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| Die Linke | |
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| Parteivorsitzende | Gesine Lötzsch und Klaus Ernst |
| Stellvertretende Vorsitzende | Katja Kipping Halina Wawzyniak Sahra Wagenknecht Heinz Bierbaum |
| BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer | Werner Dreibus Caren Lay |
| Bundesschatzmeister | Raju Sharma |
| GrĂŒndung | 16. Juni 2007 (Vereinigung von Linkspartei.PDS mit WASG) |
| GrĂŒndungsort | Berlin (Die Linkspartei.PDS) Göttingen (WASG) Berlin (Vereinigung) |
| Hauptsitz | BundesgeschĂ€ftsstelle Kleine AlexanderstraĂe 28 10178 Berlin Postfach 100 10122 Berlin |
| Ausrichtung | Demokratischer Sozialismus |
| Farbe(n) | rot (HKS 14)[2] |
| Bundestagsmandate | 76 von 622 (12,2 %) |
| Staatliche ZuschĂŒsse | 10.832.836,92 Euro (2010)[3] (Stand 21. Januar 2011) |
| Mitgliederzahl | 69.889 (Stand: Dezember 2011)[1] |
| Mindestalter | 14 Jahre |
| Frauenanteil | 37,3 % (Stand: 31. Dezember 2010)[4] |
| Europapartei | EuropÀische Linke (EL) und Forum der Neuen EuropÀischen Linken (NELF) |
| EP-Fraktion | Vereinte EuropĂ€ische Linke/Nordische GrĂŒne Linke (GUE/NGL) |
| Website | www.die-linke.de |
Die Linke (Eigenschreibweise: DIE LINKE) ist eine politische Partei in Deutschland, die am 16. Juni 2007 durch Verschmelzung[5] von WASG und Linkspartei.PDS entstand. Sie leitet ihren Namen aus dem Anspruch einer linken politischen Orientierung her und zielt auf die Ăberwindung des Kapitalismus hin zum demokratischen Sozialismus.[6]
In den neuen BundeslĂ€ndern erlangte sie bislang ihre höchsten Wahlergebnisse, hat dort regional den Charakter einer Volkspartei und besetzt auch FĂŒhrungspositionen auf kommunaler Ebene. In Brandenburg ist sie als Juniorpartner in einer rot-roten Koalition an der Landesregierung beteiligt. Im Deutschen Bundestag stellt sie derzeit die viertstĂ€rkste der fĂŒnf Fraktionen mit 76 von 622 Sitzen. Die Linke ist auf europĂ€ischer Ebene Mitglied der EuropĂ€ischen Linken und wirkt im Forum der Neuen EuropĂ€ischen Linken (NELF) mit.
In der Politikwissenschaft wird die Frage, inwieweit die Partei Die Linke â unter Einschluss ihres VorlĂ€ufers Linkspartei.PDS â als extremistisch zu bewerten sei, diskutiert und unterschiedlich beantwortet.[7] Die Einstufung und Praxis der Beobachtung durch die Verfassungsschutzbehörden von Bund und LĂ€ndern ist uneinheitlich und beschrĂ€nkt sich oft auf die Kommunistische Plattform der Partei.
Am 24. und 25. MĂ€rz 2007 wurden auf dem gemeinsamen Parteitag der Linkspartei und der Partei Arbeit & soziale Gerechtigkeit â Die Wahlalternative (WASG) in Dortmund Programmatische Eckpunkte fĂŒr die neue Partei Die Linke verabschiedet. Dieses Dokument enthĂ€lt einige Grundpositionen der Linken und Eckpunkte ihrer Politik.[8] Die Linke will âsoziale, demokratische und friedensstiftende Reformen zur Ăberwindung des Kapitalismusâ erreichen.[9]
Am 20. und 21. Juni 2009 wurde in Berlin auf dem Bundestagswahlparteitag 2009 das Bundestagswahlprogramm der Partei verabschiedet.[10] Die Programmatischen Eckpunkte nahmen die juristische Rolle des fĂŒr eine Partei gesetzlich vorgeschriebenen Parteiprogramms ein, stellten aber inhaltlich nur ein, wenn auch umfangreiches, programmatisches Papier dar. Am 23. Oktober 2011 wurde auf dem Erfurter Parteitag das erste Parteiprogramm mit 503 Stimmen bei 4 Gegenstimmen und 12 Enthaltungen beschlossen. Das ist eine Zustimmung von 96,9 Prozent. Beim Mitgliederentscheid vom 17. November bis 15. Dezember 2011 wurde das Parteiprogramm mit 95,81 Prozent bestĂ€tigt.
Die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Partei baut auf der Wirtschaftstheorie des Keynesianismus auf, der in den 1930er Jahren als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise entstanden war. Zyklische Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage sollen durch die von der Notenbank bestimmte Geldpolitik und gegebenenfalls von einer antizyklisch wirkenden Fiskalpolitik abgemildert werden, um ein stetiges und hohes Wirtschaftswachstum sowie VollbeschĂ€ftigung zu erzielen.[11] In der Lohnpolitik befĂŒrwortet Die Linke einen Anstieg der Löhne und GehĂ€lter im Rahmen des jĂ€hrlichen ProduktivitĂ€tswachstums und der Zielinflationsrate der EuropĂ€ischen Zentralbank, der auf gesamtwirtschaftlicher Ebene ĂŒber FlĂ€chentarifvertrĂ€ge ausgehandelt wird.[12]
Die öffentlichen Investitionen und andere Ausgaben in Erziehung und Bildung, Forschung, Kultur, ökologischen Umbau und öffentliche Infrastruktur sollen um mindestens 40 Milliarden Euro jĂ€hrlich angehoben werden. GröĂere Unternehmen sollen insgesamt deutlich mehr Steuern zahlen, fĂŒr investierende Unternehmen fordert Die Linke hingegen höhere Abschreibungsmöglichkeiten. Die seit 1997 wegen Verfassungswidrigkeit der damaligen Gesetzesfassung nicht mehr erhobene Vermögensteuer soll wiedereingefĂŒhrt und die Erbschaftssteuer auf groĂe Erbschaften erhöht werden. Bei der Einkommensteuer fordert Die Linke die EinfĂŒhrung eines linearen Steuertarifs, der die mittleren und unteren Einkommen entlasten soll, sowie die Anhebung des Spitzensteuersatzes auf 50 % oder mehr, was auf eine teilweise RĂŒcknahme der Steuerreform 2000 hinauslaufen wĂŒrde.[13] Weiterhin steht die SchlieĂung von Steuersparmöglichkeiten im Mittelpunkt, die nach Meinung der Linken insbesondere Vermögende und GroĂverdiener begĂŒnstigen.
Die FinanzmĂ€rkte sollen einer stĂ€rkeren staatlichen Kontrolle unterworfen werden, unter anderem mit dem Ziel, die Wertpapier- und Devisenspekulation zu beschrĂ€nken. Durch VerschĂ€rfung der Kartellgesetzgebung will die Partei private wirtschaftliche Macht dezentralisieren und weiter aufteilen. Im Gegenzug sollen Genossenschaften und andere Formen Solidarischer Ăkonomie gefördert werden.
Vertreter der Partei bezeichnen die Sozialpolitik der derzeitigen und vergangenen Regierungen als âSozialabbauâ. Soziale Risiken sollen genĂŒgend abgesichert, ein gewisser Lebensstandard im Alter soll garantiert werden. Um diese Ziele zu erreichen, fordert Die Linke die RĂŒcknahme aller Gesetze der Hartz-Reformen, insbesondere der vierten Stufe. Stattdessen will man die sozialen Sicherungssysteme durch eine StĂ€rkung ihrer solidarischen Elemente und durch eine Erneuerung der Selbstverwaltung staatlich binden. AuĂerdem setzt sich Die Linke fĂŒr eine ârepressionsfreieâ und bedarfsorientierte Grundsicherung fĂŒr von Armut bedrohte Menschen ein. Der Zwang zur Arbeitsaufnahme wird abgelehnt.
Die Linke fordert höhere Löhne und die Verhinderung von Altersarmut durch steigende Renten. Die gesetzliche Rentenversicherung soll in eine ErwerbstĂ€tigenversicherung umgewandelt werden, in die schrittweise Angehörige aller Berufsgruppen einbezogen werden. Die Renten in den neuen LĂ€ndern sollen auf das Niveau der alten BundeslĂ€ndern angehoben werden. Die Anhebung des Renteneintrittsalters auf ĂŒber 65 Jahre wird abgelehnt. Stattdessen werden flexible Ausstiegsmöglichkeiten vor dem 65. Lebensjahr und ein Renteneintrittsalter ab 60 Jahre ohne AbschlĂ€ge angestrebt.
Die Partei ĂŒbt Kritik am dreigliedrigen Schulsystem. Die Finanzierung und zusĂ€tzliche Bereitstellung von Lehrstellen fĂŒr Jugendliche soll durch eine Ausbildungsplatzabgabe nicht ausbildender Betriebe finanziert werden.
Im Gesundheitswesen plĂ€diert Die Linke, Ă€hnlich wie die SPD, fĂŒr eine BĂŒrgerversicherung unter paritĂ€tischer Mitfinanzierung durch die Arbeitgeber. Die Partei kritisiert âprofitorientierte Strukturenâ im Gesundheitswesen.
Folgende Punkte sieht Die Linke als besonders wichtig an:
Die Linke tritt fĂŒr den Erhalt und die Ausweitung der öffentlichen Daseinsvorsorge und die Sicherung der kommunalen Selbstverwaltung ein. Der Verkauf öffentlichen Eigentums an Wohnungen und Versorgungsunternehmen soll verhindert werden. Das Recht auf Wohnen soll in das Grundgesetz aufgenommen werden.
Die Linke möchte Arbeitnehmern eine aus ihrer Sicht vorenthaltene Selbstbestimmung ermöglichen und unterstreicht die Bedeutung der SolidaritĂ€t und kritisiert eine ausschlieĂliche Konkurrenzorientierung des Wirtschaftsystems.
Die wichtigsten Punkte sind:
Um diese Ziele durchsetzen zu können, sucht Die Linke aktiv die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften.
Die Partei sieht sich âin einer parteipolitischen Traditionslinie, die auf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zurĂŒckreichtâ.[20] Lothar Bisky erklĂ€rte am 16. Juni 2007 auf dem GrĂŒndungsparteitag der Linken, dass Die Linke sich in der Tradition des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt sieht und seiner Devise âMehr Demokratie wagenâ, mit der er die innenpolitische Stagnation der Nachkriegszeit ĂŒberwinden wollte.[21] Auf dem GrĂŒndungsparteitag ordnete Oskar Lafontaine Die Linke historisch folgendermaĂen ein: âSie steht in der Tradition derer, die unter den Sozialistengesetzen Bismarcks verfolgt waren und sie stehen in der Tradition derer, die in den Konzentrationslagern Hitlers umgekommen sind, und sie fĂŒhlt sich dem Erbe derer verpflichtet, die als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in der DDR eingesperrt waren wie den Kommunistinnen und Kommunisten, die in der Bundesrepublik Deutschland eingesperrt und verfolgt wurden. Beides gehört zusammen, und beides muss gesagt werden.â[22] Als Ausgangspunkt ihrer Politik nennt Die Linke das Grundgesetz fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland, in welchem sie eine Aufforderung zu einem âdemokratischen Sozialismusâ erkennt.
Die Linke stellt im âKampf gegen den internationalen Terrorismusâ immer mehr EinschrĂ€nkungen der Demokratie sowie den Abbau von Grund- und Freiheitsrechten fest. Kritik wird dabei gegenĂŒber internationalen Organisationen und auch europĂ€ischen Institutionen geĂŒbt. Dem Verbreiten von Misstrauen und VerdĂ€chtigungen, insbesondere gegenĂŒber AnhĂ€ngern des islamischen Glaubens, soll eine âKultur des Dialogs und der Zusammenarbeitâ entgegengesetzt werden.
Die Linke will eine wirtschaftliche, politische und kulturelle Ordnung der Gesellschaften auf Grundlage demokratischer Entscheidungen aufbauen und auch die Bevölkerung an deren Entwicklung demokratisch mitentscheiden lassen.
Die bĂŒrgerliche Mitbestimmung soll stĂ€rker in die parlamentarische Demokratie eingebunden werden. Die Partei strebt somit eine enge Verbindung von parlamentarischer und direkter Demokratie an, was durch EinfĂŒhrung von bundesweiten Volksbegehren und -entscheiden ermöglicht werden soll. Die demokratische Mitwirkung soll zudem durch Planungs-, Kontroll- und Einspruchsrechte fĂŒr Umweltorganisationen, VerbraucherverbĂ€nde, Gewerkschaften, Vereine und andere zivilgesellschaftliche KrĂ€fte sowie BĂŒrger gestĂ€rkt werden. AuĂerdem schlĂ€gt Die Linke die EinfĂŒhrung von so genannten BĂŒrgerhaushalten vor: Die BĂŒrger sollen ĂŒber den Haushalt ihrer Kommune zwecks aktiverer Mitgestaltung direkt mitentscheiden dĂŒrfen. Die Linke orientiert sich am wissenschaftlichen Konzept der BĂŒrgerkommune und fordert den Ausbau der Stellung der Kommunen im föderalen System.
Zu dem Demokratisierungsprozess soll auch die StĂ€rkung der individuellen Rechte gehören. Staatliches Handeln soll durch eine neue unabhĂ€ngige Kontrollinstanz â diese Aufgabe ĂŒbernehmen bisher die Gerichte â ĂŒberprĂŒfbar sein. Jeder einzelne soll nun (auch) so vor ungerechtfertigten Zugriffen des Staats geschĂŒtzt werden. Dazu gehöre ebenso das Recht, selbst ĂŒber die eigenen Daten und ihre Verwendung zu bestimmen (informationelle Selbstbestimmung). An der strikten Trennung von Polizei und Bundeswehr sowie von Polizei und Geheimdiensten wird entschieden festgehalten. Eine GrundgesetzĂ€nderung, die den Einsatz der Bundeswehr im Inland erlauben wĂŒrde, lehnt die Partei ab.
Die Linke strebt die gesellschaftliche VerfĂŒgungsgewalt ĂŒber alle Formen von Wirtschaftsmacht an. Durch paritĂ€tische Mitbestimmung der BeschĂ€ftigten, ihrer Gewerkschaften sowie Vertreter der Regionen und Verbraucher soll Finanzmacht demokratischen Interessen untergeordnet werden. DarĂŒber hinaus soll der politische Streik und der Generalstreik möglich gemacht werden.
Der Begriff der Gleichstellung soll auf die Merkmale Herkunft, Geschlecht, sexuelle IdentitĂ€t, Behinderung, ethnische und religiöse Zugehörigkeit ausgeweitet werden. Allen in Deutschland und der EuropĂ€ischen Union lebenden und arbeitenden Menschen stehen nach Wunsch der Linken die gleichen Rechte zu. Um dies zu gewĂ€hrleisten, wird ein effektives und umfassendes Antidiskriminierungsgesetz gefordert, das ĂŒber das bestehende hinausgeht und die Möglichkeit der Verbandsklage einschlieĂt. Zudem will man das Wahlrecht auf alle in Deutschland lebenden Menschen ausweiten. Die Linke wirbt fĂŒr eine Harmonisierung des Asylrechts in Europa.
Die unterschiedlichen in Deutschland lebenden Kulturkreise werden als Bereicherung aufgefasst und die Gestaltung der Integration der eingewanderten Bevölkerung wird als gesellschaftliche Herausforderung begriffen. FĂŒr die auf deutschem Staatsgebiet lebenden Minderheiten wird eine Erweiterung ihrer Partizipationsrechte und eine angemessene öffentliche Förderung zum Erhalt und zur Weiterentwicklung ihrer Sprachen und Kulturen gefordert. Der Rechtsextremismus soll daher auch stĂ€rker geĂ€chtet und politisch bekĂ€mpft werden. Dazu gehört insbesondere die âIntensivierung der antifaschistischen Bildungsarbeitâ. Deswegen sollen zivilgesellschaftliche Strukturen gegen Rechtsextremismus gestĂ€rkt werden, indem die finanzielle UnterstĂŒtzung entsprechender Initiativen und Beratungsteams ausgebaut wird. GröĂere Aufmerksamkeit will Die Linke der Beobachtung des Rechtsextremismus im internationalen Rahmen widmen.
Der Rechtsstaat soll nach sozialen und solidarischen Gesichtspunkten umgestaltet werden, was auf eine VerĂ€nderung des VerhĂ€ltnisses von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft abzielen soll. Das Sozialstaatsgebot soll durch Festschreibung der Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit und des Gebots der staatlichen Absicherung der wichtigsten Lebensrisiken konkretisiert werden. Dazu gehöre es, auch fĂŒr eine gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums zu sorgen. Soziale Grundrechte sollen zur Durchsetzung des Sozialstaats zusĂ€tzlich in das Grundgesetz aufgenommen werden.
Die gewĂŒnschte Wirtschaftspolitik der Partei orientiert sich nach ihrer Vorstellung am Gemeinwohl und am Umweltschutz. Das Ziel sei die Einheit von sozialer, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit.[23] So soll beispielsweise ein Steuer- und Abgabensystem entwickelt werden, das umweltfreundliches Handeln fördert und umweltschĂ€digendes Verhalten belastet, jedoch zwangslĂ€ufig auch mehr BĂŒrokratie mit sich bringt.
Vorrangiges Ziel eines ökologischen Umbaus sei eine Dezentralisierung der Stromerzeugung und -versorgung. Dazu sollen die Stromnetze verstaatlicht werden. Steigerung der Energieeffizienz,[24] Senkung des Energieverbrauchs und Ausrichtung auf erneuerbare Energien sind dabei nach EinschÀtzung der Linken zur Lösung der Energieprobleme notwendig. Die Partei möchte den Atomausstieg zusÀtzlich beschleunigen. Zudem wird der Export von Atomtechnik entschieden abgelehnt.[25]
Die Privatisierungspolitik im Verkehrswesen soll beendet, der öffentliche Personennahverkehr durch neue Angebote verbessert werden. Der GĂŒterverkehr soll stĂ€rker auf die Schiene konzentriert werden. Kerosin zum Betrieb von Flugzeugen soll besteuert werden.[26]
Weitere Ziele der Wirtschafts- und Umweltpolitik der Linken sind:
Die Linke thematisiert auf dem Feld der AuĂenpolitik vier Bereiche: Verteidigungspolitik, Weltwirtschaftspolitik, Demokratisierung der UNO und die EuropĂ€ische Union.
Die Partei fordert eine AbrĂŒstungspolitik.[29] Durch soziale Gerechtigkeit, Verwirklichung der Menschenrechte, nachhaltige Entwicklung und Demokratie will die Partei, StabilitĂ€t und friedliche Zusammenarbeit erwirken. AuslandseinsĂ€tze der Bundeswehr werden generell abgelehnt. Die Partei fordert, die NATO aufzulösen, durch ein kollektives Sicherheitssystem unter Beteiligung Russlands zu ersetzen und die deutsche AuĂenpolitik strikt auf zivile Konfliktlösung und Kooperation statt Konfrontation auszurichten.[30][31][32]
Die Linke fordert eine umfassende Entschuldung armer LĂ€nder und die Anhebung der Entwicklungshilfe. Dazu will man in den Vereinten Nationen, der WTO und der Weltbank sowie durch bilaterale VertrĂ€ge und europĂ€ischer Abkommen gegenĂŒber Lateinamerika, Afrika und Asien entsprechenden Einfluss nehmen.
Die UNO soll durch Aufwertung der Vollversammlung und Umbau des Sicherheitsrats demokratisiert und gestĂ€rkt werden. Ziel ist es, dadurch eine gerechtere Weltwirtschafts- und Sozialordnung gestalten zu können. DarĂŒber hinaus tritt Die Linke dafĂŒr ein, dass Verschleppungen, geheime GefĂ€ngnisse und Folter ĂŒber die bisherigen Abkommen hinaus weltweit geĂ€chtet werden.
Der EuropÀischen Union sollen neue Ziele gesetzt werden. Eine Militarisierung der EU wird von der Partei strikt abgelehnt und die Auflösung der US-MilitÀrbasen in Europa gefordert.
Die solidarische Haltung der Partei gegenĂŒber âfortschrittlichen Bewegungenâ Lateinamerikas findet laut Beschluss des Bundesausschusses der Partei vom 21. September 2008 âihren konkreten Ausdruck insbesondere in der FortfĂŒhrung der politischen und materiellen SolidaritĂ€tskampagnen der AG Cuba SĂâ.[33]
Die Partei erkennt das Existenzrecht Israels an. Insbesondere von einzelnen Mitgliedern der Bundestagsfraktion und der Parteibasis wird aber zugleich die israelische PalĂ€stina-Politik heftig kritisiert. Im Sommer 2011 sorgte ein Aufsatz des Politologen Samuel Salzborn und des Historikers Sebastian Voigt, ehemaliges Mitglied des BAK Shalom in der Linkspartei, ĂŒber zunehmende Israelfeindlichkeit und Antisemitismus in der Linken fĂŒr Aufmerksamkeit in Politik und Medien.[34] Dieser Aufsatz war am 25. Mai 2011 Anlass einer âAktuellen Stundeâ im Deutschen Bundestag, beantragt von CDU/CSU und FDP.[35] Einige Mitglieder der ParteifĂŒhrung beurteilen die dort unterstellten Tendenzen kritisch,[36] andere streiten sie ab.[37][38][39][40][41] Die zuerst ĂŒber die Frankfurter Rundschau verbreitete Fassung erschien etwas ĂŒberarbeitet in der Zeitschrift fĂŒr Politik.[42] Der Soziologe Peter Ullrich und der Politikwissenschaftler Alban Werner (letzterer ist Mitglied der Linkspartei), kritisieren in einer Antwort in derselben Zeitschrift, dass es den Autoren nicht gelĂ€nge, radikale Israelfeindschaft oder antizionistischen Antisemitismus nachzuweisen. Der Aufsatz genĂŒge in vielerlei Hinsicht nicht den grundlegenden wissenschaftlichen Kriterien und sei methodisch mangelhaft, inkonsistent und wĂŒrde abweichende Interpretationsmöglichkeiten des vorgelegten Materials nicht diskutieren. [43]
Im Bereich der Familienpolitik geht Die Linke insbesondere auf die Geschlechtergerechtigkeit ein. Dazu strebt man ein zusĂ€tzliches Gleichstellungsgesetz fĂŒr die Privatwirtschaft an. Auch sollen besondere Frauenförderungsprogramme eingefĂŒhrt werden. Die Linke kritisiert die ungleiche Entlohnung der Arbeit beider Geschlechter. Die Vereinbarung von Familie und Beruf soll durch den Ausbau von Ganztagseinrichtungen verbessert werden.
Der § 218 StGB, welcher den Schwangerschaftsabbruch nur unter gewissen Voraussetzungen erlaubt, soll abgeschafft und die Abtreibung somit völlig legalisiert werden. Die AuĂerstrafestellung der bisher ebenfalls in § 218 StGB geregelten (Fremd-)Abtreibung gegen den Willen der Schwangeren ist mit dieser Forderung politisch nicht verbunden. Gewalt an Frauen soll öffentlich geĂ€chtet und entschieden verfolgt werden.
Die Linke will Paaren das Erziehen von Kindern erleichtern, egal in welcher Beziehungsform sie zusammenleben.
Chancengleichheit möchte die Partei umsetzen, indem der Staat Bildung von der KindertagesstÀtte bis hin zum Studium kostenlos anbietet.
Die Linke will die vorschulische Bildung in den Vordergrund rĂŒcken, deren Bedeutung deutlich machen und diese in besonderer Weise fördern. Der anschlieĂende gemeinsame Schulbesuch soll verlĂ€ngert werden. DafĂŒr will man eine integrative Gesamtschule schaffen, die die Schuljahre eins bis mindestens neun umfasst. Ferner formuliert die Partei das Ziel, die individuelle Förderung jedes einzelnen in den Mittelpunkt zu rĂŒcken.
Im Ausbildungsbereich fordert die Partei ein Grundrecht auf einen Ausbildungsplatz fĂŒr jeden SchulabgĂ€nger.
Die Hochschulen sollen demokratisiert werden, indem profitorientierte Einflussnahme zurĂŒckgedrĂ€ngt, die öffentliche Finanzierung ausgebaut und eine drittelparitĂ€tische Selbstverwaltung eingefĂŒhrt wird. AuĂerdem soll der Zugang zu allen StudienabschlĂŒssen frei bleiben, und die ĂbergĂ€nge aus der beruflichen Bildung in die Hochschulen sollen erleichtert werden. StudiengebĂŒhren werden strikt abgelehnt.
Die Grundlagenforschung soll verstĂ€rkt werden. Die Linke tritt fĂŒr ein ausgewogenes VerhĂ€ltnis von theoretischer und anwendungsorientierter Forschung und Lehre, fĂŒr den Abbau hierarchischer Strukturen und gröĂere SelbstĂ€ndigkeit des akademischen Mittelbaus ein. Patente auf Gene von Lebewesen oder Teilen von Lebewesen, insbesondere von Menschen werden abgelehnt. Die Open-Access- und Open-Source-Bewegung findet Zuspruch bei der Linken.
DarĂŒber hinaus wird die mangelnde Finanzierung von Weiterbildung kritisiert. Ziel ist ein Bundesweiterbildungsgesetz.
Durch eine schĂ€rfere Kartellgesetzgebung will sie einer Monopolisierung im Medienbereich vorbeugen und auf diese Weise Pressefreiheit und Pressevielfalt wahren. Die Rechte der Urheber gegenĂŒber den Verwertungsunternehmen sollen gestĂ€rkt werden; zugleich soll ein Ausgleich gefunden werden, damit die nichtkommerzielle Nutzung möglichst wenig eingeschrĂ€nkt wird.
Die Partei plant eine gesamtdeutsche Innovations-, Investitions- und Strukturpolitik, um die Unterschiede zwischen alten und neuen BundeslÀndern zu verringern.
Die Linke hebt dabei auch Vorteile im realsozialistischen System der DDR hervor. So sieht sie die Kinderbetreuung, das Schul- und Bildungssystem, die ökonomische Gleichstellung der Frauen mit den MĂ€nnern und ortsnahe Kultureinrichtungen in der ehemaligen DDR als vorbildlich an und widerspricht der generellen und unkritischen Ăbernahme jeweils entsprechender Strukturen der Bundesrepublik.
Konkret verfolgt Die Linke folgende Ziele:
Die Linke sieht die aktuelle Struktur und politische Ausrichtung der EuropÀischen Union kritisch. Die Partei hat es sich zum Ziel gesetzt, die demokratische, soziale, ökologische und friedenspolitische Dimension zu stÀrken.[44]
Die Ratifizierung des Vertrags von Lissabon wurde abgelehnt. Aus Perspektive der Partei fĂŒhrt der Vertrag zu einer Militarisierung der Gemeinsamen AuĂen- und Sicherheitspolitik. Auch wird die neoliberale Ausrichtung des Vertragstextes und die angestrebte Art der verstĂ€rkten Zusammenarbeit von Polizei- und Sicherheitsdiensten kritisiert. Letztlich beweise die Eurokrise die UnzulĂ€nglichkeit der bestehenden EU-VertrĂ€ge. Deshalb sollen die primĂ€rrechtlichen Grundlagen der EU umfassend unter Beteiligung der UnionsbĂŒrger in einer Verfassung erneuert werden.
Die Linke setzt sich fĂŒr die Verankerung einer sozialen Fortschrittsklausel im EU-PrimĂ€rrecht ein, fordert die Vereinheitlichung der Bemessungsgrundlage der Unternehmenssteuern und einen EU-weiten Mindessteuersatz fĂŒr Unternehmensgewinne. Die UnabhĂ€ngigkeit der EuropĂ€ischen Zentralbank soll fĂŒr den Zweck einer demokratischen Kontrolle aufgegeben werden, um sich neben PreisstabilitĂ€t auch fĂŒr BeschĂ€ftigung und nachhaltige Entwicklung einsetzen zu können.
Die Partei ist in den BundeslĂ€ndern in LandesverbĂ€nden organisiert. Den 16 LandesverbĂ€nden sind jeweils die KreisverbĂ€nde ihres Bundeslandes zugeordnet. Unterhalb der Landesebene gibt es vorrangig in Ostdeutschland GebietsverbĂ€nde, die Kreis-, Regional- oder Bezirksverband heiĂen. Sie umfassen in der Regel einen oder mehrere Landkreise, eine gröĂere Stadt oder in Berlin Bezirke. Die unterste Einheit der Partei ist die Basisorganisation, die je nach Mitgliederdichte ein Wohngebiet, eine Stadt oder einen ganzen Landkreis umfassen kann. Neben diesen GebietsverbĂ€nden existieren auf Bundesebene und teilweise auch auf Landes- und Kreisebene thematische ZusammenschlĂŒsse (Arbeitsgemeinschaften, Interessengemeinschaften).
Das höchste Gremium der Partei Die Linke auf Bundesebene ist der Bundesparteitag, einer sozialistischen und kommunistischen Tradition folgend, werden die Parteitage nicht, wie in den anderen groĂen Bundesparteien ĂŒblich, fortlaufend nummeriert, sondern vielmehr gemÀà Ihrer Wahlperiode. So hatte der 2. Parteitag in den Jahren 2010 und 2011 zwei Tagungen: den â2. Parteitag, 1. Tagungâ den so genannten Rostocker Parteitag 2010 und den â2. Parteitag, 2. Tagungâ, den sogenannten Erfurter Parteitag 2011.
Zwischen den Tagungen des Parteitages ist der Parteivorstand, dessen Mitglieder vom Parteitag gewĂ€hlt werden, das höchste Gremium. Der Bundesausschuss nimmt eine Kontrollfunktion gegenĂŒber dem Vorstand wahr, berĂ€t und schlichtet bei schwerwiegenden programmatischen Differenzen innerhalb des Vorstandes und zwischen verschiedenen Parteigliederungen. Er hat Initiativ- und Interventionsrecht bei Grundsatzentscheidungen.
Der Parteivorstand besteht aus 44 Mitgliedern. Klaus Ernst und Gesine Lötzsch wurden zu den Parteivorsitzenden gewĂ€hlt. Zu dem GeschĂ€ftsfĂŒhrenden Vorstand gehören zwölf Personen: die beiden Parteivorsitzenden, deren vier Stellvertreter, der BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer, der Bundesschatzmeister und vier weitere Mitglieder.
| Vorsitzende | Klaus Ernst, Gesine Lötzsch |
| Stellvertretende Vorsitzende | Heinz Bierbaum, Katja Kipping, Sahra Wagenknecht, Halina Wawzyniak (zugleich Parteibildungsbeauftragte) |
| BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer | Werner Dreibus, Caren Lay |
| Schatzmeister | Raju Sharma |
| Beisitzer | Ali Al Dailami, Ben Brusniak, Christine Buchholz, Diether Dehm, Ines Feierabend, Wolfgang Gehrcke, Stefanie Graf, Renate Harcke, Stefan Hartmann, Steffen Harzer, Rosemarie Hein, Heinz Hillebrand, Nele Hirsch, Matthias Höhn, Ulrich Maurer (Parteibildungsbeauftragter), Wolfgang Methling, Irene MĂŒller, Gabi Ohler, Brigitte Ostmeyer, Tobias PflĂŒger, Christel Rajda, Sabine Schilka, Ida Schillen, Harald Schindel, Michael Schlecht, Katina Schubert, Werner Schulten, Axel Troost, Harald Werner, Sabine Wils, Janine Wissler, Gerry Woop, Ulrike Zerhau, Wolfgang Zimmermann, Dagmar Zoschke |
Am 12. Dezember 2007 wurde innerhalb der Partei Die Linke ein Ăltestenrat konstituiert, der als Konsultationsgremium dienen soll. Er soll sich, so Lothar Bisky, mit Fragen zur Entwicklung der Partei, zu BĂŒndnis- und internationalen Fragen, zur Geschichte der Linken und zu möglichen Konsequenzen fĂŒr die sozialistische Programmatik beschĂ€ftigen.
Zusammensetzung des Ăltestenrates (Stand: Oktober 2011):
| Vorsitzender | Hans Modrow (* 1928), Diplomgesellschaftswissenschaftler, Diplomwirtschaftler, Berlin |
| Stellvertretende Vorsitzende | Gretchen Binus, Ăkonomin, Wirtschaftshistorikerin, Berlin |
| Weitere Mitglieder | Helma Chrenko (* 1938), Lateinamerikanistin, Berlin; Manfred Coppik (* 1943), Rechtsanwalt und Notar, Offenbach; Harri Czepuck (* 1927), Journalist, Berlin; Edeltraut Felfe, Diplom-Juristin, Greifswald; Gerd Friedrich, Diplomwirtschaftler, Berlin; Erich Hahn (* 1930), Philosoph, Berlin; Heiner Halberstadt (* 1928), freier Journalist, Frankfurt am Main; Detlef Hensche (* 1938), Rechtsanwalt, Berlin; Elfriede Juch, DiplompĂ€dagogin, Berlin; Hermann Klenner (* 1926), Jurist, Berlin; Bruno Mahlow (* 1937), Diplomstaatswissenschaftler, Berlin; Erich Meinike (* 1929), Nordrhein-Westfalen; Gregor Schirmer (* 1932), Jurist, Berlin; Hans Watzek (* 1932), Diplomwirtschaftler, Berlin; GĂŒnter Wilms, Rentner, Eichwalde |
Die Linke hat in allen deutschen LÀndern LandesverbÀnde gebildet.
| Landesverband | Vorsitzende/Sprecher | Mitglieder (Stand: 31. Dezember 2010)[4] |
Mitglieder pro 100.000 Einwohner (Stand: Dez. 2010) |
Ergebnis der Bundestagswahl 2009[45] |
|---|---|---|---|---|
| Baden-WĂŒrttemberg | Christoph Cornides Bernd Riexinger Sabine Rösch-Dammenmiller Heidi Scharf Sybille Stamm Bernhard Strasdeit |
2.950 | 28 | 7,2 % |
| Bayern | Eva Mendl Xaver Merk |
2.847 | 26 | 6,5 % |
| Berlin | Klaus Lederer | 8.801 | 259 | 20,2 % |
| Brandenburg | Stefan Ludwig | 8.481 | 341 | 28,5 % |
| Bremen | Cornelia Barth Christoph Spehr |
629 | 93 | 14,3 % |
| Hamburg | Regine BrĂŒggemann Karin Haas Zaman Masudi Herbert Schulz |
1.489 | 84 | 11,2 % |
| Hessen | Heidemarie Scheuch-Paschkewitz Ulrich Wilken |
2.605 | 45 | 8,5 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | Steffen Bockhahn | 5.417 | 333 | 29,0 % |
| Niedersachsen[46] | Manfred Sohn Gisela Brandes-Steggewentz |
3.259 | 42 | 8,6 % |
| Nordrhein-Westfalen | Katharina Schwabedissen Hubertus Zdebel |
8.681 | 50 | 8,4 % |
| Rheinland-Pfalz[47] | Wolfgang Ferner Elke Theisinger-Hinkel |
1.746 | 49 | 9,4 % |
| Saarland | Rolf Linsler | 2.308 | 245 | 21,2 % |
| Sachsen | Rico Gebhardt | 11.614 | 280 | 24,5 % |
| Sachsen-Anhalt | Matthias Höhn | 5.427 | 234 | 32,4 % |
| Schleswig-Holstein | Jannine Menger-Hamilton vakant |
980 | 35 | 7,9 % |
| ThĂŒringen | Knut Korschewsky | 6.360 | 287 | 28,8 % |
Der gröĂte Landesverband befindet sich in Sachsen. In Brandenburg ist Die Linke die gröĂte Partei und hat mehr Mitglieder als die SPD oder die CDU.[4][48]
Am 31. Dezember 2006 gehörten PDS und WASG, aus denen Die Linke entstanden ist, zusammen 69.282 Mitglieder an,[4] darunter etwa 11.500 der WASG.[49] Aufgrund des gröĂeren Anteils der PDS stammen zwei Drittel der Mitglieder (68 %) aus Ostdeutschland, jedoch verschiebt sich die rĂ€umliche Verteilung in Richtung Westen. Die Altersstruktur der Partei zeichnet sich durch einen hohen Anteil Ă€lterer Mitglieder aus, der ebenfalls seine Ursache in der PDS hat und eine Folge des Verbleibs von Mitgliedern der SED in der PDS ist. 70 % der Mitglieder der Linkspartei.PDS waren beim Zusammenschluss mit der WASG ĂŒber 60 Jahre, nur 3,3 % unter 30 Jahre alt.[49]
WĂ€hrend 1997 98 % der Mitglieder der PDS bereits Mitglied in der SED oder ihrer Jugendorganisation FDJ waren,[50] sank deren Anteil in der Partei Die Linke wegen der Fusion mit der WASG und dem altersbedingten Ausscheiden frĂŒherer Mitglieder.[51]
Von 2007 bis 2009 konnte ein Mitgliederwachstum, bedingt durch Neueintritte in den alten BundeslĂ€ndern, verzeichnet werden, von 2009 bis 2011 sank die Mitgliederzahl wieder von 78.000 auf 70.000 und ein weiterer RĂŒckgang wird prognostiziert.[52][53] Mit 39,2 % der Mitglieder hat Die Linke den höchsten Frauenanteil aller im Bundestag vertretenen Parteien, knapp vor BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen mit 37,3 %.[54] Im 17. Deutschen Bundestag (ab 2009) liegt Die Linke mit einem Frauenanteil von 52,6 % der Abgeordneten hinter BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen mit 57,4 %.
Die Antikapitalistische Linke (AKL) ist eine Vertreterin der Position, Regierungsbeteiligungen von programmatischen Mindestbedingungen (keine Privatisierungen, keine KriegseinsĂ€tze, kein Sozialabbau) abhĂ€ngig zu machen. Sie tritt fĂŒr die stĂ€rkere antikapitalistische Ausrichtung der Partei ein. Prominente Vertreter dieses FlĂŒgels sind Sahra Wagenknecht, Tobias PflĂŒger, Cornelia Hirsch und Ulla Jelpke.
Die Antikapitalistische Linke hat keinen Status als offizieller Zusammenschluss in der Linken.
Die Kommunistische Plattform (KPF) ist ein politischer Zusammenschluss innerhalb der Partei Die Linke. Die KPF tritt dafĂŒr ein, dass in der Partei kommunistische Positionen verankert bleiben, und will die Bewahrung und Weiterentwicklung marxistischer Positionen innerhalb der Linkspartei.[55] Ein âstrategisches Zielâ der KPF ist die âErrichtung einer neuen sozialistischen Gesellschaft, welche die positiven Erfahrungen des realen Sozialismus nutzt und aus den begangenen Fehlern Lehren ziehtâ.[56] Sie wird dem orthodoxen linken ParteiflĂŒgel zugeordnet. Mitglied der Plattform ist Matthias BĂ€rwolff. Die Mitgliedschaft von Sahra Wagenknecht ruht seit Februar 2010.
Die Sozialistische Linke (SL) vertritt linkskeynesianische und reformkommunistische Positionen in der Partei. Die gewerkschaftlich orientierte Sozialistische Linke strebt eine reformierte sozialistische Partei nach dem Vorbild der SP der Niederlande oder der italienischen PRC an. Vor der GrĂŒndung der Partei Die Linke war sie in der WASG in vielen Gremien vertreten. Bekannte Vertreter dieser Strömung sind Diether Dehm, Thomas HĂ€ndel, JĂŒrgen Klute und Christine Buchholz.
Das Netzwerk Reformlinke vertritt reformorientierte AnsĂ€tze und strebt Regierungskoalitionen zu deren Umsetzung an. Beispiele, in denen sich die Reformlinken durchsetzen konnten, waren die Regierungsbeteiligungen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Intern sind sie besonders umstritten bei ehemaligen WASG-Mitgliedern. Die Politik der Reformlinken wurde angefĂŒhrt als ein Grund fĂŒr den Antritt der WASG Berlin zur Abgeordnetenhauswahl 2006 mit einer konkurrierenden Liste. Innerhalb der Partei sind sie mit einer eigenen Arbeitsgemeinschaft vertreten. Prominente Vertreter sind Petra Pau, Wulf Gallert, Jan Korte, Stefan Liebich und Halina Wawzyniak. Die AktivitĂ€t des Netzwerkes hat sich zugunsten des Forum Demokratischer Sozialismus stark eingeschrĂ€nkt. Das Netzwerk Reformlinke ist kein anerkannter Zusammenschluss innerhalb der Partei und versteht sich auch selbst nicht als Strömung.
Die Emanzipatorische Linke (Ema.Li) versteht sich selbst als Denkrichtung in der Partei. Die Ema.Li entstand bereits in der PDS und hat sich bis 2009 nicht als Strömung und formaler Zusammenschluss konstituiert. Am 23. Mai 2009 grĂŒndete sie sich formal als Strömung in der Partei. Die Emanzipatorische Linke vertritt gesellschaftsliberale, radikaldemokratische und emanzipatorische Standpunkte. Freiheit und Sozialismus sind demnach kein Widerspruch, sondern bedingen sich gegenseitig. Im Vergleich zu den anderen Strömungen wird in der Emanzipatorischen Linken besonders stark ĂŒber die Bedingungen einer verĂ€nderten Arbeitswelt diskutiert, beispielsweise mit AnsĂ€tzen wie dem bedingungslosen Grundeinkommen. Ema.Li besitzt derzeit einen Landesverband in Rheinland-Pfalz. Julia Bonk und Christoph Spehr fungieren als Bundesprecherin oder Bundessprecher. Prominente Vertreterinnen der Strömung sind beispielsweise Katja Kipping und Caren Lay.
Das Forum Demokratischer Sozialismus (fds) spiegelt vor allem Meinungsbilder wider, die in der Linkspartei.PDS verbreitet waren. Die Strömung möchte die Partei weiterhin in Regierungen sehen und ĂŒber Reformen in die Gesellschaft wirken. Zudem sollen Errungenschaften der PDS auch in der neuen Linken bewahrt werden, dazu zĂ€hlen die Frauenquote und eine starke Ausrichtung auf die Bewahrung und den Ausbau von BĂŒrgerrechten. Das Forum Demokratischer Sozialismus steht dem Netzwerk Reformlinke nahe und ist gemeinsam mit der Sozialistischen Linken die einzige Strömung, die sich auch selbst als solche bezeichnet und den Status eines anerkannten Zusammenschlusses in der Partei besitzt. Bundessprecher des Forums ist Benjamin-Immanuel Hoff.
Das Parteivermögen besteht aus den GeldbestĂ€nden der ehemaligen WASG und dem Vermögen der Linkspartei.PDS. Auf nicht rechtmĂ€Ăig zustandegekommenes Vermögen aus der DDR-Zeit erhebt die Partei keine AnsprĂŒche. Solches Vermögen von Parteien und VerbĂ€nden der DDR steht auch dann dem Staat zu, wenn es erst heute nachtrĂ€glich aufgefunden wird.[57][58]
Das Parteivermögen umfasste dem Rechenschaftsbericht von 2007 zufolge etwa 23 Millionen Euro. Etwa 41 % ihrer Einnahmen erzielt Die Linke aus BeitrĂ€gen ihrer Mitglieder, MandatstrĂ€gerbeitrĂ€ge machen etwa 9 % der Einnahmen bei der Partei aus. Aus Spenden flieĂen der Partei etwa 7 % ihrer Einnahmen zu, wobei nur ein unwesentlicher Bruchteil von Unternehmen und anderen nicht-natĂŒrlichen Personen stammt. Laut eigener Aussage nimmt sie keine Parteispenden von Unternehmen an, um ihre UnabhĂ€ngigkeit und Unbestechlichkeit zu gewĂ€hrleisten. Etwa 39 % der Einnahmen der Partei flieĂen aus der staatlichen Parteienfinanzierung. Die restlichen 4 % stammen von sonstigen Einnahmen, wie aus Einnahmen von Veranstaltungen oder durch den Vertrieb von Druckschriften. Bei den anderen Bundestagsparteien flieĂen verhĂ€ltnismĂ€Ăig mehr Gelder aus Spenden im Vergleich zu den BeitrĂ€gen. Etwa ein Drittel der Ausgaben der Linkspartei sind Personalkosten.
Das Reinvermögen der Partei Die Linke wurde Ende 2007 mit rund 23 Millionen Euro bewertet.[59] Das Grundvermögen der Partei wird mit rund fĂŒnf Millionen Euro bewertet. Die Unternehmensbeteiligungen der Partei haben einen Gesamtwert von unter zwei Millionen Euro.
Zum zweifelsfrei als rechtmĂ€Ăig ermittelten Vermögen der Linken gehören folgende Unternehmen:
Die Linke hat nach geltender Rechtslage Anspruch auf staatliche Beihilfen fĂŒr ihre kommunalpolitischen Foren, ihre Bundes- und Landesstiftungen sowie ihren Jugendverband auf Bundesebene und in mehreren BundeslĂ€ndern. Der Antrag des Jugendverbandes auf Aufnahme in den Ring politischer Jugend wurde letztmalig im Dezember 2007 aufgrund des Vetos der Jungen Union abgelehnt, die Zweifel an der Verfassungstreue des Verbandes geltend machte.[60] In der Folge erhĂ€lt der Jugendverband keine staatlichen Zuwendungen. Dagegen hat der Jugendverband vor dem Verwaltungsgericht geklagt.[61]
Innerhalb der Linken nehmen die sogenannten Arbeitsgemeinschaften und Plattformen eine sehr starke Rolle ein. Sie beeinflussen den internen Meinungsbildungsprozess. Innerparteiliche ZusammenschlĂŒsse können in der Linken durch die Mitglieder gebildet werden. Zu Parteitagen stellen sie je nach GröĂe einige Delegierte. Sie setzen sich entweder speziell mit einem politischen Themenfeld auseinander (z. B. Ăkologische Plattform, AG Betrieb & Gewerkschaft, AG Bildungspolitik), dienen als Sammelbecken eines ParteiflĂŒgels (z. B. Geraer Dialog/Sozialistischer Dialog, Netzwerk Reformlinke, Kommunistische Plattform) oder organisieren Experten innerhalb der Partei (wie BAG Rote Reporter/innen, in der sich nahestehende Journalisten und Ăffentlichkeitsarbeiter sammeln) oder die BAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik. Die meisten ZusammenschlĂŒsse haben ihren Ursprung in der PDS. Einige Rechte, die sich die Arbeitsgemeinschaften 1989/90 innerparteilich erkĂ€mpft hatten, sind durch die neue Satzung jedoch erheblich beschnitten worden. So existieren neuerdings mehrfache HĂŒrden, um als AG anerkannt zu werden und Mandate zu erhalten.
Eine Ăbersicht ĂŒber die verschiedenen innerparteilichen ZusammenschlĂŒsse findet sich in der Navigationsleiste am Ende des Artikels.
Zu den âparteinahen Organisationenâ gehören der Jugendverband Linksjugend ['solid], der Studierendenverband Die Linke.SDS, der Stiftungsverbund aus Rosa-Luxemburg-Stiftung und 16 landesweiten angeschlossenen Vereinen mit teilweise eigenem Namen, die ehemals WASG-nahe Bildungsgemeinschaft Salz, kommunalpolitische Bildungsvereine in mehreren BundeslĂ€ndern â die meist den Namen Kommunalpolitisches Forum tragen, der parteinahe Unternehmerverband OWUS, die weiter bestehende WASG-VorgĂ€ngerorganisation WAsG e. V. sowie das Jugendbildungswerk e. V. Der im Parteiumfeld gegrĂŒndete Freie TrĂ€ger Roter Baum e. V. ist organisatorisch nicht mit der Partei verbunden, analog zu den Falken bei der SPD steht er aber den Werten des Demokratischen Sozialismus nahe und ist ĂŒber enge personelle Verflechtungen angebunden.
Im Verfassungsschutzbericht fĂŒr das Jahr 2006 sah das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz Anhaltspunkte fĂŒr verfassungsfeindliche Bestrebungen der damaligen Linkspartei.PDS und fĂŒhrte in direktem Anschluss daran aus: âEs bleibt abzuwarten, wie sich die âLinkspartei.PDSâ insbesondere nach der angestrebten Fusion mit der nicht extremistischen WASG entwickeln wird.â[62] Da eine Beobachtung fortlaufend am VerhĂ€ltnismĂ€Ăigkeitsgrundsatz zu messen ist, wurde die inzwischen erfolgte Fusion von Linkspartei und WASG zum Anlass genommen, die bisherige Beobachtungspraxis zu ĂŒberprĂŒfen.[63] Eine Fortsetzung der Beobachtung wurde im Mai 2008 durch Bundesinnenminister Wolfgang SchĂ€uble angeordnet. Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz kam 2009 zu der Ăberzeugung, dass âdie Partei einerseits in ihrem Auftreten in der Ăffentlichkeit darauf [setzt], als reformorientierte, neue linke Kraft wahrgenommen zu werden. Andererseits liegen weiterhin zahlreiche Indikatoren fĂŒr linksextremistische Bestrebungen innerhalb der Partei vor.â Das Bundesamt machte Anzeichen fĂŒr linksextremistische Bestrebungen aus, âinsbesondere die uneinheitliche Haltung gegenĂŒber der linksextremistischen Gewalt und die vollumfĂ€ngliche Akzeptanz von offen extremistischen ZusammenschlĂŒssen in ihren Reihenâ,[64] die von der Partei finanziell unterstĂŒtzt wĂŒrden. Das Bundesinnenministerium zĂ€hlt insbesondere die Arbeitsgemeinschaft Cuba SĂ, die Kommunistische Plattform, das Marxistische Forum, die Sozialistische Linke und den Geraer Dialog zu den âoffen extremistischen ZusammenschlĂŒssen der Parteiâ.[65]
Die Innenminister der CDU-regierten LĂ€nder Niedersachsen, Hessen und Baden-WĂŒrttemberg sowie des CSU-regierten Bayern lassen in ihren BundeslĂ€ndern Die Linke durch den Verfassungsschutz beobachten. Das Innenministerium des Saarlandes teilte im Januar 2008 als erstes fĂŒr den Verfassungsschutz zustĂ€ndiges Ministerium in Westdeutschland mit, seine Beobachtung einzustellen.[66] Der saarlĂ€ndische VerfassungsschutzprĂ€sident Helmut Albert begrĂŒndete dies damit, dass es keine Anhaltspunkte mehr fĂŒr ein verfassungswidriges Wirken der Linken gebe. Aus Sicht seiner Behörde handele es sich um eine Partei linkssozialdemokratischen Zuschnitts.[67] Der baden-wĂŒrttembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) wollte weiterhin an einer Beobachtung festhalten: âIch bezweifle, ob Die Linke ĂŒberhaupt auf dem Boden unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung steht.â Was auf dem Vereinigungsparteitag von WASG und Linkspartei gesagt wurde, sei aus seiner Sicht âerschreckendâ.[68] Der niedersĂ€chsische Innenminister Uwe SchĂŒnemann (CDU) ordnete im Juli 2008 in seinem Land eine verstĂ€rkte Beobachtung der Partei an, da sie âgemeinsame Sache mit gewaltbereiten Autonomen und Kommunistenâ mache.[69] Die Landesbehörden fĂŒr Verfassungsschutz sind sich jedoch momentan noch uneinig, ob Die Linke beobachtet werden soll. In den ostdeutschen LĂ€ndern sehen die LandesĂ€mter von einer generellen Beobachtung der Linken ab, da fĂŒr sie keine Anzeichen eines verfassungsfeindlichen Verhaltens der Gesamtpartei vorliegen. Lediglich die Kommunistische Plattform wird auch in drei LĂ€ndern Ostdeutschlands beobachtet.[68] Einige Landesbehörden in den alten LĂ€ndern wollen eine gemeinsame Entscheidung aller LandesĂ€mter und des Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz abwarten.
AuĂerdem wurden 2007 einzelne Mitglieder der Partei gesondert durch den Verfassungsschutz beobachtet. Nach der ParteigrĂŒndung kĂŒndigte der Fraktionsvize der Bundestagsfraktion, Bodo Ramelow, deshalb eine Organklage vor dem Bundesverfassungsgericht an, welche am 20. Juni 2007 eingereicht wurde.[70] DarĂŒber hinaus werden von Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz âSachaktenâ ĂŒber alle Mitglieder der Bundestagsfraktion gefĂŒhrt mit Informationen aus öffentlich zugĂ€nglichen Quellen. Die Akte enthĂ€lt unter anderem biografische Daten der Abgeordneten, deren Funktionen innerhalb der Partei, âMitgliedschaften in extremistischen ZusammenschlĂŒssen der Parteiâ sowie âKontakte zu extremistischen Gruppierungenâ.[71] Am 17. Januar 2008 stellte das Verwaltungsgericht Köln[72] in einem anderen Verfahren die Rechtswidrigkeit der persönlichen Beobachtung des Abgeordneten Ramelow fest. Im betreffendem Urteil betonte das Gericht jedoch, dass es sich dabei nicht um ein Grundsatzurteil darĂŒber handele, ob der Verfassungsschutz Informationen ĂŒber Landtags- oder Bundestagsabgeordnete im Allgemeinen, sowie die Mitglieder der betreffenden Fraktionen der Linken im Besonderen, sammeln dĂŒrfe.[73] Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig erklĂ€rte hingegen am 21. Juli 2010 die Beobachtung Ramelows durch allgemein zugĂ€ngliche Quellen fĂŒr verhĂ€ltnismĂ€Ăig und angemessen. Als BegrĂŒndung wurde seine TĂ€tigkeit als fĂŒhrender FunktionĂ€r der Partei Die Linke genannt, bei der auch die Vorinstanz Anhaltspunkte fĂŒr verfassungsfeindliche Bestrebungen sah. Die Gefahren bei der Beobachtung von Parlamentsmitgliedern seien gemindert durch die lediglich offene Beobachtung und gerechtfertigt durch das besondere Gewicht des Schutzes der freiheitlichen demokratischen Grundordnung.[74] Ramelow kĂŒndigte Verfassungsbeschwerde gegen das Urteil an.[75]
2012 wurde in einem Bericht des Spiegels bekannt, dass 27 Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion und damit mehr als einem Drittel der Abgeordneten der Linksfraktion gesondert durch den Verfassungsschutz beobachtet werden. Unter den Beobachteten befindet sich fast die gesamte FĂŒhrungselite der Bundestagsfraktion: Der Fraktionsvorsitzende Gysi und dessen erste Stellvertreterin Wagenknecht, die Mitglieder des Fraktionsvorstands Bartsch und Korte, die parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Enkelmann, die Bundesvorsitzende Lötzsch und deren Stellvertreterin Wawzyniak. Dazu die BundestagsvizeprĂ€sidentin Pau.[76]Das AusmaĂ der Beobachtung ist umstritten und wurde von Politikern von FDP, SPD, GrĂŒnen und der CDU kritisiert.[77][78][79][80][81][82][83][84][85][86]
Die Partei Die Linke entstand aus der Verschmelzung der Linkspartei.PDS, die bis 1989 unter dem Namen Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) als regierende Staatspartei der DDR fungierte, und der WASG, die 2004 regierungskritische SPD-Mitglieder und Gewerkschafter zunĂ€chst als Verein grĂŒndeten. Die Partei sieht sich âin einer parteipolitischen Traditionslinie, die auf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zurĂŒckreichtâ.[20]
Die Linkspartei.PDS war aus der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands hervorgegangen, die ihrerseits 1946 im Zuge der Zwangsvereinigung von SPD und KPD in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone gegrĂŒndet worden war. Von 1949 bis 1989 war die SED die regierende Staatspartei der Deutschen Demokratischen Republik. WĂ€hrend der Wendezeit 1989/90 benannte sich die Partei zunĂ€chst in SED-PDS, am 4. Februar 1990 â nach personellem und inhaltlichem Wandel â dann in Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) um. Am 17. Juli 2005 erfolgte die Umbenennung in Linkspartei.PDS.
Vorsitzender der PDS wurde zunĂ€chst Gregor Gysi. Bei der ersten freien Volkskammerwahl in der DDR am 18. MĂ€rz 1990 erreichte sie 16,4 %. Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 kam sie auf 2,4 %. Da Osten und Westen getrennte Wahlgebiete gebildet hatten und mit 11 % im Osten die FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde ĂŒberwunden werden konnte, war die PDS zunĂ€chst mit 17 Abgeordneten vertreten. Einen Ost-Berliner Wahlkreis hatte sie direkt gewinnen können. Bei den Landtagswahlen in den neuen BundeslĂ€ndern ThĂŒringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie in Berlin war sie mit jeweils zwischen rund 10 und 15 % ebenfalls erfolgreich. 1993 löste Lothar Bisky Gysi als Vorsitzenden ab. Bei der Bundestagswahl 1994 konnte die Partei ihr Ergebnis auf 4,4 % steigern. Da sie in Ost-Berlin vier Direktmandate erringen konnte, zog sie erneut mit diesmal 30 Abgeordneten in den Bundestag ein. In den ostdeutschen BundeslĂ€ndern entwickelte sich die PDS zunehmend zur Volkspartei und erzielte ab Mitte der 1990er Jahre meist Wahlergebnisse von ĂŒber 20 %. Um die Jahrtausendwende wurde sie dort teilweise zweitstĂ€rkste Partei.
Bei der Bundestagswahl 1998 ĂŒberwand die Partei mit 5,1 % erstmals die FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde und konnte Fraktionsstatus im Bundestag beanspruchen. Bisky trat 2000 vom Bundesvorsitz zurĂŒck; Nachfolgerin wurde Gabi Zimmer. Im Osten mittlerweile Volkspartei geworden, war der Zuspruch der PDS im Westen nach wie vor gering; ĂŒber Achtungserfolge kam sie dort nicht hinaus, wenngleich sie vereinzelt frĂŒhere SPD-WĂ€hler fĂŒr sich gewinnen konnte. Nachdem sie bei der Bundestagswahl 2002 mit 4,0 % an der HĂŒrde gescheitert war, war sie nur noch mit zwei direkt gewĂ€hlten Abgeordneten vertreten. 2003 trat Gabi Zimmer im Zuge einer schweren innerparteilichen Krise â ausgelöst durch den verfehlten Einzug von 2002 â zurĂŒck und Bisky wurde erneut Vorsitzender. Im Superwahljahr 2004 trat eine Konsolidierung ein. Im Zuge der Proteste gegen die Agenda 2010 und insbesondere die Hartz-Reformen konnte die PDS ihre besten Wahlergebnisse seit dem Ende der DDR erreichen.
Aus Protest gegen die 2003 von der SPD unter Bundeskanzler Gerhard Schröder beschlossene Agenda 2010 formierten sich Anfang 2004 zunĂ€chst unabhĂ€ngig voneinander in Norddeutschland die Wahlalternative 2006 unter dem Wirtschaftswissenschaftler Axel Troost sowie in SĂŒddeutschland die Initiative Arbeit und soziale Gerechtigkeit um den GewerkschaftsfunktionĂ€r Klaus Ernst, der bis dahin Mitglied der SPD gewesen war. Im Juli desselben Jahres schlossen sich beide Organisationen zur Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) zusammen.
Im Januar 2005 ging aus dem Verein die Partei Arbeit & soziale Gerechtigkeit â Die Wahlalternative (ASG) hervor. Da das KĂŒrzel ASG bereits vergeben war, musste die neu gegrĂŒndete Partei ihre Kurzbezeichnung in WASG umĂ€ndern. Im Mai trat sie zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen an. Dort erreichte sie unerwartet mit 2,2 % einen Achtungserfolg.
Wenige Tage spĂ€ter trat Oskar Lafontaine aus der SPD aus, nachdem es bereits seit seinem RĂŒcktritt als Bundesfinanzminister im MĂ€rz 1999 zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen ihm und der Partei gekommen war. Lafontaine, der bereits zuvor seine Sympathien fĂŒr die WASG kundgetan hatte, brachte zur vorgezogenen Bundestagswahl ein BĂŒndnis aus PDS und WASG in ErwĂ€gung, das zwei Monate spĂ€ter schlieĂlich zustande kam.
Vor der Fusion[87] war die PDS eher in Ostdeutschland verankert. Der Prozess zur Bildung einer gesamtdeutschen linken Partei begann dann im Jahre 2004, als regierungskritische SPD-Mitglieder und Gewerkschafter zunĂ€chst den eher westdeutsch geprĂ€gten Verein Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit grĂŒndeten, der im Januar 2005 in die Partei WASG umgewandelt wurde.
Im Juni einigten sich PDS und WASG, bei der Bundestagswahl 2005 nicht zu konkurrieren.[88] Zu Spitzenkandidaten wurden die spÀteren Fraktionsvorsitzenden Gysi und Lafontaine gewÀhlt.
Im Juli nahm die PDS eine Umbenennung in Linkspartei.PDS vor. Bei der Wahl am 18. September 2005 erreichte das LinksbĂŒndnis 8,7 % der Stimmen und wurde somit im Bundestag die viertstĂ€rkste Kraft. Die GewĂ€hlten grĂŒndeten im Bundestag eine gemeinsame Fraktion.
Am 16. Juni 2007 fand schlieĂlich der GrĂŒndungsparteitag der Partei Die Linke in Berlin statt.[89] Bei der dortigen Abstimmung ĂŒber die GrĂŒndung der Partei stimmte ein Delegierter dagegen, zwei enthielten sich.
2006 trat die WASG bei den Landtagswahlen in Baden-WĂŒrttemberg, Rheinland-Pfalz, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern an, scheiterte jedoch ĂŒberall an der FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde. Im MĂ€rz 2007 wurden auf einem Doppelparteitag der Linkspartei.PDS und der WASG in Dortmund endgĂŒltig die Weichen fĂŒr eine Fusion gestellt. 96,9 % der Delegierten der Linkspartei sowie 87,7 % der WASG stimmten fĂŒr die Fusion. Bei einer darauf folgenden Urabstimmung stimmten 96,9 % der Mitglieder der Linkspartei und 83,9 % der WASG-Mitglieder fĂŒr die Fusion. Am 16. Juni 2007 verschmolz die bis dahin eigenstĂ€ndige WASG mit der Linkspartei.PDS, wobei es parteiintern teilweise Widerstand gegen das Prozedere gab.
Die neu gegrĂŒndete Partei verzeichnete zunĂ€chst eine Reihe von Wahlerfolgen. Bereits einen Monat vor der Fusion erzielte das LinksbĂŒndnis in Bremen 8,4 % und zog als viertstĂ€rkste Partei in die dortige BĂŒrgerschaft ein. Von 2008 bis 2010 ĂŒberwand sie â einzige Ausnahme bildete die bayerische Landtagswahl von 2008 â bei jeder ĂŒberregionalen Wahl die FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde. In Hessen erklĂ€rte sie sich 2008 nach der Landtagswahl bereit, eine rot-grĂŒne Minderheitsheitsregierung unter Andrea Ypsilanti (SPD) zu tolerieren, da durch ihren Einzug weder Rot-GrĂŒn noch Schwarz-Gelb eine Mehrheit erreicht hatten. Da Ypsilanti im Wahlkampf jede Zusammenarbeit mit der Linken ausgeschlossen hatte, wurde ihre Kehrtwende im MĂ€rz des Jahres in den Medien als âWortbruchâ scharf kritisiert. Im November scheiterte dieses Vorhaben endgĂŒltig, da vier SPD-Abgeordnete aus GewissensgrĂŒnden ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr dieses Projekt verweigerten. Bei der Neuwahl 2009 spielte die Linke trotz erneuten Einzugs keine Rolle bei der Regierungsbildung, da CDU und FDP eine breite Mehrheit erzielten.
Eher durchwachsen fiel das Ergebnis bei der Europawahl 2009 mit 7,5 % aus, was parteiintern kurzzeitig fĂŒr Konfusion sorgte. In ThĂŒringen erzielte die Partei unter FĂŒhrung ihres Spitzenkandidaten Bodo Ramelow mit 27,4 % ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl, womit sie vergleichsweise knapp hinter der CDU (31,2 %) landete. ZunĂ€chst wurden zusammen mit SPD und Bâ90/GrĂŒne GesprĂ€che ĂŒber eine rot-rot-grĂŒne Koalition gefĂŒhrt, innerhalb derer die Linke die stĂ€rkste Partei gewesen wĂ€re. Jedoch entschied sich die ThĂŒringer SPD fĂŒr eine Koalition mit der CDU. Bei der Landtagswahl im Saarland, bei der Lafontaine Spitzenkandidat war, erzielte die Partei 21,3 % und wurde nur knapp hinter der SPD drittstĂ€rkste Partei. Nachdem zunĂ€chst auch im Saarland alles auf ein rot-rot-grĂŒnes BĂŒndnis hingedeutet hatte, bevorzugten die GrĂŒnen, die bei dieser Wahl das ZĂŒnglein an der Waage wurden, eine Jamaika-Koalition mit CDU und FDP. Bei der Bundestagswahl im selben Jahr steigerte Die Linke sich auf 11,9 % und 76 Sitze. Bei der gleichzeitig mit der Bundestagswahl stattfindenden Landtagswahl in Brandenburg konnte die Partei mit ihrer Spitzenkandidatin Kerstin Kaiser mit 27,2 % ihr bislang zweitbestes Landtagswahlergebnis erringen. Zudem ging die brandenburgische SPD nach der Wahl eine Regierungskoalition mit der Linken ein. Weiterhin erreichte die Partei in Schleswig-Holstein erstmals den Landtagseinzug.
Zum Jahreswechsel 2009/2010 erklĂ€rte Lafontaine aufgrund einer Krebserkrankung, sich aus der Bundespolitik zurĂŒckzuziehen. Aus diesem Grund legte er Anfang 2010 sein Bundestagsmandat nieder und trat in der Jahresmitte vom Parteivorsitz zurĂŒck. Neue Vorsitzende wurden Klaus Ernst und Gesine Lötzsch. Durch ihren Einzug in Nordrhein-Westfalen verfehlten SPD und GrĂŒne knapp die Mehrheit im dortigen Landtag, weshalb letztere eine lose Zusammenarbeit im Landtag mit der Linken vereinbarten, nachdem zuvor Koalitionsverhandlungen gescheitert waren.
Durch den Wechsel in der ParteifĂŒhrung kamen innerhalb der Partei zunehmend Turbulenzen auf. Lötzsch geriet ins Kreuzfeuer der Kritik, als sie Anfang 2011 in der Tageszeitung junge Welt einen Artikel ĂŒber âWege zum Kommunismusâ verfasste. Bei den Landtagswahlen 2011 fielen die Ergebnisse wechselhaft aus. WĂ€hrend in Hamburg und in Sachsen-Anhalt die Wahlergebnisse stabilisiert werden konnten und in letzterem die Position als zweitstĂ€rkste Partei gefestigt wurde, verfehlte sie in Baden-WĂŒrttemberg und Rheinland-Pfalz mit jeweils rund 3 % den Einzug in die entsprechenden Landtage. In Bremen gelang ihr trotz deutlicher Stimmenverluste ebenfalls die parlamentarische Verteidigung, obwohl es im dortigen Landesverband in den Jahren zuvor zu Querelen gekommen war, in Folge derer zwei Abgeordnete die Fraktion verlassen hatten.
Im August desselben Jahres kam im Landesverband Mecklenburg-Vorpommern Unruhe auf, da mehrere Mitglieder den Mauerbau, der sich zum fĂŒnfzigsten Mal jĂ€hrte, verteidigten. Wenig spĂ€ter sorgten Lötzsch und Ernst fĂŒr Schlagzeilen, als sie einen Brief mit GlĂŒckwĂŒnschen an den frĂŒheren kubanischen Staatschef Fidel Castro anlĂ€sslich dessen 85. Geburtstags verfassten. Beide VorgĂ€nge wurden aufgrund der im September bevorstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin parteiintern sehr kontrovers diskutiert.[90]
Die Geschichte und die Vergangenheit dieser zwei Parteien und ihrer VorgĂ€ngerorganisationen bis zu ihrer Verschmelzung ist Bestandteil der Geschichte der Partei Die Linke. Die politischen Wurzeln reichen ĂŒber SED, PDS bzw. SPD hinaus bis zur KPD, VKPD, USPD, Spartakusbund, SDAP, ADAV und der deutschen Arbeiterbewegung.
Rechtlich gesehen sind SED, PDS, Linkspartei und Die Linke dieselbe juristische Person.[91] Wegen der deutlichen politischen, programmatischen und personellen Unterschiede wird zuweilen der Begriff âNachfolgeparteiâ verwendet. Die Linke sieht sich selbst als âRechtsnachfolgerin der SEDâ[91] und setzt sich mit der Geschichte und den daraus resultierenden Anfragen und VorwĂŒrfen auseinander. Ăhnlich der PDS wurde auch in der Partei Die Linke eine Historische Kommission eingerichtet. Neben der allgemeinen Geschichte der Arbeiterbewegung, der Gewerkschaften, der Sozialdemokratie und des Kommunismus nimmt die BeschĂ€ftigung mit der DDR- und SED-Geschichte einen Schwerpunkt ein. Mitglieder sind unter anderem der Historiker und DDR-Oppositionelle Thomas Klein, der Historiker Mario KeĂler, beide vom Zentrum fĂŒr Zeithistorische Forschung in Potsdam, der Wirtschaftshistoriker Jörg Roesler und der Bundestagsabgeordnete und Historiker Jan Korte.[92]
Von Teilen der Ăffentlichkeit wird der Linken vorgeworfen, ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit (MfS) in höheren Ămtern zu dulden. So saĂen und sitzen fĂŒr die PDS und Die Linke ehemalige MfS-Mitarbeiter in den Parlamenten von der Kommunal- bis zur Bundesebene.
VorwĂŒrfe der MfS-TĂ€tigkeit bestehen auch gegen hochrangige Mitglieder der Partei, wie beispielsweise gegen den ehemaligen Parteivorsitzenden Bisky oder den Fraktionsvorsitzenden im Bundestag Gysi, die jedoch nicht juristisch nachgewiesen werden konnten. Mit dem Linken-Abgeordneten Lutz Heilmann saĂ zudem erstmals ein hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit im Bundestag. 2009 wurde in Brandenburg erst nach der Landtagswahl durch Medienberichte die MfS-TĂ€tigkeit von drei Landtagsabgeordneten der Linken bekannt. Die Zahl der ehemaligen MfS-Mitarbeiter in der Fraktion erhöhte sich damit auf sieben, die MfS-TĂ€tigkeit von vier weiteren Linke-Abgeordneten war bereits vor der Wahl bekannt. Dies fĂŒhrte zu Diskussionen ĂŒber die FortfĂŒhrung der rot-roten Landesregierung.
Schon Anfang der 1990er Jahre wurde in der PDS ĂŒber den Umgang mit ehemaligen Mitarbeitern des MfS debattiert. Nach der Offenlegung der StasitĂ€tigkeit des frĂŒheren Berliner Parteivorsitzenden Wolfram Adolphi nahm ein Berliner Landesparteitag einen Antrag mit dem Titel âZur konsequenten, offenen und öffentlichen Auseinandersetzung mit der Problematik Staatssicherheitâ an. Dieser sah vor, dass Parteimitglieder, die mit dem MfS zusammengearbeitet haben, diese TĂ€tigkeit vor Ăbernahme eines Parteiamts oder eines Mandats in Volksvertretungen offenzulegen hatten. Im Falle, dass ein Mitglied dem nicht nachkam, war der Ausschluss aus der Fraktion vorgesehen.[93] Die Bundespartei ĂŒbernahm spĂ€ter den Berliner Beschluss. Nach Problemen mit der Umsetzung und Diskussionen in der Partei, lockerte schon der nĂ€chste Parteitag die Regelung. Seither folgt auf eine nicht bekannt gemachte MfS-TĂ€tigkeit nicht mehr automatisch ein Ausschluss aus dem Wahlgremium. Stattdessen entscheidet ein Parteigremium, beispielsweise ein Parteitag oder Vorstand, ĂŒber weitere Schritte.[94] So ĂŒberstand beispielsweise Lutz Heilmann nach seiner bekannt gewordenen TĂ€tigkeit fĂŒr das MfS eine Vertrauensabstimmung in seinem Landesverband knapp und wurde nicht aus der Bundestagsfraktion ausgeschlossen. In Brandenburg wurden die ehemaligen Mitarbeiter des MfS, die dies nicht vor der Wahl bekannt gegeben hatten, zum Mandatsverzicht aufgefordert. Die betroffenen Abgeordneten kamen dieser Forderung nach oder wurden andernfalls aus der Fraktion ausgeschlossen.
Die GrĂŒndung der Deutschen Demokratischen Republik wird als legitimer Versuch angesehen, ânach dem alliierten Sieg ĂŒber Nazi-Deutschland ein Wiedererstarken sozialer AntriebskrĂ€fte des Nationalsozialismus zu verhindernâ und einen âsozialistischen Staat auf deutschem Boden aufzubauenâ, wobei der Versuch als gescheitert beschrieben wird. BegrĂŒndet wird das Scheitern mit inneren GrĂŒnden wie dem Demokratiemangel, der Missachtung von BĂŒrgerrechten und einem mangelhaften Wirtschaftssystem sowie mit Ă€uĂeren GrĂŒnden wie der Blockkonfrontation und dem Kalten Krieg.[95]
Bei der Bundestagswahl 2009 gewann die Partei 11,9 Prozent der Zweitstimmen. Daneben konnte sie 16 Direktmandate aus fĂŒnf LĂ€ndern (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und ThĂŒringen) gewinnen und im Vergleich mit der Bundestagswahl 2005 deutlich gestĂ€rkt in den Bundestag einziehen. In den LĂ€ndern Sachsen-Anhalt und Brandenburg wurde Die Linke bei der Bundestagswahl stĂ€rkste Partei vor SPD und CDU. Seit der Bundestagswahl 2009 ist die Partei mit 76 Abgeordneten im Deutschen Bundestag vertreten, darunter 40 Frauen und 36 MĂ€nner.
Die Linke ist in 13 Landtagen vertreten. Keine Abgeordneten gibt es in Baden-WĂŒrttemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern, wo die Partei jeweils an der FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde scheiterte und auch keine Direktmandate erlangen konnte. Die stĂ€rksten Fraktionen (>20 Prozent der Stimmen) finden sich in den Landtagen von Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, ThĂŒringen und dem Saarland. Im Saarland zog Die Linke erstmals in ein Parlament eines alten Bundeslandes mit einem zweistelligen Ergebnis ein und konnte mit 21,3 Prozent sogar die 20-Prozent-Marke ĂŒberschreiten.
Mit einer Ausnahme befindet sich die Partei in den LÀnderparlamenten, in denen sie Fraktionen stellt, in der Opposition. In Brandenburg ist Die Linke als Juniorpartnerin an der rot-roten Koalition beteiligt. Unter MinisterprÀsident Matthias Platzeck (SPD) besetzt Helmuth Markov die Position des stellvertretenden MinisterprÀsidenten von Brandenburg.
Daneben stellt Die Linke den Landrat der Landkreise Wittenberg und Vorpommern-Greifswald sowie hauptamtliche OberbĂŒrgermeister und BĂŒrgermeister in einer Reihe von kleineren StĂ€dten, in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns Schwerin und in einigen Berliner Bezirken.
Ăber die Listen der PDS und der Partei Die Linke zogen DKP-Mitglieder in rund 20 vorwiegend kommunale Parlamente ein.[96] Die Abgeordnete Christel Wegner, die auf diese Weise als DKP-Mitglied in den niedersĂ€chsischen Landtag gewĂ€hlt worden war, wurde am 18. Februar 2008 aufgrund umstrittener ĂuĂerungen aus der Linksfraktion ausgeschlossen.
Auch im Hinblick auf diesen Vorfall wurden auf dem 1. Parteitag in Cottbus neue Kriterien fĂŒr Kandidaturen verabschiedet.[97] Danach können parteiungebundene Persönlichkeiten weiterhin auf den Listen der Partei als Kandidaten aufgestellt werden, wenn sie den âProgrammatischen Eckpunktenâ[8] und den Wahlprogrammen der Partei verpflichtet sind und den dort formulierten GrundsĂ€tzen nahe stehen.[98] Die Kandidatur von Mitgliedern anderer Parteien, damit auch der DKP, ist jedoch fĂŒr Landtags-, Bundestags- sowie Europawahlen ausgeschlossen.
Die Linke erzielte ĂŒberwiegend im Osten und im Saarland hohe Ergebnisse (ĂŒber 20 %). Sie ist im Norden Westdeutschlands stĂ€rker als im SĂŒden. Seit der Vereinigung von Linkspartei.PDS und WASG zur Partei Die Linke trat diese bei 17 Landtagswahlen an und konnte in 14 davon in den Landtag einziehen.
| in Prozent | in Mandaten | Anmerkungen | |
| BĂŒrgerschaftswahl in Bremen 2007 | 8,4 % | 7 (von 83) | erstmals als Partei Die Linke angetreten und der erstmalige Einzug in ein westdeutsches Landesparlament |
| Landtagswahl in Hessen 2008 | 5,1 % | 6 (von 110) | erstmaliger Einzug in den Landtag |
| Landtagswahl in Niedersachsen 2008 | 7,1 % | 11 (von 152) | erstmaliger Einzug in den Landtag |
| BĂŒrgerschaftswahl in Hamburg 2008 | 6,4 % | 8 (von 121) | erstmaliger Einzug in die BĂŒrgerschaft |
| Landtagswahl in Bayern 2008 | 4,4 % | â | nicht im Landtag vertreten |
| Landtagswahl in Hessen 2009 | 5,4 % | 6 (von 110) | erstmals Wiedereinzug in einen Landtag eines West-Bundeslandes |
| Europawahl 2009 | 7,5 % | 8 (von 99) | zuvor als Linkspartei.PDS im EuropÀischen Parlament |
| Wahl des deutschen BundesprĂ€sidenten 2009 | 7,4 % | 91 (von 1224) | je ein Mitglied war fraktionslos bzw. erkrankt, 91 Mitglieder der Bundesversammlung stimmten fĂŒr den Kandidaten der Linken Peter Sodann |
| Landtagswahl im Saarland 2009 | 21,3 % | 11 (von 51) | erstmaliger Einzug in den Landtag |
| Landtagswahl in Sachsen 2009 | 20,6 % | 29 (von 132) | zuvor als Linkspartei.PDS im Landtag |
| Landtagswahl in ThĂŒringen 2009 | 27,4 % | 27 (von 88) | zuvor als Linkspartei.PDS im Landtag |
| Landtagswahl in Brandenburg 2009 | 27,2 % | 26 (von 88) | zuvor als Linkspartei.PDS in den Landtag gewÀhlt worden, nach der Wahl als Regierungspartei (siehe Kabinett Platzeck III) |
| Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2009 | 6,0 % | 6 (von 95) | erstmaliger Einzug in den Landtag |
| Bundestagswahl 2009 | 11,9 % | 76 (von 622) | viertstÀrkste Fraktion im Bundestag, in den LÀndern Sachsen-Anhalt mit 32,4 % und in Brandenburg mit 28,5 % war sie die stimmenstÀrkste Partei und in Bayern hatte sie mit 6,5 % das niedrigste Ergebnis bundesweit |
| Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2010 | 5,6 % | 11 (von 181) | erstmaliger Einzug in den Landtag |
| Wahl des deutschen BundesprĂ€sidenten 2010 | 10,0 % | 124 (von 1244) | 126 (1. Wahlgang) bzw. 123 (2. Wahlgang) Mitglieder der Bundesversammlung stimmten fĂŒr die Kandidatin der Linken Luc Jochimsen |
| BĂŒrgerschaftswahl in Hamburg 2011 | 6,4 % | 8 (von 121) | Wiedereinzug in die BĂŒrgerschaft |
| Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2011[99][100] | 23,7 % | 29 (von 105) | zuvor als Linkspartei.PDS im Landtag |
| Landtagswahl in Baden-WĂŒrttemberg 2011[101][102] | 2,8 % | â | zuvor als WASG angetreten; erstmals als Partei Die Linke angetreten |
| Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2011[103][104] | 3,0 % | â | zuvor als WASG angetreten; erstmals als Partei Die Linke angetreten |
| BĂŒrgerschaftswahl in Bremen 2011[105] | 5,6 % | 5 (von 83) | Wiedereinzug in die BĂŒrgerschaft |
| Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2011 | 18,4 % | 14 (von 71) | Wiedereinzug in den Landtag (vorlÀufiges amtliches Endergebnis) |
| Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2011 | 11,7 % | 20 (von 152) | Wiedereinzug in das Abgeordnetenhaus (vorlÀufiges amtliches Endergebnis) |
| BW | BY | BE | BR | HB | HH | HE | MV | NI | NW | RP | SL | SN | ST | SH | TH | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2007 | 8,4 % | |||||||||||||||
| 2008 | 4,4 % | 6,4 % | 5,1 % | 7,1 % | ||||||||||||
| 2009 | 27,2 % | 5,4 % | 21,3 % | 20,6 % | 6,0 % | 27,4 % | ||||||||||
| 2010 | 5,6 % | |||||||||||||||
| 2011 | 2,8 % | 11,7 % | 5,6 % | 6,4 % | 18,4 % | 3,0 % | 23,7 % |
| Einzug in den Landtag | |
| höchstes Ergebnis in den anderen BundeslÀndern (ohne Einzug in den Landtag) |
In der Partei Die Linke ist seit ihrer GrĂŒndung der Bundesvorsitz zwischen zwei Personen geteilt.
| Name | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | |
|---|---|---|---|
| Lothar Bisky | 16. Juni 2007 | 15. Mai 2010 | |
| Oskar Lafontaine | 16. Juni 2007 | 15. Mai 2010 | |
| Klaus Ernst | 15. Mai 2010 | amtierend | |
| Gesine Lötzsch | 15. Mai 2010 | amtierend | |
| Name | Beginn der Amtszeit | Ende der Amtszeit | Besonderheiten | |
|---|---|---|---|---|
| Oskar Lafontaine | 2005/2007* | 2009 | teilte sich den Fraktionsvorsitz mit Gregor Gysi | |
| Gregor Gysi | 2005/2007* | amtierend | seit Beginn der 17. Legislaturperiode alleiniger Fraktionschef | |
*) 2005 bis 2007 Bundestagsfraktion der Linkspartei.PDS inklusive mehrerer Mitglieder der WASG; seit 2007 Bundestagsfraktion der Partei Die Linke
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