der Text 1879 von Rudolf Baumbach. Das Lied wurde noch im selben Jahr Sieger in einem Wettbewerb fĂŒr österreichische Studentenlieder. Die Vertonung ĂŒbernahm Hans Treidler.
Das oberste Organ der DB ist der Burschentag, die Vollversammlung der einzelnen Mitgliedsburschenschaften. Er legt die politischen und organisatorischen GrundsĂ€tze des Verbandes fest, wĂ€hlt die anderen Organe der DB und entscheidet ĂŒber Bestrafungen und Finanzfragen. Jede Burschenschaft und jede Altherrenschaft haben dabei jeweils eine Stimme. Der Burschentag findet seit der Wiedervereinigung wieder alljĂ€hrlich in Eisenach statt. In den Jahren der Deutschen Teilung tagte der Burschentag in verschiedenen StĂ€dten der Bundesrepublik. HĂ€ufigster Tagungsort war dabei Landau in der Pfalz.
Die Vorsitzende Burschenschaft organisiert und leitet den Burschentag und die Verbandstagungen, ist fĂŒr die DurchfĂŒhrung der BeschlĂŒsse des Burschentages sowie fĂŒr die Pressearbeit verantwortlich. Sie wird jedes Jahr ein Jahr im voraus vom Burschentag gewĂ€hlt. In der Zeit zwischen zwei Burschentagen nimmt der Hauptausschuss einige Funktionen des Burschentages wahr, allerdings mĂŒssen seine Entscheidungen nachtrĂ€glich durch diesen bestĂ€tigt werden. Der Rechtsausschuss ĂŒberprĂŒft die Einhaltung der Verfassung der DB durch die anderen Organe.
Neben diesen Organen hat die DB noch sechs stĂ€ndige AmtstrĂ€ger: den Schatzmeister, zwei KassenprĂŒfer, den Schriftleiter der Burschenschaftlichen BlĂ€tter, den Beauftragten fĂŒr LeibesĂŒbungen und den Pressereferenten. Weiterhin gibt es den Ausschuss fĂŒr burschenschaftliche Arbeit (AfbA) und den Hochschulpolitischen Ausschuss (HpA).
1890 wurde in Marburg die erste Vereinigung Alter Burschenschafter (VAB) gegrĂŒndet. Seitdem entstanden in verschiedenen StĂ€dten insgesamt ĂŒber 100 VAB. Diesen treten die Alten Herren bei, die nach Abschluss ihres Studiums mit der DB verbunden bleiben und an ihrem Wohnort weiterhin burschenschaftliche Arbeit leisten wollen. Die VAB sind im Verband der Vereinigungen Alter Burschenschafter (VVAB) organisiert. Die Leitung des VVAB wird von einer regelmĂ€Ăig wechselnden VAB ĂŒbernommen.[53]
Die DB gehört dem dachverbandsĂŒbergreifenden Convent Deutscher AkademikerverbĂ€nde an und unterhĂ€lt ein Freundschafts- und Arbeitsabkommen mit dem Bund Chilenischer Burschenschaften.[54]
Innerhalb der DB gibt es sogenannte Kartelle, das sind freundschaftlich oder politisch begrĂŒndete ZusammenschlĂŒsse von MitgliedsbĂŒnden, beispielsweise das Schwarz-Rot-Goldene Kartell, das GrĂŒn-WeiĂ-Rote Kartell oder den Rheinischen Ring, auĂerdem den mit einer Fraktion vergleichbaren verbandspolitischen Interessenverband Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG).
Die DB ist einer der wenigen korporativen DachverbĂ€nde mit dezidiert politischen Zielen. Diese basieren bei der DB auf ihrem Wahlspruch Ehre, Freiheit, Vaterland. Hauptziel der politischen Arbeit der DB ist die âpolitische Bildung junger Burschenschafter zur Verwirklichung burschenschaftlicher Idealeâ.[55] Seit ihrem Bestehen setzt sich die DB fĂŒr die âenge Verbundenheit aller Teile des deutschen Volkes in Freiheitâ ein. Sie hielt daher auch in der Zeit der Teilung Deutschlands infolge des Zweiten Weltkriegs am Ziel der Wiedervereinigung fest.[56] Seitdem setzt sie sich fĂŒr die âuneingeschrĂ€nkte kulturelle Entfaltung und Selbstbestimmungâ aller Völker in einem freien Europa ein.[57] Die DB betĂ€tigt sich auch hochschulpolitisch. So fordert sie seit 2005 eine Abschaffung der StudiengebĂŒhren.[58]
Parteipolitisch sieht sich die DB neutral: âIn Verfolgung der burschenschaftlichen Ideale gibt es fĂŒr die Deutsche Burschenschaft keine Bindung an eine bestimmte politische Partei oder politische Gruppe.â[57] In Ăsterreich stehen die Burschenschaften traditionell dem Dritten Lager nahe, was sich in zahlreichen Doppelmitgliedschaften mit FPĂ und BZĂ bemerkbar macht. In Deutschland gibt es eine solche traditionelle Verbundenheit nicht, Burschenschafter finden sich in allen gröĂeren Parteien der alten Bundesrepublik.
Am 27. MĂ€rz 2006 beschloss der Parteivorstand der SPD die Unvereinbarkeit einer gleichzeitigen Mitgliedschaft in einer Burschenschaft der Burschenschaftlichen Gemeinschaft und in der SPD.[59] Im Juni 2007 wertete das Landgericht Berlin den Ausschluss eines Burschenschafters aus der SPD aufgrund dieses Beschlusses als willkĂŒrlich und hob ihn wegen VerstoĂes gegen das Parteiengesetz auf.[60]
In der Ăffentlichkeit wird der DB hĂ€ufig eine politische NĂ€he zur NPD unterstellt. Auf eine kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke antwortete die Bundesregierung, ihr lĂ€gen dazu keine Erkenntnisse vor.[61]
Mitglied in Burschenschaften, die der DB angehören, können nur mĂ€nnliche deutsche Studenten werden. Seit 1999 steht die Mitgliedschaft auch FachhochschĂŒlern offen. Den einzelnen Mitgliedsburschenschaften ist es jedoch freigestellt, auch schĂ€rfere Aufnahmekriterien festzulegen. Viele Burschenschaften nehmen beispielsweise keine Kriegsdienstverweigerer auf, andere auch weiterhin keine FachhochschĂŒler. Eine Mitgliedschaft von nichtdeutschen Studenten hat der Rechtsausschuss in einem Gutachten vom 1. November 1958 fĂŒr unvereinbar mit den GrundsĂ€tzen der DB erklĂ€rt:[62]
âDa jede Einzelburschenschaft die GrundsĂ€tze der Deutschen Burschenschaft anerkannt hat und verpflichtet ist, an der gemeinsamen Verwirklichung dieser GrundsĂ€tze mitzuwirken (Art. 1 Abs. 1 VerfDB), darf sie nur solche Mitglieder aufnehmen, die persönlich in der Lage sind, die GrundsĂ€tze der DB nicht nur anzuerkennen, sondern auch zu verwirklichen. [âŠ]
Ein nichtdeutscher Student ist nicht in der Lage, an der vollen Verwirklichung der GrundsĂ€tze der DB mitzuwirken. Mag er auch sonst ein freier und ehrlicher Bursch sein, so kann er daneben die höchste Lebensverpflichtung eines jeden Burschenschafters, fĂŒr sein deutsches Vaterland zu leben und zu kĂ€mpfen, nicht erfĂŒllen.â
Eine Mitgliedschaft von AuslĂ€ndern ist demnach zulĂ€ssig, wenn eine Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum vorliegt. Wegen des volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriffs ist die Staatsangehörigkeit unerheblich.[63] Die Bestimmungen fĂŒr eine Mitgliedschaft sind mitverantwortlich fĂŒr kontroverse Diskussionen innerhalb der DB und Austritte einiger Burschenschaften. Der RechtsausschuĂ der DB bekrĂ€ftigte 2011:
In der bundesdeutschen Ăffentlichkeit wird die Deutsche Burschenschaft teilweise als Verband mit unklarem VerhĂ€ltnis zum Rechtsextremismus gesehen. In Ăsterreich wird Burschenschaften allgemein ein starker Bezug zum deutschnationalen Lager und die ablehnende Haltung zur Idee einer österreichischen Nation vorgeworfen. Besonders die Wiener akademische Burschenschaft Olympia und die Burschenschaft Brixia Innsbruck stehen dabei im Fokus der Kritik. In den 1960er Jahren waren Mitglieder dieser Burschenschaften, die spĂ€ter in die DB aufgenommen wurden, in terroristische AktivitĂ€ten in SĂŒdtirol verwickelt.[64] Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DĂW) kritisiert das Festhalten am volkstumbezogenen Vaterlandsbegriff als âvölkischen Nationalismusâ.[65]
Von Sozialwissenschaftlern, politischen Gruppen und Parteien wird der DB hĂ€ufig eine NĂ€he zum Rechtsextremismus und zur sogenannten Neuen Rechten vorgeworfen.[66] Die antisemitischen BeschlĂŒsse des Burschentages 1920 sind ein weiterer Punkt, auf den sich die Kritik an der DB auch heute noch stĂŒtzt.[67]
Kritik an der politischen Ausrichtung der DB wird nicht zuletzt auch von anderen Studentenverbindungen erhoben. 1998 kam es beim Festakt der Korporationen in der Frankfurter Paulskirche zu einem Eklat: Die Alten Herren der Kösener und Weinheimer Corps lehnten eine offizielle Teilnahme ab, da die DB einen zu groĂen Einfluss auf die Veranstaltung genommen habe. Es gebe in ihr Burschenschaften, âin denen nachweisbar rechtsextremistisches und nationalistisches Gedankengut vertreten wird und in denen frauenfeindliche und rassistische Ideen fröhliche UrstĂ€nd feiernâ. Dies wolle man nicht durch eine Teilnahme unterstĂŒtzen.[68] Die CorpsverbĂ€nde traten daraufhin 1999 sowohl aus dem Convent Deutscher AkademikerverbĂ€nde (CDA) als auch dem Convent Deutscher KorporationsverbĂ€nde (CDK) aus.
2001 geriet die DB in die Schlagzeilen, nachdem der MĂŒnchner Burschenschaft Danubia vorgeworfen wurde, einen rechtsextremen GewalttĂ€ter versteckt zu haben.[69] Von Seiten der Burschenschaft wird die Anwesenheit des TĂ€ters nicht bestritten, wohl aber, dass man von der vorangegangenen SchlĂ€gerei gewusst habe.[70] GĂŒnther Beckstein, selbst Alter Herr einer musischen Studentenverbindung und zu der Zeit bayerischer Innenminister, kritisierte, Rechtsextremisten versuchten, in akademischen Burschenschaften und ĂŒber diese an den Hochschulen Einfluss zu gewinnen. Bayern sehe daher nicht weg, wenn Rechtsextremisten Kontakte mit Burschenschaften pflegten oder gar versuchten, akademische Verbindungen zu unterwandern.[71] Einzelne Burschenschaften der DB wurden daraufhin einige Jahre vom bayerischen Landesamt fĂŒr Verfassungsschutz ĂŒberwacht,[66] die MĂŒnchner Burschenschaft Danubia bis einschlieĂlich 2006.[72] Eine Beobachtung der gesamten DB lehnt das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz ab. In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken hieĂ es im Januar 2007 dazu: âDie ganz ĂŒberwiegende Zahl der Mitgliedsburschenschaften unterhĂ€lt keine Kontakte zu Rechtsextremistenâ und âauch zum jetzigen Zeitpunkt liegen hinreichende Anhaltspunkte fĂŒr Bestrebungen, die gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung gerichtet sind, nicht vorâ.[61] Diese Aussage wurde von der Bundesregierung im Juli 2011 erneuert. [73]
DarĂŒber hinaus sehen sich die Burschenschaften der DB derselben Kritik ausgesetzt wie alle Studentenverbindungen in Deutschland und Ăsterreich.
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