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| Deutsch | ||
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Gesprochen in |
Deutschland, Ăsterreich, Liechtenstein, dem deutschsprachigen Teil der Schweiz, Luxemburg, SĂŒdtirol (Italien), Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens (DG); Minderheiten in zahlreichen weiteren mittel- und osteuropĂ€ischen Staaten, in Zentralasien sowie im sĂŒdlichen Afrika (neben Namibia auch SĂŒdafrika); Auswanderer in Ăbersee, v. a. auf dem amerikanischen Kontinent | |
| Sprecher | GeschÀtzt: etwa 90 bis 98 Millionen Muttersprachler weltweit,[1][2] mindestens 80 Millionen Fremdsprachler (davon nach Eurobarometer 55 Millionen in der EuropÀischen Union) | |
| Linguistische Klassifikation |
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| Offizieller Status | ||
| Amtssprache von | Auf lokaler Ebene: | |
| Sonstiger offizieller Status in: | | |
| Anerkannte Minderheitensprache in: | | |
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1: |
de | |
| ISO 639-2: | (B) ger | (T) deu |
| ISO 639-3: |
deu | |
Die deutsche Sprache (kurz Deutsch /dÉÊÌŻÊ§/) gehört zum westlichen Zweig der germanischen Sprachen und wird vor allem in Deutschland, Ăsterreich, der Deutschschweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien, SĂŒdtirol, im Elsass und Lothringen sowie von Minderheiten in weiteren mitteleuropĂ€ischen LĂ€ndern gesprochen. AuĂerdem zĂ€hlt Deutsch zu den Nationalsprachen Namibias. Zu den VarietĂ€ten der deutschen Sprache gehören einerseits die deutsche Standardsprache, die auf der Grundlage hochdeutscher Mundarten entstanden ist und auch als Hochdeutsch, Standarddeutsch, Schriftdeutsch oder als deutsche Literatursprache bezeichnet wird, andererseits eine Vielzahl von Lokaldialekten, die sich in hochdeutsche und niederdeutsche Mundarten aufteilen lassen und von der Standardsprache ĂŒberdacht werden. Das Deutsche ist die meistgesprochene Muttersprache in der EuropĂ€ischen Union und wird zu den zehn wichtigsten Sprachen der Welt gezĂ€hlt.[16]
Unter dem Begriff âdeutsche Spracheâ wird heute die auf der Grundlage von mitteldeutschen und oberdeutschen Mundarten entstandene deutsche Standardsprache (Standard-Hochdeutsch) verstanden sowie diejenigen Mundarten des kontinentalwestgermanischen Dialektkontinuums, die ganz oder teilweise von dieser ĂŒberdacht werden.
Zum Deutschen werden darĂŒber hinaus die historischen VorgĂ€ngersprachen Althochdeutsch (Sprachcodes nach ISO 639-2 & 639-3: goh) und Mittelhochdeutsch (Sprachcodes nach ISO 639-2 & 639-3: gmh) gezĂ€hlt sowie neuere umgangssprachliche VarietĂ€ten oder Mischsprachen (z. B. Missingsch) innerhalb des Geltungsbereiches der deutschen Standardsprache.
Das Luxemburgische sowie manche Auswandererdialekte (z. B. Pennsylvania Dutch) oder Ăbergangsdialekte (z. B. Kollumerpompsters), die zwar auf VarietĂ€ten innerhalb des Dialektkontinuums der deutschen Mundarten zurĂŒckgehen, jedoch heute nicht oder nur in eingeschrĂ€nktem MaĂe von der deutschen Standardsprache ĂŒberdacht werden, können hingegen auf synchroner Ebene nicht zum âDeutschenâ im engeren Sinne des Wortes gerechnet werden.
Das Jiddische, das ursprĂŒnglich auf das Mittelhochdeutsche zurĂŒckgeht, sich jedoch vor allem unter slawischen und hebrĂ€ischen EinflĂŒssen eigenstĂ€ndig weiterentwickelt und eine eigene Schriftsprache ausgebildet hat, und die lexikalisch auf dem Deutschen basierende Kreolsprache Unserdeutsch werden hingegen heute in der Sprachwissenschaft im Allgemeinen nicht zum Deutschen gerechnet, sondern als eigenstĂ€ndige Sprachen betrachtet.
Das Wort (Glottonym = der Name der verwendeten Sprache) âdeutschâ bildete sich aus dem germanischen Wort thioda (âVolkâ, Adjektiv thiodisk, âdiutschiuâ) heraus. Es bedeutet so viel wie âzum Volk gehörigâ und entwickelte sich zu einer Bezeichnung fĂŒr die Sprache der germanischen StĂ€mme Mitteleuropas, die im Gegensatz zur Sprache der angrenzenden romanischen Bevölkerung und zum Latein stand.
âqui Theutonica sive Teutisca lingua loquimurâ
âdie wir Teutonisch oder Deutsch redenâ
â Notker, Gesta Karoli 1, 10, 24-25
Das Gebiet, in dem diese sprachlichen VarietĂ€ten, die ein zusammenhĂ€ngendes Dialektkontinuum bildeten und als âdeutschâ bezeichnet wurden, gesprochen wurden, wurde zunĂ€chst im Plural als âdiutschiu lantâ und seit dem 15. Jahrhundert als âDeutschlandâ bezeichnet. Heute wĂŒrde man dafĂŒr den Ausdruck âdeutscher Sprachraumâ verwenden.
Man findet das Wort âdeutschâ in seiner lateinischen Form âtheodisceâ erstmals im Jahre 786 im Synodenbericht des pĂ€pstlichen Nuntius Gregor von Ostia. Dieser Bericht ĂŒber zwei Synoden, die in England stattfanden, wurde sowohl auf Lateinisch als auch in der Sprache des Volkes (Volkssprache) verlesen. Unklar ist allerdings bis heute, ob damals damit tatsĂ€chlich die âSprache des Volkesâ in Deutschland (im deutschen Sprachraum) gemeint war. Ein wenig deutlicher wird die Verbindung zum âLand der Deutschenâ erst zwei Jahre spĂ€ter (788) bei einer Anklage gegen den baierischen Herzog Tassilo auf dem Reichstag zu Ingelheim wegen Fahnenflucht: â⊠quod theodisca lingua harisliz dicitur âŠâ; ein eindeutiger Beleg fehlt aber dafĂŒr, dass zu diesem Zeitpunkt bereits eine Wandlung von âSprache des Volkesâ hin zu âdeutsche Spracheâ vollzogen war. Die âtheodisca linguaâ war hingegen seit Karl dem GroĂen die amtliche Bezeichnung fĂŒr die altfrĂ€nkische Volkssprache.
Das lateinische âtheodiscusâ (âzum Volk gehörigâ) ist ein Wort der Gelehrtensprache; ihm liegt das westfrĂ€nkische âtheudiskâ zugrunde, wird aber auch mit gotisch âthiudaâ, althochdeutsch âdiotâ (âVolkâ), islĂ€ndisch âĂŸjóðâ (âVolkâ) in Verbindung gebracht.
Die Ă€ltere Bezeichnung âfrĂ€nkischâ fĂŒr die eigene Sprache traf etwa seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr eindeutig zu, da einerseits die westfrĂ€nkische Oberschicht im spĂ€teren Frankreich den romanischen Dialekt der einheimischen Bevölkerung ĂŒbernommen hatte und andererseits das Ostfrankenreich auch nicht-frĂ€nkische StĂ€mme wie die Alemannen, die Baiern, die ThĂŒringer und die Sachsen umfasste.
Die althochdeutsche Form âdiutiscâ begann seit dieser Zeit das mittellateinische âtheodiscusâ zu verdrĂ€ngen; es setzte sich jedoch nur zögernd durch. Erst um 1090 (im Annolied aus dem Kloster Siegburg) wird âdiutiscâ auf Sprache, Volk und Land angewendet:
Das Althochdeutsche ist die Ă€lteste schriftlich ĂŒberlieferte Sprachform der Völker, die sich als deutsch bezeichnen. Es war nicht einheitlich, sondern bestand aus vielen Mundarten. Erst um die Mitte des 12. Jahrhunderts entwickelte sich im mittelrheinischen Gebiet eine mittelhochdeutsche Dichter- und Literatursprache, die uns in der klassisch höfischen Ritterliteratur begegnet, in der auch keltisches Sagengut bearbeitet wurde. BegrĂŒndet und getragen wurde diese Dichtung vor allem vom aufstrebenden Adel, der sich damit vom Volk abheben wollte.
âIn den Geschichtsquellen seit dem Ende des 8. Jahrhunderts taucht immer hĂ€ufiger der Begriff der deutschen Sprache, der âlingua theodiscaâ auf. Die Sprachgemeinschaft der Deutschen hat den Volksnamen von der Sprache erhaltenâ[17]
Die âlingua theodiscaâ war die deutsche Sprache, die die Gemeinsamkeit der Menschen ausdrĂŒckte. Karl der GroĂe hat diese Sprache als seine eigene und offizielle Sprache bezeichnet. âDas Bleibendste aber wohl, was Karl fĂŒr die deutsche Sprache getan hat, ist die Durchsetzung eben dieses Namens âdeutschâ und die Ermöglichung seiner PrĂ€gung. Karl brauchte einen Namen fĂŒr die germanischen Sprachen seines Reiches, so wie es fĂŒr die romanischen Sprachen die Bezeichnung lingua Romana (rustica) gab.â.[18] âKarls Blick auf das Germanische im Sprachlichen lieĂ den neuen Terminus entstehen und er wurde zum Namen einer von Karl bestimmten neuen Sonderung des Germanischen âŠ, eben des Deutschenâ.[19]
Aufgrund der wechselhaften politischen Geschichte des deutschen Sprachraums sowie seiner Mittellage zwischen den Gebieten romanischer und slawischer Sprachen gibt es mehr unterschiedliche Formen fĂŒr den Namen der deutschen Sprache (Deutsch) als fĂŒr die meisten anderen Sprachen der Welt. Allgemein kann man die Namen der deutschen Sprache aber aufgrund ihrer Herkunft in sechs Gruppen zusammenfassen:
In anderen germanischen Sprachen:
In einigen romanischen Sprachen:
DarĂŒber hinaus:
Mit âSachsenâ ist das historische Volk der Sachsen gemeint (heute niedersĂ€chsischer Sprachraum).
Dieses Wort entstand aus dem slawischen Wort *nÄmŃcŃ, das auf die urslawische Wurzel *nÄm-: âstummâ zurĂŒckgeht; dies war ursprĂŒnglich eine allgemeine Bezeichnung fĂŒr alle Fremden aus dem Westen, welche die slawischen Sprachen nicht verstanden (vgl. griechisch barbaros):
Anmerkungen: In der Vergangenheit war im RumĂ€nischen die dem Slawischen entlehnte Form nemĆŁeĆte ĂŒblich; aber heute wird im RumĂ€nischen vorwiegend das Wort germanÄ benutzt. Das ungarische nĂ©met ist auch aus dem Slawischen entlehnt, ebenso der Name fĂŒr die Deutschen in Ăsterreich im Arabischen, an-NimsÄ (ۧÙÙÙ ŰłŰ§).
Beispiele fĂŒr den Familiennamen âDeutscherâ sind der US-amerikanische Admiral Chester W. Nimitz und der kroatisch-deutsche Musiker und Schauspieler Miroslav Nemec.
Die Alamannen waren eine Bevölkerungsgruppe des westgermanischen Kulturkreises, deren Gebiet sich an der Grenze zum âWelschlandâ (Frankreich, Italien) befand. Die Verbreitung von Alemannisch als Name fĂŒr das Deutsche erfolgte in erster Linie ĂŒber das Französische.
Die Verwendung von âGermaneâ oder âGermaniaâ ist eine eher jĂŒngere Erscheinung, die im Gefolge der Renaissance zu suchen ist. Die Verbreitung in auĂereuropĂ€ische Sprachen geschah vor allem ĂŒber das Englische.
Bezeichnungen in den baltischen Sprachen
GebÀrdensprachen
Die Geschichte der (hoch-)deutschen Sprache wird hÀufig in vier Abschnitte (Sprachstufen) unterteilt:
Die deutsche Sprache ist in zwei Sprachkategorien aufgeteilt, in Hochdeutsch und in Niederdeutsch. Als hochdeutsche Sprache bezeichnet man zunĂ€chst alle kontinentalwestgermanischen Dialekte, die im frĂŒhen Mittelalter an der zweiten oder hochdeutschen Lautverschiebung beteiligt waren (Alemannisch, Bairisch, Ost-, Rhein-, MittelfrĂ€nkisch, Ostmitteldeutsch = ober- und mitteldeutsche Mundarten = hochdeutsche Mundarten). Die kontinentalwestgermanischen Dialekte, die diese zweite Lautverschiebung nicht oder nur zu einem sehr geringen Teil mitgemacht haben, bezeichnet man seit der frĂŒhen Neuzeit als niederdeutsche Sprachen (NiedersĂ€chsisch und NiederfrĂ€nkisch).
Da wÀhrend des ganzen Mittelalters im Unterschied zu den romanisch- oder slawischsprachigen NachbarlÀndern in dem Land der Deutschen (deutscher Sprachraum) stark territorial zersplitterte politische Strukturen existierten, entwickelten sich die zum Teil sehr unterschiedlichen deutschen Dialekte (deutsche Mundarten) lange parallel nebeneinander her.
Einen ersten Ansatz zu einem ĂŒberregionalen Ausgleich der Mundarten hat man teilweise in der mittelhochdeutschen Dichtersprache der höfischen Dichtung um 1200 sehen wollen. In der Tat ist teilweise das BemĂŒhen der Dichter zu erkennen, nur regional verstĂ€ndliches Vokabular und dialektale lautliche Besonderheiten zu vermeiden, um ein ĂŒberregionales VerstĂ€ndnis ihrer Werke zu ermöglichen. Andererseits war die Breitenwirkung der an den FĂŒrstenhöfen tĂ€tigen Dichter eher gering, da damals nur ein kleiner Teil der Bevölkerung lesen und schreiben konnte oder einen Zugang zu dieser elitĂ€ren Kunst hatte. Der Beginn der neuhochdeutschen Schrift- und Standardsprache kann daher erst in ĂŒberregionalen Ausgleichsprozessen des SpĂ€tmittelalters und der frĂŒhen Neuzeit gesehen werden.
WĂ€hrend die Standardsprache in den meisten europĂ€ischen LĂ€ndern aus dem Dialekt der jeweiligen Hauptstadt hervorgegangen ist, stellt die heutige hochdeutsche Sprache (Standardsprache) eine Art âKompromissâ zwischen den mittel- und oberdeutschen Dialekten sĂŒdlich der sogenannten Benrather Linie dar.
In Norddeutschland hat das Standarddeutsche, vor allem im Gefolge der Reformation, als Amts- und Schulsprache das einheimische Niederdeutsche (NiedersĂ€chsische bzw. Plattdeutsche und NiederfrĂ€nkische) gröĂtenteils verdrĂ€ngt. Zur BlĂŒtezeit der Hanse fungierte das Mittelniederdeutsche als Verkehrssprache im gesamten Nord- und Ostseeraum. Aufgrund der politischen Eigenstaatlichkeit und der (teilweisen) Herauslösung aus dem Reichsverband konnte es in den Niederlanden dem Hochdeutschen nicht mehr gelingen, die einheimischen niederfrĂ€nkischen Dialekte zu verdrĂ€ngen. Aus diesen entwickelte sich die niederlĂ€ndische Sprache.
Die Bedeutung von Martin Luther (1483â1546) fĂŒr die deutsche Sprachentwicklung sollte nicht ĂŒberschĂ€tzt werden. Bereits um 1350 gab es AnsĂ€tze zu einer ĂŒberregionalen Schriftsprache, die man in der Forschung FrĂŒhneuhochdeutsch nennt. Im donaulĂ€ndischen Bereich war eine relativ groĂe Einheitlichkeit erreicht worden, urteilt Werner Besch, und Luther rĂŒckte die von ihm verwendeten, ostmitteldeutschen Formen an diese sĂŒdlichen Dialekte heran. Er stand mitten im Strom der Entwicklung. Seine BibelĂŒbersetzung war allerdings ein wichtiges Werk, das Vorbildcharakter hatte und durch seine weite Verbreitung jedermann â vor allem jedem Lehrer â zugĂ€nglich war.
Die Herausbildung der hochdeutschen Schriftsprache war im 17. Jahrhundert zum GroĂteil abgeschlossen. Durch die Beseitigung der sogenannten LetternhĂ€ufelung im 18. Jahrhundert wurde das seitdem in GrundzĂŒgen kaum verĂ€nderte deutsche Schriftbild abgerundet.
Die geschichtlichen Abschnitte des Deutschen sind eng verknĂŒpft mit Erscheinungen des Lautwandels. Die sogenannte hochdeutsche Lautverschiebung, eine Erscheinung des Konsonantensystems, trennt das Deutsche (in Form des Althochdeutschen) von den restlichen kontinentalwestgermanischen Dialekten. Dieser Lautwandel wird von den niederdeutschen Dialekten nicht vollzogen; insofern ist die deutsche Standardsprache in ihrem Konsonantensystem vom SĂŒden und der Mitte des Sprachgebiets bestimmt.[24]
Der Ăbergang von Mittelhochdeutsch zu FrĂŒhneuhochdeutsch ist im Bereich der Laute vor allem durch Monophthongierung und Diphthongierung gekennzeichnet. Beide sind Erscheinungen des Vokalsystems. WĂ€hrend die Diphthongierung vom SĂŒdosten des Sprachgebiets ausgeht und im niederdeutschen Norden wie im alemannischen SĂŒdwesten nicht vollzogen wird, ist fĂŒr die Monophthongierung der mitteldeutsche Sprachraum als Ausgangspunkt bestimmend.
Insgesamt beharrt der niederdeutsche Norden sowohl im Bereich der Konsonanten als auch im Bereich der Vokale auf altem Sprachzustand. Der alemannische SĂŒdwesten vollzieht nur die lautlichen VerĂ€nderungen im Bereich der Vokale nicht; der bairische SĂŒdosten trĂ€gt zur deutschen Sprache die Diphthongierung bei, vollzieht aber die Monophthongierung nicht.
Die sĂ€chsische Kanzleisprache (auch MeiĂner Kanzleideutsch), nicht zu verwechseln mit der sĂ€chsischen Sprache, entwickelte sich im Zeitalter des deutschen Humanismus. Sie bildete eine Voraussetzung fĂŒr ein den Dialekten ĂŒbergeordnetes, allgemeines Standarddeutsch, wie es Martin Luther in seiner BibelĂŒbersetzung von 1522 verwirklichte.
(Hauptartikel siehe SĂ€chsische Kanzleisprache)
Mit der Zunahme der Anzahl der Schreibkundigen und der Bedeutung der Schriftlichkeit trat der Lautwandel in seiner Bedeutung fĂŒr die Sprachgeschichte zugunsten von bewusster Normierung zurĂŒck. Als einer der wichtigsten Grammatiker des 18. Jahrhunderts gilt Johann Christoph Adelung, dessen 1781 veröffentlichtes Wörterbuch groĂen Einfluss auf seine Zeitgenossen und die Lexikographie ausĂŒbte. Jacob und Wilhelm Grimm begannen 1852 mit der Herausgabe des umfassendsten Deutschen Wörterbuchs, das 1961 vollendet wurde, aber seither einer Ăberarbeitung unterzogen wird.
Die hochdeutsche Rechtschreibung wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend normiert. Ein Durchbruch zu einer hochdeutschen âEinheitsschreibungâ gelang mit dem Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache von Konrad Duden (1880), das in der Rechtschreibnormierung von 1901 in leicht verĂ€nderter Form â ohne amtlichen Status zu erreichen â zur Grundlage der amtlichen Rechtschreibung erklĂ€rt wurde. Konkurrenzlos war der Duden in jener Zeit indes nicht: Neben anderen nichtamtlichen WörterbĂŒchern wie etwa dem sogenannten âBuchdrucker-Dudenâ (herausgegeben ebenfalls vom Bibliographischen Institut) und dem Wörterverzeichnis der deutschen Rechtschreibung von Professor Ammon gab es amtliche RegelwörterbĂŒcher mit teilweise abweichenden Rechtschreibregeln wie zum Beispiel das Amtliche Wörterverzeichnis fĂŒr die deutsche Rechtschreibung zum Gebrauch in preuĂischen Kanzleien (1903) oder die Regeln fĂŒr die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis â Ausgabe mit einheitlichen Schreibweisen in Ăsterreich (1904). Die Abweichungen lagen unter anderen in der Zulassung oder Nichtzulassung mehrerer Schreibweisen (z. B.: Keeks â Cakes â Kakes, heute: Keks), in der Darstellung des s-Lautes vor z in deutscher Schrift und Fraktur, in der AbĂ€nderung oder NichtabĂ€nderung von Eigennamen (z. B. âGötheâ statt Goethe, âBismarkâ statt Bismarck); mit dem âBuchdrucker-Dudenâ von 1903 wurde zudem speziellen AbĂ€nderungswĂŒnschen des Deutschen Buchdrucker-Vereins, des Reichsverbandes Ăsterreichischer Buchdruckereibesitzer und des Vereins Schweizerischer Buchdruckereibesitzer Rechnung getragen.
1996, 2004 und 2006 kam es zu Rechtschreibreformen (siehe auch: Geschichte der deutschen Rechtschreibung).
Auch die hochdeutsche Aussprache erfuhr im spÀten 19. Jahrhundert Regelungsversuche, vor allem durch das Aussprachewörterbuch von Theodor Siebs. Diese Regelungen erreichten aber nicht das Niveau an Verbindlichkeit, das Duden mit der Rechtschreibung erreichte.
Im Gegensatz zur hochdeutschen Schriftsprache ist die niederdeutsche Schriftsprache offiziell nicht normiert, wird aber zunehmend durch die 1956 in Hamburg aufgestellten âRegeln fĂŒr die plattdeutsche Rechtschreibungâ und das Wörterbuch von Johannes SaĂ beeinflusst.
Durch ihre zentrale Lage in Europa wurde die deutsche Sprache ĂŒber die Jahrhunderte durch andere Sprachen beeinflusst. Im Mittelalter und der Zeit davor war es vor allem die lateinische Sprache, aus der sich die deutsche Sprache bediente. So sind viele alltĂ€gliche Wörter, vor allem aus Architektur, Religion und Kriegswesen (z. B. dominieren, Fenster, Karren, Keller, Kloster) aus dem Lateinischen entlehnt. Auch die griechische Sprache hat das Deutsche in Religion, Wissenschaft und Philosophie stark beeinflusst (z. B. Demokratie, Krypta, Philosophie, Physik). Teilweise verschwanden durch die Entlehnungen die zuvor gebrĂ€uchlichen Begriffe vollstĂ€ndig: Arzt, Mediziner und das umgangssprachlich verwendete Doktor verdrĂ€ngten als Bezeichnung fĂŒr den Heilkundigen beispielsweise schon frĂŒhzeitig die Begriffe Laachi (Lachi) und Bader.
SpĂ€ter war es dann vor allem die französische Sprache, die groĂen Einfluss auf das Deutsche ausĂŒbte. Da nach dem DreiĂigjĂ€hrigen Krieg an vielen Höfen Französisch gesprochen wurde und selbst preuĂische Könige diese Sprache besser beherrschten als Deutsch, das nach Voltaire nur zur Kommunikation mit Soldaten und Pferden gebraucht wurde, kamen vor allem Wörter aus dem vornehmen Bereich in die deutsche Sprache (etwa Boulevard, KonfitĂŒre, Trottoir).
Auch aus den slawischen Sprachen (beispielsweise Grenze, Gurke, Pistole), dem Jiddischen und dem Rotwelsch (beispielsweise meschugge, Kaff, Schickse, Schlamassel, Zoff) kamen einige Wörter ins Deutsche, jedoch war der Einfluss dieser Sprachen im Vergleich zu den vorgenannten wesentlich geringer.
In Handel (Magazin, Tarif, Tara), Botanik (Orange, Kaffee, Ingwer), Medizin (Elixier, Balsam), Mathematik (Algebra, Algorithmus, Ziffer), Chemie (alkalisch, Alkohol) und Astronomie (Almanach, Zenit, Rigel) lassen sich auch einige EinflĂŒsse aus dem Arabischen ausmachen, die verstĂ€rkt im Mittelalter beispielsweise durch die KreuzzĂŒge nach Europa und somit auch nach Deutschland kamen. Aber auch in alltĂ€glichen Begriffen wie Koffer, Benzin oder Limonade lassen sich arabische EinflĂŒsse bzw. UrsprĂŒnge nachweisen.
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts nahm in Deutschland das Englische zunehmend Einfluss auf die deutsche Sprache (siehe Anglizismen). Diese Entwicklung wird von manchen skeptisch betrachtet, insbesondere dann, wenn es genĂŒgend deutsche Synonyme gibt. Kritiker merken auch an, es handle sich oftmals (beispielsweise bei Handy) um Scheinanglizismen.
Eine Sprachpolitik, wie sie unter anderem in Frankreich und Island betrieben wird, um eine Anreicherung der Sprache mit Anglizismen zu unterbinden, findet in Deutschland seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr statt.
Im Zuge des weltweiten Handels und des Imports von exotischen FrĂŒchten und Tieren sind aber auch Wörter aus ganz exotischen Sprachen mittlerweile gewöhnlicher Bestandteil des Alltages. Zu den TupĂ-Wörtern, die bis ins Deutsche gelangt sind, zĂ€hlen Piranha (âZahn-Fischâ), Tapir, Kaschu (auch Cashew, âNierenbaumâ), Maracuja (âPflanze, die FrĂŒchte gibtâ), Maniok (âHaus der Göttin Maniâ) und Carioca (âBewohner des Hauses von Cariâ = Einwohner von Rio de Janeiro nach dem Dorf Carioca, an dessen Stelle Rio erbaut wurde). Ebenso Ananas (âgutriechende Fruchtâ) und Jaguar (âDschungelhundâ).
Auch im 20. Jahrhundert gab es starke EinflĂŒsse auf die deutsche Sprache. Zum einen wurde durch die weite Verbreitung audiovisueller Massenmedien eine natĂŒrliche Tendenz zur Standardisierung gefördert, zum anderen wurde in lĂ€ndlichen Gebieten bewusst eine Umerziehung von der Dialektsprache zum Hochdeutsch vorangetrieben. Hinzu kommt der Einfluss des Zweiten Weltkrieges, der dazu gefĂŒhrt hat, dass deutsche Sprachinseln in Osteuropa weitgehend zerstört wurden, dass viele Sprecher der jĂŒdischen Dialekte des Deutschen und der dem Deutschen nahen jiddischen Sprache ermordet wurden oder als sprachliche Minderheit auĂerhalb der deutschen Sprachzone leben und aufgrund der Dominanz der umgebenden Sprachen die Verwendung des Deutschen bzw. des Jiddischen immer mehr verlieren. Auch hat die Teilung Deutschlands zu einer unterschiedlichen Entwicklung des Vokabulars und der Ausdrucksformen gefĂŒhrt. Dem entgegen steht eine erneut vereinheitlichende Tendenz durch die gemeinsamen Medien und die personelle MobilitĂ€t in der Zeit nach der Wiedervereinigung. Besonders seit dem Zweiten Weltkrieg sehr bedeutend geworden ist der englische, genauer: angloamerikanische Einfluss auf die deutsche Sprache, insbesondere in Westdeutschland; dieser zeigt sich jedoch zurzeit hauptsĂ€chlich im Wortschatz, in Redewendungen und in der Valenz einiger Verben.
Die Bestrebungen, die deutsche Sprache nach Möglichkeit frei von EinflĂŒssen aus fremden Sprachen zu halten, sind nicht neu. WĂ€hrend heute vielfach die in die deutsche Sprache einflieĂenden Anglizismen â wie beispielsweise abchecken, Net, Charts, in 2004 â in der Kritik stehen, galten die Abwehrversuche in der Vergangenheit vor allem den EinflĂŒssen aus dem Altgriechischen, dem Latein und dem Französischen.
Verfechterin eines Schutzes der deutschen Sprache vor der Verfremdung (âVerwelschungâ, âSprachverketzerungâ) war im 17. Jahrhundert besonders die Fruchtbringende Gesellschaft. In dieser Zeit schuf man neue AusdrĂŒcke, die zum Teil noch heute fester Bestandteil des deutschen Wortschatzes sind, wie beispielsweise: Mehrzahl (statt Plural), Mundart (statt Dialekt), Verfasser (statt Autor), Wörterbuch (statt Vokabular), Jahrhundert (statt SĂ€kulum), Anschrift (statt Adresse), Lehrsatz, Staatsmann, Briefwechsel. Viele Wörter âentstandenâ dabei als direkte Ăbersetzungen der lateinischen Wortstrukturen in sinngleichen PrĂ€positionen und WortstĂ€mmen althochdeutscher Herkunft (etwa RĂŒckblick statt Retrospektive). Im Allgemeinen wurden die Latinismen aus dem Wortschatz nicht verdrĂ€ngt, sondern sind als Synonyme erhalten. Im Gegensatz zu den Latinismen im Wortschatz der Französischen oder Englischen Sprache ist die Sinnherkunft vieler in dieser Zeit begrĂŒndeten Wörter auch fĂŒr Nicht-Lateiner erkennbar und semantisch zugĂ€nglich.
In anderen FĂ€llen schoss man damals in der Absicht, fremdsprachliche Wörter durch neue deutsche zu ersetzen, aber weit ĂŒber das Ziel hinaus: So sollte zum Beispiel Spiegel durch Schauglas (das letztlich einen anderen Sinn trĂ€gt) oder Mumie durch Dörrleiche ersetzt werden, wĂ€hrend die römische Göttin der Morgenröte (Aurora) in Rötinne und die Göttin der Liebe (Venus) in Lustinne umbenannt werden sollte. Allerdings ist umstritten, ob diese Götternamen wirklich ersetzt werden sollten. Sie könnten auch als bloĂe ErklĂ€rungen fungiert haben.[25]
Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts sorgte vor allem der Allgemeine Deutsche Sprachverein, VorgĂ€nger der Gesellschaft fĂŒr deutsche Sprache, fĂŒr neue Wortschöpfungen. Manche von ihnen konnten sich â insbesondere im Bereich des StraĂen- und Schienenverkehrs â durchsetzen oder wurden zumindest als Synonym angenommen: LandstraĂe (fĂŒr: Chaussee), Schaffner (fĂŒr: Kondukteur, Conducteur), Fahrschein (fĂŒr: Billet), Kraftwagen (fĂŒr: Automobil), Abteil (fĂŒr: CoupĂ©) sind Beispiele. Von den beiden vorgeschlagenen Alternativen fĂŒr ElektrizitĂ€t (ElectricitĂ€t) konnte sich Strom behaupten, wĂ€hrend Glitz nicht den Gefallen der Bevölkerung fand. ElektrizitĂ€t blieb aber erhalten und wurde sprachlich mit dem neuen Synonym Strom sogar in Begriffen wie elektrischer Strom oder E-Strom verbunden. Weitere dieser Wortneuschöpfungen des ausklingenden 19. Jahrhunderts und beginnenden 20. Jahrhunderts sind unter vielen: Umwelt fĂŒr Milieu, Erdgeschoss fĂŒr Parterre, Strahlfang fĂŒr Empfangsantenne, Nahrohr fĂŒr Mikroskop, Glitzbetrieb fĂŒr Elektromotor, Kraftwagenschuppen fĂŒr Garage, Schneckel fĂŒr Spirale, Zielung fĂŒr Tendenz, Leitbild fĂŒr Ideal.
Der deutsche Sprachraum ist ein Teil des kontinental-westgermanischen Dialektkontinuums, in dem gewöhnlich benachbarte lokale Mundarten gegenseitig verstĂ€ndlich sind und die Unterschiede umso gröĂer werden, je weiter voneinander entfernt zwei Mundarten gesprochen werden. Gemeinsam ist dem gesamten deutschen Sprachraum nur die Standardsprache, die die Mundarten und regionalen Umgangssprachen ĂŒberdacht und die ihrerseits mehrere StandardvarietĂ€ten umfasst. Die Unterschiede zwischen den StandardvarietĂ€ten sind jedoch relativ gering, so dass sie problemlos gegenseitig verstĂ€ndlich sind, wĂ€hrend manche der Mundarten fĂŒr einen Sprecher der Standardsprache ohne Mundartkenntnis kaum verstĂ€ndlich sind.
Die Einteilung der deutschen Mundarten beruht auf Untersuchungen des 19. Jahrhunderts. In gleicher Zeit begann vielerorts eine Herausbildung von Umgangssprachen als einer Art Mischform zwischen Standardsprache und Dialekt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts, insbesondere nach den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges verdrĂ€ngen die Umgangssprachen die alten Dialekte. Entscheidenden Einfluss darauf hatten die FlĂŒchtlingsströme und vor allem die stark anwachsende Verbreitung von Hörfunk und Fernsehen; in den Schulen wurde in der hochdeutschen Standardsprache unterrichtet.
Innerhalb der plurizentrischen deutschen Standardsprache werden als StandardvarietĂ€ten das Standarddeutsch Deutschlands, das Ăsterreichische Standarddeutsch und das Schweizer Standarddeutsch sowie â mit einem geringeren Grad an normativer SelbstĂ€ndigkeit â das Standarddeutsch Belgiens, SĂŒdtirols, Liechtensteins und Luxemburgs unterschieden.
In Deutschland, Ăsterreich, SĂŒdtirol und dem deutschsprachigen Teil Belgiens erfĂŒllen die jeweiligen VarietĂ€ten des Standarddeutschen jeweils alle typischen Funktionen einer Standardsprache. In der Schweiz beschrĂ€nkt sich die Verwendung der Schweizer VarietĂ€t des Standarddeutschen ĂŒberwiegend auf den Bereich der Schriftsprache, Umgangssprache sind fast ausschlieĂlich die schweizerdeutschen Dialekte. In Luxemburg existiert neben der luxemburgischen Form des Standarddeutschen eine eigenstĂ€ndige luxemburgische StandardvarietĂ€t, die einige der Funktionen einer Standardsprache erfĂŒllt.
Der standardisierte Wortschatz, der in allen sieben nationalen Voll- und Halbzentren des deutschsprachigen Raumes identisch ist, wird als Gemeindeutsch bezeichnet. Dieser unvollstĂ€ndige Wortschatz des Gemeindeutschen kann jedoch keine eigene SprachvarietĂ€t (noch weniger eine ĂŒbergeordnete Hochsprache) generieren; er bildet aber den Grundstock jeder der sieben VarietĂ€ten des Standarddeutschen.
Siehe auch: Variantenwörterbuch des Deutschen, Bundesdeutsches Hochdeutsch, DDR-Sprachgebrauch
Eine Grobeinteilung der deutschen Dialekte erfolgt ĂŒblicherweise entlang der Benrather Linie in die niederdeutschen Dialekte im Norden, die die âZweite deutsche Lautverschiebungâ nicht mitgemacht haben und die hochdeutschen Dialekte im SĂŒden, die von der Zweiten deutschen Lautverschiebung betroffen waren.
Die hochdeutschen Dialekte lassen sich nochmals in mittel- und oberdeutsche Dialekte einteilen. Als (Sprach-)Grenze zwischen mittel- und oberdeutsche Dialekten wurde frĂŒher hĂ€ufig die Karlsruher Linie (euch/enk-Linie an der FrĂ€nkisch-Bairischen und die mĂ€he/mĂ€het-Linie an der SĂŒdfrĂ€nkisch-SchwĂ€bischen Dialektgrenze) angefĂŒhrt. Heute wird allgemein die Speyerer (Appel/Apfel-Linie), fĂŒr den Westen aber auch die dort fast gleich verlaufende Germersheimer Linie (Pund/Pfund-Linie) als Sprachgrenze zwischen Ober- und Mitteldeutsch angesehen.
In den allermeisten mittel- und oberdeutschen VarietĂ€ten ist die zweite hochdeutsche Lautverschiebung nur teilweise durchgefĂŒhrt, so auch in den ostmitteldeutschen VarietĂ€ten, die zu einem groĂen Teil zur Herausbildung der Standardsprache beigetragen haben. Das Mittel- und Oberdeutsche variiert dabei vom Hoch- und Höchstalemannischen sowie dem bairischen Tirolerischen, die als einzige VarietĂ€ten die zweite deutsche Lautverschiebung vollstĂ€ndig durchgefĂŒhrt haben, bis hin zu Ostbergisch und Mölmsch, wo allein das Wort ik zu ich (siehe auch Uerdinger Linie = Ă€uĂerste Nordgrenze des Mitteldeutschen) verschoben ist. Im Allgemeinen wird jedoch die âBenrather Linieâ (maken/machen) als Nordgrenze der hochdeutschen VarietĂ€ten angesehen
Als Niederdeutsch werden diejenigen VarietĂ€ten bezeichnet, in denen die zweite bzw. hochdeutsche Lautverschiebung nicht oder nur zu einem geringen Teil vollzogen worden ist. Das Niederdeutsche im eigentlichen Sinne (NiedersĂ€chsisch und Ostniederdeutsch) stammt vom AltsĂ€chsischen ab und wird in Norddeutschland und im Nordosten der Niederlande (dort unter der Bezeichnung ânedersaksischâ) gesprochen. Von den Sprechern wird es strikt als eigenstĂ€ndige Sprache verstanden. Das Niederdeutsche hat im Rahmen der Sprachencharta des Europarats in Deutschland und den Niederlanden einen offiziellen Status als Regionalsprache erhalten. Zuvor hatten die deutschen LĂ€nder Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen Niederdeutsch fĂŒr einen Schutz gemÀà Teil III der Sprachencharta angemeldet.
Die niederrheinischen VarietĂ€ten des NiederfrĂ€nkischen am deutschen Niederrhein haben ebenso wie die niederdeutschen Mundarten im eigentlichen Sinne die zweite bzw. hochdeutsche Lautverschiebung nicht oder nur zu einem geringen Teil vollzogen. Sie sind jedoch sprachtypologisch enger mit den angrenzenden niederlĂ€ndischen Mundarten als mit den benachbarten deutschen verwandt. Ihre Zuordnung zum Niederdeutschen ist daher umstritten.[26] Sie gehen ebenso wie das NiederlĂ€ndische auf das AltniederfrĂ€nkische (AltniederlĂ€ndische) zurĂŒck.
Die Mundarten des Gebietes zwischen der Uerdinger Linie (ik-/ich-Linie) und der Benrather Linie (maken-/machen-Linie) (DĂŒsseldorf, Mönchengladbach, Krefeld, Neuss) weisen sowohl niederfrĂ€nkische als auch mittelfrĂ€nkische ZĂŒge auf und sind ein mundartliches Ăbergangsgebiet zwischen den mitteldeutschen-mittelfrĂ€nkischen und den niederfrĂ€nkischen Mundarten.
Die Mundarten (Dialekte) im niederdeutschen Sprachraum werden zumeist umgangssprachlich als âPlattâ oder âPlattdeutschâ (PlattdĂŒĂŒtsch) bezeichnet.
Die Klassifizierung der Mischsprache Missingsch aus Hochdeutsch und Niederdeutsch ist unklar. Ăhnlich ist es beim Petuh mit hochdeutschen, niederdeutschen, dĂ€nischen und sĂŒdjĂŒtischen Sprachelementen. Das SĂŒdjĂŒtische mit starken EinflĂŒssen der niederdeutschen Sprache wird allgemein als Dialekt der dĂ€nischen Sprache eingestuft. Auch das Sydslesvigdansk weist zunehmend ZĂŒge einer Mischsprache aus ReichsdĂ€nisch, Hochdeutsch und Niederdeutsch auf.
Neben dem Missingsch und dem Petuh existieren auch weitere Mischsprachen der Niederdeutschen Sprache; hierbei handelt es sich vor allem um Mischungen mit dem NiederlÀndischen und dem Friesischen, wie beispielsweise das Kollumerpompsters. Diese Mischsprachen werden gemeinhin als Dialekte des Niederdeutschen, des NiederlÀndischen oder des Friesischen klassifiziert.
Bei den diversen âMischsprachenâ in Nordamerika wie beispielsweise dem Texasdeutsch handelt es sich um Akzente oder Dialekte entweder der hochdeutschen oder der niederdeutschen Sprache.
Jedoch gibt es nicht nur Mischsprachen aus deutschen VarietÀten und anderen germanischen Sprachen. Aus Deutsch und Niedersorbisch entstand das sogenannte Ponaschemu. Das Wasserpolnisch mit Elementen der deutschen Sprache bzw. der oberschlesischen Mundart wird teilweise als Dialekt des Polnischen, teilweise als eigene Sprache klassifiziert.
Das Jiddische, das nach ĂŒberwiegender Auffassung ursprĂŒnglich auf das Mittelhochdeutsche zurĂŒckgeht, sich jedoch vor allem unter slawischen und hebrĂ€ischen EinflĂŒssen eigenstĂ€ndig weiterentwickelt und eine eigene Schriftsprache ausgebildet hat, wird in der Sprachwissenschaft im Allgemeinen als eigenstĂ€ndige Sprache betrachtet.
Unklar ist der Status des in Schlesien noch von etwa 100 Àlteren Menschen gesprochenen Wymysörisch (Wilmesau-Deutsch).
Siehe auch: Alemañol
Im Zuge der Kolonialisierung entstand im heutigen East New Britain (in Papua-Neuguinea) das sogenannte Unserdeutsch, eine deutschbasierte Kreolsprache, in Namibia entstand daneben noch das KĂŒchendeutsch, eine Pidginsprache. Unserdeutsch ist jedoch mittlerweile fast ausgestorben, da die meisten Sprecher auswanderten. AuĂerdem haben sich in Papua-Neuguinea bis zu 150 Wörter deutschen Ursprungs in der Sprache Tok Pisin erhalten. Das KĂŒchendeutsch hingegen hat heute noch etwa 15.000 â zumeist Ă€ltere â Sprecher.
In den Konzentrationslagern der Nazi-Zeit sind auch Kreolsprachen entstanden. Sie bestanden aus SchlĂŒsselwörtern und sehr oft aus ergĂ€nzenden nonverbalen Zeichen.[27][28] Um 1985 hat Wolf Oschlies vorgeschlagen, dafĂŒr den im KZ bereits z. T. benutzten Begriff âLagerszprachaâ generell zu verwenden.[29]
Ebenso wie andere Pidgin- und Kreolsprachen sind Unserdeutsch und KĂŒchendeutsch aus sprachwissenschaftlicher Sicht als eigenstĂ€ndige sprachliche Systeme zu betrachten.
Den westlichsten Punkt des geschlossenen deutschen Sprachraumes in Mitteleuropa, in dem Deutsch bzw. ein deutscher Dialekt die gegenwĂ€rtige Umgangssprache ist, stellt die Gemeinde Rambrouch in Luxemburg dar. Genau 850 km östlich befindet sich mit der österreichischen Gemeinde Deutsch Jahrndorf im Burgenland dessen östlichster Punkt. Im Norden markiert die deutsche Gemeinde List auf Sylt das Ende des Sprachraumes, welche nahezu exakt 1005 km nördlich ihres GegenstĂŒckes, der Schweizer Gemeinde Zermatt am Matterhorn, liegt.
Seit Anfang der 1990er Jahre wird die Anzahl der deutschsprachigen Muttersprachler vielfach[30] weltweit mit 98 Millionen angegeben. www.ethnologue.com gibt die Zahl der muttersprachlichen Sprecher der deutschen Standardsprache mit 90 Millionen an.[2] Auch andere Angaben sprechen von 90 Millionen Muttersprachlern. Bei den allgemein auch angegebenen 97 Millionen sind die Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, Ăsterreich und der Deutschschweiz einbezogen, die Deutsch meist als Zweitsprache sprechen und ĂŒber deren Sprachsituation gesicherte Zahlen fehlen.[1]
FĂŒr den Bereich der EuropĂ€ischen Union in ihren damaligen Grenzen (25 Mitgliedstaaten noch ohne RumĂ€nien und Bulgarien) wurde im Jahre 2005 in zwei Erhebungen ermittelt, dass Deutsch die Muttersprache von 18 Prozent der auf dem Territorium der EU-ansĂ€ssigen EU-BĂŒrger war[31][32], was rund 82 Millionen Sprechern entspricht, sodass dieser Angabe folgend fĂŒr Europa von einer Mindestanzahl von 87 Millionen ausgegangen werden kann (zusĂ€tzlich u. a. in der Schweiz sowie RumĂ€nien).
Neben allgemeinen Problemen der Bezifferung von Muttersprachlern (wie bspw. Erhebungsproblemen, Zuordnung zwei- oder mehrsprachig Aufgewachsener, Assimilierungsbestrebungen in einzelnen Staaten) tritt als Spezifikum bei der Ermittlung der deutschsprachigen Muttersprachler die Frage der Zuordnung oder Nichtzuordnung der Muttersprachler der niederdeutschen Sprache sowie der muttersprachlichen Sprecher diverser Dialekte und Mischsprachen auf, insbesondere im auĂereuropĂ€ischen Raum auĂerhalb des Verwendungsbereiches der deutschen Standardsprache.
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Siehe auch: Deutschsprachige Minderheiten
(geordnet nach ungefÀhren Sprecherzahlen)
In Deutschland ist Deutsch die gebrĂ€uchlichste Sprache. Deutsch ist Amtssprache, wird als Standardsprache in den ĂŒberregionalen Medien und als Schriftsprache verwendet. Als Sprache des Alltags wird es in vielen Regionen fast ausschlieĂlich gesprochen (oft regional leicht eingefĂ€rbt). Der Ăbergang zu den deutschen Dialekten ist flieĂend.
In Deutschland ist Deutsch:
Die Frage, ob unter Deutsch rechtlich ausschlieĂlich die hochdeutsche oder auch die niederdeutsche Sprache subsumiert wird, wird juristisch uneinheitlich beantwortet: WĂ€hrend der BGH in einer Entscheidung zu Gebrauchsmustereinreichung beim MĂŒnchener Patentamt in plattdeutscher Sprache das Niederdeutsche einer Fremdsprache gleichstellt (âNiederdeutsche (plattdeutsche) Anmeldeunterlagen sind im Sinn des § 4a Abs. 1 Satz 1 GebrMG nicht in deutscher Sprache abgefaĂt.â - BGH-Beschluss vom 19.11.2002 â Az.: X ZB 23/01), ist nach dem Kommentar von Foerster/Friedersen/Rohde zu § 82 a des Landesverwaltungsgesetzes Schleswig-Holstein unter Verweis auf Entscheidungen höherer Gerichte zu § 184 des Gerichtsverfassungsgesetzes seit 1927 (OLG Oldenburg, 10.10.1927 - K 48, HRR 1928,392) unter dem Begriff deutsche Sprache sowohl Hochdeutsch wie auch Niederdeutsch zu verstehen.
Besondere Regelungen gelten fĂŒr Sorbisch, DĂ€nisch (als Sprache der dĂ€nischen Minderheit in Schleswig-Holstein), Friesisch, Romanes und Niederdeutsch. So mĂŒssen â beispielsweise â Behörden in Schleswig-Holstein und nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs auch das Patentamt in MĂŒnchen auf Plattdeutsch gestellte AntrĂ€ge bearbeiten.
Nach der EuropÀischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen sind die als Minderheiten- oder Regionalsprachen in Deutschland anerkannten im Einzelnen folgende:
Die landesrechtlichen Umsetzungen sind teilweise noch nicht erfolgt â dies betrifft insbesondere die Sprache Romanes. Partiell (rĂ€umlich und/oder sachlich) besitzen in Schleswig-Holstein die Regional- und Minderheitensprachen Niederdeutsch, DĂ€nisch und Friesisch (siehe Friesisch-Gesetz) den Rang einer Amtssprache. Andere in Deutschland (wie beispielsweise der jenische Soziolekt oder das Jiddisch) oder allochthone Minderheitensprachen wie das TĂŒrkische oder Polnische wurden nicht in die Charta aufgenommen.[44][45]
Ehemals verbreitete Sprachen wie Moselromanisch (im 11. Jahrhundert ausgestorben), Polabisch (im 18. Jahrhundert ausgestorben) oder Jiddisch werden heute nicht oder kaum mehr gesprochen.
Die Aufnahme der deutschen Sprache als Bekenntnis in Artikel 22 des Grundgesetzes wurde 2008 gesellschaftlich diskutiert. Die deutsche Partei CDU verabschiedete eine solche Forderung auf ihrem Parteitag im November 2008.[46] Andere Parteien kritisierten den Vorstoà als auslÀnderfeindliche Panikmache, bzw. als unnötig, weil Deutsch selbstverstÀndlich die Landessprache sei.[47][48]
In Ăsterreich ist laut Artikel 8 Absatz 1 Bundes-Verfassungsgesetz (BVG) aus dem Jahre 1920 die âdeutsche Spracheâ (ohne nĂ€here Spezifikation) die Staatssprache der Republik, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten eingerĂ€umten Rechte. Neben dem Deutschen sind Slowenisch in KĂ€rnten und in der Steiermark sowie Ungarisch und Burgenlandkroatisch im Burgenland Amtssprachen. TatsĂ€chlich gebrĂ€uchlich ist im Alltag wie auch im staatlichen Bereich jedoch Ăsterreichisches Deutsch als nationale VarietĂ€t (StandardvarietĂ€t) des Hochdeutschen. Diese österreichische StandardvarietĂ€t wurde daher in der II. Republik durch das Ăsterreichische Wörterbuch staatlich normiert (erstmals 1951, als es alle alten deutschen RegelbĂŒcher ablöste).
Nach der EuropĂ€ischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen sind die als Minderheitensprachen in Ăsterreich anerkannten im Einzelnen folgende:
In der Schweiz ist Deutsch auf gesamtstaatlicher Ebene National- und Amtssprache neben Französisch, Italienisch und RĂ€toromanisch, das auf gesamtstaatlicher Ebene nur im direkten Verkehr mit RĂ€toromanen Amtssprache ist. Knapp fĂŒnf Millionen Einwohner der Schweiz (63 % der Bevölkerung) geben Deutsch als Muttersprache an. Die in der Schweiz verwendete Form des Standarddeutschen, das Schweizer Hochdeutsch, weist einige Unterschiede zur Standardsprache in Deutschland auf. Umgangssprache ist zudem fast ausschlieĂlich Schweizerdeutsch, eine Sammelbezeichnung fĂŒr verschiedene Formen der angestammten alemannischen Dialekte.
In 17 von 26 Kantonen ist Deutsch alleinige Amtssprache, in vier weiteren Amtssprache neben Französisch (Kantone Bern, Freiburg und Wallis) bzw. neben Italienisch und RĂ€toromanisch (GraubĂŒnden).
Auf Gemeindeebene kann jede Gemeinde ihre Amtssprache(n) in eigener Kompetenz festsetzen.
Die Schweiz ist der einzige Staat Europas, in dem das Jenische, eine VarietĂ€t des Deutschen, mit der Ratifizierung der europĂ€ischen Sprachencharta 1997 als âterritorial nicht gebundeneâ Sprache, wenngleich nicht als Amtssprache anerkannt wurde.[49]
Siehe auch: Schweizer Hochdeutsch, Sprachen der Schweiz, Schweizerisches Idiotikon
â Hauptartikel: Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens
In Belgien ist Hochdeutsch auf gesamtstaatlicher Ebene mit NiederlÀndisch und Französisch Amtssprache. In Ostbelgien, den Kantonen Eupen und Sankt Vith, ist Deutsch Amtssprache, daneben ist Französisch als Minderheitensprache kooffiziell. Circa 78.000 Belgier geben Deutsch als ihre Muttersprache an.
In Liechtenstein (34.600 Einwohner) ist Standarddeutsch die alleingĂŒltige Amtssprache. Minderheitensprachen finden keine Anwendung. Umgangssprache ist Liechtensteinisch, eine alemannische Dialektform und mit dem Schweizerdeutschen und den vorarlbergischen Dialekten eng verwandt.
In Luxemburg ist Hochdeutsch zusammen mit Luxemburgisch und Französisch Amtssprache, Französisch ist jedoch âLegislativspracheâ. Luxemburgisch gilt als Nationalsprache (u.a. auch in Radio und TV: RTL Group), Deutsch spielt jedoch insbesondere in den Printmedien, BĂŒchern etc. eine dominierende Rolle; daher spricht man auch von einer luxemburgisch-deutschen Diglossie. Laut Umfragen der EU[50] geben ĂŒber 90 % der Luxemburger an, sowohl Deutsch auf gutem bis sehr gutem Niveau, als auch Französisch ausreichend zu beherrschen. Alle öffentlichen Ămter sind gesetzlich verpflichtet, in der Sprache des BĂŒrgers zu antworten, ohne sich jedoch in der Regel daran zu halten. FĂŒr Ortsnamen und damit auch Ortsschilder sind die amtlichen französischen Bezeichnungen maĂgeblich (z. B. âDudelangeâ fĂŒr DĂŒdelingen oder âLuxembourgâ fĂŒr Luxemburg), wobei darunter oft kursiv der Ortsname auf Luxemburgisch steht. StraĂenschilder sind mehrheitlich auf Französisch und Deutsch, seltener auf Luxemburgisch beschriftet (z. B. an Autobahnen der Hinweis auf eine âArrĂȘt de secours/Nothaltebuchtâ). In den Druckmedien sind alle drei Sprachen vertreten, aber in unterschiedlicher Gewichtung, so findet man in Zeitungen zu 85 Prozent Artikel auf Deutsch, zu 12 Prozent auf Französisch und nur zu 3 Prozent auf Luxemburgisch. Auch Websites luxemburgischer Betreiber, seien es Privatleute, Schulen oder Clubs etc., mischen oft die drei Amtssprachen auf ihren Seiten, wobei das Standarddeutsche auf den offiziellen Internetseiten der politischen Parteien ĂŒberwiegt. Die offiziellen Seiten der luxemburgischen Regierung sowie von öffentlichen Ămtern sind jedoch fast ausschlieĂlich auf Französisch.
(alphabetisch geordnet)
â Hauptartikel: Deutschbalten
In den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen leben noch gut 8000 Mitglieder der deutschen Minderheit (Baltendeutsche, OstpreuĂen und Russlanddeutsche), die Hochdeutsch und teilweise auch Plattdeutsch reden. FĂŒr Estland wird die Anzahl auf unter 2000 (im Jahre 2000: 1870), fĂŒr Lettland auf gut 3000 (2004: 3311) und ebenfalls fĂŒr Litauen auf gut 3000[51] recht genau beziffert. Von den exakt mit 3243 angegeben in Litauen lebenden Deutschen sprechen als Muttersprache aber nach dieser Angabe nur noch 804 Deutsch.
â Hauptartikel: Deutsche Minderheit in DĂ€nemark
In DĂ€nemark wird Deutsch von den etwa 20.000[52] Angehörigen der deutschen Volksgruppe in Nordschleswig gesprochen und genieĂt Minderheitssprachrechte, ohne jedoch eine offizielle Amtssprache auf nationaler oder regionaler Ebene zu sein.[53] Ein Teil der Minderheit spricht zudem Niederdeutsch als Nordschleswiger Platt. SchĂ€tzungsweise zwei Drittel von ihnen verwenden jedoch den sĂŒdjĂŒtischen Dialekt der dĂ€nischen Sprache als Umgangssprache und Deutsch als Hochsprache.[54] DĂ€nische VolkszĂ€hlungen erfassen keine Angaben zu Sprache und ethnischer Zugehörigkeit. Deutsche Schulen in Nordschleswig sind wie andere freie Schulen in DĂ€nemark zu ĂŒber 80 % staatlich subventioniert; hierzu kommt ein besonderer Zuschlag zur Deckung des zweisprachigen Muttersprachenunterrichtes, so dass deutsche Schulen in der Praxis mit kommunalen Schulen völlig gleichgestellt sind.
â Hauptartikel: ElsĂ€ssisch, Lothringisch (FrĂ€nkisch)
In Frankreich werden die elsĂ€ssischen und lothringisch-frĂ€nkischen Dialekte von ca. 1.200.000 Personen gesprochen, vor allem im Elsass und dem nordöstlichen Teil Lothringens. 61 % der ElsĂ€sser gaben 2001 an, ĂŒber Kenntnisse in ElsĂ€ssisch zu verfĂŒgen. Die Sprecherzahlen sind allerdings rĂŒcklĂ€ufig, insbesondere in Lothringen und in den StĂ€dten.
Die Französische Republik erkennt trotz der Existenz von acht regional verbreiteten Sprachen (und weiteren ĂŒberregional verbreiteten) neben Französisch keine anderen Sprachen als offiziell im Sinne von Amtssprache an. Französisch ist laut Verfassung âSprache der Republikâ. Dennoch besitzen die anderen Sprachen eine offizielle Anerkennung als langues rĂ©gionales â darunter fĂŒr die Region Elsass und das Departement Moselle Deutsch als lokal verbreitete Dialekte und Hochdeutsch als Schriftform und Bezugssprache dieser regionalen Mundarten. Dieser Status wirkt sich zumeist nur in der Bildungspolitik aus, da die Regionalsprachen in unterschiedlicher IntensitĂ€t in der Schule gelernt werden können. Gerade der Status des Deutschen wird jedoch gegenĂŒber anderen Regionalsprachen noch gestĂ€rkt, da infolge der Grenzverschiebungen in den Weltkriegen von einem höheren Bevölkerungsanteil mit mangelnden Französischkenntnissen ausgegangen wurde. So erhalten Mitarbeiter von Behörden einen höheren Lohn, wenn sie Deutsch beherrschen. Einen besonders offiziellen Status erhĂ€lt Deutsch dadurch, dass die offiziellen Wahlkampftexte (profession de foi), die jeder Kandidat vorlegen muss, der sich zu einer Wahl aufstellen lĂ€sst, in einer (inhaltlich gleichen) französischen und deutschen Version sein sollen. Dabei wird nur Hochdeutsch akzeptiert. In jeder anderen Region werden offizielle Veröffentlichungen in jeder anderen Sprache als Französisch nicht anerkannt und z. T. von den PrĂ€fekturen eingezogen. In den Kirchen finden noch manchmal gemischt- oder dialektsprachige Gottesdienste statt.
â Hauptartikel: Walser, Zimbern
In Italien ist Deutsch regional in SĂŒdtirol (neben Italienisch und örtlich Ladinisch) Amtssprache. Daneben besitzt es auch im zur autonomen Region Aosta gehörenden und teils von Walsern bewohnten Tal von Gressoney einen co-offiziellen Status (neben Italienisch und Französisch). Die deutsch-/alemannischsprachige Bevölkerung umfasst hier aber nur einige Dörfer. Von den etwa 487.000 Einwohnern SĂŒdtirols (Stand 2006) gaben bei der letzten VolkszĂ€hlung 2001 etwa 69 % der Bevölkerung der autonomen Provinz Deutsch als ihre Muttersprache an. Seit der Autonomie SĂŒdtirols und der Mitgliedschaft in der EU und dem damit verbundenen Schengener Abkommen ist die Tendenz steigend (VolkszĂ€hlung 1991 etwa 67 %). Etwa 75 % der italienischsprechenden Bevölkerung lebt in den drei gröĂten StĂ€dten Bozen, Meran und Brixen mit 70 %, 48 %, bzw. 26 % Anteil an der jeweiligen Stadtbevölkerung (Stand 2001). Alle öffentlichen Ămter sind gesetzlich zweisprachig, genauso wie sĂ€mtliche Orts- und StraĂenschilder. Diese und andere Beschilderungen im öffentlichen Leben waren bis zum zweiten Autonomiestatus von 1974 beinahe ausschlieĂlich italienisch, da Deutsch diesbezĂŒglich unerwĂŒnscht oder gar verboten war. Heute ĂŒberwiegt das Deutsche auĂer in Bozen und Meran deutlich. AuĂerhalb der genannten gröĂten StĂ€dte in SĂŒdtirol ist das Italienische de facto kaum vorhanden.
Siehe auch: Rechtliche Stellung der deutschen Sprache in SĂŒdtirol
FĂŒr die Niederlande wird die Anzahl der Muttersprachler der deutschen Sprache vielfach mit der Zahl der rund 400.000 Deutschen dort beziffert.
â Hauptartikel: Deutsche Minderheit in Polen
In Polen leben laut VolkszĂ€hlung (2002) circa 153.000 Deutsche, etwa 0,381 % der Gesamtbevölkerung, welche Reste der deutschen Bevölkerung der ehemaligen Ostgebiete darstellen, die der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg entgingen. Die deutsche Minderheit konzentriert sich heute hauptsĂ€chlich auf die Woiwodschaft Oppeln (Opole), wo Deutsch in immer mehr Gemeinden offiziellen Status als âHilfsspracheâ erhĂ€lt. Sie ist eine national anerkannte Minderheit und der âVerband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaftenâ in Polen ist seit 1991 auf Grund vertraglicher Regelung im polnischen Parlament (Sejm) vertreten. Des Weiteren erscheinen mehrere deutschsprachige Zeitungen in Polen mit Auflagen bis zu 10.000 StĂŒck und es gibt neben dem halbstĂŒndigen deutschen Programm von Radio Polonia auch eine deutschsprachige schlesische Radiosendung namens âSchlesien Aktuellâ sowie eine deutsche Fernsehsendung Schlesien Journal. In der Hauptstadt Warschau ist die deutsch-polnische Begegnungsschule Willy-Brandt-Schule in der auch in deutscher Sprache unterrichtet wird. Mehrsprachige Ortsschilder werden laut polnischem Recht ab einem Minderheitsanteil von mindestens 20 % in der jeweiligen Gemeinde oder Stadt verwendet, welche in der Woiwodschaft Oppeln stellenweise erreicht wird. Oftmals werden aber auch private, zweisprachige Beschilderungen in Gemeinden mit etwas geringerem Anteil, wie z. B. Popielow, aufgestellt.[55]
â Hauptartikel: Russlanddeutsche
In Russland ergab die letzte VolkszÀhlung im Jahre 2002 eine Gesamtzahl von 597.212 Deutschen, davon alleine 350.000 in Sibirien. Nur ein Teil der Russlanddeutschen spricht jedoch Deutsch als Muttersprache.
Deutsch ist anerkannte Verkehrssprache der deutschstÀmmigen Bevölkerung in den beiden westsibirischen Nationalkreisen Asowo (Gebiet Omsk) und Halbstadt (Altai-Region).
â Hauptartikel: RumĂ€niendeutsche, Banater Schwaben, Donauschwaben, Sathmarer Schwaben, SiebenbĂŒrger Sachsen
In RumĂ€nien leben etwa 40.000 bis 50.000 deutsche Muttersprachler, was etwa 0,2 bis 0,3 % der rumĂ€nischen Bevölkerung entspricht. Diese Bevölkerungsgruppe setzt sich hauptsĂ€chlich aus den SiebenbĂŒrger Sachsen sowie den Donauschwaben zusammen. Aufgrund der massiven Abwanderung der jungen Generationen nach Deutschland und Ăsterreich vor allem nach 1990 leiden diese Bevölkerungsgruppen jedoch unter einer starken Ăberalterung; das Durchschnittsalter liegt bei etwa 69 Jahren. Trotz dieses niedrigen Bevölkerungsanteils wird die deutsche Sprache weitlĂ€ufig als kulturelles Erbe angesehen, genieĂt alle Rechte einer Minderheitensprache und ist vor allem in StĂ€dten und Gemeinden wie z. B. Hermannstadt, SchĂ€Ăburg, Temeswar oder Sathmar prĂ€sent, weshalb dort auch des Ăfteren mehrsprachige Beschilderungen zu finden sind. DarĂŒber hinaus ist die deutsche Minderheit durch die Partei âDemokratisches Forum der Deutschen in RumĂ€nienâ auch politisch aktiv und stellt beispielsweise den gegenwĂ€rtigen (2007) BĂŒrgermeister von Hermannstadt. In den Verdichtungsgebieten der deutschen Minderheit mit bis etwa 5 % Einwohneranteil besteht auch nennenswerte deutsche Infrastruktur in Form von KindergĂ€rten, Grund-, Haupt- und Hochschulen sowie Theatern, aber auch Zeitungen wie der wöchentlichen HermannstĂ€dter Zeitung.[56]
â Hauptartikel: Deutsche in Tschechien, Sudetendeutsche, Deutschböhmen
In Tschechien existiert noch eine kleine deutsche Minderheit von etwa 41.200 Menschen (0,4 % der Gesamtbevölkerung), Ăberreste der Sudetendeutschen, die der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg entgangen waren. Die Zahl der deutschen Muttersprachler sinkt bestĂ€ndig, da vor allem die jĂŒngeren Generationen der Minderheit einem extremen Assimilationsdruck des Tschechischen ausgeliefert sind und zum groĂen Teil nicht mehr mit Deutsch aufwachsen. Die Bezeichnung âSudetendeutscheâ ist darĂŒber hinaus auch nicht mehr gebrĂ€uchlich, stattdessen verwendet man gewöhnlich den Begriff âDeutsche in Tschechienâ, welche seit der Wende 1990 gewisse Minderheitenrechte genieĂen und in der âLandesversammlung der Deutschen in Böhmen, MĂ€hren und Schlesienâ sowie im âKulturverband der BĂŒrger deutscher NationalitĂ€tâ organisiert sind. Deutsche Infrastruktur, wie KindergĂ€rten, Schulen, StraĂen- oder Ortsschilder existieren flĂ€chendeckend nicht mehr und die deutsche Sprache hat weder regionales noch nationales Amts- oder Verkehrssprachenstatut. Es erscheinen jedoch deutschsprachige Wochenzeitungen wie die âLandeszeitung der Deutschen in Böhmen, MĂ€hren und Schlesienâ und die âPrager Zeitungâ.
In der gröĂten Stadt Istanbul leben seit mehreren Jahrhunderten rund 25.000 Bosporus-Deutsche.
â Hauptartikel: Ungarndeutsche
Die deutsche Minderheit in Ungarn (Ungarndeutsche) genieĂt Minderheitenrechte, ist jedoch, besonders in den jĂŒngeren Generation, bereits weitgehend assimiliert, so dass Deutsch meistens nur noch als Fremdsprache gelernt wird. Offiziell spricht man von etwa 200.000 Ungarndeutschen. TatsĂ€chlich dĂŒrften davon aber höchstens noch etwa 50.000 deutsche Muttersprachler sein (etwa 0,5 % der Gesamtbevölkerung). Da die Minderheit sehr zerstreut ĂŒber das Land lebt und nur wenig IdentitĂ€tsbewusstsein hat, spricht man daher oft von einer DoppelidentitĂ€t der Ungarndeutschen. Zweisprachige Orts-, StraĂen-, Verkehrs- und Amtschilder findet man beispielsweise in der Stadt Ădenburg (Sopron) nahe der österreichischen Grenze und vereinzelt auch in anderen Landesteilen. In anderen Gebieten mit gröĂerer deutscher Minderheit gibt es sehr vereinzelt deutsche Kindergartengruppen oder Schulklassen. Die deutsche Minderheit in Ungarn ist in der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen organisiert.
(alphabetisch geordnet)
â Hauptartikel: Deutsch-Australier
Laut den Ergebnissen der letzten VolkszĂ€hlung sprachen im Jahre 2006 77.576 oder etwa 0,4 % der damals bekannten 19.855.287 Einwohner Australiens zu Hause deutsch. Die meisten dieser Deutsch-Sprecher lebten, wie die Mehrheit der Gesamtbevölkerung, in den MillionenstĂ€dten des Landes (Melbourne, Sydney, Brisbane, Perth, Adelaide). Den gröĂten Anteil an der Gesamtbevölkerung mit festem Wohnsitz bildeten die Deutschsprecher in Adelaide (0,57 %) und seinen Vororten (0,68 %), der Sunshine Coast (0,64 %) und Gold Coast (0,52 %), der Cape-York-Halbinsel einschlieĂlich der feuchten Tropen mit Cairns und Umland (0,61 %), sowie einem Teil des Grenzgebietes zwischen Neu-SĂŒd-Wales und Victoria (0,52 %), auĂerdem in Melbourne und entlang der KĂŒste von Neu-SĂŒd-Wales.
Zu diesen praktizierenden Deutschsprechern kommen diejenigen hinzu, die Deutsch beherrschen, es aber nicht mehr tÀglich verwenden.
Noch ĂŒber diese hinaus ist die Zahl der DeutschstĂ€mmigen wesentlich höher, betrĂ€gt vielleicht etwa eine halbe bis eine Million Menschen oder mehr, ist aber damit im Vergleich zum Anteil der DeutschstĂ€mmigen an der Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika dennoch ziemlich gering. Dessen ungeachtet spielten einige Deutsche eine recht bedeutende Rolle in der Geschichte, insbesondere bei der Entdeckung und Erforschung Australiens.
â Hauptartikel: Deutsch-Brasilianer
Wahrhaft reprĂ€sentative und fundierte Zahlen zur Zahl der deutschen Muttersprachler in Brasilien gibt es nicht. SchĂ€tzungen zufolge leben in Brasilien jedoch etwa zwei bis fĂŒnf Millionen DeutschstĂ€mmige, von denen etwa 850.000 bis 900.000 bilingual (Deutsch und Portugiesisch) sein dĂŒrften und somit als deutsche Muttersprachler gewertet werden könnten. Diese Bevölkerungsgruppe konzentriert sich im Wesentlichen auf die Staaten Santa Catarina und Rio Grande do Sul im SĂŒden des Landes und hier eher auf kleine, nicht an der KĂŒste liegende StĂ€dte. Beispiele hierfĂŒr sind Pomerode, Santa Rosa de Lima oder Treze Tilias, in denen noch groĂe Teile der Bevölkerung Deutsch sprechen. WĂ€hrend diese Region Anfang des 20. Jahrhunderts noch hauptsĂ€chlich deutschsprachig war, wurde die deutsche Sprache durch Assimilation und durch UnterdrĂŒckung oder gar Verbot in der Mitte des 20. Jahrhunderts â besonders wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges â durch Portugiesisch verdrĂ€ngt. Im Laufe der Jahre hat sich die Situation jedoch maĂgeblich geĂ€ndert, so dass heute die deutsche Sprache als kulturelles Erbe besonders gefördert wird und der Region um Blumenau sogar als touristisches AushĂ€ngeschild dient, obgleich gerade hier die deutsche Sprache nur noch begrenzt gesprochen wird. Deutsche Infrastruktur in Form von Zeitungen und Schulen existiert zwar begrenzt, doch im öffentlichen Bereich ist Deutsch kaum vorhanden, da Portugiesisch alleinige Amtssprache ist und der Schaden durch UnterdrĂŒckung an der deutschen Sprachgruppe in Brasilien zu groĂ und andauernd war, um reversibel zu sein.
Siehe auch: Riograndenser HunsrĂŒckisch, Deutschsprachige in Lateinamerika
In Kanada sprechen 438.000 Menschen Deutsch als Muttersprache[37], darunter auch viele Mennoniten etwa in Ontario. Das entspricht etwa 1,5 % der Gesamtbevölkerung. Diese sind meist deutsche Siedler aus dem 19. sowie Einwanderer aus 20. Jahrhundert. In Kanada sind jedoch nur Französisch und Englisch Amtssprachen.
Deutsch war mit Afrikaans und Englisch Amtssprache im damaligen SĂŒdwestafrika in der Zeit der Apartheid von Juni 1984 bis zur UnabhĂ€ngigkeit Namibias 1990. Seitdem ist Englisch die einzige landesweite offizielle Amtssprache und Deutsch nunmehr Verkehrssprache und eine von etwa 20 âNationalsprachenâ des Landes und wird somit gezielt von der namibischen Regierung gefördert. Damit ist Namibia das einzige auĂereuropĂ€ische Land, in dem Deutsch einen besonderen politischen Status besitzt. Die deutsche Sprache steht auĂerdem unter besonderem Schutz und ist als Teil der namibischen Kultur gesetzlich verankert. Diese Sprachpolitik soll jedoch nicht als Herabsetzung des Deutschen, des Afrikaans oder der zahlreichen afrikanischen Sprachen gegenĂŒber dem Englischen gesehen werden; die junge Nation Namibia wollte vielmehr eine âneutraleâ und leicht erlernbare Sprache zur alleinigen Amtssprache erheben, die keine der bestehenden Bevölkerungsteile bevorzugt, um die IntegritĂ€t des Landes zu gewĂ€hrleisten. Etwa 30.000 Namibier (etwa 1,5 % der Gesamtbevölkerung) geben Deutsch als ihre Muttersprache an. Afrikaans und Englisch sind jedoch auch nicht viel weiter verbreitet, besonders unter der lĂ€ndlichen schwarzafrikanischen Bevölkerung, die den GroĂteil der Einwohner des Landes darstellt.
â Hauptartikel: Unserdeutsch
Der ozeanische Staat Papua-Neuguinea (damals mit dem Namen Deutsch-Neuguinea) war von 1884 bis 1914 in deutschem Besitz und dadurch eine Kolonie. Zwar wurden die meisten Kolonisten aus dem Deutschen Kaiserreich 1915 von australischen Truppen vertrieben, die Nationalsprache Tok Pisin ist allerdings durch die deutsche Sprache beeinflusst worden. Weitere Amtssprachen sind die neue Kolonialsprache Englisch und Hiri Motu. Als Muttersprache wird die deutsche Sprache lediglich von etwa 100 zumeist Àlteren Menschen gesprochen. Die hier gesprochene lokale VarietÀt nennt sich Unserdeutsch.
â Hauptartikel: Deutschsprachige in Lateinamerika
In Paraguay haben laut Ethnologue 166.000 Personen Standarddeutsch als Muttersprache, darunter 19.000, die Standarddeutsch und Plautdietsch zusammen als Muttersprache haben. Hinzu kommen weitere 19.000 Personen, deren Muttersprache allein Plautdietsch ist.[57]
Eine wichtige Gruppe unter den deutschsprachigen Einwohnern Paraguays sind die deutschsprachigen Mennoniten, die seit 1927 meist aus Russland eingewandert sind. Durch weitere Zuwanderung aus den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko belĂ€uft sich ihre Anzahl inzwischen auf 45.000-50.000 Personen. Sie leben vor allem im Nordwesten des Landes und im Chaco, wo sie eine zahlenmĂ€Ăig unbedeutende, aber mit groĂer Wirtschaftskraft und bestimmten Privilegien ausgestattete Minderheit bilden. Sie sprechen meist den niederdeutschen Dialekt Plautdietsch. Dennoch spielt das Hochdeutsche in den mennonitischen Kolonien eine signifikante Rolle: insbesondere als Kirchen-, Schul- und Verwaltungssprache sowie als Sprache der Medien.
5 bis 7 % der paraguayischen Bevölkerung sind Einwanderer deutscher Herkunft. Die VolkszĂ€hlung im Jahr 2002 belegt 1838 (ca. 0,035 % der Bevölkerung) in Paraguay lebende Personen, die in Deutschland geboren sind. In der Regierungszeit des deutschstĂ€mmigen Diktators Alfredo Stroessner, der von 1954â1989 das Amt des StaatsprĂ€sidenten innehatte, sind zehntausende aus Brasilien stammende Deutschbrasilianer eingewandert. Allein in den Jahren 1973/74 waren es 42.000, vor allem in die Departamente Alto ParanĂĄ, CaazapĂĄy, Itapua, CanendiyĂș, CaaguazĂș und San Pedro. Allein in diesen Departamenten leben heute weit ĂŒber 100.000 Deutschbrasilianer in 9 GroĂ- und 45 Randsiedlungen. Ein weiteres Zentrum der Einwanderung liegt um Hohenau herum mit mindestens 30-35.000 Deutschbrasilianern. Seit dem Sturz Stroessners im Februar/MĂ€rz 1989 kamen weitere 150.000 DeutschstĂ€mmige aus SĂŒdbrasilien dazu. An der argentinischen Grenze wohnen auch viele polnisch- und ukrainischstĂ€mmige Menschen.
Heute wird Deutsch in den Vereinigten Staaten von etwa 1,5 Millionen Menschen gesprochen.
Einer Hochrechnung des U.S. Census Bureau auf der Grundlage des American Community Survey von 2003 zufolge ist es Heimsprache von 1.094.000 Einwohnern der Vereinigten Staaten und liegt damit an siebter Stelle unter den meistgesprochenen Sprachen[42].
Dass Hochdeutsch beinahe Amtssprache der Vereinigten Staaten geworden wĂ€re, ist ein GerĂŒcht, das auf eine Fehlinterpretation zurĂŒckzufĂŒhren ist (Muhlenberg-Legende). TatsĂ€chlich bezog sich dieses GerĂŒcht auf den gescheiterten Versuch, Gesetzestexte im Staat Virginia in Zukunft auch auf Deutsch veröffentlichen zu lassen.
Allerdings stellen die Deutschen wohl insgesamt, je nach Rechnungsweise, die zahlenmĂ€Ăig bedeutendste oder zweit-bedeutendste Gruppe von Vorfahren der heutigen Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika dar, um den ersten Platz mit Nachfahren von Einwanderern von den britischen Inseln (EnglĂ€ndern, Schotten, Kymren, Iren -- je nachdem, ob diese zusammengerechnet werden, oder nicht, und wer als Deutscher gilt; siehe Census) konkurrierend.
Siehe auch: Geschichte der Deutschen in den Vereinigten Staaten, Sprachen in den Vereinigten Staaten
Die Bezifferung der Fremdsprachler der deutschen Sprache weltweit beruht auf sehr vagen SchĂ€tzungen. Die mit gut 16 Millionen geringste genannte Anzahl basiert auf einer Erhebung der StĂ€ndigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache des AuswĂ€rtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland und des Goethe-Instituts aus dem Jahr 2005 (die Erhebung aus dem Jahr 2000 bezifferte die Deutschlernerzahl weltweit noch auf gut 20 Millionen)[58], ist aber in der Aussage, alle Menschen zu erfassen, die Deutsch als Fremdsprache beherrschen, ebenso unrealistisch wie entgegengesetzte Extremzahlen von mehreren 100 Millionen. Die von der StĂ€ndigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache genannte Zahl ist allenfalls geeignet, die Anzahl derjenigen zu beziffern, die Deutsch im Ausland in erfassten Bildungseinrichtungen als Fremdsprache erlernen und schlieĂt mithin nicht diejenigen ein, die auf anderem Wege â z. B. durch âdirekte BerĂŒhrungâ in den deutschsprachigen LĂ€ndern und angrenzenden Regionen (u. a. Gastarbeiter) oder durch Kurse (UniversitĂ€ten, Volkshochschulen etc.) die deutsche Sprache erlernt haben.
Allein schon fĂŒr den Bereich der EuropĂ€ischen Union wurde im Mai bis Juni des Jahres 2005 durch das Eurobarometer eine Anzahl von rund 55 Millionen EU-BĂŒrgern (12 Prozent) ermittelt, die Deutsch als Fremdsprache beherrschen, darunter rund 6 Millionen in Deutschland, in einer zweiten Erhebung des Eurobarometers von November bis Dezember sind es 14 Prozent[59] (siehe auch Kurzfassung in Amtssprachen der EuropĂ€ischen Union). Unter BerĂŒcksichtigung einer Gesamtbandbreite aus Standardabweichung und Wahrscheinlichkeit ist von einer Anzahl zwischen 50 und 60 Millionen innerhalb der EU auszugehen. Nicht inbegriffen in diese Zahl sind unter anderen die Fremdsprachler der deutschen Sprache in der Schweiz (mehr als 2 Millionen), in Russland (nach SchĂ€tzungen könnten es 10 Millionen oder mehr sein, nach Angabe der StĂ€ndigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache: knapp 5 Millionen), in LĂ€ndern auĂerhalb der EU, in denen ehemalige Gastarbeiter und ihre Familien leben (TĂŒrkei, Ex-Jugoslawien).
Deutsch wird in vielen LĂ€ndern als Fremdsprache gelehrt. Die Lehr- und Lernmittel enthalten das Standarddeutsch der Schweiz, Ăsterreichs oder Deutschlands.
In Europa ist die deutsche Sprache nach Englisch und Russisch als Fremdsprache am weitesten verbreitet. Besonders hĂ€ufig wird Deutsch als Fremdsprache in den Niederlanden, in Flandern, Skandinavien, Russland, im Baltikum, in Slowenien, Kroatien, Polen, Bosnien und Herzegowina, in der frankophonen sowie in der italienischsprachigen Schweiz, in Serbien, Montenegro, Ungarn, der Slowakei,[60] Tschechien, Mazedonien, WeiĂrussland und Bulgarien gewĂ€hlt. In einigen dieser LĂ€nder und Regionen ist Deutsch in der Schule die erste Fremdsprache; es steht damit noch vor dem Englischen. Auch in Japan lernt man hĂ€ufig Deutsch. In anderen LĂ€ndern, so in Frankreich (rund vier Millionen nach Eurobarometer, die Deutsch als Fremdsprache beherrschen) und den USA, wo nach einer Gallup-Studie aus dem Jahre 2001 rund 7,5 Millionen Amerikaner Deutsch als Fremdsprache beherrschen[61], verliert Deutsch zunehmend an Bedeutung gegenĂŒber Spanisch. In Ostasien (Japan) wurde im 19. und 20. Jahrhundert Deutsch als Medizinsprache verwendet (an Stelle von Latein).
Deutsch war im Jahr 2002 die nach Englisch am meisten verwendete Sprache im Internet (gefolgt von Französisch, Japanisch, Spanisch und Chinesisch). Etwa 7,7 Prozent aller Seiten im Internet waren damals auf Deutsch (Internetseiten auf Englisch: etwa 50 %.).[62] FĂŒr 2007 werden etwa 5,9 % fĂŒr das Deutsche angegeben (45 % fĂŒr das Englische, 4,4 % fĂŒr Französisch)[63].
Nach einer Erhebung der StÀndigen Arbeitsgruppe Deutsch als Fremdsprache, der u. a. das AuswÀrtige Amt und das Goethe-Institut angehören, gab es 2000 die meisten Deutschlerner in:
Nach Darstellung der Eurobarometer-Umfrage 2006 ist unter den EuropĂ€ern Deutsch zusammen mit Französisch die zweithĂ€ufigst gesprochene Fremdsprache. Mehr als jeder dritte EuropĂ€er spricht Englisch (38 %) und jeder siebte Deutsch (14 %) als Fremdsprache. Vor allem in den Niederlanden (wo ungefĂ€hr 87 % der Bevölkerung ĂŒber Englisch-, 70 % ĂŒber Deutschkentnisse verfĂŒgen), in der Slowakei, in Ungarn, Tschechien, aber auch Polen, Estland, DĂ€nemark, Schweden, Kroatien, Slowenien ist die Kenntnis der deutschen Sprache weit verbreitet; in diesen LĂ€ndern liegt der Anteil der Bevölkerung mit Deutschkenntnissen bei rund 20 bis rund 55 Prozent.
Im Einzelnen sprechen nach dieser Angabe Deutsch als Fremdsprache:
Deutsch ist eine von 23 Amtssprachen der EuropÀischen Union und neben Englisch und Französisch auch Arbeitssprache der EuropÀischen Union. Deutsch ist die meistgesprochene Muttersprache in der EuropÀischen Union und knapp nach Englisch und mit Abstand vor Französisch zweitmeistgesprochene Sprache (Mutter- und Fremdsprachler) der EuropÀischen Union.
In der UNO ist Deutsch keine Amts- respektive Arbeitssprache. Eine Sonderstellung gegenĂŒber den anderen Nicht-Amtssprachen besteht darin, dass seit 1975 der Deutsche Ăbersetzungsdienst der Vereinten Nationen fĂŒr wichtige offizielle Dokumente deutsche Versionen erstellt. Finanziert wird der Dienst, der in das UN-Sekretariat eingegliedert ist, von einem Treuhandfonds, den Deutschland, Liechtenstein, Ăsterreich und die Schweiz mit BeitrĂ€gen fördern.
Die Weltorganisation fĂŒr geistiges Eigentum, eine Behörde der Vereinten Nationen, verwaltet den Vertrag ĂŒber die Internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Patentwesens, kurz PCT genannt. Im Rahmen des PCT ist Deutsch, neben Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch, eine der Sprachen, in der Patentanmeldungen eingereicht werden können.
Das NordatlantikbĂŒndnis NATO arbeitet lediglich mit zwei Amtssprachen: Englisch und Französisch.
Zu den wichtigsten internationalen Institutionen (auĂerhalb der EU), welche Deutsch zu ihren offiziellen Sprachen zĂ€hlen, gehören unter anderem:
Siehe auch: Grammatikbegriffe im Deutschen
Erbwörter sind diejenigen Lexeme, die seit der Zeit des Protogermanischen ununterbrochen Teil des Wortschatzes derjenigen germanischen VarietĂ€ten gewesen sind, aus denen sich das heutige Deutsche entwickelt hat. Einen groĂen Teil dieser Wörter hatte das Protogermanische seinserseits aus dem Protoindogermanischen/ProtoindoeuropĂ€ischen ererbt.
Zu den Erbwörtern gehören Wörter wie zwei, Zaun, hundert, Liebe, Zahn oder Vieh. Lehn- und Fremdwörter entstammen nicht dem germanischen Grundstock, sondern sind in die deutsche Sprache gelangt. Die meisten dieser Worte stammen aus anderen indogermanischen/indoeuropĂ€ischen Sprachen. Dabei sind Fremdwörter im Gegensatz zu Lehnwörtern an der Betonung, der Schreibweise oder der Aussprache als fremd erkennbar. Beispiele fĂŒr Lehnwörter aus dem Lateinischen sind Fenster, Wein, StraĂe, Ziegel oder Rettich, wĂ€hrend Pfaffe, Kirche, Graf, Meter und Thron altgriechischen Ursprungs sind. Einige Lehnwörter hat das Deutsche aus dem HebrĂ€ischen ĂŒbernommen, wie z. B. dufte (aus ŚŚÖčŚ, gut) oder Pleite (aus Ś€ŚŚŚ, Flucht).
Fremdwörter altgriechischer Herkunft sind Biologie, Theologie, Mathematik, Apotheke, Arktis, Historie, Chronometer, Demokratie oder Arithmetik. Fremdwörter italienischer Herkunft sind beispielsweise Bank, Bilanz oder Melone; aus dem Französischen stammen Garderobe, Toilette und Pissoir.
Die allermeisten Lehn- und Fremdwörter in der deutschen Sprache sind ihrerseits indogermanischen Ursprungs. So gehen Bruch und Fraktur auf ein und dasselbe indogermanische Wort zurĂŒck. WĂ€hrend Bruch ein germanisches Erbwort ist, entstammt Fraktur (oder Fraktion sowie Fragment) dem Lateinischen. Ăhnlich verhĂ€lt es sich mit dem Erbwort Joch und dem indischen Fremdwort Yoga.
Beim Projekt Gutenberg-DE gibt es Texte von ĂŒber 1000 Autoren. Wikisource enthĂ€lt mehr als 9300 deutschsprachige Werke.
Siehe auch: Deutsche Literatur, Deutschsprachige Schriftsteller, Sprichwörter
Zu WörterbĂŒchern:
Zum deutschen Wortschatz (Erb-, Lehn- und Fremdwörter):
Zu Sprachkontakten der deutschen Sprache;
Zur Geschichte:
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