Dietwil
Dietwil (schweizerdeutsch: ˈdiə.təl)[2] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Reusstal und ist die am südlichsten gelegene Gemeinde des Kantons. Früher hiess die Gemeinde zur Unterscheidung vom luzernischen Grossdietwil auch Kleindietwil oder Dietwil im Reusstal. Nicht zu verwechseln mit der bernischen Gemeinde Kleindietwil.
GeographieDas Dorf liegt rund eineinhalb Kilometer vom westlichen Ufer der Reuss entfernt auf einem Moränenhügel. Dieser befindet sich am Fusse des Ibergs, der die westliche Gemeindegrenze und zugleich die Grenze zum Seetal bildet. Die Ebene zwischen dem Dorf und dem Fluss ist völlig flach, der Fluss selbst wird durch einen Hochwasserschutzdamm und einen dahinter verlaufenden Entwässerungskanal begrenzt. Etwa zweihundert Meter vom Flussufer entfernt liegt der Weiler Eien. An den Hängen des Ibergs liegen mehrere verstreute Einzelhöfe.[3] Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 549 Hektaren, davon sind 94 Hektaren bewaldet und 49 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 538 Metern auf dem Iberg, der tiefste auf 402 Metern an der Reuss. Nachbargemeinden sind Oberrüti im Norden, Risch im Osten, Honau im Südosten, Inwil im Süden und Sins im Westen. GeschichteIm Jahr 1236 wurde Tuerwile erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Engelberg erwähnt, wobei es sich hier aber um eine Falschschreibung von Tuetwile handelt. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Tuotinwilari und bedeutet «Hofsiedlung des Tuoto».[2] Im Mittelalter gehörte das Dorf zum habsburgischen Amt Meienberg. 1415 eroberte Luzern das Amt Meienberg, musste es aber 1425 an den gemeinsamen Besitz der Eidgenossen zurückgeben. Aus den eroberten Gebieten wurden die Freien Ämter gebildet, eine Gemeine Herrschaft. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts hatte die Luzerner Familie von Moos die niedere Gerichtsbarkeit erworben. 1422 verkaufte sie diese an die Stadt Luzern, die damit einen grossen Einfluss auf das Dorf ausüben konnte, obwohl es rechtlich gesehen zum gemeinsamen Besitz der Eidgenossen gehörte. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Dietwil war eine Gemeinde im Distrikt Muri des kurzlebigen Kantons Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau. Während des Sonderbundskriegs von 1848, der schliesslich zur Gründung des schweizerischen Bundesstaates führte, hatten die Zürcher in Dietwil ihr Heerlager errichtet, als sie gegen Luzern vorrückten. Deren Anführer versuchte, Leute aus dem Dorf anzuwerben, doch die Dietwiler verhielten sich neutral und ergriffen für keine der beiden Seiten Partei. 1863 zwang der Kanton die Gemeinde Dietwil, Zigeuner einzubürgern, die während der napoleonischen Kriege aus Weissrussland geflohen waren. Bis etwa 1900 verkehrten zwei Fähren über die Reuss. Bis weit ins 20. Jahrhundert blieb Dietwil ein kleines Dorf, das hauptsächlich von der Landwirtschaft lebte. Viele Jahrzehnte lang stagnierte die Bevölkerungszahl. Doch dann sorgten die Eröffnung der Autobahn A14 in unmittelbarer Nähe sowie die Nähe zu den Agglomerationen von Luzern und Zug für einen Wachstumsschub. Das Dorf entwickelte sich zu einer Wohngemeinde und die Bevölkerungszahl nahm innerhalb von 25 Jahren um fast zwei Drittel zu. SehenswürdigkeitenDatei:Dietwil-Preghejo 250.jpg Pfarrkirche St. Jakobus Major und St. Barbara Die älteste urkundliche Erwähnung der Pfarrkirche St. Jakobus Major und St. Barbara stammt aus dem Jahr 1145, also rund hundert Jahre früher als das Dorf selbst. Das Kirchenpatronat war von 1370 bis 1806 im Besitz des Johanniterhauses in Hohenrain. 1456 erfolgte ein Neubau; aus dieser Zeit sind die Grundmauern des Kirchturms erhalten geblieben. 1780/81 wurden der elliptische Chors, das Kirchenschiff und die Seitenkapelle vollständig neu gebaut. Dadurch entstand eine Saalkirche, die als eine der ersten Kirchen im Aargau klassizistische Elemente aufweist. Der Kirche vorgelagert ist das 1780 errichtete Beinhaus, das Antonius von Padua geweiht ist.[4] WappenDie Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Geteilt von Weiss mit kreuzförmigem schwarzem Schildbeschlag und von Blau.» Die Farben Blau und Weiss erinnern an die engen Bindungen des Dorfes zur Stadt Luzern. Der kreuzförmige Schildbeschlag stammt vom Wappen der Herren von Eschenbach, den Stiftern der Dietwiler Kirche. Das Wappen wurde 1936 eingeführt.[5] BevölkerungBevölkerungsentwicklung:[6]
Am 31. Dezember 2008 lebten 1145 Menschen in Dietwil, der Ausländeranteil betrug 8,9 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 77,6 % römisch-katholisch und 11,8 % reformiert; 2,1 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 96,7 % gaben Deutsch als Hauptsprache an.[7] Politik und RechtDie Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Dietwil gehört zum Friedensrichterkreis Sins. WirtschaftIn Dietwil gibt es gemäss Betriebszählung 2005 lediglich etwa 200 Arbeitsplätze, davon 49 % in der Landwirtschaft, 9 % im Kleingewerbe und 42 % im Dienstleistungssektor.[8] Es gibt Holz- und Metallverarbeitungsbetriebe, eine Käserei und zwei grössere Gärtnereien. Der überwiegende Teil der erwerbstätigen Bevölkerung verdient seinen Lebensunterhalt allerdings in den Agglomerationen der Städte Luzern und Zug. VerkehrDie Hauptstrasse Lenzburg–Luzern führt mitten durch Dietwil. Hier verkehrt auch eine Buslinie der Gesellschaft Busbetriebe Seetal-Freiamt (seit 2004 Teil der Zugerland Verkehrsbetriebe) zwischen den Bahnhöfen Sins und Gisikon-Root. Etwas mehr als zwei Kilometer südlich liegt der Anschluss Root der Autobahn A14. BildungDie Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Sämtliche Oberstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) können in Sins besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen. WeblinksEinzelnachweise
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