Suche im Lexikon
Lexikon auf Ihrer Homepage Lexikon als Lesezeichen hinzufügen

Donatien Alphonse François de Sade

PortrÀt de Sades von Van Loo (~1761)

Donatien-Alphonse-François, Marquis de Sade [dɔnaˈsjɛ̃ alˈfɔ̃ːs fʀɑ̃ˈswa, maʀˌkidəˈsad] (* 2. Juni 1740 in Paris; † 2. Dezember 1814 in Charenton-Saint-Maurice bei Paris) war ein französischer Adeliger aus dem Haus Sade. Er wurde bekannt dank einer Reihe pornographischer, kirchenfeindlicher und philosophischer Romane, die er wĂ€hrend verschiedener GefĂ€ngnisaufenthalte schrieb. Sades Werke beeinflussten eine Reihe von wichtigen Bewegungen in Literatur und bildender Kunst und nahmen Freuds Prinzip von Eros und Thanatos um mehr als ein Jahrhundert vorweg. Von Sades Namen ist der Begriff Sadismus abgeleitet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft und Vornamen

Die Sades waren ein altes, wenn auch nicht mehr reiches Adelsgeschlecht der Provence, das ursprĂŒnglich den Grafentitel (französisch comte) fĂŒhrte. Der Großvater Gaspard-François de Sade verwendete als erstes Familienmitglied den höheren Titel Marquis und nannte sich Marquis de Sade oder auch Marquis de Mazan.[1] Obwohl Sades Vater den Titel Comte bevorzugte, nannte Donatien sich selbst meist Marquis de Sade.

Die korrekte Form von Sades Vornamen steht nicht völlig fest, da er verschiedentlich andere Vornamen angab:[2]

  • Seine Mutter hatte den Taufnamen Louis-Aldonse-Donatien vorgesehen. So nannte er sich auch bei einem Verhör 1768.
  • Getauft wurde er auf Donatien-Alphonse-François.
  • In seinem Ehevertrag heißt er Louis-Aldonse-Donatien.
  • WĂ€hrend der Revolutionszeit 1792 nannte er sich einfach Louis Sade.
  • 1794 gab er den Namen François-Aldonse-Donatien-Louis an.

Herkunft

Sade wurde geboren im Pariser Stadtpalast der CondĂ©s, einer Seitenlinie des Königshauses der Bourbonen, mit der seine Mutter Marie-ElĂ©onore de MaillĂ© de Carman verwandt war. Sein Vater Jean-Baptiste-François-Joseph de Sade, ein Feldmarschall und wichtiger Botschafter, hatte durch allzu offene Kritik seinen Ruf am Königshof ruiniert, war aber auch als Liebhaber bekannt und verfasste eine Reihe von Romanen und TheaterstĂŒcken, die er jedoch nie veröffentlichte.[3] Unter Donatiens zehn Onkeln und Tanten waren zwei Äbtissinnen und zwei Nonnen.[4]

Kindheit und Jugend

Seine frĂŒhe Kindheit verbrachte Sade im Pariser Stadtpalast der CondĂ©s unter Aufsicht von Charles de Bourbon-CondĂ©, comte de Charolais, einem bekannten Libertin und Pair von Frankreich, den er spĂ€ter oft in seinen Schriften erwĂ€hnt[5]. SpĂ€ter wuchs er teils bei seinem Onkel Jacques-François-Paul-Aldonce de Sade auf Schloss Saumane, teils in Paris auf, wo er von seinem zehnten bis vierzehnten Lebensjahr das CollĂšge Louis-le-Grand besuchte und anschließend eine Offiziersschule fĂŒr junge Hochadelige durchlief. Der etwa zwölfjĂ€hrige de Sade sei ein solch hĂŒbscher Junge gewesen, dass die Damen auf der Straße stehenblieben, um den Jungen anzustarren.[6] Mit 15 wurde er OffiziersanwĂ€rter und nahm ein Jahr darauf als Offizier am SiebenjĂ€hrigen Krieg (1756–1763) teil. Er wurde mehrfach befördert und errang eine Auszeichnung fĂŒr Tapferkeit vor dem Feind.

Hochzeit und erste Skandale

Anne-ProspĂšre
Gattin Renée Pélagie

ZurĂŒck in Paris, verliebte sich Sade in Anne-ProspĂšre de Montreuil, jĂŒngere Tochter aus einer sehr vermögenden Familie des hohen französischen Amtsadels. Die Montreuils hatten aber andere PlĂ€ne: sie wollten mittels einer guten Mitgift ihre Ă€ltere Tochter RenĂ©e PĂ©lagie mit einem Spross aus einer prestigereichen altadeligen Familie verheiraten. Sade, der dieses Kriterium erfĂŒllte, wurde deshalb von seinem Vater gezwungen, die Ehe 1763 zu schließen, um die finanziellen VerhĂ€ltnisse der Familie aufzubessern.

1764 erbte er vom Vater das Amt des königlichen Generalleutnants der an die Schweiz grenzenden Provinzen Bresse, Bugey, Valromey und Pays de Gex, was vor allem eine ehrenhafte Sinekure darstellte.

Sein durch die Heirat erworbener Reichtum ermöglichte es Sade, ein skandalöses Leben zu fĂŒhren, das bald selbst den Rahmen dessen sprengen sollte, was man damals bei adeligen Libertins hinzunehmen bereit war. Wie zu jener Zeit unter Angehörigen seines Standes durchaus ĂŒblich, unterhielt Sade Beziehungen zu Schauspielerinnen und Kurtisanen, wobei seinerzeit jene beiden Professionen kaum je wirklich voneinander abzugrenzen waren. Kurtisanen und Schauspielerinnen galten als "Aristokratie der Prostitution"[7] und diese Frauen scheint Sade auch stets entsprechend der damals herrschenden Etikette behandelt zu haben.

Er bedient sich aber auch Frauen aus dem einfachen Volk, die er ganz und gar nicht so schicklich behandelt, wie die Vertreterinnen der Aristokratie der Prostitution. Noch im Jahr seiner Hochzeit mit RenĂ©e PĂ©lagie kommt es in Paris zum ersten von vielen weiteren Skandalen, als Sade von einer gewissen Jeanne Testard neben Sex offenbar auch gotteslĂ€sterliche Handlungen fordert. Sade wird von Inspektor Louis Marais zum ersten Mal kurzzeitig verhaftet, wodurch Sade auf einen Mann trifft, der fĂŒr die nĂ€chsten fĂŒnfundzwanzig Jahre zu einer Art Nemesis fĂŒr ihn werden soll. Marais Polizeibericht ĂŒber den Vorfall verdanken wir auch die einzige zuverlĂ€ssige Beschreibung des jungen Ehemanns und Aristokraten. Sade sei, schrieb Inspektor Marais "von durchschnittlicher GrĂ¶ĂŸe" gewesen, hĂ€tte "blaue Augen und dunkelblondes Haar" gehabt, sein Gesicht war "oval und hĂŒbsch" und seine Figur "schlank".[8][9]

Doch selbst wenn dieser erste Skandal noch recht glimpflich fĂŒr Sade ausgeht, kann ihn dies nicht aufhalten. Er hĂ€lt wiederholt weitere Orgien in Paris und auf seinem Landsitz in Lacoste, zu denen er Angehörige beiderlei Geschlechts einesteils einlĂ€dt und entlohnt oder aufgrund seiner Stellung einfach zur Teilnahme zwingt.[10]

Aufgrund der VorwĂŒrfe einer gewissen Rose Keller, sie sei von ihm unter Vorspiegelung falscher Tatsachen entfĂŒhrt, festgesetzt und durch Auspeitschungen schwer misshandelt worden, wird Sade 1768 ein weiteres Mal verhaftet. Nachdem Sade der Frau jedoch eine EntschĂ€digung zahlte, nimmt sie von einer Klage Abstand.

1772 beschwerten sich zwei Prostituierte aus Marseille, sie seien von Sade mit Kantharidenbonbons, einem angeblichen Aphrodisiakum, vergiftet und so zu Gruppensex und Analverkehr gefĂŒgig gemacht worden.

Sade wurde deshalb angeklagt und in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Flucht und Festungshaft

Dem Prozess und der Vollstreckung der Strafe hatte er sich durch Flucht nach Italien entzogen. Hier verfasste er, nachdem er schon 1769 den Bericht einer Reise nach Holland veröffentlicht hatte, einen Bericht auch von seiner Italienreise (gedruckt 1775) und ein Buch ĂŒber Rom, Florenz und Neapel (gedruckt 1776).[11]

Da er bei seiner Flucht heimlich seine junge SchwĂ€gerin Anne-ProspĂšre, die inzwischen StiftsfrĂ€ulein (chanoinesse) geworden war, mitgenommen und dadurch entehrt hatte, ließ die Familie ihn fallen. Seine Schwiegermutter erwirkte einen königlichen Haftbefehl (lettre de cachet) gegen ihn, so dass er bei seiner RĂŒckkehr nach Paris 1777 verhaftet und ohne weiteren Prozess (denn der König war ja Oberster Richter seines Landes) in der als GefĂ€ngnis dienenden Festung Vincennes eingesperrt wurde. Wobei Sade darauf bestand, von keinem anderen als Louis Marais nach Vincennes eskortiert zu werden. Das seit 1772 anhĂ€ngige Todesurteil wurde dagegen 1778 aufgehoben.[12]

Schriftsteller hinter Gittern

Nach einem Fluchtversuch 1784 wurde er in die Pariser Stadtfestung Bastille verlegt, wo er weitere fĂŒnfeinhalb Jahre in relativer Annehmlichkeit verbrachte. Wie damals ĂŒblich zahlte seine Ehefrau fĂŒr die Haft und versorgte ihn mit allerlei Leckereien, SĂŒĂŸigkeiten, Wein und BĂŒchern.

Intellektuell waren die Jahre in Vincennes und in der Bastille durchaus fruchtbar fĂŒr Sade, da er sich BĂŒcher bringen lassen und lesen konnte.

In der Haft wurde er endgĂŒltig zum Autor. Seine zentralen Werke aus dieser Zeit sind Les cent-vingt jours de Sodome (Die 120 Tage von Sodom, begonnen wohl 1782), Aline et Valcour ou Le Roman philosophique (Reiseroman in Briefform, 1786) und Les Infortunes de la vertu (Die unglĂŒcklichen Schicksale der Tugend, philosophische ErzĂ€hlung, 1787; 1791 zum Roman ausgeweitet).

Wegen der religiösen und moralischen AnstĂ¶ĂŸigkeit dessen, was er verfasste, schrieb er jedoch ĂŒberwiegend heimlich und, um nicht durch ĂŒbermĂ€ĂŸigen Papierverbrauch aufzufallen, in winziger Schrift.

Auch zahlreiche StĂŒcke entstanden in diesen Jahren. Seine Überzeugung, ein bedeutender Dramatiker zu sein, fand jedoch keine BestĂ€tigung: Nur zwei seiner Dramen wurden, praktisch erfolglos, je zu seinen Lebzeiten aufgefĂŒhrt und auch nur eines gedruckt.

Revolution und erneute Verhaftung

Erst das Revolutionsjahr 1789 brachte eine VerĂ€nderung in seine Existenz. Einige Tage vor dem sogenannten Sturm auf die Bastille soll er der vor der Festung demonstrierenden Menge zugeschrien haben: „Sie töten die Gefangenen hier drinnen!“

Sade wurde allerdings sofort nach dem Vorfall in die Irrenanstalt von Charenton-Saint-Maurice (dem heutigen Saint-Maurice) verlegt, wobei das in einem Versteck gelagerte Manuskript der 120 Tage zurĂŒckblieb und lange Zeit verloren schien. Da er nun als geisteskrank galt, konnte seine Frau ohne Ehrverlust befĂŒrchten zu mĂŒssen, die Scheidung einreichen.

1790 wurde Sade aufgrund der politischen und rechtlichen VerÀnderungen im Gefolge der Revolution entlassen. Trotz seiner aristokratischen Herkunft schloss er sich den radikalen Jakobinern an und vertrat eine utopische Variante des Sozialismus, verweigerte dabei allerdings die Aufgabe seines Familienschlosses Lacoste in der Provence und die Herausgabe seines Familienvermögens.

Zeitweilig ĂŒbernahm er ein Richteramt, wurde PrĂ€sident der „Section des Piques“ in Paris und rettete seine Schwiegereltern vor der Guillotine, indem er sie auf eine sogenannte „LĂ€uterungsliste“ setzen ließ.[13]

WÀhrend der Terrorherrschaft 1793/94 geriet er aber ins politische Abseits, galt in seinem Richteramt als unzuverlÀssig und wurde unter dem Vorwand angeklagt, sich einstmals um den Dienst in der königlichen Garde beworben zu haben.

Er blieb mehr als ein Jahr in Haft und wurde erneut zum Tode verurteilt. Vor der Vollstreckung des Urteils bewahrte ihn der Sturz von Robespierre am 28. Juli 1794. Das neue Regime des Directoire ließ ihn nach drei Monaten frei.

Sade musste nun die Reste seines durch die Revolution dezimierten Besitzes verkaufen und lebte von GelegenheitsgeschĂ€ften, denn die diversen Werke, die er jetzt publizierte, brachten ihm selbst kaum etwas ein. Auch seine StĂŒcke blieben weiterhin unaufgefĂŒhrt, nachdem 1791 und 1792 Oxstiern und Le Suborneur keinen Erfolg gehabt hatten.

Obwohl Sade die Urheberschaft an vielen seiner Werke, mit Ausnahme der TheaterstĂŒcke und Reisebeschreibungen, bestreitet, finden jedoch vor allem die Romane Justine und Juliette in Form von Raubdrucken weite Verbreitung und werden immer wieder mit ihm in Verbindung gebracht.

Aufenthalt in Charenton und Tod

Nachdem 1801 NapolĂ©on Bonaparte die Macht ĂŒbernommen hatte, wurde Sade 1803 beschuldigt, eine Satire auf Napoleon verfasst zu haben. Er wurde erneut ohne Prozess inhaftiert und zunĂ€chst in der Irrenanstalt BicĂȘtre untergebracht. Wenige Wochen spĂ€ter lieferte man ihn in das Asyl von Charenton ein, das er bis zu seinem Tod nicht wieder verließ. Maßgeblich auf Sades erneute Verhaftung bestanden hatte Napoleons Polizeiminister Joseph FouchĂ©, der Sade in Charenton auch heimlich ĂŒberwachen ließ. Zumindest zeitweise war Sades alter Bekannter Inspektor Louis Marais an der Überwachung beteiligt.[14]

In Charenton genoss Sade zunĂ€chst eine humane Behandlung. So verfasste er die biografischen Romane La Marquise de Gange (1813 gedruckt) sowie – beide erst postum publiziert – AdĂ©laĂŻde de Brunswick, princesse de Saxe (1812) und Histoire secrĂšte d'Isabelle de BaviĂšre (1813). Zudem durfte er mit Anstaltsinsassen als Schauspielern mehrere TheaterstĂŒcke auffĂŒhren, worunter allerdings keine eigenen waren. Gegen Ende seines Lebens erhielt er auf persönliche Anordnung des Polizeiministers Joseph FouchĂ© Einzelhaft mit Isolation und Schreibverbot.[15]

Am 15. August 1808 heiratete sein jĂŒngerer Sohn Donatien-Claude Louise-Gabrielle-Laure de Sade aus einem Seitenzweig der Familie. Am 9. Juni 1809 starb sein Ă€lterer Sohn Louis-Marie.

Sade wurde in Charenton von seinem Sohn Donatien-Claude besucht.

1814 starb er im Alter von 74 Jahren. In dem Totenschein wird Sades Beruf mit "homme de lettres", also Schriftsteller angegeben.[16]

Nach Sades Tod verbrannte Donatien-Claude, der den Atheismus seines Vaters ablehnte, dessen letztes großes Werk Les journĂ©es de Florbelle ou La nature dĂ©voilĂ©e, das daher nicht erhalten ist.

Sades Grabstein enthielt die Inschrift:

„Der Du vorĂŒbergehst, knie nieder und bete neben dem unglĂŒcklichsten unter den Menschen. Er wurde im vergangenen Jahrhundert geboren und starb in diesem. Der Despotismus mit seinem grĂ€ĂŸlichen Haupt fĂŒhrte zu allen Zeiten Krieg gegen ihn. Unter den Königen bemĂ€chtigte sich dieses Scheusal seines ganzen Lebens. Unter der Schreckensherrschaft ĂŒberlebte es und trieb Sade an den Rand des Abgrunds. Unter dem Konsulat kehrte es zurĂŒck, und wieder ist Sade sein Opfer.“[17]

Das Grab ist heute nicht mehr lokalisierbar, obwohl Maurice Heine in den 1920er Jahren noch fÀhig war, die Inschrift zu entziffern.[18]

Nachfahren

Unter seinen Nachfahren wurde Sade innerhalb der Familie ein Tabuthema. Erst im 20. Jhd. bekannte sich Xavier de Sade erstmals wieder zu seinem Vorfahren, öffnete das Familienarchiv fĂŒr Forscher und trug auch wieder öffentlich den Titel des Marquis.[19]

Obwohl es einige Kupferstiche gibt, die vorgeben, Sade zu zeigen, kann bislang kein authentisches Bild von ihm nachgewiesen werden.

Literarisches Schaffen

Illustration einer niederlÀndischen Ausgabe von Juliette von de Sade, ca. 1800.
Illustration aus der Ausgabe von Aline und Valcour von 1795.

Sade, der die Schriftstellerei 1769 mit Reiseschilderungen begonnen hatte, intensivierte nach der Inhaftierung seine TĂ€tigkeit als Autor. 1782 stellte er den Dialog zwischen einem Priester und einem Sterbenden fertig, in dem ein sterbender Freigeist einen Priester von dem Unwert eines gottesfĂŒrchtigen Lebens ĂŒberzeugen kann.

Sades Schicksal, nicht die Frau, die er liebte, heiraten zu dĂŒrfen, inspirierte sein erstes großes Werk, den Briefroman Aline und Valcour (verfasst 1785-88, veröffentlicht 1795). Er geht aber weit ĂŒber das Anfangsthema hinaus und ist eine Art Kompendium aufklĂ€rerischer Themen und ErzĂ€hlformen, besonders bekannt ist der darin enthaltene Entwurf eines utopischen Staates: Die SĂŒdseeinsel Tamoe.

In seinem unvollendeten Episodenroman Die 120 Tage von Sodom, den er ab 1785 als Gefangener schrieb (und der erst 1904 von Iwan Bloch wiederentdeckt und 1909 veröffentlicht wurde), skizziert er eine 120-tĂ€gige Gewaltorgie und eine breite Palette sexueller Praktiken, die er von seinen Protagonisten an einer Gruppe entfĂŒhrter und versklavter Jugendlicher beiderlei Geschlechts ausfĂŒhren lĂ€sst. Der Roman wurde 1975, unter Verlegung der Handlung in die Zeit des italienischen Faschismus, von Pier Paolo Pasolini verfilmt.

1791 veröffentlichte Sade Les Infortunes de la vertu („Das Missgeschick der Tugend“), eine frĂŒhe Version des ebenfalls 1791 erschienen Buches Justine. Darin schildert de Sade das Leben eines MĂ€dchens, das trotz kontinuierlichen UnglĂŒcks unbeirrt an die Tugend glaubt. 1796 ergĂ€nzte er diesen Roman durch Juliette, die Beschreibung des Lebens von Justines Schwester, die als Kurtisane, Kriminelle und „Nichttugendhafte“ zum GlĂŒck findet. 1797 erschienen beide Romane anonym, komplett ĂŒberarbeitet, in zehn BĂ€nden mit 4000 Seiten und ĂŒber einhundert Kupferstichen unter dem Titel Die neue Justine/Geschichte von Juliette.

Weitere Werke der Revolutionszeit waren Die Philosophie im Boudoir (1795) mit dem politischen Pamphlet Franzosen, noch eine Anstrengung, wenn ihr Republikaner sein wollt, die ErzĂ€hlungssammlung Verbrechen der Liebe (1800) und eine Reihe von TheaterstĂŒcken. In der Irrenanstalt von Charenton verfasste de Sade die biografischen Romane La Marquise de Gange (1813 gedruckt) sowie – beide erst posthum publiziert – AdĂ©laĂŻde de Brunswick, princesse de Saxe (1812) und Histoire secrĂšte d'Isabeau de BaviĂšre (die geheime Geschichte Isabellas von Bayern, 1813).

Das wohl am weitesten verbreitete seiner Werke ist Les instituteurs immoraux ou La Philosophie dans le boudoir (= die unmoralischen Lehrer oder die Philosophie im Boudoir, 1795), das 1878 auch als erster Sade-Text ins Deutsche ĂŒbersetzt wurde. Es schildert die ungefĂ€hr einen Nachmittag und Abend fĂŒllende sexuelle und intellektuelle Initiation eines adeligen jungen MĂ€dchens durch eine adelige Frau und zwei adelige MĂ€nner plus einem gut bestĂŒckten Bauernburschen, wobei die vier Hauptfiguren in den nötigen Erholungspausen philosophische GesprĂ€che fĂŒhren, in denen sich als „unmoralischer Lehrer“ der homosexuelle Hedonist und Atheist DolmancĂ© hervortut. Leitmotiv seiner Einstellung ist die wohl von d'Holbach ĂŒbernommene Vorstellung des „Rechtes des StĂ€rkeren“, das Sade interpretiert als Recht einer sozialen und geistigen Elite – letztlich der Hocharistokratie – auf eine ungehemmte Verfolgung ihres Strebens nach Lustgewinn.

Die pornografischen Passagen der Texte von Sade schildern in aller AusfĂŒhrlichkeit alle vorstellbaren sowie auch viele nur mĂŒhsam vorstellbare sexuellen Handlungen. Sade lĂ€sst sich daher nicht auf den „Sadismus“ als Menge von Praktiken reduzieren. Lustgewinn aus den Schmerzen anderer ist fĂŒr ihn nur die eindeutigste Form, wie menschliche SexualitĂ€t in allen ihren Formen strukturiert ist.

NaturgemĂ€ĂŸ hatten de Sades Schriften immer mit der Zensur zu kĂ€mpfen. So standen einige im Londoner „Verzeichnis verbotener BĂŒcher“ von Pisanus Fraxi („Index librorum prohibitorum“, London 1877). Die Philosophie im Boudoir wurde 1963 von der BundesprĂŒfstelle fĂŒr jugendgefĂ€hrdende Schriften indiziert (spĂ€ter aufgehoben).

Philosophische Position

EinflĂŒsse

Satanische EinflĂŒsse auf de Sade aus der Sicht der christlich geprĂ€gten Restaurationszeit (GemĂ€lde von 1830)

Die fĂŒr Sade wichtigsten philosophischen Quellen waren Holbach, LaMettrie, Machiavelli, Montesquieu und Voltaire. Die beiden letzten AufklĂ€rer waren persönliche Bekannte seines Vaters.[20]

Sade hat die Werke folgender Autoren gelesen (oder zumindest ausgeliehen): Bibel, Boccaccio, Cicero, Dante, Defoe, Diderot, Erasmus, diverse Geschichtswerke, Hobbes, Holbach, Homer, LaMettrie, MoliÚre, Heloise & AbÀlard, Linnaeus, Locke, Machiavelli, Martial, Milton, Mirabeau, Montaigne, Montesquieu, Morus, Pompadour, Rabelais, Racine, Radcliffe, Richelieu, Rousseau, Abbé Sade, Louis-Marie de Sade, Sallust, Seneca, Staël, Sueton, Swift, Tacitus, Vergil, Voltaire, Wolff,[21] Jean-Baptiste-François-Joseph de Sade.[22]

Am wichtigsten waren folgende Werke[21]:

Inhalte

Viele bedeutende Autoren haben sich an einer Wertung Sades versucht, darunter Arthur Rimbaud, Charles Baudelaire, Albert Camus, Simone de Beauvoir, Roland Barthes, Jacques Derrida und Michel Foucault oder Susan Sontag und Angela Carter aber auch der konservative US-amerikanische Literaturkritiker Roger Shattuck.

Die Wertung von Sades Werken erfuhr im Laufe der Zeit vielfache VerĂ€nderungen, wĂ€hrend mancher ihn auch noch im ausgehenden 20. Jahrhundert nur als „ Bluthusten der europĂ€ischen Kultur“ bezeichnete,[23] setzte sich im Laufe der Zeit, die seit seinem Tod verstrichen ist, nach und nach auch eine differenziertere Sicht auf sein Schaffen durch.[24][25][26]

Sades Texte haben jedenfalls entscheidend die kĂŒnstlerischen Bewegungen des Fin de siĂšcle, der Decadence, des Symbolismus und Surrealismus beeinflusst.[27][28]

Innerhalb der Unterhaltungsliteratur ist Sades Einfluss bis heute in der Horrorliteratur, dem modernen Nachfolger der Gothic Novel, beziehungsweise dem Horrorfilmgenre zu beobachten. WĂ€hrend Vertreter des frĂŒhen Schauerromans wie Anne Radcliffe oder auch William Beckford heute nahezu vergessen sind, blieb Sades Werk neben dem seiner Zeitgenossen Percy Bysshe Shelley, Lord Byron und Mary Shelley bis in die Moderne hinein innerhalb der Literatur und ihrer Rezeption prĂ€sent und konnte schon aus dieser PrĂ€senz heraus seinen Einfluss entfalten.[29]

Ebenfalls heute unumstritten ist Sades SelbstverstÀndnis als Vertreter der AufklÀrung. Die er, zwar nicht als erster aber als prominentester Vertreter seiner Zeit, bis in den sexuellen Bereich hinein wirksam gemacht sehen wollte. Denn zumindest Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos mit seinen "GefÀhrlichen Liebschaften" ging ihm da zeitlich voraus.[30][31]

Die bevorzugten Positionen von Sades Libertin-Protagonisten mögen Atheismus, Materialismus,[32] Naturalismus, Determinismus, Amoralismus[33] oder Ethischer Egoismus sein, doch vergaß Sade selten jedem gerade postuliertem Standpunkt auch eine Gegenmeinung gegenĂŒberzustellen. Was es schwierig macht zu einer gĂŒltigen homogenen Gesamtsicht auf diese Aspekte seines Werkes zu gelangen.

Bei Sade finden sich zwar diverse BezĂŒge, die spĂ€ter unter dem Begriff Sozialdarwinismus[34] definiert wurden, aber er propagierte auch die freie Liebe, die Gemeinschaftserziehung und setzte sich vor allem fĂŒr die Entkriminalisierung bestimmter von seinen Zeitgenossen als Perversionen angesehener Sexualpraktiken und sexuellen IdentitĂ€ten wie der BisexualitĂ€t und der HomosexualitĂ€t ein.[35][36]

Der LiteraturnobelpreistrĂ€ger Albert Camus nahm Sade jedenfalls gegen VorwĂŒrfe in Schutz, eine frĂŒhe Form des Faschismus und Totalitarismus vertreten zu haben.[35]

Angela Carter und in deren Folge Francine du Plessy Gray, in abgeschwĂ€chter Form auch Susan Sontag sahen Sade als frĂŒhen sexuellen AufklĂ€rer und VorlĂ€ufer des Feminismus.[37] Was bei ihnen vor allem durch Sades Romane „ Justine„ und „Juliette“ begrĂŒndet wird, aber auch dadurch untermauert, dass in Sades „120 Tage von Sodom“ aber auch in„ Philosophie im Boudoir“ geschlechtsneutral Übergriffe sowohl von Frauen als auch von MĂ€nnern, sowohl an Frauen als auch an MĂ€nnern verĂŒbt werden.

Wie die Journalistin und Pornoproduzentin Manuela Kay ĂŒber Sades Werke schrieb: „dass hier Frauen auch endlich das Recht eingestanden werde, genauso aggressiv, tyrannisch und grausam zu ficken wie MĂ€nner. Kurz: dass de Sade somit die SexualitĂ€t politisiert habe.“[38]

Doch neben den literarischen und philosophischen Aspekten war Sades Oeuvre vor allem im Bereich der Psychologie einesteils so einflussreich aber auch von der Fachwelt so verschmÀht wie kaum ein anderes.

Denn fast zwei Jahrhunderte bevor Sigmund Freud mit seiner Eros und Thanatos Theorie einen Zusammenhang zwischen Todestrieb und Lebenstrieb beschrieb, hatte Sade dieses PhÀnomen bereits in seinen beiden Romanen Juliette und Justine explizit untersucht und herausgestellt.[39]

Rezeption

19. Jahrhundert

Bereits zu Lebzeiten forderte Sades Werk Literaten und Kritiker zu teilweise heftigen Reaktionen heraus. Restif de la Bretonne schrieb schon 1798 einen ganzen Roman, den er ganz klar als " Antidote zu Sades Theorien " konzipierte und bezeichnenderweise Anti-Justine, ou les Delices de l’Amour nannte.[40]

Falls ĂŒberhaupt vorhanden, so wurden Sades Werke wĂ€hrend der ersten Jahre nach seinem Tod in Bibliotheken nur besonders geschĂŒtzt aufbewahrt,[41] und nicht allgemein zugĂ€nglich gemacht.[42] Der Grund dafĂŒr war wohl vor allem in deren explit sexuellem Gehalt zu suchen, aber weniger in Sades radikaler Philosophie.[43] Wenn Adorno und Horkheimer Sade daher als den umstrittensten Autor des 18. Jahrhunderts, " einen Professor des Verbrechens und Höllendoktor des Materialismus" bezeichneten, so war das in mancherlei Hinsicht womöglich sogar berechtigt.[23]

WÀhrend der Restaurationsepoche in der ersten HÀlfte des 19. Jahrhunderts wurde Sade dann vor allem wegen seiner expliziten anti-christlichen Haltung negativ bewertet, man bezichtigte ihn des Satanismus und sah in ihm nichts als einen besonders verwerflichen Pornographen.[23] Er verschwindet zwar nicht völlig aus dem Bewusstsein der literarischen Welt und wird zum Beispiel 1825 in Louis Gabriel Michauds " Biographie universelle ancienne et moderne"[44] erwÀhnt, allerdings geschieht dies in einem eindeutig abwertenden Sinne.

Auch dem scharfzĂŒngigen Stilisten und Kritiker Jules Janin[45] fĂ€llt zu Sade nichts weiter ein , als " der Geruch von Schwefel" sobald dessen Name oder Werk irgendwo erwĂ€hnt werden. Was Janin allerdings nicht davon abhĂ€lt mit L'Ăąne mort et la femme guillotinĂ©e einen Roman zu verfassen, der zwar eine seltsame Ähnlichkeit mit Sades Juliette enthĂ€lt, jedoch eben weder so ganz als bloße Satire durchgeht, noch einfach nur eine billige Kopie ist. Jedenfalls zeigt die Gestaltung der weiblichen Hauptfigur dieselben deutlich amoralischen ZĂŒge, die Janin an anderer Stelle an Sades Werk als derart abstoßend bewertet, die er hier aber als gar nicht so unsympathisch schildert.[46]

Mit der Restauration, die nach Napoleons Ende ab 1820 europaweit einsetzt, verschwindet Sades Werk nach und nach aus der öffentlichen Rezeption. Es fĂŒhrt dafĂŒr ein umso lebhafteres Eigenleben im Untergrund. Es wird von Swinburne gelesen und von Edgar Allan Poe, den es womöglich zu einigen seiner tief dĂŒsteren Geschichten wie zum Beispiel „ Die Grube und das Pendel“ angeregt haben mag. Aber auch Thomas de Quincey muss Teile von Sades Werken gekannt haben.[47]

Auch Baudelaire erwĂ€hnt Sades Werke[48] und stellt sie auch ganz bewusst in einen Zusammenhang mit Poe, dem er bescheinigt in seinen Novellen die Liebe ausgemerzt zu haben. Baudelaire schreibt ĂŒber Sade Um das Böse zu verstehen, muss man immer zu Sade zurĂŒckkehren, das heißt zum natĂŒrlichem Mann.[49]

Doch abgesehen von der literarischen Avantgarde eines Rimbaud, Baudelaire, de Quincey, Swinburne oder Edgar Allen Poe vertrat das meinungsbildende BĂŒrgertum in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts öffentlich eine ĂŒberaus prĂŒde Sexualmoral, die eine breitere, gar öffentliche, Rezeption von Sades Werken nicht zuließ.

Eine neue, teilweise positivere Bewertung erfĂ€hrt Sades Werk erst wieder mit der literarischen Strömung des Symbolismus, die von Frankreich geprĂ€gt war, etwa ab 1862 begann und spĂ€ter nach den 1920er Jahren den literarischen Surrealismus entscheidend beeinflussen sollte. In Frankreich von dem der Symbolismus seinen Anfang nahm war der Symbolismus eng mit einer Tendenz zur Dekadenz und der Kultur des Fin de siĂšcle verbunden. Sie sollte aber nicht ausschließlich damit identifiziert werden. Jetzt wird Sade, wenn auch vorsichtig, immerhin erneut öffentlich rezipiert. Auguste de Villiers de L’Isle-Adam kannte Sades Werke zumindest teilweise, genauso wie seine Bekannten Verlaine, Charles Baudelaire und Joris-Karl Huysmans. Baudelaire geht sogar soweit anzumerken, dass die Liebe, der Folter oder einem chirurgischen Eingriff sehr Ă€hnlich sei. Ein Satz, der wie viele Ă€hnliche Bemerkungen in Baudelaires Werk deutliche BezĂŒge zu Sade herstellt, wenn auch noch ohne diesen direkt zu benennen.[50]

Nach Charles Baudelaire waren Stéphane Mallarmé, Paul Verlaine, Arthur Rimbaud und Maurice Maeterlinck wichtige Vertreter des französischen Symbolismus, die sich mal offener, mal kryptischer mit Sades Werk und Philosophie auseinandersetzten.

Wobei anzumerken ist dass diese Auseinandersetzung auch beileibe nicht immer positiv ausfiel. So wandten sich zum Beispiel Joris-Karl Huysmans und Auguste de Villiers de L’Isle-Adam in spĂ€teren Lebensjahren beide einem mystizistischen Katholizismus zu, der teilweise nur sehr schwer oder ĂŒberhaupt nicht mit ihren frĂŒheren Ansichten und Werken zu vereinbaren war.[28]

Die gerade im Entstehen begriffene Arbeiterbewegung und deren intellektuelle Avantgarde konnte mit Sade als Angehörigen des Hochadels und angeblichem Apologeten einer von Eliten geprÀgten Gesellschaftsstruktur schon gar nichts anfangen.

Dennoch bleibt ĂŒber den ganzen Verlauf des 19. Jahrhunderts hinweg festzustellen, dass Sade keineswegs vergessen war oder gar unbeachtet blieb, sondern gerade auf die progressivsten und radikalsten Schriftsteller dieser Zeit erheblichen Einfluss ausĂŒbte.[51][52]

20. Jahrhundert

Im Jahre 1904 findet der Arzt Iwan Bloch Teile von Sades verschollen geglaubtem Manuskript 120 Tage von Sodom und gibt es in einer geringen Auflage angeblich als Fallstudie zu Richard von Krafft von Ebings Psychopathia sexualis heraus.[53]

Bloch tut dies ganz bewusst unter dem Pseudonym Eugen DĂŒhren. Schon im Vorwort, das er dem Buch mitgibt, kann er seine Begeisterung ĂŒber den seltsamen Fund, den er da gemacht hatte, nĂ€mlich kaum zĂŒgeln und bezeichnet Sade als den bemerkenswertesten Mann des 18. Jahrhunderts, dessen LektĂŒre fĂŒr jeden unverzichtbar sei, der sich fĂŒr die Psychologie des Menschen interessiere.[54]

Krafft–Ebing hatte 1886 in seiner Psychpathia sexualis die Begriffe Masochismus und Sadismus endgĂŒltig fĂŒr die von ihm damit verbundenen und seinerzeit noch als psychische Störungen angesehenen Sexualpraktiken durchgesetzt. Der Begriff beschreibt heute die medizinische (psychiatrische) Diagnose einer Paraphilie, bei der ein Mensch (sexuelle) Lust oder Befriedigung dadurch erlebt, dass er andere Menschen demĂŒtigt, unterdrĂŒckt oder ihnen Schmerzen zufĂŒgt. Der Wiener Psychoanalytiker Isidor Sadger prĂ€gte schließlich 1913 in seinem Artikel Über den sado-masochistischen Komplex erstmals den zusammengesetzten Begriff „Sado-Masochismus“.

Noch im Jahre 1901 warnte ein gewisser Dr. Jacobus in einem populĂ€rwissenschaftlichen Buch namens „Der Marquis de Sade und seine Werke im Lichte der Medizin und der modernen Literatur“ eindringlich vor den vermeintlich schrecklichen Auswirkungen der LektĂŒre von Sades Schriften, die zu jenem Zeitpunkt immer noch allerhöchstens als schlechte Raubkopien, teure Privatdrucke oder unter Verschluss in den „GiftschrĂ€nken“ der Bibliotheken zu haben waren.[55]

Guillaume Apollinaire, einer der BegrĂŒnder des Surrealismus, gab 1909 mit „ Das Werk des Marquis de Sade“ erstmals wieder einige wichtige Teile von Sades Werk heraus. Dem Vorwort, das er seinem Buch voranstellte, gab er den Titel „Der göttliche Marquis“ und schuf damit ein Synonym fĂŒr den Marquis de Sade, das bis heute vor allem in Frankreich und im englischen Sprachraum seine GĂŒltigkeit bewahrt hat.[56]

FĂŒr die Surrealisten galt Sade als eine zentrale Figur. Was die Vertreter des Surrealismus so an ihm anzog, war Sades unbeugsame sexuelle und geistige FreizĂŒgigkeit, seine rĂŒcksichtslose Suche nach dem absoluten VergnĂŒgen und dessen Verachtung fĂŒr die traditionellen Werte von Kirche, Kleinfamilie und Obrigkeitsstaat.[57] Guillaume Apollinaire war es auch, der den Ästheten Maurice Heine dazu brachte, das Manuskript der "120 Tage von Sodom" aus Berlin, wo es von Bloch veröffentlicht worden war, fĂŒr Sades Heimatland wieder zugĂ€nglich zu machen, was in den Jahren 1929 und 1930 wenn auch in einer sehr geringen Auflage geschah. Maurice Heine und dessen Förderer Vicomte Charles de Noailles trugen bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges weitere Schriften und Belege des Marquis de Sade aus Bibliotheken und Privatsammlungen zusammen, um sie einer Veröffentlichung zugĂ€nglich zu machen. Nach dem Tode Maurice Heines setzte der Lektor Gilbert Lely dessen Mission fort, der Sade als Moralisten betrachtete, dessen geistige Tiefe nicht einmal vom Genie eines Friedrich Nietzsche ĂŒbertroffen werde.[58]

Auch wies der Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer in einer Studie ĂŒber den deutschen Schriftsteller Ernst JĂŒnger darauf hin, dass in JĂŒngers surrealistischen Werken aus den 1920er Jahren (besonders "Das abenteuerliche Herz") EinflĂŒsse de Sades nachzuweisen sind.[59]

Seit den spĂ€ten 1920er Jahren begann man Sade generell offener zu rezipieren. Man sah ihn seither verstĂ€rkt als AufklĂ€rer denn als bloßen Pornographen.

Erich Fromm besprach 1934 fĂŒr die Zeitschrift fĂŒr Sozialforschung, dem Organ der frĂŒhen Kritischen Theorie, Geoffrey Gorers Buch The revolutionary ideas of the Marquis de Sade und sah in Sade enthusiastisch einen bedeutenden AufklĂ€rer.

Horkheimer und Adorno forderten die AufklĂ€rung der AufklĂ€rung ĂŒber sich selbst: Die von der AufklĂ€rung gegen den bloßen Glauben an die religiöse Offenbarung ins Feld gefĂŒhrte menschliche Vernunft kann sich moralfrei als zynische ZweckrationalitĂ€t gebĂ€rden und somit die humanistischen Ideale einiger AufklĂ€rer torpedieren. In Dialektik der AufklĂ€rung (1944) sehen sie Sade (mit seinem Werk Juliette) und Nietzsches als einen solchen radikalen AufklĂ€rungsphilosophen, der im Gegensatz zu Kant stehe.[31]

Der französische Schriftsteller Pierre Klossowski betrachtete 1947 in Sade mon prochain die Gedankenwelt Sades als Ausbruch aus der vom Zeitalter der AufklĂ€rung an propagierten „anthropomorphen“ Vernunft und als Versuch, eine theologische Auseinandersetzung mit der Leerstelle Gott zu fĂŒhren, und die Schwierigkeit sichtbar zu machen, eine gottlose Gesellschaft ohne Henker zu schaffen.[24]

Simone de Beauvoir hat in ihrem Essay Soll man Sade verbrennen? Sades Schriften unter dem Blickwinkel einer Philosophie der Freiheit untersucht, die dem Existenzialismus um rund 150 Jahre vorausging. Die Ideen Sades wurden in ihrem Focus auf SexualitĂ€t als treibende Kraft mitunter auch als VorlĂ€ufer der Psychoanalyse Sigmund Freuds interpretiert.[60] Doch auch sie konnte sich nicht vollstĂ€ndig der Faszination des Tabubruchs entziehen, der immer noch mit Sades Schriften verbunden war. Es sei Sades ungeheures Verdienst, die Wahrheit des Menschen gegen jeden Abwehrmechanismus der Abstraktion und Entfremdung proklamiert zu haben[61] Etwa zur selben Zeit, als Simone de Beauvoir ihren Essay veröffentlicht, rĂ€umt der NobelpreistrĂ€ger Albert Camus in seinem Text Der Mensch in der Revolte dem Marquis de Sade bemerkenswert viel Raum ein. Camus bescheinigt Sade darin in einer einzigen enormen Kriegsmaschine die Argumente der Freidenker zusammengefasst zu haben.[62] Auch wenn Camus Sade als letztlich Gescheiterten ansah, nimmt er ihn jedoch gegen diejenigen in Schutz, die den Marquis in die NĂ€he von Totalitarismus und Faschismus rĂŒcken.[63] Der Psychoanalytiker Jacques Lacan kommt zu dem Schluss, dass de Sades Ethik die komplementĂ€re ErgĂ€nzung des ursprĂŒnglich von Immanuel Kant formulierten Kategorischen Imperativs darstellt.[64]

1979 endlich beschrieb Angela Carter in The Sadeian Woman: And the Ideology of Pornography, Sade zwar als einen Terroristen der Phantasie, aber sie weist ihm auch die Erkenntnis zu, dass eine freie Frau in einer unfreien Gesellschaft zu einem Monstrum werde und arbeitet weiterhin heraus, dass Sade unter den Pornographen eindeutig Moralist sei und in seinem Werk an die Möglichkeit glauben kann, dass eines Tages das in Gestalt von Gott, König und Recht herrschende dreieinige mĂ€nnliche AutoritĂ€tssymbol einmal endgĂŒltig seinen Abschied nehmen kann.[65]

Einer Ă€hnlichen Argumentationslinie folgend verteidigte Susan Sontag sowohl Sade als auch Georges Batailles Histoire de l'oeil in ihrem 1967 erschienenen Essay "The Pornographic Imagination". Sontag vertritt hierin die Auffassung, dass die Werke beider Autoren transgressive Wunschbilder beschreiben, da in ihnen herkömmliche Gedanken und RealitĂ€ten ĂŒberschritten werden und daher nicht zensiert werden dĂŒrften.

Im Gegensatz hierzu betrachtete Andrea Dworkin de Sade als den beispielhaften frauenhassenden Pornografen, der ihre These belegte, dass Pornografie unweigerlich zu Gewalttaten gegen Frauen fĂŒhren wĂŒrde. Sie widmete 1979 ein Kapitel ihres Buches Pornography: Men Possessing Women einer Analyse Sades. Inwiefern zum Beispiel Juliettes GleichgĂŒltigkeit und Tötung ihres Vaters Ausdruck von Frauenhass statt emotionslosem Amoralismus sind, blieb unklar.

Susie Bright vertritt die These, dass Dworkins erste ErzÀhlung Ice and Fire, deren zentrale Themen Gewalt und Missbrauch sind, als eine moderne NacherzÀhlung der Juliette aufgefasst werden sollte.[66]

Das Schauspiel von Peter Weiss Die Verfolgung und Ermordung des Jean-Paul Marat, aufgefĂŒhrt von den Insassen des Asyls von Charenton unter der Regie des Marquis de Sade, oder kurz "Marat/Sade", nimmt die Figur Sades auf und benutzt sie als individualistischen und resignierten Gegenpart zu Jean-Paul Marat.

FĂŒr konservative Christen galt und gilt Sade als Beleg fĂŒr den Zusammenhang zwischen AufklĂ€rung und Amoralismus. So warnte 1980 die Katholische Akademie in Bayern auf dem Kongress "Tendenzwende" vor Sade als "aufgeklĂ€rtem Geist".[67]

Der als christlich-konservativ geltende Kulturwissenschaftler und Literaturkritiker Roger Shattuck plĂ€dierte in seinem 1996, also gegen Ende des 20. Jahrhunderts erschienenen Buch Forbidden Knowledge zwar nicht mehr dafĂŒr, Sade etwa zu verbrennen, aber auch nicht als neuen Klassiker zu feiern, sondern ihn nur Ă€ußerst vorsichtig zugĂ€nglich zu machen.[68]

Bildende Kunst

Man Ray malte 1938 das Bild Imaginary Portrait of D.A.F. de Sade.

Clovis Trouille setzte sich in seinen GemÀlden wiederholt mit Sade auseinander, u.a. Voyeuse

Guido Crepax schuf mit Justine im Jahr 1979 eine Graphic Novel zu de Sades Roman Justine.

Johannes GrĂŒtzke widmete de Sade 1990 eine Radiermappe mit dem Titel "Aus dem Leben des Marquis de Sade".

Im Jahre 2000 benutzte der niederlÀndische Musiker The Prophet das Pseudonym MarQuiz De Sade.

Werke

Einzelne Werke de Sades, oft in unvollstĂ€ndiger Fassung, gibt es in zahllosen Ausgaben und Übersetzungen sehr unterschiedlicher QualitĂ€t.

Eine Gesamtausgabe seiner Schriften im Original ist:

Die neueste, zuverlĂ€ssige und ausfĂŒhrlich kommentierte Ausgabe der Hauptwerke im Original ist:

Die erste zuverlÀssige deutsche Werkausgabe wurde von Marion Luckow herausgegeben und erschien in 3 BÀnden 1962 im Merlin-Verlag, Hamburg. Sie liegt auch der folgenden Ausgabe zugrunde:

  • AusgewĂ€hlte Werke. Band 1 - 6. Fischer Taschenbuch, Frankfurt 1972 (TB Nr. 1301-1306)[69]

Eine sorgfĂ€ltige kommentierte NeuĂŒbersetzung des vollstĂ€ndigen Textes des Sadeschen Hauptwerkes verfassten Stefan Zweifel und Michael Pfister. Sie erschien mit Essays verschiedener Autoren in zehn BĂ€nden:

  • Justine und Juliette, 10 BĂ€nde, Matthes & Seitz, MĂŒnchen 1990-2002

Literatur

  • Roland Barthes: Sade, Fourier, Loyola. 1971
  • Pierre Klossowski: Sade, mon prochain. 1947
  • Melanie Harmuth: Zur Kommunikation von ObszönitĂ€t. Der Fall de Sade. Driesen, Taunusstein 2004, ISBN 3-936328-28-5 (Zugl.: UniversitĂ€t Siegen, Diplomarbeit 2002)
  • Elke HeitmĂŒller: Zur Genese sexueller Lust. Von Sade zu SM. Konkursbuch, TĂŒbingen 1994, ISBN 3-88769-081-8.
  • Iwan Bloch (unter dem Pseudonym Eugen DĂŒhren): Der Marquis de Sade und seine Zeit. Ein Beitrag zur Cultur- und Sittengeschichte des 18. Jahrhunderts. Mit besonderer Beziehung auf die Lehre von der Psychopathia Sexualis. 1900 (ZIP, engl.)
  • Maurice Blanchot: Sade et Restif de La Bretonne. Éd. Complexe, Bruxelles 1986, ISBN 2-87027-194-8.
  • ders.: LautrĂ©amont et Sade Les Editions de Minuit, Paris 1949.
    • engl. Ausgabe: LautrĂ©amont and Sade. Stanford University Press, 2004, ISBN 0-8047-4233-2.
  • ders.: Sade.Deutsch. Übers. Johannes HĂŒbner. Henssel, Berlin 1963. (1986, ISBN 3-87329-117-7) (Es handelt sich um das 1. Kap. "La Raison de Sade" aus dem Buch "Sade et Restif de la Bretonne." S. 9–68.- Dieser Text stammt wiederum aus Blanchots Buch "LautrĂ©amont et Sade" der Ed. de Minuit von 1949/1963, dort das 1. Kap. nach dem Vorwort.)
  • Gilbert LĂ©ly: The Marquis de Sade. A biography. 1961
  • Geoffrey Gorer: The life and ideas of the Marquis de Sade. 1963
  • Angela Carter: The Sadeian Woman. An Exercise in Cultural History. 1979
  • Philippe Sollers: Writing and the Experience of Limits. 1982
  • Colette Verger Michael: The Marquis de Sade. The man, his works, and his critics. An annotated bibliography. 1986
  • Colin Wilson: The Misfits. A Study of Sexual Outsiders. 1988
  • Colette Verger Michael: Sade, his ethics and rhetoric. 1989
  • Maurice Lever: Marquis de Sade. A Biography. 1991
  • Thomas Moore: Dark Eros. The Imagination of Sadism. 1995
  • Timo Airaksinen: The philosophy of the Marquis de Sade. 1995
  • Alexandra Beilharz: Die DĂ©cadence und Sade: Untersuchungen zu erzĂ€hlenden Texten des französischen Fin de SiĂšcle. M&P, Stuttgart 1996, ISBN 3-476-45161-5.
  • Philippe Sollers: Sade contre l'Être suprĂȘme. 1996
  • Octavio Paz: An Erotic Beyond. Sade. 1998
  • Laurence L. Bongie: Sade. A Biographical Essay. 1998
  • Neil Schaeffer: The Marquis de Sade. A life. 1999
  • Francine du Plessix Gray: At Home With the Marquis de Sade. A Life. 1999
  • Jörn Steigerwald: Auslöschungsverfahren. Rituale des Vergessens in D.A.F. de Sades Les 120 journĂ©es de Sodome. In: Heike Brohm u. a. (Hrsg.): Erinnern – GedĂ€chtnis – Vergessen. BeitrĂ€ge zum XV Nachwuchskolloquium der Romanistik. Romanistischer Verlag, Bonn 2000, S. 295–304.
  • Jörn Steigerwald: Origo und OriginalitĂ€t der Novellistik de Sades. In: Romanistische Zeitschrift fĂŒr Literaturgeschichte. 2000 (3 / 4), S. 297–327.
  • Jörn Steigerwald: Die Neugier des Auges und die Wollust des Ohres. Zur Logik der Sinne im Reich de Sades (am Beispiel der Justine). In: Caroline Welsh u. a. (Hrsg.): Sinne und Verstand: Ästhetische Modellierungen der Wahrnehmung um 1800. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2001, S. 207–224. (Stiftung fĂŒr Romantikforschung)
  • Caroline Warman: Sade. From materialism to pornography. 2002
  • Ronald Hayman: Marquis de Sade. The genius of passion. 2003
  • David Cooper, Michel Foucault, Marquis de Sade u. a.: Der eingekreiste Wahnsinn. Suhrkamp, Frankfurt 1979, ISBN 3-518-10965-0.
  • Bernhard Dieckmann, François Pescatore (Hrsg.): LektĂŒre zu de Sade. Stroemfeld/Roter Stern, Basel/Frankfurt 1981, ISBN 3-87877-163-0. (AufsĂ€tze von Philippe Roger, Pierre Klossowski, Philippe Sollers, Maurice Blanchot, Alain Robbe-Grillet, Gilles Deleuze u. a.)
  • Hans-Ulrich Seifert: Sade. Leser und Autor. Quellenstudien, Kommentare und Interpretationen zu Romanen und Romantheorie v. D. A. F. de Sade. Lang, Frankfurt 1983, ISBN 3-8204-7295-9 .
  • Hans-Ulrich Seifert, Michael Farin: "Der Mensch ist böse." Ein erotisch-philosophisches Lesebuch. Marquis de Sade. Nachwort der Hgg. (S. 254 ff.) und Bibliographie S. 273–349 (eine Rezeptions-Bibliographie, einschl Radiosendungen etc.) Heyne, MĂŒnchen 1990, ISBN 3-453-04354-5 . (1. Allgemeine Reihe, Bd. 7708) EnthĂ€lt: Karl Bleibtreu, Sade 1907; Hans Rau (Pseud. A. Sper): Der M. de Sade und der Sadismus. zuerst Berliner Zeitschriften-Verlag 1904; Ernst Ulitzsch: Der Mensch ist böse. Leben und SprĂŒche des M. de Sade. Berlin 1920; von den Hgg.: Das schwĂ€rzeste Herz. Sade in Deutschland. Editorische Notiz, Quellennachweis.
  • Maurice Schuhmann: Die Lust und die Freiheit. Marquis de Sade und Max Stirner – Ihr Freiheitsbegriff im Vergleich. Karin Kramer Berlin 2007.
  • Maurice Schuhmann: Radikale IndividualitĂ€t. Marquis de Sade, Max Stirner, Friedrich Nietzsche. transcript Verlag, 2011.

Biografien

  • Gilbert Lely: Leben und Werk des Marquis de Sade. Albatros, DĂŒsseldorf 2001, ISBN 3-491-96025-8. (zuerst 1965)
  • Maurice Lever: Marquis de Sade. Die Biographie. Europa, Wien 1995, ISBN 3-203-51238-6.
  • Walter Lehning: Marquis de Sade. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. 9. Auflage. Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 3-499-50108-2. (Reihe: Bildmonographien)
  • Marion Luckow: Biographie. In: Marion Luckow (Hrsg.): de Sade: Die Tage von Florbelle. Persönliche Notizhefte... Fischer TB, Frankfurt 1972, ISBN 3-436-01585-7, S. 343–386. (AusgewĂ€hlte Werke Bd. 6) (eine detaillierte Biografie unter Betonung der Revolutionsjahre und seines Anti-Klerikalismus)
  • Raymond Jean: Ein Portrait des Marquis de Sade. Aus d. Franz. von Nicolaus Bornhorn. Schneekluth, MĂŒnchen 1990, ISBN 3-7951-1150-1 .
  • Sibylle Knauss Die Marquise de Sade - Roman einer Ehe. Hoffmann & Campe, 2006. (fiktionalisierte AnnĂ€herung an Sades Ehe und Lebensgeschichte)

Filme

Werk und Leben de Sades haben mehrere Filmemacher inspiriert. Neben einer großen Anzahl pornografischer Filme gibt es auch mehrere Mainstream-Produktionen die sich mit ihm und der durch ihn geschaffenen Literatur auseinandersetzen:

BĂŒhnenstĂŒcke

  • 1965 Mishima Yukio Madame de Sade Deutsche Übersetzung: Kai Molvig.
  • 2002 Das BĂŒhnenstĂŒck "XXX" der Theathergruppe La Fura dels Baus bezieht sich auf das Werk Die Philosophie im Boudoir. Die AuffĂŒhrung in Deutschland wurde in einigen StĂ€dten (zum Beispiel Hamburg) von der Tagespresse als "Skandal" gewertet, insbesondere aufgrund der offenen Darstellung oralen Geschlechtsverkehrs auf der BĂŒhne, bei der auch Besucher aus dem Publikum einbezogen wurden. AuffĂŒhrungen in anderen StĂ€dten (zum Beispiel Frankfurt) blieben ohne nennenswerte Presseresonanz.

Einzelnachweise

  1. ↑ Gilbert Lely: Leben und Werk des Marquis de Sade. Albatros, 2001, S. 15.
  2. ↑ Gilbert Lely: Leben und Werk des Marquis de Sade. Albatros, 2001, S. 21f.
  3. ↑ Maurice Lever: Marquis de Sade. Europa-Verlag, MĂŒnchen 1995, S. 58–61.
  4. ↑ Gilbert Lely: Leben und Werk des Marquis de Sade. Albatros, 2001, S. 18–20.
  5. ↑ Iwan Bloch: Der Marquis de Sade und seine Zeit. Heyne, 1978, S. 273f.
  6. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 21.
  7. ↑ Maurice Lever: Marquis de Sade. Europa-Verlag, MĂŒnchen 1995, S. 124 ff.
  8. ↑ Maurice Lever: Marquis de Sade. Europa-Verlag, MĂŒnchen 1995, S. 130 ff.
  9. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 209.
  10. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 89–93.
  11. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 139–140 und 172 - 175.
  12. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 139–140 und 172-175 und 196-199
  13. ↑ Brief an Gaufridy v. 3. August 1793. In: AusgewĂ€hlte Werke, Hamburg, 1962-65, Bd.II, S. 1218.
  14. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998
  15. ↑ Gilbert Lely: Leben und Werk des Marquis de Sade. Albatros, 2001
  16. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 415.
  17. ↑ Maurice Lever: Marquis de Sade. Europa-Verlag, MĂŒnchen 1995, S. 598, zitiert aus: Notes littĂ©raires, Archives de la famille de Sade
  18. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 416.
  19. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 424 ff.
  20. ↑ Maurice Lever: Marquis de Sade. Europa-Verlag, MĂŒnchen 1995, S. 40.
  21. ↑ a b Hans Ulrich Seifert: Sade: Leser und Autor. 1982 Dissertation an der UniversitĂ€t Marburg, Romanisches Seminar. Lang, Frankfurt a.M. 1983, ISBN 3-8204-7295-9.
  22. ↑ Maurice Lever: Marquis de Sade. Europa-Verlag, MĂŒnchen 1995, S. 39.
  23. ↑ a b c Volker Faust: MARQUIS DE SADE (SADISMUS). auf: psychosoziale-gesundheit.net
  24. ↑ a b Pierre Klossowski, Sade mon prochain, Seuil, Paris 1947, Einleitung
  25. ↑ Simone de Beauvoir in dem Magazin "Le Temps Modernes, Ausgabe Dezember 1951
  26. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 428.
  27. ↑ Baudelaire Oeuvres completes, Gallimard, Paris 1961, S. 521.
  28. ↑ a b Jean-Poul Bourre: Villiers de L’Isle-Adam: Splendeur et misĂ©re, Paris 2002
  29. ↑ Sichtweisen der moderne ii: phantastik und schrecken : Prometheische Helden. auf: litde.com
  30. ↑ Das höchste GlĂŒck der Tiere. auf: nachtkritik.de, 28. Februar 2009.
  31. ↑ a b Theodor Adorno, Max Horkheimer: Dialektik der AufklĂ€rung. Philosophische Fragmente. In: Gunzelin Schmid Noerr (Hrsg.): Gesammelte Schriften. Band 5: Dialektik der AufklĂ€rung und Schriften 1940–1950. Fischer, Frankfurt am Main 1987.
  32. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 273 und 384.
  33. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 272.
  34. ↑ Albert Camus: Der Mensch in der Revolte. BĂŒchergilde Gutenberg, S. 46.
  35. ↑ a b Albert Camus: Der Mensch in der Revolte. BĂŒchergilde Gutenberg, S. 56.
  36. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 386.
  37. ↑ Angela Carter: SexualitĂ€t ist Macht - die Frau bei de Sade. Rowohlt, 1981, S. 32–35.
  38. ↑ Unvermitteltes Poppen. auf: taz.de 14. Oktober 2006.
  39. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 385.
  40. ↑ Mario Praz: Liebe, Tod und Teufel – die schwarze Romantik. dtv, 1970, S. 109.
  41. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 419–421.
  42. ↑ Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 281–283.
  43. ↑ Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 282.
  44. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 419.
  45. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 419.
  46. ↑ Mario Praz: Liebe, Tod und Teufel – die schwarze Romantik. dtv, 1970, S. 126 ff und 146
  47. ↑ Mario Praz: Liebe, Tod und Teufel – die schwarze Romantik. dtv, 1970, S. 127.
  48. ↑ Mario Praz: Liebe, Tod und Teufel – die schwarze Romantik. dtv, 1970, S. 148.
  49. ↑ Baudelaire: Oeuvres completes. Gallimard, Paris 1961, S. 521.
  50. ↑ Mario Praz: Liebe, Tod und Teufel – die schwarze Romantik. dtv, 1970, S. 151.
  51. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 419–420.
  52. ↑ Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 292–294, wenn auch dort als weniger eindeutig bewertet.
  53. ↑ Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 293–294.
  54. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 422–423.
  55. ↑ Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 292.
  56. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 422–423.
  57. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 422–423.
  58. ↑ Francine du Plessix Gray: At home with the Marquis de Sade. Chatto & Windus, London 1998, S. 423–424.
  59. ↑ Helmuth Kiesel: Ernst JĂŒnger. Siedler, 2007, S. 356.
  60. ↑ Simone de Beauvoir in dem Magazin "Le Temps Modernes, Ausgabe Dezember 1951
  61. ↑ zitiert nach dem Original in Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 302.
  62. ↑ Albert Camus: Der Mensch in der Revolte. BĂŒchergilde Gutenberg, S. 44.
  63. ↑ Albert Camus: Der Mensch in der Revolte. BĂŒchergilde Gutenberg, S. 56.
  64. ↑ Jacques Lacan: Écrits. Seuil, Paris 1966, S. 765–790.
  65. ↑ Angela Carter: SexualitĂ€t ist Macht - die Frau bei de Sade. Rowohlt, 1981, S. 32–35.
  66. ↑ Andrea Dworkin has Died. In: Susie Bright's Journal. 11. April 2005.
  67. ↑ Hans Ulrich Seifert: Sade: Leser und Autor. 1982 Dissertation an der UniversitĂ€t Marburg, Romanisches Seminar. Lang, Frankfurt a.M. 1983, ISBN 3-8204-7295-9, S. 13.
  68. ↑ Roger Shattuck: Forbidden Knowledge. St. Martins Press, New York 1996, S. 356.
  69. ↑ ein Teil der Auflage noch ohne,ein Teil mit ISBN, z.B. Band 6: ISBN 3-436-01585-7 , mit ausf. Biographie Sades

Weblinks

 Commons: Marquis de Sade â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Donatien Alphonse François de Sade â€“ Quellen und Volltexte (français)
Impressum AGB Datenschutz KundenserviceMediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.