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| Diakonisches Werk | |
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| Typ | gemeinnütziger eingetragener Verein |
| Sitz | Stuttgart, Deutschland |
| Schwerpunkt | Soziale Arbeit, Sozialpolitik |
| Freiwillige | 700.000 |
| Angestellte | 453.000 |
| Website | http://www.diakonie.de/ |
Das Diakonische Werk (DW) ist der Wohlfahrtsverband der Evangelischen Kirchen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und zahlreicher Freikirchen. Das Diakonische Werk handelt nach dem Selbstverständnis der Diakonie, der sozialen Arbeit der Evangelischen Kirchen an Menschen aller Altersgruppen unabhängig von Geschlecht und Religionszugehörigkeit.
In Deutschland sind in den rechtlich selbstständig agierenden 21 Diakonischen Werken 453.000 hauptamtliche Mitarbeiter (Stand: 1. Januar 2010) beschäftigt und weitere rund 700.000 Mitarbeiter ehrenamtlich aktiv (Stand: Ende 2011), zusammengefasst sind sie damit nach der Caritas, der katholischen Entsprechung, der zweitgrößte private Arbeitgeber in Deutschland. Es gibt etwa 27.100 diakonische Einrichtungen und Dienste mit insgesamt etwa einer Million Betreuungsplätzen in Deutschland.[1]
Die Diakonie Österreich ist der entsprechende Dachverband in Österreich.
Inhaltsverzeichnis |
In der Kirchengeschichte hat es immer eine Diakonie gegeben. Orden, die sich der Krankenpflege widmeten, treten in der mittelalterlichen Geschichte dabei am meisten hervor. Nachreformatorisch haben die von August Hermann Francke gegründeten Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale) (1698), das von Johann Hinrich Wichern aufgebaute Rauhe Haus in Hamburg (1833), der 1836 von Theodor Fliedner in Kaiserswerth ins Leben gerufene Rheinisch-Westfälische Diakonissenverein (siehe auch Kaiserswerther Diakonie) und der Neukirchener Erziehungsverein, den Pfarrer Andreas Bräm mit Mitgliedern seines Presbyteriums 1845 in Neukirchen-Vluyn gründete, eine besondere Stellung.
Besonders in der evangelisch-reformierten Kirche kam es durch Rückbesinnung auf die ursprüngliche Bedeutung des Diakonats im Neuen Testament bei Johannes Calvin zur Erneuerung des Amtes des Diakons oder Armenpflegers in der örtlichen Gemeinde. Im reformierten „gegliederten Amt“ stehen Pastoren, Gemeindeälteste (Presbyter), Lehrer und Diakone gleichberechtigt nebeneinander.
Einen wesentlichen Neuimpuls erhielt die Diakonie am 22. September 1848. Johann Hinrich Wichern, der fünfzehn Jahre zuvor das Rauhe Haus in Hamburg für verwahrloste Kinder gegründet hatte, rückte in einer zweistündigen Stegreifrede auf dem Kirchentag zu Wittenberg das diakonische Handeln in die Mitte kirchlichen Tuns. Seine Rede gipfelte in den Sätzen:[2]
„Meine Freunde, es tut eines Not, dass die evangelische Kirche in ihrer Gesamtheit anerkenne: ‚Die Arbeit der Innern Mission ist mein!‘, dass sie ein großes Siegel auf die Summe dieser Arbeit setze: die Liebe gehört mir wie der Glaube. Die rettende Liebe muss ihr das große Werkzeug, womit sie die Tatsache des Glaubens erweiset, werden. Diese Liebe muss in der Kirche als die helle Gottesfackel flammen, die kund macht, dass Christus eine Gestalt in seinem Volk gewonnen hat. Wie der ganze Christus im lebendigen Gottesworte sich offenbart, so muss er auch in den Gottestaten sich predigen, und die höchste, reinste, kirchlichste dieser Taten ist die rettende Liebe.“
Wichern erkannte an, dass es an etlichen Stellen bereits diakonisches Engagement gab. Daher meinte er, an manchen Stellen bedürfe es nicht neuer Initiativen, sondern der Weiterentwicklung und Umorganisation von Bestehendem. Man solle aufhören, caritative Bestrebungen „als Dilettanten-Arbeiten und als bloß philanthropische Unternehmungen zu betrachten; sie müssen als heilige Aufgaben der evangelischen Kirche erfasst und als solche mit neuem Ernste in das Volksleben eingeführt werden. Auf den Kanzeln soll man sie fortan verkündigen hören.“ Wichern ging es um christliche Barmherzigkeit, sein Hauptziel war die Kräftigung der Selbsthilfe der sozial Bedrückten; das soziale Versagen der Kirche erkannte er rückhaltlos an; auch für die sozialistischen Bestrebungen hatte er Verständnis. Wicherns Rede zündet und führt 1849 zur Gründung des Centralausschußes für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche.
Der „Centralausschuß für die Innere Mission der Deutschen Evangelischen Kirche“ war der Beginn kirchlich organisierter Diakonie, dem die Entstehung vieler rechtlich selbstständiger Heimen, Anstalten und Einrichtungen im Geiste der Diakonie folgte.
Nach 1945 wurde das „Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland“ gegründet. Es erschloss Auslandshilfen und belebte ökumenische Kontakte, um die Hungersnot in Deutschland zu bekämpfen, Vertriebene und Flüchtlinge anzusiedeln und die Jugendberufsnot zu lindern.
Die Innere Mission und das Hilfswerk schlossen sich ab 1957 in landeskirchlichen Werken zusammen. 1975 wurden sie im Diakonischen Werk der EKD vereint. Am 19. März 1991 traten die Diakonischen Werke der Kirchen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR dem Diakonischen Werk der EKD bei. Allerdings gibt es in der neusten Bewegung Bestrebungen, die Arbeit wieder zu regionalisieren und den andersartigen Aufgaben in den neuen Bundesländern damit Rechnung zu tragen.
In der Nachkriegszeit kam es auch in Heimen des Diakonisches Werkes zu schweren Kindesmisshandlungen (Schwarze Pädagogik), die in den Jahren 2009 und 2010 Gegenstand des vom Deutschen Bundestag eingerichteten Runden Tisches Heimerziehung waren. Im Juni 2010 wurde eine Telefonberatung für Menschen, die durch Mitarbeiter der Kirche oder ihren diakonischen Einrichtungen missbraucht worden sind, eingerichtet [3]
Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (DW) ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Stuttgart. Es besitzt darüber hinaus eine Dienststelle in Berlin und eine in Brüssel. Das DW arbeitet mit den anderen Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege zusammen, um die Sozialstaatlichkeit Deutschlands zu fördern. Es versucht, jedem Bürger in Not Hilfe zu gewähren. Neben der unmittelbaren Hilfe setzt sich das DW auch politisch ein:
Dies geschieht gegenüber politischen Organen und Gremien wie Parlament und Regierung im In- und Ausland. Das DW wirkt durch Stellungnahmen an der Gesetzgebung des Bundes mit. Es fördert die Werke, Verbände und Einrichtungen, die im DW zusammengeschlossen sind, und „dient der Zusammenarbeit der Mitglieder. Es bietet ihnen Dienstleistungen an. Als Anwalt für Menschen in Not und sozialpolitischer Impulsgeber trägt es zur fachlichen Entwicklung der Arbeit bei“ (Selbstdarstellung).
Gegenwärtig sieht sich das DW vor die umwälzende Herausforderung gestellt, dass der Wohlfahrtsstaat mit seinem Subsidiaritätsprinzip mehr und mehr einem freien Markt der Sozialleistungen Platz macht. Hierdurch sieht sich die Diakonie mit zunehmend mehr Konkurrenz konfrontiert.
Das Diakonische Werk ist Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung.
Mitglieder des Diakonischen Werkes der EKD sind die EKD, die Landesverbände, das heißt die Diakonischen Werke der evangelischen Landeskirchen, mehrere Freikirchen und ihre Diakonischen Werke sowie Fachverbände. Aktiv wird das Diakonische Werk jeweils als Landesverband der einzelnen Gliedkirchen der EKD, die auch im rechtlichen Sinn Inhaber der Werke sind. Es gibt folgende 21 Landesverbände:
Sie engagieren sich in der Wohlfahrtspflege und bemühen sich um Hilfe für Menschen in Not. Die Arbeit wird in dem Leitsatz „Diakonie – damit Leben gelingt“ zusammengefasst.
In den Leitungsgremien der DW sind Kirchenrepräsentanten führend. Die Rechtsform und Besitzverhältnisse (Anteile am Besitz) können bei den Werken unterschiedlich geregelt sein.
Die Diakonische Konferenz ist das höchste Beschlussgremium des Diakonischen Werkes der EKD. Sie setzt sich aus gewählten Vertreterinnen und Vertretern der 71 Fachverbände, der 21 gliedkirchlichen Diakonischen Werke sowie aus Einzelpersonen aus Kirche und Diakonie zusammen. Die Diakonische Konferenz beschließt die allgemeinen Grundsätze für die Arbeit der Diakonie. Sie wählt den Diakonischen Rat und auf Vorschlag desselben den Präsidenten des Werkes.
Präsident des Diakonischen Werkes in Deutschland ist der Theologe Johannes Stockmeier. Er wurde 2010 von der Diakonischen Konferenz, der Bundesversammlung des Wohlfahrtsverbandes, für drei Jahre gewählt. Sein Vorgänger war Klaus-Dieter Kottnik. Dessen Vorgänger Jürgen Gohde hatte sein Amt wegen eines Streites über die Arbeitsmarktreform Hartz IV niedergelegt.
Der Anteil von Kirchengeldern in der Finanzierung aller Tätigkeiten von Caritas und Diakonie beträgt insgesamt etwa 2 Prozent. Die beiden Kirchen finanzierten von den rund 37 Milliarden Euro Kosten der Einrichtungen in der Trägerschaft von Caritas und Diakonie im Jahr 2003 insgesamt etwa 830 Millionen Euro.[4]
Beispiele für Arbeitsfelder sind:
In Europa arbeiten mehrere Diakonische Werke verschiedener Länder in „Eurodiaconia“ zusammen. Sie vertreten damit gemeinsam die Interessen der Mitgliedsverbände gegenüber den europäischen Institutionen.
Weltweit sind die diakonischen Werke in einem Weltverband zusammengeschlossen. Die europäischen Verbände sind in der Regionalversammlung „Europ-Africa“ eingebunden.
Unter dem Dach des Diakonischen Werkes arbeiten folgende Organisationen.
Das Logo der Diakonie enthält das Kronenkreuz, das Richard Boeland von der Kunstschule Berlin im Jahre 1925 entworfen hatte. Es stellte ursprünglich die künstlerische Verbindung der Buchstaben I und M (Innere Mission) dar. Bekannt wurde es aber als Kronenkreuz, wobei das zu erkennende Kreuz für Not und Tod steht und die Krone für Hoffnung und Auferstehung. Das Signet wurde bei der Gründung des Diakonischen Werkes der Ev. Kirche in Deutschland im Jahre 1957 als eigenes Symbol übernommen.