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| Deutschland 1945â1949 | ||||
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| Hauptstadt | Berlin (de jure) Frankfurt am Main (Amerikanische Zone) Bad Oeynhausen (Britische Zone) Baden-Baden (Französische Zone) Ost-Berlin (Sowjetische Zone) | |||
| Regierungsgewalt | Alliierter Kontrollrat | |||
| WĂ€hrung | West- und Ostzone: Reichsmark und Rentenmark (1945â1948) Westzone: Deutsche Mark (1948â1949) Ostzone: Deutsche Mark (1948â1949) Saarland: Saar-Mark (1947), Saar-Franken (1947â1949) | |||
| Zeitzone | UTC+1 MEZ | |||
| Kfz-Kennzeichen | D | |||
| Karte (Ausschnitt) | ||||
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Die Zeit in Deutschland zwischen 1945 und 1949, vom Kriegsende durch die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht und Niederlage des Deutschen Reiches bis zur GrĂŒndung beziehungsweise Neuorganisation zweier deutscher Staaten als Teile der deutschen Nation und damit dem Beginn der 40-jĂ€hrigen Geschichte deutscher Teilung, zĂ€hlt zu den âkompliziertesten Abschnitten der deutschen Geschichte [âŠ] einem interdependenten Prozess, an dem alle WeltmĂ€chte beteiligt waren.â (Lutz Niethammer)
Inhaltsverzeichnis |
Die Staatsorganisation des Deutschen Reiches war bereits vor dem âZusammenbruchâ stark zerfallen, nach Zerschlagung der Obersten Reichsbehörden und der NSDAP-Parteiorganisation durch die SiegermĂ€chte waren die Bevölkerung[1] und die nachgeordnete Verwaltung weitgehend auf Selbstorganisation zurĂŒckgeworfen. Zusammen mit den groĂen Wanderungsbewegungen von Heimatvertriebenen und FlĂŒchtlingen trug der Zerfall der deutschen WirtschaftsrĂ€ume zum allgemeinen sozialen Elend bei.
Deutschland nach seinem Gebietsstand von 1937 wurde nach Ăbertragung der Verwaltungshoheit ĂŒber seine Ostgebiete, die von der sowjetischen Armee direkt an die Volksrepublik Polen beziehungsweise Russische SFSR (heute zu Russland gehörender, nördlicher Teil OstpreuĂens) ĂŒbergeben worden waren, in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Im Folgenden waren dies:
Am 5. Juni 1945 ĂŒbernahmen die Oberbefehlshaber der Vier MĂ€chte (USA, Vereinigtes Königreich, Frankreich und Sowjetunion) durch die Berliner ErklĂ€rung die oberste Regierungsgewalt ĂŒber Gesamtdeutschland. Diese lag beim Alliierten Kontrollrat mit Sitz in Berlin. FĂŒr GroĂ-Berlin erfolgte eine gemeinsame Besetzung der Alliierten und die Einrichtung der Alliierten Kommandantur fĂŒr die Verwaltung des Stadtgebietes.
Bis zum 1. Juli 1945 rĂ€umten die Briten und US-Amerikaner die LĂ€nder Sachsen, ThĂŒringen und Teile von Mecklenburg und ĂŒbergaben sie der sowjetischen Kontrolle. Im Austausch dafĂŒr erhielten die Westalliierten die Besetzung der drei westlichen Sektoren Berlins. Am 10. Juli rĂŒckten französische Besatzungstruppen in das Saarland ein, das die dortigen US-Einheiten verlieĂen.[2]
Die ersten LĂ€nder wurden im Juli 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone gegrĂŒndet. Allerdings verfolgte die Sowjetunion fĂŒr die Zukunft Deutschlands den Entwurf eines zentralistischen Staates, in dem die LĂ€nder lediglich Verwaltungseinheiten darstellen sollten. Auch die Briten organisierten ihre Besatzungszone in Nordwestdeutschland eher zentralistisch. Die Amerikaner hingegen verfolgten in SĂŒddeutschland ein föderalistisches Konzept, bei dem die LĂ€nder auch eine wichtige politische Rolle spielen sollten.
Die verschiedenen Strategien befanden sich bei den Alliierten jeweils teilweise bereits seit 1943 in der Ausarbeitung (vgl. Atlantik-Charta, Casablanca-Konferenz, Konferenz von Teheran, ErklĂ€rung von Jalta). Trotzdem wurden die wechselhaften Ergebnisse der Besatzungspolitik lange sowohl von den BesatzungsmĂ€chten, als auch von der betroffenen deutschen Bevölkerung als reine Provisorien betrachtet. Erst mit der verstĂ€rkten Konfrontation der weltpolitischen Blöcke wurde aus VorlĂ€ufigem â vor allem aus der Deutschen Teilung â zunehmend scheinbar EndgĂŒltiges.
Mitte Juli waren Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin in Deutschland, um in einer DreimĂ€chtekonferenz der Hauptalliierten auf höchster Ebene ĂŒber das weitere Vorgehen zu beraten.
Als wichtigste Ergebnisse wurden am 2. August 1945 beschlossen:
Die Forderung nach einem âausgeglichenen Wirtschaftsleben in ganz Deutschlandâ wurde schon bald durch die Auseinanderentwicklung der WirtschaftsverhĂ€ltnisse in Ost- und Westzonen (auch eine Folge der zunehmenden Konfrontation der politischen Blöcke im Kalten Krieg) Makulatur.
Ăber die sowjetischen Reparationsforderungen kam es bei der Konferenz bereits zu einem ersten Eklat mit den USA. Die Feierlichkeiten zum Sieg ĂŒber Japan begingen die Alliierten aber noch gemeinsam vor dem Brandenburger Tor. Im September 1945 wurde mit dem Wanfrieder Abkommen ein geringfĂŒgiger Gebietstausch zwischen amerikanischer und sowjetischer Besatzungszone vereinbart.
Insgesamt befanden sich 1945 elf Millionen deutsche Soldaten in Gefangenschaft, fĂŒnf Millionen von ihnen kamen recht schnell wieder in Freiheit. In den letzten Wochen vor dem Kriegsende ergaben sich allein den Amerikanern vier Millionen deutsche Soldaten. Diese hatten schwerwiegende logistische Probleme, diese riesige Zahl an Kriegsgefangenen ausreichend mit Lebensmitteln, Medikamenten und UnterkĂŒnften zu versorgen. Im FrĂŒhjahr 1946 wurde dem IKRK schlieĂlich erlaubt, Besuche abzuhalten und den Kriegsgefangenen in der amerikanischen Zone begrenzte Mengen an Nahrungsmitteln zukommen zu lassen.[4] (Zu Deutschen in amerikanischem Gewahrsam 1945 siehe Rheinwiesenlager.)
Ăber 700.000 Kriegsgefangene stellten die USA den Franzosen zum Wiederaufbau ihres Landes zur VerfĂŒgung. Frankreich zwang etwa 50.000 zur hochriskanten Zwangsarbeit als MinenrĂ€umer.[5] Einige mussten unter harten Bedingungen im Bergbau arbeiten. Viele konnten erst 1948 in die Heimat zurĂŒckkehren. FĂŒr solche in sowjetischer Kriegsgefangenschaft war die Aussicht zu ĂŒberleben schlecht, etwa 30 Prozent starben. Die letzten kamen erst 1956 nach Deutschland zurĂŒck, die so genannte Heimkehr der Zehntausend.
Am 29. Mai 1945 wurde die Meldepflicht fĂŒr alle Frauen zwischen 15 und 65 Jahren in Berlin eingefĂŒhrt. Arbeit als âTrĂŒmmerfrauâ brachte bessere Lebensmittelkarten ein. Frauen, die in den ersten Nachkriegsjahren die Hauptlast des Wiederaufbaus in Deutschland trugen, entwickelten in dieser Zeit ein neues SelbstverstĂ€ndnis und -bewusstsein. Das konservativere Klima der spĂ€teren Jahre unter Bundeskanzler Konrad Adenauer sollte die emanzipativen AnsĂ€tze aber weitgehend wieder einkassieren â zumindest in Westdeutschland. Schon im ersten Deutschen Bundestag von 1949 waren Frauen anteilsmĂ€Ăig spĂ€rlicher vertreten als noch im Reichstag der Weimarer Republik.
Ein Viertel aller Wohnungen war zerstört worden, in vielen StĂ€dten gar ĂŒber 50 Prozent.
Im Mai 1945 gab es in Berlin etwa 1000 Selbstmorde. Von den ehemals fast 4,5 Mio. Einwohnern des Jahres 1942 zĂ€hlte man in der weitgehend zerstörten Stadt im August 1945 noch 2,8 Millionen (â Einwohnerentwicklung von Berlin). Am 15. Mai erschien bereits wieder eine erste Zeitung: die TĂ€gliche Rundschau, herausgegeben von den sowjetischen MilitĂ€rbehörden. Ab 21. Mai wurde auch erneut Radio aus Berlin gesendet. Durch Zwangsrekrutierung von RĂ€umungskrĂ€ften gelang den Sowjets die RĂ€umung der StraĂen binnen 14 Tagen. Von April bis Juni 1945 war Bersarin Stadtkommandant von Berlin. SchwarzmĂ€rkte in der BrunnenstraĂe, am Potsdamer Platz und am Bahnhof Zoo kamen auf.
Hilfe fĂŒr Berliner Kinder organisierte die britische Landverschickungsaktion âStorkâ. Hilfe kam auĂerdem aus der Schweiz, aus Schweden, aus Irland und von amerikanischen QuĂ€kern.
Im Berliner Magistrat war Ferdinand Sauerbruch fĂŒr das Gesundheitswesen und Hans Scharoun fĂŒr das Bauwesen zustĂ€ndig, acht andere wichtige Posten wurden von Kommunisten besetzt. Am 10. Juni lieĂen die sowjetischen Behörden wieder Parteien zu.
In der âFemina-Barâ in Berlin-Schöneberg nahmen es amerikanische Soldaten nicht so genau mit dem offiziellen Gebot der âNon-Fraternizationâ. Eine Flasche gepanschten Korns ging in Berliner Lokalen fĂŒr 900 Reichsmark schwarz ĂŒber die Theke. GegenĂŒber der entwerteten Reichsmark setzte sich bald â zumindest inoffiziell â die âZigarettenwĂ€hrungâ durch. Auch dies war eine SpĂ€tfolge der verantwortungslosen Finanzpolitik der Nationalsozialisten, welche fĂŒr RĂŒstung und Krieg die umlaufende Geldmenge aufgeblĂ€ht hatte.
Die allgemeine Lebensmittelversorgung war schlecht und man bekam nicht genug zu essen. Viele Menschen starben in den ersten Wochen an Hunger oder Durst â insbesondere SĂ€uglinge und Kleinkinder, weil keine Milch vorhanden war. Die Durchschnittsversorgung pro Tag erreichte z. B. in Bayern gerade 1000 Kalorien. Die âCooperative for American Remittances for Europeâ (CARE) schickte Versorgungs-Pakete, aber bis 5. Juni 1946 war es verboten, CARE-Pakete nach Deutschland zu schicken.[6]
Die alliierten BesatzungsmĂ€chte gaben in ihren jeweiligen Sektoren neue Lebensmittelkarten aus, die entsprechend der Schwere der Arbeit in Verbrauchergruppen (Kategorien) von I bis V eingestuft wurden. Die dafĂŒr ausgegebenen Rationen wurden wöchentlich neu entsprechend den Möglichkeiten festgelegt.
In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) standen als ReparationsmaĂnahmen intensive Industriedemontagen im Vordergrund: immerhin hatte die UdSSR die Hauptlast beim Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland tragen mĂŒssen â knapp 22 Millionen sowjetische Zivilisten und Soldaten starben wĂ€hrend des Krieges.
Die Demontagen in den Fabriken wurden durch die Arbeiter durchgefĂŒhrt, die an den Maschinen oft jahrelang gearbeitet hatten. Aus natĂŒrlicher Abneigung gegen diese MaĂnahmen, wurde immer wieder âvergessenâ, fĂŒr den Betrieb notwendige Einzelteile auch zu verpacken. Damit war bei einem Wiederaufbau in der Sowjetunion eine weitere Nutzung meist ausgeschlossen. Daher beendete man schon frĂŒhzeitig die Demontagen vor Ort, ĂŒberfĂŒhrte die geeigneten Betriebe in Sowjetische Aktiengesellschaften und transportierte dann die âĂŒberprĂŒftenâ Fertigprodukte als Reparationsleistung ab.
Allein von 1945 bis Ende 1946 wurden 1000 Betriebe abgebaut, bis MĂ€rz 1947 fast 12.000 Kilometer Schienen demontiert. Mit der Deutschen Wirtschaftskommission (DWK) wurde ab FrĂŒhjahr 1948 die Umwandlung zur Planwirtschaft begonnen. Im Gegensatz zur Praxis in den drei westlichen Besatzungszonen (â Trizone) diente die âEntnazifizierungâ in der SBZ auch zu massiven Enteignungen und gesellschaftlichen Umverteilungen und Umstrukturierungen (Bodenreform ab September 1945 u. a.). Trotzdem sollte sich die aus der Sowjetzone hervorgegangene DDR zu einem der wohlhabenderen LĂ€nder des Ostblocks entwickeln, welches allerdings stets dem ökonomischen Niveau der Bundesrepublik Deutschland hinterherhinkte.
Auch in den westlichen Besatzungszonen fanden Demontagen statt. Die Demontage von Industrieanlagen in den westlichen Besatzungszonen wurde nach einem im MĂ€rz 1946 aufgestellten Industrieplan begonnen, nach dem 1.500 Betriebe demontiert werden sollten, um das Produktionsniveau auf rund 50 % von 1938 zurĂŒckzuschrauben.[9] Noch am 13. Juni 1949 gingen belgische Soldaten gegen deutsche Arbeiter vor, die mit Barrikaden die Demontage eines Hydrierwerks verhindern wollten.
Durch das Ruhrstatut wurde am 28. April 1949 eine Internationale Ruhrbehörde errichtet. Das Ziel war die Kontrolle der westdeutschen Schwerindustrie durch eine Begrenzung der Produktion sowie die Entscheidung, wie viel Kohle und Stahl Deutschland selbst erhalten durfte und wie viel davon zu exportieren war. Die DemontageplĂ€ne wurden zuletzt im Petersberger Abkommen vom 22. November 1949 revidiert. Im Januar 1951 waren die Demontagen schlieĂlich beendet.[10]
Der Gesamtwert der demontierten Anlagen wird fĂŒr Westdeutschland auf bis zu 5,4 Mrd. DM geschĂ€tzt, fĂŒr die Sowjetische Besatzungszone beziehungsweise die DDR auf bis zu 5 Mrd. DM.
Eine eigentliche âStunde Nullâ gab es fĂŒr die deutsche Wirtschaft nicht: Deutschland lag keineswegs zur GĂ€nze in TrĂŒmmern. Der Historiker Niethammer formuliert es kĂŒhl: â[âŠ] in der Bilanz hatten die Bomber die deutsche Industrie nicht ausgelöscht, sondern ihre Expansion im Krieg abrasiert, die Menschen- und Qualifikationsverluste des Krieges wurden durch den Zuzug aus dem Osten und die Leistungsbereitschaft der auf ein elementares Existenzniveau herabgedrĂŒckten Bevölkerung mehr als ausgewogen.â
Am 6. September 1946 hielt der US-amerikanische AuĂenminister James F. Byrnes in Stuttgart die Rede der Hoffnung und kĂŒndigte damit die Bizone an. In dieser Rede verwarf er auch die Friedensmöglichkeiten des Morgenthau-Plans von 1944.[11] Die amerikanische Politik Ă€nderte sich daraufhin. Die Direktive JCS 1067 sagte aus, dass die MilitĂ€rgouverneure keine Schritte unternehmen durften, âdie (a) zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands fĂŒhren könnten oder (b) geeignet sind, die deutsche Wirtschaft zu erhalten oder zu stĂ€rken.â[12] Die Direktive wurde seit 1946 nur in abgeschwĂ€chter Form angewandt, aber erst im Juli 1947 formell durch eine neue Direktive ersetzt. Mitte 1947 stellte US-AuĂenminister George C. Marshall in Harvard sein Wirtschaftsförderungsprogramm fĂŒr Europa vor. Nun hieĂ es: âFĂŒr ein geordnetes und blĂŒhendes Europa sind die wirtschaftlichen BeitrĂ€ge eines stabilen und produktiven Deutschlands ebenso notwendig wie die BeschrĂ€nkungen, die die Garantie geben sollen, dass der destruktive Militarismus in Deutschland nicht wieder aufleben kann.â[13]
In diesem Rahmen erhielt Westdeutschland von 1948 bis 1952 ca. 1,4 Milliarden US-Dollar von den USA. Die MaĂnahmen des Marshall-Plans griffen auch in Deutschland, wobei diese Wirkung eher psychologische als rein materielle GrĂŒnde hatte. 1953 wurde beschlossen, dass Deutschland ca. 1,1 Milliarden US-Dollar zurĂŒckzuzahlen hatte.
Die Kosten der Besatzung von ĂŒber 2,4 Milliarden US-Dollar pro Jahr wurden Westdeutschland ĂŒbertragen.[14]
Ăber einen Zeitraum von zwei Jahren nahmen die USA alle deutschen Patente an sich, zu einem Wert von fast 10 Milliarden US-Dollar.[15] Auch die Briten bemĂ€chtigten sich GeschĂ€ftsgeheimnissen durch EntfĂŒhrung deutscher Wissenschaftler und Techniker sowie durch Internierung deutscher GeschĂ€ftsleute, wenn diese ihre GeschĂ€ftsgeheimnisse nicht offenbaren wollten.[16] Konrad Adenauer schrieb, dass der Schaden an der deutschen Wirtschaft sehr hoch war und sich kaum beziffern lieĂ.[17]
Das fĂŒr die Produktion des âKdF-Wagensâ gebaute Volkswagenwerk Wolfsburg sollte demontiert und nach GroĂbritannien verschifft werden.[18] Aber kein britischer Hersteller war an dem Werk und seinem Produkt interessiert: âDas Fahrzeug entspricht nicht den grundlegenden technischen Anforderungen an ein Automobil [âŠ], es ist ziemlich unattraktiv fĂŒr den durchschnittlichen KĂ€ufer [âŠ]â. Es sei fĂŒr das Unternehmen unwirtschaftlich, das Auto kommerziell zu bauen.[18]
Unter britischer Verwaltung konnten 1945 in den Wolfsburg Motor Works trotz VersorgungsengpĂ€ssen und zerstörter Verkehrsinfrastruktur fast 2.000 VW KĂ€fer gebaut werden; im Jahr darauf waren es bereits rund 10.000 Fahrzeuge. UngefĂ€hr ein Viertel der Wagen ging in den Export. VW löste bald darauf Opel als gröĂten deutschen Automobilproduzenten ab.
Bis 1950 wurde im Westen bereits wieder das Niveau des Bruttosozialprodukts von 1936 erreicht.
In allen Besatzungsgebieten gaben die alliierten Truppen Zeitungen heraus, um die Bevölkerung mit wichtigen Informationen zu versorgen (siehe Heeresgruppenpresse). Andere Zeitungen mussten in den Westzonen bis in die spĂ€ten Vierziger Jahre lizenziert sein. So sollte verhindert werden, dass Nationalsozialisten oder andere Demokratiegegner publizistisch tĂ€tig wurden (siehe Lizenzzeitung). In Ostdeutschland sicherte die Sowjetische MilitĂ€radministration in Deutschland (SMAD) die Linientreue der Publikationen ĂŒber Materialzuteilungen. Nur KPD/SED-nahe BlĂ€tter erhielten ausreichend Druckpapier.
Die âAachener Nachrichtenâ erscheinen seit dem 24. Januar 1945 und sind damit die am lĂ€ngsten ununterbrochen erscheinende Zeitung Deutschlands. Die erste Lizenz der amerikanischen MilitĂ€rverwaltung wurde am 1. August 1945 an die âFrankfurter Rundschauâ vergeben. Die âSĂŒddeutsche Zeitungâ erschien erstmals am 6. Oktober 1945 in MĂŒnchen, wenn auch zunĂ€chst nur zweimal in der Woche nur im Umfang von vier Seiten. Die Lizenz fĂŒr die Programmzeitschrift âHörzuâ bildete die Grundlage fĂŒr den Aufstieg des Axel-Springer-Verlags. Die erste Ausgabe des âNeuen Deutschlandâ erschien im April 1946 im Ostsektor Berlins. âDie Weltâ und âDie Zeitâ erscheinen seit 1946, âDer Spiegelâ seit 1947.
Mitte 1947 waren bereits wieder alle Berliner U-Bahn-Strecken in Betrieb. Die Taxinutzung war vorerst noch Personal der Alliierten vorbehalten. Noch vor der WĂ€hrungsreform eröffnete das Berliner Warenhaus Hertie. Zahlreiche Umtauschstellen hatten groĂen Zulauf, u. a. wurde hier auch mit selbst angebautem Tabak (âStrunkenâ) gehandelt. Waffen und MilitĂ€rgĂŒter wurden zivil umgenutzt, aus Flugzeugreifen wurden so beispielsweise Schuhsohlen. Bis August 1947 trafen 450.000 entlassene Kriegsgefangene in der ehemaligen Reichshauptstadt ein, 120.000 blieben.
Hausbrandprobleme im kalten Winter 1947: Das Heizmaterial wurde knapp. In Berlin und anderen StĂ€dten wurden StraĂenbĂ€ume zu Heizzwecken gefĂ€llt. 1946/47 waren auch vielerorts die Vorkriegs- und KriegsvorrĂ€te an Lebens- und Betriebsmittel aufgebraucht, die Lage war daher teilweise kritischer als noch 1945.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es ĂŒber zwölf Millionen (bis 1948 etwa 11,7 Mio.[19]) Deutsche, die als FlĂŒchtlinge und Vertriebene aus östlichen Gebieten die Besatzungszonen des verbliebenen Deutschlands erreichten. Weitere zwei Millionen Deutsche kamen in diesem Zusammenhang ums Leben.
Die meisten davon, ĂŒber sieben Millionen, kamen im Rahmen der Westverschiebung Polens aus den deutschen Ostgebieten, also im Wesentlichen aus Schlesien, der Neumark, Pommern und OstpreuĂen. Weitere drei Millionen waren die Sudetendeutschen, die ihre Gebiete verlassen mussten. Etwa 670.000 Deutsche kamen aus Polen bzw. den wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges von Deutschland annektierten polnischen Gebieten, weitere 800.000 aus sonstigen osteuropĂ€ischen Staaten.[20]
Die Gebietsverluste und die gröĂtenteils gewaltsame Vertreibung der deutschen Bevölkerung waren Folgen der deutschen Angriffskriege gegen Polen und die Sowjetunion und der deutschen Gewaltherrschaft in den entsprechenden besetzten Gebieten.
1,7 Mio. FlĂŒchtlinge und Vertriebene lieĂen sich in der Nachkriegszeit allein in Bayern nieder, ihr Anteil an der dortigen Wohnbevölkerung betrug zeitweise 20 Prozent. Die Wirkung dieser Bevölkerungsbewegung auf die Sozialstruktur war dabei recht uneinheitlich. Einerseits wurden vormals religiös und sozial weitgehend homogene Gebiete durchmischt, progressive Tendenzen waren zu beobachten â so stammten nicht wenige Jungunternehmer und FachkrĂ€fte der spĂ€teren Bundesrepublik aus den Vertriebenenkohorten. Andererseits brachten die Deutschen aus den Ostgebieten oft eine eher konservativ-lĂ€ndliche Kultur mit; einige restaurative Tendenzen Westdeutschlands in den 1950er Jahren (Heimatfilm; aus erzwungenem RĂŒckzug in familiĂ€re Notgemeinschaften entwickelte sich das unpolitische private Idyll der spĂ€teren Wohlstandsjahre u. a.) können zum Teil darauf zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Die erbrachten Integrationsleistungen bleiben jedoch bemerkenswert, vor allem in Anbetracht spĂ€teren (Teil-)Versagens von Integrationspolitiken â siehe beispielsweise die âIntegrationâ der sogenannten Gastarbeiter ab den 1970er Jahren.
Die britische Zone hatte am 1. April 1947 einen Bevölkerungszuwachs von 3,67 Millionen gegenĂŒber 19,8 Millionen Einwohnern in der Vorkriegszeit zu verzeichnen. Die Einwohnerzahl der US-Zone vergröĂerte sich um 3,25 Millionen, die der sowjetischen Zone um 3,16 Millionen. Die französische Zone nahm dagegen nur wenige FlĂŒchtlinge auf.
Nach dem Potsdamer Abkommen sollten die deutsche und österreichische Gesellschaft, Kultur, Presse, Ăkonomie, Jurisdiktion und Politik von allen EinflĂŒssen des Nationalsozialismus befreit werden. Dies sollte im Zusammenhang einer umfassenden Demokratisierung und Entmilitarisierung geschehen.
FĂŒr die Einteilung der Bevölkerung gab es fĂŒnf Kategorien:
Bei den Entnazifizierungs-Prozessen in den Westzonen kamen viele alte NS-Parteimitglieder zunehmend glimpflich davon. Dabei waren die Amerikaner von allen westlichen Alliierten die am stĂ€rksten auf Entnazifizierung bedachte Macht; allerdings konnten sie gegen die in der deutschen Bevölkerung weit verbreitete Schlussstrich-MentalitĂ€t schlieĂlich immer weniger ausrichten. Auch ihre eigenen politischen Ziele â politische âSĂ€uberungâ vs. Festigung einer marktwirtschaftlichen Bastion gegen den Sozialismus â widersprachen sich. Ferner waren in West wie Ost begehrte FachkrĂ€fte und Experten oft von der âEntnazifizierungâ ausgenommen.
In der Ostzone fand 1947 der Prozess gegen NS-Verbrecher des Konzentrationslagers Sachsenhausen statt; gleichzeitig nutzten die Sowjets das Lager als Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen fĂŒr eigene Zwecke weiter, wobei neben ehemaligen Nationalsozialisten auch unliebsame Sozialdemokraten, Liberale und Konservative inhaftiert wurden. Bis 1949 starben hier 12.000 Gefangene, u. a. der bekannte Film- und Theater-Schauspieler Heinrich George. Das Lager blieb bis 1950 die gröĂte HaftstĂ€tte der Ostzone. Internierungslager gab es allerdings in allen Zonen.
Bis 1950 wurden in den Westzonen von 6 Millionen FĂ€llen 3,66 Millionen vor Gericht gebracht. Es wurden fast 1700 Personen als Hauptschuldige, 23.000 als Belastete, 150.000 als Minderbelastete, eine Million als MitlĂ€ufer und 1,2 Millionen unschuldig eingestuft.[21] Im Osten waren bis MĂ€rz 1948 520.000 Entlassungen aus politischen GrĂŒnden vorgenommen worden.
Im FrĂŒhjahr 1948 lief in West- wie Ostzone die âheiĂe Phaseâ der Entnazifizierung aus.
Eine Art Entnazifizierung der öffentlichen Kultur sollte in verschiedenen besetzten Zonen die Reeducation leisten: eine AufklĂ€rung ĂŒber den Nationalsozialismus und die entgegengesetzten Ziele der Demokratie, vermittelt beispielsweise ĂŒber Literatur, Film, VortrĂ€ge und Kunstausstellungen. Zugrunde lag eine gewisse Angst der Alliierten, bei den Deutschen wĂŒrde es sich um ein Volk im Banne der âNazi-Verblendungâ handeln, und wohl auch der Schock ĂŒber die GrĂ€uel der Konzentrations- und Vernichtungslager. TatsĂ€chlich legten die meisten Deutschen die NS-Ideologie â wenn sie denn wirklich bis in die letzten Kriegstage daran geglaubt hatten â erstaunlich schnell ab, waren auch mit ihren Alltagsproblemen mehr als genug beschĂ€ftigt. Ob hinter oberflĂ€chlichem Abschwören immer gleich tiefere Einsicht und echte Distanzierung zur NS-Zeit stand, war dabei weniger klar. Der Historiker Norbert Frei spricht gar von einer âmental [âŠ] durchaus weiter existenten Volksgemeinschaftââ, die sich trotz demokratischer Reformen und zweifellos wirksamer Entnazifizierungs-ZĂ€suren bis in die 1960er Jahre erhalten hĂ€tte (vgl. auch âVergangenheitsbewĂ€ltigungâ). Dies ist fĂŒr die westdeutschen LĂ€nder gesagt â in Ostdeutschland gab es durch den offiziell verordneten Antifaschismus andere Bruchlinien zur Vergangenheit, aber durchaus auch sich weiterreichende autoritĂ€re Traditionen.
Die politische Umerziehung hatte sich zunÀchst auch die Reform des sehr hierarchischen deutschen Bildungssystems zum Ziel gesetzt (etwa durch das Reform- und Laborschulkonzept eines John Dewey). Dies unterblieb teilweise und ist so bis in die Gegenwart Gegenstand bildungspolitischer Kontroversen.
Ăhnlich der Wirtschaftspolitik verfolgten die SiegermĂ€chte auch bei der politischen Neuorganisation ganz verschiedene Strategien. So lieĂen die Sowjets zunĂ€chst rasch neue ParteigrĂŒndungen zu â die deutschen Kommunisten waren durch Verfolgung und stalinistische SĂ€uberung vorerst noch geschwĂ€cht, die Sozialistische Einheitspartei wurde erst um 1948 endgĂŒltig zur Kaderpartei â wĂ€hrend z. B. in der französisch besetzten Zone (Saargebiet u. a.) der politische Wiederaufbau lange nicht im Vordergrund stand â zum Verhalten Frankreichs im Alliierten Kontrollrat (siehe hier).
Viele deutsche politische KrĂ€fte versuchten eine AnknĂŒpfung an die demokratischen Traditionen der Weimarer Republik, unter Umgehung der SchwĂ€chen dieses Systems. Selbst in eher bĂŒrgerlichen Parteien setzte man anfangs noch auf gemĂ€Ăigte Formen des Sozialismus, war vor allem skeptisch gegenĂŒber der in den NS-RĂŒstungsapparat verstrickt gewesenen GroĂindustrie (vgl. Ahlener Programm der CDU von 1947). Auch die Vertreter des sogenannten Ordoliberalismus, wichtige Anreger der spĂ€teren sozialen Marktwirtschaft der Bundesrepublik, wandten sich vehement gegen Kartelle, Monopole und Oligopole; die RĂŒckkehr zur deutschen Tradition des Korporatismus der Wirtschaft und das schnelle Ende der Entflechtungspolitik wurde trotz dieser Lehre aber spĂ€ter effektiv nicht verhindert (vgl. auch Deutschland AG).
Am 6. November 1945 kam es zur Konstituierung des LĂ€nderrats in der US-Zone in Stuttgart. Parteien wurden im amerikanisch besetzten Bayern ab Januar 1946 wieder zugelassen, zuerst die KPD, dann die SPD, schlieĂlich CSU und FDP.
Bei den ersten Nachkriegs-Wahlen in Bayern (zur Verfassunggebenden Versammlung) trat auch noch eine Königs- und Heimatpartei an, die KPD erhielt wenig mehr als fĂŒnf Prozent. Auch in der britischen Zone traten ausgesprochen rechtskonservative Parteien an. Wirtschaftsminister in Bayern war 1945/46 Ludwig Erhard, spĂ€ter ein wichtiger Protagonist der WĂ€hrungsreform und Marktwirtschaft in den Westzonen und in der jungen Bundesrepublik, deren zweiter Bundeskanzler er wurde.
Die SPD der Westzonen unter Schumacher war zunÀchst noch gegen eine unumwundene Westintegration, gleichfalls aber antikommunistisch eingestellt, auch wenn sich die Partei immer noch als marxistisch verstand. Angestrebt wurde ein neutrales Deutschland zwischen den Blöcken des Kapitalismus und Kommunismus.
Die KPD suchte zunĂ€chst noch ein antifaschistisches BĂŒndnis mit bĂŒrgerlich-demokratischen KrĂ€ften. Nach dem schlechten Abschneiden der Kommunisten bei Wahlen in Ăsterreich und Ungarn versuchte sie jedoch mit UnterstĂŒtzung der sowjetischen MilitĂ€rregierung, einen Zusammenschluss von SPD und KPD in ganz Deutschland zu erreichen. Kurt Schumacher lehnte dies fĂŒr die SPD der drei westlichen Besatzungszonen eindeutig ab, bei einer parteiinternen Abstimmung waren 82 Prozent der West-Berliner Sozialdemokraten dagegen. Entsprechende Abstimmungen in ihrem Machtbereich lieĂen die Sowjets nicht zu. Im April 1946 wurde die Fusion im Ostsektor unter sowjetischem Druck trotzdem durchgefĂŒhrt.
Bei den ersten freien Wahlen in Berlin 1947 erhielt die SPD 49 Prozent der Stimmen, die Fusionspartei SED lediglich 20 Prozent. Danach mied die SED wirklich freie Wahlen, die anderen in der SBZ zugelassenen Parteien (LDPD u. a.) wurden nach und nach gleichgeschaltet und zu Blockparteien.
Von der Ostzone aus baute der junge Erich Honecker derweil die Organisation der Freien Deutschen Jugend (FDJ) auf, diese verdrÀngte durch sozialistische Propaganda bald christliche Jugendgruppen. Ende 1947 wurden die Sektorengrenzen Berlins erstmals gekennzeichnet.
Am 25. Februar 1947 beschloss der Alliierte Kontrollrat das Kontrollratsgesetz Nr. 46 zur Auflösung PreuĂens (âDie Wurzel allen Ăbels.â Churchill in Teheran 1943).
In der unmittelbaren Nachkriegszeit kam es zur Konfrontation zwischen Emigranten wie Thomas Mann und kulturellen Protagonisten der âinneren Emigrationâ (Frank ThieĂ). In literarischen Kreisen wurde â auch wegen der Sprachmanipulation der Nationalsozialisten â nach einer radikalen Sprachkritik und einem âKahlschlagâ gerufen. Die Lakonie amerikanischer Short Stories fand Eingang in die deutsche Literatur. AuĂerdem wurden Tendenzen der modernen Weltliteratur aufgenommen, die Deutschland in der Zeit des Dritten Reiches nicht erreichen konnten, wie Psychoanalyse, Marxismus, Existentialismus, Surrealismus und Expressionismus.
Aus der Kriegsgefangenenzeitschrift âDer Rufâ, in der u. a. Alfred Andersch und Hans Werner Richter schrieben, ging der Schriftstellerzirkel âGruppe 47â hervor. Zu dessen frĂŒhen Mitgliedern zĂ€hlten Wolfdietrich Schnurre und GĂŒnter Eich. Eine bekannte Schriftstellerin der unmittelbaren Nachkriegszeit war auch Elisabeth LanggĂ€sser. Hans Erich Nossack thematisierte 1948 die Schrecken des Bombenkriegs anhand der Zerstörung seiner Heimatstadt Hamburg.
In der SBZ wurde frĂŒh der âAufbauâ als die erste politisch-kulturelle Zeitschrift Nachkriegsdeutschlands ĂŒberhaupt lanciert. Hier konnten zunĂ€chst auch durchaus noch nicht-stalinistische Autoren publizieren. Eine zentrale Figur der Kulturpolitik Ostdeutschlands wurde rasch Johannes R. Becher, der zunĂ€chst in der Vereinigung âKulturbundâ aktiv war. ZurĂŒck in die SBZ kehrten u. a. die prominenten Exilliteraten Anna Seghers (1947) und Arnold Zweig (1948), der Philosoph Ernst Bloch und der Dramatiker und Lyriker Bert Brecht (beide 1949).
In den Bildenden KĂŒnsten wurden in Westdeutschland frĂŒh die von den Nationalsozialisten als âentartetâ verfemten KĂŒnstler rehabilitiert, z. B. der aus der Bauhaus-Tradition stammende Willi Baumeister zum Kunstprofessor in Stuttgart berufen (1946). Man war im Westen um einen Anschluss an die internationalen Trends der modernen Malerei bemĂŒht (Abstraktion etc.). Die herausragende Bedeutung der deutschen Kunstszene vor 1933 wurde aber nicht wieder erreicht. Im nicht völlig zerstörten Berliner Stadtschloss gab es eine Ausstellung moderner Kunst, der Maler Max Pechstein lehrte ebenfalls ab 1947 in Berlin.
1947 durfte auch der âentnazifizierteâ Wilhelm FurtwĂ€ngler wieder die Berliner Philharmoniker â nun im Titania-Palast â dirigieren. Im selben Jahr wurde auch das Sartre-StĂŒck âDie Fliegenâ im Hebbel-Theater aufgefĂŒhrt. Gustaf GrĂŒndgens inszenierte ebenfalls erneut in Berlin. Das politische Kabarett erblĂŒhte nach langer Unterbrechung in Deutschland. Auch OperettenauffĂŒhrungen und Revuen im Friedrichstadtpalast gab es schon zwei Jahre nach Kriegsende wieder.
Als erster deutscher Nachkriegsfilm hatte 1946 der DEFA-Spielfilm âDie Mörder sind unter unsâ, u. a. mit Hildegard Knef, Premiere.
Alliierte Soldatensender (AFN etc.) bekamen erheblichen Einfluss auf den Unterhaltungsmusikgeschmack junger Deutscher. Jazz und Swing, spĂ€ter auch Rock ânâ Roll wurden populĂ€r. In der britischen Besatzungszone wurde nach Vorbild der BBC der NWDR aufgebaut: Statt staatlicher Propaganda soll objektive, unabhĂ€ngige Berichterstattung gesendet werden.
Ăberhaupt kam dem Rundfunk als einzigem tĂ€glich zugĂ€nglichen Massenmedium wieder eine wichtige Funktion fĂŒr die Kunst zu â siehe etwa Wolfgang Borcherts Hörspiel âDrauĂen vor der TĂŒrâ. Ein bekannter Theaterkritiker wurde in dieser Zeit der Berliner Friedrich Luft mit seiner im Radio ausgestrahlten âStimme der Kritikâ.
Die LĂ€nder der amerikanischen und britischen Zone beschlossen im September 1946 die Koordination ihrer Verwaltungen. Der US-amerikanische AuĂenminister James F. Byrnes wies auf die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands hin. Am 1. Januar 1947 wurden die beiden Zonen wirtschaftlich zur Bizone vereinigt.
SpĂ€ter folgte auch die administrative AnnĂ€herung, der Weg zu einem âwestdeutschen Teilstaatâ war vorgezeichnet. Am 29. Mai 1947 wurde ein Abkommen zwischen der amerikanischen und britischen MilitĂ€rregierung ĂŒber die Einrichtung eines gemeinsamen Wirtschaftsrates unterzeichnet.
Auf der Konferenz aller MinisterprĂ€sidenten der deutschen LĂ€nder in MĂŒnchen vom 6. bis 8. Juni 1947 wurde die wirtschaftliche Notlage Deutschlands erörtert. Es sollte vor allem eine Regelung zur Ăberwindung der schlechten Versorgungslage gefunden werden. Die Konferenz scheiterte mit der Abreise des MinisterprĂ€sidenten der sowjetischen Besatzungszone bereits am Vorabend der Konferenz, da die Erörterung einer deutschen Zentralregierung den Vertretern der französischen Zone von der dortigen Besatzungsmacht verboten worden war. Um diese Zeit sprach auch der spĂ€tere Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht vor der MĂŒnchener Feldherrnhalle, forderte nochmals zur gesamtdeutschen EinfĂŒhrung des sozialistischen Systems auf.
Frankreich schloss sich mit seiner Besatzungszone im SĂŒdwesten Deutschlands erst 1948 und nur zögerlich der Bizone an, dadurch entstand die Trizone. Karl Berbuer schrieb daraufhin das Lied âWir sind die Eingeborenen von Trizonesienâ.
Im MĂ€rz 1948 verlieĂen die sowjetischen Vertreter aus Protest gegen die Londoner SechsmĂ€chtekonferenz den Alliierten Kontrollrat, der damit endgĂŒltig seine Funktion verlor. Am 16. Juni 1948 verlieĂ die sowjetische Delegation auch die Alliierte Kommandantur in Berlin.
Durch die WĂ€hrungsreform von 1948 wurde am 21. Juni 1948 in den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands die Deutsche Mark eingefĂŒhrt. Jede Person erhielt am 20. Juni â ein âKopfgeldâ von 40,- DM und einen Monat spĂ€ter 20,- DM bar ausgezahlt.
Um nicht von den RestbestĂ€nden an Reichsmark aus den Westzonen ĂŒberflutet zu werden, wurde in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zwei Tage spĂ€ter, am 23. Juni 1948, ebenfalls eine WĂ€hrungsreform durchgefĂŒhrt. Die Sowjets verboten die Benutzung der neuen WestwĂ€hrung und wollten ihre neu eingefĂŒhrte WĂ€hrung auf ganz Berlin ausweiten. Die WestmĂ€chte erklĂ€rten diese Anordnung in Westberlin fĂŒr ungĂŒltig und fĂŒhrten dort am 24. Juni ebenfalls die D-Mark ein.
Aus Protest gegen die EinfĂŒhrung der DM in Westberlin unterbrach die Sowjetunion am 24. Juni alle Land- und Wasserverbindungen zwischen den westalliierten Besatzungszonen und West-Berlin fĂŒr den GĂŒterverkehr. Offen blieben lediglich die Luftkorridore. Der Personenverkehr war nicht betroffen.
Daraufhin versorgten Amerikaner und Briten die Stadt aus der Luft, bald landete alle zwei Minuten ein Transportflugzeug im Westsektor, die meisten auf dem Flughafen Tempelhof. Moderne Radartechnik ermöglichte die enge Taktung. Trotzdem stĂŒrzten im Verlauf der Aktion insgesamt mehr als 70 Maschinen ab.
In dieser Situation empfanden die West-Berliner und auch die Westdeutschen den âAmiâ (Amerikaner) und den âTommyâ (Briten) immer weniger als Besatzer denn als befreundete MĂ€chte.
Am 9. September 1948 hielt Ernst Reuter (SPD) seine berĂŒhmte Berlin-Rede (âIhr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!â) am Brandenburger Tor vor 250.000 bis 300.000 Menschen. Am 30. November erklĂ€rte die sowjetische Administration den Berliner Magistrat fĂŒr abgesetzt, freie Wahlen gab es daher am 5. Dezember nur in den Berliner Westsektoren. Ernst Reuter wurde zum OberbĂŒrgermeister gewĂ€hlt, nachdem die sowjetische Administration seinen Amtsantritt 1œ Jahre lang verzögert hatte.
Am 12. Mai 1949 wurde die Blockade Berlins nach elf Monaten wieder aufgehoben.
Am 1. Juli 1948 ĂŒbergaben die WestmĂ€chte den MinisterprĂ€sidenten der Westzonen die Frankfurter Dokumente, eine Aufforderung zur Bildung einer verfassunggebenden Versammlung. Auf der Rittersturz-Konferenz im Juli 1948 beschlossen die Regierungschefs der elf westdeutschen LĂ€nder die GrĂŒndung der Bundesrepublik Deutschland. Auf dem Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee beriet ein SachverstĂ€ndigenausschuss fĂŒr Verfassungsfragen die Grundlage fĂŒr die Arbeit des Parlamentarischen Rates. Dieser trat am 1. September 1948 in Bonn zusammen und erarbeitete dort das Grundgesetz fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland, das mit Ablauf des 23. Mai 1949 in Kraft trat; hierdurch wurde die neue Staatsform einer Bundesrepublik als streitbare Demokratie auf dem Fundament der freiheitlichen demokratischen Grundordnung errichtet. Am 14. August 1949 fand die erste Bundestagswahl statt. Am 7. September 1949 konstituierten sich der Bundesrat und der Bundestag.
Ein vollkommen souverĂ€ner deutscher (Teil-)Staat war damit noch nicht gegeben: AuĂenpolitik, AuĂenhandel und andere Ressorts unterstanden vorerst noch alliierter Kontrolle. Es entstand eine parlamentarische Demokratie. FĂŒr die neue Verfassung und die politischen Rahmenbedingungen galt: âInhaltlich [âŠ] zeigt das Grundgesetz durch seinen offenen Charakter und vor allem durch die Tatsache, dass es von allen relevanten Gruppen â anders als die Weimarer Verfassung â politisch wirklich akzeptiert wurde, ein wesentliches StĂŒck Neuordnung, durch die jede pauschale zeitgenössische und spĂ€tere Restaurationskritik nachdrĂŒcklich in Frage gestellt wird.â (Christoph KleĂmann)
Am 7. Oktober 1949 fand ein Fackelzug anlĂ€sslich der GrĂŒndung der Deutschen Demokratischen Republik statt. Wilhelm Pieck wurde PrĂ€sident des neuen Staates. Es entstand eine sogenannte Volksdemokratie.
Staatsbezeichnung:
Vor der ReichsgrĂŒndung: Norddeutscher Bund
Deutsches Reich:
Deutsches Kaiserreich
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Weimarer Republik
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Nationalsozialistisches Deutschland
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Alliierte Verwaltung
WĂ€hrend der Deutschen Teilung (1949â1990):
Bundesrepublik Deutschland
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Deutsche Demokratische Republik
Seit 1990:
Bundesrepublik Deutschland