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Doktor Murkes gesammeltes Schweigen ist der Titel einer Kurzgeschichte von Heinrich Böll. Erstveröffentlicht wurde sie 1955 in den Frankfurter Heften, eine erweiterte und überarbeitete Fassung erschien 1958 in dem Sammelband Doktor Murkes gesammeltes Schweigen und andere Satiren. Thema ist die intellektuelle Kontinuität zwischen NS-Ideologie und der Kultur der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik.
Heinrich Böll siedelt die Geschichte beim Rundfunk und insbesondere dessen Kulturabteilung an, die als Spielball politischer Interessen dargestellt werden. Der Intendant des Senders verhilft einem bereits zur NS-Zeit hochgelobten Intellektuellen zu einem Podium. Diesen Typus verkörpert der Literat Bur-Malottke, der plötzlich wegen „religiöser Bedenken“ darauf besteht, dass in seinen in der frühen Nachkriegszeit produzierten Vorträgen nachträglich das Wort „Gott“ durch „jenes höhere Wesen, das wir verehren“, ersetzt wird. Damit nimmt Bur-Malottke seine zur NS-Zeit opportune antikirchliche Richtung wieder auf.
Der willfährige Intendant ordnet die Maßnahme an. Die Aufgabe übernimmt der als „jung, intelligent und liebenswürdig“ beschriebene Dr. Murke, der, innerlich gegen das Ansinnen rebellierend, den Auftrag ausführt und sich lediglich mit formalen Nadelstichen gegen Bur-Malottke wehren kann.
Das titelgebende Hobby des Dr. Murke besteht darin, dass er aus Bändern herausgeschnittenes Schweigen sammelt, um es sich abends zur Erholung von der Hohlheit und Geschwätzigkeit des Mediums, also zur Seelenhygiene, vorzuspielen.
Die Geschichte wurde 1963/64 mit Dieter Hildebrandt als Dr. Murke für das Fernsehen vom Hessischen Rundfunk verfilmt; der zweite Teil der beiden Ausstrahlungen trug den Titel Doktor Murkes gesammelte Nachrufe. Die Hörspielfassung (1986 als Koproduktion von Südwestfunk und Saarländischem Rundfunk) wurde 2004 mit dem Radio-Eins-Hörspielkino-Publikumspreis ausgezeichnet.
Sie ist auch Gegenstand eines Songs der Punk-Band EA80.
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