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Die Zeit (Eigenschreibweise DIE ZEIT) ist eine ĂŒberregionale deutsche Wochenzeitung, die erstmals am 21. Februar 1946 erschien. Seit dem 1. Juli 1996 gehört die Zeit zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.[1] Sie erscheint jeden Donnerstag; an Feiertagen wird der Erscheinungstag in der Regel vorgezogen.
Erscheinungsort ist seit jeher Hamburg. Die Zeitung wendet sich an Zielgruppen mit gehobenem Bildungsstandard,[2] traditionell vor allem Akademiker bzw. BildungsbĂŒrger. Ihre politische Haltung gilt als liberal. Bei kontroversen Themen werden zur unabhĂ€ngigen Meinungsbildung des Lesers zuweilen auch unterschiedliche Positionen gegenĂŒbergestellt.
Inhaltsverzeichnis |
Die erste Ausgabe der Zeitung erschien am 21. Februar 1946 in einer Auflage von 25.000 Exemplaren als Blatt der sogenannten Lizenzpresse. Laut Allensbacher Markt- und WerbetrÀger-Analyse erreichte sie 2009 rund 2,032 Millionen Leser. Die verkaufte Auflage stagniert bei 500.000 und betrÀgt aktuell 509.933 Exemplare.[3]
Die ersten Herausgeber der Zeit waren Gerd Bucerius, Lovis H. Lorenz, Richard TĂŒngel und Ewald Schmidt di Simoni. Sie hatten bereits wĂ€hrend der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs geplant, eine bĂŒrgerliche Zeitung herauszugeben. Erster Chefredakteur wurde Ernst Samhaber. Am 1. MĂ€rz 1946 stieĂ Marion GrĂ€fin Dönhoff zur Redaktion. In wechselnden Positionen â ab 1972 bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 als Herausgeberin â prĂ€gte sie die Zeitung.
Den Schriftzug in der Titelzeile der Wochenzeitung DIE ZEIT gestaltete 1946 der aus Wien stammende JugendstilkĂŒnstler Carl Otto Czeschka. Die ursprĂŒnglich beabsichtigte Verwendung des "GroĂen Hamburger Wappens"[1] wurde jedoch als "Missbrauch eines Hoheitszeichens" vom damaligen Hamburger Senat nicht gestattet. So zeigt die Titelzeile mit Genehmigung des Bremer BĂŒrgermeisters Wilhelm Kaisen stattdessen den SchlĂŒssel des Bremer Stadtwappens.[4]
In den ersten Jahren mussten Verluste der Zeit durch die Einnahmen von Buceriusâ Illustrierter Stern ausgeglichen werden. Die Zeit war in zahlreichen Artikeln âVorreiter der Wiederbewaffnung in den fĂŒnfziger Jahrenâ mit Autoren wie dem ehemaligen Pressechef des AuswĂ€rtigen Amtes im Nationalsozialismus Paul Karl Schmidt alias Nachkriegsbestsellerautor Paul Carell, der damals in der Zeit âunter dem Pseudonym P.C. Holmâ schrieb.[5] 1955 kam es zu einer Redaktionskrise der Zeit: TĂŒngel, der inzwischen Chefredakteur geworden war, hatte einen Text des NS-Staatsrechtlers und âKronjuristen des Dritten Reichesâ Carl Schmitt veröffentlicht. Aus Protest dagegen verlieĂ Marion GrĂ€fin Dönhoff nach zehn Jahren die Redaktion. Kurz darauf versuchte TĂŒngel, den CvD Josef MĂŒller-Marein zu entlassen, nachdem dieser in einem Artikel den amerikanischen Politiker Joseph McCarthy fĂŒr dessen Kommunistenverfolgung scharf kritisiert hatte. Nach diesen Vorkommnissen wurde TĂŒngel entlassen, was die RĂŒckkehr Dönhoffs ermöglichte und gleichzeitig eine Entscheidung ĂŒber die politische Linie der Zeitung darstellte.
In der Zeit schrieben unter anderem Walter Jens (unter dem Pseudonym Momos) und Ben Witter.
Von 1985 bis 1996 war Hilde von Lang Verlegerin und von 1985 bis 1999 GeschĂ€ftsfĂŒhrerin.[6]
GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verlags ist Rainer Esser. Mit Wirkung zum 1. Juni 2009 ĂŒbernahm die von Dieter von Holtzbrinck neu gegrĂŒndete Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien) 50 % der Anteile am Zeitverlag von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Die operative FĂŒhrung von Seiten der Verlagsgruppe ĂŒbernimmt ebenfalls Dieter von Holtzbrinck.[7]
Am 1. Dezember 2010 lag der Zeit zum ersten Mal teilweise eine Beilage mit dem Titel Christ und Welt bei. Es handelt sich dabei um eine FortfĂŒhrung der Wochenzeitung Rheinischer Merkur, die seither nicht mehr eigenstĂ€ndig erscheint.
Herausgeber sind gegenwĂ€rtig Altbundeskanzler Helmut Schmidt (seit 1983) und Josef Joffe. Herausgeber bis zum 31. Januar 2010 war ebenfalls Michael Naumann.[8] DarĂŒber hinaus bezeichnet die Zeit auch die 2002 verstorbene Marion GrĂ€fin Dönhoff noch als Herausgeberin.
Chefredakteur ist Giovanni di Lorenzo, stellvertretende Chefredakteure sind Moritz MĂŒller-Wirth und Bernd Ulrich und Matthias Nass - regelmĂ€Ăiger Bilderberger seit 2007. Die Redaktion hat derzeit etwa 115 feste Angestellte und elf Ressorts (Stand Januar 2011):Die Zeitung unterhĂ€lt RedaktionsbĂŒros in Frankfurt am Main, Berlin, Dresden, London, BrĂŒssel, Paris, Moskau, Istanbul und Washington D. C. und hat Auslandskorrespondenten in Tel Aviv, Johannesburg, New York, Neu-Delhi und Peking.
Die Zeit entsteht in den Druckereien Frankfurter SocietÀts-Druckerei in Mörfelden-Walldorf, Axel Springer AG in Essen-Kettwig und Axel Springer Verlag in Ahrensburg. Der Vertrieb liegt bei Gruner + Jahr, Hamburg.
Nach der Einstellung der farbigen Zeitschriften-Beilage Zeit-Magazin 1999 wurde in der Nachfolge das Zeit-Ressort âLebenâ unter der Leitung von Andreas Lebert eingerichtet. Seit der Zeit-Ausgabe vom 24. Mai 2007 ist das Ressort wieder in eine Zeitschriften-Beilage mit Titel ZEITmagazin ausgegliedert. In dieser Beilage fĂŒhrte Giovanni di Lorenzo bis Ende Januar 2009 wöchentlich ein Kurzinterview mit Helmut Schmidt unter dem Titel âAuf eine Zigarette mit Helmut Schmidtâ. Besonders bekannt sind darin auĂerdem die wöchentlichen Kolumnen von Harald Martenstein, der meist recht sarkastisch, aber durchaus humorvoll ĂŒber âGott und die Weltâ philosophiert, sowie Wolfram Siebecks Koch-Seite.
Am 14. Oktober 2010 erschien zum 40. Geburtstag des ZEITmagazin eine JubilĂ€umsausgabe mit 100 Extra-Seiten. Sie enthĂ€lt unter anderem 40 verschiedene Titelbilder (fĂŒr jedes Lebensjahr eins).
Das Ressort âChancenâ widmet sich den Themen Ausbildung und Beruf. Den redaktionellen Seiten folgt ein umfangreicher Stellenmarkt mit den Schwerpunkten âVerwaltung und Managementâ, âGesundheitâ, âForschung und Lehreâ. Insbesondere inserieren nahezu alle UniversitĂ€ten des deutschen Sprachraums ihre Stellenausschreibungen fĂŒr Professuren in der ZEIT.
Die Ăsterreichausgabe der ZEIT startete 2005. Seitdem konnte die Auflage um rund ein Drittel auf ĂŒber 15.000 Exemplare gesteigert werden. Korrespondent und Leiter der Ăsterreichausgabe ist Joachim Riedl. Seit dem 12. Mai 2010 erscheint DIE ZEIT in Ăsterreich mit drei Regionalseiten statt wie bisher mit zwei extra Seiten. AuĂerdem wird die Ăsterreichausgabe hĂ€ufig landesspezifische Titelseiten haben.[9]
Seit November 2009 erscheint die Zeit auf zwei Seiten in einer mit ZEIT fĂŒr Sachsen betitelten sĂ€chsischen Lokalausgabe, die in einem eigens dafĂŒr eingerichteten KorrespondenzbĂŒro in Dresden produziert wird.[10]
Seit dem 4. Dezember 2008 wird fĂŒr die Leserschaft in der Schweiz eine extra Ausgabe mit zwei zusĂ€tzlichen schweizbezogenen Seiten produziert.[11] Seit dem 12. Mai 2010 ist die Seitenanzahl auf drei angestiegen.[12]
Die Artikel der Zeit und vor allen die Leitartikel auf der ersten Seite sind traditionell lĂ€nger und ausfĂŒhrlicher als etwa bei Tageszeitungen. Die Titelseite wurde zeitweise gar als âGrabplatteâ verspottet. Seit einigen Jahren sind viele Artikel jedoch deutlich kĂŒrzer sowie intensiver bebildert.
Seit dem Redesign durch Mario R. Garcia[13] werden die Ăberschriften in der Tiemann-Antiqua gesetzt, die FlieĂtexte in der Garamond, einer typischen Buchschrift, die Zeitungen sonst selten verwenden.
Das nordische Format, ein Markenzeichen der Zeit, wird seit je in Literatur und Kleinkunst â meist in satirischer Form â thematisiert: laut dem Schriftsteller Hanns Dieter HĂŒsch ist die Zeit z. B. âso groĂ, wenn man die aufschlĂ€gt, muss der Nachbar gleich zum Zahnarztâ. Das Format ist jedoch nicht gröĂer als bei einem Dutzend deutscher Tageszeitungen.
An der Diskussion um die RĂŒckkehr zur traditionellen deutschen Rechtschreibung, die der Spiegel, die SĂŒddeutsche und Bild anfĂŒhrten, beteiligte sich die Zeit nicht. Sie verwendete seit 1999 eine eigene, sowohl von der traditionellen als auch von den verschiedenen Versionen der reformierten Rechtschreibung abweichende Hausorthographie. Bis in die 1990er Jahre wurden Wörter griechischen Ursprungs wie Telephon und Photographie grundsĂ€tzlich mit ph geschrieben. GemÀà der Hausorthographie werden diese Wörter seit 2007 entsprechend den Rechtschreibempfehlungen des Dudens mit f geschrieben.
Das Internetangebot der Zeitung heiĂt Zeit Online. Die eigenstĂ€ndige Online-Redaktion berichtet seit 1996 ĂŒber das tagesaktuelle Geschehen. Derzeit arbeiten rund 70 Redakteure, Grafiker und Techniker bei der 100-prozentigen Tochter des Zeit-Verlags. Seit 2009 sitzt der gröĂte Teil der Redaktion in Berlin, lediglich Technik, Marketing und einige Verbindungsredakteure zum Blatt blieben in Hamburg.
Chefredakteur war bis Ende Februar 2008 der frĂŒhere Zeit-Redakteur Gero von Randow. Seit 1. MĂ€rz 2008 ist der Journalist Wolfgang Blau sein Nachfolger.
Der Onlineauftritt setzt inhaltlich, technisch und grafisch deutlich andere Akzente als das gedruckte Blatt: Auf der Website finden sich Themen fĂŒr eine jĂŒngere Zielgruppe. Meldungen, Analysen und HintergrundstĂŒcke werden exklusiv fĂŒr die Website geschrieben, gesprochen oder gefilmt. Seit Juni 2008 besteht eine Kooperation mit dem ZDF. Zeit Online zeigt seitdem das ZDF-Nachrichtenformat â100 Sekundenâ.[14] Die Online-BeitrĂ€ge werden dabei nicht nur von der Online-Redaktion, sondern auch von Zeit-Redakteuren und freien Autoren verfasst. Auch Artikel der gedruckten Ausgabe werden zum Teil online veröffentlicht.
Das Angebot ist in insgesamt 13 Ressorts gegliedert, wobei jeweils mehrere zu Ressortgruppen zusammengefasst sind:
Seit September 2006 gibt es eine Kooperation mit dem Berliner Tagesspiegel. Dieser gehört ebenfalls zur Verlagsgruppe Holtzbrinck. Im Rahmen der Kooperation tauschen beide Onlineangebote Texte aus. Ăhnliche Vereinbarungen gibt es mit dem Handelsblatt, (Holtzbrinck) und mit dem IT-Portal Golem.de.
Technisch basiert das gesamte Redaktionssystem auf freier Software (Zope, Apache HTTP Server, PostgreSQL). Die durch Zeit Online vorgenommenen Weiterentwicklungen werden der Entwicklergemeinde zurĂŒckgegeben.
Multimediale und nutzergenerierte Elemente wie Filme und Bildergalerien, aber auch Spiele und moderierte Leserdebatten sind Teil des Angebots. Im sogenannten Premium-Bereich gibt es ausgewÀhlte Artikel aus der gedruckten Zeit-Ausgabe als MP3-Audiodateien und die komplette Ausgabe der Wochenzeitung und des ZEITmagazin als PDF im Original-Layout sowie als an elektronische LesegerÀte angepasste ePub-Version. Alle verwendeten Dateiformate sind DRM-frei. Reine Online-Abonnements können mit monatlicher oder halbjÀhrlicher Zahlungsweise abgeschlossen werden.
Mit dem Zuender hat Zeit Online ein eigenes Netzmagazin fĂŒr die jĂŒngere Leserschaft mit einer eigenen Redaktion betrieben. Das Projekt wurde Anfang 2009 eingestellt. 2006 startete zeitgleich zum neuen Print-Magazin Zeit Campus Online, ebenfalls mit einer eigenen Redaktion. Und aus 50 Reportagen im Druckmedium entsteht seit Oktober 2007 der Zeit-Bildungskanon auch online.[15]
Am 5. Mai 2008 startete Zeit Online mit Partnern wie dem Deutschen FuĂball-Bund, dem Deutschen Feuerwehrverband, den VZ-Netzwerken schĂŒlerVZ, studiVZ und meinVZ, dem ZDF und dem Deutschen Olympischen Sportbund das Internetportal Netz gegen Nazis.[16] Das Portal erfuhr neben dieser UnterstĂŒtzung jedoch auch Kritik von publizistischer Seite, da es oberflĂ€chlich argumentiere und wenig Neues biete.[17] Am 1. Januar 2009 zog sich Die Zeit weitgehend aus dem Projekt zurĂŒck und ĂŒberlieĂ die TrĂ€gerschaft der Amadeu Antonio Stiftung. Eine nicht definierte âKooperationâ soll weiterhin bestehen.[18]
Publikumsverlage: S. Fischer Verlag | Rowohlt Verlag | Kiepenheuer & Witsch | Droemer Knaur | Argon Verlag | Scherz Verlag
Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft: Spektrum der Wissenschaft | Gehirn&Geist | Astronomie heute | Abenteuer ArchÀologie | epoc | Sterne und Weltraum
Bildung und Wissenschaft: Scientific American | J.B. Metzler | Nature
Ăberregionale Zeitungen: Die Zeit
Regionalzeitungen SaarbrĂŒcker Zeitung | Lausitzer Rundschau | Trierischer Volksfreund | SĂŒdkurier
Elektronische Medien und Services: Audible | buecher.de | e-fellows.net | Parship | Platinnetz | VZ Netzwerke
Sonstiges: Georg von Holtzbrinck-Schule fĂŒr Wirtschaftsjournalisten
53.54969444449.9985Koordinaten: 53° 32âČ 59âł N, 9° 59âČ 55âł O