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Deutschland

Dieser Artikel behandelt den deutschen Staat, im engeren Sinn die Bundesrepublik Deutschland; zu weiteren Bedeutungen siehe Deutschland (BegriffsklÀrung).
Bundesrepublik Deutschland
Flagge Deutschlands
Bundeswappen Deutschlands
Flagge Wappen
Amtssprache Deutsch;[1] zudem die anerkannten Minderheitensprachen, teilweise nur regional
Hauptstadt Berlin
Staatsform parlamentarische Bundesrepublik
Regierungssystem parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt BundesprÀsident
Joachim Gauck
Regierungschef Bundeskanzlerin
Angela Merkel
FlĂ€che 357.167,94 (61.)[2] kmÂČ
Einwohnerzahl 80,781 Mio. (30. November 2013)[3]
Bevölkerungsdichte 226 (37.)[4] Einwohner pro kmÂČ
Bevölkerungs­entwicklung â–Č +0,2 % (Dez. 2011–Dez. 2012)[5] pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (KKP)
2011[6]
  • 3.636 Mrd. USD (4.)
  • 3.233 Mrd. USD (5.)
  • 43.742 USD (20.)
  • 37.897 USD (18.)
Human Development Index â–Č 0,920 (5.) (2012)[7]
WĂ€hrung Euro (EUR)
GrĂŒndung 1. Januar 1871: Deutsches Reich (völkerrechtl. 1. Juli 1867: Norddeutscher Bund)
23. Mai 1949: Bundesrepublik Deutschland (Grundgesetz)[8]

Siehe Abschnitt „StaatsgrĂŒndung“.

Nationalhymne Das Lied der Deutschen (dritte Strophe)
Datei:National anthem of Germany - U.S. Army 1st Armored Division Band.ogg
Nationalfeiertag 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit)
Zeitzone UTC+1 MEZ
UTC+2 MESZ (MĂ€rz bis Oktober)
Kfz-Kennzeichen D
ISO 3166 DE, DEU, 276
Internet-TLD .de
Telefonvorwahl +49
ÄgyptenTunesienLibyenAlgerienMarokkoMauretanienSenegalGambiaGuinea-BissauGuineaSierra LeoneLiberiaElfenbeinküsteGhanaTogoBeninNigeriaÄquatorialguineaKamerunGabunRepublik KongoAngolaDemokratische Republik KongoNamibiaSüdafrikaSwasilandMosambikTansaniaKeniaSomaliaDschibutiEritreaSudanRuandaUgandaBurundiSambiaMalawiSimbabweBotswanaÄthiopienSüdsudanZentralafrikanische RepublikTschadNigerMaliBurkina FasoJemenOmanVereinigte Arabische EmirateSaudi-ArabienIrakIranKuwaitKatarBahrainIsraelSyrienLibanonJordanienZypernTürkeiAfghanistanTurkmenistanPakistanGriechenlandItalienMaltaFrankreichPortugalSpanienMauritiusRéunionMayotteKomorenSeychellenMadagaskarSao Tome und PríncipeSri LankaIndienIndonesienBangladeshVolksrepublik ChinaNepalBhutanMyanmarKanadaDänemark (Grönland)IslandMongoleiNorwegenSchwedenFinnlandIrlandVereinigtes KönigreichNiederlandeBelgienDänemarkSchweizÖsterreichDeutschlandSlowenienKroatienTschechische RepublikSlowakeiUngarnPolenRusslandLitauenLettlandEstlandWeißrusslandMoldawienUkraineMazedonienAlbanienMontenegroBosnien und HerzegowinaSerbienBulgarienRumänienGeorgienAserbaidschanArmenienKasachstanUsbekistanTadschikistanKirgisistanRusslandVereinigte StaatenMaledivenJapanNordkoreaSüdkoreaRepublik ChinaSingapurMalaysiaPhilippinenThailandVietnamLaosKambodschaIndienVenezuelaGuyanaSurinameFrankreich (Französisch-Guayana)BrasilienKap VerdeSpanien (Kanaren)Dominikanische RepublikPuerto RicoDominkanische RepublikBahamasJamaikaKubaMexikoMexikoVenezuelaGuyanaSurinameFrankreich (Französisch-Guayana)BrasilienKap VerdeSpanien (Kanaren)Dominikanische RepublikPuerto RicoDominkanische RepublikBahamasJamaikaKubaMexikoMexikoDänemark (Färöer)Germany in the European Union on the globe (Europe centered).svg
Über dieses Bild
Deutschland politisch 2010.png

Deutschland?/i (Vollform Bundesrepublik Deutschland) ist ein bundesstaatlich verfasstes Land in Mitteleuropa, das aus den 16 deutschen LĂ€ndern gebildet wird. Die Bundesrepublik ist ein freiheitlich-demokratischer und sozialer Rechtsstaat[9] und stellt die jĂŒngste AusprĂ€gung des deutschen Nationalstaates dar.[10] Bundeshauptstadt und grĂ¶ĂŸte deutsche Stadt ist Berlin.

An Deutschland grenzen neun NachbarlĂ€nder und naturrĂ€umlich im Norden die GewĂ€sser der Nord- und Ostsee, im SĂŒden das Bergland der Alpen. Es liegt in der gemĂ€ĂŸigten Klimazone, zĂ€hlt mit rund 80,8 Millionen Einwohnern[11] zu den dicht besiedelten FlĂ€chenstaaten und ist nach den USA das zweitbeliebteste Einwanderungsland der Welt.

Deutschland ist GrĂŒndungsmitglied der EuropĂ€ischen Union sowie deren bevölkerungsreichstes Land und bildet mit 17 anderen EU-Mitgliedstaaten eine WĂ€hrungsunion, die Eurozone. Es ist Mitglied der UNO, der OECD, der NATO, der G7 und der G20. Die Bundesrepublik gilt als politisch einflussreicher Staat in Europa und ist ein gesuchtes Partnerland auf globaler Ebene.[12]

Gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt ist Deutschland die grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft Europas und viertgrĂ¶ĂŸte der Welt.[6] Im Jahr 2012 war es die drittgrĂ¶ĂŸte Export- und Importnation.[13] Der Index fĂŒr menschliche Entwicklung zĂ€hlt Deutschland zu den sehr hoch entwickelten LĂ€ndern.[14]

Inhaltsverzeichnis

Historischer KurzĂŒberblick

Die geschichtliche Entwicklung Deutschlands reicht weit zurĂŒck: Das Land umfasste unterschiedliche Gebiete und Völker und bildete erst im 19. Jahrhundert einen eigenen Nationalstaat. Im Verlauf der Völkerwanderung brach das Weströmische Reich im 5. Jahrhundert n. Chr. zusammen. Es etablierten sich germanisch-romanische Nachfolgereiche, wovon das von den Merowingern gegrĂŒndete Frankenreich das bedeutendste war. Im FrĂŒhmittelalter expandierte das Frankenreich unter den Karolingern weiter und umfasste in der Zeit Karls des Großen weite Teile des heutigen Deutschlands, der Benelux-LĂ€nder, Frankreichs, Italiens, der Schweiz und Österreichs. Nach dem Zerfall des Karolingerreichs im 9. Jahrhundert wurde das Ostfrankenreich zur Keimzelle des spĂ€teren Deutschlands, ohne dass sich aber im Mittelalter ein „deutsches Nationalbewusstsein“ entwickelte. Das sich im 10. Jahrhundert formierende römisch-deutsche Reich, das seit dem SpĂ€tmittelalter auch als Heiliges Römisches Reich bezeichnet wurde, hatte vielmehr einen supranationalen Charakter. Die Herrschaftsgewalt der römisch-deutschen Könige und Kaiser war traditionell viel weniger ausgeprĂ€gt als etwa in den westeuropĂ€ischen Reichen, wĂ€hrend die zahlreichen Landesherren eine vergleichsweise starke Stellung genossen. Dies begrĂŒndete die Tradition des deutschen Föderalismus, wodurch sich bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1806 keine starke herrschaftliche Zentralgewalt durchsetzen konnte. Das Reich wurde in der FrĂŒhen Neuzeit durch Reformation, Gegenreformation und den DreißigjĂ€hrigen Krieg herausgefordert.

Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches wurde 1815 der Deutsche Bund als lockerer Zusammenschluss gebildet. Der Bund bestand bis 1866, als die zunehmenden Spannungen zwischen den deutschen FĂŒhrungsmĂ€chten Österreich und Preußen sich in einem offenen Machtkampf entluden. Preußen siegte militĂ€risch, sodass 1867 der Norddeutsche Bund unter preußischer Vorherrschaft gebildet wurde. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurde 1871 das deutsche Kaiserreich als erster deutscher Nationalstaat ausgerufen. Nach der militĂ€rischen Niederlage im Ersten Weltkrieg kam es 1918 zur Novemberrevolution und zur Bildung einer parlamentarisch-demokratischen Republik. Die sogenannte Weimarer Republik hatte trotz „Goldener Zwanziger“ unter erheblicher innenpolitischer InstabilitĂ€t zu leiden. Der erste demokratische deutsche Staat ging infolge der Weltwirtschaftskrise und der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler unter. Es folgte von 1933 bis 1945 die Zeit des Nationalsozialismus, in der innere Gegner der totalitĂ€ren und rassistischen Diktatur verfolgt und ermordet wurden, wĂ€hrend das Regime die Ă€ußere Expansion anstrebte. Dies mĂŒndete in den von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg, Massenmorde (einschließlich dem Holocaust) und endete mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945.

Die vier alliierten SiegermĂ€chte fĂŒhrten die Aufteilung Deutschlands und Berlins durch: Eine östliche und drei westliche Besatzungszonen wurden gebildet. In den drei Westzonen entstand nach westlich-demokratischem Vorbild 1949 die Bundesrepublik Deutschland,[15] aus der sowjetischen Zone die Deutsche Demokratische Republik (DDR). WĂ€hrend des Kalten Krieges blieb Deutschland geteilt, bis es am 9. November 1989 zum Fall der Berliner Mauer kam. Dies war das Resultat der friedlichen Revolution in der DDR und dem damit einhergehenden Zusammenbruch der DDR-Diktatur. Am 3. Oktober 1990 kam es schließlich zur deutschen Wiedervereinigung, der Tag der Deutschen Einheit ist seitdem der Nationalfeiertag.

→ Weiteres im Abschnitt Geschichte bzw. ausfĂŒhrlich unter Geschichte Deutschlands.

Begriffsgeschichte

Deutsch

→ Hauptartikel: deutsch (Etymologie)

Im Sachsenspiegel von 1369 steht (auf Mittelniederdeutsch): „Iewelk dĂŒdesch lant hevet sinen palenzgreven“ („jegliches deutsche Land hat seinen Pfalzgrafen“)

Die etymologischen Vorformen von „deutsch“ bedeuteten ursprĂŒnglich „zum Volk gehörig“, wobei das Adjektiv zunĂ€chst die Dialekte des kontinental-westgermanischen Dialektkontinuums bezeichnete.[16] Die Bezeichnung Deutschland wird seit dem 15. Jahrhundert verwendet, ist in einzelnen SchriftstĂŒcken aber schon frĂŒher bezeugt.[17] Davor sind nur WortfĂŒgungen des Attributs deutsch mit Land belegt, beispielsweise in der unbestimmten Singularform ein deutsches Land oder der bestimmten Pluralform die deutschen LĂ€nder, nicht aber in der bestimmten Singularform das deutsche Land. Gemeint waren vielmehr LĂ€nder mit einer FĂŒhrungsschicht, die sich auf den politischen Herrschaftsanspruch bezog, der durch das (Ost-)FrĂ€nkische, spĂ€ter Heilige Römische Reich, als begrĂŒndet angesehen worden war. In einem Buch von 1487 ist u. a. von „in teutschen landen lassen machen“ zu lesen.[18]

Die Reichskrone des Heiligen Römischen Reiches (Sacrum Romanum Imperium). Das Herrschaftsgebiet erhĂ€lt im spĂ€ten 15. Jahrhundert den Zusatz Deutscher Nation (Nationis GermanicĂŠ). Die Begriffe wurden als Synonym vor allem fĂŒr (vor-)staatliche Gebilde verwendet, die in wesentlichen Bereichen des deutschen Sprach- und/oder Herrschaftsgebiets entstanden waren. Das Heilige Römische Reich („Altes Reich“) hatte sich im 10. Jahrhundert aus dem Ostteil des FrĂ€nkischen Reiches entwickelt. Mit den NamenszusĂ€tzen Heilig und Deutscher Nation (Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation) bildete sich zwischen dem 12. Jahrhundert und 1648 ein Staatenbund heraus. Nach der Niederlegung der Reichskrone 1806 dominierten das Kaisertum Österreich, das Königreich Preußen und der Rheinbund das staatliche Geschehen im Vorstellungsraum Deutschlands; nach 1815 folgte als die deutsche NationalitĂ€t sichernder Staatenbund der Deutsche Bund unter der FĂŒhrung Österreichs. Die Konkurrenz mit Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland spitzte sich zum deutschen Dualismus zu. Mit dem Deutschen Krieg und der Schlacht bei KöniggrĂ€tz entschied Preußen ihn 1866 zu seinen Gunsten.

Mit den von Preußen initiierten Staatsformen, die unter dessen Vormachtstellung verfassungsgeschichtlich an die ĂŒberkommene und den politischen HandlungstrĂ€gern vertraute Rechtslage des Deutschen Bundes anknĂŒpften,[19] wurden in zwei Schritten seit 1867 große Teile des deutschen Sprachraums in einem Staat vereinigt. Umfasste der Norddeutsche Bund lediglich die Staaten nördlich der Mainlinie, wurde der Ausdruck Deutschland durch die Reichseinigung und Proklamation des Deutschen Reiches 1871 mit demselben identisch.

Deutschland

Im Verlauf der Novemberrevolution 1918 am Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Abdankung der deutschen BundesfĂŒrsten erzwungen. Nach dem Ende der Monarchie wurde diskutiert, mit der Staatsbezeichnung Deutsche Republik oder Republik Deutschland die ausgerufene Staatsform zu unterstreichen, doch auch die sogenannte Weimarer Republik behielt die offizielle Bezeichnung Deutsches Reich bei.

Die nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie entstandene Republik Deutschösterreich strebte 1919 einen Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich an, der jedoch wegen des von den SiegermÀchten verhÀngten Anschlussverbotes nicht realisiert werden konnte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die HauptsiegermĂ€chte den Begriff Deutschland ausschließlich fĂŒr das von ihnen besetzte Deutsche Reich (ohne Österreich). 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland durch die USA und Großbritannien sowie die Deutsche Demokratische Republik (DDR) durch Einwirken der UdSSR initiiert. Da eine FortfĂŒhrung des Staatsnamens Deutsches Reich im Parlamentarischen Rat wegen seines „aggressiven Akzents“ abgelehnt wurde, fand stattdessen „Deutschland“ in der Bezeichnung der damals konstituierten Bundesrepublik erstmals namentliche Verwendung;[20] damit sollten die „emotionale Integrationskraft des Namens und sein staatsrechtlicher Gehalt“ aus KontinuitĂ€t und der IdentitĂ€t der Bundesrepublik bezeugt werden.[21] Die DDR nutzte das Wort „Deutschland“ zwar nicht direkt im Staatsnamen, jedoch wurde es ausdrĂŒcklich als synonymer Begriff fĂŒr DDR im Artikel 1 der Verfassung von 1949 gebraucht. SpĂ€ter verwendete die DDR fast nur noch das Attribut deutsch beziehungsweise den Namenszusatz „
 der DDR“ fĂŒr staatliche Hoheitsbezeichnungen. Mit der Deutschen Einheit 1990 wurde die deutsche Frage gelöst.[22]

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich einige Gebiete unabhĂ€ngig vom deutschen Machtbereich weiter und lösten sich aus dem Heiligen Römischen Reich heraus. Unter anderem waren dies aufgrund des WestfĂ€lischen Friedens 1648 die Niederlande, deren SprachvarietĂ€ten sich u. a. durch den Buchdruck vom Deutschen getrennt hatten (vgl. NiederlĂ€ndisch (Name)), die Eidgenossenschaft sowie das Elsass und (Nordost-)Lothringen (französisch Moselle). Nach dem Ende des Deutschen Bundes 1866 traten dann Luxemburg, das Herzogtum Limburg, Liechtenstein und Österreich (zuletzt 1945) heraus. Die GrĂŒndung des Deutschen Kaiserreichs erfolgte unter Aneignung Elsass-Lothringens, wĂ€hrend die Niederlagen in beiden Weltkriegen Gebietsverluste zur Folge hatten. Nach 1919 musste Deutschland neben dem Elsass und Lothringen kleinere Gebiete an DĂ€nemark, Belgien, die Tschechoslowakei und Litauen sowie vor allem die Provinzen Posen und Westpreußen an die neu gegrĂŒndete Zweite Polnische Republik abtreten. Die restlichen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie, namentlich Schlesien, Neumark, Hinterpommern und Ostpreußen, kamen ab 1945 unter sowjetische und grĂ¶ĂŸtenteils polnische Verwaltung. Sie wurden in deren Staatsgebiete integriert, nachdem damit begonnen worden war, die deutsche Bevölkerung zu vertreiben. 1990 wurde der Anspruch auf die vormaligen deutschen Ostgebiete im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands auch formell mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag aufgegeben.

Trotz der KontinuitĂ€t des Begriffes Deutschland vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart sowie völkerrechtlicher[23] IdentitĂ€t und staatsrechtlicher KontinuitĂ€t seit dem 19. Jahrhundert bestand de facto bis 1990 keine durchgehende lineare politisch-historische Entwicklung.

Physische Geographie

→ Hauptartikel: Geographie Deutschlands

Lage Deutschlands in Europa Die naturrĂ€umlichen Großregionen sind von Nord nach SĂŒd Norddeutsches Tiefland, Mittelgebirgszone und Alpenvorland mit Alpen.

Deutschland hat insgesamt neun Nachbarstaaten: Im Norden grenzt Deutschland an DĂ€nemark (auf einer LĂ€nge von 67 Kilometern), im Nordosten an Polen (442 Kilometer), im Osten an Tschechien (811 Kilometer), im SĂŒdosten an Österreich (815 Kilometer; ohne Grenze im Bodensee), im SĂŒden an die Schweiz (316 Kilometer; mit Grenze der Exklave BĂŒsingen am Hochrhein, aber ohne Grenze im Bodensee), im SĂŒdwesten an Frankreich (448 Kilometer), im Westen an Luxemburg (135 Kilometer) und Belgien (156 Kilometer) und im Nordwesten an die Niederlande (567 Kilometer).[24] Die GrenzlĂ€nge betrĂ€gt insgesamt 3757 Kilometer (ohne Grenze im Bodensee, siehe Kondominium). Damit ist Deutschland das Land mit den meisten europĂ€ischen Nachbarstaaten.

Der nördlichste terrestrische Punkt Deutschlands befindet sich auf der Insel Sylt nördlich von List am Ellenbogen. Als nördlichster Festlandspunkt wird einerseits die Spitze der Halbinsel Holnis in der Flensburger Förde, andererseits die Gemeinde RodenĂ€s im Kreis Nordfriesland gesehen. Den sĂŒdlichsten Punkt Deutschlands bildet das Haldenwanger Eck sĂŒdlich von Oberstdorf. Vom Ellenbogen bis zum Haldenwanger Eck sind es etwa 886 Kilometer Luftlinie. Der westlichste Ort Deutschlands liegt im Isenbruch des Selfkant an der Grenze zu den Niederlanden nahe der Maas, der östlichste zwischen Deschka und Zentendorf (Gemeinde Neißeaue) in einer Flussschleife der Lausitzer Neiße. Vom Isenbruch bis zur Flussschleife der Neiße sind es rund 636 Kilometer Luftlinie.

WĂ€hrend der wechselvollen Geschichte verĂ€nderte sich auch der Mittelpunkt Deutschlands. Die Gemeinden Görlitz, Selfkant, List und Oberstdorf, welche die heutigen geografischen Extrempunkte Deutschlands markieren, sind darĂŒber hinaus im sogenannten Zipfelbund zusammengeschlossen.

Geologie

Geologische Karte Deutschlands (1869)

Auf die Zeit des PalĂ€ozoikums (Erdaltertum) gehen die kristallinen Gesteine Deutschlands wie Gneis und Granit zurĂŒck, wie sie in den deutschen Mittelgebirgen, zum Beispiel dem Harz, anzutreffen sind. Über deren Ausgangsmaterial ist relativ wenig bekannt; Datierungen von einzelnen MineraleinschlĂŒssen in diesen Gesteinen ergaben Alter, die wohl auf weit Ă€ltere zum Teil sogar archaische (ca. 3,84 Ga)[25] Gebirgsbildungsphasen zurĂŒckgehen.[26] Auch die Sedimentgesteine des Rheinischen Schiefergebirges stammen aus dem PalĂ€ozoikum und lagerten sich in der Zeit von Devon und Unterkarbon ab. Die Heraushebung der Gesteine und damit die Gebirgsbildung setzte jedoch erst im spĂ€ten PliozĂ€n ein. Am Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges finden sich Gesteinsschichten aus dem Karbon, in denen die gewaltigen Steinkohlevorkommen im Ruhrgebiet eingelagert sind (Ruhrkarbon).

Im Mesozoikum (Erdmittelalter) wurden jene Gesteinsschichten gebildet, die in zahlreichen sĂŒd- und ostdeutschen Regionen ĂŒberwiegen. In der Pfalz, in ThĂŒringen, Teilen Bayerns und Sachsens wird der Untergrund von Gesteinen der Trias dominiert, des frĂŒhen Mesozoikums. Die Juragebirge (vor allem SchwĂ€bische und FrĂ€nkische Alb) gehen auf die Jurazeit zurĂŒck. Anders als in der Trias in Deutschland, die von Sandstein geprĂ€gt ist, herrscht bei den jurassischen Gesteinen der Kalkstein vor. Im KĂ€nozoikum (Erdneuzeit) erfolgte vor allem die VerfĂŒllung der Flussniederungen und -becken.

Aktiver Vulkanismus wird nicht beobachtet, jedoch zeigen mehrere Generationen an vulkanischen Gesteinen ehemaligen Vulkanismus an, in erster Linie aus dem TertiĂ€r oder der variszischen Gebirgsbildungsphase. Diese finden sich breit verteilt im SĂŒden und der Mitte Deutschlands, insbesondere in der Vulkaneifel und auf dem Vogelsberg, aber auch im Bereich des SchwĂ€bischen Vulkans sowie im Osten angrenzend an den Egergraben. In der Vulkaneifel treten bis in die Gegenwart Kohlenstoffdioxidquellen (Mofetten) zutage, deren eindrucksvollstes Beispiel der Geysir Andernach ist, der mit 50 bis 60 Metern höchste Kaltwassergeysir der Erde.

Obwohl Deutschland vollstĂ€ndig auf der Eurasischen Platte liegt, kommen schwache Erdbeben vor, insbesondere im Bereich der Riftzonen im SĂŒdwesten und Westen (Oberrheingraben, Rheingraben, Hohenzollerngraben).

Geomorphologie

format=dewiki}} mÂ ĂŒ. NHN die höchste Erhebung Deutschlands.

Das Faltengebirge der Alpen ist das einzige Hochgebirge, an dem Deutschland Anteil hat. Der mit Österreich geteilte Gipfel der Zugspitze ({{#invoke:FormatNum|format|2962 |format=dewiki}} m ĂŒ. NHN) ist der höchstgelegene Punkt des Landes.

Die Mittelgebirge nehmen tendenziell von Nord nach SĂŒd an Höhe und Ausdehnung zu. Höchster Mittelgebirgsgipfel ist der Feldberg im Schwarzwald ({{#invoke:FormatNum|format|1493 |format=dewiki}} m ĂŒ. NHN), gefolgt vom Großen Arber im Bayerischen Wald ({{#invoke:FormatNum|format|1456 |format=dewiki}} m ĂŒ. NHN). Gipfel ĂŒber 1000 Meter besitzen außerdem das Erzgebirge, das Fichtelgebirge, die SchwĂ€bische Alb und als Sonderfall der Harz, der sich recht isoliert als nördlichstes Mittelgebirge in Deutschland mit dem Brocken auf {{#invoke:FormatNum|format|1141 |format=dewiki}} m ĂŒ. NHN erhebt. Nördlich der Mittelgebirgsschwelle erheben sich nur noch vereinzelte Formationen ĂŒber 100 Meter, von denen die Heidehöhe in Schraden mit {{#invoke:FormatNum|format|201 |format=dewiki}} m ĂŒ. NN die höchste ist.

Die tiefste begehbare Landesstelle Deutschlands liegt bei {{#invoke:FormatNum|format|3.54 |format=dewiki}} m unter NN in einer Senke bei Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch (Schleswig-Holstein). Eine aktuelle Höhenangabe bezogen auf Normalhöhennull ist noch nicht frei zugĂ€nglich. Ebenfalls in diesem Bundesland befindet sich die tiefste Kryptodepression: Sie liegt mit {{#invoke:FormatNum|format|39.6 |format=dewiki}} m unter NN am Grund des Hemmelsdorfer Sees nordöstlich von LĂŒbeck. Der tiefste kĂŒnstlich geschaffene GelĂ€ndepunkt liegt bei {{#invoke:FormatNum|format|267 |format=dewiki}} m unter NHN am Grund des Tagebaus Hambach östlich von JĂŒlich in Nordrhein-Westfalen.

Klima

Mischwald im Herbst. Deutschland befindet sich in einer gemĂ€ĂŸigten Klimazone.

Deutschland gehört vollstĂ€ndig zur gemĂ€ĂŸigten Klimazone Mitteleuropas im Bereich der Westwindzone und befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima in Westeuropa und dem kontinentalen Klima in Osteuropa. Das Klima in Deutschland wird unter anderem vom Golfstrom beeinflusst, der das durchschnittliche Temperaturniveau fĂŒr die Breitenlage ungewöhnlich hoch gestaltet.

Die mittlere Jahresdurchschnittstemperatur, bezogen auf die Normalperiode 1961–1990,[27] betrĂ€gt im bundesweiten Gebietsmittel 8,2 Â°C, die mittleren Monatsdurchschnittstemperaturen liegen zwischen −0,5 Â°C im Januar und 16,9 Â°C im Juli. Der mittlere jĂ€hrliche Niederschlag betrĂ€gt 789 Millimeter. Die mittlere monatliche Niederschlagshöhe liegt zwischen 49 Millimeter im Februar und 85 Millimeter im Juni.

Die tiefste jemals in Deutschland gemessene Temperatur betrug −45,8 Grad Celsius; sie wurde am 24. Dezember 2001 am Funtensee registriert. Die absolute Höchsttemperatur in Deutschland mit gemessenen 40,2 Grad Celsius am 27. Juli 1983 in GĂ€rmersdorf bei Amberg (Oberpfalz), am 9. August 2003 in Karlsruhe sowie am 13. August 2003 in Karlsruhe und Freiburg im Breisgau.[28]

GewÀsser

Der Rhein und Burg Rheinstein in Trechtingshausen

Von den sechs Strömen mit den grĂ¶ĂŸten Einzugsgebieten entwĂ€ssern Rhein, Elbe, Weser und Ems ĂŒber die Nordsee und die Oder ĂŒber die Ostsee in den Atlantik, wĂ€hrend die Donau ins Schwarze Meer fließt und somit hydrographisch dem Mittelmeer zuzurechnen ist. Die Einzugsgebiete dieser beiden Systeme werden durch die europĂ€ische Hauptwasserscheide voneinander getrennt.

Der in der Schweiz entspringende Rhein dominiert den SĂŒdwesten und Westen. Auf 865 Kilometern fließt er durch bzw. an der Grenze zu Deutschland, bevor er ĂŒber die Niederlande in die Nordsee mĂŒndet. Seine wichtigsten deutschen ZuflĂŒsse sind Neckar, Main, Mosel und Ruhr. Der Rhein hat eine große wirtschaftliche Bedeutung und ist eine der am stĂ€rksten befahrenen Wasserstraßen Europas.

Die Donau entwĂ€ssert im SĂŒden auf 647 Kilometern fast das gesamte deutsche Alpenvorland und fließt weiter nach Österreich und SĂŒdosteuropa. Ihre wichtigsten deutschen ZuflĂŒsse sind Iller, Lech, Isar und Inn.

Den Osten Deutschlands durchfließt auf 725 Kilometern die in Tschechien entspringende Elbe. Ihre wichtigsten deutschen NebenflĂŒsse sind Saale und Havel.

FĂŒnf-Seen-Blick in der Uckermark, Brandenburg Auf 179 Kilometern ist die Oder, wie im weiteren Verlauf auch ihr wichtigster Zufluss, die Neiße, der Grenzfluss zu Polen.

Einzig das Einzugsgebiet der 452 Kilometer langen Weser liegt vollstĂ€ndig in Deutschland. Sie speist sich aus den FlĂŒssen Werra und Fulda und entwĂ€ssert den mittleren Norden.

Die Ems durchfließt auf 371 Kilometern den Ă€ußersten Nordwesten des Landes. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich auch auf Teile der Niederlande.

Die natĂŒrlichen Seen sind ĂŒberwiegend glazialen Ursprungs. Daher finden sich die meisten der großen Seen im Alpenvorland, in der Holsteinischen Schweiz und in Mecklenburg. Der grĂ¶ĂŸte vollstĂ€ndig zum deutschen Staatsgebiet gehörende See ist die MĂŒritz, die Teil der mecklenburgischen Seenplatte ist. Der grĂ¶ĂŸte See mit deutschem Anteil ist der Bodensee, an den auch Österreich und die Schweiz grenzen.

Im Westen und Osten Deutschlands gibt es viele, durch die Flutung von Steinkohle- und Braunkohletagebauen oder Industriebrachen entstandene kĂŒnstliche Seen, so z. B. das Leipziger Neuseenland oder den Dortmunder Phoenix-See.

Inseln

RĂŒgen, in der Ostsee gelegen, ist die grĂ¶ĂŸte deutsche Insel.

In der Nordsee dominiert die Inselkette der Friesischen Inseln. WĂ€hrend die Nordfriesischen Inseln Festlandsreste sind, die durch Landsenkung und nachfolgende Überflutung von der KĂŒste getrennt wurden, handelt es sich bei den Ostfriesischen Inseln um Barriereinseln, die durch die Brandungsdynamik aus SandbĂ€nken entstanden. Das inmitten der Deutschen Bucht gelegene Helgoland ist die am weitesten vom Festland entfernt liegende bewohnte deutsche Insel.

Die grĂ¶ĂŸten deutschen Inseln in der Ostsee sind (von West nach Ost) Fehmarn, Poel, Hiddensee, RĂŒgen und Usedom; grĂ¶ĂŸte Halbinsel ist Fischland-Darß-Zingst. Mit Ausnahme von Fehmarn sind sie Teil einer BoddenkĂŒste.

Die grĂ¶ĂŸten und bekanntesten Inseln in BinnengewĂ€ssern sind Reichenau, Mainau und Lindau im Bodensee sowie Herrenchiemsee im Chiemsee.

Flora

Die LĂŒneburger Heide in Niedersachsen

Der Naturraum Deutschland liegt in der gemĂ€ĂŸigten Klimazone. Seine Flora ist daher von Laub- und NadelwĂ€ldern geprĂ€gt. Örtlich weist die Flora in Deutschland eine hohe Diversifikation durch Standortfaktoren des GelĂ€ndeprofils, der GelĂ€ndehöhe und -geologie sowie der mesoklimatischen Lage auf. Von West nach Ost kennzeichnet die natĂŒrliche Vegetation den Übergang vom Westseitenseeklima zum Kontinentalklima.

Die LaubwĂ€lder bestehen meist aus Rotbuchen, daneben sind die heute selten gewordenen AuwĂ€lder im Bereich der FlĂŒsse und Seen und Eichen-Buchen-MischwĂ€lder typisch; die Alpen und Mittelgebirge sind geprĂ€gt durch Schluchtwald. Der Pionierwald wird, besonders auf sandigen FlĂ€chen, vor allem von Birken und Kiefern gebildet. Allerdings werden die frĂŒher sehr verbreiteten LaubwĂ€lder mittlerweile oft durch Fichtenholzforste ersetzt.

Der ThĂŒringer Wald im Winter. Rund 30 Prozent der StaatsflĂ€che sind bewaldet. Ohne menschlichen Einfluss wĂŒrde die Vegetation in Deutschland, wie in den meisten LĂ€ndern der gemĂ€ĂŸigten Breiten, hauptsĂ€chlich aus Wald bestehen. Davon ausgenommen sind die nĂ€hrstoffarmen Heideniederungen und Moorlandschaften sowie die alpinen (Bayerische Alpen) und subalpinen (Hochschwarzwald, Hochharz und Westerzgebirge) Hochlagen, die Ă€ußerst vegetationsarm sind und in ihrem Klima kaltgemĂ€ĂŸigt ausgeprĂ€gt sind.

Derzeit sind 29,5 Prozent der StaatsflĂ€che bewaldet. Damit ist Deutschland eines der waldreichsten LĂ€nder in der EuropĂ€ischen Union, wobei die Baumarten im Wesentlichen durch die Forstwirtschaft bedingt sind; das heißt, der Anteil an Fichten- und KiefernwĂ€ldern entspricht nicht den natĂŒrlichen Gegebenheiten, nach denen BuchenmischwĂ€lder vorherrschen sollten.

Neben den natĂŒrlich vorkommenden Pflanzen spielen heute eine Reihe von eingefĂŒhrten Arten wie die Robinie eine zunehmende Rolle in der Vegetation. Der grĂ¶ĂŸte Anteil des unbebauten Landes dient der Erzeugung von Nutzpflanzen. Dies sind ĂŒberwiegend Getreide (Gerste, Hafer, Roggen und Weizen), die Kartoffel und der Mais, die aus Amerika eingefĂŒhrt wurden, der Apfelbaum sowie zunehmend Raps. In den FlusstĂ€lern, unter anderem von Mosel, Ahr und Rhein wurde die Landschaft fĂŒr den Weinanbau umgestaltet.

Die Bewahrung der Natur ist in Deutschland öffentliche Aufgabe und dient dem im Art. 20a Grundgesetz verankerten Staatsziel. Ziel des Naturschutzes in Deutschland ist es, Natur und Landschaft zu erhalten (§ 1 Bundesnaturschutzgesetz). Wichtige GegenstĂ€nde des Naturschutzes sind Landschaften, Pflanzen und Tiere. Zu den wichtigsten Institutionen geschĂŒtzter Gebiete und Objekte gehören derzeit unter anderem 14 Nationalparks (siehe Nationalparks in Deutschland), 19 BiosphĂ€renreservate, 95 Naturparks sowie tausende von Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten und NaturdenkmĂ€lern.

Fauna

Der Seeadler, ein geschĂŒtzter Greifvogel

Die meisten in Deutschland heimischen SĂ€ugetiere leben in den gemĂ€ĂŸigten LaubwĂ€ldern. Im Wald leben unter vielen anderen verschiedene Marderarten, Dam- und Rothirsche, Rehe, Wildschweine sowie Luchse und FĂŒchse. Biber und Otter sind seltener gewordene Bewohner der Flussauen, mit teilweise wieder steigenden BestĂ€nden. Andere ehemals in Mitteleuropa lebende GroßsĂ€uger wurden ausgerottet: Auerochse (um 1470), BraunbĂ€r (1835), Elch (im Mittelalter noch zahlreich), Wildpferd (19. Jahrhundert), Wisent (17./18. Jahrhundert), Wolf (1904). In neuerer Zeit wandern gelegentlich einige Elche und Wölfe aus Polen und Tschechien ein, deren BestĂ€nde sich dort wieder vermehren konnten. Im Falle der Wölfe bilden sich wieder neue Rudel, zunĂ€chst im sorbischen Raum in der Lausitz, mittlerweile auch in Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, seit um 2000 der erste Nachwuchs geboren wurde. Im MĂ€rz 2010 wurde eine Herde Wisente im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. Speziell im Fall von Wolf und BraunbĂ€r ist aufgrund des schlechten Rufs der Tiere eine gezielte Wiederansiedlung jedoch problematisch.

Rotwild In hochalpinen Regionen leben Alpensteinbock und Murmeltier. DarĂŒber hinaus ist die GĂ€mse in verschiedenen Mittelgebirgen beheimatet, etwa im Schwarzwald oder auf der FrĂ€nkischen Alb.

Zu den bekanntesten in Deutschland lebenden Reptilien zĂ€hlen Ringelnatter, Kreuzotter und europĂ€ische Sumpfschildkröte. Daneben leben noch viele Amphibien wie Salamander, Frösche, Kröten, Unken und Molche in Deutschland, welche jedoch alle auf der Roten Liste bedrohter Tierarten aufgefĂŒhrt werden.

Von dem Seeadler, mitunter vereinzelt als Vorlage fĂŒr den stilisierten deutschen Wappenvogel gesehen, gibt es gegenwĂ€rtig wieder etwa 500 Paare, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Der Steinadler kommt nur noch in den Bayerischen Alpen vor, der ehemals dort heimische Bartgeier wurde ausgerottet, hĂ€lt aber durch WiedereinbĂŒrgerungen in Schweiz und Österreich auch wieder Einzug in die deutschen Alpen. Die hĂ€ufigsten Greifvögel in Deutschland sind derzeit MĂ€usebussard und Turmfalke, dagegen ist der Bestand an Wanderfalken deutlich geringer. Über die HĂ€lfte des Gesamtbestandes an Rotmilanen brĂŒtet in Deutschland, der Bestand ist aber aufgrund der intensiven Landwirtschaft rĂŒcklĂ€ufig.

Seehund-Kolonie auf der Nordseeinsel HelgolĂ€nder DĂŒne

DemgegenĂŒber steht eine Vielzahl von Vögeln, die als Kulturfolger von der Anwesenheit des Menschen profitieren, insbesondere die in vielen StĂ€dten lebenden Stadttauben, Amseln (frĂŒhere Waldvögel), Spatzen und Meisen, fĂŒr deren Überleben auch die Winterfutter-Industrie sorgt, sowie KrĂ€hen und Möwen auf MĂŒllkippen. Eine Besonderheit ist die weltweit nördlichste Flamingo-Kolonie im Zwillbrocker Venn.

Der frĂŒher in den FlĂŒssen hĂ€ufig vorkommende Lachs wurde im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert weitgehend ausgerottet, konnte aber in den 1980er-Jahren im Rhein wieder angesiedelt werden. Der letzte Stör wurde 1969 in Deutschland gefangen. In vielen Teichen werden die erst von den Römern eingefĂŒhrten Karpfen gehalten.

Der an der Nord- und OstseekĂŒste lebende Seehund wurde zeitweise nahezu ausgerottet, mittlerweile gibt es im Wattenmeer wieder einige tausend Exemplare. Auch die sich wieder ausbreitenden KegelrobbenbestĂ€nde in Nordeuropa kehren wieder an die KĂŒsten Deutschlands zurĂŒck, nachdem sie dort durch Bejagung vollstĂ€ndig verschwunden waren. Das Wattenmeer ist insbesondere als Rastplatz fĂŒr zehn bis zwölf Millionen Zugvögel pro Jahr von Bedeutung. Die bekannteste Walart von Nord- und Ostsee ist der Schweinswal, jedoch leben dort noch weitere sieben Walarten, unter anderem Pottwal und Schwertwal, daneben mit dem Gemeinen Delfin auch eine Delfinart.

Zu den lange heimischen Tieren hat sich eine beachtliche Anzahl an Neozoen angesiedelt. Zu den bekanntesten Vertretern gehören WaschbĂ€r, Marderhund, Halsbandsittich und Nilgans. Weitere teils invasive Neozoen in Deutschland sind Kanadagans, Nandus, Amerikanischer Flusskrebs, Amerikanischer Ochsenfrosch, EuropĂ€isches Mufflon, Sonnenbarsche u. v. m.

Humangeographie

Typische Siedlungsstruktur in Nordrhein-Westfalen

→ Hauptartikel: Humangeographie (Deutschland)

In Deutschland werden insgesamt 52 Prozent der LandesflĂ€che landwirtschaftlich genutzt (2009), WĂ€lder bedecken weitere 29,5 Prozent. 14 Prozent werden als Siedlungs- und VerkehrsflĂ€che genutzt (Tendenz weiterhin steigend). WasserflĂ€chen kommen auf 2 Prozent, die restlichen 2,5 Prozent verteilen sich auf sonstige FlĂ€chen, zumeist Ödland und auch Tagebaue.

Gemeinden

→ Hauptartikel: Gemeinde (Deutschland)

Ortsschild

Die Gemeinden sind die kleinsten selbstĂ€ndigen Gebietskörperschaften der politischen Gebietsgliederung. Sie regeln alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft eigenverantwortlich und haben das Recht der Selbstverwaltung (Art. 28 Abs. 2 GG). Sie sind, ausgenommen die meisten kreisfreien StĂ€dte, in Landkreisen und anderen GemeindeverbĂ€nden zusammengefasst.

Kreise und Gemeinden unterliegen dem Kommunalverfassungsrecht des jeweiligen Bundeslandes und sind daher bundesweit ganz unterschiedlich organisiert. Einzig die Kreisstadt als Verwaltungssitz eines Landkreises findet sich deutschlandweit. Die Einheitsgemeinden Berlin und Hamburg sind als Stadtstaaten gleichzeitig auch LĂ€nder.

Ballungsgebiete

Bevölkerungsdichte in Deutschland nach Kreisen, kreisfreien StÀdten und Inseln

Um Ballungs- respektive Verdichtungsgebiete zu veranschaulichen, können Karten zur Bevölkerungsdichte, zu GemeindegrĂ¶ĂŸen, Agglomerationen und den sogenannten Metropolregionen herangezogen werden.

In Deutschland gibt es beinahe 80 GroßstĂ€dte, also StĂ€dte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Davon haben 13 mehr als 500.000 Einwohner. Eine Besonderheit Deutschlands ist die historisch bedingt ĂŒberwiegend randlastige, dezentrale Verteilung der GroßstĂ€dte. Die entlang des Rheins verlaufenden BallungsrĂ€ume im Westen und SĂŒdwesten Deutschlands bilden dabei den Mittelteil der zentralen europĂ€ischen Bevölkerungskonzentration, die mit dem Begriff Blaue Banane umschrieben wird.

Unter Agglomeration versteht man ein grĂ¶ĂŸeres zusammenhĂ€ngendes Siedlungsgebiet oder auch eine weitgehend urbanisierte FlĂ€che. Da Gemeinde- und Siedlungsgrenzen meist erheblich voneinander abweichen, gibt die Betrachtung der Agglomerationen einen authentischeren Aufschluss ĂŒber Bevölkerungskonzentrationen. Im Gegensatz zu vielen anderen LĂ€ndern werden in Deutschland Agglomerationen jedoch nicht statistisch genau definiert und abgegrenzt. Die meisten Agglomerationen sind monozentrisch; das Ruhrgebiet hingegen ist ein klassisches Beispiel fĂŒr einen polyzentrischen Verdichtungsraum.

Von der Ministerkonferenz fĂŒr Raumordnung (MKRO) wurden elf sogenannte EuropĂ€ische Metropolregionen (EMR) festgelegt. Diese gehen ĂŒber die entsprechenden Agglomerationen weit hinaus. Köln/DĂŒsseldorf/Dortmund/Essen gehören zur Metropolregion Rhein-Ruhr, Dresden/Leipzig zur Metropolregion Mitteldeutschland. Eine weitere ist die Metropolregion Rhein-Neckar um Ludwigshafen/Mannheim/Heidelberg.

Berlin
Berlin
Hamburg
Hamburg
MĂŒnchen
MĂŒnchen

Einwohner Stadt Agglomeration Metropolregion

Köln
Köln
Frankfurt
Frankfurt/Main
Stuttgart
Stuttgart

1 Berlin 3.400.000 4.400.000 6.000.000
2 Hamburg 1.730.000 2.600.000 4.270.000
3 MĂŒnchen 1.390.000 2.000.000 5.200.000
4 Köln 1.020.000 1.900.000 11.690.000
5 Frankfurt am Main 700.000 1.930.000 5.520.000
6 Stuttgart 600.000 1.800.000 5.290.000
7 DĂŒsseldorf 600.000 1.220.000 11.690.000
8 Dortmund 570.000 4.700.000 11.690.000
9 Essen 570.000 4.700.000 11.690.000
10 Bremen 550.000 850.000 2.730.000
11 Dresden 525.000 755.000 2.400.000
12 Leipzig 520.000 1.021.000 2.400.000
13 Hannover 515.000 1.132.000 3.880.000
14 NĂŒrnberg 495.000 1.200.000 3.500.000

Liste der LĂ€nder

→ Hauptartikel: Land (Deutschland)

Die föderal aufgebaute Bundesrepublik Deutschland besteht aus 16 Gliedstaaten, die offiziell als LĂ€nder (BundeslĂ€nder) bezeichnet werden. Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg bestehen ausschließlich aus den gleichnamigen Gemeinden und sind somit Einheitsgemeinden. Die Freie Hansestadt Bremen gilt als Stadtstaat, jedoch besteht das Land aus den Gemeinden Bremen und Bremerhaven. Im Unterschied zu zahlreichen anderen föderal strukturierten LĂ€ndern kennt die Bundesrepublik keine bundesunmittelbaren Gebiete.

Land
Hauptstadt
FlÀche
in kmÂČ
Einwohner Einwohner
pro kmÂČ
Baden-WĂŒrttembergBaden-WĂŒrttemberg Baden-WĂŒrttemberg Stuttgart 35.752 000000010569111.000000000010.569.111[29] format|296|format=dewiki}}
BayernBayern Bayern MĂŒnchen 70.552 000000012519571.000000000012.519.571[30] format|177|format=dewiki}}
BerlinBerlin Berlin — 892 000000003419623.00000000003.419.623[31] 3.834
BrandenburgBrandenburg Brandenburg Potsdam 29.479 000000002449511.00000000002.449.511[32] format|83|format=dewiki}}
BremenBremen Bremen Bremen[33] 419 000000000654774.0000000000654.774[34] format|1563|format=dewiki}}
HamburgHamburg Hamburg — 755 000000001734272.00000000001.734.272[35] 2.297
HessenHessen Hessen Wiesbaden[36] 21.115 000000006016481.00000000006.016.481[37] format|285|format=dewiki}}
Mecklenburg-VorpommernMecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern Schwerin 23.180 000000001600327.00000000001.600.327[38] format|69|format=dewiki}}
NiedersachsenNiedersachsen Niedersachsen Hannover 47.624 000000007778995.00000000007.778.995[39] format|163|format=dewiki}}
Nordrhein-WestfalenNordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen DĂŒsseldorf[40] 34.085 000000017554329.000000000017.554.329[41] format|515|format=dewiki}}
Rheinland-PfalzRheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz Mainz[42] 19.853 000000003990278.00000000003.990.278[43] format|201|format=dewiki}}
SaarlandSaarland Saarland SaarbrĂŒcken 2.569 000000000994287.0000000000994.287[44] format|387|format=dewiki}}
SachsenSachsen Sachsen Dresden 18.416 000000004050204.00000000004.050.204[45] format|220|format=dewiki}}
Sachsen-AnhaltSachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt Magdeburg 20.446 000000002259393.00000000002.259.393[46] format|111|format=dewiki}}
Schleswig-HolsteinSchleswig-Holstein Schleswig-Holstein Kiel[47] 15.799 000000002806531.00000000002.806.531[48] format|178|format=dewiki}}
ThĂŒringenThĂŒringen ThĂŒringen Erfurt[49] 16.172 000000002170460.00000000002.170.460[50] format|134|format=dewiki}}
DeutschlandDeutschland Bundesrepublik Deutschland Berlin 357.121 80.523.746[5] 225
Germany location map.svg
NiedersachsenNiedersachsen Niedersachsen
BremenBremen Bremen
HamburgHamburg Hamburg
Mecklenburg-VorpommernMecklenburg-Vorpommern
Sachsen-AnhaltSachsen-Anhalt
SachsenSachsen Sachsen
BrandenburgBrandenburg Brandenburg
BerlinBerlin Berlin
ThĂŒringenThĂŒringen ThĂŒringen
HessenHessen Hessen
Nordrhein-WestfalenNordrhein-Westfalen
Rheinland-PfalzRheinland-Pfalz
BayernBayern Bayern
Baden-WĂŒrttembergBaden-WĂŒrttemberg
SaarlandSaarland Saarland
Schleswig-HolsteinSchleswig-Holstein

Geschichte

→ Hauptartikel: Geschichte Deutschlands

Urgeschichte, frĂŒhe StĂ€mme und Römerzeit

Die Himmelsscheibe von Nebra (heutiges Sachsen-Anhalt), ca. 1600 v. Chr.

Die Àltesten Siedlungsbelege auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland sind etwa 700.000 Jahre alt, man geht von einer dauerhaften Besiedlung seit rund 500.000 Jahren aus. In Deutschland existieren bedeutende palÀoanthropologische FundstÀtten: Nach dem Fundort bei Heidelberg wurde die Hominini-Art Homo heidelbergensis und nach dem Neandertal in Mettmann der Homo neanderthalensis, der aus dem Homo heidelbergensis hervorgegangene Neandertaler, benannt. Dieser wurde vor etwa 40.000 Jahren von dem aus Afrika zugewanderten Homo sapiens, dem modernen Menschen, verdrÀngt.

In der Jungsteinzeit entwickelten sich Ackerbau, Viehzucht und feste SiedlungsplĂ€tze. Aus dieser Zeit sind einige bedeutende kulturelle Funde erhalten, wie etwa die Himmelsscheibe von Nebra, die darauf deutet, dass schon um 2000 v. Chr. in dieser Region Astronomie betrieben wurde.

Karte der germanischen StÀmme um 50 n. Chr. (ohne Skandinavien)

Erste schriftliche ErwĂ€hnung finden die germanischen StĂ€mme bei antiken griechischen und römischen Autoren seit dem 1. Jahrhundert v. Chr., beginnend wohl mit Poseidonios. Das heutige Deutschland war schon mit Beginn der Hallstattzeit (1200 bis 1000 v. Chr.) von SĂŒd- bis Mitteldeutschland keltisch besiedelt. Um 600 v. Chr. kam es in Norddeutschland zur Herausbildung der Jastorf-Kultur, die als germanische Kultur angesehen wird. Die Germanen selbst waren jedoch eine uneinheitliche Gruppe von verschiedenen StĂ€mmen, die auch kein ĂŒbergeordnetes GemeinschaftsgefĂŒhl verband. Bereits der Begriff „Germanen“ (lateinisch Germani) ist ein ethnographischer, wenig prĂ€ziser Sammelbegriff antiker Autoren, die damit auch ein „Barbarenbild“ verbanden.[51] „Germanen“ darf aus methodischen GrĂŒnden daher nicht als Begriff fĂŒr ein einheitliches Volk missverstanden werden.[52] Die Germanen lebten mit den Kelten in Nachbarschaft und in der rheinischen Kontaktzone teilweise auf sich ĂŒberschneidenden Gebieten. Jahrhundertelang gab es kulturellen und wirtschaftlichen Kontakt, wodurch keltische Lehnwörter in die germanischen Mundarten aufgenommen wurden.

Die römische Porta Nigra in Trier wurde um 180 n. Chr. errichtet.

Von 58 v. Chr. bis etwa 455 n. Chr. gehörten die Gebiete links des Rheins und sĂŒdlich der Donau zum Römischen Reich, von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch ein Teil Hessens (Wetterau) sowie der grĂ¶ĂŸte Teil des heutigen Baden-WĂŒrttemberg sĂŒdlich des Limes. Die römisch beherrschten Gebiete im heutigen Deutschland verteilten sich auf die Provinzen Germania superior, Germania inferior und Raetia. In diesem Gebiet grĂŒndeten die Römer viele Legionslager, die sich spĂ€ter zu StĂ€dten entwickeln konnten. Wichtigste StĂ€dte zu römischer Zeit waren Trier, Köln, Augsburg und Mainz (die Ă€ltesten StĂ€dte Deutschlands). Die Gebiete im heutigen Deutschland, die außerhalb der römischen Herrschaft lagen, bezeichnete das Römische Reich als Magna Germania oder Barbaricum.

Zur Sicherung der Grenzen siedelten die Römer befreundete germanische StĂ€mme in den Provinzen an. Außerdem wanderten Siedler aus anderen Teilen des Römischen Reiches, insbesondere aus Italien, ein und wurden westlich des Rheins und sĂŒdlich der Donau sesshaft. Weitreichende Neuerungen, die auch das deutsche Vokabular beeinflussten, fĂŒhrten die Römer insbesondere in Hausbau, Handwerk, Wein- und Ackerbau sowie Verwaltung und MilitĂ€r ein. Tacitus’ im Jahr 98 entstandene Schrift Germania ist die Ă€lteste völkerkundliche Beschreibung der germanischen StĂ€mme. Mit der Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. erlitten die Römer durch verbĂŒndete Germanen unter FĂŒhrung des Arminius eine vernichtende Niederlage. Die BemĂŒhungen der Römer zur Errichtung rechtsrheinischer Provinzen bis zur Elbe endeten schließlich.[53]

Völkerwanderung und FrĂŒhmittelalter (375–962)

→ Hauptartikel: Völkerwanderung und FrĂŒhmittelalter

Die Krönung Karls des Großen, Fresko von Raffael, zwischen 1516 und 1517

Nach dem Einfall der Hunnen 375 und mit dem Niedergang Westroms ab 395 setzte die Völkerwanderung ein, in deren Verlauf die germanischen StĂ€mme immer weiter nach SĂŒdwesten zogen (→ SpĂ€tantike). Gleichzeitig bildeten sich auf dem Gebiet des heutigen Deutschland mehrere GroßstĂ€mme heraus, die die kleineren germanischen StĂ€mme der römischen Kaiserzeit verdrĂ€ngten. Dies sind Franken und Alamannen im Westen, Sachsen im Norden, Bayern im SĂŒden und ThĂŒringer im Osten. In die fast menschenleeren Gebiete des heutigen Ostdeutschlands wanderten im 7. Jahrhundert bis zur Elbe-Saale-Linie slawische StĂ€mme ein. Weite Teile der Bevölkerung der heutigen ostdeutschen BundeslĂ€nder waren daher bis ins hohe Mittelalter slawisch geprĂ€gt (Germania Slavica). Erst im Zuge der hochmittelalterlichen Ostsiedlung wurden sie assimiliert und akkulturiert. Der Hauptteil West- und Mitteleuropas und damit auch große Gebiete des heutigen SĂŒd- und Westdeutschlands wurden vom Ende des 6. Jahrhunderts entstandenen Frankenreich eingenommen, das heutige Norddeutschland wurde von den Sachsen und Slawen beherrscht. Alle heute zu Deutschland gehörigen Gebiete des einstigen Frankenreichs lagen im östlichen Teilreich, das seit der Merowingerzeit als Austrien bezeichnet wurde. Eine gewisse Eigenstaatlichkeit Austriens wurde erstmals im Jahre 614 offenbar, als König Chlothar II. das Edictum Chlotharii unterschreiben musste, in dem festgehalten wurde, dass jedes der drei frĂ€nkischen Teilreiche (Neustrien, Austrien, Burgund) einem eigenen Hausmeier unterstand.

Die Gebietsaufteilung im Vertrag von Verdun, 843 Mitte des 8. Jahrhunderts trat im Frankenreich die Dynastie der Karolinger die Königsnachfolge der Merowinger an. Nach der blutigen Unterwerfung und Zwangsmissionierung der Sachsen, den Eroberungen in Italien, Nordspanien und im östlichen Grenzraum, erstreckte sich das Frankenreich unter Karl dem Großen von den PyrenĂ€en bis zur Nordsee, dem heutigen Österreich und bis nach Mittelitalien. Das Vielvölkerreich wurde neu organisiert, auf den Gebieten der Kirchenorganisation und der Kultur knĂŒpfte man partiell an römische Traditionen an und trieb eine nachhaltige Kulturförderung voran (sogenannte Karolingische Renaissance bzw. Karolingische Bildungsreform). Auf dem Höhepunkt der frĂ€nkischen Macht wurde durch die Theorie der translatio imperii ein Anspruch auf die Nachfolge Roms und die FĂŒhrungsmacht im westlichen Europa formuliert. Zu Weihnachten 800 ließ sich Karl von Papst Leo III. in Rom zum römischen Kaiser krönen, was zu Auseinandersetzungen mit den byzantinischen Kaisern fĂŒhrte (Zweikaiserproblem). Nach Karls Tod im Jahr 814 kam es zu innerdynastischen KĂ€mpfen unter seinen Nachfolgern. Dies fĂŒhrte im Vertrag von Verdun (843) zur faktischen Dreiteilung des Reiches in das Ostfrankenreich, unter Ludwig (spĂ€ter „Ludwig der Deutschen“ genannt), das Westfrankenreich unter Karl dem Kahlen und dem zwischen ihnen liegenden Königreich Lothars I., das den Namen Lotharingien erhielt.

Im ostfrĂ€nkischen Reich bildeten sich im um 900 fĂŒnf große HerzogtĂŒmer, die meist als (die jĂŒngeren) StammesherzogtĂŒmer bezeichnet werden, da sich ihre Namen in der Regel auf alte westgermanische GroßstĂ€mme beziehen: das Stammesherzogtum Sachsen, das Stammesherzogtum Baiern, das Herzogtum Schwaben, das Herzogtum Franken und das Herzogtum Lothringen, zu dem auch die Friesen gehörten.

Im 10. Jahrhundert starb das karolingische Herrschergeschlecht sowohl in West- wie auch in Ostfranken aus, beide Reichsteile waren politisch fortan endgĂŒltig getrennt. Die siegreiche Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955, die eine jahrzehntelange Serie der EinfĂ€lle von Magyaren beendete, fĂŒhrte zu einem erheblichen Prestigegewinn des ostfrĂ€nkischen Königs Otto, der seit 951 auch die langobardisch-italienische KönigswĂŒrde trug, und zur Zuordnung des Erzengels Michael als Schutzpatron der Deutschen.

Vom Ostfrankenreich zum Heiligen Römischen Reich (962–1806)

→ Hauptartikel: Heiliges Römisches Reich

Das Reichsgebiet im 10. Jahrhundert (rot umrandet), spÀter als Heiliges Römisches Reich bekannt (1157 erstmals als Sacrum Imperium belegt) Der Aachener Dom diente bis 1531 insgesamt 31 deutschen Herrschern als KrönungsstÀtte.

In der neueren historischen Forschung wird zwar die Bedeutung der Ottonenzeit fĂŒr die Ausformung des Ostfrankenreichs betont, sie gilt aber nicht mehr als Beginn der eigentlichen „deutschen“ Reichsgeschichte.[54] Der damit verbundene komplexe Prozess zog sich vielmehr mindestens bis ins 11. Jahrhundert hin.[55] Der Terminus regnum Teutonicum („deutsches Königreich“) bzw. regnum Teutonicorum („Königreich der Deutschen“) setzte sich auch erst zu Beginn des 11. Jahrhunderts langsam durch.[56]

Durch die 951 von Otto I. angenommene langobardische KönigswĂŒrde war das Regnum Teutonicorum mit dem Regnum Italiae, auch Regnum Italicum oder Reichsitalien genannt, verbunden. 962 wurde Otto zum Kaiser gekrönt und verband damit den Anspruch der römisch-deutschen KönigswĂŒrde auf das westliche Kaisertum. Das Reich nahm unter den Ottonen eine hegemoniale Machtstellung im westlichen Europa ein, 1024 traten die Salier die Königsnachfolge an. Die Verzahnung weltlicher und geistlicher Macht durch das Reichskirchensystem (die Details sind in der neueren Forschung umstritten) fĂŒhrte nun zum Konflikt mit dem reformierten Papsttum (Investiturstreit), der ab etwa 1076 einsetzte, und der mit dem Wormser Konkordat 1122 eine Zwischenlösung erfuhr. Als sein Höhepunkt gilt der sprichwörtlich gewordene Gang nach Canossa 1077. Einen weiteren Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung zwischen Kaiser und Papst in staufischer Zeit. Kaiser Friedrich I. betonte die WĂŒrde des Kaisertums und den Honor Imperii, doch musste er in Italien gegenĂŒber den selbstbewussten Stadtstaaten und dem Papsttum schwere RĂŒckschlĂ€ge hinnehmen. Der schĂ€rfste Konflikt zwischen Kaiser und Papst entbrannte unter Friedrichs Enkel Friedrich II. und endete faktisch mit dem Tod des Kaisers 1250 und dem Zusammenbruch der staufischen Königsherrschaft.

In Form der Territorialstaaten verselbststĂ€ndigten sich faktisch zahlreiche Feudalherrschaften zu Lasten der königlich-kaiserlichen Macht. Diese war aber nie besonders stark ausgeprĂ€gt und die mittelalterlichen Könige waren zur effektiven HerrschaftsausĂŒbung auf den Konsens mit den Großen des Reiches angewiesen (konsensuale Herrschaft).[57] Kaiser Heinrich VI., ein Sohn Friedrich Barbarossas, war bereits Ende des 12. Jahrhunderts gescheitert, durch den Erbreichsplan die Erbmonarchie einzufĂŒhren. WĂ€hrend sich das Westfrankenreich zum französischen Zentralstaat entwickelte, blieb das Ostfrankenreich bzw. das römisch-deutsche Reich durch TerritorialfĂŒrsten und das Recht der Königswahl geprĂ€gt. Die Machtstellung der FĂŒrsten nahm infolge des Interregnums noch einmal zu. Mitte des 13. Jahrhunderts setzte sich im Heiligen Römischen Reich, eine erst in dieser Zeit aufkommende Bezeichnung, die Auffassung durch, dass einem Kollegium der KurfĂŒrsten die Wahl des Königs zustehe. Die Goldene Bulle von 1356 legte endgĂŒltig eine kurfĂŒrstliche Wahlmonarchie fest. Obwohl die Könige und Kaiser wiederholt versuchten, ihre Position zu stĂ€rken, blieb das Reich ein supranationaler Verband großer, mittelgroßer und vieler Klein- und Kleinstterritorien sowie Freier ReichsstĂ€dte (→ Historisches Territorium).

Das SpĂ€tmittelalter (ca. 1250 bis 1500) wird in der neueren Forschung im Gegensatz zur Ă€lteren Lehrmeinung nicht mehr als Niedergangszeit begriffen.[58] Die Zeit bis ins spĂ€te 14. Jahrhundert war stark vom Wahlkönigtum geprĂ€gt: Drei große Familien, die Habsburger, die Luxemburger und die Wittelsbacher, verfĂŒgten ĂŒber den grĂ¶ĂŸten Einfluss im Reich und ĂŒber die grĂ¶ĂŸte Hausmacht. Als bedeutendster spĂ€tmittelalterlicher römisch-deutscher König gilt Karl IV.[59] Neben Krisen wie der Pest (Schwarze Tod) Mitte des 14. Jahrhunderts, die Agrarkrise und das abendlĂ€ndische Schisma, florierten aber auch die StĂ€dte, der Handel und es begann der Übergang in die Renaissance. Im Reich traten die Habsburger das Erbe der Luxemburger an, die 1437 in mĂ€nnlicher Linie ausstarben, und stellten nun bis zum Ende des Reichs fast kontinuierlich die römisch-deutschen Könige.

Zu Beginn der Neuzeit verfolgte Kaiser Karl V. aus der Dynastie der Habsburger durch Kaisertum und spanisches Königtum das Konzept einer Universalmonarchie. Er erlangte einen globalen Wirkungsbereich, der neben der Vorherrschaft in Europa auch ein ĂŒberseeisches spanisches Kolonialreich einschloss.[60] 1517 trat Martin Luther mit der Forderung nach einer grundlegenden Reform der Kirche auf und legte damit das Fundament fĂŒr die Reformation. Die innerkirchlichen und theologischen Auseinandersetzungen in Verbindung mit einer anti-römischen (anti-pĂ€pstlichen) Haltung bestĂ€rkten die Reformation, aus der zahlreiche „protestantische“ Konfessionen hervorgingen. Die Gegenreformation war die Reaktion der katholischen Kirche, doch behauptete sich die evangelische Kirche in weiten Teilen des Reiches. Bald bestimmte der Landesherr die Konfession seiner Untertanen (Cuius regio, eius religio), der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden von 1555 schaffte einen vorlĂ€ufigen Ausgleich. Nach dem mit hohen Todesopfern und zahlreichen verheerten Landschaften verbundenen DreißigjĂ€hrigen Krieg (1618 bis 1648), der sowohl durch konfessionelle als auch durch habsburgisch-französische GegensĂ€tze ausgelöst worden war, hatte der römisch-deutsche Kaiser infolge der Regelungen des WestfĂ€lischen Friedens und des ihm folgenden JĂŒngsten Reichsabschieds eine deutlich geschwĂ€chte, eher auf die ReprĂ€sentation des Reichs beschrĂ€nkte Machtstellung. Die ReichsfĂŒrsten gingen gestĂ€rkt aus diesem Konflikt hervor, hatten sie mit dem Frieden sogar das Recht erhalten, mit auswĂ€rtigen MĂ€chten VertrĂ€ge abzuschließen. Das Reich wurde dadurch de facto zu einem Staatenbund.[61] Frankreich hatte im Krieg die Protestanten unterstĂŒtzt, um Habsburg zu schwĂ€chen; es betrieb eine gezielte Expansionspolitik im Grenzraum und besetzte mehrere Reichsterritorien (Reunionspolitik), was erneut zu Spannungen fĂŒhrte. Ab 1663 erörterten Kaiser und ReichsfĂŒrsten ihre politischen Angelegenheiten im Reichstag durch ihre Gesandten permanent (ImmerwĂ€hrender Reichstag).

Der politische Aufstieg Preußens im 18. Jahrhundert fĂŒhrte zum Konflikt mit dem Hause Habsburg. Im 17./18. Jahrhundert entwickelte sich nach französischem Vorbild der Absolutismus, der jedoch anders als dort nicht die königliche Zentralgewalt, sondern einzelne FĂŒrstentĂŒmer zu bĂŒrokratisch organisierten, frĂŒhmodernen Staaten werden ließ. Manche Herrscher, insbesondere König Friedrich II. von Preußen, aber partiell auch seine kaiserlichen Rivalen Maria Theresia, Franz I. und Joseph II., öffneten sich dem philosophischen Zeitgeist (AufgeklĂ€rter Absolutismus).

Dieser Zustand wĂ€hrte bis 1806, als Napoleon I. Mitteleuropa eroberte und das schwache Reichsgebilde zum Einsturz brachte. Der letzte Kaiser des nur noch formell bestehenden Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Franz II., der erst 1804 auch Kaiser des durch ihn gegrĂŒndeten österreichischen Vielvölkerstaates geworden war, legte die Reichskrone nieder.[62] Damit erlosch das Reich.

Rheinbund und Deutscher Bund (1806–1866)

Der Deutsche Bund 1815–1866

Unter Napoleons Einfluss war zwischen 1801 und 1806 durch den Frieden von LunĂ©ville, den Reichsdeputationshauptschluss und die Rheinbundakte die Anzahl der Staaten im Gebiet des „Alten Reiches“ von etwa 300 auf etwa 60 verringert worden. Teile Deutschlands, vor allem im Westen und Nordwesten, annektierte Frankreich 1793, 1797 bis 1801, 1806, 1808 sowie 1811. DarĂŒber hinaus schuf es sich deutsche Vasallenstaaten, etwa das Königreich Westphalen, das Großherzogtum Berg und das Großherzogtum Frankfurt, deren Throne Napoleon mit Angehörigen seiner Familie besetzte. Kleine und mittlere deutsche Staaten baute Napoleon zu BĂŒndnispartnern auf, indem er ihnen Gebietserweiterungen auf Kosten der bisherigen geistlichen Gebiete, ReichsstĂ€dte und anderer reichsunmittelbarer StĂ€nde verschaffte. Nutznießer dieses Prozesses waren vor allem Bayern, WĂŒrttemberg und Baden. Der Sieg ĂŒber Österreich in der Schlacht von Austerlitz 1805 erlaubte es Napoleon, seinen Einfluss in Deutschland weiter auszubauen.[63] Die vergrĂ¶ĂŸerten Mittelstaaten wurden im Rheinbund vereinigt und standen so als VerbĂŒndete zur VerfĂŒgung. Im Ergebnis hatte Frankreich damit den bisherigen Rivalen, das Heilige Römische Reich deutscher Nation, ausschalten, große Teile seines Territoriums annektieren und das ĂŒbrige Gebiet im Wesentlichen in drei Teile aufspalten können: Rheinbund, Preußen und Österreich.

Diese Zeit der französischen Vorherrschaft brachte in den Rheinbundstaaten erhebliche ModernisierungsanstĂ¶ĂŸe, so etwa in Bayern unter dem Minister Maximilian von Montgelas.[64] Teils eigenstĂ€ndig blieben die stark beschnittenen Konkurrenten Österreich und Preußen. Auch in Preußen wurden nach der katastrophalen Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 tiefgreifende Reformen unternommen, um den Staat wieder handlungs- und wehrfĂ€hig zu machen.

Völkerschlacht bei Leipzig, 1813, GemÀlde aus dem Jahr 1815

Ab 1809 regte sich Widerstand gegen die französische Besatzung. Bekannte VorkĂ€mpfer gegen Napoleon und seine VerbĂŒndeten waren Andreas Hofer im österreichischen, nun jedoch bayerisch besetzten Tirol und Ferdinand von Schill in Preußen. Dieser Widerstand wurde jedoch zunĂ€chst niedergeschlagen.[65] Erst nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug 1812 konnten Preußen und Österreich 1813 darangehen, im BĂŒndnis mit Russland die französischen Truppen zu vertreiben. In den Befreiungskriegen (1813–1815) entstand ein neues ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl der Deutschen, zunĂ€chst angefĂŒhrt von Dozenten und Studenten der protestantischen UniversitĂ€ten, z. B. im LĂŒtzower Freikorps, das auch als Ursprung der Farben Schwarz-Rot-Gold gilt. Die meisten Rheinbundstaaten gingen im Verlauf des Jahres 1813 auf die Seite der VerbĂŒndeten ĂŒber, ein erster großer Erfolg war deren Sieg in der Leipziger Völkerschlacht im Oktober 1813. Weitere KĂ€mpfe folgten bis zur endgĂŒltigen Niederlage Napoleons 1815.

Nach der Niederlage Napoleons restaurierte der Wiener Kongress (1814–1815) weitgehend die alten monarchischen HerrschaftsverhĂ€ltnisse. Im Deutschen Bund, einem von dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Preußen dominierten Staatenbund (→ Deutscher Dualismus), organisierten sich 38 Staaten (→ Drittes Deutschland). Der Bundestag, mit Sitz in Frankfurt am Main, bildete das Entscheidungsgremium. 1833/1834 wurde der Deutsche Zollverein geschaffen, in dem Preußen die vorherrschende Macht war.

Borsig Lokomotivfabrik im Berliner „Feuerland“ um 1847. Die einsetzende Industrielle Revolution verursachte einschneidende gesellschaftliche VerĂ€nderungen.

In der Ära des VormĂ€rz bewahrte der Hochadel mithilfe einer in den Karlsbader BeschlĂŒssen gipfelnden Repression und Restauration seine Macht. Das wirtschaftlich erstarkende BĂŒrgertum forderte jedoch weiter Teilhabe an der politischen Macht.

Im Oktober 1817 trafen sich Professoren und Studenten zum Wartburgfest. „Höhepunkt“ war die Verbrennung von Werken von Autoren, die gegen einen deutschen Staat waren, wie zum Beispiel August von Kotzebue. Zum spĂ€ter so genannten Hambacher Fest trafen sich 1832 ĂŒber 30.000 Menschen aus vielen Bevölkerungskreisen und Staaten. Dort wurden die Farben Schwarz-Rot-Gold gehisst, die spĂ€ter zu den Nationalfarben wurden (→ Flagge Deutschlands).

Frankfurter Nationalversammlung, 1848–1849. Das erste frei gewĂ€hlte Parlament fĂŒr ganz Deutschland tritt zusammen.

Am 1. MĂ€rz 1848 begann mit der Besetzung des StĂ€ndehauses des badischen Landtags in Karlsruhe die MĂ€rzrevolution. Durch AufstĂ€nde der BĂŒrger mussten viele konservative Politiker ihren Platz rĂ€umen, unter ihnen der österreichische Staatskanzler FĂŒrst Metternich, der noch im Wiener Kongress die Monarchie nach Napoleons Abtreten mitrestauriert und die Epoche seitdem geprĂ€gt hatte.

Unter dem Druck der revolutionĂ€ren Ereignisse in Berlin seit dem 6. MĂ€rz 1848 gab der preußische König Friedrich Wilhelm IV. zunĂ€chst nach, machte ZugestĂ€ndnisse und akzeptierte die Einrichtung der Frankfurter Nationalversammlung. Die von jener ausgearbeitete Paulskirchenverfassung, die Deutschland in eine geeinte konstitutionelle Monarchie umgewandelt hĂ€tte, lehnte er jedoch ebenso ab wie die ihm angetragene Kaiserkrone, die er als bĂŒrgerliche „Lumpenkrone“ bezeichnete.

Der Maiaufstand vom Mai 1849 wurde niedergeschlagen und endete am 23. Juli 1849 mit der Einnahme von Rastatt durch preußische Truppen.

Bald danach kam es zur Kollision Preußens mit der Großmacht Österreich um die Vormachtstellung im Deutschen Bund, die zum Preußisch-Österreichischen Krieg (spĂ€ter auch „Deutscher Krieg“) von 1866 fĂŒhrte. Nachdem Preußen diesen Krieg fĂŒr sich entschieden hatte, kam es zur Auflösung des Deutschen Bundes. Preußen annektierte etliche Gebiete nord- und mitteldeutscher Kriegsgegner, so dass sich die Zahl der deutschen Staaten weiter verringerte.

Norddeutscher Bund (1866–1871)

→ Hauptartikel: Norddeutscher Bund

1867: Der Norddeutsche Bund

1866 wurde zunĂ€chst als MilitĂ€rbĂŒndnis der Norddeutsche Bund gegrĂŒndet. Er bekam 1867 eine Verfassung, die ihn zum Bundesstaat machte. Die GrĂŒndung des Bundes als souverĂ€nen Gesamtstaat zum 1. Juli 1867 unter preußischer FĂŒhrung leitete die sogenannte kleindeutsche Lösung ein. Diese zielte entsprechend der Intention Bismarcks auf eine staatliche Einigung deutscher Einzelstaaten unter der Hegemonie Preußens ohne die damalige Großmacht Österreich.

Deutsches Kaiserreich (1871–1918)

Die Proklamation des Deutschen Kaiserreichs, GemĂ€lde von Anton von Werner aus dem 19. Jahrhundert: ReichsgrĂŒndung im Schloss Versailles, 1871. Bismarck wird erster Reichskanzler.

→ Hauptartikel: Deutsches Kaiserreich

Das Deutsche Reich wurde nach der entscheidenden Niederlage Frankreichs in der Schlacht von Sedan im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871, einhergehend mit der Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. vom ehemaligen Amt des Vorsitzenden des Bundesrates zum Deutschen Kaiser, im Spiegelsaal von Versailles ausgerufen.

Mit der ReichsgrĂŒndung wurden Gebiete eingegliedert, die noch nie oder lange nicht mehr zum Heiligen Römischen Reich gehört hatten. Dazu gehörten West-, Ostpreußen, das ĂŒberwiegend polnischsprachige Gebiet Posen und Schleswig. Frankreich trat (deutsch- und französischsprachige) Teilgebiete der Regionen Lothringen und Elsass ab, welche unter dem „Reichsland Elsaß-Lothringen“ als reichsunmittelbare Gebietskörperschaft ohne Gliedstaatrechte (1879 trat fĂŒr alle reichslĂ€ndischen Angelegenheiten ein Statthalter an die Stelle des Reichskanzlers) angegliedert wurden.

Otto von Bismarck hatte als preußischer MinisterprĂ€sident auf die ReichsgrĂŒndung hingewirkt, maßgeblich die Verfassung entworfen und wurde nun erster Reichskanzler. Seine Politik stĂŒtzte die Macht des monarchischen Staates, war aber flexibel und letztlich zwiespĂ€ltig. Gegen die katholische Kirche fĂŒhrte er einen sogenannten Kulturkampf, in dessen Folge sogar Bischöfe inhaftiert wurden; inhaltlich waren die entsprechenden Gesetze (zur Schule, zur Ehe) oft eher liberal. Um die Liberalen zu schwĂ€chen, fĂŒhrte Bismarck bei Reichstagswahlen das demokratische Wahlrecht fĂŒr alle MĂ€nner ein. Nationalliberale waren andererseits lange Zeit Partner Bismarcks. Er bekĂ€mpfte die Sozialdemokratie seit 1878 mithilfe der Sozialistengesetze, versuchte aber, die Arbeiter durch eine moderne Sozialgesetzgebung an den Staat zu binden.

Deutsches Kaiserreich, 1871–1918

Seine anfangs aggressive Außenpolitik Ă€nderte sich ab der ReichsgrĂŒndung zu einer BĂŒndnispolitik, die ein defensives BĂŒndnissystem schuf, mit Deutschland als halbhegemonialer Macht in der Mitte Europas. Frankreich wurde isoliert und ermutigt, sich auf seine Kolonien (und nicht auf das verlorene Elsass-Lothringen) zu konzentrieren.

Dem Erwerb eigener Kolonien und spĂ€ter sogenannter Schutzgebiete stand Bismarck aber skeptisch gegenĂŒber. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Kolonialpolitik deutscher Kaufleute fĂŒhrten trotzdem dazu, dass auf der Berliner Kongokonferenz 1884 eine Gruppe Deutscher sich bei der Teilung Afrikas Gebiete zusprach, sodass das Deutsche Reich in den Kreis der KolonialmĂ€chte eintrat, nachdem schon in den frĂŒhen 1880er-Jahren deutsche Vereine Territorien in Afrika und Asien erworben hatten.

Im „Dreikaiserjahr“ 1888 kam Wilhelm II. an die Macht. Er zwang Bismarck 1890 zum RĂŒcktritt und forderte fĂŒr das wirtschaftlich und militĂ€risch aufgestiegene Deutsche Reich die Anerkennung der bisherigen GroßmĂ€chte, vor allem Englands. Dies wurde oft harsch vorgetragen mit dem Wunsch nach einem ebenbĂŒrtigen „Platz an der Sonne“ und drĂŒckte sich auch im Erwerb von Kolonien und dem Aufbau einer Flotte aus. Daraus folgten Verstimmungen in England und ein neues BĂŒndnissystem entstand, das statt Frankreich nun Deutschland ausschloss. Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand löste im Jahre 1914 den Ersten Weltkrieg aus, nachdem Wilhelm II. seinem BĂŒndnispartner Österreich-Ungarn eine bedingungslose UnterstĂŒtzungszusage gegeben hatte, als die Donaumonarchie Serbien den Krieg erklĂ€rte. Ebenso hatte Frankreich in der Julikrise der russischen Regierung seine Hilfe zugesichert und dafĂŒr einen raschen Vormarsch der Russen auf das Deutsche Reich verlangt. Mehr als zwei Millionen deutsche Soldaten starben im Ersten Weltkrieg, rund 800.000 Zivilisten starben an Hunger.

Weimarer Republik (1919–1933)

→ Hauptartikel: Weimarer Republik

Deutsches Reich 1919–1937

Mit der deutschen Kapitulation 1918 und der Novemberrevolution endete nicht nur der Erste Weltkrieg, sondern auch die Monarchie im Deutschen Reich. Im Vertrag von Versailles wurden erhebliche Gebietsabtretungen, die Alliierte Rheinlandbesetzung und Reparationen auf Grundlage einer ebenfalls festgeschriebenen deutschen Alleinschuld am Krieg bestimmt.

Mit der Ausrufung der Republik wurde am 9. November 1918 das Kaisertum beendet. Am 30. November 1918 erhielten erstmals die Frauen mit der Verordnung ĂŒber die Wahlen zur Verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung (Reichswahlgesetz) aktives und passives Wahlrecht fĂŒr diese Nationalversammlung.[66] Die Revolutionsregierung aus rechten und linken Sozialdemokraten nannte sich „Rat der Volksbeauftragten“. Nach der Wahl der verfassunggebenden Nationalversammlung trat die Weimarer Verfassung am 14. August 1919 in Kraft.

Die Hypothek der Reparationszahlungen belastete von Beginn an das politische Klima der jungen Republik. Die von rechtsextremen KrĂ€ften verbreitete Dolchstoßlegende fĂŒhrte zu politischen Morden und Putschversuchen, von denen die wichtigsten der Kapp-Putsch 1920 und der Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 waren. Wichtige Vertreter der demokratischen KrĂ€fte wie Matthias Erzberger und Walther Rathenau wurden von nationalistischen AttentĂ€tern ermordet. Der erste Weimarer Reichskanzler, Philipp Scheidemann, ĂŒberlebte einen Anschlag am Pfingstsonntag 1922 nur knapp. Andererseits gab es mehrere AufstĂ€nde von Kommunisten, wie den Ruhraufstand 1920, die MĂ€rzkĂ€mpfe in Mitteldeutschland 1921 und den Hamburger Aufstand 1923. Unzureichende Reparationsleistungen der Weimarer Republik nahmen Belgien und Frankreich zum Anlass, in den Jahren 1923 bis 1925 auch das Ruhrgebiet zu besetzen.

Philipp Scheidemann ruft vom ReichstagsgebÀude am 9. November 1918 die Republik aus.

In den kurzen „goldenen Zwanzigern“ blĂŒhte die Kultur und ab 1924 auch die Konjunktur. Berlin war damals mit ĂŒber vier Millionen Einwohnern die drittgrĂ¶ĂŸte Stadt der Erde – nach New York und London – und wurde zu einer der dynamischsten StĂ€dte der Welt.

Ein jĂ€hes Ende erfuhr die ProsperitĂ€t 1929 im Gefolge des Schwarzen Donnerstags, als durch den Zusammenbruch der New Yorker Börse die Weltwirtschaftskrise ausgelöst wurde. Zu deren Höhepunkt 1932 gab es in Deutschland mehr als sechs Millionen Arbeitslose, die grĂ¶ĂŸtenteils in Elend lebten. In der Folge fanden extremistische Parteien noch stĂ€rkeren Zulauf als zuvor, sodass es fĂŒr die gemĂ€ĂŸigten Parteien zunehmend schwieriger wurde, stabile Regierungen zu bilden. Nach dem Erdrutschsieg der Nationalsozialisten bei der Reichstagswahl 1930 verfĂŒgten die Reichskanzler, die in rascher Folge wechselten, ĂŒber keine parlamentarische Mehrheit mehr. Die sogenannten PrĂ€sidialkabinette waren nur noch vom ReichsprĂ€sidenten Paul von Hindenburg und dessen Notverordnungen abhĂ€ngig.

Die Spar- und Deflationspolitik des Reichskanzlers BrĂŒning verschĂ€rfte die wirtschaftliche Krise noch weiter. Dessen Nachfolger Franz von Papen (Juni–November 1932) unterstellte die demokratische Regierung Preußens einem Reichskommissar („Preußenschlag“) und ließ Neuwahlen abhalten, bei denen die Nationalsozialisten noch stĂ€rker wurden. Reichskanzler Kurt von Schleicher versuchte durch eine „Querfront“ von Gewerkschaften und Teilen der Nationalsozialisten eine MachtĂŒbernahme Adolf Hitlers zu verhindern, scheiterte aber an Franz von Papen, der Hindenburg dazu ĂŒberredete, Hitler trotz starken Widerwillens zum Reichskanzler zu ernennen.

Hitlers Regierung vom 30. Januar 1933 war zunĂ€chst eine Koalition von Nationalsozialisten und Teilen der Konservativen, darunter Franz von Papen und Alfred Hugenberg. Am 27. Februar kam es zum Reichstagsbrand, dessen Ursache immer noch nicht geklĂ€rt ist. Hitler nutzte die Brandstiftung, um die sogenannte Reichstagsbrandverordnung zu verabschieden, die auf unbestimmte Zeit die Grundrechte außer Kraft setzte. Die nun folgenden Massenverhaftungen politischer Gegner, insbesondere Kommunisten und Sozialdemokraten, prĂ€gten das Vorfeld der Reichstagswahl 1933. Trotz erheblicher Stimmengewinne verfehlte die NSDAP auch hier die absolute Mehrheit und ging daher ein BĂŒndnis mit der reaktionĂ€r geprĂ€gten DNVP ein. Die endgĂŒltige MachtĂŒbernahme erfolgte fĂŒnf Tage spĂ€ter, als der neu zusammengetretene Reichstag mit den Stimmen der bĂŒrgerlichen Parteien, allein gegen die Stimmen der SPD, ein ErmĂ€chtigungsgesetz verabschiedete, welches Hitlers Regierung das Recht zubilligte, Gesetze auch ohne den Reichstag zu beschließen.

Nationalsozialistische Diktatur (1933–1945)

Großdeutsches Reich, 1943–1945

Die NSDAP errichtete im Deutschen Reich innerhalb kĂŒrzester Zeit einen totalitĂ€ren Einparteienstaat unter FĂŒhrung Adolf Hitlers. Missliebige Personen wurden aus allen staatlichen Organisationen entfernt. Es wurden erste Konzentrationslager errichtet, um politische Gegner zu beseitigen, insbesondere Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Eine Reihe von Direktiven sorgte fĂŒr die völlige Gleichschaltung der öffentlichen Meinung im Sinne der NSDAP. Missliebige Publikationen wurden, beispielsweise in der öffentlichkeitswirksamen BĂŒcherverbrennung, aus dem Verkehr gezogen und der gesamte Kunstbetrieb auf Parteilinie gebracht â€“ unerwĂŒnschte Kunstwerke wurden fĂŒr „entartet“ erklĂ€rt. Innerhalb kĂŒrzester Zeit durchdrang die Partei auch das Privatleben, indem die NS-Propaganda des von Joseph Goebbels geleiteten Reichspropagandaministeriums allgegenwĂ€rtig wurde und bereits auf Kinder Druck ausgeĂŒbt wurde, den Parteiorganisationen beizutreten.

Persönlich sicherte sich Hitler ab, indem er auch innerparteiliche Gegner und ehemalige WeggefĂ€hrten ermorden ließ. Im angeblichen Röhm-Putsch ließ er am 30. Juni 1934 den SA-FĂŒhrer Röhm und eine Reihe innenpolitischer Gegner töten, woraufhin auch die ihm lĂ€stig gewordene SA entmachtet wurde. Stattdessen setzte er auf die ihm bedingungslos ergebene SS und die Reichswehr, deren GeneralitĂ€t auf ihn persönlich ihren Treueeid ablegte. Die Gestapo wurde als politische Polizei zur BekĂ€mpfung der politischen und ideologischen Gegner eingesetzt.

Von Beginn an verfolgte Hitler zwei Ziele: einen Angriffs- und Vernichtungskrieg zur Schaffung neuen „Lebensraumes im Osten“ und die Verfolgung der Juden, die mit Diskriminierung, DemĂŒtigung und Ausgrenzung begann und spĂ€ter im Holocaust endete. Nachdem sich Hitler der Gefolgschaft des MilitĂ€rs versichert hatte, begann schon ab 1934 die Ausrichtung der Wirtschaft auf einen bevorstehenden Krieg: Die RĂŒstungsausgaben wurden innerhalb kĂŒrzester Zeit auf gewaltige Summen getrieben. Arbeitsprogramme, eine enthemmt expansive Geldpolitik und Schuldenwirtschaft waren die wirtschaftspolitischen Instrumente hierfĂŒr. Die damit verbundene Senkung der Arbeitslosigkeit wurde von der Bevölkerung begrĂŒĂŸt und als Einlösung wirtschaftlicher Versprechen aufgenommen.

Die Lage der deutschen Juden verschlimmerte sich kontinuierlich: 1935 wurden die NĂŒrnberger Rassengesetze verabschiedet, die persönliche Beziehungen zwischen „Ariern“ und Juden als „Rassenschande“ brandmarkten und schwer bestraften. Juden verloren zuerst alle öffentlichen Ämter, wurden willkĂŒrlich verfolgt, bestohlen und erpresst und schließlich mit einem völligen Berufsverbot belegt. Unter dem Begriff „Arisierung“ wurden alle jĂŒdischen Unternehmen enteignet. Immer hĂ€ufiger wurden nun auch Juden in Konzentrationslager eingewiesen. Viele fassten den Entschluss zur Emigration, die meisten aber blieben in Deutschland, weil sie sich als Deutsche fĂŒhlten und ihre Heimat nicht verlassen wollten.

EinfahrtsgebÀude des Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, Ansicht von innen, 1945

Die rassistische Weltsicht der Nationalsozialisten und ihre BemĂŒhungen zur Schaffung einer „gesunden“ und verbrechensfreien „Volksgemeinschaft“ (vgl. Herrenrasse) betraf daneben zwei weitere als „fremdrassig“ (vgl. Fremdvölkische) geltende Bevölkerungsgruppen in Europa, Roma sowie Angehörige der slawischen Ethnien wie Polen und Russen oder Ukrainer. Nicht als „fremdrassig“, aber als die Gesundheit des „Volkskörpers“ angeblich bedrohende deutsche Bevölkerungsgruppen waren Homosexuelle, Behinderte und die zahlreichen Gruppen der „Asozialen“ von der rassenhygienischen Utopie und also von Repression, Gewalt und Mord betroffen.

WĂ€hrenddessen feierte das Regime einige Propagandaerfolge. 1935 stimmte das Saarland fĂŒr eine RĂŒckkehr ins Reich und wurde eingegliedert, 1936 verbesserten die Olympischen Spiele das Ansehen im Ausland, im gleichen Jahr erfolgte die erneute Besetzung des entmilitarisierten Rheinlands. Die aggressive Expansion ĂŒber die deutschen Grenzen hinaus begann mit dem Anschluss von Österreich im Jahr 1938, der unter dem Jubel großer Teile der Bevölkerung betrieben wurde, woraufhin Deutschland als „Großdeutsches Reich“ bezeichnet wurde (vgl. Großdeutsche Lösung) â€“ ab dem 26. Juni 1943 trug das Deutsche Reich hinfort auch offiziell den Namen Großdeutsches Reich. GemĂ€ĂŸ dem MĂŒnchner Abkommen erreichte Hitler im November 1938 die Annexion des mehrheitlich von Deutschen besiedelten Sudetenlandes.

Erst als Deutschland im MĂ€rz 1939 auch in das restliche Tschechien einmarschierte und es als „Protektorat Böhmen und MĂ€hren“ dem Reichsgebiet zuschlug, ebenso wie das von Litauen rĂŒckabgetretene Memelland, erkannten die anderen Staaten den Fehler, den sie mit ihrer Beschwichtigungspolitik (Appeasement-Politik) begangen hatten.

Nachdem Deutschland schließlich am 1. September 1939 damit begonnen hatte, Polen anzugreifen, erklĂ€rten das Vereinigte Königreich und Frankreich Deutschland den Krieg. Der Zweite Weltkrieg forderte in sechs Jahren geschĂ€tzte 55 bis 60 Millionen Tote. Mit einer Serie erfolgreicher Aktionen, die als Blitzkrieg in die Geschichte eingingen, gelangen Deutschland zunĂ€chst bedeutende militĂ€rische Erfolge. Polen wurde im Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin aufgeteilt, die Wehrmacht warf anschließend ihre Armeen nach Westen, ĂŒberfiel die neutralen Staaten Luxemburg, Belgien und Niederlande und besetzte innerhalb von sechs Wochen Frankreich. Zu diesem Zeitpunkt erreichte Hitlers PopularitĂ€t im Volk seinen Höhepunkt; der Machtbereich des Deutschen Reichs erstreckte sich nun vom Elsass bis nach Krakau.

Mit Kriegsbeginn verschlechterte sich auch das Schicksal der Juden und der anderen verfolgten Minderheiten. Die Ausreise wurde verboten, die Juden wurden in Ghettos gezwungen und mussten den „Judenstern“ tragen, ab Herbst 1939 im besetzten Polen und ab Herbst 1941 im Reich. Bei unzureichender Verpflegung und stĂ€ndig ausbrechenden Seuchen mussten sie Zwangsarbeit in der Kriegswirtschaft verrichten. Viele von ihnen starben an EntkrĂ€ftung, Hunger oder Misshandlungen.

Köln am Ende des Bombenkrieges, April 1945

Im Jahre 1941 begann die systematische Ermordung der Juden â€“ der genaue Zeitpunkt oder ein einzelner Befehl Hitlers dazu ist nicht bekannt. Auf der Wannseekonferenz im Januar 1942 wurden dazu administrativ die Weichen gestellt. Die mit der AusfĂŒhrung vor allem beauftragte SS errichtete auf ehemals polnischem oder sowjetischem Gebiet Vernichtungslager, in denen die meisten Opfer, in Viehwaggons herangebracht, sofort vergast wurden. Allein in Auschwitz-Birkenau wurden auf diese Art ĂŒber eine Million Menschen ermordet. Insgesamt belĂ€uft sich die wissenschaftlich gesicherte Zahl der ermordeten Juden auf 6,3 Millionen.

Zwischenzeitlich hatte Hitler der Sowjetunion den Krieg erklĂ€rt (Russlandfeldzug 1941–1945). Seit Juni 1941 marschierte das Heer scheinbar unaufhaltsam auf Moskau vor und wurde erst im Dezember gestoppt. Nachdem der KriegsverbĂŒndete Japan im selben Monat die amerikanische Marine in Pearl Harbor ĂŒberfallen hatte, erklĂ€rte Deutschland auch den Vereinigten Staaten von Amerika den Krieg. Mangelnde Ressourcen und die Übermacht des Gegners ließen schon bald die Kriegswende eintreten. Als ĂŒberdeutliches Zeichen dafĂŒr wird gemeinhin die erbittert gefĂŒhrte und verlorene Schlacht von Stalingrad angefĂŒhrt, die in der völligen Aufreibung der deutschen 6. Armee endete.

Je unvermeidlicher die Niederlage wurde, desto hĂ€rter wurde die Politik nach innen gefĂŒhrt. Goebbels rief im Berliner Sportpalast 1943 unter frenetischem Jubel des Publikums den „totalen Krieg“ aus, heute ein oft zitiertes Beispiel fĂŒr die nationalsozialistische Propaganda dieser Zeit (siehe Sportpalastrede). Die gesamte Produktion wurde nun auf den Krieg ausgerichtet, wĂ€hrend die deutschen Armeen an fast allen Fronten zurĂŒckwichen und zahlreiche deutsche StĂ€dte durch den Bombenkrieg zerstört wurden. Erst als die sowjetischen Armeen schon Berlin eingenommen hatten, nahm sich Hitler am 30. April 1945 in seinem FĂŒhrerbunker das Leben. Die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht folgte am 8. Mai. Die ĂŒberlebenden politischen und militĂ€rischen Hauptverantwortlichen wurden spĂ€ter in den NĂŒrnberger Prozessen verurteilt. 1988 wurde die letzte Schuldrate fĂŒr den Zweiten Weltkrieg beglichen.

Alliierte Besatzung (1945–1949)

→ Hauptartikel: Deutschland 1945 bis 1949 und Besatzungszone

Die Teilnehmer der Potsdamer Konferenz, 1945

Deutschland wurde in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 aufgeteilt.[67] In einer ZusatzerklĂ€rung zur Berliner ErklĂ€rung vom 5. Juni 1945[68] legten die vier SiegermĂ€chte – USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich[69] – die einzelnen Besatzungszonen fest und ĂŒbten sodann westlich der Oder-Neiße-Linie die Hoheitsgewalt in ihrer jeweiligen Zone und gemeinsam mittels einer Alliierten Kommandantur ĂŒber Groß-Berlin aus.[70] Die deutschen Ostgebiete wurden durch die Potsdamer BeschlĂŒsse ausgegliedert und waren mithin nicht mehr dem alliierten Besatzungsrecht unterworfen.[71] Die Vier MĂ€chte bemĂŒhten sich anfangs noch um eine gemeinsame Besatzungspolitik. Einig war man sich ĂŒber eine Demilitarisierung und die sogenannte Entnazifizierung. Aber schon bei der Frage, was man unter einer Demokratie zu verstehen habe, zeigten sich erste Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion einerseits und den WestmĂ€chten andererseits.

Die vier Besatzungszonen gemĂ€ĂŸ dem Potsdamer Abkommen, das Saarprotektorat und die von der Sowjetunion unter polnische und sowjetische Verwaltung gestellten Ostgebiete

Auf Betreiben Stalins, der die 1921 an Polen verlorenen Gebiete (Ostpolen, Kresy) 1939 bzw. 1944 zurĂŒckerobert sowie weitere Gebiete (u. a. Ostgalizien) der Sowjetunion zugeschlagen hatte, wurden die Ostgebiete des Deutschen Reiches sowie die bis zum Einmarsch der Wehrmacht 1939 Freie Stadt Danzig als Ausgleich unter polnische Verwaltungshoheit gestellt, wobei die spĂ€tere Volksrepublik Polen die Verwaltungsgebiete als polnisches Staatsgebiet betrachtete und behandelte. So fielen Hinterpommern, Schlesien, Ostbrandenburg (Neumark) und das sĂŒdliche Ostpreußen faktisch an Polen, das nördliche Ostpreußen als Gebiet Kaliningrad an die Sowjetunion â€“ ein Vorgehen, das von den WestmĂ€chten auf der Konferenz von Potsdam nur widerstrebend gebilligt wurde. Die meisten deutschen Bewohner im neuen Einflussbereich der Sowjetunion wurden aus ihrer Heimat, die nun in Polen, der Tschechoslowakei usw. lag, vertrieben. Dabei verlor Deutschland ein Viertel seines Gebietes von 1937, und ein FĂŒnftel seiner Bevölkerung wurde zu FlĂŒchtlingen.

In den drei Westzonen wurde im Mai 1949 die Bundesrepublik Deutschland gegrĂŒndet. In der Sowjetischen Zone (im Westen zunĂ€chst Mitteldeutschland genannt) entstand im Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik. Beide Staaten (wenn auch die DDR nicht mehr in den Grenzen von 1937) unterstrichen die politisch-rechtliche KontinuitĂ€t zwischen sich und einem gesamtdeutschen Staat[72] (vgl. Deutsches Reich#Staatsrechtliche Fragen), wovon die DDR spĂ€ter aber abrĂŒckte, da damit auch Verpflichtungen verbunden waren, und weil keine Fortsetzung eines kapitalistischen Staates erwĂŒnscht war.

Die Republik Österreich wurde in den Grenzen von 1938 wiederhergestellt.[73] Die Grenzziehung der deutschen BundeslĂ€nder wurde teilweise durch die Grenzen der Besatzungszonen (vgl. auch Besatzungsfreie Zone) bestimmt, insbesondere zwischen Niedersachsen und Mecklenburg bzw. Sachsen-Anhalt sowie zwischen ThĂŒringen und Hessen, woraus die spĂ€tere innerdeutsche Grenze wurde.

Bundesrepublik Deutschland und DDR (1949–1990)

Grenzen der Bundesrepublik Deutschland, West-Berlins und der DDR ab 1957

Die Bundesrepublik Deutschland ist der erste Staat auf deutschem Boden, welcher den Namen Deutschland in seinem offiziellen Staatsnamen trĂ€gt; weitere VorschlĂ€ge bei den Beratungen zum Grundgesetz waren Deutsche Republik, Republik Deutschland, Deutsche Staatengemeinschaft, Union deutscher LĂ€nder und schließlich Bund deutscher LĂ€nder.[74] Sie wurde am 23. Mai 1949 in den drei westlichen Besatzungszonen gegrĂŒndet. An diesem Tag wurde das Grundgesetz als „Provisorium“ (Carlo Schmid) oder „Transitorium“ (Theodor Heuss)[75] fĂŒr eine Verfassung in Kraft gesetzt. Das Grundgesetz enthielt in der PrĂ€ambel „(
) Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden“ ein Wiedervereinigungsgebot, das im Zuge der deutschen Wiedervereinigung verwirklicht werden konnte. Bonn wurde am 3. November 1949 zur vorlĂ€ufigen Hauptstadt erklĂ€rt.

Die GrĂŒndung der DDR erfolgte am 7. Oktober 1949 in der Sowjetischen Besatzungszone. Nach einer Verwaltungsreform 1952 entstanden daraus 14 Bezirke mitsamt Ost-Berlin, das ab 1961 selbst „die Funktion eines Bezirkes“ ausĂŒbte.[76]

WĂ€hrend in der DDR eine Planwirtschaft errichtet wurde, entschied sich die Bundesrepublik fĂŒr die soziale Marktwirtschaft. Die sowjetische Besatzungsmacht sorgte mit hohen Reparationsforderungen (vor allem Demontagen) fĂŒr schwierige Startbedingungen auf dem Gebiet der DDR.[77] Zwar hatte auch das unter westalliierter Besatzung stehende grĂ¶ĂŸere Teil Deutschlands Reparationslasten zu tragen, aber hier wurde mit dem Marshallplan fĂŒr die westlichen LĂ€nder Europas spĂŒrbar geholfen, die Kriegsfolgen zu ĂŒberwinden. Das mit dem Korea-Boom einsetzende „Wirtschaftswunder“ fĂŒhrte zu anhaltend hohen Wachstumsraten, VollbeschĂ€ftigung und Wohlstand.

Durch den Kalten Krieg wurden die Deutschen in Ost und West physisch immer mehr getrennt. Der Eiserne Vorhang zog sich quer durch Mitteleuropa und teilte auch Deutschland. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde der letzte freie Zugang in den Westen gesperrt.

Konferenzort in dem 1957 die Römischen VertrĂ€ge unterzeichnet wurden. Die Bundesrepublik wird GrĂŒndungsmitglied der EuropĂ€ischen Wirtschaftsgemeinschaft.

Mit der Aufhebung des alliierten Besatzungsstatuts wurde die Bundesrepublik Deutschland am 5. Mai 1955 souverĂ€n. Diese SouverĂ€nitĂ€t beschrĂ€nkte sich auf den Geltungsbereich des Grundgesetzes, das heißt, die Alliierten behielten ein Vorbehaltsrecht ĂŒber Deutschland als Ganzes und die Viersektorenstadt Berlin ein. Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, verkĂŒndete damals: „Heute, fast zehn Jahre nach dem militĂ€rischen und politischen Zusammenbruch des Nationalsozialismus, endet fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland die Besatzungszeit.“

Die wichtigsten außenpolitischen Meilensteine dieser Ära waren die Westintegration â€“ 1955 trat Westdeutschland der NATO bei â€“ und die Beteiligung am wirtschaftlichen Zusammenschluss in Europa, der mit der Montanunion 1952 begann und durch die Römischen VertrĂ€ge 1957 einen entscheidenden Schub erhielt. Die DDR wurde im September 1950 Vollmitglied im Rat fĂŒr Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) und, nach der gewaltsamen Niederschlagung des Volksaufstandes des 17. Juni 1953 und dem Aufbau eigener StreitkrĂ€fte, auch des Warschauer Pakts.

Die Berliner Mauer (1986)

In den 1960er-Jahren fĂŒhrten einige politische AffĂ€ren und das Aufkommen kritischer Ideen insbesondere der Studenten zum Ruf nach einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Eine 1967 einsetzende Wirtschaftskrise, die studentische 68er-Bewegung und die Wahlerfolge der NPD verstĂ€rkten den Eindruck einer politischen Krise. Die 1966 gebildete Große Koalition aus CDU und SPD unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) verabschiedete eine Reihe grundlegender GesetzesĂ€nderungen (Notstandsgesetze) und versuchte, sich mithilfe der Globalsteuerung an die wirtschaftlich schwierigeren Zeiten anzupassen. Gleichzeitig wurde die deutsche Studentenbewegung der 1960er-Jahre zunehmend mit der außerparlamentarischen Opposition gleichgesetzt.

Mit dem Antritt der sozialliberalen Regierung unter Willy Brandt (SPD) 1969 wurden eine Reihe sozialer, gesellschaftlicher und außenpolitischer Reformen umgesetzt. Die „Neue Ostpolitik“, die auf VerstĂ€ndigung mit Osteuropa setzte und im Kniefall von Warschau einen symbolischen Ausdruck fand, fĂŒhrte zu außenpolitischer Entspannung und brachte Brandt 1971 den Friedensnobelpreis ein. Den Auftakt hatte das Erfurter Gipfeltreffen 1970 gebildet. Diese Politik wurde aber von Konservativen teilweise scharf kritisiert. Brandt ĂŒberstand im April 1972 ein konstruktives Misstrauensvotum, und die SPD rettete sich in Neuwahlen.

Im Jahr 1973 wurde die Bundesrepublik Deutschland neben der DDR (134.) der 133. Mitgliedstaat der UNO. Dieser Beitritt wurde von der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag mehrheitlich abgelehnt, worauf deren Vorsitzender Rainer Barzel zurĂŒcktrat.

Bornholmer Straße im westlichen Teil Berlins. Einen Tag nach dem 9. November 1989 und dem Fall der Mauer bereitet ein Spalier Besuchern aus der DDR einen ersten Empfang.

Brandts zweite Amtszeit (1972–1974) war ĂŒberschattet von wirtschaftlichen Problemen, zu denen die Ölkrise 1973 sowie inflationĂ€re Tendenzen aufgrund hoher TarifabschlĂŒsse gefĂŒhrt hatten. Die versprochenen innenpolitischen Reformen waren nicht bezahlbar. Brandt trat nach der Aufdeckung einer SpionageaffĂ€re um seinen Mitarbeiter GĂŒnter Guillaume zurĂŒck.

Sein Nachfolger Helmut Schmidt (SPD), seit Juni 1974 im Amt, hatte mit steigender Verschuldung und Arbeitslosigkeit, mehreren Wirtschaftskrisen und dem Terror der RAF zu kĂ€mpfen. Als Kanzler und Person bei den Deutschen geschĂ€tzt, verlor er jedoch den RĂŒckhalt seiner Fraktion, die zunehmend gegen seine UnterstĂŒtzung des NATO-Doppelbeschlusses opponierte.

Nach dem Auseinanderbrechen der Koalition wurde Helmut Kohl (CDU) nach einem konstruktivem Misstrauensvotum am 1. Oktober 1982 zum Kanzler gewĂ€hlt. Er regierte lĂ€nger als alle seine VorgĂ€nger und gilt als Kanzler der deutschen Einheit. Diese wurde durch die VerĂ€nderungen in der Sowjetunion durch Glasnost und Perestroika ermöglicht und maßgeblich von den Massendemonstrationen in der DDR sowie der dortigen Ausreisebewegung vorangetrieben. Am 9. November 1989 musste die DDR-FĂŒhrung die Mauer öffnen, nachdem ein Sprecher durch ein Versehen einen Massenansturm auf die GrenzĂŒbertrittsstellen ausgelöst hatte.

Bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18. MĂ€rz 1990 gewann das von der Ost-CDU gefĂŒhrte ParteienbĂŒndnis „Allianz fĂŒr Deutschland“. (Letzter) MinisterprĂ€sident der DDR wurde Lothar de MaiziĂšre (CDU). Nun war der Weg frei fĂŒr die deutsche Wiedervereinigung. Diese fand im Einvernehmen mit den Vertretern der Alliierten im Rahmen der „Zwei-plus-Vier-GesprĂ€che“ statt.

Berliner Republik (seit 1990)

Am 3. Oktober 1990 wurde die deutsche Wiedervereinigung vollzogen. (Deutschlands Außengrenzen seit 1990; innerstaatliche Grenzen zeigen den Stand nach dem 29. Juni 1993)

Laut Art. 1 Absatz 1 des Einigungsvertrags wurden mit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland gemĂ€ĂŸ Art. 23 des Grundgesetzes[78] am 3. Oktober 1990 die LĂ€nder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen („neue BundeslĂ€nder“) LĂ€nder der Bundesrepublik Deutschland.[79][80] Dieser Tag wird seitdem mit dem Namen Tag der Deutschen Einheit als deutscher Nationalfeiertag begangen.

Der Zwei-plus-Vier-Vertrag vom 12. September 1990 regelte die deutsche Frage endgĂŒltig: Die Vier MĂ€chte gaben ihre Hoheitsbefugnisse auf, und durch das Inkrafttreten am 15. MĂ€rz 1991 konnte das wiedervereinigte Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges abschließend die volle staatliche SouverĂ€nitĂ€t wiedererlangen. Bis Ende 1994 verließ der Großteil der fremden MilitĂ€reinheiten durch den Truppenabzugsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sowjetunion vom 12. Oktober 1990 das Land â€“ die noch verbliebenen der Westalliierten haben keinerlei Hoheitsbefugnisse mehr und unterliegen dem NATO-Truppenstatut. Deutschland verpflichtete sich zur AbrĂŒstung auf maximal 370.000 Soldaten. Mit dem am 14. November 1990 in Warschau unterzeichneten deutsch-polnischen Grenzvertrag erkannte Deutschland die Oder-Neiße-Grenze an; das Territorium östlich davon wurde damit endgĂŒltig völkerrechtlich Polen zugesprochen. Das wurde durch eine Politik der Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn ergĂ€nzt, zuerst 1991 mit Polen, dann 1997 mit der Tschechischen Republik.

Mit einer knappen Mehrheit von 338 zu 320 Stimmen beschloss der Bundestag am 20. Juni 1991, Bonn als Regierungssitz aufzugeben und Regierung und Parlament nach Berlin zu verlegen. Bonn bleibt aber zweites politisches Machtzentrum Deutschlands: Dort befinden sich nach dem Berlin/Bonn-Gesetz von 1994 die ersten Dienstsitze von sechs Bundesministerien; alle anderen haben ihren Zweitsitz in Bonn. Die Mehrzahl der MinisteriumsbeschĂ€ftigten arbeitet in der Bundesstadt, in der vereinbarungsgemĂ€ĂŸ auch zahlreiche Bundesinstitutionen sowie drei Verfassungsorgane einen Dienstsitz haben.

Das Bundeskanzleramt in Berlin. Seit 1999 ist die Bundesregierung in der Hauptstadt angesiedelt.

Der neue Sitz des Deutschen Bundestags ist das von Grund auf renovierte ReichstagsgebĂ€ude in Berlin, in dem am 19. April 1999 erstmals wieder eine Parlamentssitzung stattfand. Bereits zu West-Berliner Zeiten, bis in die 1970er-Jahre, tagten dort oftmals das Plenum und einige AusschĂŒsse; auch der BundesprĂ€sident wurde dort von 1954 bis 1969 gewĂ€hlt. Seit September 1999 ist die Bundesregierung in Berlin angesiedelt.

Die 1990er-Jahre waren nach dem kurzen Boom der Wiedervereinigung von geringer wirtschaftlicher Dynamik, Massenarbeitslosigkeit und wahrgenommenem „Reformstau“ geprĂ€gt. Insbesondere in den neuen BundeslĂ€ndern entwickelte sich die Wirtschaft nicht wie erhofft und angekĂŒndigt („blĂŒhende Landschaften“). Mehrere Reformvorhaben der Bundesregierung scheiterten an der rot-grĂŒnen Mehrheit im Bundesrat. Außenpolitisch setzte sich Kohl fĂŒr eine stĂ€rkere Zusammenarbeit im Rahmen der EuropĂ€ischen Union und zum Beispiel fĂŒr die EU-Osterweiterung ein. Als 1991 die SFR Jugoslawien zu zerfallen begann, war Deutschland eines der LĂ€nder, welches die Anerkennung der UnabhĂ€ngigkeit von Kroatien und Slowenien durch die westlichen Staaten massiv unterstĂŒtzte. Eine direkte Teilnahme am Zweiten Golfkrieg zur Befreiung Kuwaits lehnte die Bundesregierung mit Blick auf die historische Last ab. Stattdessen leistete Deutschland finanzielle UnterstĂŒtzung und ersetzte Marineeinheiten der NATO-Partner im Mittelmeer. Nach Beendigung der KĂ€mpfe half ein Verband der Bundesmarine bei der RĂ€umung von Seeminen im Persischen Golf.

Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte kam es in der Folge der Bundestagswahl 1998 zu einem vollstĂ€ndigen Regierungswechsel. Die bisherigen Regierungsparteien CDU/CSU und FDP verloren ihre Bundestagsmehrheit, die bisherigen Oppositionsparteien SPD und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen bildeten die erste rot-grĂŒne Koalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder. Bei der Bundestagswahl 2002 wurde die Bundestagsmehrheit von SPD und GrĂŒnen knapp bestĂ€tigt.

Die EinfĂŒhrung des Euro als standardmĂ€ĂŸige WĂ€hrung im Jahr 1999. Die Ausgabe von Banknoten wurde im Jahr 2002 vollzogen.

Die rot-grĂŒne Bundesregierung setzte tiefgreifende VerĂ€nderungen in der Sozial-, Renten- und Gesundheitspolitik (siehe Agenda 2010) durch. Mit den Einnahmen aus der umstrittenen Ökosteuer gelang es, die Lohnnebenkosten (RentenversicherungsbeitrĂ€ge) zu senken. Allgemein erhielt das Thema Ökologie stĂ€rkeres Gewicht, beispielsweise mit dem Beginn des Atomausstiegs oder Gesetzesinitiativen zur Reduzierung von Treibhausgasen. Andere Reformen der rot-grĂŒnen Regierung waren etwa das Lebenspartnerschaftsgesetz, das neue StaatsbĂŒrgerschaftsrecht oder und das Gewaltschutzgesetz. WĂ€hrend Schröder fĂŒr einige Bundesratsabstimmungen CDU-regierte LĂ€nder durch ZugestĂ€ndnisse dazu bewegen konnte, im Sinne der Bundesregierung abzustimmen, scheiterten andere Reformvorhaben von Rot-GrĂŒn, wie das Verbraucherinformationsgesetz, an der CDU/CSU-Mehrheit im Bundesrat.

Der erste Kampfeinsatz deutscher Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg â€“ 1999 im Kosovokrieg â€“ markierte einen Wendepunkt der deutschen Außenpolitik. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York 2001 sicherte Bundeskanzler Schröder den Vereinigten Staaten die „uneingeschrĂ€nkte SolidaritĂ€t“ zu.[81] Deutschland unterstĂŒtzte die „Operation Enduring Freedom“ und den Krieg in Afghanistan, beteiligte sich aber nicht am Irakkrieg 2003. Dies fĂŒhrte zu Konflikten vor allem mit den USA, aber zu großen Sympathiebekundungen aus der deutschen Bevölkerung fĂŒr den „Friedenskanzler“ Schröder. Die Bundeswehr sicherte die Seewege am Horn von Afrika, entsandte ABC-SpĂŒrpanzer nach Kuwait und zog gemĂ€ĂŸ ihren internationalen Verpflichtungen deutsche Soldaten nicht aus NATO-AWACS-Flugzeugen ab. Letzteres erklĂ€rte das Bundesverfassungsgericht im Mai 2008 wegen Verletzung der Rechte des Bundestages fĂŒr verfassungswidrig.[82]

Unterzeichnung des Vertrags von Lissabon im Jahr 2007

Die Hartz-IV-Gesetzgebung von 2004 hatte das Ziel, den Arbeitsmarkt zu beleben, wurde jedoch gerade von den direkt Betroffenen als sozial ungerecht empfunden. Das fĂŒhrte zu deutschlandweiten Protesten und einer Niederlagenserie fĂŒr Rot-GrĂŒn bei Landtagswahlen (zuletzt in NRW). Deshalb stellte Bundeskanzler Schröder am 1. Juli 2005 im Bundestag die Vertrauensfrage nach Art. 68 GG – mit dem Ziel, diese zu verlieren und so vorzeitige Neuwahlen zu erreichen. Daraufhin löste BundesprĂ€sident Horst Köhler den 15. Deutschen Bundestag auf und setzte Bundestagswahlen fĂŒr den 18. September 2005 an. Diese Wahl brachte keiner der angestrebten Koalitionen (SPD/GrĂŒne und Union/FDP) eine Mehrheit, und alle Versuche, eine andere Dreiparteienregierung zu bilden, scheiterten. Daher einigten sich CDU/CSU und SPD auf die Bildung einer Großen Koalition unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel (CDU), die unter anderem Grundfragen des Staatsaufbaus in der Föderalismusreform neu justierte.

Am 27. September 2009 fand die Wahl zum 17. Deutschen Bundestag statt. Die beiden Unionsparteien und die FDP erreichten zusammen die notwendige Mehrheit fĂŒr die von beiden Seiten angestrebte Bildung einer schwarz-gelben Koalition. Dies war vor allem aufgrund der StimmenzuwĂ€chse der FDP möglich, da die CDU wiederum an Stimmen verlor.[83] Merkel blieb Bundeskanzlerin. Nachdem die Regierung in der Energiepolitik zunĂ€chst eine LaufzeitverlĂ€ngerung deutscher Kernkraftwerke auf den Weg gebracht und damit den Atomkonsens aufgekĂŒndigt hatte, beschloss die Regierung nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima, endgĂŒltig aus der Atomenergie auszusteigen und die Energiewende voranzutreiben.

Der von Deutschland ratifizierte Vertrag von Lissabon trat im Jahr 2009 in Kraft. Seit 2010 ist Deutschland wichtiger Partner von StĂŒtzungsmaßnahmen, um der Staatsschuldenkrise im Euroraum zu begegnen. An der EuropĂ€ischen FinanzstabilisierungsfazilitĂ€t (EFSF), die fĂŒr eine Übergangszeit bis zum 30. Juni 2013 als finanzielles Instrument zur StĂŒtzung von Staaten der Eurozone eingerichtet war, trĂ€gt die Bundesrepublik einen Anteil von rund 28 Prozent der Verbindlichkeiten. Als dauerhaftes, seit dem 1. Juli 2013 alleinzustĂ€ndiges Instrument des Euro-Rettungsschirms trat am 27. September 2012 das Finanzinstitut EuropĂ€ischer StabilitĂ€tsmechanismus (ESM) in Kraft. Sein anfĂ€ngliches Stammkapital betrĂ€gt 700 Milliarden Euro, wovon die Bundesrepublik rund 190 Milliarden Euro beizutragen hatte. Im MĂ€rz 2012 hat Deutschland den EuropĂ€ischen Fiskalpakt mitunterzeichnet, der zur BekrĂ€ftigung und Absicherung des EU-StabilitĂ€ts- und Wachstumspaktes ein BĂŒndel von fiskalpolitischen Pflichten vorsieht.[84]

Politik

StaatsgrĂŒndung

Sitz des Deutschen Bundestages in Berlin. Davor die Fahne der Einheit, die seit dem 3. Oktober 1990 ununterbrochen weht.

Als Staat und Völkerrechtssubjekt gilt die Bundesrepublik Deutschland nach herrschender Lehre als identisch mit dem 1867 zu einem Bundesstaat umgewandelten Norddeutschen Bund, der ab 1871 den Namen „Deutsches Reich“ fĂŒhrte. Demzufolge besteht der deutsche Staat ohne Unterbrechungen seit dem Jahr 1867. Der Norddeutsche Bund, der 1866 als MilitĂ€rbĂŒndnis gegrĂŒndet worden war, erhielt zum 1. Juli 1867 eine Verfassung, die ihn zu einem monarchischen Bundesstaat unter preußischer FĂŒhrung formte. Auf dieser Verfassung beruhen die nachfolgenden Verfassungen des Deutschen Reiches von 1871 und 1919 sowie das damals noch provisorische Grundgesetz der Bundesrepublik von 1949, ferner gilt sie als BegrĂŒndungsakt des von der Bundesrepublik noch heute innegehaltenen Völkerrechtssubjekts. Nach der Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 â€“ die historiographisch auch als deutsche ReichsgrĂŒndung behandelt wurde â€“ trat am 16. April 1871 die Verfassung des Deutschen Reiches in Kraft. Damit entstand nach heutigem VerstĂ€ndnis der deutsche Nationalstaat unter Außenvorlassung Österreichs (auch als kleindeutsche Lösung bekannt). In den Jahren 1918 und 1919 erfolgte der Übergang dieses Gebildes in eine neue Staatsform: Am 9. November 1918 wurde durch den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann die „deutsche Republik“ proklamiert, wĂ€hrend der Sprecher des Spartakusbundes und spĂ€tere MitgrĂŒnder der KPD, Karl Liebknecht, kurz darauf eine „freie sozialistische Republik“ ausrief. Mit dem Inkrafttreten der Verfassung vom 11. August 1919 konstituierte sich die erste auf nationalstaatlicher Ebene verwirklichte deutsche Republik.

Das Grundgesetz bildet die rechtliche und politische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. (Installation der ersten Artikel von 1949)

Die so genannte Weimarer Verfassung galt wĂ€hrend der Herrschaft der NSDAP 1933 bis 1945 formell fort, war jedoch materiell ĂŒberwiegend außer Kraft gesetzt. Im frĂŒhen Nachkriegsdeutschland von 1945 bis 1949 galt das Besatzungsrecht der MilitĂ€rgouverneure und danach bis 1955 das der Hohen Kommissare des Alliierten Kontrollrats (Kontrollratsgesetze). 1949 wurden zwei Verfassungen in Kraft gesetzt. Das Grundgesetz fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 verkĂŒndet und zum 24. Mai 1949 in Kraft gesetzt, wobei es aufgrund des Geltungsbereichs bis zur deutschen Wiedervereinigung nur provisorischen Charakter besaß. Die erste Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik trat am 7. Oktober 1949 in Kraft und wurde am 9. April 1968 durch eine neue Verfassung ersetzt sowie 1974 revidiert. Zum 3. Oktober 1990 trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei.

Bisher wurden sechs Verfassungen des seit 1871 existierenden Nationalstaats Deutschland in Kraft gesetzt; die Daten ihrer Konstituierung werden unter staatsrechtlichen und ideengeschichtlichen Aspekten als GrĂŒndungsakte der jeweiligen deutschen Staatswesen betrachtet. Der 23. Mai 1949 ist das fĂŒr die Gegenwart bedeutendste GrĂŒndungsdatum, da an diesem Tag die noch heute gĂŒltige Verfassung Deutschlands verkĂŒndet wurde. Die Bundesrepublik ist mithin die historisch jĂŒngste AusprĂ€gung des deutschen Gesamt- oder Bundesstaates, dessen Geschichte sich bis zur EinfĂŒhrung der bundesrepublikanischen Prinzipien des Grundgesetzes und der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in verschiedene Phasen einteilen lĂ€sst: Norddeutscher Bund (1867–1871), Deutsches Kaiserreich (1871–1918), Weimarer Republik (1919–1933), nationalsozialistische Herrschaft (1933–1945), „Deutschland als Ganzes“ unter fremder Besatzung, ausgeĂŒbt durch den Alliierten Kontrollrat (1945–1949).

Politisches System

→ Hauptartikel: Politisches System Deutschlands
Politisches System der Bundesrepublik Deutschland

Die Verfassung der Bundesrepublik ist das Grundgesetz fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland.[85] Staatsoberhaupt ist der BundesprĂ€sident mit vor allem reprĂ€sentativen Aufgaben. Protokollarisch gesehen folgen ihm der PrĂ€sident des Deutschen Bundestages, der Bundeskanzler und der jeweils amtierende PrĂ€sident des Bundesrates, der nach dem Grundgesetz den BundesprĂ€sidenten vertritt. Hauptstadt und Regierungssitz ist die Stadt Berlin (Art. 22 Absatz 1 GG).

Artikel 20 GG legt verbindlich fest, dass die Bundesrepublik Deutschland als demokratischer, sozialer Bundesstaat föderativ organisiert sein muss. Bei diesem föderalen Rechtsstaat handelt es sich um eine parlamentarische Demokratie. Das Grundgesetz stellt an die Ausgestaltung der Bundesstaatlichkeit auch ganz bestimmte Anforderungen (sogenannte Ewigkeitsgarantie). Das heißt, es existieren zwei Ebenen im politischen System: die Bundesebene, die den Gesamtstaat Deutschland nach außen vertritt, und die LĂ€nderebene, die in jedem der 16 BundeslĂ€nder einzeln existiert. Jede Ebene besitzt eigene Staatsorgane der Exekutive (ausfĂŒhrende Gewalt), Legislative (gesetzgebende Gewalt) und Judikative (rechtsprechende Gewalt). Die LĂ€nder wiederum bestimmen die Ordnung ihrer StĂ€dte und Gemeinden; beispielsweise sind fĂŒnf LĂ€nder wiederum in insgesamt 22 Regierungsbezirke untergliedert. Die LĂ€nder haben sich eigene Verfassungen gegeben.

BundBundesländer/FlächenländerBundesländer/Stadtstaaten(Regierungsbezirke)(Land-)KreiseÄmter(Amtsangehörige/Kreisangehörige Gemeinden)(Amtsfreie) Kreisangehörige GemeindenKreisfreie StädteVertikale Verwaltungsstruktur Deutschlands
Über dieses Bild

Den deutschen LĂ€ndern kommt grundsĂ€tzlich StaatsqualitĂ€t zu, sie sind jedoch beschrĂ€nkte Völkerrechtssubjekte, die nur mit Einwilligung der Bundesregierung eigene VertrĂ€ge mit anderen Staaten eingehen dĂŒrfen (Art. 32 Abs. 3, Art. 24 Abs. 1 GG).[86] Die Bundesrepublik kann als die staatsrechtliche Verbindung ihrer BundeslĂ€nder angesehen werden, ist also Bundesstaat im eigentlichen Sinne. Demnach erhĂ€lt sie erst durch diese Verbindung selbst Staatscharakter.[87]

Gesetzgebungsorgane des Bundes sind der Deutsche Bundestag und der Bundesrat. Bundesgesetze werden vom Bundestag mit einfacher Mehrheit beschlossen. Sie werden wirksam, wenn der Bundesrat keinen Einspruch eingelegt hat oder, wenn das Gesetz der Zustimmung des Bundesrates bedarf, wenn der Bundesrat dem Gesetz zustimmt (Art. 77 GG). Eine Änderung des Grundgesetzes ist nur mit der Mehrheit von zwei Dritteln der Mitglieder des Bundestages und des Bundesrates möglich (Art. 79 GG). In den BundeslĂ€ndern entscheiden die LĂ€nderparlamente ĂŒber die Gesetze ihres Landes. Obwohl die Abgeordneten der Parlamente nach dem Grundgesetz nicht weisungsgebunden sind, dominieren in der Praxis Vorentscheidungen in den Parteien die Gesetzgebung.

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Joachim Gauck
BundesprÀsident
seit 2012
Angela Merkel
Bundeskanzlerin
seit 2005

Die Kompetenz zur Gesetzgebung liegt vom Grundsatz her bei den BundeslĂ€ndern, wenn nicht eine Gesetzgebungsbefugnis des Bundes besteht (Art. 70 GG). In FĂ€llen der ausschließlichen Gesetzgebung hat nur der Bund die Gesetzgebungskompetenz (Art. 71 GG), in den FĂ€llen der konkurrierenden Gesetzgebung besteht fĂŒr die LĂ€nder dann eine Gesetzgebungsbefugnis, wenn diese Bereiche nicht durch Bundesgesetz geregelt sind (Art. 72 Abs. 1 GG). Dazu zĂ€hlen vor allem die in den Artikeln 74, 74a und 105 Abs. 2 GG aufgefĂŒhrten Gebiete. Der Bund hat hierbei im Sinne des Absatzes 2 soweit aber das Recht, Gesetze zu erlassen, wenn dies zur „Herstellung gleichwertiger LebensverhĂ€ltnisse im Bundesgebiet oder [zur] Wahrung der Rechts- oder Wirtschaftseinheit im gesamtstaatlichen Interesse [
] erforderlich“ ist. Gesetzlich kann seitens des Bundes auch wieder bestimmt werden, dass auf jenen Rechtsgebieten „eine bundesgesetzliche Regelung [
] durch Landesrecht ersetzt werden kann“ (Art. 72 Abs. 4 GG).

Die Exekutive wird auf Bundesebene durch die Bundesregierung gebildet, die durch den Bundeskanzler als Regierungschef geleitet wird. Auf der Ebene der LĂ€nder leiten die MinisterprĂ€sidenten, in Hamburg und Bremen die PrĂ€sidenten des Senats (Hamburg: Erster BĂŒrgermeister; Bremen: Bremer BĂŒrgermeister), in Berlin der Regierende BĂŒrgermeister, die Exekutive. Auch die LĂ€nder sind parlamentarische Demokratien und deren Regierungschefs durch die Landtage, BĂŒrgerschaften bzw. das Abgeordnetenhaus von Berlin gewĂ€hlt. Die Verwaltungen des Bundes und der LĂ€nder werden jeweils durch die Fachminister geleitet.

Der Bundeskanzler wird auf Vorschlag des BundesprĂ€sidenten vom Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder gewĂ€hlt (Art. 63 GG), seine Amtszeit endet mit der Wahlperiode des Bundestages (Art. 69 Abs. 2 GG). Vor Ablauf der Wahlperiode des Bundestages kann der Bundeskanzler gegen seinen Willen nur dadurch aus dem Amt scheiden, dass der Bundestag mit der Mehrheit seiner Mitglieder einen Nachfolger wĂ€hlt (Art. 67 GG, sogenanntes Konstruktives Misstrauensvotum). Die Bundesminister werden auf Vorschlag des Bundeskanzlers ernannt (Art. 64 Abs. 1 GG), sie und der Bundeskanzler bilden die Bundesregierung (Art. 62 GG). Der Bundeskanzler besitzt die Richtlinienkompetenz fĂŒr die Politik der Bundesregierung (Art. 65 Satz 1 GG). Die FĂŒhrungsaufgabe in der deutschen „Kanzlerdemokratie“ kommt dem Bundeskanzler beziehungsweise der Bundeskanzlerin zu.[88] Die AusĂŒbung der staatlichen Befugnisse und die AusfĂŒhrung der Bundesgesetze obliegt grundsĂ€tzlich den BundeslĂ€ndern, sofern das Grundgesetz keine abweichende Regelung trifft oder zulĂ€sst (Art. 30, Art. 83 GG).

Staatshaushalt

Bundeshaushaltsplan 2011

Der Staatshaushalt umfasste 2013 Ausgaben von 1.223,1 Milliarden Euro, dem standen Einnahmen von 1.223,4 Milliarden Euro gegenĂŒber. Daraus ergab sich ein kleiner HaushaltsĂŒberschuss in Höhe von 0,3 Milliarden oder 0,01 Prozent des BIP.[89]

Die Staatsverschuldung Deutschlands betrug Ende 2013 2,044 Billionen Euro oder 78,1 Prozent des BIP – wobei diese Staatsschuldenquote in den kommenden Jahren deutlich zurĂŒckgehen soll.[90]

Neben verschiedenen Verkehrsteuern (zum Beispiel Umsatzsteuer) erzielt der Staat einen Großteil seiner Einnahmen aus Steuern vom Einkommen und Ertrag: Hierzu zĂ€hlen die Einkommen-, die Körperschaft- sowie die Gewerbesteuer.

Insofern Produkte oder Dienstleistungen der Umsatzsteuer unterliegen, betrĂ€gt der Steuersatz in Deutschland 19 (allgemeiner Satz) oder 7 Prozent (ermĂ€ĂŸigter Satz, zum Beispiel Lebensmittel etc.). Umgangssprachlich bzw. EU-rechtlich wird die Umsatzsteuer auch Mehrwertsteuer genannt.

Staatsgebiet

Das Schengener Abkommen garantiert offene Grenzen zu allen Nachbarstaaten.

Das Staatsgebiet der Bundesrepublik (Bundesgebiet) ergibt sich aus der Gesamtheit der Staatsgebiete ihrer LĂ€nder. Seit GrĂŒndung der Bundesrepublik Deutschland wurde ihr Staatsgebiet mehrfach erweitert, vor allem 1957 durch die Eingliederung des Saarlandes, 1990 den Beitritt der DDR einschließlich des Ostteils Berlins und der völkerrechtlich anerkannten Eingliederung West-Berlins, darĂŒber hinaus zwischen 1949 (erste TeilflĂ€chen Kehls) und 2002 (Straße N 274 bei Selfkant von den Niederlanden) durch die RĂŒckgabe von Gebieten, die nach dem Zweiten Weltkrieg Großbritannien (Helgoland), die Niederlande (unter anderem Elten), Belgien (unter anderem MĂŒtzenich), Luxemburg (ein Gebiet zwischen Vianden und Obersgegen) und Frankreich (Kehl) zunĂ€chst als zu ihren Staatsgebieten zugehörig betrachteten, sowie durch mehrere Ausdehnungen der Seegrenzen in Nord- und Ostsee.

Die letzte dieser Ausdehnungen erfolgte durch die Proklamation der Bundesregierung ĂŒber die Ausweitung des deutschen KĂŒstenmeeres vom November 1994 (bekanntgemacht im BGBl. 1994 I, S. 3428 f.) mit Wirkung zum 1. Januar 1995, durch welche die Bundesrepublik in der Nordsee die 12-Meilen-Zone vollkommen und in der Ostsee teilweise in Anspruch nahm, ohne dabei ihren Rechtsanspruch aufzugeben.

Der Verlauf der Bundesgrenze Deutschlands ist heute bis auf Teile des Bodensees festgelegt; noch immer umstritten ist zudem die Deutsch-NiederlĂ€ndische Grenzfrage das Ems-Dollart-Gebiet betreffend, weil beide Nachbarstaaten ihre jeweiligen kontrĂ€ren Rechtsstandpunkte ĂŒber den Grenzverlauf aufrechterhalten.[91] Innerhalb Deutschlands ist der Verlauf der LĂ€ndergrenzen zwischen Schleswig-Holstein, Niedersachsen und eventuell der Freien und Hansestadt Hamburg im Bereich der Unterelbe nie abschließend geklĂ€rt worden.[92]

Nicht zum Staatsgebiet gehört die Ausschließliche Wirtschaftszone in Nord- und Ostsee.

Parteienlandschaft

Zweitstimmen der Bundestagswahlen seit 1949 und Bundesregierungen

Das politische Spektrum in Deutschland wird maßgeblich durch die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien geprĂ€gt, es sind derzeit in vier Fraktionen fĂŒnf Parteien vertreten: CDU/CSU, gemeinsame Fraktion der Unionsparteien (Unionsfraktion); Fraktionen mit einer Partei sind die SPD, Die Linke und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. Die FDP ist die Partei mit der lĂ€ngsten Regierungsbeteiligung auf Bundesebene, jedoch seit 2013 nicht mehr im Bundestag vertreten. Knapp an der FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde scheiterte bei der Bundestagswahl 2013 die Partei Alternative fĂŒr Deutschland (AfD), die dagegen in einigen Landtagen vertreten ist.

Nahezu allen einflussreichen Parteien stehen â€“ mehr oder weniger selbstĂ€ndig â€“ Jugendorganisationen zur Seite. Die wichtigsten sind die Junge Union (CDU/CSU), die Jusos (SPD), die Jungen Liberalen (FDP), Linksjugend ['solid] (Die Linke) sowie die GrĂŒne Jugend (BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen).

Die politischen Parteien Deutschlands sind in den Fraktionen des EuropÀischen Parlaments vertreten. Des Weiteren gibt es parteinahe Stiftungen, welche den politischen Diskurs mitbestimmen, jedoch rechtlich von den Parteien unabhÀngig sind.

Außen- und Sicherheitspolitik

Plenarsaal des EuropĂ€ischen Parlaments in BrĂŒssel. Deutschland ist einer von 28 Mitgliedsstaaten der EuropĂ€ischen Union.

Die wichtigsten Leitlinien deutscher Außenpolitik sind die Westbindung und die europĂ€ische Integration. Deutschland hat in Zusammenarbeit mit Frankreich am Aufbau europĂ€ischer Organisationen einen entscheidenden Anteil. Die Bundesrepublik ist seit 1950 Mitglied des Europarates und unterschrieb 1957 die Römischen VertrĂ€ge, den Grundstein fĂŒr die heutige EuropĂ€ische Union (EU). Zentraler Aspekt fĂŒr die Sicherheitspolitik und Ausdruck der Westbindung ist die Mitgliedschaft in der NATO, der die Bundesrepublik 1955 beitrat.

WĂ€hrend des Kalten Krieges war der Spielraum deutscher Außenpolitik begrenzt. Als eines der wichtigsten Ziele galt die Wiedervereinigung. MilitĂ€reinsĂ€tze im Ausland kamen nicht infrage. Laut Grundgesetz darf sich die Bundeswehr an Angriffskriegen nicht beteiligen, ihre Aufgabe besteht lediglich in der Landes- und BĂŒndnisverteidigung. Durch die der sozialliberalen Koalition ab 1969 initiierte „Neue Ostpolitik“ unter dem Motto Wandel durch AnnĂ€herung, die zunĂ€chst von wichtigen VerbĂŒndeten sehr skeptisch betrachtet wurde, konnten dennoch eigenstĂ€ndige politische Akzente gesetzt werden. SpĂ€ter wurde diese Politik grundsĂ€tzlich auch von der liberalkonservativen Kohl-Regierung seit 1982 fortgesetzt.

Seit 1955 ist Deutschland Mitglied der NATO (Gipfeltreffen in Prag, 2002)

Seit der Wiedervereinigung hat Deutschland seine außenpolitischen GrundsĂ€tze erweitert und einen Weg zu grĂ¶ĂŸerer internationaler Verantwortung eingeschlagen. So nimmt die Bundeswehr seit 1991 mit Zustimmung des Bundestages und zusammen mit verbĂŒndeten Armeen an verschiedenen friedenserhaltenden und -erzwingenden EinsĂ€tzen auch außerhalb Deutschlands und des Territoriums der NATO-VerbĂŒndeten teil (Out-Of-Area-EinsĂ€tze).

Traditionell spielt Deutschland zusammen mit Frankreich eine fĂŒhrende Rolle in der EuropĂ€ischen Union. Deutschland treibt die BemĂŒhungen voran, ĂŒber die Wirtschafts- und WĂ€hrungsunion hinaus ein einheitliches und wirkungsvolles System der europĂ€ischen Außen- und Sicherheitspolitik zu schaffen.

Die Bundesrepublik ist GrĂŒndungsmitglied der G8 und G20 (G8-Gipfeltreffen in Heiligendamm, 2007).

Weitere außenpolitische Ziele sind die Verwirklichung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz sowie die weltweite Anerkennung des Internationalen Strafgerichtshofs. Bedeutendes Interesse hat Deutschland auch an einer friedlichen Lösung des Nahostkonflikts. Aufgrund der schwierigen Materie und den Begrenzungen deutscher Politik besteht der Beitrag vor allem in der Bereitstellung informeller Kontaktmöglichkeiten zwischen den beteiligten Parteien.

Die Bundesregierung lehnte den Irakkrieg 2003 ab, da sie die Existenz von Massenvernichtungswaffen bezweifelte, eine diplomatische Lösung bevorzugte und um erhebliche Gefahren fĂŒr die politische StabilitĂ€t des gesamten als fragil eingestuften Raumes fĂŒrchtete. DafĂŒr wurde sie von wichtigen VerbĂŒndeten stark kritisiert. Zusammen mit den VerbĂŒndeten Großbritannien und Frankreich bemĂŒht sich die Bundesrepublik, den Iran im Dialog dazu zu bewegen, auf die WeiterfĂŒhrung seines Kernenergieprogramms zu verzichten.

Die Bundesregierung strebt einen stĂ€ndigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an. Die Durchsetzung dieses Zieles wird jedoch aufgrund des Widerstands anderer, teils verbĂŒndeter Staaten erschwert und hat nur geringe Aussicht auf Erfolg. So wĂŒrden zwar Frankreich und Großbritannien die G4-Staaten (Deutschland, Indien, Japan und Brasilien) grundsĂ€tzlich unterstĂŒtzen; jedoch beziehen die Vereinigten Staaten zu einem deutschen Sitz bisher keine Stellung.

Im Jahr 2006 veröffentlichte das Bundesministerium der Verteidigung ein neues Weißbuch, welches die Einbettung der Bundeswehr in friedenssichernde Maßnahmen auch in entlegenen Regionen der Erde vorsieht.

MilitÀr

→ Hauptartikel: Bundeswehr

Zweisitziger Eurofighter der Luftwaffe

Nach ihrer GrĂŒndung 1949 durfte die Bundesrepublik Deutschland zunĂ€chst keine eigenen StreitkrĂ€fte aufstellen. Unter dem Eindruck des Koreakrieges und der sowjetischen Politik in Osteuropa wurde es der Bundesrepublik im Rahmen der Wiederbewaffnung gestattet, zunĂ€chst 1951 den paramilitĂ€rischen Bundesgrenzschutz als Grenzpolizei und 1955 StreitkrĂ€fte aufzustellen, um der NATO beizutreten. Nach der Wiedervereinigung wurden Teile der Nationalen Volksarmee der DDR in diese StreitkrĂ€fte eingegliedert.

Die als Bundeswehr bezeichnete militĂ€rische Gesamtorganisation besteht aus den StreitkrĂ€ften und ihrer Verwaltung. Die StreitkrĂ€fte gliedern sich in die TeilstreitkrĂ€fte Heer, Luftwaffe und Marine und die unterstĂŒtzenden Organisationsbereiche StreitkrĂ€ftebasis und Zentraler SanitĂ€tsdienst. Nach Ende des Kalten Krieges wurde die GesamtstĂ€rke der Bundeswehr von rund 500.000 bis 2009 schrittweise auf 250.000 Soldaten reduziert. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde eine maximale FriedensstĂ€rke von 370.000 deutschen Soldaten als völkerrechtlich bindend festgelegt.

Die Bundeswehr distanziert sich in ihrem SelbstverstĂ€ndnis ausdrĂŒcklich sowohl von der Wehrmacht der NS-Zeit als auch von der NVA der DDR. Sie sieht ihre Traditionsgrundlagen in der preußischen Heeresreform der Zeit um 1810, den Befreiungskriegen gegen Napoleon Bonaparte, dem militĂ€rischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie der eigenen Geschichte.[93] Als bedeutendstes militĂ€risches Zeremoniell gilt der Große Zapfenstreich, dessen historische Wurzeln in die erste HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts zurĂŒckreichen. Besonders öffentlichkeitswirksam sind ebenso die hĂ€ufig außerhalb militĂ€rischer Anlagen durchgefĂŒhrten Vereidigungen bzw. Gelöbnisse der Soldaten, die gelegentlich von verschiedenen Teilen der Bevölkerung kritisiert werden.[94]

Öffentliches Gelöbnis in Mainz (2008)

Die Bundeswehr definiert sich als Parlamentsarmee, ĂŒber deren EinsĂ€tze ausschließlich der Bundestag auf Vorschlag der Bundesregierung entscheidet. Damit ist die Bundeswehr die erste Armee eines deutschen Nationalstaates, bei der nicht das Staatsoberhaupt den Oberbefehl fĂŒhrt, sondern die der Volksvertretung verantwortlich ist.[95] FĂŒr die Soldaten gilt das Leitbild des „BĂŒrgers in Uniform“.

Soldaten der Bundeswehr wÀhrend des ISAF-Auslandseinsatzes in Afghanistan

In der Bundeswehr dienten im Juli 2014 rund 181.000 Soldaten und 75.000 zivile Mitarbeiter. Seit 2001 haben auch Frauen uneingeschrĂ€nkten Zugang zum Dienst in den StreitkrĂ€ften. Ihr Anteil betrĂ€gt 10,2 Prozent der Soldaten (Stand: 2014). Die Bundesrepublik Deutschland gibt im Jahr 2014 32,4 Milliarden Euro fĂŒr die Bundeswehr aus, was einen Anteil von etwa 1,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt entspricht. Dies liegt unter dem Durchschnitt der NATO-Mitgliedstaaten von 2,3 Prozent. Damit hat Deutschland im Vergleich den siebtgrĂ¶ĂŸten nationalen Verteidigungsetat weltweit.

Im Zuge der verstĂ€rkten Teilnahme der Bundeswehr an multinationalen Auslandsmissionen seit 1990 lĂ€uft derzeit eine langfristig angesetzte Reform der StreitkrĂ€fte, die eine Reduzierung des schweren GerĂ€ts (Kampfpanzer, Artillerie) zugunsten leichteren, fĂŒr globale EinsĂ€tze besser geeigneten Materials zum Ziel hat. Im April 2012 befanden sich rund 6500 deutsche Soldaten im Ausland im Einsatz.

Fregatte Mecklenburg-Vorpommern der Deutschen Marine

Es besteht seit 1956 eine allgemeine Wehrpflicht fĂŒr MĂ€nner, wobei jedoch die zwangsweise Einberufung zum dazugehörigen Grundwehrdienst (GWD) nach 54 Jahren endete. Nach den ersten Freiwilligen kamen am 1. April 1957 die zum Dienst an der Waffe verpflichteten Rekruten in die Kasernen.[96] Der Grundwehrdienst dauerte zuletzt sechs Monate, was bereits fĂŒr Grundwehrdienstleistende galt, die zum 1. Juli 2010 einberufen worden sind. Bislang konnte alternativ als Ersatz ein Zivildienst (Dauer ebenfalls sechs Monate), ein Auslandsjahr (zwölf Monate) oder eine mindestens sechsjĂ€hrige Mitarbeit im Katastrophen- oder Zivilschutz (z. B. bei einer Freiwilligen Feuerwehr oder bei anerkannten privaten Hilfsorganisationen) abgeleistet werden. Im Zuge einer grundlegenden Strukturreform mit einer drastischen Reduzierung der MannstĂ€rke wurde u. a. zwecks umfassender Neuausrichtung der Bundeswehr bestimmt, dass die Wehrpflicht in Deutschland zum 1. Juli 2011 offiziell ausgesetzt und damit faktisch aufgehoben wurde. Sie bleibt jedoch grundsĂ€tzlich im Grundgesetz verankert. Neben den ĂŒbrigen Bundestagsparteien sprachen sich seit Herbst 2010 auch die Unionsparteien fĂŒr ihre Abschaffung aus; in der öffentlichen Wahrnehmung war die Wehrpflicht zuletzt nicht mehr unumstritten (→ Wehrgerechtigkeit). Die Bundeswehr wurde somit zur Freiwilligenarmee und der Zivildienst vom neuen Bundesfreiwilligendienst ersetzt. ZukĂŒnftig können sich junge MĂ€nner und Frauen zum Freiwilligen Wehrdienst melden und einen mindestens sechs und maximal 23 Monate dauernden Dienst ableisten. Die seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 laufende Reform der StreitkrĂ€fte sieht eine personelle StĂ€rke von 185.000 Soldaten und 55.000 zivilen Mitarbeitern vor.[97]

Bis 2005 waren auf dem US-StĂŒtzpunkt Ramstein und dem LuftwaffenstĂŒtzpunkt BĂŒchel (beide in Rheinland-Pfalz) noch 150 US-amerikanische Kernwaffen stationiert.[98] Heute lagern noch 20 Sprengköpfe in BĂŒchel, an deren Einsatzplanung Deutschland im Rahmen der nuklearen Teilhabe beteiligt ist.[99]

Polizei und Nachrichtendienste

Polizei

Streifenwagen der Polizei in Deutschland

ZustĂ€ndig fĂŒr die Innere Sicherheit der Bundesrepublik sind die Polizeien der LĂ€nder, welche zum Teil in Vollzugspolizei und Ordnungsbehörden geteilt werden. Dabei ĂŒbernehmen die Ordnungsbehörden verwaltungstechnische Aufgaben, wĂ€hrend die Vollzugspolizei den Großteil der Aufgaben zur Gefahrenabwehr ĂŒbernimmt. Zur Vollzugspolizei gehören etwa die Schutzpolizei, die Bereitschaftspolizei sowie die Kriminalpolizei. Der Kriminalpolizei steht zudem das Bundeskriminalamt beziehungsweise die einzelnen LandeskriminalĂ€mter vor. Das Bundeskriminalamt ist direkt dem Bundesministerium des Innern unterstellt und damit die höchste Ermittlungsbehörde in Deutschland. Zur Bundespolizei gehören unter anderem die Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei sowie die Mobile Fahndungseinheit.

Nachrichtendienste

FĂŒr die nachrichtendienstliche Informationsbeschaffung, die Spionageabwehr und den Verfassungsschutz sind in Deutschland drei verschiedene Dienste zustĂ€ndig. Der Bundesnachrichtendienst (BND) als klassischer Auslandsnachrichtendienst und das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz nebst nachgeordneter Landesbehörden fĂŒr Verfassungsschutz als Inlandsnachrichtendienst haben keine polizeilichen Befugnisse. Hinsichtlich des MilitĂ€rischen Abschirmdienstes (MAD), des militĂ€rischen Nachrichtendienstes, wird seit 2010 von der Bundesregierung die Verschmelzung mit dem Verfassungsschutz diskutiert.

Siehe auch: Bundeszollverwaltung, Zollkriminalamt, Zollfahndungsdienst, Wirtschaftskontrolldienst, Bundeskriminalamt (Deutschland), Bundesnachrichtendienst

Recht

Geschichte

→ Hauptartikel: Deutsches Recht (historisch)

Das deutsche Recht hat eine lange, bis in germanische Zeit zurĂŒckreichende Tradition. Im Mittelalter wurden bedeutende Rechtssammlungen wie der Sachsenspiegel angelegt, die nicht Recht setzen, sondern vorhandenes Gewohnheitsrecht fixieren sollten. Ab dem 12. Jahrhundert wurde im Heiligen Römischen Reich zunehmend Römisches Recht angewendet, welches wegen seiner Exaktheit und UniversalitĂ€t als dem einheimischen germanischen Recht ĂŒberlegen empfunden wurde. Aufgrund seiner staatlichen Zersplitterung kannte das „Alte Reich“ aber, von wenigen Kodifikationen wie der Constitutio Criminalis Carolina abgesehen, kein einheitliches deutsches Recht.

Das 1895 erbaute ReichsgerichtsgebÀude in Leipzig wird seit 2002 als Bundesverwaltungsgericht genutzt.

Von nicht zu unterschĂ€tzender Bedeutung war die Einrichtung des Reichskammergerichts im Jahr 1495 als Rechtsmittelgericht des Reichs gegen Entscheidungen der Gerichte der einzelnen deutschen Staaten. Allerdings besaßen bestimmte deutsche Staaten das Privilegium de non appellando, also das Privileg, dass gegen Entscheidungen ihrer Gerichte kein Rechtsmittel zum Reichskammergericht gegeben war.

Im 18. Jahrhundert gaben sich einzelne deutsche Staaten vom Geist der AufklĂ€rung geprĂ€gte Gesetzeswerke wie den Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis von 1756 und das Allgemeine Landrecht fĂŒr die Preußischen Staaten von 1794. 1812 wurde in den Deutschen Erblanden der österreichischen Monarchie ein modernes Allgemeines bĂŒrgerliches Gesetzbuch (ABGB) in Kraft gesetzt. Die napoleonische Ära brachte die EinfĂŒhrung des wegweisenden Code civil in den von Frankreich annektierten deutschen Gebieten und einigen Rheinbundstaaten, bei der es auch nach der Niederlage Napoleons blieb. Ansonsten wurde in vielen Staaten des Deutschen Bundes weiterhin teilweise noch römisches und germanisches Recht angewendet.

Erst mit Schaffung der staatlichen Einheit im Jahr 1871 war die Voraussetzung fĂŒr einheitliche Gesetze im Deutschen Reich gegeben. Bereits 1871 wurde das Reichsstrafgesetzbuch verabschiedet, zum 1. Oktober 1879 traten die Reichsjustizgesetze in Kraft: Gerichtsverfassungsgesetz, Zivilprozessordnung, Strafprozessordnung, Konkursordnung und weitere EinfĂŒhrungs- und Nebengesetze. Zum 1. Oktober 1879 nahm auch das Reichsgericht als oberstes Gericht des Reichs seine Arbeit auf. Am 1. Januar 1900 traten schließlich das BĂŒrgerliche Gesetzbuch (BGB) und das Handelsgesetzbuch (HGB) in Kraft und schufen auch auf dem Gebiet des Zivilrechts und des Handelsrechts Rechtseinheit.

Der Nationalsozialismus pervertierte das Recht zum Mittel der Gewaltherrschaft, wofĂŒr hier stellvertretend die Terrorurteile des Volksgerichtshofs zu nennen sind. Mit der GrĂŒndung der Bundesrepublik Deutschland wurde in Deutschland dann wieder ein Rechtsstaat geschaffen. Auf dem Gebiet der DDR hingegen, wo die Doktrin der „einheitlichen sozialistischen Staatsmacht“ galt und Gewaltenteilung und UnabhĂ€ngigkeit der Gerichte unbekannt waren, kehrten erst im Zuge der Wende und friedlichen Revolution in der DDR und letztlich mit der Wiederherstellung der staatlichen Einheit im Jahr 1990 wieder rechtsstaatliche VerhĂ€ltnisse ein.

Rechtswesen

→ Hauptartikel: Bundesdeutsches Recht

GebĂ€ude des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe Die Bundesrepublik Deutschland versteht sich als Rechtsstaat (Art. 20, Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG), was bedeutet, dass staatliche TĂ€tigkeit nur durch das Recht begrĂŒndet werden kann und durch das Recht begrenzt wird. Wer durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt wird, hat das Recht, bei Gericht um Rechtsschutz hiergegen nachzusuchen (Art. 19 Abs. 4 GG). Die Richter sind unabhĂ€ngig und unterliegen bei der Rechtsprechung keinerlei Weisungen.

Die Rechtsprechung wird im Wesentlichen von Gerichten der BundeslĂ€nder ausgeĂŒbt: In Zivilsachen und Strafsachen durch die Amtsgerichte, die Landgerichte und die Oberlandesgerichte (in Berlin Kammergericht genannt), in Arbeitssachen durch die Arbeitsgerichte und die Landesarbeitsgerichte, in Verwaltungsrechtssachen durch die Verwaltungsgerichte und die Oberverwaltungsgerichte (in drei BundeslĂ€ndern Verwaltungsgerichtshof genannt), in Sozialrechtssachen durch die Sozialgerichte und die Landessozialgerichte und in Finanzgerichtssachen durch die Finanzgerichte. Als Bundesgericht besteht fĂŒr den gewerblichen Rechtsschutz das Bundespatentgericht. Daneben existieren als Rechtsmittelgerichte die obersten Gerichtshöfe des Bundes (Art. 95 GG): Der Bundesgerichtshof als oberstes Zivil- und Strafgericht, das Bundesarbeitsgericht, das Bundesverwaltungsgericht, das Bundessozialgericht und der Bundesfinanzhof. FĂŒr verfassungsrechtliche Streitigkeiten besteht außerdem das Bundesverfassungsgericht (Art. 93 GG), dessen Entscheidungen Gesetzeskraft entfalten können und so andere Gerichte binden.

Zunehmende Bedeutung haben das Europarecht und die Rechtsprechung des Gerichtshofs der EuropĂ€ischen Union gewonnen. Vor diesem Hintergrund ĂŒbt die EuropĂ€ische Union erheblichen Einfluss auf das deutsche Recht aus. Seit dem Vertrag von Lissabon bildet die Bundesrepublik mit den anderen EU-Staaten eine Mitgliedschaft im Staatenverbund der EU, die ihrerseits nun auf der Grundlage eines derivativen Völkerrechtssubjektes fußt.

Bevölkerung

→ Hauptartikel: Deutsche

Demografie

Bevölkerungsaufbau nach Alter im Jahr 2010. Deutschland verzeichnet eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt.

→ Hauptartikel: Demografie Deutschlands

Auf Grundlage von Berechnungen des Zensus 2011 lebten am 31. Dezember 2012 in der Bundesrepublik Deutschland offiziell 80.523.746 Einwohner auf der FlĂ€che von 357.121 Quadratkilometern.[5] Das Land gehört damit zu den dicht besiedelten FlĂ€chenstaaten. 15,7 Prozent der Bevölkerung waren im selben Jahr unter 18 Jahre, 42,3 Prozent zwischen 18 und 49 Jahre. Der Anteil der 50- bis 64-JĂ€hrigen lag bei 20,8 Prozent, und 21,2 Prozent waren ĂŒber 65 Jahre. Im Jahr 2010 lag das durchschnittliche Alter der Deutschen bei 43,7 Jahren.[100]

Deutschland verzeichnete im Jahr 2010 (vor dem Zensus 2011) eine im weltweiten Vergleich sehr niedrige Geburtenrate von durchschnittlich 1,39 Kindern pro Frau (8,1 Geburten pro 1000 Einwohner).[101] Die Anzahl der lebend geborenen Kinder lag im Jahr 2012 bei 673.544. Dies entspricht im Schnitt 1,38 Kindern pro Frau bzw. 8,2 Geburten pro 1000 Einwohner. Im selben Zeitraum wurden 869.582 SterbefĂ€lle registriert, etwa 10,6 FĂ€lle pro 1000 Einwohner. Etwa 196.000 Kinder wurden demnach weniger geboren als Menschen verstarben.[102] Trotz des jĂ€hrlich zu verzeichnenden Geburtendefizits lebten im Jahr 2012 in Deutschland etwa 196.000 Menschen mehr als ein Jahr zuvor. Dies ist auf hohe Wanderungsgewinne (+368.945) gegenĂŒber dem Ausland zurĂŒckzufĂŒhren, die das Geburtendefizit ausgleichen.[103]

Etwa 74 Millionen Personen (92,3 %) in Deutschland besaßen im Jahr 2011 die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft. Im selben Jahr lebten insgesamt 15 Millionen Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Dies entspricht knapp 19 % der Bevölkerung. Als Personen mit Migrationshintergrund zĂ€hlen im Zensus 2011 alle AuslĂ€nder/-innen sowie alle Deutschen, die nach 1955 auf das Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland zugewandert sind oder mindestens einen nach 1955 zugewanderten Elternteil haben. Unter ihnen bilden die Aussiedler bzw. SpĂ€taussiedler die grĂ¶ĂŸte Gruppe, gefolgt von BĂŒrgern der TĂŒrkei, anderer Staaten der EuropĂ€ischen Union und des ehemaligen Jugoslawiens.[104] Zwischen 1950 und 2002 wurden insgesamt 4,3 Millionen Menschen, oder im Land geborene oder seit langer Zeit in Deutschland lebende ehemalige AuslĂ€nder auf eigenen Antrag eingebĂŒrgert.

Migration

Einwohnerentwicklung Deutschlands seit 1800. Von 80,3 Millionen Einwohnern des Landes im Jahr 2011 besitzen 6,3 Millionen nicht die deutsche Staatsangehörigkeit.

In Deutschland leben Einwanderer aus 194 LĂ€ndern. Nach Berechnungen aus dem Jahr 2013 machte der Bevölkerungsteil ohne deutsche Staatsangehörigkeit am 31. Dezember 2011 etwa 6,3 Millionen Einwohner aus.[5] Nach MehrlĂ€nder/Schultze[105] sprechen einige Faktoren sowie Untersuchungen der UN aus dem Jahr 2006 dafĂŒr,[106] dass Deutschland „de facto bereits seit LĂ€ngerem“ als Einwanderungsland anzusehen ist.[107] 2012 war Deutschland nach den Vereinigten Staaten das zweitbeliebteste Einwanderungsland.[108]

Die grĂ¶ĂŸte Gruppe stellten im Jahr 2010 (vor den Zensus 2011 Erhebungen) mit 1.629.480 Personen tĂŒrkische Staatsangehörige (→ TĂŒrkeistĂ€mmige in Deutschland). Aus Mitgliedstaaten der EuropĂ€ischen Union leben rund 2,4 Millionen Menschen auf dem Gebiet der Bundesrepublik. Den grĂ¶ĂŸten Anteil haben hier Italiener (517.546), Polen (419.435) und Griechen (276.685). Der Anteil der europĂ€ischen StaatsbĂŒrger aus Nicht-EU-LĂ€ndern hatte sich durch Migration insbesondere aus Ex-Jugoslawien (etwa eine Million) und aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er-Jahren erhöht. Ferner leben in Deutschland 824.352 Menschen mit einer asiatischen Staatsangehörigkeit, 271.431 Afrikaner und 215.213 Amerikaner (davon 97.732 aus den USA).[109] 2010 erwarben rund 101.600 Personen die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft (2006: 124.566) durch EinbĂŒrgerung.[110]

Im Jahr 2011 ergibt sich ein Gesamtanteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Sinne der amtlichen Statistik (d. h. seit 1949 von außerhalb in das heutige Bundesgebiet eingewanderte Personen und deren Nachkommen) von etwa 19 Prozent (15 Millionen Einwohner) und einen Gesamtanteil der Bevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit von 8,3 Prozent (6,6 Millionen Einwohner). Der Bevölkerungsanteil von AuslĂ€ndern und Menschen mit Migrationshintergrund ist regional sehr unterschiedlich, wobei die höchsten Anteile in den BallungsrĂ€umen des SĂŒdens erreicht werden, wĂ€hrend in den lĂ€ndlichen Gebieten Ost- und Norddeutschlands nur wenige Migranten leben. 2010 waren Offenbach am Main (25,8 %), Mannheim (23,6 %) und MĂŒnchen (23,5 %) die kreisfreien StĂ€dte mit den höchsten AuslĂ€nderanteilen, wĂ€hrend dieser in 43 Landkreisen und zwei kreisfreien StĂ€dten in den neuen LĂ€ndern bei unter 2 % lag.[111]

Die Zahl der gesamten polnischen Diaspora in Deutschland, die bereits seit dem 19. Jahrhundert existiert, belĂ€uft sich auf weit ĂŒber zwei Millionen, wobei die meisten seit Generationen von der einheimischen Bevölkerung assimiliert sind. Angestammte nationale Minderheiten sind DĂ€nen (etwa 50.000[112][113][114]), Friesen (Zahlen siehe dort), Sorben (etwa 60.000) und Sinti (etwa 70.000).

Sprachen und Dialekte

→ Hauptartikel: Deutsche Sprache

Kenntnisse der deutschen Sprache in den LĂ€ndern Europas. Das Deutsche ist die meistgesprochene Muttersprache in der EU und dort eine von drei Arbeitssprachen.

Die in Deutschland hauptsĂ€chlich verbreitete Sprache ist Deutsch (Hochdeutsch), gefolgt von Niederdeutsch mit abweichenden Zahlenangaben ĂŒber die Gesamtanzahl der aktiven Sprecher von rund 5,5 Millionen Sprechern[115] bis rund elf Millionen, davon ungefĂ€hr vier Millionen, die die Sprache gut bis sehr gut beherrschen.[116]

Deutsch wird als Standardsprache im Amtsgebrauch, den ĂŒberregionalen Medien und als Schriftsprache verwendet. Als Sprache des Alltags wird es in vielen Regionen fast ausschließlich gesprochen (oft regional leicht eingefĂ€rbt). Der Übergang zu den deutschen Dialekten ist fließend. Neben Französisch und Englisch ist Deutsch eine von den drei am hĂ€ufigsten verwendeten Amts- und Arbeitssprachen der EuropĂ€ischen Union.

Neben der deutschen Sprache sind regional seit langem auch Sprachen in Deutschland heimischer Sprachminderheiten offiziell als Minderheiten- oder Regionalsprachen nach der EuropĂ€ischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen anerkannt. Im Einzelnen sind das: DĂ€nisch (sowohl ReichsdĂ€nisch, ĂŒberwiegend in der Variante Sydslesvigdansk, als auch SĂžnderjysk), Friesisch (als Minderheitensprache: Nordfriesisch in Schleswig-Holstein, Saterfriesisch in Niedersachsen), Sorbisch (als Minderheitensprache: Obersorbisch in Sachsen, Niedersorbisch in Brandenburg), Romanes (Minderheitensprache der Sinti und Roma), Niederdeutsch (Regionalsprache in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern sowie in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt).

Die erste vollstĂ€ndige BibelĂŒbersetzung ins Deutsche, 1534

Partiell (rÀumlich und/oder sachlich) besitzen in Schleswig-Holstein die Regional- und Minderheitensprachen Niederdeutsch, DÀnisch und Friesisch (siehe Friesisch-Gesetz) den Rang einer Amtssprache. Andere in Deutschland traditionelle (wie beispielsweise die jenische Sprache oder das Jiddisch) oder neue Minderheitensprachen wurden nicht in die Charta aufgenommen.[117]

Ehemals verbreitete Sprachen wie Moselromanisch (im 11. Jahrhundert ausgestorben), Polabisch (im 18. Jahrhundert ausgestorben) oder Jiddisch werden heute nicht oder kaum mehr gesprochen.

Die Verwendung von Dialekten wird von manchen Menschen als Makel, von anderen als kulturelle Bereicherung empfunden. Im norddeutschen Raum verwenden Angehörige der höheren Bildungsschichten seltener die niederdeutsche Sprache oder regionale Mundarten, wĂ€hrend im sĂŒddeutschen Sprachraum selbst in akademischen Kreisen der Gebrauch des Dialekts ĂŒblich ist. Da das Standarddeutsche sich aus hochdeutschen (mittel- und oberdeutschen) Sprachformen entwickelt hat und die Dialekte der niederdeutschen Sprache verdrĂ€ngt hat, sprechen Norddeutsche tendenziell eher ein dialektfreies Deutsch als die Bevölkerung in den sĂŒdlichen zwei Dritteln des Landes.

Die hannoveranische Lautung ist dem heutigen Standarddeutsch sehr verwandt. (Das Neue Rathaus in Hannover)

Die von Gehörlosen verwendete Deutsche GebÀrdensprache ist seit 2002 in Deutschland als eigenstÀndige Sprache anerkannt.

Seit der Einwanderung der Germanen in das heutige Gebiet Deutschlands sind immer wieder neuere Zuwanderer hinzugekommen, die auch ihre jeweiligen Sprachen mitbrachten (zum Beispiel die Römer in den Kolonien Germaniens, die Hunnen wĂ€hrend der Völkerwanderung, die Hugenotten seit dem 17. Jahrhundert, die Ruhrpolen im 19. Jahrhundert). WĂ€hrend die Nachkommen der Ă€lteren Zuwanderungswellen sich inzwischen sprachlich weitgehend angepasst haben, verwenden diejenigen Zuwanderer, die erst in den vergangenen Jahrzehnten gekommen sind (allen voran die sogenannten Gastarbeiter, aber auch FlĂŒchtlinge), untereinander neben dem Deutschen noch hĂ€ufig ihre Muttersprache, vor allem TĂŒrkisch (etwa zwei Millionen). Daneben ist auch die Russische Sprache verbreitet, zum einen unter jĂŒdischen KontingentflĂŒchtlingen, aber auch unter Russlanddeutschen, zu denen nicht nur deutsche oder ‚plautdietsche‘, sondern auch russische Muttersprachler gehören. Die Angaben zur Anzahl russischer Muttersprachler variieren je nach Quelle stark und liegen bei drei bis vier Millionen. Auch die Zahl der Personen, deren Alltagssprache Polnisch ist, wird relativ hoch vermutet. Hierbei schwankt die Zahl ebenfalls je nach Quelle.

Die an Schulen vorrangig gelehrte Fremdsprache ist Englisch, gefolgt von Französisch und Latein und danach von Russisch. In den letzten Jahren ist außerdem Spanisch sowie in den westlichen Landesteilen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen NiederlĂ€ndisch immer beliebter geworden. Die Entscheidung ĂŒber die unterrichteten Fremdsprachen haben die Schulministerien in den einzelnen LĂ€ndern. Weitere Fremdsprachen wie zum Beispiel Chinesisch oder Italienisch können SchĂŒler an manchen Schulen als regulĂ€res Unterrichtsfach oder als Arbeitsgemeinschaft (AG) wĂ€hlen.[118]

Religionen

→ Hauptartikel: Religionen in Deutschland

Martin Luther (1483–1546), GemĂ€lde von Lucas Cranach dem Älteren, 1528

In Deutschland wird Religionsfreiheit als Grundrecht garantiert. Das VerhĂ€ltnis von Religion und Staat wird durch die Artikel 136 bis 139 der Weimarer Reichsverfassung (WRV) geregelt, die durch Art. 140 GG Bestandteil des Grundgesetzes sind. Danach gilt neben der Religionsfreiheit die weltanschauliche NeutralitĂ€t des Staates und das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften. Auf dieser Basis ist das VerhĂ€ltnis von Religionsgemeinschaften und Staat partnerschaftlich; es gibt also keine strikte Trennung von Kirche und Staat wie im Laizismus, sondern in vielen sozialen und schulisch-kulturellen Bereichen bestehen Verflechtungen, beispielsweise ĂŒber kirchliche, aber staatlich mitfinanzierte TrĂ€gerschaft von KindergĂ€rten, Schulen, KrankenhĂ€usern oder Pflegeheimen. Ebenso berufen sich einige deutsche Parteien auf die christliche Tradition des Landes. Die christlichen Kirchen besitzen den Status von Amtskirchen und sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, aufgrund des geltenden Staatskirchenrechts jedoch sui generis.[119] Durch den verliehenen Körperschaftsstatus sollen den Kirchen und den ihnen insoweit gleichgestellten Religionsgemeinschaften vielmehr bestimmte, dem öffentlichen Recht eigentĂŒmliche Gestaltungsmöglichkeiten eingerĂ€umt werden, ohne dass sie dabei aber einer Staatsaufsicht unterliegen; stattdessen wird sowohl der kirchliche Öffentlichkeitsauftrag teilweise in KirchenvertrĂ€gen mit den LĂ€ndern oder den entsprechenden Regelungen in den Landesverfassungen anerkannt wie auch die besondere, originĂ€re Kirchengewalt rechtlich bekrĂ€ftigt.[120]

J. A. Ratzinger, Papst Benedikt XVI., 2005 bis 2013 Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche

Wie der grĂ¶ĂŸte Teil West- und Mitteleuropas ist das heutige Deutschland in einem bis zur Antike zurĂŒckreichenden historischen und kulturellen Kontext christlich-abendlĂ€ndisch, und seit etwa dem 18. Jahrhundert ebenso aufgeklĂ€rt-wissenschaftlich geprĂ€gt. Dieser PrĂ€gung liegen EinflĂŒsse aus der antiken griechischen und römischen Kultur ebenso zugrunde wie jĂŒdische und christliche Traditionen, die sich seit Beginn der Christianisierung Nordwesteuropas, ab etwa dem 4. Jahrhundert, mit germanischen Traditionen vermischt hatten. Das Gebiet des heutigen Deutschland wurde seit dem frĂŒhen Mittelalter christianisiert. In der frĂ€nkischen Zeit wurde im Reich Karls des Großen die entsprechende Missionierung, teilweise durch Zwangsmaßnahmen abgeschlossen. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation begann die christliche Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts, angefĂŒhrt von Martin Luther. Sie prĂ€gt die religiöse Landschaft im deutschen Sprachraum bis heute mit.

Das protestantische Ulmer MĂŒnster gilt als höchstes KirchengebĂ€ude der Welt.

Etwa 60 Prozent der Bevölkerung gehören einer christlichen Konfession an: römisch-katholische Kirche 29,9 Prozent (tendenziell ĂŒberwiegend in West- und SĂŒddeutschland; Stand: 2011)[121] – 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr, Evangelische Kirche in Deutschland (Lutheraner, Reformierte und Unierte) 28,9 Prozent (tendenziell vor allem in Norddeutschland; Stand: 31. Dezember 2011)[122] – 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr; die restlichen christlichen Kirchen wie orthodoxe und altorientalische Kirchen, die Zeugen Jehovas, die neuapostolische Kirche und Angehörige christlicher Freikirchen insgesamt 2 Prozent.[123] Die Anzahl der Gottesdienstbesucher ist wesentlich geringer als die Anzahl der Kirchenmitglieder. An sogenannten ZĂ€hlsonntagen besuchten 3,1 Millionen Menschen (oder 3,8 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung) die sonntĂ€glichen katholischen Gottesdienste (2010),[121] und 0,9 Millionen (oder 1,1 Prozent der Gesamtbevölkerung) jene der Evangelischen Kirche (2009).[124]

Mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung ist konfessionslos und stellt mit beinahe 30 Millionen Personen die grĂ¶ĂŸte Bevölkerungsgruppe verglichen mit den einzelnen Religionen in Deutschland. Im Jahr 2013 gehörten bundesweit rund 36,6 Prozent keiner Religionsgemeinschaft an, in den neuen LĂ€ndern liegt dieser prozentuale Anteil zwischen 67,7 Prozent (ThĂŒringen) und 81,7 Prozent (Sachsen-Anhalt) (Mittelwert 75,4 %).[125] Die DDR hatte eine atheistische Weltanschauung propagiert und vermittelt (siehe Jugendweihe) und den Kirchenaustritt gefördert. In den alten BundeslĂ€ndern (ohne Gesamt-Berlin) ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung, der zu keiner der beiden großen Kirchen gehört, wesentlich geringer; deren Anteil liegt in den FlĂ€chenlĂ€ndern zwischen 23,6 Prozent in Bayern und 35,2 Prozent in Hessen, in den Stadtstaaten Bremen (45,7 %) und Hamburg (59,3 %) erheblich höher.[125] Aufgrund langfristiger Prozesse der SĂ€kularisierung und des Wertewandels stieg der Anteil von Konfessionslosen an der Gesamtbevölkerung jedoch auch schon in der alten Bundesrepublik an (1970: 3,9 %; 1987: 11,4 %). Diese Entwicklung setzte sich nach der Wende im vereinten Deutschland fort (1990: 22,4 %; 2004: 34,6 %).[126]

Koelner Zentralmoschee Januar 2013.jpg Alte synagoge essen.jpg
Zentralmoschee
Köln
Alte Synagoge
Essen

Islamische Gemeinden haben etwa vier Millionen Mitglieder (5 Prozent der Einwohner) und sind vorwiegend auslĂ€ndischer Herkunft, davon mittlerweile etwa 732.000 deutsche Staatsangehörige (knapp 0,9 Prozent der deutschen StaatsbĂŒrger); 9,1 Prozent aller 2004 geborenen Kinder haben muslimische Eltern. Um fĂŒr die Vielzahl an islamischen Organisationen einen Dachverband zu erhalten, der fĂŒr Außenstehende als Ansprechpartner fungieren kann, wurde der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland gegrĂŒndet.

Die Deutsche Buddhistische Union geht von einer Zahl von 250.000 aktiven Buddhisten in Deutschland aus, die HĂ€lfte davon sind eingewanderte Asiaten. Dies entspricht 0,3 Prozent der Bevölkerung.

Etwa 106.000 Personen gehören jĂŒdischen Gemeinden an. Seit den 1990er-Jahren verzeichnen diese einen starken Zuwachs durch Zuwanderer aus den ehemaligen Ostblockstaaten, vor allem aus der Ukraine und aus Russland. Nach Frankreich und dem Vereinigten Königreich hat Deutschland die drittgrĂ¶ĂŸte jĂŒdische Gemeinschaft Europas.

Bestimmte christliche Kirchen sowie die jĂŒdischen Gemeinden erheben von ihren Mitgliedern eine Kirchensteuer, die der Staat gegen eine AufwandsentschĂ€digung einzieht und an die jeweiligen Kirchen (beziehungsweise an den Zentralrat der Juden in Deutschland) weiterleitet.

Des Weiteren ist der Religionsunterricht laut Grundgesetz fakultatives, aber dennoch ordentliches Unterrichtsfach in den öffentlichen Schulen (mit Ausnahme weniger LĂ€nder wie Bremen, Berlin und Brandenburg). Dieser Unterricht wird oft von einem Vertreter einer der beiden großen christlichen Amtskirchen abgehalten.

Wirtschaft

Grundlagen

→ Hauptartikel: Wirtschaft Deutschlands

Containerschiff bei Hamburg. Am Warenwert gemessen ist Deutschland im Jahr 2011 der drittgrĂ¶ĂŸte Exporteur und Importeur der Welt.[127]

Mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von etwa 2,6 Billionen Euro im Jahr 2011 ist Deutschland die grĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft Europas und viertgrĂ¶ĂŸte der Welt.[6] Gemessen am nominalen BIP pro Kopf steht Deutschland international an 20., in der EuropĂ€ischen Union an 10. Stelle.[6] Am Warenwert gemessen war das Land im Jahr 2012 der drittgrĂ¶ĂŸte Importeur und Exporteur der Welt.[13] Deutschland gilt als sehr hochentwickeltes Land, dessen Lebensstandard laut Human Development Index (HDI) gegenwĂ€rtig auf dem fĂŒnften Platz von 186 untersuchten LĂ€ndern gelistet wird.[14]

Die Gesamtwirtschaftsleistung in Deutschland wird durch rund 2,1 Prozent im primĂ€ren Sektor (Landwirtschaft), 24,4 Prozent im sekundĂ€ren Sektor (Industrie) und 73,5 Prozent im tertiĂ€ren (Dienstleistung) Wirtschaftssektor erbracht. 2012 verzeichnete die Bundesrepublik Deutschland mit etwa 41,5 Millionen sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten einen historischen Höchststand.[128] Die Zahl der Erwerbslosen lag im Jahresdurchschnitt bei 2,896 Millionen und entspricht dem niedrigsten Wert seit 21 Jahren.[129]

Deutschland weist eine lange Bergbautradition auf und verfĂŒgt ĂŒber verschiedenste Rohstoffvorkommen. Industriegeschichtlich wie wirtschaftlich bedeutend sind und waren unter anderem Kohle, Edelsalze, Industrieminerale und Baustoffe sowie Silber, Eisen und Zinn. Das Industrieland ist auf globale Rohstoffimporte aller Art spezialisiert.

Deutschland ist Teil des EuropÀischen Binnenmarkts. Zusammen mit 17 EU-Mitgliedstaaten bildet es eine WÀhrungsunion, die Eurozone (blau).

Als weltweit konkurrenzfĂ€higste Branchen der deutschen Industrie gelten die Automobil-, Nutzfahrzeug-, elektrotechnische, Maschinenbau- und Chemieindustrie. International bedeutend ist die Versicherungswirtschaft, insbesondere die RĂŒckversicherungen. Eine Vielzahl von weltweit bedeutenden Messeveranstaltungen, Kongresszentren, Ausstellungen sowie eine im internationalen Maßstab bedeutende Museums- und Veranstaltungslandschaft sind wichtige Grundlage von Tourismus und Reiseverkehr von und nach Deutschland.

Wirtschaftspolitisch bedeutend ist Deutschlands Teilnehmerschaft an der EuropĂ€ischen Union. Das Land ist GrĂŒndungsmitglied aller EU-VorgĂ€ngerinstitutionen seit den 1950er-Jahren. Mit zusammen rund 500 Millionen Einwohnern erwirtschaftete die EU im Jahr 2011 ein nominales BIP von 17,6 Billionen US-Dollar und bildet somit den grĂ¶ĂŸten Binnenmarkt der Welt. Deutschland ist mit insgesamt 18 MitgliedslĂ€ndern auch Teil der Eurozone, einer WĂ€hrungsunion, die etwa 335 Millionen Einwohner umfasst. Offizielles Zahlungsmittel in Deutschland ist der Euro, dessen WĂ€hrungspolitik von der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) gesteuert wird. Der Euro wird international mit anteilig rund 25 % als zweitwichtigste ReservewĂ€hrung der Welt genutzt und ist gemessen am Bargeldwert die weltgrĂ¶ĂŸte WĂ€hrung im Umlauf.

Einkommen und Vermögen in Deutschland sind deutlich ungleich verteilt. Die Einkommensungleichheit in Deutschland lag nach Angabe der OECD 2005 knapp unter dem OECD-Durchschnitt.[130] 2008 betrug ein mittleres verfĂŒgbares Einkommen 1.252 bei einem Gini-Index von 0,29.[131] Die Vermögensverteilung in Deutschland ist nach Zahlen des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW) mit einem Gini-Index von 0,799 deutlich stĂ€rker konzentriert als die Verteilung der Einkommen. Nach dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2013 ist dies eine sehr ungleiche Verteilung, und zwar die stĂ€rkste Ungleichverteilung im Euroraum. 2007 besaßen die reichsten 2,5 Prozent der Bevölkerung 45 Prozent des Gesamtvermögens, das reichste Prozent 36 Prozent des Gesamtvermögens. Rund zwei Drittel der Bevölkerung wiesen 2007 kein oder nur ein sehr geringes Nettovermögen auf.[132] Dabei bestehen auch regionale DisparitĂ€ten im Einkommen, Vermögen und des BIP pro Kopf zwischen den westlichen BundeslĂ€ndern und den Gebieten im Osten Deutschlands. Die Arbeitslosenquote liegt in den östlichen LĂ€ndern im Durchschnitt höher.

Siehe auch: Mittelstand

Wirtschaftsentwicklung

Frankfurt ist ein internationales Finanz- und Dienstleistungszentrum sowie Sitz der EuropÀischen Zentralbank.

Die deutsche Volkswirtschaft verzeichnete ĂŒber mehrere Jahrzehnte mehr Exporte als jedes andere Land und wurde daher oft mit dem Schlagwort „Exportweltmeister“ bezeichnet.[133] Die Exporte erreichten im Jahr 2011 einen Gesamtwert von 1061,2 Milliarden Euro wĂ€hrend der Warenwert der Importe 902,5 Milliarden Euro betrug. Die Außenhandelsbilanz schloss im selben Jahr mit einem Überschuss von 158,7 Milliarden Euro ab.[134]

Die wichtigsten Handelspartner im Jahr 2010 waren die EU-Mitgliedstaaten (Exporte 60,3 %, Importe 56,3 %), die Volksrepublik China (Exporte 5,6 %, Importe 9,5 %), die Vereinigten Staaten (Exporte 6,8 %, Importe 5,6 %), die Schweiz (Exporte 4,3 %, Importe 4,0 %) und Russische Föderation (Exporte 2,7 %, Importe 3,9 %).[135]

Im Jahre 2006 wurde ein Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent erreicht. Diese positive Entwicklung setzte sich bis 2008 fort. Deutschland wurde in darauffolgender Zeit von der internationalen Finanzkrise erfasst, die zum Jahresende 2009/2010 endete. Die Wirtschaftsentwicklung verlief seitdem wieder auf Vorkrisenniveau. Zwischen 2000 und 2011 lag die jĂ€hrliche Inflationsrate bei minimal 0,4 Prozent (2009) und bei maximal 2,6 Prozent (2008).[136]

Unternehmen

Siemens AG in MĂŒnchen

Von den 500 weltweit umsatzstĂ€rksten Unternehmen haben 32 ihren Hauptsitz in Deutschland. Die Rangfolge der zehn umsatzstĂ€rksten Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland: AufgefĂŒhrt sind der Hauptsitz, der Umsatz, der Nettogewinn und die Anzahl der Mitarbeiter. Die Zahlen sind in Millionen Euro angegeben, gerundet und beziehen sich auf das GeschĂ€ftsjahr 2011.[137] Ohne Rangnummer eingefĂŒgt ist die grĂ¶ĂŸte Bank gemessen an der Bilanzsumme und die grĂ¶ĂŸte Versicherung gemessen an den Beitragseinnahmen.

Volkswagenwerk in WolfsburgDie Volkswagen AG ist, gemessen am Umsatz, der grĂ¶ĂŸte von 30 im DAX gelisteten Konzernen.

Rang
Name
Hauptsitz
Umsatz
(Mio. â‚Ź)
Gewinn
(Mio. â‚Ź)
Mitarbeiter
01. Volkswagen AG Wolfsburg 159.000 15.800 502.000
02. E.ON SE DĂŒsseldorf 113.000 −1.900 79.000
03. Daimler AG Stuttgart 107.000 6.000 271.000
04. Siemens AG Berlin, MĂŒnchen 74.000 6.300 360.000
05. BASF SE Ludwigshafen am Rhein 73.000 6.600 111.000
06. BMW AG MĂŒnchen 69.000 4.900 100.000
07. Metro AG DĂŒsseldorf 67.000 740 288.000
08. Schwarz-Gruppe Neckarsulm 63.000 k. A. 315.000
09. Deutsche Telekom AG Bonn 59.000 670 235.000
010. Deutsche Post AG Bonn 53.000 1.300 471.000
0— Allianz SE MĂŒnchen 104.000 2.800 141.000
0— Deutsche Bank AG Frankfurt am Main 2.160.000 4.300 101.000

Informationstechnik und Telekommunikation

Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart

Die Informations- und Kommunikationstechnik gilt als wesentlicher Standortfaktor einer Volkswirtschaft. Zur Verbreitung von Informationen und Inhalten dienen u. a. die technische Bereitstellung von Radio, Fernsehen, Telefonen, Hardware und Software fĂŒr Computer, Internet, Smartphones, Netzwerken, Satellitensysteme sowie den dazugehörigen Dienstleistungen.

Das umsatzstÀrkste in Deutschland tÀtige Telekommunikationsunternehmen ist die Deutsche Telekom. SAP, mit Hauptsitz in Deutschland, zÀhlt zu den bedeutendsten Softwareherstellern der Welt.

2012 verfĂŒgten 85 Prozent der Bevölkerung (76 % im EU-Durchschnitt) ĂŒber einen Internetanschluss; etwa 82 Prozent (72 % EU-Durchschnitt) konnten auf einen Breitbandanschluss zurĂŒckgreifen.[138]

Energie

→ Hauptartikel: Deutsche Energiewirtschaft
PrimÀrenergieverbrauch in Deutschland[139][140]
EnergietrÀger 2010
(%)
2011
(%)
2012
(%)
2013
(%)
Mineralöl 33,4 33,8 33,0 33,0
Erdgas 21,8 20,6 21,5 22,5
Steinkohle 12,0 12,6 12,9 12,7
Erneuerbare Energie 9,9 10,8 11,6 11,8
Braunkohle 10,7 11,7 12,0 11,6
Kernkraft 10,9 8,8 7,9 7,6
Sonstige 1,3 1,7 1,3 0,8

Deutschland war im Jahr 2010 der viertgrĂ¶ĂŸte Produzent an PrimĂ€renergie in Europa und wurde auf Rang 24 unter den Energieproduzenten der Welt gelistet.[141]

2012 betrug der PrimĂ€renergieverbrauch in Deutschland 13.757 PJ (2005: 14.238 PJ).[142] Daran gemessen ist das Land der zweitgrĂ¶ĂŸte nationale Energieverbraucher in Europa und siebtgrĂ¶ĂŸte in der Welt.

Im Jahr 2003 verbrauchte Deutschlands statistischer Durchschnittseinwohner 5597,7 kW‱h und lag damit im internationalen Vergleich an elfter Stelle in Europa und auf Rang 27 in der Welt.

Die Stromversorgung wurde im Jahr 2012 von 1059 Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland gewĂ€hrleistet.[143] Die fĂŒnf grĂ¶ĂŸten Energieversorgungsunternehmen gemessen am Umsatz sind E.ON, RWE, EnBW, Vattenfall und die EWE AG.

Der Anteil erneuerbarer Energien wie z. B. Solarenergie, Windkraft oder Biomasse an der gesamten Stromproduktion des Landes lag im Jahr 2011 bei rund 20,3 %.[144] Deutschland war im Jahr 2010 der sechstgrĂ¶ĂŸte Produzent an erneuerbaren Energien.[145]

Tourismus

→ Hauptartikel: Tourismus in Deutschland

Die WelterbestÀtten in Deutschland sind bedeutende Besuchsziele.

Tourismus ist in Deutschland ein wichtiger Wirtschaftszweig. Vom Fremdenverkehr profitieren neben GaststĂ€tten- und Beherbergungsgewerbe auch der Einzelhandel und die Dienstleister und Anbieter von Freizeit- und Unterhaltungsangeboten in großem Umfang. Deutschland ist mit ĂŒber 30 Millionen ÜbernachtungsgĂ€sten im Jahr eines der meistbesuchten LĂ€nder der Erde.[146]

Badetourismus und Wassersport sind an KĂŒsten und Inseln der Nord- und Ostsee von großer Bedeutung, besonders in den SeebĂ€dern. Rund um die Kurorte im Binnenland herrscht Kur- und Gesundheitstourismus vor. In den deutschen Gebirgen sind saisonal jeweils Wintersport und Wanderurlaube populĂ€r. Fahrradtourismus ist im ganzen Land beliebt. StĂ€dtetourismus, Einkaufstourismus und Kulturtourismus nehmen vor allem in den Metropolen und in bedeutenden AltstĂ€dten kontinuierlich zu. Kinder- und Jugendreisen sind ebenfalls ein wachsendes Segment, z. B. in Form von Jugendaustausch. Von herausragender Bedeutung ist der GeschĂ€fts- und Kongresstourismus, da Deutschland u. a. der international bedeutendste Messestandort ist. Zudem gibt es die weltweit grĂ¶ĂŸte Dichte an Festivals im Land, was ebenfalls erhebliche Besuchermengen anlockt.

In Deutschland erzielte der Fremdenverkehr 2012 mit 2,8 Millionen direkt BeschĂ€ftigten einen Umsatz von 140 Milliarden Euro. 125,3 Mio. GĂ€ste (101,5 Mio. aus dem Inland, 23,5 Mio. aus dem Ausland) tĂ€tigten 351,4 Mio. Übernachtungen (davon 298,5 Mio. durch InlĂ€nder und 52,9 Mio. durch AuslĂ€nder) in 54.166 UnterkĂŒnften mit etwa 2,6 Mio. Betten.[147]

Etwa 4.000 der 12.431 Gemeinden Deutschlands sind in TourismusverbĂ€nden organisiert, 310 davon sind als HeilbĂ€der, SeebĂ€der oder Kurorte anerkannt. Den GĂ€sten stehen unter anderem 6.135 Museen, 366 Theater, 34 Freizeit- und Erlebnisparks, 45.000 TennisplĂ€tze, 648 GolfplĂ€tze, 122 National-/Naturparks und BiosphĂ€renreservate, ein Wanderwegnetz von 190.000 km sowie 40.000 Kilometer Radfernwege zur VerfĂŒgung. Die deutschen Ferienstraßen runden das Angebot an Reisewegen ab.

Bereits die alten Römer nutzten germanische Heilquellen und grĂŒndeten Orte mit Thermen wie Aquae Granni (Aachen) und Aquae Mattiacorum (Wiesbaden). Ab 1581 etablierten sich infolge der Lehren der Balneologie die ersten deutschen HeilbĂ€der wie Bad Schwalbach. Die mondĂ€nen Bade- und Kurorte an den KĂŒsten und im Binnenland etablierten sich vor allem im 19. Jahrhundert als Reiseziele der europĂ€ischen Oberschicht, dazu gehören KurstĂ€dte wie Baden-Baden, Bad Ems, Bad Pyrmont, Wiesbaden und die Badeorte an der OstseekĂŒste, wie Binz, Heiligendamm, Heringsdorf, KĂŒhlungsborn, TravemĂŒnde und Sassnitz. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde durch die Organisation Kraft durch Freude zum ersten Mal einer breiten Bevölkerung eine Urlaubsfahrt ermöglicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Massentourismus. In der DDR wurde dieser durch den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund organisiert. Seit der Wiedervereinigung steigt der internationale Tourismus in Deutschland deutlich an, vor allem in den neuen BundeslĂ€ndern. Die ITB Berlin ist die weltweit fĂŒhrende Tourismusmesse.

Verkehr

VerkehrswegebĂŒndelung im europĂ€ischen Korridorkonzept

Aufgrund der dichten Besiedlung und zentralen Lage in Europa besteht in Deutschland ein sehr hohes Verkehrsaufkommen. Insbesondere fĂŒr den GĂŒterverkehr stellt es ein wichtiges Transitland dar. Durch das Konzept der TranseuropĂ€ischen Netze soll Deutschland als Transferraum zwischen dem ersten europĂ€ischen Kernwirtschaftsraum, der sogenannten Blauen Banane, und dem Kernwirtschaftsraum in Ostmitteleuropa gefördert werden. Wichtige Projekte in diesen Netzen sind die Eisenbahnachsen Lyon/Genua–Rotterdam/Antwerpen, POS (Paris–Ostfrankreich–SĂŒdwestdeutschland), PBKAL (Paris–BrĂŒssel–Köln–Amsterdam–London), Berlin–Palermo und die Magistrale fĂŒr Europa. Ferner ist Deutschland der westliche Ausgangspunkt einiger PaneuropĂ€ischer Verkehrskorridore.

Der GĂŒterverkehr hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig von der Schiene auf die Straße verlagert. Als Gegenmaßnahme wurde 2005 eine Autobahnmaut fĂŒr Lastkraftwagen eingefĂŒhrt. Im Bereich des Schienenverkehrs wurden in den letzten Jahren von der Deutschen Bahn vor allem unrentable Nebenstrecken sowie GĂŒter- und Rangierbahnhöfe stillgelegt sowie Personenfernverkehrsverbindungen eingestellt. Der Bundesverkehrswegeplan 2003 gilt fĂŒr den Zeitraum 2001–2015.

Straßenverkehr

Bereits die Römer legten gepflasterte Straßen in Deutschland an, die aber wieder verfielen. Die ersten Chausseen wurden im 18. Jahrhundert erbaut. Die Erfindung des Automobils gab dem Straßenbau neue Impulse. Die erste Autobahn der Welt, die AVUS in Berlin, wurde 1921 in Deutschland gebaut. Der Straßenverkehr hat in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts die Eisenbahn als wichtigsten VerkehrstrĂ€ger abgelöst. Deutschland besitzt eines der dichtesten Straßennetze der Welt. Das Bundesfernstraßennetz umfasst 12.845 Kilometer Autobahnen (Stand: 2012) und 40.711 Kilometer Bundesstraßen. Weiterhin umfasste das ĂŒberörtliche Straßennetz 86.597 Kilometer Landesstraßen, 91.520 Kilometer Kreisstraßen und die Gemeindeverbindungsstraßen.

Um die Gefahren und Belastungen des Straßenverkehrs zu reduzieren, wurden in vielen deutschen StĂ€dten FußgĂ€ngerzonen, verkehrsberuhigte Zonen und Tempo-30-Zonen eingerichtet. Die Anzahl der getöteten Verkehrsteilnehmer nahm seither kontinuierlich ab. Verstarben im Jahr 2006 noch 5094 Menschen im Straßenverkehr, so waren es im Jahr 2011 nur noch 4009.[148]

Schienenverkehr

ICE 3 im Kölner Hauptbahnhof

Deutschland verfĂŒgt ĂŒber ein Eisenbahnnetz von etwa 35.000 Kilometern LĂ€nge. Es wird tĂ€glich von bis zu etwa 50.000 Personen- und GĂŒterzĂŒgen befahren. Im Rahmen der Bahnreform wurden die Staatsbahnen Deutsche Bundesbahn (West) und Deutsche Reichsbahn (Ost) zum 1. Januar 1994 in das privatwirtschaftliche Unternehmen Deutsche Bahn AG ĂŒberfĂŒhrt. Es organisiert den Großteil des Eisenbahnverkehrs in Deutschland.

Neben der DB AG befahren rund 350 weitere Eisenbahnverkehrsunternehmen das deutsche Eisenbahnnetz. WĂ€hrend sich der Staat aus dem operativen Betrieb zurĂŒckgezogen hat, finanziert er den Großteil des Netzunterhalts und -ausbaus sowie (ĂŒber Regionalisierungsmittel) weitgehend den Regionalverkehr.

Regional- (Interregio-Express (IRE), Regionalbahn (RB), Regional-Express (RE) und S-Bahnen (S)) und Fernverkehr (Intercity (IC), Eurocity (EC) und Intercity-Express (ICE)) fahren weitgehend nach Taktfahrplan. FĂŒr FernzĂŒge stehen Schnellfahrstrecken in einer GesamtlĂ€nge von etwa 2000 Kilometer zur VerfĂŒgung.

Nahverkehr

Straßenbahn (Tram) in der Dresdner Altstadt

1881 eröffnete Werner von Siemens in Lichterfelde bei Berlin die erste elektrische Straßenbahn der Welt. Dieses Verkehrsmittel dominierte in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts den Nahverkehr der grĂ¶ĂŸeren StĂ€dte in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem in Westdeutschland viele Straßenbahnen stillgelegt, andere zu Stadtbahnen mit innerstĂ€dtischen Tunnelstrecken umgebaut. Ersetzt wurden sie durch Omnibus-Verkehre, die auch auf dem Land flĂ€chendeckend vorhanden sind und nahezu jeden Ort erschließen. Allerdings wurden die Busnetze durch den BevölkerungsrĂŒckgang im lĂ€ndlichen Raum zuletzt ausgedĂŒnnt und hĂ€ufig durch Rufbus-Systeme ersetzt. Nur in den grĂ¶ĂŸten StĂ€dten wurden im 20. Jahrhundert U-Bahnen angelegt und mit S-Bahnen zu einem Schnellbahnnetz fĂŒr Stadt und Umland kombiniert. Die VerkehrsverbĂŒnde ermöglichen es, sĂ€mtliche Verkehrsmittel in einer Region mit einem Fahrschein zu einem einheitlichen Preis zu benutzen.

Seit den 1980er-Jahren wurden Radwegnetze in den StĂ€dten und auf dem Land angelegt und ausgebaut, sodass heute das Fahrrad wieder eine zunehmende Rolle im Nahverkehr spielt. Im internationalen Vergleich ist auch der öffentliche Nahverkehr in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten Deutschlands durch hohe EffektivitĂ€t und FlĂ€chendeckung gekennzeichnet.

Luftverkehr

Der MĂŒnchner Flughafen „Franz Josef Strauß“

Mit rund 550 FlughĂ€fen und FlugplĂ€tzen verfĂŒgt Deutschland ĂŒber eine der grĂ¶ĂŸten Dichten an Start- und LandeplĂ€tzen weltweit. 16 FlughĂ€fen des Landes bieten internationalen Flugverkehr an.

Der Flughafen Frankfurt am Main ist gemessen an der Anzahl abgefertigter Passagiere (2013: 58,04 Millionen) der grĂ¶ĂŸte Deutschlands, der drittgrĂ¶ĂŸte Europas und gemessen am Frachtaufkommen (2013: 2,13 Millionen Tonnen) der grĂ¶ĂŸte Flughafen Europas. Die grĂ¶ĂŸte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa betreibt in Frankfurt, auf dem zweitgrĂ¶ĂŸten deutschen Flughafen in MĂŒnchen sowie auf dem drittgrĂ¶ĂŸten deutschen Flughafen in DĂŒsseldorf interkontinentale Drehkreuze. Air Berlin, die zweitgrĂ¶ĂŸte deutsche Fluggesellschaft, betreibt auf ihrem Heimatflughafen in Berlin-Tegel sowie in MĂŒnchen, DĂŒsseldorf, Palma de Mallorca und Wien weitere internationale Drehkreuze. Seit dem Jahr 1999 beschĂ€ftigen sich Berlin, Brandenburg, der Bund und das Konsortium „Flughafen-Partner fĂŒr Berlin und Brandenburg“ mit der Errichtung des Flughafens Berlin Brandenburg „Willy Brandt“.[149]

Einen eigenen Weltraumbahnhof (bzw. Raumhafen) fĂŒr den Verkehr ĂŒber die KĂĄrmĂĄn-Linie (100 km) hinaus bis in den Weltraum besitzt Deutschland nicht. FĂŒr die Raumfahrt durch z. B. das DLR muss deshalb meist auf den CSG-Raumhafen in Französisch-Guayana ausgewichen werden.

Seeverkehr

Die LandungsbrĂŒcken am Hamburger Hafen

Aufgrund des ĂŒberproportional hohen Außenhandelsanteils ist Deutschland in erheblicher Weise auf den Seehandel angewiesen. Es verfĂŒgt ĂŒber eine Anzahl moderner SeehĂ€fen, wickelt aber auch große Anteile seines Handels nach Übersee ĂŒber die HĂ€fen von NachbarlĂ€ndern, vor allem der Niederlande, ab. Die drei umschlagstĂ€rksten SeehĂ€fen in Deutschland sind Hamburg, Wilhelmshaven und die Bremer HĂ€fen. Der JadeWeserPort in Wilhelmshaven ist der einzige Tiefwasserhafen in Deutschland. Die wichtigsten OstseehĂ€fen sind Rostock und LĂŒbeck. WarnemĂŒnde ist der meistfrequentierte Kreuzfahrthafen Deutschlands.[150]

Die wichtigsten Seeschifffahrtsstraßen sind Unterelbe und Unterweser. Der Nord-Ostsee-Kanal ist auch fĂŒr den Transitverkehr bedeutsam (u. a. Rendsburg Port). Vor der deutschen OstseekĂŒste liegt mit der Kadetrinne die meistbefahrene Schiffsroute der Ostsee.

Es gibt in Deutschland ein gut ausgebautes Netz von Wasserstraßen fĂŒr die Binnenschifffahrt. Die wichtigsten schiffbaren FlĂŒsse sind Rhein, Main, Mosel, Weser und Elbe. Bedeutende BinnenkanĂ€le sind der Mittellandkanal, der Dortmund-Ems-Kanal, der Rhein-Herne-Kanal und der Elbe-Seitenkanal. Der Main-Donau-Kanal ĂŒberwindet die große europĂ€ische Wasserscheide und ermöglicht so einen direkten Schifffahrtsweg von der Nord- und Ostsee zum Schwarzen Meer. Der Komplex der Duisburg-Ruhrorter HĂ€fen ist der umschlagstĂ€rkste Binnenhafen Deutschlands und gilt als grĂ¶ĂŸter Binnenhafen Europas.

Kultur

J. W. von Goethe, 1786  (Vorrede aus Faust) Datei:De-Faust - Der Tragödie erster Teil-Prolog und Auf dem Theater-wikisource.ogg

Die deutsche Kunst- und Kulturgeschichte, deren Wurzeln bis in die Zeit der Kelten, Germanen und Römer zurĂŒckreichen, hat seit dem Mittelalter eine Vielzahl von stil- und epochenprĂ€genden Persönlichkeiten hervorgebracht. In den verschiedensten Disziplinen wurden deutschsprachige Kulturschaffende Wegbereiter neuer geistiger Strömungen und Entwicklungen. Bis heute zĂ€hlen einige der einflussreichsten deutschen KĂŒnstler zu den Protagonisten der westlichen Zivilisation.[151]

Die deutsche Kultur hat sich, da Deutschland lange nicht als Nationalstaat existierte, ĂŒber Jahrhunderte vor allem ĂŒber die gemeinsame Sprache definiert. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff auf KulturbeitrĂ€ge von Deutschen und auf deutsche Territorien bezogen, was aber der auch zuvor bestandenen deutschen IdentitĂ€t jener Kulturschaffenden nicht abtrĂ€glich war. Über die neuen Reichsgrenzen hinaus haben dem Land um 1900 viele das Charakteristikum einer deutschen Kulturnation zugeschrieben.[152]

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale)

Durch die Verbreitung von Massenmedien im 20. Jahrhundert hat die PopulĂ€rkultur in der deutschen Gesellschaft einen hohen Stellenwert erhalten. Die Verbreitung des Internets im 21. Jahrhundert hat zu einer Differenzierung der Kulturlandschaft gefĂŒhrt und die mannigfaltigen Nischen- und Szenekulturen in ihren AusprĂ€gungen verĂ€ndert.[153]

Die Kulturpolitik in Deutschland fĂ€llt verfassungsgemĂ€ĂŸ in die ZustĂ€ndigkeit der BundeslĂ€nder. Kulturelle Vielfalt und regionale IdentitĂ€t sollen damit gewĂ€hrleistet sein. Im Bundeskanzleramt ist der Beauftragte der Bundesregierung fĂŒr Kultur und Medien zustĂ€ndig fĂŒr kulturelle Einrichtungen und Projekte von nationaler und gesamtstaatlicher Bedeutung.[154] Seit dem Vertrag von Maastricht 1993 verfĂŒgt die EU ĂŒber fĂŒr Kulturschaffende wichtige Kompetenzen im Bereich Urheberrecht.

Der Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur in der Welt dienen die Goethe-Institute. Mit insgesamt 158 Standorten, inklusive VerbindungsbĂŒros, ist das Institut im Jahr 2013 in 93 LĂ€ndern vertreten.[155]

Laut einer Umfrage in 22 Staaten fĂŒr die BBC im Jahr 2013 genießt Deutschland international ein hohes Ansehen unter 16 untersuchten LĂ€ndern. Durchschnittlich bewerten 59 Prozent der Befragten Deutschlands Einfluss und politisches Wirken als positiv, 15 Prozent haben ein negatives Bild. Damit bestĂ€tigt das Land den ersten Platz zum sechsten Mal in Folge seit dem Jahr 2008.[156][157]

Literatur und Philosophie

Immanuel Kant

Die deutsche Literatur reicht zurĂŒck bis in das Mittelalter, hervorzuheben ist zum Beispiel Walther von der Vogelweide. Aus der Zeit vor 1871 stammt der teilweise noch verwendete Begriff vom Land der Dichter und Denker.[158]

Als bedeutendste deutsche Autoren gelten u. a. Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller sowie die BrĂŒder Grimm. Mit Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht, Thomas und Heinrich Mann oder Hannah Arendt stachen zu ihrer Zeit wichtige Literaten hervor.

Die Frankfurter Buchmesse

Im 20. Jahrhundert waren deutsche NobelpreistrĂ€ger fĂŒr Literatur Theodor Mommsen (1902), Rudolf Eucken (1908), Paul Heyse (1910), Gerhart Hauptmann (1912), Thomas Mann (1929), Hermann Hesse (1946), Heinrich Böll (1972) und GĂŒnter Grass (1999), im 21. Jahrhundert Herta MĂŒller (2009).

Die Frankfurter Buchmesse gilt als bedeutendster Treffpunkt des internationalen Verlagswesens und der Literaturszene. Dort wird jĂ€hrlich der „beste Roman deutscher Sprache“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

Zu den einflussreichsten deutschen Philosophen zĂ€hlen Gottfried Wilhelm Leibniz, Nikolaus von Kues, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Arthur Schopenhauer, Martin Heidegger und Friedrich Nietzsche. Mehrere bedeutsame philosophische Strömungen gingen von deutschen Philosophen aus: Der Deutsche Idealismus ebenso wie der von Karl Marx und Friedrich Engels begrĂŒndete Marxismus. Im 20. Jahrhundert war vor allem die Kritische Theorie der sogenannten Frankfurter Schule von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer bedeutsam. In ihrer Nachfolge wurde JĂŒrgen Habermas zu einem der weltweit bekanntesten lebenden Philosophen.

Musik

→ Hauptartikel: Musik in Deutschland

Deutschland kann auf eine lange und vielseitige Musikgeschichte zurĂŒckblicken. Aus ökonomischer Sicht ist das Land der drittgrĂ¶ĂŸte Musikmarkt der Welt.[159]

Die Geschichte der europĂ€ischen klassischen Musik wird ĂŒber weite Strecken von deutschen Komponisten geprĂ€gt. Aufgrund der zentralen Lage Deutschlands konnten hier unterschiedliche Musiktraditionen aus ganz Europa zusammenfließen. In der Barockzeit erlebten die Kirchenmusik und der Orgelbau eine große BlĂŒte. Wichtige Barockkomponisten waren u. a. Heinrich SchĂŒtz, Georg Friedrich HĂ€ndel, Johann Sebastian Bach. Stilbildend fĂŒr die Wiener Klassik waren aus Deutschland die Komponisten der Mannheimer Schule, Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart, der auch als österreichischer Komponist gilt. Beginnend zur Zeit des VormĂ€rz wurde der begleitete Liedgesang durch Komponisten wie Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy zu einer eigenen Kunstgattung entwickelt. Weitere wichtige deutsche romantische Komponisten waren Johannes Brahms, Richard Wagner und Richard Strauss. Im 20. Jahrhundert erlangten u. a. die Komponisten Carl Orff und Hanns Eisler PopularitĂ€t. Nach 1950 war in Westdeutschland die Entwicklung der seriellen und elektronischen Musik durch Komponisten wie Karl-Heinz Stockhausen bedeutend. In der Neuen Musik hat Werner Henze internationale Bedeutung erlangt. Wichtige zeitgenössische deutsche Komponisten sind z. B. Wolfgang Rihm sowie der weltweit sehr erfolgreiche Filmmusikkomponist Hans Zimmer.

Die Metropole Berlin ist Anziehungspunkt und Produktionsort fĂŒr Musiker und Kreative aus aller Welt.[160]

Die PopulĂ€re Musik in Deutschland wurde ĂŒber große Teile des 20. Jahrhunderts von Schlager und volkstĂŒmlicher Musik geprĂ€gt. Interpreten des Genres sind u. a. Helene Fischer, Heino und Max Raabe. Der Ende der 1960er-Jahre entstehende Krautrock hatte Einfluss auf die Entstehung verschiedener Formen der Rockmusik sowie der elektronischen Musik, zu deren Pionieren die deutschen Musiker Kraftwerk, Klaus Schulze und Tangerine Dream zĂ€hlen. Die als „Neue Deutsche Welle“ bezeichnete Etablierung einer eigenstĂ€ndigen, auch international erfolgreichen deutschen Pop- und Rockmusik fand Anfang der 1980er-Jahre durch Interpreten wie Nena, Hubert Kah und Peter Schilling ihren kommerziellen Höhepunkt. Weitere erfolgreiche Interpreten dieser Zeit sind die Synthpopgruppe Alphaville, Trio, Extrabreit, Joachim Witt, DAF, Ideal, MĂŒnchener Freiheit und die Spider Murphy Gang.

Bekannte Vertreter des Ostrock sind City, Karat, Silly, Keimzeit, Karussell, electra und die Puhdys. Viele der DDR-Bands wurden wegen ihrer Freiheit und VerĂ€nderung herbeisehnenden Texte zensiert oder gar verboten, dennoch gelang ihnen dank geheimer Konzerte Ende der 1980er-Jahre erfolgreich der politische Protest gegen das Regime und es kam u. a. zur Resolution von Rockmusikern und Liedermachern.

Seit der Entstehung in den 1980er-Jahren ist deutschsprachiger Alternative- und Punkrock verbreitet. Zu den erfolgreichsten Vertretern gehören Die Ärzte, Beatsteaks, Nina Hagen und Die Toten Hosen. International populĂ€r sind die deutschen Rockbands The Rattles oder The Lords sowie die Hard-Rock-Band Scorpions und Rammstein, bekanntester Vertreter der sogenannten Neuen Deutschen HĂ€rte, zu der auch Oomph! und Unheilig gezĂ€hlt werden. PopulĂ€ren Indie-Rock und -Pop produzieren die Sportfreunde Stiller, Tocotronic, Blumfeld, Selig und Jennifer Rostock. Im Bereich Reggae/Dancehall sind u. a. Seeed und ihr SĂ€nger Peter Fox sowie die Gruppe Culcha Candela erfolgreich. Kommerziell erfolgreiche deutschsprachige Hip-Hop-KĂŒnstler sind u. a. Die Fantastischen Vier, Fettes Brot, Marteria, Samy Deluxe, Jan Delay, Bushido, K.I.Z., Die Atzen, Casper, Cro, Sido und Deichkind.

Zu den bekanntesten deutschsprachigen Popmusikern der Gegenwart gehören James Last, Udo Lindenberg, Peter Maffay, Herbert Grönemeyer, Westernhagen, Silbermond, Juli, Ich + Ich, Frida Gold, Tim Bendzko, Andreas Bourani sowie der SĂ€nger Xavier Naidoo. Die englischsprachige Band Reamonn war europaweit populĂ€r. 2010 gewann Lena fĂŒr Deutschland den Eurovision Song Contest. International erfolgreich waren die Produktionen von Frank Farian mit Boney M. und Milli Vanilli, Dieter Bohlen (mit Modern Talking), die Casting-Band No Angels, die Metal-Band Blind Guardian, die SĂ€ngerin Sarah Connor, der Violinist David Garrett und die vor allem bei weiblichen Teenagern beliebte Band Tokio Hotel. Auch in der Electro- bzw. Technomusik spielen deutsche Produzenten eine wichtige Rolle, wie z. B. Mousse T., Paul van Dyk, Scooter, Robin Schulz, 2raumwohnung, Zedd, Tomcraft, Moguai, The Disco Boys, Lexy & K-Paul, Kai Tracid, Tiefschwarz, Blank & Jones und Paul Kalkbrenner.

Bis 2010 war die Loveparade eine der weltweit grĂ¶ĂŸten Musikveranstaltungen. Deutsche Musikfestivals von ĂŒberragender Bedeutung sind heute Rock am Ring und Rock im Park, das Wacken Open Air, die Berlin Music Week, Hurricane Festival, Southside, Fusion Festival, SonneMondSterne, Deichbrand, Melt!, Schlossgrabenfest, Summerjam, Nature One, Mayday, Airbeat One, With Full Force und das WGT. Stadtmusikfeste wie die FĂȘte de la Musique oder das Honky Tonk finden in ganz Deutschland statt. Hinzu kommen viele kleinere Festivals, die bestimmte Musikstile, Regionen oder Themen bedienen. Ein Festival-Guide im Internet zeigt fĂŒr die Saison 2011 ĂŒber 350 Festivals in Deutschland an, wobei noch nicht alle erfasst sind.[161]

Die internationale Leitmesse zum Thema Musizieren ist die Musikmesse Frankfurt. Ein bedeutender deutscher Musikwettbewerb ist der jÀhrliche Bundesvision Song Contest, der Echo ist der wichtigste Musikpreis im Land.

Film

→ Hauptartikel: Deutscher Film und Fernsehen in Deutschland

Das Filmstudio Babelsberg in Potsdam wurde 1912 gegrĂŒndet und gilt heute als renommiertes Filmatelier in Europa.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts werden in Deutschland Filme produziert. Das Berliner VarietĂ© Wintergarten wurde zum ersten Kino der Geschichte, als die GebrĂŒder Skladanowsky dort 1895 einen Film vor Publikum vorfĂŒhrten. Das Filmstudio Babelsberg in Potsdam bei Berlin wurde 1912 gegrĂŒndet und war damit das erste große Filmstudio der Welt â€“ und ein VorlĂ€ufer zu Hollywood. Es produziert heute wieder Filme von internationalem Format und gilt als eines der grĂ¶ĂŸten Filmstudios in Europa.[162] Babelsberg wurde zum Synonym fĂŒr den erfolgreichen populĂ€ren Film. Unterschiedlichste Genres wurden in dieser FrĂŒhphase des Films neu entwickelt. Der 1927 produzierte Film Metropolis von Fritz Lang wurde zum ersten Science-Fiction-Spielfilm. 1930 wurde Der blaue Engel mit Marlene Dietrich zu einem internationalen Erfolg des deutschen Tonfilms.

In der Zeit zwischen 1933 und 1945 wurde der deutsche Film hĂ€ufig als Propagandamedium eingesetzt. Die zu dieser Zeit entstandenen Filme von Leni Riefenstahl etablierten neue Standards im Bereich des Dokumentarfilms. Verschiedenste Techniken wurden spĂ€ter auch in Werbefilmen umgesetzt. Nach 1945 nahm in Westdeutschland die UFA die Produktion wieder auf; unter anderem wurden Heimatfilme populĂ€r. Ab den 1960ern wurden Wallace- und Winnetou-Filme beliebt. Durch die Verbreitung von FernsehgerĂ€ten und der aufkommenden Konkurrenz von Fernsehserien und -Filmen geriet die Kinowirtschaft in eine Krise, der mit dem Neuen Deutschen Film begegnet wurde. Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Werner Herzog wurden zu den wichtigsten Vertretern des Autorenfilms dieser Zeit. Regisseure wie Konrad Wolf prĂ€gten das Filmschaffen in der DDR. Mit Umstellung der Filmförderung konnten in den 1980er-Jahren Großproduktionen wie jene von Bernd Eichinger umgesetzt werden. Seit 1990 wurden Beziehungskomödien vermehrt populĂ€r. Nach der Jahrtausendwende fanden vereinzelt Genrefilme ihr Publikum. Das deutsch-tĂŒrkische Kino bekam Beachtung und verschiedenste Jugendfilme konnten ein Nischenpublikum finden. Nur wenige deutsche Filme waren auch international erfolgreich.

Bedeutende deutsche Filmstudios sind Bavaria Film, Constantin Film, MMC und die UFA. Zu den erfolgreichsten deutschen Regisseuren und Filmproduzenten der Neuzeit zĂ€hlen u. a. Roland Emmerich, Wolfgang Petersen, Florian Henckel von Donnersmarck, Caroline Link, Wolfgang Becker und Fatih Akın. Weitere profilierte Filmemacher sind auch Til Schweiger, Michael Herbig, Andreas Dresen, Uwe Boll, Dani Levy, Oskar Roehler, Uli Edel und Tom Tykwer.

Insgesamt entstanden bis 2013 mehr als 10.000 Filme unter deutscher Beteiligung.[163] Im Jahr 2011 gab es in Deutschland insgesamt 1671 LichtspielhĂ€user mit 4640 KinosĂ€len. Die Anzahl der Besucher lag bei rund 129,6 Millionen. Von den 532 ErstauffĂŒhrungen im selben Jahr waren 212 Filme mit vorwiegend deutscher Produktionsbeteiligung, darunter 132 Spiel- sowie 80 Dokumentarfilme. Der Marktanteil deutscher Produktionen betrug 21,8 Prozent (16,8 % im Vorjahr).[164]

Die bedeutendste nationale Auszeichnung ist der Deutsche Filmpreis mit der „Lola“, die jĂ€hrlich von der Deutschen Filmakademie vergeben wird. Der EuropĂ€ische Filmpreis „Felix“ wird jedes zweite Jahr in Berlin vergeben. Die als „Berlinale“ bekannten Internationalen Filmfestspiele Berlin werden jedes Jahr im Februar aufgefĂŒhrt und haben sich als global bedeutendes Ereignis der Filmwelt etabliert.

Bildende Kunst

Caspar David Friedrich - Wanderer above the sea of fog.jpg Franz Marc 003.jpg
C. D. Friedrich
Der Wanderer ĂŒber
dem Nebelmeer, 1818
Franz Marc
Blaues Pferd
1911

Bedeutende deutsche RenaissancekĂŒnstler sind unter anderem Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach der Ältere, Matthias GrĂŒnewald, Hans Holbein der JĂŒngere und, der wohl bekannteste unter ihnen, Albrecht DĂŒrer.
Die bedeutendsten aus Deutschland stammenden Barockmeister sind Johann Baptist Zimmermann, die BrĂŒder Asam sowie der in Siegen geborene, aber nach Antwerpen ausgewanderte Peter Paul Rubens.

Bedeutende Romantiker sind neben Caspar David Friedrich die KĂŒnstler Philipp Otto Runge, Carl Spitzweg und der Nazarener Philipp Veit. Preußische Maler wie Anton von Werner und Emil HĂŒnten stehen fĂŒr die Historienmalerei, die MĂŒnchner und die DĂŒsseldorfer Malerschule sind international von Bedeutung. Von Weltgeltung sind u. a. der Impressionist Max Liebermann, die Surrealisten Max Ernst, Hans Richter und Hans Arp, sowie die Expressionisten Max Beckmann, Paul Klee, Gabriele MĂŒnter und Otto Dix. Herausragend hinsichtlich ihres Einflusses waren die beiden expressionistischen KĂŒnstlergemeinschaften „BrĂŒcke“ und „Der Blaue Reiter“.

In der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts entwickelt sich die Documenta zur fĂŒhrenden Kunstausstellung. JĂŒngere KĂŒnstler dieser Zeit umfassen den vielseitigen Jörg Immendorff, den AktionskĂŒnstler und Konzeptualisten Joseph Beuys und die zu den Neuen Wilden zĂ€hlenden Markus LĂŒpertz und Martin Kippenberger.
In den 1960er-Jahren entwickeln sich im Rheinland u. a. mit Nam June Paik, Wolf Vostell und HA Schult neue Kunstformen wie das Happening, die Videokunst und die Fluxus-Bewegung. Bedeutende FotokĂŒnstler im 20. Jahrhundert waren Helmut Newton, Sigmar Polke und Gunter Sachs.

In der DDR war die Leipziger Schule um Werner TĂŒbke, Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer prĂ€gend. Zu den wichtigen zeitgenössischen KĂŒnstlern zĂ€hlen der Neoexpressionist Georg Baselitz, der in der Tradition der Geschichtsmalerei stehende Anselm Kiefer, die den Kapitalistischen Realismus prĂ€genden Sigmar Polke und Gerhard Richter sowie die fĂŒr Ironie bekannte Rosemarie Trockel. Der die „trĂŒgerische Idylle“ darstellende Norbert Bisky, die zur Neuen Leipziger Schule gezĂ€hlten Neo Rauch und Aris Kalaizis, sowie der auf Historienbilder konzentrierte Daniel Richter sind Beispiele fĂŒr sehr erfolgreiche KĂŒnstler der Nachwendegeneration.

Zu den bekanntesten zeitgenössischen deutschen Fotografen zÀhlen Andreas Gursky, Peter Lindbergh, Wolfgang Tillmans, Horst P. Horst und Thomas Ruff.

Architektur

→ Hauptartikel: Architektur in Deutschland

Der Kölner Dom und die HohenzollernbrĂŒcke Bauhaus-Kunstschule in Weimar von 1911, BegrĂŒndungsort der internationalen klassischen Moderne

Deutschland hat eine reiche und vielfÀltige Architekturgeschichte, die eng verwoben mit der abendlÀndischen Architekturgeschichte der NachbarlÀnder ist. Grundlage war vor allem die Architektur der römischen Antike, aus der zahlreiche Bauwerke erhalten sind, wie beispielsweise die Porta Nigra in Trier und das erst vor einigen Jahren freigelegte Römische Theater Mainz. Einige vorromanische Bauten wie zum Beispiel die Torhalle Lorsch zeigen heute noch die Entwicklung zur Romanik, die im Heiligen Römischen Reich etwa 1030 einsetzt. Die Gotik begann in Frankreich, die ersten gotischen Bauwerke im Heiligen Römischen Reich wurden ab etwa 1230 errichtet, zum Beispiel die Liebfrauenkirche in Trier.

Um etwa 1520 kam die Renaissance aus dem Gebiet des heutigen Italien in das Heilige Römische Reich deutscher Nation, als herausragendes Beispiel gilt das Augsburger Rathaus. Auch der Barock setzte hier erst verzögert (ab 1650) ein. Einige Beispiele sind die Werke von Balthasar Neumann, die Wieskirche und das Residenzschloss Ludwigsburg. Etwa 1770 setzt die Stilepoche des Klassizismus ein. Prominente Bauwerke sind das Alte Museum, das Schloss Charlottenhof und das Brandenburger Tor in Berlin von Karl Friedrich Schinkel. Einige der bekanntesten Bauwerke Deutschlands wurden in der Stilepoche des Historismus (1840–1900) gebaut; Beispiele hierfĂŒr sind das Schloss Neuschwanstein, das Schweriner Schloss und der Berliner Dom. Einflussreiche Architekten dieser Epoche waren u. a. Gottfried Semper, Friedrich August StĂŒler und die ersten grĂ¶ĂŸeren ArchitekturbĂŒros wie Cremer & Wolffenstein und Schilling & Graebner.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren deutsche Architekten Vorreiter der Klassischen Moderne. Walter Gropius als BegrĂŒnder der Bauhaus-Schule, Ludwig Mies van der Rohe und das Neue Frankfurt setzten Impulse des Neuen Bauens, die die Architektur bis heute weltweit prĂ€gen. Die monumentale Architektur im Nationalsozialismus stellte einen markanten Einschnitt in der deutschen Architekturgeschichte dar. In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg herrschte Pragmatismus vor, es entstanden viele großflĂ€chige Einzelbauten und zerstreute Siedlungen; erst allmĂ€hlich fand die Architekturszene zu neuen Ausdrucksformen. In der Bundesrepublik war das 1972 fertiggestellte postmoderne Olympiastadion in MĂŒnchen von Frei Otto und Behnisch ein wichtiges Projekt, das das neue SelbstverstĂ€ndnis deutscher Architektur in die Welt trug. Mit dem 256 m hohen Frankfurter Messeturm entstand 1991 der bis dahin höchste Wolkenkratzer Europas, der 1997 durch den Commerzbank Tower abgelöst wurde, dem bis heute höchsten Hochhaus Deutschlands.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Entwicklung der Architektur globalisiert, zugleich werden hĂ€ufig aber auch regionale BezĂŒge zu historischen Vorbildern hergestellt. Durch Bewegungen wie den Neuen Urbanismus sind kleinteilige Fassaden mit Mischnutzungen wieder populĂ€r, in den StĂ€dten vor allem in der typisch urbanen Blockrandbauweise. Deutsche Architekten und ArchitekturbĂŒros sind heute weltweit aktiv, zu den renommiertesten der Gegenwart gehören u. a. Hans Kollhoff, GRAFT, Sergei Tchoban, Helmut Jahn, GMP, Ingenhoven, Sauerbruch Hutton, Hadi Teherani und Anna Heringer. Um die Wahrnehmung der Architektur im In- und Ausland zu befördern, wurde 2007 die Bundesstiftung Baukultur gegrĂŒndet. AlljĂ€hrlich werden der Tag der Architektur und der Tag des offenen Denkmals veranstaltet.

Kultur- und BaudenkmÀler

→ Hauptartikel: Welterbe in Deutschland und Denkmalschutz
Das Brandenburger Tor in Berlin, Symbol der Deutschen Einheit

Die UNESCO fĂŒhrt 39 deutsche BeitrĂ€ge zum Welterbe auf, die auf 15 der 16 deutschen LĂ€nder verteilt sind.[165] Die Liste wurde mit dem Aachener Dom 1978 eröffnet; jĂŒngster Neuzugang war 2014 das westfĂ€lische Kloster Corvey. Es gibt einige AltstĂ€dte mit Welterbestatus in Deutschland, dazu gehören Stralsund und Wismar, Bamberg, Goslar, Quedlinburg, Regensburg und LĂŒbeck. Das Dresdner Elbtal hatte den Welterbe-Status von 2004 bis 2009 inne. Zudem fĂŒhrt die UNESCO mit der Grube Messel, den BuchenurwĂ€ldern und dem deutschen Wattenmeer drei WeltnaturerbestĂ€tten auf.

Neben dem Welterbe zeichnet das Förderprogramm fĂŒr „National wertvolle KulturdenkmĂ€ler” unter Schirmherrschaft des Kulturstaatsministers bundesweit besonders bedeutende DenkmĂ€ler aus. Von 1950 bis 2007 wurden aus diesem Programm ĂŒber 500 KulturdenkmĂ€ler mit insgesamt rund 280 Millionen EUR gefördert.[166]

Schloss Neuschwanstein in Schwangau

Besonders hohe Besucherzahlen erreichen KulturdenkmĂ€ler, die eine Vorstellung von deutscher Romantik erwecken. So gehören die Schlösser Neuschwanstein, Schwerin und Heidelberg, die Burg Hohenzollern, die Wartburg, die Walhalla, das Obere Mittelrheintal mit seinen Burgen sowie die mittelalterlichen AltstĂ€dte von Rothenburg ob der Tauber und RĂŒdesheim am Rhein zu den weltweit bekannten touristischen Zielen.

Zunehmender Beliebtheit und Anerkennung erfreuen sich auch DenkmĂ€ler und Stadtbilder aus der Zeit der industriellen Revolution, etwa prĂ€chtige Ensembles der BĂ€derarchitektur in den SeebĂ€dern an der OstseekĂŒste, Kurorte im Binnenland oder auch IndustriedenkmĂ€ler.

Geschlossene historische Stadtbilder sind in den deutschen GroßstĂ€dten heute selten anzutreffen, da der Zweite Weltkrieg und der Stadtumbau der Nachkriegszeit einen Großteil der KulturdenkmĂ€ler zerstört hat. Ausnahmen sind neben den WelterbestĂ€dten die GroßstĂ€dte Erfurt, Halle, Heidelberg, Schwerin und Wiesbaden. Klein- und MittelstĂ€dte mit weitgehend geschlossenen historischen Altstadtbildern sind in Deutschland noch recht hĂ€ufig anzutreffen.

Museen

→ Hauptartikel: Museen in Deutschland

Die Museumsinsel gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

In Deutschland gibt es rund 6250 Museen, wozu auch private und öffentliche Sammlungen, Schlösser und GÀrten gehören.[167] Berlin, das mit mehr als 170 Museen zu den renommiertesten Museumslandschaften gehört, beherbergt neben der Museumsinsel, zahlreiche weltweit bedeutsame Museen und Sammlungen.

Zu den bekanntesten musealen Einrichtungen gehören ebenfalls das Deutsche Museum in MĂŒnchen, das weltweit grĂ¶ĂŸte naturwissenschaftlich-technisches Museum, und das Germanische Nationalmuseum in NĂŒrnberg mit einer der bedeutendsten Sammlungen zu Kultur und Kunst von der Vor- und FrĂŒhgeschichte bis zur unmittelbaren Gegenwart. Die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden beherbergen u. a. das GrĂŒne Gewölbe, eine historische Sammlung der ehemaligen Schatzkammer der Wettiner FĂŒrsten von der Renaissance bis zum Klassizismus. Das Meeresmuseum mit dem Ozeaneum Stralsund ist das grĂ¶ĂŸte Meeresmuseum in Deutschland.

Bedingt durch eine lange Tradition im Automobilbau befinden sich in Deutschland einige der grĂ¶ĂŸten Fahrzeugsammlungen Europas, wie z. B. im Stuttgarter Mercedes-Benz Museum oder Porsche-Museum.

Feiern und Feste

→ Hauptartikel: Feiertage in Deutschland

Weihnachten ist seit Jahrhunderten Bestandteil deutscher Festtagstradition.

Nationalfeiertag ist der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober, wie es im Einigungsvertrag ĂŒber den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland vereinbart wurde.[168] Alle ĂŒbrigen Feiertage beruhen auf Gesetzen der LĂ€nder. Acht von ihnen sind in allen 16 LĂ€ndern Feiertage: Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, die beiden Weihnachtsfeiertage, Neujahr und der Tag der Arbeit. Wie die Sonntage sind „die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschĂŒtzt“.[169]

Eine der grĂ¶ĂŸten touristischen Attraktionen ist das Oktoberfest in MĂŒnchen (mundartlich auch „d’ Wiesn“), das mit fast sieben Millionen Besuchern grĂ¶ĂŸte Volksfest der Welt. In Bad Cannstatt findet jedes Jahr das Cannstatter Volksfest (auf dem Cannstatter Wasen), das mit ĂŒber 4,5 Millionen Besuchern zweitgrĂ¶ĂŸte Volksfest der Welt, statt. Bedeutende Veranstaltungen von Karneval, Fastnacht und Fasching sind unter anderem der Kölner Karneval, die Mainzer Fastnacht, der DĂŒsseldorfer Karneval und die SchwĂ€bisch-alemannische Fastnacht. In Hannover findet alljĂ€hrlich das grĂ¶ĂŸte SchĂŒtzenfest der Welt statt.

Die Kieler Woche, eine seit Ende des 19. Jahrhunderts in Kiel ausgetragene Segelregatta, ist das grĂ¶ĂŸte Segelsportereignis der Welt und zugleich eines der grĂ¶ĂŸten Sommerfeste im Norden Europas. Die Hanse Sail in Rostock ist eines der grĂ¶ĂŸten maritimen Feste. Ebenfalls in Norddeutschland finden alle zwei Jahre die Cruise Days statt. Höhepunkt der FestivitĂ€ten ist die sogenannte Parade der Traumschiffe entlang des Hamburger Hafenbeckens.

Zu den ĂŒberregionalen Veranstaltungen gehören der Internationale Museumstag, der Deutsche MĂŒhlentag, die FĂȘte de la Musique zum Sommeranfang am 21. Juni, der Tag der Architektur sowie der Tag des offenen Denkmals.

In vielen StĂ€dten werden regelmĂ€ĂŸig Veranstaltungen wie die Lange Nacht der Museen oder Lange Nacht der Kultur durchgefĂŒhrt.

KĂŒche

→ Hauptartikel: Deutsche KĂŒche
Landestypische Wurst- und KÀsespezialitÀten

Die traditionelle deutsche KĂŒche variiert von Region zu Region. In der Regel steht sie im Zusammenhang mit den Kulturen europĂ€ischer NachbarlĂ€nder. Verschiedenste Einwanderergruppen sowie typisch westlich geprĂ€gte ErnĂ€hrungsgewohnheiten haben zudem das Angebot an KĂŒchentraditionen in Deutschland stark erweitert.[170] Außerdem ist eine Zunahme von vegetarischer ErnĂ€hrungsweise zu beobachten. Laut Michelin-FĂŒhrer 2013 hat die Spitzengastronomie in Deutschland einen hohen internationalen Stellenwert erreicht. Landesweit wurden 255 Restaurants mit einem oder mehreren Sternen ausgezeichnet.[171]

In Deutschland findet man eine sehr große Variationsbreite an Brotsorten und Wurstaufschnitten. Bekannte Gerichte sind u. a. das Festtagsessen GĂ€nsebraten mit Rotkohl, Kasseler mit Sauerkraut, GrĂŒnkohl mit gerĂ€ucherter Mett- oder Bregenwurst sowie verschiedene Eintöpfe. Aber auch sehr alte und einfache Speisen wie zum Beispiel Arme Ritter oder Labskaus sind verbreitet. Vor allem in Norddeutschland werden Kartoffeln in vielseitigen Zubereitungsformen gegessen, im SĂŒden kommen eher die traditionellen Knödel, SpĂ€tzle und Nudeln hinzu. Regionale Besonderheiten sind zum Beispiel die Weißwurst in Altbayern, die Bratwurst der Franken, der Schwenkbraten im Saarland, die Maultaschen in Baden-WĂŒrttemberg oder auch die ThĂŒringer Rostbratwurst. Als Nachspeisen werden oft Varianten von Obstkompott oder Quarkspeisen gereicht.

SchwarzwÀlder Kirschtorte

Deutschland ist international bekannt fĂŒr seine jahrhundertealte Bierbrautradition. Viele Deutsche bevorzugen ein regional hergestelltes Bier. Apfelwein sowie verschiedenste Weinsorten werden ebenfalls gern getrunken. Aus klimatischen GrĂŒnden ist der Weinanbau im Westen und SĂŒden verbreiteter als im Norden und Osten. Mineralwasser, meistens mit KohlensĂ€ure versetzt, ist das in Deutschland am hĂ€ufigsten konsumierte ErfrischungsgetrĂ€nk. Auch wird verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig viel Obstsaft, vor allem Apfelsaft, getrunken.

Die typischerweise erste Mahlzeit am Tag ist meist ein FrĂŒhstĂŒck auf der Grundlage von Brot oder Brötchen/Semmeln. Neben herzhaften BrotbelĂ€gen wie KĂ€se sind sĂŒĂŸe Brotaufstriche mit Honig, Marmelade oder Schokoladencreme beliebt. Ein gekochtes Ei, MĂŒsli oder andere mit Milch zubereitete Zerealienmischungen werden ebenfalls hĂ€ufig gegessen. Dazu wird Kaffee, im Norden verstĂ€rkt auch Tee getrunken. Traditionell wird mittags die warme Mahlzeit und abends eine Brotmahlzeit eingenommen.

SĂŒĂŸes GebĂ€ck, Kuchen und große Buttercreme- oder Sahnetorten wie SchwarzwĂ€lder Kirschtorte, Donauwelle oder Frankfurter Kranz gehören in Deutschland zum traditionellen Festtagsprogramm. Sie werden zum Nachmittagskaffee gereicht, wie auch die Bergische Kaffeetafel, zu der frische Waffeln serviert werden. Erfolgreich exportierte SĂŒĂŸwaren aus Deutschland sind u. a. das LĂŒbecker Marzipan, der Dresdner Stollen sowie industriell hergestellte Bonbons und Schokoladenwaren (u. a. Milka, Storck, Sarotti), Fruchtgummisorten (Haribo, Katjes) und KnabbergebĂ€ck (Intersnack).[172]

Mode

Die Modeindustrie ist ein traditionsreicher Zweig des produzierenden Gewerbes in Deutschland. In rund 1.300 fast ausschließlich mittelstĂ€ndischen Betrieben erzeugen rund 130.000 BeschĂ€ftigte einen Umsatz von rund 28 Milliarden Euro. Die Exportquote liegt bei etwa 40 Prozent in der Textilindustrie und 44 Prozent in der Bekleidungsindustrie (2008). Dieser Industriezweig ist damit nach dem ErnĂ€hrungsgewerbe die zweitgrĂ¶ĂŸte KonsumgĂŒterbranche in Deutschland.[173]

Laufsteg fĂŒr Michalskys StyleNite auf der Berlin Fashion Week

Berlin gilt als junges und kreatives Zentrum in der internationalen Modeszene. Die zweimal im Jahr stattfindende Berlin Fashion Week (bzw. Berliner Modewoche) ist innerhalb kurzer Zeit zu einer der weltweit wichtigsten Modeveranstaltungen avanciert.[174] Bread & Butter hat sich als bedeutendste Messe fĂŒr den Modemarkt etabliert. In DĂŒsseldorf, dem Modehandelsplatz mit dem mit Abstand grĂ¶ĂŸten Umsatz in Deutschland,[175][176] werden global relevante Modemessen abgehalten – die weltgrĂ¶ĂŸte Modemesse war viele Jahre die von der Igedo veranstaltete Collections Premiere DĂŒsseldorf (CPD). Weitere wichtige Modezentren sind MĂŒnchen, Hamburg und Köln. Deutsche Mode ist fĂŒr ihre eleganten Linien bekannt, aber auch fĂŒr ihre unkonventionellen jungen Designs und die große Variation verschiedener Stilrichtungen.

Weltweit berĂŒhmte deutsche Modedesigner sind und waren z. B. Karl Lagerfeld, Hugo Boss, Wolfgang Joop, Jil Sander, Michael Michalsky, Etienne Aigner, Rudolph Moshammer, Torsten Amft, Dorothee Schumacher, Willy Bogner, Rudolf und Adi Dassler. Zu den etablierten Modemarken aus Deutschland gehören Boss, adidas, PUMA, Escada, Joop!, MCM, Bruno Banani, Triumph, Schiesser, Talbot Runhof, Kaviar Gauche, Closed, Reusch, Valisere, Jack Wolfskin, Ulla Popken, Buffalo, Rohde, Zalando, Dr. Martens, P&C, Marc O’Polo, Tom Tailor, s.Oliver, Gerry Weber, Esprit und Wunderkind.

Es gibt zudem eine Reihe von Models, die es zu internationalem Ruhm gebracht haben, u. a. Claudia Schiffer, Heidi Klum, Diane Kruger, Eva Padberg, Toni Garrn, Julia Stegner, Franziska Knuppe, Kirsten Dunst, Tatjana Patitz, Manon von Gerkan, Nico, Uschi Obermaier, Lena Gercke, Sara Nuru, Barbara Meier, Nadja Auermann, Claudia Ciesla, Aslı Bayram, Shermine Shahrivar, Evelyn Sharma und Nico Schwanz.

Historisch fand in Deutschland die Volkstracht bis ins 20. Jahrhundert eine weite Verbreitung und grenzte sich von der bĂŒrgerlichen Kleidung ab. Die traditionelle Tracht wird heute noch in verschiedenen Regionen getragen, meist zu Volksfesten und besonderen AnlĂ€ssen. Die moderne Trachtenmode geht u. a. auf die Jagd- und Wanderbekleidung zurĂŒck.

Gesellschaft

Kindergarten in Baden-WĂŒrttemberg

Deutschland ist ein durch die europĂ€ische AufklĂ€rung pluralistisch geprĂ€gtes Land. Menschen aus 194 Nationen leben in der Bundesrepublik.[177] Die Bevölkerung zeichnet sich im globalen Rahmen durch einen hohen Bildungsstand, einen ĂŒberdurchschnittlichen Lebensstandard und eine hohe persönliche Lebenszufriedenheit aus.[178] Laut World Values Survey werden in Deutschland sĂ€kular-rationale Werte und ein fortgeschrittenes Maß an persönlicher Selbstentfaltung geschĂ€tzt.

Neben der Familie als der am hÀufigsten angestrebten und beliebtesten Form des Zusammenlebens, sind eine Vielzahl an Lebensmodellen in der deutschen Gesellschaft vertreten.[179]

Als eine der gegenwÀrtigen Herausforderungen wird die Orientierung zu einer kinder- und nachwuchsfördernden Gesellschaft gesehen. Bei einer Fortschreibung niedriger Geburtenraten, wie in den vergangenen vier Jahrzehnten, werden weitgehende soziale, ökonomische und geopolitische Anpassungen vorhergesagt.[180]

Soziales

Deutschland hat eine lange Tradition des gesetzlich beförderten sozialen Ausgleichs. Laut Gini-Index gilt das Land im internationalen Vergleich als Gesellschaft mit geringer Einkommensungleichheit. Der deutsche Staat bietet seinen Bewohnern umfangreiche rechtliche AnsprĂŒche auf Familienförderung und soziale Absicherung. Die Geschichte der Sozialversicherung beginnt im Kaiserreich. SpĂ€tere Regierungen haben sie nach und nach erweitert und um zusĂ€tzliche soziale Transferleistungen ergĂ€nzt, wodurch heute ein großer Teil des Staatshaushalts fĂŒr Soziales aufgewendet wird.

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein föderaler Staat mit einer sozialen Marktwirtschaft (BundesratsgebÀude in Berlin).

FĂŒr Arbeitnehmer besteht eine Pflichtmitgliedschaft in der Sozialversicherung, die aus fĂŒnf sogenannten SĂ€ulen besteht: Krankenversicherung, Unfallversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung. Die soziale Grundsicherung wird in erster Linie durch BeitrĂ€ge der Versicherten finanziert, die Defizite werden durch Steuergelder ausgeglichen.

2010 gab es in Deutschland 830.000 Euro-MillionĂ€re mit einem Gesamtvermögen von 2.191 Milliarden Euro. Im selben Jahr lebten rund 12,4 Millionen Menschen in relativer Armut oder galten als armutsgefĂ€hrdet, das entspricht 15,3 Prozent der Bevölkerung.[181] Von der erwerbsfĂ€higen Bevölkerung gelten etwa 2,3 Millionen Einwohner (4 %) als Analphabeten, bis zu 14 % der Bevölkerung sind von funktionalem Analphabetismus betroffen.[182]

Neben den vom Staat organisierten Transferleistungen der BĂŒrger untereinander gibt es noch innerstaatliche Transferleistungen. Durch den LĂ€nderfinanzausgleich sind BundeslĂ€nder mit hohem Steueraufkommen dazu verpflichtet, einen Teil ihrer Einnahmen an schlechter gestellte LĂ€nder abzugeben, damit die LebensverhĂ€ltnisse in Deutschland nicht zu weit auseinander gehen. Durch den auf die Einkommenssteuer erhobenen SolidaritĂ€tszuschlag sollen die den neuen BundeslĂ€ndern entstandenen teilungsbedingten Lasten gemildert werden.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll Benachteiligungen aufgrund von Geschlecht, Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen IdentitÀt (etwa HomosexualitÀt) verhindern. Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) nahm Deutschland 2012 Rang 13 ein, was einem sehr niedrigen Stand der Korruption entspricht.

Gesundheit

→ Hauptartikel: Gesundheitssystem Deutschlands

Das UniversitÀtsklinikum Hamburg-Eppendorf

Das deutsche Gesundheitswesen gehört zu den hoch entwickelten.[183] Wesentliche Kennziffern hierzu sind eine sehr niedrige Rate der Kindersterblichkeit von 3,71 bei 1000 Geburten, eine hohe Lebenserwartung die im Jahr 2009/11 bei 77,9 Jahren fĂŒr MĂ€nner und bei 82,9 fĂŒr Frauen lag, sowie einen hohen Prozentsatz erfolgreicher Operationen.[184][185]

Das Gesundheitssystem umfasst die Leistungserbringer, also Ärzte, Apotheker, Pflegepersonal usw., den Staat (Bund, LĂ€nder, Landkreise und Gemeinden), die Krankenversicherungen, die Unfall-, Pflege- und Rentenversicherung, die KassenĂ€rztlichen Vereinigungen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer und ihre VerbĂ€nde, weitere im Gesundheitswesen tĂ€tige InteressenverbĂ€nde und nicht zuletzt die Patienten, z. T. vertreten durch PatientenverbĂ€nde und Selbsthilfeorganisationen.

Abgesehen von staatlichen KrankenhĂ€usern werden die Versorgungsleistungen weitgehend privat erbracht. Außerhalb der KrankenhĂ€user dominieren freie Berufe, wie niedergelassene Ärzte und Apotheker, und private Unternehmen, beispielsweise die pharmazeutische und die medizintechnische Industrie. KrankenhĂ€user werden hĂ€ufig noch in gemeinnĂŒtziger TrĂ€gerschaft gefĂŒhrt, zunehmend jedoch privatisiert. Der Staat beteiligt sich als Leistungserbringer nur nachrangig in Form von GesundheitsĂ€mtern, kommunalen KrankenhĂ€usern oder Hochschulkliniken.

Der grĂ¶ĂŸte Teil der deutschen Bevölkerung ist in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert, deren BeitrĂ€ge sich hauptsĂ€chlich an der Höhe des Einkommens des Versicherten orientieren. Familienmitglieder sind unter bestimmten Bedingungen beitragsfrei mitversichert. Der Leistungsanspruch ist unabhĂ€ngig von der Höhe der gezahlten BeitrĂ€ge. Etwa 10,5 Prozent der Bevölkerung sind privat krankenversichert.[186]

Bildung

UniversitĂ€t Heidelberg, Deutschlands Ă€lteste UniversitĂ€t, gegrĂŒndet im Jahr 1386.

Das Bildungswesen liegt in der Verantwortung der LĂ€nder, wird jedoch durch bundesweite Konferenzen der Kultusminister koordiniert. Je nach Bundesland besteht eine neun- bis dreizehnjĂ€hrige Schulpflicht. Der Besuch der allgemeinbildenden Schulen dauert mindestens neun Jahre. Danach können weiterfĂŒhrende Schulen bzw. berufsbildende Schulen besucht werden. Die meisten deutschen BundeslĂ€nder haben ein gegliedertes Schulsystem mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Die Hochschulreife wird â€“ je nach Bundesland â€“ nach zwölf oder dreizehn Schuljahren erworben.

Praktisch alle jungen Erwachsenen besuchen nach der Schule eine weiterfĂŒhrende Bildungseinrichtung. Auszubildende in Betrieben besuchen in der Regel an ein oder zwei Tagen in der Woche die Berufsschule. Studierende können zwischen universitĂ€ren und anwendungsorientierten Hochschulen (Fachhochschulen) wĂ€hlen.

BildungsgÀnge im deutschen Bildungssystem

Auch die berufliche Weiterbildung spielt eine große Rolle. FĂŒr Arbeitslose stellt die Bundesagentur fĂŒr Arbeit Weiterbildungsgutscheine bereit. Vor ihrer beruflichen Ausbildung können Jugendliche außerdem sogenannte Freiwilligendienste, wie ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Freiwilliges Ökologisches Jahr, absolvieren.

Die OECD kritisiert die deutsche Bildungspolitik, da insbesondere die Schulerfolge von Kindern mit Migrationshintergrund unter dem Durchschnitt liegen (PISA-Studien). Entgegen den ReformbemĂŒhungen der letzten Jahrzehnte ist es weiterhin statistisch signifikant unwahrscheinlicher, dass Arbeiterkinder das Abitur (Allgemeine Hochschulreife) oder einen Hochschulabschluss erreichen, als Kinder aus den Mittel- oder Oberschichten. Die Ausgaben fĂŒr Bildung (4,6 % des BIP) liegen im OECD-Vergleich unter dem Durchschnitt. Die schulische Förderung im Grundschulalter gilt als verbesserungswĂŒrdig, insbesondere was Betreuungsmöglichkeiten und gezielte Förderung schwĂ€cherer SchĂŒler angeht.

Wissenschaft

Albert Einstein, 1921

Deutschland ist ein international bedeutender Technologie- und Wissenschaftsstandort. Seit der industriellen Revolution waren deutschsprachige Forscher bei der GrĂŒndung empirischer Wissenschaften maßgeblich beteiligt. Insbesondere die wirtschaftliche LeistungsfĂ€higkeit verschiedenster Industrien wurde durch die kreative Arbeit von Ingenieuren vorangetrieben. Rund 10 Prozent aller weltweit angemeldeten Patente im Jahr 2011 kamen aus Deutschland. Damit steht das Land nach den USA und Japan auf Rang drei der Patententwickler.[187]

In Deutschland sind UniversitĂ€ten, Technische UniversitĂ€ten und Fachhochschulen Einrichtungen der Forschung und wissenschaftlichen Lehre. Die (Technischen) UniversitĂ€ten sind zu Promotions- und Habilitationsverfahren berechtigt. Beide Verfahren sollen Bildung nachweisen und wissenschaftliche Erkenntnisse enthalten. Mit der EinfĂŒhrung internationaler Abschlussbezeichnungen im Zuge des Bologna-Prozess wird die bisherige Trennung in den Bezeichnungen im tertiĂ€ren, akademischen Bildungsbereich zwischen Fachhochschulen und UniversitĂ€ten aufgeweicht. Einzelne Hochschuleinrichtungen bilden ĂŒberhaupt nicht im tertiĂ€ren Bildungsbereich aus, sondern sind zur postgradualen Bildung oder ausschließlich zur Promotion und Habilitation eingerichtet. Die ĂŒberwiegende Mehrheit der deutschen Hochschulen sind in öffentlicher TrĂ€gerschaft, werden aber in ihrer Forschung ĂŒber Drittmittel finanziert (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Stiftungen, Unternehmen und andere).

Alexander von Humboldt (1769–1859)

Neben den UniversitĂ€ten gibt es eine grĂ¶ĂŸere Anzahl von Forschungsorganisationen, die deutschlandweit und darĂŒber hinaus tĂ€tig sind. Dabei wurde in Deutschland ein System der Arbeitsteilung zwischen der außeruniversitĂ€ren Forschung und den UniversitĂ€ten aber auch zwischen den Organisationen geschaffen. Die Max-Planck-Gesellschaft verpflichtet sich der Grundlagenforschung. Sie fĂŒhrt 78 Institute in Deutschland und besitzt ein Jahresbudget von 1,3 Milliarden Euro. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist die grĂ¶ĂŸte wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland und betreibt 15 sogenannte Großforschungszentren, die fĂ€cherĂŒbergreifend an wissenschaftlichen Komplexen arbeiten. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die grĂ¶ĂŸte Organisation der angewandten Forschung. Sie greift in ihren 56 Instituten Ergebnisse der Grundlagenforschung auf und versucht sie wirtschaftlich zu erschließen. Sie stellt der Wirtschaft die Dienstleistung der Auftragsforschung bereit. Weltweite Bekanntheit erlangte sie durch die Entwicklung des MP3-Audioformats. Sie gehört zu den wichtigsten Patentanmeldern und -besitzern in Deutschland. Die Leibniz-Gemeinschaft ist ein Verbund eigenstĂ€ndiger Forschungseinrichtungen, die sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung arbeiten.

Der Erdbeobachtungssatellit ERS-1 der EuropÀischen Weltraumorganisation (Fotomontage) wurde in Friedrichshafen konstruiert.

Aus Deutschland stammen zahlreiche Forscher aus allen Bereichen der modernen Wissenschaften. Mehr als 100 NobelpreistrĂ€ger werden dem Land zugeordnet. Albert Einstein und Max Planck begrĂŒndeten mit ihren Theorien wichtige SĂ€ulen der theoretischen Physik, auf denen beispielsweise Werner Heisenberg und Max Born weiter aufbauen konnten. Wilhelm Conrad Röntgen, der erste Physik-NobelpreistrĂ€ger, entdeckte und untersuchte die nach ihm benannte Röntgenstrahlung, die noch heute eine wichtige Rolle unter anderem in der medizinischen Diagnostik und der WerkstoffprĂŒfung spielt. Heinrich Hertz schrieb bedeutende Arbeiten zur elektromagnetischen Strahlung, die fĂŒr die heutige Telekommunikationstechnik maßgeblich sind. Die Entwicklungen von Nikolaus Otto, Rudolf Diesel, Gottlieb Daimler und Carl Benz haben das Verkehrswesen revolutioniert, die nach ihren Erfindern benannten Bunsenbrenner und Zeppeline sind weltweit ein Begriff.

Die chemische Forschung wurde unter anderem von Otto Hahn und Justus von Liebig mitgeprĂ€gt. Mit ihren erfolgreichen Erfindungen sind Namen wie Johannes Gutenberg, Werner von Siemens, Wernher von Braun, Konrad Zuse und Philipp Reis Bestandteile der technologischen Allgemeinbildung. Auch viele bedeutende Mathematiker wurden in Deutschland geboren, so zum Beispiel Adam Ries, Friedrich Bessel, Richard Dedekind, Carl Friedrich Gauß, David Hilbert, Emmy Noether, Bernhard Riemann, Karl Weierstraß und Johannes MĂŒller (Regiomontanus). Weitere wichtige deutsche Forscher und Wissenschaftler sind Christiane NĂŒsslein-Volhard, Gottfried Wilhelm Leibniz, Alexander von Humboldt, Max MĂŒller, Theodor Mommsen, Robert Koch und Max Weber.

Medien

Die neun Landesrundfunkanstalten der ARD

Deutsche Erfinder und Physiker leisteten einen zentralen Beitrag in der Vorgeschichte des Radios und des Fernsehens. Die Versorgung der Bevölkerung mit Sendungen zu allen Themen erfolgte bisher ĂŒber analog verbreitetes terrestrisches Fernsehen (UHF/VHF), regionale Kabelunternehmen (meist analog) und per Satellit. Seit 2003 erfolgt die Versorgung mit terrestrischem Fernsehen in Ballungsgebieten digital, das heißt ĂŒber den DVB-T-Standard. Eine komplette Digitalisierung des Fernsehens und des Hörfunks wird umgesetzt. Einige Anbieter bieten ihr Programm auch komplett oder in Teilen ĂŒber das Internet an, also im Rahmen von (mitunter kostenpflichtigem) IPTV, Streaming bzw. als Internetradio-Angebote.

Deutschland hat ein vom Gesetzgeber gewolltes duales Rundfunksystem, das heißt neben dem gebĂŒhrenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk existieren zahlreiche private Rundfunkanbieter, deren Programme meist werbefinanziert sind.

Beim Fernsehen in Deutschland gibt es neben dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, dem unter anderem die Sender des ZDF und der ARD wie die global sendende Deutsche Welle angehören, auch privatrechtliche Fernsehanbieter. Zu ihnen gehören unter anderem die ProSiebenSat.1-Gruppe, die RTL Group, die Tele MĂŒnchen Gruppe sowie regionale Anbieter. Neben frei empfangbaren Fernsehsendern existieren außerdem digitale Bezahlfernsehangebote von Kabelnetzbetreibern sowie der Bezahlfernsehsender Sky.

Unternehmenssitz von Bertelsmann in GĂŒtersloh

Die Hörfunklandschaft Deutschlands ist stark von Regionalsendern geprÀgt, die meist nur in einem oder einigen aneinander grenzenden BundeslÀndern senden. Diese Radioprogramme sind oft öffentlich-rechtlich dominiert und werden von den jeweiligen Landesrundfunkanstalten, wie dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) oder dem Bayerischen Rundfunk (BR), aber auch von privaten Radioanbietern ausgestrahlt.

Die deutschsprachige Presselandschaft ist vielfĂ€ltig und bietet ihr Informationsangebot in gedruckter Form, im Internet und auf mobilen EndgerĂ€ten an. Zu den meistgelesenen ĂŒberregionalen Tageszeitungen gehören die Bild, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, die SĂŒddeutsche Zeitung, das Handelsblatt sowie die Wochenzeitung Die Zeit. Charakteristisch fĂŒr das regionale und lokale Presseangebot ist jedoch der sogenannte Ein-Zeitungs-Kreis, d. h. in vielen Regionen gibt es nur eine tĂ€gliche Lokalzeitung und damit ein Monopol.[188] Nachrichtenmagazine, die wöchentlich erscheinen, sind unter anderem Der Spiegel, der Focus und die Zeitschrift Stern.

Der Nutzung von sozialen Medien und benutzergenerierten Inhalten wie z. B. Blogs, Videoportalen oder der Web-EnzyklopĂ€die Wikipedia kommt ebenfalls eine bedeutende Rolle zu.[189] Die Bruttoreichweite der sozialen Netzwerke betrug im Januar 2011 47,9 Millionen Personen.[190]

Videospiele sind bedeutende kulturelle Erzeugnisse in Deutschland, der hiesige Markt ist der weltweit viertgrĂ¶ĂŸte.[191] Bekannte Spieleentwickler in Deutschland sind z. B. Blue Byte, Crytek, Deck13, Egosoft, Piranha Bytes, Related Designs und Yager Development. Durch die Verbreitung sozialer Netzwerke sind die Webspielentwickler Bigpoint, Gameforge und Wooga heute unter den MarktfĂŒhrern. Unter den Verlegern sind Deep Silver, Kalypso Media und Nintendo Europa bedeutend, Koch Media ist die grĂ¶ĂŸte unabhĂ€ngige Verlagsgruppe fĂŒr Videospiele in Europa. Die alljĂ€hrliche gamescom in Köln ist die Weltleitmesse der Videospielbranche.[192]

Zu den grĂ¶ĂŸten international tĂ€tigen Medienunternehmen mit Sitz in Deutschland gehören der Bertelsmann-Konzern, die Axel Springer SE und die ProSiebenSat.1 Media AG. Die dpa ist eine der bedeutendsten Nachrichtenagenturen der Welt.

Sport

Die deutsche Fußballnationalmannschaft nach dem Sieg der WM 2014 in Brasilien, der den vierten Weltmeistertitel nach 1954, ’74 und ’90 einbrachte. Fußball ist der populĂ€rste Zuschauer- und Vereinssport in Deutschland.

2009/10 waren etwa 27,8 Millionen Deutsche in 91.000 Turn- und Sportvereinen organisiert.[193] Die ĂŒberwiegende Anzahl der Sportvereine ist im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zusammengefasst.

Die am hĂ€ufigsten betriebene Sportart in Deutschland ist Fußball. Rund 6,8 Millionen Mitglieder und ungefĂ€hr 172.000 Mannschaften sind im Jahr 2012 im Deutschen Fußball-Bund organisiert,[194] der die Fußball-Weltmeisterschaften 1974 und 2006 ausrichtete und weltweit einer der grĂ¶ĂŸten und erfolgreichsten SportfachverbĂ€nde ist. Die deutsche Fußballnationalmannschaft wurde 1954, 1974, 1990 und 2014 Fußballweltmeister. Deutschland ist bisher das einzige Land, das im Fußball sowohl bei den Frauen als auch den MĂ€nnern Europa- und Weltmeister werden konnte. Das grĂ¶ĂŸte Stadion, ausgelegt fĂŒr internationale Begegnungen, ist das Olympiastadion (74.224 PlĂ€tze) in Berlin. Der Signal Iduna Park in Dortmund ist fĂŒr Fußballspiele auf Bundesliga-Ebene mit ĂŒber 80.500 PlĂ€tzen (davon 24.454 StehplĂ€tze) das Stadion mit der grĂ¶ĂŸten Zahl genehmigter ZuschauerplĂ€tze.

Die Handball-Bundesliga wird oft als die beste Spielklasse der Welt angesehen, die Herren-Nationalmannschaft wurde 2007 zum dritten Mal Weltmeister. Etwa 830.000 aktive Mitglieder gehören rund 4500 Vereinen an (Stand: 2011).[195] Der Dachverband des deutschen Handballs ist der Deutsche Handballbund.

Volleyball und die Variante Beachvolleyball wurden in den 1990ern zum beliebten Breitensport, der Deutsche Volleyball-Verband zÀhlt im Jahr 2012 rund 455.000 Mitglieder.[196]

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Dirk Nowitzki
NBA-Meister
Sebastian Vettel
Formel-1-Weltmeister

Basketball und Eishockey werden stetig beliebter und nehmen in Bezug auf Zuschauerzahlen und MedienprÀsenz einen höheren Stellenwert ein. Im Basketball ist der Deutsche Dirk Nowitzki, der 2007 zum MVP (wertvollster Spieler) in der nordamerikanischen Profiliga NBA gewÀhlt wurde und 2011 als erster Deutscher mit den Dallas Mavericks den NBA-Titel gewann, einer der besten Spieler der Welt.[197]

Beim Motorsport richtet sich das öffentliche Interesse besonders auf die Formel 1 und die DTM, in denen deutsche Fahrer und Konstrukteure Spitzenerfolge erzielen konnten. Michael Schumacher ist mit sieben Weltmeistertiteln der bisher erfolgreichste Formel-1-Fahrer und Sebastian Vettel der bisher jĂŒngste Weltmeister in der Formel-1-Geschichte. Im Rallyesport gelangte Weltmeister Walter Röhrl zu Weltruhm. Das renommierte 24-Stunden-Rennen von Le Mans wurde bereits vielfach von den Konstrukteuren Porsche und Audi gewonnen, das Audi Sport Team Joest ist seit 2011 TiteltrĂ€ger. Der Motorradsport, in dem sich das Hauptaugenmerk auf die Straßen-WM bzw. MotoGP richtet, hat deutsche Weltmeister wie Anton Mang, Dirk Raudies, Stefan Bradl und Sandro Cortese hervorgebracht.

Auch im Boxen kann Deutschland auf Erfolge zurĂŒckblicken. Herausragende Sportler waren unter anderem Max Schmeling, Henry Maske, Sebastian Sylvester, JĂŒrgen BrĂ€hmer, Regina Halmich und die Kickboxerin Christine Theiss. Die ukrainischen Klitschko-BrĂŒder sowie die armenischstĂ€mmigen Arthur Abraham und Susianna Kentikian wurden mehrfache Weltmeister in ihren Gewichtsklassen und durchlebten ihre Profikarrieren vollstĂ€ndig in deutschen BoxstĂ€llen.

Deutschland ist eine der erfolgreichsten Nationen der Olympischen Winterspiele (Biathletin Magdalena Neuner).

Wintersport hat eine lange Tradition in Deutschland. Im Bobsport, Rennrodeln, Biathlon, Langlauf und Eisschnelllauf konnten deutsche Sportler regelmĂ€ĂŸig Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei den Olympischen Spielen gewinnen. Weitere populĂ€re Wintersportarten sind das Skispringen, mit Sven Hannawald und Jens Weißflog als besonders erfolgreichen Sportlern, sowie verschiedene alpine Skisportarten. Katarina Witt zĂ€hlt mit zwei Olympiasiegen im Eiskunstlauf zu den grĂ¶ĂŸten Sportlern ihrer Disziplin.

Das Deutsche Reich war Austragungsort der Olympische Sommerspiele 1936 in Berlin und der Olympischen Winterspiele im Jahr 1936 in Garmisch-Partenkirchen, die Bundesrepublik Deutschland ebenso fĂŒr die Sommerspiele 1972. Des Weiteren bewarb sich Berlin erfolglos fĂŒr Olympische Sommerspiele 2000. Im ewigen Medaillenspiegel der Olympischen Spiele nimmt Deutschland mit 400 Goldmedaillen den dritten Platz ein.[198]

Die Beliebtheit des Radsports hing in der Vergangenheit in starkem Maße von den aktuellen Erfolgen deutscher Fahrer ab. Rudi Altig (in den 1960er-Jahren) und Jan Ullrich gehörten zu den erfolgreichsten Radsportlern ihrer Zeit. Im Hallenradsport ist Deutschland die fĂŒhrende Nation gemessen an der Anzahl gewonnener Weltmeistertitel. Mit ĂŒber 70 Prozent der gewonnenen WM-Titel ist Deutschland – die DDR eingeschlossen – fĂŒhrend in den Disziplinen Radball und Kunstradfahren.

Im Hockey wurde Deutschlands Herrenmannschaft 2002 und 2006 Weltmeister sowie 1972, 1992, 2008 und 2012 Olympiasieger. Die Damen wurden 2004 Olympiasieger und 1976 und 1981 Weltmeister. Beide Mannschaften sind fĂŒhrend im Hallenhockey. Tennis erlebte in den 1980er- und 1990er-Jahren durch die Erfolge der deutschen Sportler Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich eine seitdem nicht wieder erreichte PopularitĂ€t.

Zu den Ă€ltesten Sportarten zĂ€hlt das Sportschießen. Der Deutsche SchĂŒtzenbund hat etwa 1,4 Millionen Mitglieder. Insgesamt gibt es deutschlandweit rund sechs Millionen SportschĂŒtzen.[199] Große Erfolge konnten deutsche Sportler auch in weiteren Sportarten wie Fechten, Reiten, Ringen, Rudern, Kanusport, der Leichtathletik und im Schwimmsport erreichen. Im Tischtennis zĂ€hlt Timo Boll, im Golf Martin Kaymer und Bernhard Langer zu den besten Spielern der Welt. Der Deutsche Golf-Verband zĂ€hlt mit 635.000 Golfspielern im Jahr 2014 zu den zehn grĂ¶ĂŸten VerbĂ€nden des deutschen Sports.[200]

Siehe auch

 Portal: Deutschland – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Deutschland

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Mehr Informationen zur gesprochenen Wikipedia

Literatur

  • Margarete Graf: Schnellkurs Deutschland, DuMont, Köln 2007, ISBN 978-3-8321-7760-7.
  • Axel Schildt, Detlef Siegfried: Deutsche Kulturgeschichte: Die Bundesrepublik von 1945 bis zur Gegenwart. Carl Hanser Verlag, MĂŒnchen 2009, ISBN 3-446-23414-4.
  • EnzyklopĂ€die deutscher Geschichte, hrsg. von Lothar Gall. In Verbindung mit Peter Blickle, Elisabeth Fehrenbach, Johannes Fried, Klaus Hildebrand, Karl Heinrich Kaufhold, Horst Möller, Otto Gerhard Oexle, Klaus Tenfelde. R. Oldenbourg Verlag, MĂŒnchen 1988 ff.

Weblinks

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Anmerkungen

  1. ↑ § 23 Absatz 1 Verwaltungsverfahrensgesetz (Bund).
    Die Frage, ob unter deutsch rechtlich ausschließlich die hochdeutsche oder auch die niederdeutsche Sprache subsumiert wird, wird juristisch uneinheitlich beantwortet: WĂ€hrend der BGH in einer Entscheidung zu Gebrauchsmustereinreichung beim Deutschen Patent- und Markenamt in plattdeutscher Sprache das Niederdeutsche einer Fremdsprache gleichstellt („Niederdeutsche (plattdeutsche) Anmeldeunterlagen sind im Sinn des § 4a Abs. 1 Satz 1 GebrMG nicht in deutscher Sprache abgefaßt.“ – BGH-Beschluss vom 19. November 2002, Az. X ZB 23/01), ist nach dem Kommentar von Foerster/Friedersen/Rohde zu § 82a des Landesverwaltungsgesetzes Schleswig-Holstein unter Verweis auf Entscheidungen höherer Gerichte zu § 184 des Gerichtsverfassungsgesetzes seit 1927 (OLG Oldenburg, 10. Oktober 1927 – K 48, HRR 1928, 392) unter dem Begriff deutsche Sprache sowohl Hochdeutsch wie auch Niederdeutsch zu verstehen.
  2. ↑ Statistische Ämter des Bundes und der LĂ€nder: Gebiet und Bevölkerung – FlĂ€che und Bevölkerung, Stand: 4. Februar 2014. Abgerufen am 27. Februar 2014.
  3. ↑ {{#invoke:Zitation|TitelFormat|titel=Bevölkerung – Deutschland}} Statistische Ämter des Bundes und der LĂ€nder, {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}, abgerufen am {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}.
  4. ↑ Bevölkerungsdichte ungerundet: 80.715.982 Einwohner/357.167,94 kmÂČ = 225,99 Einwohner pro kmÂČ. Berechnet am 19. MĂ€rz 2014.
  5. ↑ a b c d Statistisches Bundesamt: 80,5 Millionen Einwohner am Jahresende 2012 – Bevölkerungszunahme durch hohe Zuwanderung, Pressemitteilung Nr. 283 vom 27. August 2013. Abgerufen am 4. November 2013.
  6. ↑ a b c d Internationaler WĂ€hrungsfonds: World Economic Outlook Database, Stand: April 2012. Abgerufen am 8. Oktober 2012.
  7. ↑ Human Development Report Office: Germany – Country Profile: Human Development Indicators. Abgerufen am 16. MĂ€rz 2013.
  8. ↑ Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Grundlagenvertrag (Urteil vom 31. Juli 1973, Absatz-Nr. 54 – 2 BvF 1/73 – BVerfGE 36, S. 1 ff.: „[
] Mit der Errichtung der Bundesrepublik Deutschland wurde nicht ein neuer westdeutscher Staat gegrĂŒndet, sondern ein Teil Deutschlands neu organisiert. [
]“)
  9. ↑ Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung: Grundlagen. Abgerufen am 7. Mai 2013.
  10. ↑ Zum ordnungspolitischen Nationalstaatsbegriff siehe statt aller mit weiteren Nachweisen Hans F. Zacher, Sozialer Einschluß und Ausschluß im Zeichen von Nationalisierung und Internationalisierung, in: Hans GĂŒnter Hockerts (Hrsg.): Koordinaten deutscher Geschichte in der Epoche des Ost-West-Konflikts, Oldenbourg, MĂŒnchen 2004 (Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien; 55), ISBN 3-486-56768-3, S. 103–152, hier S. 105 f., 141: Die Konstituierung der Bundesrepublik Deutschland als Nationalstaat, aber „nur unter Inkaufnahme von WidersprĂŒchen“, sowie der Charakter des vereinigten Deutschland als Nationalstaat.
  11. ↑ {{#invoke:Zitation|TitelFormat|titel=Bevölkerung auf Grundlage des Zensus 2011}} Statistisches Bundesamt, {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}, abgerufen am {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}.
  12. ↑ Hans Kundnani: Germany as a Geo-economic Power (PDF; 267 kB), Center for Strategic and International Studies, 2011. Abgerufen am 20. Juni 2013.
  13. ↑ a b Statistisches Bundesamt: Top 20 ExportlĂ€nder 2012; vgl. dazu Außenhandel, Stand 2013. Abgerufen am 15. Juni 2013.
  14. ↑ a b Bericht ĂŒber die menschliche Entwicklung 2013 (PDF; 6,2 MB) Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. S. 238 ff. Abgerufen am {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}.
  15. ↑ Werner Weidenfeld, Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit 1949–1989–1999. Aktualisierte Neuausgabe, Campus Verlag, Frankfurt a.M. 1999, ISBN 3-593-36240-6, S. 86 f.
  16. ↑ Wilhelm Schmidt, Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch fĂŒr das germanistische Studium. 7., verbesserte Aufl., Stuttgart/Leipzig 1996, S. 80 f.
  17. ↑ In der Frankfurter Übersetzung der Goldenen Bulle (um 1365) heißt es Dutschelant.
  18. ↑ WolfenbĂŒtteler Digitale Bibliothek: Johann von Cube, Basel 1487, S. 6 (zweite Sp., unterer Bereich). Abgerufen am 7. Januar 2013.
  19. ↑ Bardo Fassbender: AuswĂ€rtige ZustĂ€ndigkeiten bundesstaatlicher Gliedstaaten: Die Entstehung des Prinzips der dynamischen Verweisung im Zeitalter der GrĂŒndung des Deutschen Reiches (1866–1871), JöR, N.F. Bd. 53 (2005), S. 207, hier S. 270 f.
  20. ↑ „Mit dem Wort Deutschland geben wir dem Ganzen ein gewisses Pathos
“, zit. nach Theodor Heuss, spĂ€terer BundesprĂ€sident, in den Beratungen des Parlamentarischen Rates, 1948.
  21. ↑ Helmut Berschin, Deutschlandbegriff im sprachlichen Wandel, in: Werner Weidenfeld/Karl-Rudolf Korte (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit 1949–1989–1999, Campus Verlag, Frankfurt a.M./New York 1999, S. 217–225, hier S. 220.
  22. ↑ Heinrich August Winkler: Die deutsche Frage ist gelöst, die europĂ€ische Frage ist offen. 60 Jahre Bundesrepublik: RĂŒckblick und Ausblick, in: GWU 60, 2009, Heft 9, S. 490–494. Vgl. zur offiziellen Kurzform der amtlichen Staatsbezeichnung die Mitteilung der Bundesregierung an den GeneralsekretĂ€r der Vereinten Nationen vom 3. Oktober 1990, dass die Bundesrepublik Deutschland ab diesem Zeitpunkt im Rahmen der UN unter dem Namen ‚Deutschland‘ auftreten werde (s. hierzu Multilateral Treaties Deposited with the Secretary General 1996, S. 9 Anm. 13).
  23. ↑ Christoph Möllers bezeichnet die völkerrechtliche IdentitĂ€t seit 1866/1867 als „mittlerweile allgemeine Ansicht“ (Staat als Argument, MĂŒnchen 2000, S. 163).
  24. ↑ Zahlen des Statistischen Bundesamtes, abgerufen am 29. Mai 2014.
  25. ↑ D. Gebauer, I.S. Williams, W. Compston, M. GrĂŒnenfelder: The development of the Central European continental crust since the Early Archaean based on conventional and ion-microprobe dating of up to 3.84 b.y. old detrital zircons. In: Tectonophysics 157 (1989), S. 81–96. DOI:10.1016/0040-1951(89)90342-9.
  26. ↑ Linnemann, U./Romer, R. L. (Ed.): Pre-Mesozoic Geology of Saxo-Thuringia: From the Cadomian Active Margin to the Variscan Orogen. Schweizerbart science publishers, 2010, S. 485.
  27. ↑ Klimadaten: Gebietsmittelwerte von Deutschland. Abgerufen am 7. Januar 2013.
  28. ↑ DWD: Wetterrekorde – Lufttemperatur. Abgerufen am 15. MĂ€rz 2014.
  29. ↑ Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)
  30. ↑ Bayerisches Landesamt fĂŒr Statistik – VolkszĂ€hlung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (VolkszĂ€hlungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)
  31. ↑ Stand vom 30. November 2013, Fortgeschriebene Bevölkerungszahlen vom 30. November 2013 des Amtes fĂŒr Statistik Berlin-Brandenburg, abgerufen am 21. Mai 2014 (PDF-Datei).
  32. ↑ Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)
  33. ↑ konkludent durch die Ernennung der bisherigen Stadtregierung der Stadt Bremen zur neuen Landesregierung bei WiedergrĂŒndung des Landes aus der Stadt Bremen, dem Landgebiet Bremen (heute auch Teil der Stadt Bremen), dem Stadtkreis WesermĂŒnde samt der Stadt Bremerhaven (heute komplett Bremerhaven) am 21. Januar 1947 (rĂŒckwirkend zum 1. Januar) durch Proklamation Nr. 3 der US-amerikanischen MilitĂ€rregierung; de facto als Regierungssitz (Senat) (siehe Rathaus Bremen: Senatskanzlei) und Sitz des Parlaments (siehe Bremische BĂŒrgerschaft) sowie anderer oberster Landesorgane
  34. ↑ {{#invoke:Zitation|TitelFormat|titel=Bevölkerungsstand und Bevölkerungsbewegung am 31.12.2012}} Statistisches Landesamt Bremen, abgerufen am {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}.
  35. ↑ Amtliche Bevölkerungszahl von Hamburg am 31. Dezember 2012 (PDF; 293 kB)
  36. ↑ durch OrganisationsverfĂŒgung Nr. 1 der US-amerikanischen MilitĂ€rregierung vom 12. Oktober 1945
  37. ↑ Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)
  38. ↑ Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2012 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011)
  39. ↑ Landesbetrieb fĂŒr Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012
  40. ↑ durch ein Memorandum der britischen MilitĂ€rregierung vom 1. August 1946, wenige Tage vor der Verordnung Nr. 46 zur Verschmelzung der Provinzen Nordrhein und Westfalen vom 23. August 1946 zum neuen Land Nordrhein-Westfalen (siehe Landeshauptstadt DĂŒsseldorf: Geburt und Heranwachsen einer Landeshauptstadt; Kurt DĂŒwell: „Operation Marriage“ – Die britische Geburtshilfe bei der GrĂŒndung Nordrhein-Westfalens, Redemanuskript, DĂŒsseldorf 2006, S. 1 (PDF; 91 kB))
  41. ↑ {{#invoke:Zitation|TitelFormat|titel=Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011}} Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}.
  42. ↑ durch Entscheidung des Landtages vom 16. Mai 1950
  43. ↑ Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)
  44. ↑ Saarland.de – FlĂ€che und Bevölkerung – Stand: 31.12.2012 (Basis Zensus 2011) (PDF; 0,02 MB)
  45. ↑ Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)
  46. ↑ Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011)
  47. ↑ durch Verordnung Nr. 46 der britischen MilitĂ€rregierung vom 16. August 1946 (Kieler Erinnerungstag: 23. August 1946)
  48. ↑ Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2012 (XLS-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011)
  49. ↑ nach Artikel 44 III der Verfassung des Freistaats ThĂŒringen
  50. ↑ ThĂŒringer Landesamt fĂŒr Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfĂŒllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in ThĂŒringen
  51. ↑ Walter Pohl: Die Germanen. EnzyklopĂ€die deutscher Geschichte Bd. 57. 2. Aufl., MĂŒnchen 2004, S. 3 ff.
  52. ↑ Walter Pohl: Die Germanen. EnzyklopĂ€die deutscher Geschichte Bd. 57. 2. Aufl., MĂŒnchen 2004, S. 3f. und S. 10.
  53. ↑ Ernst Baltrusch (Hrsg.): 2000 Jahre Varusschlacht. Geschichte – ArchĂ€ologie – Legenden. Berlin [u. a.] 2012; Reinhard Wolters: Die Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius, Varus und das römische Germanien. MĂŒnchen 2008.
  54. ↑ Zur Einordnung der ottonischen Geschichte allgemein Hagen Keller, Gerd Althoff: Die Zeit der spĂ€ten Karolinger und der Ottonen. Stuttgart 2008, S. 18 ff.
  55. ↑ Zu den unterschiedlichen ForschungsansĂ€tzen siehe Joachim Ehlers, Die Entstehung des Deutschen Reiches. 4. Aufl., MĂŒnchen 2012; vgl. allgemein auch Johannes Fried, Der Weg in die Geschichte. Berlin 1994, speziell S. 9 ff. und 853 ff. Grundlegend ist Carlrichard BrĂŒhl, Deutschland – Frankreich. Die Geburt zweier Völker. 2. Aufl., Köln/Wien 1995.
  56. ↑ Carlrichard BrĂŒhl: Die Geburt zweier Völker. Köln [u. a.] 2001, S. 69 ff. Vgl. auch Carlrichard BrĂŒhl, Deutschland – Frankreich. Die Geburt zweier Völker. 2. Aufl., Köln/Wien 1995, S. 205 ff.
  57. ↑ Bernd SchneidmĂŒller: Konsensuale Herrschaft. Ein Essay ĂŒber Formen und Konzepte politischer Ordnung im Mittelalter. In: Paul-Joachim Heinig (Hrsg.): Reich, Regionen und Europa in Mittelalter und Neuzeit. Festschrift fĂŒr Peter Moraw. Berlin 2000, S. 53–87.
  58. ↑ Bernd SchneidmĂŒller: Konsens – Territorialisierung – Eigennutz. Vom Umgang mit spĂ€tmittelalterlicher Geschichte. In: FrĂŒhmittelalterliche Studien 39, 2005, S. 225–246.
  59. ↑ Zur politischen Geschichte siehe ausfĂŒhrlich Heinz Thomas: Deutsche Geschichte des SpĂ€tmittelalters. Stuttgart 1983.
  60. ↑ Alfred Kohler: Karl V. 1500–1558. Eine Biographie. MĂŒnchen 1999.
  61. ↑ William W. Hagen: Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern, Band 2: Vom Absolutismus bis Napoleon, 1648–1815. PDF-Datei, S. 5, abgerufen im Portal germanhistorydocs.ghi-dc.org am 11. Januar 2014
  62. ↑ Zuvor existierte von 1663 bis 1806 ein „ImmerwĂ€hrender Reichstag“ in Regensburg, und die Habsburger waren bis zuletzt Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.
  63. ↑ Heinrich August Winkler: Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. MĂŒnchen 2000, S. 49.
  64. ↑ Heinrich August Winkler: Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. MĂŒnchen 2000, S. 51 ff.
  65. ↑ Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800–1866. BĂŒrgerwelt und starker Staat. MĂŒnchen 1983, S. 24 f.
  66. ↑ Gleiches aktives und passives Wahlrecht, unabhĂ€ngig vom Einkommen, galt hinfort nicht nur bei den Wahlen zum Deutschen Reichstag, sondern auch zum Parlament im Land Preußen, wo zuvor ein Dreiklassenwahlrecht, und dies nur fĂŒr MĂ€nner, gegolten hatte.
  67. ↑ Zu diesem Stichtag sowie den damit verbundenen völkerrechtlichen Konsequenzen siehe Daniel-Erasmus Khan, Die deutschen Staatsgrenzen, Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2004, Teil II Kap. III (Fn 26 f.), S. 98–101.
  68. ↑ Feststellung seitens der Regierungen des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken sowie der Provisorischen Regierung der Französischen Republik ĂŒber die Besatzungszonen in Deutschland vom 5. Juni 1945, in: documentArchiv.de
  69. ↑ Frankreich stellte 1945 noch keine anerkannte Siegermacht dar, sondern stand vor der Herausforderung, seinen Anspruch auf einen Großmachtstatus fortzufĂŒhren (so Jörn Leonhard, in: ders., Rolf G. Renner [Hrsg.]: Koloniale Vergangenheiten – (post-)imperiale Gegenwart, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2010, S. 102 f.).
  70. ↑ Feststellung seitens der Regierungen des Vereinigten Königreichs, der Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken sowie der Provisorischen Regierung der Französischen Republik ĂŒber das Kontrollverfahren in Deutschland vom 5. Juni 1945, in: documentArchiv.de
  71. ↑ Vgl. dazu Kay Hailbronner, in: Graf Vitzthum (Hrsg.), Völkerrecht, 4. Aufl. 2007, 3. Abschn., Rn 196.
  72. ↑ Zum Anspruch der DDR vgl. Uwe Andersen, Wichard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5. Auflage, Leske + Budrich, Opladen 2003, ISBN 3-8100-3865-2, S. 127.
  73. ↑ Vgl. Andreas Zimmermann, Staatennachfolge in völkerrechtliche VertrĂ€ge, S. 49.
  74. ↑ Vgl. hierzu Ute Röding-Lange: Bezeichnungen fĂŒr ‘Deutschland’ in der Zeit der „Wende“, Königshausen & Neumann, 1997, S. 76, 79 f.; Wolf D. Gruner, Die deutsche Frage als Thema der europĂ€ischen Politik im 19. und 20. Jahrhundert, in: JĂŒrgen Elvert, Friederike KrĂŒger (Hg.): Deutschland 1949–1989. Von der Zweistaatlichkeit zur Einheit (HMRG, Beiheft 49), Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2003, S. 17–55, hier S. 19; Ulrich Ammon: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen VarietĂ€ten, de Gruyter, Berlin/New York 1995, S. 319.
  75. ↑ Im damaligen Sinne eines „Durchgangsstadium[s] fĂŒr einen kĂŒnftigen, wieder gesamtdeutschen Staat“, vgl. Klaus Hornung, Von der Bonner zur Berliner Republik (PDF; 33 kB) und Uwe Andersen/Wichard Woyke (Hg.), Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, 5., aktual. Aufl., Leske + Budrich, Opladen 2003 (Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, 2003).
  76. ↑ Erlass des Staatsrates der DDR vom 7. September 1961 (GBl. SDr. 341, S. 3)
  77. ↑ Werner Abelshauser: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945. C.H. Beck, MĂŒnchen 2004, Kapitel „Die Reparationsfrage“, S. 75–84.
  78. ↑ Artikel 23 Satz 2 GG a.F.
  79. ↑ Bundesministerium der Justiz: Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik ĂŒber die Herstellung der Einheit Deutschlands – Einigungsvertrag – vom 31. August 1990 (BGBl. 1990 II S. 889). Abgerufen am 7. Januar 2013.
  80. ↑ Vgl. das Schreiben des deutschen Vertreters bei den UN vom 17. Dezember 1990 an den UN-GeneralsekretĂ€r: „As a consequence of the accession of the German Democratic Republic to the Federal Republic of Germany, the former German Democratic Republic has ceased to exist as of October 3rd 1990, whereas the Federal Republic of Germany continues to exist as an identical subject of international law 
“; ZaöRV 53 (1993), S. 1095.
  81. ↑ GĂŒnther Heydemann: Zwischen Konsens, Krise und Konflikt. Der 11. September 2001 und seine Auswirkungen auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen. In: Klaus Hildebrand, Udo Wengst, Andreas Wirsching (Hrsg.): Geschichtswissenschaft und Zeiterkenntnis. Von der AufklĂ€rung bis zur Gegenwart. Festschrift fĂŒr Horst Möller. Oldenbourg, MĂŒnchen 2008, S. 437–452, hier S. 439. Abgerufen am 7. Januar 2013.
  82. ↑ Bundesverfassungsgericht: Urteil des BVerfG, Az. 2 BvE 1/03 Abgerufen am 7. Januar 2013.
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  84. ↑ Weg fĂŒr ESM-Rettungsschirm endgĂŒltig frei, Meldung vom 27. September 2012 auf Welt Online. Abgerufen am 7. Januar 2013.
  85. ↑ Dieter Hesselberger, Das Grundgesetz. Kommentar fĂŒr die politische Bildung, 9. Auflage, Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied 1995, S. 50.
  86. ↑ Herdegen, § 8, Rn 30 (Abschnitt „Bundesstaat“): „Die Gliedstaaten verfĂŒgen â€“ nur â€“ insoweit ĂŒber eine (partielle und abgeleitete) VölkerrechtssubjektivitĂ€t, als ihnen durch die Bundesverfassung Kompetenzen in auswĂ€rtigen Angelegenheiten eingerĂ€umt werden.“
    Ipsen, § 5, Rn 21 (Abschnitt „Gliedstaaten von Bundesstaaten und Staatenbund“): „Ihre VölkerrechtssubjektivitĂ€t [also die der Gliedstaaten in einem Bundesstaat] unterscheidet sich vielmehr von der des Bundes dadurch, dass sie von der VölkerrechtssubjektivitĂ€t des jeweiligen Bundesstaates abgeleitet [= derivativ] und nicht originĂ€r ist.“
  87. ↑ Vgl. Dieter Hesselberger, Das Grundgesetz, 13. Aufl., Art. 20, Rn 1, 7; Avenarius, Die Rechtsordnung, 3. Aufl., S. 23 f.
  88. ↑ Christian Schramek, Politische FĂŒhrung in supranationalen Mehrebenensystemen: die EuropĂ€ische Union, in: Martin Sebaldt, Henrik Gast (Hrsg.): Politische FĂŒhrung in westlichen Regierungssystemen. Theorie und Praxis im internationalen Vergleich, VS Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17068-8, S. 307; vgl. dazu Henrik Gast, Politische FĂŒhrung in der Kanzlerdemokratie: die Bundesrepublik Deutschland, ebd., S. 95 f.
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  90. ↑ Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 114 vom 27. MĂ€rz 2014; Deutsche Bundesbank: Pressemitteilung vom 1. April 2014.
  91. ↑ Daniel-Erasmus Khan: Die deutschen Staatsgrenzen. Rechtshistorische Grundlagen und offene Rechtsfragen. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2004, S. 437.
  92. ↑ FĂŒr diesen Bereich haben die LĂ€nder durch Verwaltungsabkommen und StaatsvertrĂ€ge Verwaltungs- und GerichtszustĂ€ndigkeiten geregelt, die Gebietshoheit ist damit aber nicht geklĂ€rt.
    Beispiele fĂŒr solche VertrĂ€ge sind das (Verwaltungs-)Abkommen ĂŒber die wasserschutzpolizeilichen ZustĂ€ndigkeiten auf der Elbe zwischen den LĂ€ndern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der Freien und Hansestadt Hamburg von 1974, der Staatsvertrag zwischen der Freien Hansestadt Bremen, der Freien und Hansestadt Hamburg sowie den LĂ€ndern Niedersachsen und Schleswig-Holstein ĂŒber die gerichtliche ZustĂ€ndigkeit in Binnenschiffahrtssachen von 1983 oder der Staatsvertrag zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und den LĂ€ndern Niedersachsen und Schleswig-Holstein ĂŒber die Regelung der Gerichtszugehörigkeit des KĂŒstengewĂ€ssers der Nordsee und der ElbmĂŒndung von 2001. Zu den rechtlichen und geschichtlichen Aspekten siehe Rainer Lagoni: LĂ€ndergrenzen in der ElbemĂŒndung und der Deutschen Bucht, Berlin 1982, ISBN 3-428-05240-4.
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  120. ↑ Vgl. dazu Karl-Hermann KĂ€stner, Die Entwicklung des Staatskirchenrechts seit 1961, in: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart, hrsg. von Gerhard Leibholz. Neue Folge Bd. 27, Mohr Siebeck, TĂŒbingen 1978, S. 280 f.; Götz Klostermann, Der Öffentlichkeitsauftrag der Kirchen – Rechtsgrundlagen im kirchlichen und staatlichen Recht (= Jus Ecclesiasticum; Bd. 64), Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2000, S. 11 ff., 79; Michael Meyer-Blanck, Birgit Weyel, Studien- und Arbeitsbuch Praktische Theologie, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, S. 204.
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