|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Didaktik der Philosophie bezeichnet die Theorie der Lehre und des Lernens von Philosophie. Die Didaktik kann sowohl auf Kinder und Jugendliche als auch auf Erwachsene ausgerichtet sein. An der UniversitÀt kann man die Fachdidaktik der Philosophie und Ethik studieren.
In der deutschsprachigen Fachdidaktik lassen sich zwei Grundpositionen unterscheiden:
Der kommunikations-und praxisorientierte Ansatz stellt das âPhilosophierenâ in den Mittelpunkt, das er als eine grundlegende Kulturtechnik begreift. Diese Kulturtechnik kann sich an vielen Themen bewĂ€hren und ist nur lose an die philosophische Tradition gebunden. Bedeutendster Vertreter dieses Ansatzes ist der Hamburger Ekkehard Martens. [1]
Der eher textorientierte Ansatz stellt das âNach-Denkenâ und Kennen der Tradition in den Mittelpunkt. BegrĂŒnder dieses Ansatzes ist der DĂŒsseldorfer Lehrer Wulff Rehfus. Er schreibt dazu: "Im Philosophieunterricht geht es darum, den SchĂŒler hinzufĂŒhren zu den ĂŒberkommenen und gegenwĂ€rtigen Problemstellungen und âlösungen der Philosophie, zu den Methoden des Philosophierens (wie zum Beispiel transzendentale, dialektische, hermeneutische usf.) und schlieĂlich zu den Wegen, sich philosophische Schriften philosophisch erschlieĂen zu können. âHinfĂŒhrungâ ist also kein Heruntertransformieren der groĂen Denker auf SchĂŒlerniveau, umgekehrt kommt es vielmehr darauf an, die SchĂŒler zur Philosophie zu fĂŒhren. Dazu eignen sich vor allem paradigmatische Autoren. Darunter sind solche zu verstehen, die eine Philosophie in ihren GrundzĂŒgen entwickelt haben, die in der Folgezeit zum Ausgangspunkt weiterer philosophischer Diskussion wurde." [2]
Das "Philosophieren mit Kindern" ist ein Unterrichtsprinzip, das an den UniversitĂ€ten entwickelt wurde. Die gleiche Bezeichnung verwendet Mecklenburg-Vorpommern fĂŒr das Schulfach, das als Ersatzfach fĂŒr Religion von der ersten bis zur zehnten Klasse unterrichtet wird. [3]
Es gibt einige leicht unterschiedlich ausgeprĂ€gte AnsĂ€tze in der Kinderphilosophie. Der Oberbegriff fĂŒr alle ist âPhilosophieren mit Kindernâ. Die Bezeichnungen der verschiedenen AnsĂ€tze deuten bereits bestimmte Richtungen an, können aber auch zu MissverstĂ€ndnissen fĂŒhren. Martens' Bezeichnung âPhilosophieren mit Kindernâ (PmK), sowie Matthews' âPhilosophische GesprĂ€che mit Kindernâ verweisen auf eine dialogisch-pragmatische Philosophiedidaktik. Lipmans Bezeichnung âPhilosophy for Childrenâ (P4C, âPhilosophie fĂŒr Kinderâ) macht den didaktischen Anspruch deutlich, ist jedoch nicht als bloĂe Reduzierung der âechtenâ Philosophie zu verstehen. Dasselbe gilt fĂŒr die Bezeichnung âKinderphilosophieâ von Jaspers. âAls Bezeichnung eines eigenen Arbeitsgebiets der Philosophie dagegen hĂ€tte [der Begriff âKinderphilosophieâ], analog zur "Kinderpsychologie", einen gewissen Wertâ[4], meint Martens. Der Begriff âKinderphilosophieâ als Philosophie der Kinder verdeutlicht die AuthentizitĂ€t des Philosophierens der Kinder. [5]
Die verschiedenen Richtungen des Philosophierens mit Kindern sind:
Die weltweit verbreitetste Richtung der âKinderphilosophieâ ist âPhilosophy for childrenâ (P4C). Diese Philosophie fĂŒr Kinder entwirft einen eigenen Wissenschaftskanon der zu vermittelnden philosophischen Inhalte. Dieser Kanon wird a priori gesetzt, wobei als wesentliches Merkmal des philosophischen Denkens das synthetische Denken betont wird, d.h. die FĂ€higkeit in logisch-diskursiven Begriffen zu denken.
Das âPhilosophieren mit Kindernâ (PmK) legt den Schwerpunkt neben die EinĂŒbung in das logisch-argumentative Denken auf das kreative Denken. Das kreative Denken in den philosophischen Kontext von Unterricht zu stellen, bedeutet eine Erweiterung des traditionellen VerstĂ€ndnisses von Philosophie als BegriffsklĂ€rung in diskursiven, eindeutigen Zeichen. Das kreative Denken produziert prĂ€sentative, mehrdeutige Zeichen, die dazu dienen, dem philosophischen Denken der Kinder eine weitere Ausdrucksmöglichkeit einzurĂ€umen.
Keiner der AnsĂ€tze des Philosophierens mit Kindern, ob es die logisch-argumentative Schule des âPhilosophie fĂŒr Kinderâ-Ansatzes oder die eher dialogisch-pragmatisch ausgerichtete Schule des âPhilosophierens mit Kindernâ ist, kann und will Funktionswissen vermitteln. Der kreative Ansatz des PMK legt den Akzent innerhalb des Philosophierens mit Kindern auf die Suche und den Ausdruck von Deutungen. Auf der Suche nach Bedeutung bilden die Kinder Zeichen oder auch Symbole, die wiederum Anlass bieten, nach neuen Deutungen zu suchen. Dies sind so genannte prĂ€sentative Symbole, die neben den diskursiven Symbolen, Referenzpunkte sind fĂŒr weiteres Nachdenken. Philosophieren mit Kindern ist im Wesentlichen ein Symbolisierungsprozess- ein Zeichenbildungsprozess. Die âWas ist das?â-Fragen der Kinder sind der Ausgangspunkt fĂŒr die gemeinsame Suche nach Bedeutung und dem Versuch, einen angemessenen Ausdruck fĂŒr die Bedeutungen zu finden.
Schon Immanuel Kant empfiehlt in seiner ethischen Didaktik am Schluss der Metaphysik der Sitten die sokratisch-dialogische Methode als Lehrmethode. âEine Lehrart, bei denen die Kinder von selber, ohne durch den Lehrer angewiesen zu sein, (âŠ) urteilen.â [6] âEr lehnt eine Belehrung »durch abgezogene allgemeine Formeln« ab und schlĂ€gt statt dessen vor, auf die moralischen Erfahrungen der Kinder zurĂŒckzugreifen.â Er will, dass die Kinder selber denken, philosophieren. [7]
Im wilhelminischen Gymnasium gab es keinen eigenen Philosophieunterricht. Erst seit 1900 gab es wieder Stimmen wie von Rudolf Lehmann und Alfred Rausch, die ein eigenes propĂ€deutisches Fach vorschlugen. Durch die Sinnkrise des Ersten Weltkriegs vermehrten sich diese, so 1919 Ernst Hoffmann und August Messer.[8] Auf der Reichsschulkonferenz 1920 fand die Forderung nach weltanschaulicher Erziehung zwar Beifall und spĂ€ter maĂgebliche UnterstĂŒtzer wie den Schulpolitiker der DVP, Hans Richert. Doch blieben vor allem die katholische Kirche und die Zentrumspartei dagegen, weil sie eine Konkurrenz fĂŒr den Religionsunterricht erkannten. So blieb es in PreuĂen anders als in z.B. WĂŒrttemberg bei Arbeitsgemeinschaften in der Oberstufe.
Nun beschĂ€ftigten sich in Deutschland ReformpĂ€dagogen zum ersten Mal intensiver mit dem Philosophieren von Kindern. 1922 schrieb der ReformpĂ€dagoge Herman Nohl einen Aufsatz mit dem Titel Die Philosophie in der Schule. âNohl stellt[e] bei den Kindern der ersten vier Grundschulklassen, aber auch bei bereits VierjĂ€hrigen, ein âmetaphysisches Denkenâ oder âphilosophisches Staunenâ fest (...). Nohl war der Meinung, dass Philosophieren in der Grundschule am besten im Gesamtunterricht durch Behandlung von âThemenkreise[n] aus dem Erfahrungsbereich der Kinderâ stattfinden sollte.
In der Sekundarstufe dagegen empfahl er in EinzelfĂ€cher aufgegliederten Unterricht. Philosophiert werden sollte im Fach âLebenskundeâ, vergleichbar dem heutigen Ethikunterricht.â [9] Er entwickelte didaktische Ăberlegungen, um dieses Denken zu fördern. An dieses Konzept knĂŒpft das Philosophieren mit Kindern an.
Die Deutschnationalen Hans Leisegang und Rudolf Odebrecht grĂŒndeten eine Zeitschrift Philosophie und Schule (1929-1934), Arthur Liebert 1929 die Gesellschaft fĂŒr philosophische PropĂ€deutik. Die Ziele des Unterrichts sollten in einer vagen Idealisierung der Lernenden liegen.[10]
Die erste Ausarbeitung eines Philosophie-Programmes fand in den USA statt. Ende der 1960er-Jahre betrieb Matthew Lipman intensive Studien zum Philosophieren mit Kindern. 1974 grĂŒndete er das "Institute for the Advancement of Philosophy for Children" (IAPC) an der Montclair State University (New Jersey). [11] Das Institut erarbeitet bis heute philosophische KinderbĂŒcher fĂŒr den schulischen Unterricht. FĂŒr jede Altersstufe gibt es philosophisch-geordnete Geschichten mit HandbĂŒchern fĂŒr die LehrkrĂ€fte. [12]
Seit den 1970er Jahren gewinnt das Philosophieren mit Kindern in Deutschland âvor allem im Ethik- und Philosophieunterricht der Grundschule und Sekundarstufe I zunehmend an Bedeutungâ. [13]
Wenn Kinder fragen: Was ist das?, fĂŒhlen sich Lehrer oder Eltern oft genötigt, sich selbst als Lexikon zu verstehen. Man schlĂ€gt nach, was das Wissen auf die jeweilige Frage antworten wĂŒrde. Es folgt der Gang in die Bibliothek und man schaut in den âWas ist was?-BĂŒchernâ nach guten Antworten auf die âWas ist das?-Fragenâ. Doch wie oft hat man das GefĂŒhl, die Frage des Kindes eigentlich so nicht ganz verstanden zu haben. Z.B. â âWas ist das? Zeitâ. Doch anstatt bei der Frage zu bleiben, formuliert man sie neu: âDu möchtest gerne wissen, wie die Uhr funktioniert oder wer die erste Uhr erfunden hat!â Oft ist dies die erste Reaktion, wenn einem ein Kind eine âWas ist das?-Frageâ stellt. Schon verĂ€ndert man die Frage des Kindes, um sie dem eigenen Wissensstand anzupassen und eine Antwort geben zu können. Gemeinsam mit Kindern ĂŒber ihre âWas-ist-das-Fragenâ nachzudenken, damit ist man im Kern des Philosophierens mit Kindern und seinem Paradigma. [14]
Philosophieren ist ein offener, vorlÀufiger Deutungsprozess, in dem es wesentlich darum geht, selber zu denken, vom anderen her zu denken und weiter zu denken. Er dient der Suche nach immer klareren Bedeutungen.
Anlass zum Philosophieren können die Fragen der Kinder selbst sein, philosophische GesprÀche können aber auch von der Lehrkraft angeregt werden.
Wesentliche Punkte fĂŒr erfolgreiches Philosophieren in der Gruppe sind:
Der Unterricht findet im schulischen Rahmen mit seinen Vorgaben statt. Es geht aber beim Philosophieren nicht um Leistungsbewertung, sondern um Wahrheitsfindung. Daher empfehlen manche, einen speziellen Ort zum Philosophieren zu nutzen. An diesem Ort, z.B einem âPhilosophenkreisâ dĂŒrfe keine Leistungsbewertung stattfinden, damit die Kinder offen ĂŒber ihre GefĂŒhle und Gedanken sprechen können.
Durch kindzentrierte GesprĂ€che soll die Kommunikation der Kinder untereinander gefördert werden. Durch das Reflektieren, Nachdenken und Sich-ĂuĂern können die SchĂŒler âeine aktive Rolle in der Mitgestaltung von unterrichtlichen Lernprozessen wahrnehmen. Gerade GesprĂ€che sind bestens dazu geeignet, daĂ Kinder ihre Vorstellungen, Erfahrungen, Meinungen und GefĂŒhle ĂŒber Sachverhalte einbringen können.â [15]
Nach Riemann ist ein GesprĂ€chsklima notwendig, in der jedes Kind spĂŒrt,
Die Lehrkraft moderiert das Philosophieren der Kinder nur. Der Lehrende gibt einen AnstoĂ, fĂŒhrt zusammen mit den Kindern GesprĂ€chsregeln ein, zieht sich dann aber zurĂŒck. Damit die Kinder wirklich miteinander reden, diskutieren, philosophieren, rufen sich die Kinder gegenseitig auf, gemeldet wird sich per Handzeichen. [15]
Die Moderation einer philosophischen GesprÀchsrunde mit Kindern beinhaltet:
BrĂŒning ist der Meinung, dass GefĂŒhlsregungen nicht durch Argumente ersetzt werden können. Sie versucht einen Ausgleich zwischen positiven und negativen GefĂŒhlen herbeizufĂŒhren. Den Kindern solle die Möglichkeit gegeben werden ĂŒber ihre GefĂŒhle â egal ob negativ oder positiv - zu sprechen. BrĂŒning möchte, dass die Kinder selbst âeine gewisse Entwicklung ihrer GefĂŒhle feststellen [und lernen,] nicht nur ihre eigenen Interessen, Ziele und WĂŒnsche (âŠ) durchzusetzen, sondern auch die der anderen zu respektierenâ. [17]
Der Inhalt richtet sich nach der Erlebnis- und Ereigniswelt der Kinder. Diese kann man auch in die vier Kantischen Fragen unterteilen, in die der Gelehrte die Philosophie in seiner Vorlesung zur Logik 1804 unterteilte:
Die Sachthemen fĂŒr das Philosophieren in der Grundschule sollten mit der kindlichen Lebenswirklichkeit und den Interessen der Kinder ĂŒbereinstimmen. Zum Philosophieren sollten PhĂ€nomene, die vielschichtige und mehrdeutige Aspekte sowie kontroverse Standpunkte zulassen, gewĂ€hlt werden. AuĂerdem bieten sich Themen an, die der Spezifik der Klassensituation angemessen sind.[18]
Beliebte Fragen in der Grundschule sind z.B. âWas ist GlĂŒck?â, die Frage der Freundschaft und die Unendlichkeit. [19]
Es gibt zwei Arten von âWarum?â-Fragen. Es handelt sich um eine Sachfrage, wenn nach der Ursache gefragt wird. Philosophische Fragen unterscheiden sich dadurch von Sachfragen, dass sie nach dem Ziel fragen, nach dem Sinn.
Am wichtigsten ist den PÀdagogen die Förderung des selbstÀndigen Denkens, der Persönlichkeitsentwicklung und das Herausbilden von sozialen FÀhigkeiten. [11]
Die eingesetzten Methoden fĂŒr das Philosophieren mit Kindern dienen zum einen der Anregung des logisch argumentativen Denkens und zum anderen der Anregung des kreativen Denkens. Zum Einsatz kommen das Philosophische GesprĂ€ch, Gedichte, Geschichten, Bilder, BegriffsmolekĂŒle, Hypertexte, theatrale Zeichen.
Die analytischen AnsĂ€tze des Philosophierens mit Kindern integrieren zwar kreative-anschauliche ZugĂ€nge, wie das Schreiben von Gedichten, das Malen von Bildern, das Spielen von Rollen in den philosophischen KlĂ€rungsprozess, jedoch nur, um einen weiteren Zugang zu eindeutigen, klaren Begriffen zu ermöglichen. Philosophieren in diesem VerstĂ€ndnis hat das Ziel, eindeutige, klare, konsensfĂ€hige Antworten zu formulieren. Der Ansatz des Kreativen Philosophierens mit Kindern erweitert diese Sicht. Hier ist das kreative Denken nicht nur ein Wegbereiter hin zum logisch-argumentativen Denken, sondern bildet philosophisch-relevante AusdrĂŒcke an sich. Das heiĂt: Bilder, theatrale Zeichen, Gedichte, Geschichten, Hypertexte und sprachliche mehrdeutige AusdrĂŒcke, wie die Metapher, sind zwar mehrdeutige Aussagen, gehören jedoch an sich zu den gemeinsamen Sinndeutungen der Kinder.
Zu einem vorgegebenen Begriff sagt reihum jeder der Philosophierunde, was ihm spontan dazu einfĂ€llt. Der Moderator geht bei dieser spekulativen Methode deduktiv vor, d.h. er fĂŒhrt die Gruppe von den speziellen Beispielen ins Allgemeine. Durch Abstrahieren gelangt die Gruppe zum Philosophieren.
Im Sokratischen Dialog wird in Anlehnung an Sokrates' mĂ€eutische Methode versucht, Philosophie im Sinne des Selbstentdeckens von Wahrheit zu vermitteln. Im GesprĂ€ch werden Aporien, WidersprĂŒche, BrĂŒche in der Argumentation aufgezeigt, die wiederum als Ansatz fĂŒr weitere Erforschung von Sachverhalten dienen. Die Philosophen treten hier als Suchende nach der Wahrheit auf, letztendlich findet man dennoch höchstens individuelle Lösungen der philosophischen Fragen. Bizarre Behauptungen oder provokante Fragen, wie z.B. âEs ist so schönes Wetter drauĂen, was macht ihr hier in der Schule?â können dazu fĂŒhren, dass Kinder ihren Schulbesuch begrĂŒnden und verteidigen. Von da kann der Lehrende hermeneutisch immer weiter fragen bis die Kinder zu einer philosophischen Frage gelangen auf die es keine eine Antwort gibt. Formen des sokratischen Dialoges werden sehr gerne beim Philosophieren mit Kindern angewandt.
Das StreitgesprĂ€ch ist eine Form der intensiven Diskussion philosophischer Positionen. Es gibt verschiedene Formen, wie z. B. die Disputation, die nach verschiedenen Regeln durchgefĂŒhrt werden. Der Unterschied zwischen Diskussion und Philosophieren liegt im BegrĂŒnden der GrĂŒnde auf Metaebene. Eine Diskussion ist dann erfolgreich, wenn die Mitglieder der Diskussion ihre Meinungen begrĂŒnden, wenn sie argumentieren. Philosophisch wird die Diskussion, sobald die BegrĂŒndungen auf Metaebene bewertet und analysiert werden. Die Methode des StreitgesprĂ€ches wird eher in der Sekundarstufe verwendet. Das Argumentieren verschiedener, auch widersprĂŒchlicher Positionen fördert auch stark demokratisches Denken.
Ein Dilemma kann man auf Ebene der Moral â zumindest fĂŒr sich selbst - lösen, fragt man aber weiter, mĂŒsste man eine BegrĂŒndung der GrĂŒnde fĂŒr die moralische Entscheidung auf der Ebene der Ethik finden. Die Diskussion ĂŒber ethische Dilemma-Situationen kann die moralische UrteilsfĂ€higkeit verbessern. Diese Methode ist besonders von Georg Lind in der Konstanzer Methode der Dilemma-Diskussion (KMDD) verfeinert worden. Sowohl zum Philosophieren als auch fĂŒr den Ethikunterricht werden Dilemmata gerne herangezogen.
Gedankenexperimente sind rein hypothetisch (âWas wĂ€re, wenn âŠ?â). Es werden denkmögliche, aber letztlich kontrafaktische Annahmen als Möglichkeit genommen, Aspekte von Argumentationen, weltanschaulichen Vorstellungen, Wissen oder Traditionen auf ihre innere Logik zu ĂŒberprĂŒfen. Ein Gedankenexperiment kann offen oder geschlossen sein. Offen bedeutet, dass es keine Lösung auf die Frage gibt, bzw. unendlich viele Möglichkeiten der Beantwortung. Im Gegensatz zu diesem spekulativen Gedankenexperiment, wird beim geschlossenen, analytischem Gedankenexperiment linear abgeprĂŒft, ob etwas sein kann, Undenkbares wird ausgeschlossen. Das Gedankenexperiment kann ein Bestandteil des sokratischen Dialoges sein und ist sehr gut geeignet zum Philosophieren mit Kindern.
Dieser Ansatz sieht die Aufgabe der Philosophiedidaktik darin, die SchĂŒler im Umgang mit gedanklichen Systemen, Ideologien und Denkmodellen zu schulen. Z. B. Empirismus, Idealismus, Anarchismus, Solipsismus â diese â-ismenâ sollen Gegenstand des Unterrichts sein. Dabei soll auch vermittelt werden, dass man â-ismenâ durchaus kritisch sehen muss, da jedes gedankliche System zu Einseitigkeiten neigt und die Gefahr von Ăbersteigerung besteht. Auf der anderen Seite soll aber auch ein Abgleiten in den bloĂen Pragmatismus vermieden werden. Die SchĂŒler sollen auch ermuntert werden, sich auf kritische Weise zu â-ismenâ zu bekennen. Dieser Ansatz, der 2006 von Matthias Bublitz unter dem Begriff âsystemisch-historische Philosophiedidaktikâ veröffentlicht wurde, grenzt sich zur praxisbezogenen Kommunikationsdidaktik ab, der er OberflĂ€chlichkeit und Entsystematisierung des Denkens vorwirft. Er wendet sich aber auch gegen eine einseitige Betonung der Textanalyse und tritt fĂŒr knappe und verstĂ€ndliche EinfĂŒhrungstexte in populĂ€rer Wissenschaftssprache ein.
BilderbĂŒcher, Kurzgeschichten (P. Jaspersen, DĂ€nemark), Science Fiction (E. Matthews, GB), philosophische Texte (H.-L. Freese, Berlin) oder speziell fĂŒr die Kinderphilosophie verfasste BĂŒcher (v.a. von Lipman (Pixie, Harry Stottelmeiers Entdeckungen u.a.)) werden oft als didaktische Hilfsmittel eingesetzt. [24]
Es existieren viele KinderbĂŒcher mit philosophischem Gehalt. Einige KinderbĂŒcher sind explizit darauf angelegt, philosophische Themen anzusprechen, doch auch BilderbĂŒcher ohne explizit philosophisches Thema können zum Nachdenken und Philosophieren anregen. Im Gegensatz zu Philosophieromanen wie âSofies Weltâ von Jostein Gaarder, die die Philosophie direkt zum Gegenstand eines Kinder- und Jugendbuchs machen, können viele BĂŒcher ĂŒber konkrete Fragen und Probleme eines besonderen Themas ins eigene Philosophieren hineinfĂŒhren. BilderbĂŒcher bieten neben Inhalten und Sprache zusĂ€tzlich Bilder als Ebenen philosophischer Rezeption. Im Einbeziehen des Ăsthetischen liegt nicht nur ein aus philosophischer Sicht besonderer Reiz, sondern auch die Herausforderung, sich stĂ€rker als ĂŒber die Sprache auf die Möglichkeiten kindlicher Rezeption einzulassen. [25]
EinfĂŒhrende BĂŒcher wie Sofies Welt oder Die Philosophische Hintertreppe von Wilhelm Weischedel kommen dem BedĂŒrfnis vieler Menschen nach Wissen entgegen.
Um in den philosophischen Dialog einzutreten, wird die FĂ€higkeit philosophische Texte zu verstehen notwendig. Verschiedene Methoden zur TexterschlieĂung werden hierbei angewandt. Dabei zeigen sich insbesondere Aphorismen bzw. Dialoge als sehr widerstĂ€ndig. Die Textanalyse ist ein Schwerpunkt philosophischen Arbeitens. Philosophische Texte werden bevorzugt bei Jugendlichen und Erwachsenen angewandt, fĂŒr Kinder, v.a. der Grundschule bedienen sich die PĂ€dagogen eher BilderbĂŒchern.
Sehr beliebt ist das Rollenspiel, durch das sich die Teilnehmer sehr gut in die gespielte Situation einfĂŒhlen können. Beim Philosophieren wird u.a. auch gerne die Standbild-Methode angewandt. Beim Texttheater sollen die Schauspieler einen vorliegenden Text interpretieren und ihre eigene Meinung durch die Inszenierung deutlich machen. [26] Hans-Joachim MĂŒller beschreibt das Texttheater als gute Methode fĂŒr das Philosophieren mit Kindern.
Psychologen haben herausgefunden, dass wir gleichberechtigt sowohl symbolisch als auch visuell und handlungsbezogen Denken. Kommunikation geschieht nicht nur durch Sprache, sondern auch durch Gestik, Mimik, Farben, Formen usw, schon vor dem Schriftspracherwerb setzen sich Kinder durch Kritzeleien mit ihrer Umwelt auseinander. Deshalb gibt es auch den Ansatz mit Kindern zeichnerisch ĂŒber Begriffe nachzudenken. Bei den Bildern unterscheidet man zwischen konkreter (gegenstĂ€ndlicher) und abstrakter Ebene. Das visuelle Philosophieren fördert die FĂ€higkeit der Kinder zu generalisieren, ZusammenhĂ€nge und Wesentliches zu erkennen. Es ermöglicht das Hervortreten verschiedener Talente und relativiert die dominante Rolle des Erwachsenen. [27]
Die klassischen Disziplinen der Philosophie sind die Erkenntnistheorie/Logik, die Ethik, die Metaphysik und die Anthropologie. [7] Ethik ist also eigentlich eine Disziplin der Philosophie. [8]
In den deutschen Schulen gibt es die Bezeichnungen Philosophie, Praktische Philosophie, Ethik, Werte und Normen, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER). In den Konzeptionen der LehrplĂ€ne des Philosophie- oder Ethikunterrichtes der verschiedenen BundeslĂ€nder werden teilweise verschiedene Schwerpunkte gesetzt. âPhilosophieunterricht wird grundsĂ€tzlich als analytisch-reflexiver Unterricht definiert, Ethikuntericht dagegen berĂŒcksichtigt stĂ€rker die affektive und soziale Komponente. (...) Der Diskurs und die durch den Unterricht angestrebte Orientierungsfunktion [spielen] eine zentrale Rolle in allen Konzeptionen.â [28] Wie genau der Philosophie- oder Ethikunterricht genannt wird, hĂ€ngt vom jeweiligen Bundesland ab. Dementsprechend gibt es an den UniversitĂ€ten die dazugehörigen LehrstĂŒhle fĂŒr Didaktik der Philosophie oder Ethik.
Die tatsÀchliche Ausbildung der LehrkrÀfte an den Schulen ist jedoch unterschiedlich. Ethik wird bis heute oft fachfremd unterrichtet, Philosophielehrer weisen teilweise ein Fachstudium auf, teilweise rekrutieren sie sich aus affinen FÀchern wie Deutsch oder alten Sprachen. [29]
In den meisten BundeslĂ€ndern dient der Philosophie- oder Ethikunterricht in der Sekundarstufe I als Ersatzfach fĂŒr Religion, Philosophie wird manchmal als Wahlpflichtfach in der Sekundarstufe angeboten. [3]
In Mecklenburg-Vorpommern wird durchgĂ€ngig von der ersten Klasse an Philosophieren mit Kindern, bzw. Philosophie (in der Sekundarstufe II) als Ersatzfach fĂŒr Religion unterrichtet. [3]
Dieses Schulfach versucht philosophische mit unterrichtlichen Methoden zu verbinden, so dass âLehrer und SchĂŒler eine Untersuchungsgemeinschaftâ bilden. Die Themen und Methoden sollen âsowohl dem Erfahrungs- und Verstehenshorizont der SchĂŒler als auch den in Vergangenheit und Gegenwart entwickelten philosophischen AnsĂ€tzen gerechtâ werden. Der Philosophieunterricht soll die SchĂŒler v.a. zum Nachdenken bringen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf dem handlungsbezogenen Denken, den vier Kantischen Fragen. (Rahmenlehrplan, Philosophieren mit Kindern, Jahrgangsstufen 7-10, hg. Vom Ministerium fĂŒr Bildung, Wissenschaft und Kultur, Erprobungsfassung 2002, S.13 f.) [9]
Angestrebte Kompetenzen fĂŒr die Sekundarstufe, in den BundeslĂ€ndern unterschiedlich ausgeprĂ€gt:
Aktuelle EinfĂŒhrungen
Vertiefende Literatur
Siehe Philosophie#Literatur
FĂŒr den Unterricht empfehlenswerte Literatur
Textsammlungen
EinfĂŒhrungen
Nachschlagewerke