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| Gründung | 3. März 1924 |
|---|---|
| Hauptsitz | Ankara |
| Behördenleitung | Mehmet Görmez |
| Haushaltsvolumen | 1.998.412.595 TL (2008) |
| Website | www.diyanet.gov.tr |
Das Diyanet İşleri Başkanlığı (deutsch Präsidium für Religionsangelegenheiten), abgekürzt mit Diyanet, ist eine staatliche Einrichtung zur Verwaltung religiöser Angelegenheiten in der Türkei. Gleichzeitig ist es die höchste islamische Autorität des Landes. Es wurde am 3. März 1924 entsprechend Gesetz Nr. 429 gegründet und ist dem Ministerpräsidialamt angegliedert.
Inhaltsverzeichnis |
Hauptartikel: Kemalismus
Nach der Niederlage im ersten Weltkrieg sollte die Türkei unter mehreren Besatzungsmächten aufgeteilt werden. Das wurde durch den türkischen Befreiungskrieg verhindert, den Mustafa Kemal anführte. Nach dem Sieg wurde am 29. Oktober 1923 die türkische Republik ausgerufen.
Nach dem Willen und der Vision von Mustafa Kemal (später Atatürk genannt) sollte sich die Türkei am Westen orientieren und so zu einem modernen Nationalstaat entwickeln. Im Laufe seiner Amtszeit führte Atatürk tiefgreifende Reformen im politischen und gesellschaftlichen System durch, um diese Vision zu erreichen. Unter anderem wurde im Jahre 1922, noch vor der Ausrufung der Republik, das Sultanat abgeschafft und am 29. Oktober 1923 das Kalifat. 1924 beseitigte die Türkei mit der Abschaffung des Amtes des Scheichülislam auch die religiösen Gerichte, und 1925 wurde im Zuge einer umfassenden „Kleiderreform“ der Fes und der Schleier verboten und die Koedukation eingeführt. Im selben Jahr wurde die islamische Zeitrechnung durch den Gregorianischen Kalender ersetzt sowie das metrische System eingeführt.
In den folgenden Jahren wurden ganze Rechtssysteme aus europäischen Ländern übernommen und den türkischen Verhältnissen angepasst. 1928 wurde die Säkularisierung ausgerufen und im gleichen Jahr die Arabische Schrift durch die Lateinische ersetzt. 1930 wurde das aktive Frauenwahlrecht eingeführt - seit 1934 dürfen sich Frauen auch selbst zur Wahl stellen (passives Frauenwahlrecht). Nur wenige der Reformen, etwa Atatürks Idee, dass in den Moscheen statt auf Arabisch nur noch auf Türkisch gebetet werden sollte, erwiesen sich als undurchführbar und wurden zurückgenommen.
Siehe auch: Geschichte der Türkei
Trotz allen Versuchen, die Bedeutung der Religion für die Gesellschaft auf der Laienebene zu schwächen, blieb der Glaube ein wichtiger Bestandteil in der türkischen Gesellschaft. Die Gefahr stieg sogar, dass die Religion durch Kreise instrumentalisiert werden könnte, auf die der Staat keinen Einfluss hatte. Daher wurde 1924 das Amt für Religiöse Angelegenheiten gegründet. Mit dieser Institution wollte der Staat die Religion kontrollieren. Daher ist die türkische Form des Laizismus weniger eine Trennung zwischen Staat und Religion, sondern vielmehr eine Unterordnung der Religion unter den Staat.
Das Diyanet in Ankara hat folgende Hauptabteilungen: Religiöse Dienste (Din Hizmet Dairesi), Religiöse Erziehung (Din Eğitim Dairesi), Wallfahrtswesen (Haç Dairesi), Religiöse Publikationen (Dinî Yayınlar Dairesi) und Außenbeziehungen (Dış İlişkiler Dairesi). In den Provinzen der Türkei ist das Amt mit dem sogenannten Müftülük, dem „Amt des Muftis“, vertreten.
Von 1992 bis 2003 war Diyanet-Präsident Mehmet Nuri Yılmaz, der in seinem Amt im Wesentlichen die kemalistische Staatsdoktrin tradiert hatte.[1] Ihm folgte ab Mai 2003 der als liberal geltende Ali Bardakoğlu und nach dessen Rücktritt im November 2010 übernahm das Amt sein Stellvertreter Mehmet Görmez.[2]
Im Jahr 2007 beschäftigte das DİB 84.195[3] Menschen, darunter waren 60.641[4] Imame. Es ist für 79.096[5] (2007) Moscheen im Lande verantwortlich und für diejenigen Moscheen im Ausland, die zur DITIB gehören. Außerhalb der Türkei ist das DİB für 1805[6] Moscheen zuständig. Das Diyanet ist für die Ausrichtung der Korankurse zuständig. Es verfasst die Freitagspredigten, entsendet Prediger, Imame und Muezzine an die Moscheen und unterhält die Gotteshäuser. Das Amt entsendet ebenfalls Räte (müşavir) und Attachés an Botschaften und Konsulate, insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland.
Die Mehrheit der Aleviten fühlt sich durch das Diyanet nicht vertreten, da das Amt nur den orthodox-sunnitischen Islam unterstützt und lehrt.
Das Diyanet vertritt eine vergleichsweise „gemäßigte“ Islam- und Koran-Auslegung – so wurden unter anderem im März 2005 zwei Frauen als Vize-Mufti in Kayseri und Istanbul ernannt.
Das „Diyanet İşleri Başkanlığı“ ist in Deutschland über die „Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“ (DITIB)[10] tätig, die ca. 900 Moscheen unterhält, und in Österreich über die „Türkisch-Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich“ (ATIB).[11] Im Sinne der Stärkung der Bande zu den zentralasiatischen Turkstaaten betreibt sie eine islamische Kulturpolitik in den Staaten Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan und Usbekistan.