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| Deutschsprachige Wikipedia | |
|---|---|
| Logo der deutschsprachigen Wikipedia | |
| de.wikipedia.org | |
| Motto | Die freie Enzyklopädie |
| Kommerziell | nein |
| Beschreibung | Online-Lexikon |
| Registrierung | Option |
| Sprachen | Deutsch |
| Eigentümer | Wikimedia |
| Urheber | Wikipedia-Gemeinschaft |
| Erschienen | 16. März 2001 |
| Mitglieder | 1.394.321 |
| Artikel | 1.378.473 |
| Status | aktiv |
Die deutschsprachige Wikipedia ist die Ausgabe der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia in deutscher Sprache. Sie wurde im März 2001 als erste weitere Sprachausgabe etwa zwei Monate nach der englischsprachigen Wikipedia gegründet.[1] Mit aktuell 1.378.473 Artikeln ist sie nach der englischsprachigen die zweitgrößte Wikipedia-Ausgabe.
Inhaltsverzeichnis |
Das Wiki für die deutschsprachige Wikipedia, damals noch mit der UseModWiki-Software, wurde am 16. März 2001 unter den Domains german.wikipedia.com und deutsche.wikipedia.com eingerichtet[1], die ersten Artikel entstanden im Mai 2001. Anfangs wurde das Wiki hauptsächlich als Kollaborationsplattform für das deutschsprachige Nupedia-Übersetzerteam genutzt, dessen Mitglieder jedoch dem Konzept Wiki skeptisch gegenüber standen. So beschrieb der Nupedia-Mitarbeiter Rainer Zenz im Juli 2002 sein Verhältnis zur Wikipedia:
Einer der engagiertesten Mitarbeiter und Förderer des Projekts in den Anfangsmonaten war Kurt Jansson, damals Soziologiestudent in Berlin.[3]
Die Versionsgeschichten der Anfangszeit sind nur unvollständig erhalten, da die UseMod-Software alte Versionen nach zwei Wochen automatisch löschte.[4] Dieser Eigenart, obwohl bekannt[5] und im Hinblick auf die verpflichtende Autorennennung gemäß der geltenden Lizenz GNU FDL problematisch,[6] wurde damals wenig Bedeutung[7] beigemessen. Die frühen Archive der Mailingliste Wikide-l wurden durch eine Nachlässigkeit vernichtet und reichen nur bis August 2003 zurück. Bei der Umstellung der deutschsprachigen Wikipedia auf eine eigens für Wikipedia entwickelte Software („Phase III“[8]) am 28. August 2002[9] wurden die Benutzerkennnummern neu vergeben.[10] Aus diesen Gründen lässt sich heute nicht mehr genau eruieren, welche die ersten Artikel waren und wie sich das Projekt entwickelte.
Am 19. August 2001 zählte die deutschsprachige Wikipedia 1000 Seiten.[11] In der Frühphase wuchs die Enzyklopädie langsam, erst anderthalb Jahre später, am 24. Januar 2003 wurde die Marke von 10.000 Artikeln überschritten. Zu diesem Anlass wurde auch die erste, kollaborativ im Wiki verfasste Pressemitteilung der deutschsprachigen Wikipedia verschickt.[12] Sieben Tage zuvor hatte die englische Wikipedia den hunderttausendsten Artikel gefeiert.
Am 13. Juni 2004 wurde der Verein Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V. gegründet.
Schon vorher, am 28. August 2002 um 12:52 Uhr, begrüßte die erste Hauptseite die Leser. Die meisten Artikel aus dieser Zeit sind noch erhalten; einige Kategorien und Projektseiten wurden umgestaltet und gelöscht. Bis zum 27. April 2004 kam man noch ohne Relevanzkriterien[13] aus, die auch erst am 15. August 2005 konkretisiert wurden.
Anlässlich der Löschung eines Artikels über den Verein MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren (MOGIS) beklagten zahlreiche Blogs, so etwa Fefes Blog oder Spreeblick, eine zu rigide Löschpraxis bei Wikipedia-Artikeln mit strittiger Relevanz. Die Debatte wurde in der Folge auch von Spiegel Online, der Zeit, Heise online, Telepolis und auf dem Chaos Communication Congress[14] aufgegriffen.[15][16]
Als Reaktion darauf veranstaltete der Verein Wikimedia Deutschland eine Podiumsdiskussion zum Thema, um die verschiedenen Standpunkte zur Relevanzpolitik in der Wikipedia zu diskutieren. [17] Auf dem 26C3 gab es ein Podium dazu.[18]
Am 27. Dezember 2009 überschritt die deutschsprachige Wikipedia die Marke von 1.000.000 Artikeln, als Jubiläumsartikel gilt Ernie Wasson.
In ihrer Anfangszeit gab es in der deutschsprachigen Wikipedia drei Benutzergruppen: unangemeldete Benutzer („IPs“), angemeldete Benutzer und Administratoren („Admins“). Administratoren wurden über die Mailingliste sozusagen auf Zuruf gefunden; im Januar 2003 gab es sieben Admins, im April 2003 fünfzehn. Ab Mai 2003 wurden die Vorschläge zentral auf einer Seite im Wikipedia-Namensraum diskutiert.[19] Erst im März 2004 wurden Wahlregeln wie eine nötige Zweidrittelmehrheit und eine Beschränkung des Wahlrechts auf angemeldete Nutzer mit einer gewissen Mindestzahl an Beiträgen eingeführt.[20]
Die Kompetenzen von Administratoren beschränkten sich anfangs auf das Löschen und Schützen von Seiten und das Sperren unangemeldeter Nutzer. Sperren angemeldeter Nutzer musste ein Serveradministrator direkt über die Datenbank vornehmen, ebenso auch das Verleihen der Administratorenrechts nach der Wahl. Ab dem 25. Februar 2004 wurde die Funktion, angemeldete Nutzer zu sperren, aktiviert und die ersten zwei Sperren verhängt.[21] Die Adminfunktion, direkt per SQL-Abfrage lesend auf die Datenbank zuzugreifen, wurde aus Sicherheitsgründen 2005 deaktiviert.[22]
Im Jahr 2004 übernahm die neu eingeführte Benutzergruppe der Bürokraten die Vergabe der Administratorrechte. Im Februar 2004 wurden die Benutzer „Sansculotte“ und ein paar Tage später „Head“ zu den ersten Bürokraten gewählt.[23] Gab es anfangs zwei, später drei Bürokraten, gibt es derzeit fünf Bürokraten in der deutschsprachigen Wikipedia. Auch die Kompetenzen wurden erweitert: Anfangs nur für die Vergabe von Administratorrechten zuständig, übernahmen die Bürokraten später auch die Umbenennung von Benutzernamen.
Im April 2004 wurde mit dem Benutzer „Fantasy“ in den ersten Stewardwahlen auch ein Nutzer der deutschsprachigen Wikipedia gewählt.[24]
Nicht alle Benutzerrollen, die über die Zeit in MediaWiki, der verwendeten Software, ergänzt wurden, wurden auch sofort in der deutschsprachigen Wikipedia verwendet. So wurden im Juli 2006 die ersten drei Checkuser gewählt, eine im November 2005 eingeführte Benutzerrolle,[25] die die IP-Adressen angemeldeter Nutzer einsehen kann.[26] Über den Einsatz der im August 2006[27] eingeführten Oversight-Funktion, mit der zum Datenschutz Versionen versteckt werden können, wurde im Mai 2009 ein bestätigendes Meinungsbild abgehalten.
Zahlreiche Websites nehmen das Angebot der freien Lizenz wahr und spiegeln Wikipedia-Inhalte, einige verdienen dabei an der Einblendung von Anzeigen. Daneben entstanden auch mehrere Versionen für Handy und Smartphone.[28]
In der Offline-Verbreitung spielte die deutschsprachige Wikipedia eine Vorreiterrolle. Der Münchner Wikipedianer Thomas Karcher stellt den ersten „WikiReader“ zusammen, eine Auswahl der Wikipedia-Artikel zum Thema Schweden, der im Juni 2004 in einer Auflage von 1500 Exemplaren erschien.[29] Ungefähr zeitgleich ließ auch Thomas Koll einen WikiReader zum Thema Internet drucken.
Im Herbst 2004 veröffentlichte der Berliner Verlag Directmedia Publishing in Zusammenarbeit mit der Wikipedia-Community eine erste CD-Version der Wikipedia. Etwa halbjährlich erscheinen seitdem DVD-Ausgaben, die auch frei im Netz zum Download bereitgestellt wurden.
Die Zenodot Verlagsgesellschaft griff das Konzept der WikiReader auf und veröffentlichte in den Jahren 2005 und 2006 in der Taschenbuchreihe WikiPress eine Reihe lektorierter Sammlungen von Wikipedia-Texten.
„WP 1.0“, der Plan, die gesamte Wikipedia in einer hundertbändigen Druckfassung wie klassische Enzyklopädien im Abonnement herauszugeben, wurde von Zenodot nach negativem Feedback aus der Wikipedia-Community und spärlichen Abonnentenzahlen jedoch wieder aufgegeben. Der erste Band sollte zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2006 erscheinen, nach fünfzig Monaten, im Dezember 2010, sollte die Arbeit abgeschlossen sein.[30] Wenn auch kein Band je erschienen ist, hat das Projekt doch Spuren in der Wikipedia hinterlassen in Form der dafür eingerichteten Fachredaktionen, die auch nach Aufgabe des Plans weiterbestanden und ihren festen Platz im Institutionengefüge der Wikipedia erhielten.
Im Jahr 2008 erschien das 992 Seiten umfassende einbändige Buch Das Wikipedia-Lexikon in einem Band aus den ersten Absätzen der knapp 20.000 am häufigsten aufgerufenen Artikeln im Bertelsmann-Verlag. Seit Juni 2009 können bei PediaPress selbst zusammengestellte Books-on-Demand aus Wikipedia-Inhalten bestellt werden.
Mit der Android Anwendung WikiDroyd von OneStepAhead ist es seit September 2009 möglich die komplette Wikipedia (ohne Bilder) auf sein Smartphone zu speichern und so offline zugänglich zu machen[28][31].
Die deutschsprachige Wikipedia wurde im Vergleich zu anderen Sprachversionen von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und Wikimedia-Geschäftsführerin Sue Gardner als qualitativ besonders hochwertig bezeichnet.[32][33]
Im Jahr 2005 wurde die deutschsprachige Wikipedia mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet.
Der erste groß angelegte Vergleich der deutschsprachigen Wikipedia mit den etablierten digitalen Nachschlagewerken Microsoft Encarta Professional 2005 und Brockhaus multimedial 2005 Premium erschien im Oktober 2004 in der Computer-Fachzeitschrift c’t (Ausgabe 21/04). Wikipedia erreichte dort im Inhaltstest die höchste durchschnittliche Gesamtpunktzahl, in der Kategorie Multimedia schnitt die freie Enzyklopädie dagegen schlecht ab – ähnliche Wertungen erzielte die deutschsprachige Wikipedia kurz darauf in einem Lexikavergleich der Wochenzeitung Die Zeit. Beide Tests basierten auf einer kleinen Stichprobe von insgesamt 60 bis 70 Artikeln aus verschiedenen Themengebieten. 2007 führte die c’t einen weiteren Vergleich zwischen Bertelsmann Enzyklopädie 2007, Brockhaus multimedial premium 2007, Encarta 2007 und Wikipedia durch, bei dem Wikipedia hinsichtlich Fehlerzahl nicht schlechter als die kommerziellen Enzyklopädien abschnitt und in den Kategorien „Vollständigkeit“ und „Aktualität“ vorne lag. Dabei empfanden die Tester die Artikel der Wikipedia vielfach als zu ausführlich und langatmig.[34]
Im Dezember 2007 veröffentlichte die Zeitschrift Stern einen Vergleich zwischen Wikipedia und der Online-Ausgabe des Brockhaus. Der Recherchedienst „Wissenschaftlicher Informationsdienst WIND GmbH“ in Köln überprüfte 50 zufällig ausgewählte Einträge zu den Themen Politik, Wirtschaft, Sport, Wissenschaft, Kultur, Unterhaltung, Erdkunde, Medizin, Geschichte und Religion auf Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verständlichkeit.[35] Wikipedia erzielte über alle Bereiche eine Durchschnittsnote von 1,7 nach deutschen Schulnoten, während die Brockhaus-Einträge zu den gleichen Stichworten nur auf eine Durchschnittsnote von 2,7 kamen. Bei 43 Artikeln gaben die Tester der Wikipedia bessere Noten als der kostenpflichtigen Konkurrenz, in einem Fall erhielten beide Nachschlagewerke die gleiche Note, bei sechs Stichworten lag der Brockhaus vorn. Ebenso bei der Verständlichkeit; einige Wikipedia-Artikel fanden die Tester zu kompliziert, andere zu weitschweifig und zu lang. Lobend erwähnte der Stern das besonders gute Abschneiden der Wikipedia in der Kategorie „Aktualität“, während er sich überrascht zeigte, dass die Wikipedia auch in der Rubrik „Richtigkeit“ siegte; „angesichts der Tatsache, dass hier Freiwillige gratis gegen professionelle Redakteure antreten, [sei] dies nicht zu erwarten [gewesen].“[36]
Zu Publikationen über Wikipedia aus externer Sicht werden unter den internen Lemmata „Pressespiegel“[37] und „Außenspiegel“[38] Auflistungen von Presseartikeln gepflegt. Des Weiteren gibt es im internen Namensraum (d.h. geschrieben vorwiegend für Leser aus der Wikipedia-Community) das „Boulevard“-Magazin „KURIER [[Das Wikipedia-Nachrichtenblatt]]“[39] sowie – als „Selbstreflexion“ – eine Artikelsammlung[40] zu Sprachversionen der Wikipedia sowie ihr nahestehenden Projekten und Vorgängen.
Sowohl der Förderverein Wikimedia Deutschland als auch die Wikimedia Foundation wurden wegen Wikipedia-Artikeln in juristische Auseinandersetzungen verwickelt. Obwohl Wikimedia Deutschland lediglich die Domain wikipedia.de betreibt, auf der nur eine Suchmaske für mehrere Wikipedia-Sprachversionen zu finden ist (die Webadresse der deutschen Version ist de.wikipedia.org), wurde der Verein zum Hauptadressaten von Beschwerden, Abmahnungen und Klagen. Die beiden anderen deutschsprachigen Fördervereine, Wikimedia CH und Wikimedia Österreich (Eigentümer der Adressen wikipedia.ch bzw. wikipedia.at), werden im allgemeinen kaum mit der Enzyklopädie identifiziert, und haben auch sehr selten mit juristischen Aspekten des Projekts zu tun.
So klagte etwa der deutsche Komiker Atze Schröder dagegen, dass in dem Artikel zu seiner Person sein bürgerlicher Name neben seinem Pseudonym erschien. Nachdem die Pressekammer des Landgerichts Hamburg ihm die Kosten des Verfahrens aufgebürdet hatte und auch inhaltlich Stellung gegen eine Unterdrückung des Namens bezogen hatte, zog er die Klage gegen den damaligen Wikimedia-Deutschland-Geschäftsführer Arne Klempert zurück.[41]
Mittels einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Lübeck erwirkte der deutsche Politiker Lutz Heilmann, Mitglied des Bundestags und der Linkspartei, am 13. November 2008, dass die Internetadresse wikipedia.de mehrere Tage lang nicht mehr auf die Internetadresse de.wikipedia.org, die in den USA registriert ist, weitergeleitet werden durfte.[42] Nachdem die seiner Auffassung nach seine Persönlichkeitsrechte verletzenden Darstellungen weitgehend entfernt worden waren, erklärte Heilmann die juristische Auseinandersetzung für beendet.[43]
Das Landgericht Köln verneinte als erstes in einem Urteil die Verantwortung des deutschen Fördervereins für Wikipedia-Inhalte. Es wies die Klage der Frankfurter Verlagsgruppe, die in der Weiterleitung der Seite wikipedia.de auf Wikipedia eine Zueigenmachung der Inhalte sah, gegen Wikimedia Deutschland ab.[44]