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Doppelschichtkondensatoren (englisch electrochemical double layer capacitor, EDLC) sind im normalen Sprachgebrauch Kondensatoren, deren KapazitĂ€tswert sich einerseits aus einer statischen KapazitĂ€t in Helmholtz-Doppelschichten und andererseits aus einer elektrochemischen bzw. faradayschen PseudokapazitĂ€t zusammensetzt. In den elektrisch isolierenden Helmholtz-Doppelschichten an den OberflĂ€chen spezieller groĂflĂ€chiger Elektrodenmaterialien wird die elektrische Energie statisch als DoppelschichtkapazitĂ€t in elektrischen Feldern gespeichert. In der PseudokapazitĂ€t wird die elektrische Energie spannungsabhĂ€ngig elektrochemisch bzw. faradaysch mit einer Redoxreaktion und mit einem Ladungsaustausch an den Elektroden gespeichert, wobei allerdings im Gegensatz zu Akkumulatoren an den Elektroden keine chemische StoffĂ€nderung eintritt. Die PseudokapazitĂ€t kann durch spezielle Elektroden bei gleichem Bauvolumen einen erheblich gröĂeren Wert als die DoppelschichtkapazitĂ€t erreichen. Diese Kondensatoren haben die gröĂte Energiedichte und die höchsten KapazitĂ€tswerte pro Bauvolumen aller Kondensatoren.
Der jeweilige Anteil der DoppelschichtkapazitÀt und der PseudokapazitÀt an der GesamtkapazitÀt des Kondensators wird in sehr grober Verallgemeinerung durch die Namensgebung solcher Kondensatoren in industriellen Veröffentlichungen erkennbar.
Allen Doppelschichtkondensatoren, Pseudokondensatoren, Superkondensatoren, Ultrakondensatoren und Hybridkondensatoren gemeinsam ist, dass der Elektrolyt die leitfÀhige Verbindung zwischen zwei Elektroden bildet. Das unterscheidet sie von Elektrolytkondensatoren, bei denen der Elektrolyt die Kathode bildet, der Elektrolyt also eine Elektrode ist, die mit dem negativen Anschluss des Kondensators verbunden ist.
Doppelschichtkondensatoren sind, wie auch Elektrolytkondensatoren, gepolte Bauelemente, die nur mit korrekter PolaritĂ€t betrieben werden dĂŒrfen.
Doppelschichtkondensatoren, Superkondensatoren, Ultrakondensatoren und Hybridkondensatoren werden unter vielen unterschiedlichen Handelsnamen wie z. B. APowerCap[1], BestCap[2], BoostCap[3], CAP-XX[4], DLCAP[5], EVerCAP[6], DynaCap[7], Faradcap[8], GreenCap[9], Goldcap[10], HY-CAP[11], Super capacitor[12], SuperCap[13], PAS Capacitor[14], PowerStor[15], PseudoCap[16] oder Ultracapacitor[17][18][19] angeboten.
In der wissenschaftlichen Literatur sind Doppelschichtkondensatoren und Pseudokondensatoren idealisierte Beschreibungen der jeweiligen Speicherart und bilden gemeinsam mit Pseudokondensatoren und Hybridkondensatoren eine neue Gruppe von Kondensatoren, die unter dem Oberbegriff âSuperkondensatorenâ[20][21] zusammengefasst werden.
Zwischen zwei in einem Elektrolyten getauchten Elektroden flieĂt erst ab einer gewissen Spannung ein Strom. Zu dieser Erkenntnis kam Hermann von Helmholtz schon 1853.[22]. Blieb die angelegte Spannung unterhalb dieses Schwellwerts, so verhielt sich die Anordnung wie ein Kondensator, indem sich positiv und negativ geladene Ionen aus dem Elektrolyten spiegelbildlich an der jeweils entgegengesetzten Elektrode anlagern. Zwischen den Ionen im Elektrolyten und in der Elektrode bildet sich ein elektrisches Feld aus.
Mit der Beschreibung des elektrokinetischen Transportes kolloidaler Suspensionen an den GrenzflĂ€chen von Elektroden vertiefte Helmholtz im Jahre 1879 das elektroosmotische PhĂ€nomen. Er ging davon aus, dass eine FlĂŒssigkeit an der GrenzflĂ€che einer metallischen Elektrode eine OberflĂ€chenladung und eine Schicht mit Gegenionen bildet. Die Ladung der Gegenionen kompensiert, laut seiner Vorstellung, gerade die OberflĂ€chenladung und ist starr an die Elektrode gebunden. Das durch die OberflĂ€chenladung verursachte elektrische Feld ist auf die Dicke von wenigen MolekĂŒllagen beschrĂ€nkt. Da dieser Effekt auch auf der Gegenelektrode auftreten muss, nannte er ihn âDoppelschichteffektâ.[23]
Diese Theorie von der Helmholtz-Doppelschicht wurde 1910 von Louis Georges Gouy und 1913 von David Leonard Chapman (1869â1958) weiterentwickelt. Sie gingen jedoch von einer thermischen Bewegung der Gegenionen aus. Die thermische Bewegung fĂŒhrte zur Bildung einer ĂŒber mehrere MolekĂŒllagen ausgedehnten diffusen Schicht, der so genannten Gouy-Chapman-Doppelschicht, die spannungsabhĂ€ngig ist und auch noch von der Konzentration der Ionen abhĂ€ngt. Sie schufen den Begriff der inneren Helmholtz-Schicht. 1924 vereinigte Otto Stern die Vorstellungen von Helmholtz bzw. Gouy und Chapman, als er feststellte, dass sich die Doppelschicht sowohl aus einer starren, als auch aus einer diffusen Schicht zusammensetzt, der so genannten Stern-Doppelschicht.
1947 wurde dieses Modell durch Graham um eine Ă€uĂere Helmholtz-Schicht ergĂ€nzt. Aber es dauerte noch bis 1957, bis der erste reale Kondensator als âElektrolytkondensator mit porösen Kohlenstoff-Elektrodenâ fĂŒr General Electric patentiert wurde.[24] FĂŒr diesen Kondensator mit einem auĂergewöhnlich hohen KapazitĂ€tswert wurde angenommen, dass die Energie in den Poren der groĂflĂ€chigen Aktivkohle gespeichert wird, Ă€hnlich wie in einem Elektrolytkondensator. In dem Patent wurde daher sinngemÀà zum Speicherprinzip geschrieben: âEs ist nicht genau bekannt, was im Bauelement stattfindet, wenn es als Energiespeicher benutzt wird, aber es fĂŒhrt zu einer auĂerordentlich hohen KapazitĂ€t.â
Erst mit der heute allgemein akzeptierten Beschreibung der VorgĂ€nge in einer Doppelschicht 1963 durch Bockris, Muller und Devanathan (BMD-Modell)[25] wurde das Speicherprinzip in elektrischen Doppelschichten genauer formuliert. Diese Erkenntnis fand sich aber noch nicht im nachfolgenden Patent eines âEnergiespeicher-Apparatesâ von 1966 durch Standard Oil of Ohio, Cleveland (SOHIO), USA wieder.[26]. Noch 1970 wurde im Patent von Boos ein Doppelschichtkondensator als Elektrolytkondensator angemeldet.[27]
Dieser Doppelschichtkondensator bestand aus zwei groĂflĂ€chigen Elektroden, die mit einem leitfĂ€higem Elektrolyten, einem Ionenleiter, elektrisch miteinander verbunden sind. Die Elektroden werden durch eine elektrisch durchlĂ€ssige Membran (Separator) getrennt und gegen eine direkte BerĂŒhrung gegeneinander und somit gegen einen Kurzschluss geschĂŒtzt. FlĂ€chige Stromableiter (Kollektoren) kontaktierten die jeweilige Elektrode und verbanden sie mit den Ă€uĂeren AnschlĂŒssen. Diese Unterteile wurden zu einem Wickel gewickelt und in einem gemeinsamen GehĂ€use eingebaut und verschlossen. Auch heute hat sich an diesem grundsĂ€tzlichen Aufbau nicht viel geĂ€ndert, wenn auch die Entwicklung der Unterteile zu erheblichen Verbesserungen der elektrischen Eigenschaften gefĂŒhrt hat.
Aufgrund geringer Verkaufszahlen gab SOHIO 1971 das Produkt auf und lizenzierte die Technik an NEC. Das VerstĂ€ndnis ĂŒber das Verhalten der Speicherung elektrischer Energie durch die Doppelschichten hatte dann allerdings so zugenommen, dass NEC die Doppelschichtkondensatoren unter dem Namen âSupercapacitorâ und nicht mehr als âElektrolytkondensatorâ erfolgreich vermarkten konnte. Weitere Hersteller folgten in den 1970er Jahren, jeweils mit ihren eigenen Handelsnamen wie DynaCap (Elna)[7] oder Goldcap (Panasonic, 1978). Diesen Produkten gemeinsam war ein relativ hoher Innenwiderstand, der die Leistungsentnahme beschrĂ€nkte, so dass sie nur als Pufferbatterie fĂŒr SRAM zum Datenerhalt o. Ă€. eingesetzt wurden.
Die weitere Forschung am Doppelschichteffekt fĂŒhrte 1971 durch S. Trasatti und G. Buzzanca zur Erkenntnis, dass das elektrochemische Ladungsverhalten von Rutheniumdioxid bei kleinen Spannungen dem von Kondensatoren gleicht. Zwischen 1975 und 1980 wurde durch Brian Evans Conway an mit Rutheniumoxid dotierten Doppelschichtkondensatoren die OberflĂ€chen Redox-PseudokapazitĂ€t weiter erforscht. Es war der erste Schritt zu Pseudokondensatoren.[28][29].
Parallel zur Erforschung der PseudokapazitĂ€t gelang es Anfang der 1980er Jahre, den Innenwiderstand der Doppelschichtkondensatoren deutlich zu verringern, um die Lade- und Entladezeiten zu verringern. Der erste Doppelschichtkondensator mit niedrigem Innenwiderstand fĂŒr Leistungsanwendungen wurde 1982 von PRI entwickelt und unter dem Namen âPRI Ultracapacitorâ am Markt etabliert. SpĂ€ter kam Maxwell Technologies mit seinen BoostCaps hinzu. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Baureihen, deren Doppelschichtkondensator mit niedrigen ESR-Werten ausgestattet sind, z. B. EVerCAP, (Nichicon), Super capacitor (NEC), BestCap (AVX), PAS Capacitor (Tayo Yuden), Faradcap, (Shizuki) sowie Superkondensator (Wima).
DarĂŒber hinaus sind Doppelschichtkondensatoren entwickelt worden, die Elektroden verwenden, die denen aus einer anderen Technologie Ă€hneln, wodurch z. B. eine höhere Spannung verwendet werden kann. Diese Kondensatoren werden âHybridkondensatorenâ genannt. Die bekanntesten Hybridkondensatoren sind die auch âCapatteryâ[30] genannten Kondensatoren von Evans[31], die sich durch eine Kombination einer pseudokapazitiven Metalloxidelektrode (Ruthenium(IV)-oxid) mit einer formierten Anode eines herkömmlichen Elektrolytkondensators (Tantalpentoxid, Aluminiumdioxid) auszeichnen.[32]. Diese Kondensatoren sind allerdings recht teuer, sodass sie bislang nur in sehr speziellen militĂ€rischen Anwendungen eingesetzt werden.
Des Weiteren gehören Lithium-Ionen-Kondensatoren zu den Hybridkondensatoren. Diese verwenden eine Kombination einer elektrostatischen Doppelschichtelektrode mit einer elektrochemischen Batterieelektrode zur Erzeugung einer sehr hohen PseudokapazitÀt und nutzen somit die speziellen Eigenschaften der Materialien aus zwei Technologien zur Erhöhung der Energiedichte, wobei die Eigenschaft der schnellen Lade- und EntladefÀhigkeit der Doppelschichtkondensatoren beibehalten wird.
Mit der ErklĂ€rung der PseudokapazitĂ€t anhand der Redoxreaktionen bei Rutheniumoxid[29] durch Brian Evans Conway und der Entdeckung, dass die KapazitĂ€t von Doppelschichtkondensatoren sich meist aus einer elektrostatischen KapazitĂ€t an der Helmholtz-Doppelschicht und einer elektrochemischen Redox-PseudokapazitĂ€t zusammensetzt, wurde es erforderlich, die Systematik der unterschiedlichen Kondensatorarten aufzuzeigen und fĂŒr die neue Technologie einen gemeinsamen Oberbegriff zu finden. Diese Systematik findet sich wieder im âStammbaum der Superkondensatorenâ, der die Trennung in reine Doppelschichtkondensatoren, in Pseudokondensatoren sowie in Kondensatoren, die beide Effekte in sich tragen, den Hybridkondensatoren, darstellt. Nach dem Vorschlag von Conway wurde die neue Kondensatorfamilie unter dem Begriff Superkondensatoren zusammengefasst. Sie werden in der Industrie aber auch oft Ultrakondensatoren genannt.[20][21] [33]
Der Begriff Superkondensator und die Darstellung der Familienzugehörigkeit hat sich in der wissenschaftlichen Literatur weitgehend durchgesetzt, ist aber in der breiten Ăffentlichkeit bislang so gut wie unbekannt. Auch in den Publikationen der Hersteller zu den Daten ihrer betreffenden Kondensatoren ist diese Unterscheidung selten zu finden. Es ist allerdings zu erwĂ€hnen, dass der Begriff âSuperkondensatorâ auch kommerziell als Handelsname genutzt wird. Schon der erste kommerziell erfolgreiche Doppelschichtkondensator 1971 wurde von NEC unter dem Namen âsupercapacitorâ auf den Markt gebracht[34]. Auch der Hersteller WIMA bietet seine Doppelschichtkondensatoren mit dem werbetrĂ€chtigen Namen Superkondensator bzw. SuperCaps an[35]
In der englischen Literatur wurde anfĂ€nglich fĂŒr Doppelschichtkondensatoren die Umschreibung elektrische Doppelschichtkondensatoren (engl. electric double layer capacitors, EDLC) verwendet. In neueren Publikationen, die auch eine zeitgemĂ€Ăe Kenntnis der physikalischen und chemischen VorgĂ€nge zeigen, wird fĂŒr Doppelschicht-, Super- und Ultrakondensatoren die Umschreibung elektrochemische Doppelschichtkondensatorenâ (engl. electrochemical double layer capacitors, EDLC) verwendet. Im Gegensatz dazu werden die ĂŒbrigen Kondensatoren wie Keramik- und Kunststoff-Folienkondensatoren zu den statischen Kondensatoren gerechnet, bei denen die Speicherung der elektrischen Energie statisch zwischen zwei Elektroden in einem elektrischen Feld erfolgt.
Aber auch in idealen Doppelschichtkondensatoren findet kein elektrochemischer Prozess an den Elektroden statt, denn die Speicherung elektrischer Energie in einer Helmholtz-Schicht ist eine statische Speicherung in einem elektrischen Feld. Anders ist es bei den Pseudokondensatoren, bei denen bei der Energiespeicherung faradaysch ein Ladungsaustausch an den Elektroden stattfindet, sich also ein chemischer Prozess abspielt. Da jedoch die meisten Doppelschichtkondensatoren auch eine PseudokapazitĂ€t besitzen, also ein Teil der Energiespeicherung in EDLCs auch aus einem chemischen Prozess stammt, ist es richtig, wenn fĂŒr Doppelschicht-, Super- und Ultrakondensatoren die Umschreibung elektrochemische Kondensatoren verwendet wird.
Pseudokondensatoren speichern die elektrische Energie mit einem elektrochemischen Prozess. Damit Ă€hneln sie in ihrer Wirkungsweise den Akkumulatoren. Bei der Kennzeichnung der Elektroden durch die Begriffe Anode und Kathode kann es, je nachdem, ob ein Bauelement als Erzeuger oder als Verbraucher betrachtet wird, deshalb zu Verwechslungen kommen. Denn bei einem elektrischen Erzeuger fĂŒr Gleichspannung (Akkumulator) hat die Kathode positive PolaritĂ€t (+). Dahingegen hat bei einem elektrischen Verbraucher - Kondensatoren gelten hier als Verbraucher â die Kathode negative PolaritĂ€t (â). Im Folgenden werden deshalb die Elektroden nur mit ihrer PolaritĂ€t benannt.
Doppelschichtkondensatoren können elektrische Energie auf zwei unterschiedliche Weisen speichern, mit einer statischen Speicherung in elektrischen Doppelschichten und mit einer elektrochemischen Speicherung mit Redoxreaktionen in einer sogenannten PseudokapazitĂ€t. Beide Speicherprinzipien treten mit unterschiedlich groĂem Anteil in den Kondensatoren auf, wobei durch spezielle Elektroden die mit Redoxreaktionen erzielbare elektrochemische PseudokapazitĂ€t bei gleichem Bauvolumen einen um Faktor 10 bis zu 100 gröĂeren Wert als die bei der statisch in der Doppelschicht gespeicherten Energie erreichen kann[28].
Die statisch in den Doppelschichten (DoppelschichtkapazitĂ€t) und elektrochemisch mit den Redoxreaktionen gespeicherte elektrische Energie (PseudokapazitĂ€t) addieren sich zur GesamtkapazitĂ€t des jeweiligen Kondensators. Da sowohl die elektrostatische Energiespeicherung an der Doppelschicht als auch die Redox-Reaktionen bei der PseudokapazitĂ€t sich linear zur gespeicherten Ladung im Kondensator verhalten, entspricht der Spannungsverlauf am Kondensator der gespeicherten Energie. Das unterscheidet die Kondensatoren von den Akkumulatoren, deren Spannung an den AnschlĂŒssen unabhĂ€ngig vom Ladezustand weitgehend konstant bleibt.
Mit der Beschreibung der PhĂ€nomene an den GrenzflĂ€chen von Elektroden schuf Helmholtz die theoretischen Grundlagen fĂŒr Doppelschichtkondensatoren. Er ging davon aus, dass eine FlĂŒssigkeit an der GrenzflĂ€che einer metallischen Elektrode eine OberflĂ€chenladung und eine Schicht mit Gegenionen bildet. Da dieser Effekt auch auf der Gegenelektrode auftreten muss, nannte er ihn âDoppelschichteffektâ.[23]
Heutzutage werden die PhĂ€nomene im Bereich einer Elektrode mit dem Begriff âDoppelschichteffektâ beschrieben, denn die elektrochemische Helmholtz-Doppelschicht beschreibt die GrenzphĂ€nomene zwischen einem Elektronenleiter, der Elektrode und einem Ionenleiter, dem Elektrolyten. Sie wird auch Elektrode-Elektrolyt-Phasengrenze genannt.
Der physikalische Effekt, der in einer Helmholtz-Doppelschicht einer Elektrode auftritt, bewirkt, dass beim Anlegen einer Spannung sowohl im OberflĂ€chenbereich einer Elektrode als auch im Elektrolyten jeweils eine trennende Schicht entsteht, die spiegelbildlich auch an der zweiten Elektrode des Kondensators wiederzufinden ist. Die âDickeâ einer Schicht, d. h. die mittlere Ausdehnung senkrecht zur OberflĂ€che, betrĂ€gt in Metallen etwa 0,1 nm, im Elektrolyten 0,1 bis 10 nm; sie wird durch die Debye-LĂ€nge beschrieben. Im Elektrolyten ist sie von der GröĂe, der Beweglichkeit und von der Konzentration der Ionen abhĂ€ngig, im Metall vor allem von der Elektronendichte, da die AtomrĂŒmpfe in festen Elektroden nicht beweglich sind.
Im Elektrolyten, der im Doppelschichtkondensator bis tief in die Poren der groĂflĂ€chigen Elektroden verteilt ist, dissoziiert das Leitsalz zunĂ€chst in seine positiven und negativen Ionen.
Beim Anlegen einer Spannung bildet sich an den GrenzflĂ€chen im OberflĂ€chenbereich der beiden Elektroden zwischen dem Elektrodenmaterial und dem Elektrolyten jeweils eine trennende elektrochemische Doppelschicht aus. Die elektrisch trennende Doppelschicht hat eine Schichtdicke von etwa dem Durchmesser eines MolekĂŒls des Lösungsmittels des Elektrolyten. Die angelegte Spannung bewirkt eine Wanderung der statistisch im Elektrolyten verteilten Anionen und Kationen im Elektrolyten teilweise durch den Separator hindurch, hin zur gegenpoligen Elektrode. Sie reichern sich dort mit einer Adsorptionsreaktion spannungsabhĂ€ngig und spiegelbildlich gegenpolig an den beiden Doppelschichten an den Elektroden an. Die Ladungen der adsorbierten Ionen im Elektrolyten werden durch Gegenladungen in den Elektroden ausgeglichen.
An diesen Grenzschichten sammeln sich die anionischen beziehungsweise kationischen Ladungen beim Laden des Kondensators spannungsabhÀngig spiegelbildlich mit einer Adsorptionsreaktion statisch an. Die Ladungen der adsorbierten Ionen im Elektrolyten werden durch Gegenladungen in den Elektroden ausgeglichen.
Zwischen den angesammelten Ladungen, den Ionen im Elektrolyten und den Ionen in der Elektrode innerhalb der Phasengrenzen kommt es zu einer Ladungstrennung mit der Bildung eines elektrisches Feldes, dessen StÀrke der angelegten Spannung entspricht. Damit wird durch die Helmholtz-Doppelschicht ein statischer Kondensator gebildet. Beim Entladen verteilen die Ionen sich nach einer Desorptionsreaktion wieder im Elektrolyten.
Die Adsorption ist ein physikalischer Prozess, bei dem ein Stoff, in diesem Fall Ionen, auf der OberflÀche eines anderen Stoffes haften bleiben und sich auf dessen OberflÀche anreichern. Die KrÀfte, die die Anhaftung verursachen, sind keine chemischen Bindungen, sondern nur physikalische KrÀfte Àhnlich der AdhÀsion. Chemische Bindungen innerhalb eines adsorbierten Teilchens bleiben bestehen, werden jedoch polarisiert.
Beim Anlegen einer Spannung, die kleiner als die Zersetzungsspannung des Elektrolyten ist (siehe Elektrolyse), binden die AdsorptionskrĂ€fte die Ionen spiegelbildlich an den beiden Helmholtz- Doppelschichten im Doppelschichtkondensator. Sie wirken wie zwei in Serie geschaltete Kondensatoren mit jeweils einem Dielektrikum mit der Dicke nur einer MolekĂŒllage. Da die KapazitĂ€t eines Kondensators umso gröĂer ist, je dĂŒnner das Dielektrikum <math>d</math> ist und je gröĂer die ElektrodenflĂ€che <math>A</math> und die DielektrizitĂ€tszahl Δ ist, hat die Ă€uĂerst dĂŒnne Helmholtz-Doppelschicht einen wesentlichen Anteil an der hohen KapazitĂ€t von Doppelschichtkondensatoren:
Da auĂerdem aufgrund der Ă€uĂerst groĂen OberflĂ€che des verwendeten Elektrodenmaterials, meist Aktivkohle, die ElektrodenflĂ€che sehr groĂ ist, wird verstĂ€ndlich, warum EDLCs die höchste Speicherdichte unter den Kondensatoren besitzen.[21][29][36]
Durch die Ă€uĂerst geringe Dicke entsteht in der Helmholtz-Doppelschicht ein sehr starkes elektrisches Feld <math>E</math>. Bei einer Potentialdifferenz von beispielsweise U = 2 V und einem molekularen Abstand von d = 0,4 nm ist FeldstĂ€rke
Eine solche FeldstĂ€rke ist in einem Kondensator mit einem herkömmlichen Dielektrikum nicht realisierbar. Kein Dielektrikum wĂŒrde einen Durchbruch der LadungstrĂ€ger verhindern können. Bei einem Doppelschichtkondensator verhindert die chemische StabilitĂ€t der molekularen Bindungen einen Durchschlag.[37]
In einem idealen Doppelschichtkondensator werden, bei geeignetem Aufbau der Elektroden, aus energetischen GrĂŒnden die Ionen des Elektrolyten nicht mit Ladungs-Transfer-ĂbergĂ€ngen faradaysch entladen, d. h., die Kationen geben ihre Elektronen nicht an die negative Elektrode weiter und die Anionen nehmen keine Elektronen aus der positiven Elektrode auf. Die Speicherung elektrischer Energie mit Hilfe von Helmholtz-Doppelschichten ist deshalb im Gegensatz zur Speicherung elektrischer Energie in Pseudokondensatoren und zu elektrochemischen Energiespeichern (Batterien und Akkumulatoren) eine statische Speicherung.
Die messbare KapazitĂ€t von Doppelschichtkondensatoren, dies ist eine Erkenntnis der Forschungsergebnisse durch B. E. Conway[29], lĂ€sst sich nur zu etwa 90 % mit der ElektrodenoberflĂ€che und der Dicke der Helmholtz-Doppelschichten erklĂ€ren. Die zusĂ€tzliche KapazitĂ€t konnte durch eine einfache reversible Redoxreaktion (Reduktions-Oxidations-Reaktion) zwischen der Elektrode und den Kationen im Elektrolyten erklĂ€rt werden, die an der OberflĂ€che der Elektrode ablĂ€uft. Beim Laden geben die Kationen an der negativen Elektrode jeweils ein Elektron ab, welches ĂŒber den externen Stromkreis zur positiven Elektrode flieĂt. Gleichzeitig wandern gleich viele Anionen durch den Elektrolyten von der negativen zur positiven Elektrode. Dort nehmen aber nicht die Ionen das Elektron wieder auf, sondern die dort vorhandenen und im geladenen Zustand stark ionisierten und daher recht âelektronenhungrigenâ Ăbergangsmetallionen.
Die Redoxreaktionen sind innerhalb enger Spannungsgrenzen wie eine KapazitĂ€t wirksam und können auch so gemessen werden, wobei allerdings im Gegensatz zu Akkumulatoren an den Elektroden keine StoffĂ€nderung eintritt. Die durch elektrochemische Redoxreaktionen hervorgerufene KapazitĂ€t wird PseudokapazitĂ€t genannt. Kondensatoren, deren KapazitĂ€t aus elektrochemischen Reaktionen stammt, heiĂen Pseudokondensatoren.[29][36] [38][39] Die FĂ€higkeit von Elektroden, Redoxreaktionen, die zu einer PseudokapazitĂ€t fĂŒhrt, zu bewerkstelligen, hĂ€ngt vom Material der Elektroden ab. Auch Kohlenstoffelektroden können eine PseudokapazitĂ€t aufweisen,[40][41] deren GröĂe abhĂ€ngig von der PorengröĂe des Materials ist[41].
Aber um zu einer deutlichen Erhöhung der GesamtkapazitĂ€t durch den PseudokapazitĂ€tsanteil zu kommen, werden Elektroden aus speziellen Materialien benötigt. DafĂŒr geeignet, weil sie die elektrochemischen Redoxreaktionen ermöglichen, sind Elektroden aus leitfĂ€higen Polymeren oder es werden bestimmte Metalle oder Metalloxide in das Elektrodenmaterial durch Dotierung eingebracht und mit Hilfe einer Interkalation eingefĂŒgt, d. h. Einlagerung von Fremdatomen oder Verbindungen in die ZwischenrĂ€ume von Schichtebenen, z. B. von Graphit, an denen dann die Redoxreaktionen mit den dafĂŒr geeigneten Kationen stattfinden.
Am besten erklĂ€rt ist die PseudokapazitĂ€t bei Rutheniumoxid (RuO2).[29] Hier kommt es zu einer gekoppelten reversiblen Redoxreaktion mit mehreren Oxidationsstufen, deren Potenziale sich ĂŒberlappen. Die Elektronen kommen meist aus den Valenzorbitalen des Elektrodenmaterials und die Elektronentransferreaktion geschieht sehr schnell, wobei nach folgender Reaktionsgleichung hohe Ströme flieĂen können:
Bei diesem Charge-Transfer-Ăbergang (Ladungs-Transfer-Ăbergang) werden beim Laden bzw. Entladen H+ Protonen in das Ruthenium-Kristallgitter eingelagert bzw. aus ihm entfernt. Es erfolgt eine faradaysche bzw. elektrochemische Speicherung elektrischer Energie ohne chemische Umwandlung des Elektrodenmaterials. Die OH-Gruppen lagern sich als molekulare Schicht an die ElektrodenoberflĂ€che an und bilden Helmholtz-Schichten. Deshalb haben Pseudokondensatoren mit einem hohen Anteil an PseudokapazitĂ€t immer auch noch einen gewissen Anteil an statischer KapazitĂ€t, die aus der Doppelschicht herrĂŒhrt. Da die messbare Spannung aus der Redoxreaktion proportional zu dem Ladungszustand ist, entspricht das Verhalten der Reaktion dem eines Kondensators und nicht dem eines Akkumulators, bei der die Spannung weitgehend unabhĂ€ngig vom Ladezustand ist.
Eine PseudokapazitĂ€t kann, bei gleichem Volumen oder gleichem Gewicht, eine bis zu 100-fach gröĂere KapazitĂ€t bilden als eine statische KapazitĂ€t in Helmholtz-Doppelschichten. Das hĂ€ngt von der GröĂe der beteiligten Atome ab, die meist deutlich kleiner als die Ionen im Elektrolyten sind. Die Redoxreaktionen haben keine stofflichen Ănderungen im Elektrodenmaterial zur Folge, mögliche Reaktionsprodukte bleiben im Bereich der Helmholtz-Schicht vor der Elektrode. Allerdings ist bei realen âPseudokondensatorenâ die gesamte KapazitĂ€t des Kondensators immer eine Summe aus einem mehr oder weniger groĂen Anteil an PseudokapazitĂ€t und einem weiteren Anteil aus der statischen KapazitĂ€t der Helmholtz-Doppelschicht.
Die elektrochemischen Redoxreaktionen sind sehr schnell. Damit besitzen die Kondensatoren, die diese Eigenschaft aufweisen, die Superkondensatoren, Ultrakondensatoren und die Hybridkondensatoren, zwei wesentliche Vorteile gegenĂŒber Akkumulatoren: Der Lade- und Entladevorgang ist deutlich schneller als bei Akkumulatoren und es findet so gut wie keine Alterung durch chemische Zersetzung statt. Durch ihre Eigenschaft der schnellen Lade- und EntladefĂ€higkeit gekoppelt mit einer vergleichsweise hohen Energiedichte sind sie deshalb in den Blickpunkt der Ăffentlichkeit geraten, weil sie bei den neuen Konzepten der ElektromobilitĂ€t als Speicher fĂŒr die RĂŒckgewinnung von Bremsenergie sowie als Energielieferant bei Lastspitzenbedarf in Bahnen, Bussen und in Kraftfahrzeugen in Frage kommen.[42]
Ein Doppelschichtkondensator besteht aus zwei groĂflĂ€chigen Elektroden, die mit einem leitfĂ€higem Elektrolyten, einem Ionenleiter, elektrisch miteinander verbunden sind. Die Elektroden werden durch eine elektrisch durchlĂ€ssige Membran (Separator) getrennt und gegen eine direkte BerĂŒhrung gegeneinander und somit gegen einen Kurzschluss geschĂŒtzt. FlĂ€chige Stromableiter (Kollektoren) kontaktieren die jeweilige Elektrode und verbinden sie mit den AnschlĂŒssen. Diese Unterteile können zu einem Wickel gewickelt werden oder aber in mehreren Lagen zu einem Stapel verarbeitet werden. AnschlieĂend werden sie in einem gemeinsamen GehĂ€use (Zelle) eingebaut und mehr oder weniger hermetisch verschlossen.
FĂŒr Doppelschicht-, Super-, Pseudo- und Hybridkondensatoren gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Elektroden. Je nach Hersteller und Entwicklungsstand haben alle Versionen in den jeweiligen Kondensatoren Vor-, aber auch Nachteile. Allen gemeinsam ist aber, dass sie eine möglichst gute LeitfĂ€higkeit und eine möglichst groĂe OberflĂ€che bei kleinstem Volumen und Gewicht haben sollen. FĂŒr reine Doppelschichtkondensatoren wird diese Forderung durch vier unterschiedliche Elektrodenversionen erfĂŒllt: Elektroden aus Aktivkohle, aus Kohlenstoff-Aerogel, aus Kohlenstoffnanoröhren oder Graphen[21].
Am hĂ€ufigsten werden fĂŒr Doppelschichtkondensatoren Elektroden aus Aktivkohle eingesetzt. Sie ist recht preiswert, ungiftig und enthĂ€lt keine die Umwelt schĂ€digenden Stoffe. Sie kann auĂerdem aus preisgĂŒnstigen natĂŒrlichen Ausgangsstoffen, wie z. B. Kokosnussschalen, Zucker oder Algen, hergestellt werden.[42] Aktivkohle besteht ĂŒberwiegend aus Kohlenstoff. Entlang der Kristallebenen ist Kohlenstoff elektrisch sehr leitfĂ€hig und eignet sich deshalb gut als Elektrodenmaterial.
In der einfachsten Form werden diese Kohlenstoffelektroden aus gepresstem aktivierten Pulver mit hochporöser Struktur verwendet. Die Poren sind wie bei einem Schwamm untereinander verbunden (offenporig) und bilden eine sehr groĂe innere OberflĂ€che. Sie betrĂ€gt bis zu 2000 m2/g; damit entspricht die innere OberflĂ€che von 4 g Aktivkohle ungefĂ€hr der FlĂ€che eines FuĂballfeldes. FĂŒr eine Elektrode aus Aktivkohle mit 1000 m2/g ergibt sich bei einer typischen DoppelschichtkapazitĂ€t von 10 ”F/cm2 eine spezifische KapazitĂ€t von 100 F/g. In einer weiteren Form kann Aktivkohle zu Kohlenstofffasern (engl. Activated Carbon Fiber, ACF), versponnen werden, die zu Gewebe fĂŒr flexible Elektroden verarbeitet werden können. Die OberflĂ€che solcher Gewebe ist meist gröĂer als die der schwammartigen Pulver.
GröĂere ElektrodenoberflĂ€che von bis zu 3000 m2/g besitzen Kohlenstoff-Aerogele (CRF). Aerogele sind hochporöse Festkörper[43], die bis zu 99,98 % des Volumens aus Poren bestehen. Dieses Material hat eine groĂe Festigkeit und kann als Elektrodenmaterial fĂŒr mechanisch widerstandsfĂ€hige Kondensatoren genutzt werden. Damit können sehr groĂe spezifische KapazitĂ€tswerte in Doppelschichtkondensatoren erreicht werden.
Neuere Entwicklungen verwenden Doppelschichtelektroden in Form von Kohlenstoffnanoröhren oder Graphen. Forscher des MIT entwickelten Ultrakondensatoren mit Matten aus Kohlenstoffnanoröhren, die eine theoretische KapazitĂ€t von 550 F/g erreichen können. Recht anschaulich wird diese Elektrode beim Beladen mit Ionen von J. Schindall dargestellt.[44] Die Nanofasern haben Durchmesser zwischen 0,7 und 2 nm mit einer LĂ€nge von einigen zehn ”m. Das Problem dieser Neuentwicklung ist, die Kohlenstoffnanoröhren fĂŒr die benötigten Elektroden in genĂŒgend groĂer FlĂ€che und in groĂen Mengen herzustellen.
Auch Graphen hat eine sehr groĂe OberflĂ€che, ein Gramm davon hat eine OberflĂ€che von 2675 Quadratmetern. Die Firma Nanotek Instruments[45] aus Ohio/USA ist es gelungen, Graphen in einer Form zu produzieren, die an zerknĂŒlltes Papier erinnert.[46] Die zweidimensionale Struktur der Graphenschicht verbessert auĂerdem die Lade- und Entladegeschwindigkeit des Graphen-Superkondensators. Die LadungstrĂ€ger bei vertikal orientierten Graphen-Nanoschichten können schneller in die tieferen Strukturen der Elektrode hineinwandern bzw. herauskommen und beschleunigen damit die Schaltgeschwindigkeit. Sogar fĂŒr 100/120 Hz Filteranwendungen sind solche Kondensatoren geeignet.
Elektroden, die diese Eigenschaften aufweisen, also einen groĂen Anteil an PseudokapazitĂ€t durch Redoxreaktionen besitzen, sind beispielsweise leitfĂ€hige Polymere wie Polypyrrol, Polyanilin, Pentacen oder Polythiophen[47] oder mit einem leitfĂ€higem Polymer beschichteter Aktivkohle[48]. Diese Elektroden sind preiswert und haben, aufgrund der zusĂ€tzlichen PseudokapazitĂ€t durch eine Dotierung, eine wesentlich höhere spezifische KapazitĂ€t als reine statische Doppelschichtelektroden, weisen jedoch aufgrund chemischer InstabilitĂ€ten bei ihren elektrochemischen Reaktionen eine kĂŒrzere Lebensdauer und verringerte Zyklusfestigkeit auf. Die geringe Zyklusfestigkeit hat bislang verhindert, dass Pseudokondensatoren mit leitfĂ€higen Polymeren auf den Markt gebracht wurden.
Wegen ihrer hohen LeitfĂ€higkeit sind verschiedenen Metalloxide (RuO2, Fe3O4 oder MnO2 ) als Elektroden fĂŒr Pseudokondensatoren gut geeignet. Sie haben den Vorteil, dass diese Elektroden eine wesentlich höhere KapazitĂ€t aufweisen. Es wurde ein Wert fĂŒr Elektroden aus Rutheniumoxid von bis zu 600& F/g nachgewiesen.[49] Die Metalloxide werden durch Dotierung von Protonen in das amorphe Elektrodenmaterial eingebracht, oder sie werden mit Hilfe einer Interkalation in das Elektrodenmaterial eingefĂŒgt. Wegen des recht hohen Preises werden solche Pseudokondensatoren jedoch nur fĂŒr militĂ€rische Anwendungen hergestellt.[50]
In Hybridkondensatoren, die Kombination von elektrostatischen Doppelschicht- mit elektrochemischen Pseudokondensatoren, werden drei unterschiedliche Arten von Elektroden eingesetzt.
Hybridkondensatoren mit Kompositelektroden sind mit symmetrischen Elektroden aufgebaut, meist aus Aktivkohle, die Einlagerungen aus leitfĂ€higen Polymeren oder Metalloxiden enthalten. Das Elektrodenmaterial Aktivkohle sorgt in diesen Kondensatoren fĂŒr eine groĂe OberflĂ€che, und die Einlagerungen schaffen durch Redoxreaktionen zusĂ€tzliche PseudokapazitĂ€t, sodass die sich ergebende GesamtkapazitĂ€t und Leistungsdichte deutlich höher als bei einem reinen Doppelschichtkondensator ist. In neueren Entwicklungen wird die Aktivkohle durch Kohlenstoffnanoröhren oder Graphen ersetzt.
Asymmetrische Hybridkondensatoren kombinieren eine herkömmliche Doppelschichtelektrode mit einer Elektrode aus einem Pseudokondensator. Darunter hat eine Kombination aus einer negativen Elektrode aus Aktivkohle kombiniert mit einer positiven Elektrode aus leitfĂ€higem Polymer besonders gute Ergebnisse gebracht. Durch diese Kombination wird die ZyklusfĂ€higkeit der Polymerelektrode gegenĂŒber dem Einsatz in einem Pseudokondensator deutlich verbessert.
Hybridkondensatoren mit batterieĂ€hnlichen Elektroden sind ebenfalls asymmetrisch aufgebaut. Zu dieser Gruppe gehören die Lithium-Ionen-Kondensatoren. In ihnen werden eine Aktivkohleelektrode aus einem Doppelschichtkondensator mit einer dotierten PseudokapazitĂ€tselektrode kombiniert. Bei diesen Kondensatoren werden beim Laden des Kondensators die (relativ kleinen) Lithium-Atome in der Polymerelektrode zwischen den Ebenen âeingelagertâ, es entsteht eine Interkalationsverbindung (z. B. LixnC).[51], die zu einer groĂen PseudokapazitĂ€t fĂŒhrt.
Der Elektrolyt in Doppelschichtkondensatoren, die elektrisch leitfĂ€hige Verbindung beider Elektroden, bestimmt das Spannungsfenster, in dem der Kondensator betrieben werden kann, seinen Temperaturbereich, den Innenwiderstand (ESR) und ĂŒber seine StabilitĂ€t auch das Langzeitverhalten des Kondensators.
Ein Elektrolyt besteht immer aus einem Lösungsmittel mit gelösten Chemikalien, die in positive Kationen und negative Anionen dissoziieren und dadurch seine LeitfĂ€higkeit bewirken. Je mehr Ionen der Elektrolyt enthĂ€lt, desto besser ist seine LeitfĂ€higkeit. Der Elektrolyt muss die porige, schwammartige oder vernetzte Struktur der Elektroden durchdringen können, seine ViskositĂ€t muss klein genug sein, um die ElektrodenoberflĂ€che voll benetzen zu können. Er muss auĂerdem chemisch inert sein und darf die Materialien des Kondensators chemisch nicht angreifen. Aus dem Bereich der Anwendungen kommen dann die anderen Anforderungen an den Elektrolyten, der gewĂŒnschte Temperaturbereich und die geforderte Spannungsfestigkeit. Einen idealen Elektrolyten gibt es nicht, die Eigenschaften eines Elektrolyten sind immer ein Kompromiss aus Leistungsvermögen und Anforderungsprofil.
Wasser ist ein relativ gutes Lösungsmittel fĂŒr anorganische Chemikalien. Mit SĂ€uren wie SchwefelsĂ€ure (H2SO4), Alkalien wie Kaliumhydroxid KOH oder Salzen, wie quartĂ€re Phosphoniumsalze, Natriumperchlorat (NaClO4), Lithiumperchlorat (LiClO4) oder Lithiumhexafluoridoarsenat (LiAsF6) versetzt, können relativ hohe LeitfĂ€higkeitswerte von etwa 100 bis 1000 mS/cm erreicht werden. Preiswerte wasserhaltige Elektrolyte haben aber eine Dissoziations-Spannung von nur 1,2 V und einen relativ kleinen Betriebstemperaturbereich. Deshalb werden wasserhaltige Elektrolyte nur in EDLCs mit geringer Energiedichte, aber hoher Leistungsdichte eingesetzt.
Elektrolyte mit organischen Lösungsmitteln wie Acetonitril, Propylencarbonat, Tetrahydrofuran, Diethylcarbonat, Îł-Butyrolacton und Lösungen mit quaternĂ€ren Ammoniumsalzen oder Alkylammoniumsalzen wie z. B. Tetraethylammoniumtetrafluoroborat (N(Et)4BF4,[52]) oder Triethyl(metyl)ammoniumtetrafluoroborat (NMe(Et)3BF4) sind teurer als wĂ€ssrige Elektrolyte, haben aber eine höhere Dissoziationsspannung von typisch 2,5 V bis zu etwa 4 V und einen höheren Temperaturbereich. Ihre LeitfĂ€higkeit von etwa 10 bis 60 S/cm fĂŒhrt zwar zu einer geringeren Leistungsdichte, da jedoch die Energiedichte mit dem Quadrat der Spannung ansteigt, haben Doppelschichtkondensatoren mit organischen Lösungsmittelelektrolyten eine höhere Energiedichte als EDLCs mit wĂ€ssrigen Elektrolyten.[53][54]
Separatoren sollen die beiden Elektroden mechanisch voneinander trennen um einen Kurzschluss zu verhindern. Sie können sehr dĂŒnn sein (wenige hundertstel Millimeter)[55] und mĂŒssen sehr porös sein um möglichst wenig zum Innenwiderstand (ESR) des Kondensators beizutragen. AuĂerdem mĂŒssen sie chemisch inert sein, um den Einfluss auf die LangzeitstabilitĂ€t und die LeitfĂ€higkeit des Elektrolyten gering zu halten. Preiswerte Lösungen verwenden offene Kondensatorpapiere als Separator, professionelle Doppelschichtkondensatoren verwenden poröse Kunststoff-Folien, Glasfasergewebe oder poröse Keramikgewebe als Separatoren.[20]
Die Kollektoren (Stromsammler) dienen dem elektrischen Kontaktieren des Elektrodenmaterials und verbinden diese mit den AnschlĂŒssen des Kondensators. Sie mĂŒssen eine gute LeitfĂ€higkeit besitzen, immerhin sollen Spitzenströme von bis zu 100 A problemlos auf die Kondensatorzelle verteilt bzw. von ihr abgenommen werden. Sofern das GehĂ€use wie ĂŒblich aus einem Metall besteht, sollten Kollektoren und GehĂ€use aus demselben Material bestehen, meist Aluminium, weil sich sonst in Anwesenheit eines Elektrolyten eine galvanische Zelle bilden wĂŒrde, die zu Korrosion fĂŒhren könnte. Die Kollektoren werden entweder in einem SprĂŒhverfahren auf die Elektroden aufgesprĂŒht oder bestehen aus einer Metallfolie, auf der die Elektrode angebracht ist.
Doppelschichtkondensatoren bestehen aus zwei groĂflĂ€chigen Elektroden <math>C_1</math> und <math>C_2</math>, die mit einem leitfĂ€higen Elektrolyten elektrisch miteinander verbunden sind. An jeder der beiden Elektroden wird beim Laden des Kondensators elektrische Energie gespeichert, sei es statisch in der Doppelschicht oder elektrochemisch in den Redoxreaktionen der PseudokapazitĂ€t. Dadurch entstehen im Kondensator zwei interne Kondensatoren, die ĂŒber den Widerstand <math>R_i</math> des elektrisch leitenden Elektrolyten miteinander in Reihe geschaltet und ĂŒber die Kollektoren mit ihren beiden ZuleitungswiderstĂ€nden mit der Umwelt verbunden sind. Die GesamtkapazitĂ€t eines EDLCs ergibt sich dann aus der Serienschaltung dieser beiden Kondensatoren:
<math>C_\text{gesamt} = \frac{C_1 \cdot C_2}{C_1 + C_2}</math>
Bei symmetrischen Elektroden wird damit die GesamtkapazitÀt des Kondensators gleich der halben KapazitÀt einer Elektrode.
Der von auĂen an den AnschlĂŒssen messbare Wert dieser KapazitĂ€t <math>C</math> ergibt sich aus dem Energieinhalt <math>W</math> eines mit der Ladespannung <math>U_\text{Lade}</math> geladenen Kondensators:
Diese KapazitĂ€t wird auch âGleichspannungskapazitĂ€tâ genannt. Sie wird nach geltender Norm (DIN EN 62391-1) gemessen, indem der Kondensator zunĂ€chst mit einer Konstantstromquelle auf seine Nennspannung geladen wird. Danach wird der Kondensator 30 Minuten auf diesem Spannungswert gehalten und dann mit einem definierten Entladestrom <math>I_\text{Entlade}</math> entladen, wobei dann die Zeit ermittelt wird, die vergeht, in der die Spannung von 80 % auf 40 % der Nennspannung abfĂ€llt. Die KapazitĂ€t ergibt sich dann gemÀà der Definition im nebenstehenden Bild aus der Formel:
Der Wert des Entladestromes richtet sich nach der Applikation, fĂŒr die die Kondensatoren vorgesehen werden. Die Norm definiert hier vier Klassen:
Die Messverfahren, die von den einzelnen Herstellern spezifiziert werden, können in einigen Details vom genormten Verfahren abweichen, siehe beispielsweise:[56][57]
Die normgerechte, aber sehr zeitaufwendige Messmethode zur Messung der KapazitÀt kann aus dem Energieinhalt <math>W</math> und durch eine Messung des Spannungsfalls von 90 % auf 70 % des Nennspannungswertes <math>U_{R}</math> nach folgender Formel berechnet werden[58]:
Diese Messverfahren sind sehr zeitaufwendig. In der industriellen Produktion können Doppelschichtkondensatoren mit diesen Verfahren nicht ĂŒberprĂŒft werden. Die GleichspannungskapazitĂ€t wird deshalb mit einem sehr viel schnelleren Messverfahren mit einer kleinen Messfrequenz als WechselspannungskapazitĂ€t gemessen und mit Hilfe eines Korrelationsfaktors berechnet. Allerdings ist die KapazitĂ€t eines Doppelschichtkondensators sehr stark frequenzabhĂ€ngig. Schon bei einer Messfrequenz von 10 Hz fĂ€llt der Messwert auf nur etwa 20 % des Gleichspannungswertes ab. Der Korrelationsfaktor kann deshalb nur mit sehr viel Erfahrungen und Vergleichen festgelegt werden.
Die starke FrequenzabhĂ€ngigkeit der KapazitĂ€t von Doppelschichtkondensatoren hĂ€ngt mit der begrenzten Beweglichkeit der Ionen im Elektrolyten und der porigen Struktur der Elektroden zusammen. Die Eigenschaften, die sich daraus ergeben, lassen sich elektrisch recht gut mit einer Reihenschaltung hintereinandergeschalteter RC-Glieder beschreiben. Um die gesamte KapazitĂ€t einer Pore bis zum Ende der Pore auszunutzen, mĂŒssen alle EinzelkapazitĂ€ten ĂŒber die seriellen RC-Zeitkonstanten erreicht werden, dabei muss der flieĂende Strom zeitverzögert einen immer gröĂer werdenden Leitungswiderstand ĂŒberwinden. Somit wird die gesamte KapazitĂ€t des Doppelschichtkondensators nur nach lĂ€ngeren Einschaltzeiten erreicht. Beim Anlegen einer Wechselspannung, auch mit sehr kleiner Frequenz, wird nur die stark reduzierte KapazitĂ€t am Poreneingang genutzt. Mit diesem Modell lĂ€sst sich auch die starke FrequenzabhĂ€ngigkeit des Innenwiderstandes verdeutlichen.
Die FrequenzabhĂ€ngigkeit der KapazitĂ€t hat auch Auswirkungen auf den Betrieb der Kondensatoren. Sollen die EDLCs mit schnellen Lade- und Entladezyklen betrieben werden, dann steht der Anwendung nicht mehr der volle Wert der GleichspannungskapazitĂ€t zur VerfĂŒgung. Der nutzbare KapazitĂ€tswert ist kleiner und muss im Einzelfall der Applikation durch entsprechende Auswahl des Kondensators angepasst werden.
Die Spannungsfestigkeit von Doppelschichtkondensatoren wird begrenzt durch die maximale Dissoziationsspannung, bei der der Helmholtz-Effekt in den Doppelschichten stabil bleibt. Bei höheren Spannungen erfolgt eine elektrolytische Zersetzung des Elektrolyten oder anders ausgedrĂŒckt, es kommt zu einem direkten Ladungsaustausch von den Ionen als LadungstrĂ€ger auf die Elektroden. Dabei kann es zu chemischen Reaktionen kommen, die zur Gasbildung fĂŒhren und damit den Kondensator zerstören können.
Die Dissoziationsspannung hÀngt von der Zusammensetzung des Elektrolyten ab. Bei wÀssrigen Elektrolyten liegt diese Grenze bei 1,2 V und bei Elektrolytsystemen auf der Basis organischer Lösungsmittel im Allgemeinen bei 2,3 V. Bei neueren Lithium-Ionen-Kondensatoren mit dotierter Anode wird eine Spannungsfestigkeit von 3,8 bis 4 V erreicht, wobei jedoch, bedingt durch die Dotierung, eine untere Spannungsgrenze von etwa 2,2 V nicht unterschritten werden darf.
Doppelschichtkondensatoren werden ĂŒberwiegend als gepolte Kondensatoren hergestellt. Sie dĂŒrfen nicht in âfalscherâ PolaritĂ€t entgegen der PolaritĂ€tskennung betrieben werden. Das schlieĂt auch einen Betrieb mit Wechselspannungen aus. Ein Betrieb mit falscher PolaritĂ€t fĂŒhrt zur Gasentwicklung und Zerstörung des Kondensators.
Doppelschichtkondensatoren können jedoch auch bipolar aufgebaut werden. Bipolare EDLCs mit groĂflĂ€chigen Elektroden erlauben in einer Serienschaltung eine besonders groĂe Leistungsdichte. Nachteil der bipolaren Konstruktion ist die Kapselung jeder Einzelzelle, da ein Elektrolytschluss zwischen den Zellen vermieden werden muss.[59] Die Entwicklung dieser bipolaren Doppelschichtkondensatoren durch Epcos ist allerdings mit der Aufgabe der AktivitĂ€ten auf diesem Gebiet im Jahre 2007 eingestellt worden.[60]
Das Laden oder Entladen eines Doppelschichtkondensators ist verbunden mit einer Polarisierung der Ionen im Elektrolyten und einer Bewegung der LadungstrÀger durch den Separator hindurch bis tief in die Poren der Elektroden hinein. Bei dieser Bewegung der Ionen im Elektrolyten treten Verluste auf, die als Innenwiderstand des Kondensators gemessen werden können. Mit dem elektrischen Modell seriell geschalteter RC-Glieder in den Poren der Elektroden im obigen Bild lÀsst sich dabei leicht erklÀren, dass der Innenwiderstand von Doppelschichtkondensatoren mit zunehmender Eindringtiefe der LadungstrÀger in die Poren der Elektroden zeitverzögert zunimmt. Da die LadungstrÀgerbeweglichkeit auch noch begrenzt ist, ist nicht nur die KapazitÀt sondern auch noch der Innenwiderstand stark frequenzabhÀngig.
Das Laden bzw. Entladen eines Kondensators ist letztendlich aber ein Vorgang, bei dem ein Gleichstrom flieĂt. Der wirksame Innenwiderstand eines EDLCs, der Innenwiderstand <math>R_i</math>, mitunter auch ESRDC genannt, wird deshalb in den jeweiligen DatenblĂ€ttern als Gleichstromwiderstand angegeben. Er wird ĂŒber den Spannungsfall <math>\Delta U_2</math>, der sich aus der VerlĂ€ngerung des graden Abschnitts der Entladespannung als Schnittpunkt mit der Entladekurve zum Zeitpunkt des Entladebeginns ergibt, nach folgender Formel berechnet:
Als Entladestrom fĂŒr die Messung des Innenwiderstandes gilt der Strom nach der Klasseneinteilung gemÀà DIN EN62391-1.
Eine andere, schnellere Messmethode zur Messung eines Innenwiderstandes bietet die Messung eines Wechselstromwiderstandes. Dieser Wechselstromwiderstand wird ESR oder ESRAC genannt (en: Equivalent Series Resistance). Er wird bei 1 kHz gemessen und weist einen deutlich kleineren Widerstandswert auf. Mit einer phasenwinkelkompensierten 1 kHz-Messung[53] kann, nach sorgfÀltiger Analyse von Vergleichsdaten, der ESR mit Hilfe von Korrelationsfaktoren zur Ermittlung des Gleichstrom-Innenwiderstandes benutzt werden.
Der Innenwiderstand <math>R_i</math> bestimmt mehrere Eigenschaften von Doppelschichtkondensatoren. Er begrenzt zum einen die Lade- bzw. Entladegeschwindigkeit des Kondensators. Zusammen mit der KapazitÀt <math>C</math> des Kondensators ergibt sich die Zeitkonstante <math>\tau</math> mit
Diese Zeitkonstante bestimmt die zeitliche Grenze, mit der ein Kondensator ge- bzw. entladen werden kann. Ein 100-F-Kondensator mit dem Innenwiderstand von 30 mΩ hat z. B. eine Zeitkonstante von 0,03 · 100 = 3 s, d. h., nach 3 s Laden mit einem nur durch den Innenwiderstand begrenzten Strom hat der Kondensator 62,3 % der Ladespannung erreicht. Da bis zum vollstÀndigen Laden des Kondensators eine Zeitdauer von etwa 5 <math>\tau</math> benötigt wird, hat die Spannung dann nach etwa 15 s die Ladespannung erreicht.
Der Innenwiderstand <math>R_i</math> ist aber auch der begrenzende Faktor, wenn mit Doppelschichtkondensatoren der Vorteil der schnellen Lade-/EntladefĂ€higkeit gegenĂŒber Akkumulatoren ausgenutzt werden soll. Denn bei den sehr hohen Lade- und Entladeströmen <math>I</math>, die bei Leistungsanwendungen von Doppelschichtkondensatoren auftreten, treten interne Verluste <math>P_\text{v}</math> auf,
die ĂŒber den Innenwiderstand <math>R_i</math> zu einer ErwĂ€rmung des Kondensators fĂŒhren. Diese ErwĂ€rmung ist die Hauptursache fĂŒr die gröĂenmĂ€Ăige Begrenzung der Lade- und Entladeströme bei den Doppelschichtkondensatoren, insbesondere bei hĂ€ufig auftretenden Lade- und EntladevorgĂ€ngen.
Da sowohl die LadungstrĂ€gerbeweglichkeit der Ionen im Elektrolyten, als auch die LeitfĂ€higkeit des Elektrolyten gegenĂŒber Elektronen in metallischen Leitern deutlich geringer ist, ist der Innenwiderstand <math>R_i</math> von EDLCs höher als bei anderen Kondensatortechnologien jedoch deutlich kleiner als bei Akkumulatoren und zeigt auch ein deutlich besseres Tieftemperaturverhalten. Allerdings hĂ€ngen beide Eigenschaften stark von der Zusammensetzung des Elektrolyten ab und unterscheiden sich deutlich bei den unterschiedlichen Baureihen der verschiedenen Hersteller.
Doppelschichtkondensatoren, vor allem die neueren Entwicklungen, die als Super- oder Ultrakondensatoren vermarktet werden, können im Vergleich zu Akkumulatoren deutlich schneller ge- oder entladen werden und erhöhen somit die VerfĂŒgbarkeitszeit der GerĂ€te. Dieses ist ein entscheidendes Einsatzkriterium von EDLCs gegenĂŒber Akkumulatoren und findet sich im Begriff der Leistungsangabe wieder, die entweder auf ihre Masse bezogen ist und dann als gravimetrische Leistungsdichte in <math>kW/kg</math> oder als Volumenleistungsdichte in kW/cm3 angegeben wird. Sie ist durch die WĂ€rmeentwicklung bei der Strombelastung ĂŒber den Innenwiderstand bestimmt. Hohe Leistungsdichten ermöglichen Anwendungen zur Pufferung von Verbrauchern (Energiespeicher), die kurzzeitig einen hohen Strom benötigen oder abgeben (z. B.:Nutzbremsung).
Die Energiedichte dagegen ist das MaĂ fĂŒr die speicherbare elektrische Energie in einem Doppelschichtkondensator. Sie ist bei diesen Kondensatoren ein wichtiger Kennwert zum Vergleich mit Akkumulatoren und wird als gravimetrische Energiedichte in Wh/kg oder kWh/kg angegeben. Mitunter wird die Energiedichte auch auf das Bauvolumen bezogen, dann wird sie als volumetrische Energiedichte in Wh/cm3 oder kWh/cm3 angegeben.
Die Energiedichte von Doppelschichtkondensatoren ist zur Zeit (2011) noch deutlich geringer als die von neueren Akkumulatoren, jedoch können in einigen Anwendungen, bei denen hÀufigeres schnelles Laden möglich ist, der Nachteil einer geringeren Energiedichte durch den Vorteil der höheren Leistungsdichte mehr als aufgewogen werden.
Leistungsdichte und Energiedichte werden meist in einem sogenannten Ragone-Diagramm dargestellt. Mit einem solchen Diagramm ist die Einordnung einer bestimmten Speichertechnologie im Vergleich mit anderen Technologien visuell anschaulich darstellbar.
GrundsĂ€tzlich zeichnen sich Doppelschichtkondensatoren, vor allem die neueren Entwicklungen, die als Super- oder Ultrakondensatoren vermarktet werden, gegenĂŒber anderen Energiespeichern wie Akkumulatoren oder Schwungradspeichern durch ihre besonders hohe Leistungsdichte, die sich in den technisch realisierbaren sehr hohen Lade- und Entladeströmen widerspiegelt, sowie lange Lebensdauer, ZuverlĂ€ssigkeit, hohen Wirkungsgrad und Wartungsfreiheit aus. Sie sind daher ideal fĂŒr die Rekuperation von Bremsenergie geeignet.
Beim Zyklusbetrieb von Doppelschichtkondensatoren fĂŒr Leistungsanwendungen können sehr hohe Ströme flieĂen. GroĂe Superkondensatoren mit der KapazitĂ€t von mehr als 1000 F lassen gemÀà Datenblattspezifikation maximale Ströme (Spitzenstrom) ĂŒber 1000 A zu. Bei solch hohen Strömen tritt nicht nur eine starke interne ErwĂ€rmung der Kondensatoren auf, bei der die WĂ€rmeausdehnung einen zusĂ€tzlichen Stressfaktor bildet, sondern es entstehen auch noch starke elektromagnetische KrĂ€fte mit Auswirkung auf die Festigkeit der Elektroden-Kollektor-Verbindung. Eine groĂe Zyklusfestigkeit von EDLCs mit bis zu 1.000.000 Zyklen ist also nicht nur eine Frage der chemischen StabilitĂ€t der Unterteile sondern auch noch Ergebnis einer mechanisch robusten und stabilen Konstruktion.[61] Die Steilheit der Lade- und Entladezyklen sowie deren Anzahl haben auĂerdem noch einen Einfluss auf die Lebensdauer der Kondensatoren[62].
Die Lebensdauer von Doppelschichtkondensatoren wird in den DatenblĂ€ttern der Hersteller immer mit einer getesteten Zeit bei der oberen Grenztemperatur spezifiziert, z. B. in der Schreibweise â5000 h/65 °Câ. Sie ist stark von der jeweiligen Baureihe abhĂ€ngig und wird definiert als zulĂ€ssige Ănderungen elektrischer Parameter wĂ€hrend der Betriebszeit. Denn wĂ€hrend des Betriebes von Doppelschichtkondensatoren, der âLebensdauerâ oder auch âBrauchbarkeitsdauerâ, verringert sich im Laufe der Zeit die KapazitĂ€t, und der Innenwiderstand erhöht sich. Die GrĂŒnde fĂŒr diese Ănderungen der elektrischen Parameter sind sowohl das langsame Verdunsten des Elektrolyten durch Diffusion durch die Abdichtung hindurch als auch chemische Prozesse, die zur VerĂ€nderung der Eigenschaften der Kollektoren, der Elektroden und des Elektrolyten fĂŒhren. Durch die langsame Ănderung der Parameter werden die Kondensatoren irgendwann ihre Funktion nur noch vermindert erfĂŒllen. Deshalb werden Ănderungsgrenzen definiert, deren Ăberschreitung als sogenannte âĂnderungsausfĂ€lleâ gewertet werden. Wird auch nur eine dieser Grenzen unter- bzw. ĂŒberschritten, ist das Ende der Lebensdauer des Kondensators erreicht. Die Kondensatoren sind zwar auch dann noch weiter betriebsfĂ€hig, nur eben mit verminderten elektrischen Eigenschaften.
FĂŒr die KapazitĂ€t ist die Grenze zum Ănderungsausfall nach DIN EN 62391-2 erreicht, wenn der KapazitĂ€tswert sich um 30 % gegenĂŒber seinem Anfangswert vermindert hat. FĂŒr den Innenwiderstand gilt nach DIN als Ănderungsausfall, wenn er den vierfachen Wert seiner Spezifikation ĂŒberschritten hat. Wird auch nur eine dieser Grenzen unter- bzw. ĂŒberschritten, ist das Ende der Lebensdauer des Kondensators erreicht.
Diese nach DIN zulĂ€ssigen Ănderungen sind jedoch fĂŒr Anwendungen mit hohen Ein- und Ausschalt-Strombelastungen meist zu hoch. Viele Hersteller, deren Superkondensatoren fĂŒr hohe Ströme vorgesehen sind, spezifizieren deshalb die maximalen ParameterĂ€nderungen zur Definition der Lebensdauer der Kondensatoren mit deutlich engeren zulĂ€ssigen Ănderungen, beispielsweise mit nur 20 % Ănderung der KapazitĂ€t kombiniert mit der maximalen Ănderung des Innenwiderstandes auf den doppelten Datenblattwert[63]. Insbesondere fĂŒr den Innenwiderstand ist diese engere Definition bei hoher Strombelastung wichtig, da die WĂ€rmeentwicklung im Kondensator linear mit dem Innenwiderstand ansteigt und bei einem vierfach höheren Innenwiderstand die VerlustwĂ€rme ebenfalls vierfach höher wĂ€re und es möglicherweise dadurch zu einer unzulĂ€ssigen Gasdruckentwicklung im Kondensator kommen könnte.
Die in den DatenblĂ€ttern spezifizierte Lebensdauer bei der oberen Grenztemperatur kann von Anwendern in Lebensdauerzeiten fĂŒr abweichende Betriebsbedingungen umgerechnet werden. Dies erfolgt allgemein bei herkömmlichen Doppelschichtkondensatoren, die nicht fĂŒr Leistungsanwendungen vorgesehen sind, Ă€hnlich wie bei Aluminium-Elektrolytkondensatoren, nach dem â10-Grad-Gesetzâ, auch âArrhenius-Gesetzâ genannt. Danach verdoppelt sich die abschĂ€tzbare Lebensdauer pro 10 °C niedrigere Betriebstemperatur, weil die Ănderungen der elektrischen Parameter entsprechend langsamer verlaufen.
Ist eine Baureihe wie im nebenstehenden Bild mit 5000 h bei 65 °C spezifiziert, dann werden die Kondensatoren mit etwa 10.000 h bei 55 °C oder mit 20.000 h bei 45 °C gleiche Ănderungen der elektrischen Parameter aufweisen.
Die Lebensdauer von Doppelschichtkondensatoren ist aber im Gegensatz zu den Al-Elkos auch noch abhĂ€ngig von der Betriebsspannung, denn die chemischen Prozesse, die zur Ănderung des KapazitĂ€tswertes und des Innenwiderstandes fĂŒhren, sind spannungsabhĂ€ngig. FĂŒr diese SpannungsabhĂ€ngigkeit der Lebensdauer kann keine allgemein geltende Formel angegeben werden. Der Kurvenverlauf, der aus dem nebenstehenden Bild hervorgeht, ist deshalb nur als ein Erfahrungswert eines Herstellers zu sehen.
Bei Super- oder Ultrakondensatoren, deren KapazitĂ€t sich aus einem sehr hohen Anteil an Redox-PseudokapazitĂ€t ergibt, können die oft recht hohen Lade- und Entladeströmen auĂerdem auch noch korrosive Prozesse an den Kollektoren hervorrufen.[53] Solche Prozesse werden durch hohe Temperaturen beschleunigt, die beim hĂ€ufigen Laden und Entladen entstehen. Die Lebensdauer von Doppelschichtkondensatoren fĂŒr Leistungsanwendungen wird deshalb auch noch durch die Anzahl der Schaltzyklenbeeinflusst.
NatĂŒrlich kann die Lebensdauer fĂŒr einen einzelnen Kondensator mit einer Formel, auch wenn sie als allgemeingĂŒltig betrachtet wird, nicht berechnet werden. Die Berechnung einer Lebensdauer kann nur als AbschĂ€tzung eines statistischen Mittelwertes der Lebensdauer eines Kollektivs unter gleichartigen Bedingungen eingesetzter Bauelemente gesehen werden.
Die Speicherung elektrischer Energie statisch in den Helmholtzschen Doppelschichten erfolgt in einem Abstand der LadungstrĂ€ger zueinander, der im molekularen Bereich liegt. Bei diesem geringen Abstand können Effekte auftreten, die zum Austausch von LadungstrĂ€gern fĂŒhren. Diese Selbstentladung ist als Reststrom, auch Leckstrom genannt, messbar. Dieser Reststrom hĂ€ngt von der Spannung und von der Temperatur am Kondensator ab. Er ist bei Raumtemperatur, bezogen auf die gespeicherte Ladungsmenge, so gering, dass ĂŒblicherweise die Selbstentladung des Kondensators als Ladungsverlust oder als Spannungsverlust fĂŒr eine bestimmte Zeit spezifiziert wird. Als Beispiel sei hier ein â5-V/1-F-Goldcapacitorâ von Panasonic angefĂŒhrt, dessen Spannungsverlust bei 20 °C in 600 Stunden (25 Tage) etwa 3 V betrĂ€gt, fĂŒr die Einzelzelle also 1,5 V.[64] Die Selbstentladungsrate ist fĂŒr die meisten Anwendungen von Doppelschichtkondensaten ausreichend niedrig genug, sie ist jedoch höher als bei Akkumulatoren.
Doppelschichtkondensatoren sind jetzt (2011) schon seit etwa vier Jahrzehnten auf dem Markt. Aufgrund der inzwischen entwickelten vielen neuen Materialien bei den Elektroden und Elektrolytsystemen sind recht viele unterschiedliche Versionen entstanden. Deshalb unterscheiden sich die technischen Daten der Doppelschichtkondensatoren der unterschiedlichen Hersteller zum Teil deutlich voneinander.
Die KapazitĂ€t handelsĂŒblicher Doppelschichtkondensatoren liegt derzeit (2011) im Bereich zwischen 1 F bis etwa 100 F bei einer Spannungsfestigkeit von 2,3â2,75 V. Super-, Ultrakondensatoren und Lithium-Ionen-Kondensatoren werden als Einzelzellen mit KapazitĂ€tswerten zwischen 100 F bis 6500 F[13] gefertigt. Die Kondensatoren verschiedener Hersteller und Anwendungen unterscheiden sich zum Teil deutlich bei der spezifischen KapazitĂ€t (F/cm3), bei der Maximalspannung und beim Innenwiderstand, der Einfluss auf die Leistungsdichte und somit auf die Lade-/Entladegeschwindigkeit hat.[65]
Die Tabelle zeigt verallgemeinert die wichtigsten technischen Daten zwischen drei unterschiedlichen Familien von Doppelschichtkondensatoren im Vergleich zu Elektrolytkondensatoren und Lithium-Ionen-Akkumulatoren. Da insbesondere aufgrund der neuen Entwicklungen im Bereich der ElektromobilitĂ€t zur Zeit erhebliche Aufwendungen fĂŒr Forschung und Entwicklung getĂ€tigt werden, neue Produkte beinahe monatlich angekĂŒndigt werden, kann diese Tabelle nur den augenblicklichen Zustand vom Februar 2011 wiedergeben.
| Kennwerte | Elektrolyt- kondensatoren |
Doppelschicht- kondensatoren |
Super-, Ultra- kondensatoren |
Lithium- Ionen- Kondensatoren |
Lithium- Ionen- Akkumulatoren |
|---|---|---|---|---|---|
| Betriebs- temperaturbereich (°C) |
â40âŠ+125 | â20âŠ+70 | â20âŠ+70 | â20âŠ+70 | â20âŠ+60 |
| Nennspannung pro Zelle (V) |
4...550 | 1,2âŠ4 | 2,5âŠ4 | 2,2âŠ3,8 | 2,5âŠ4,2 |
| Lade-/Entlade-Zyklenlebensdauer | unbegrenzt | 105âŠ106 | 105âŠ5 · 105 | 2 · 104âŠ105 | 0,5...4 · 103 |
| KapazitĂ€tsbereich (F) | †1 | 0,1âŠ100 | 100âŠ6500 | 300âŠ2200 | â |
| KapazitĂ€t pro Volumen (F/cm3) | 0,001 | 5âŠ8 | 8âŠ10 | 10âŠ18 | 1000 |
| Energiedichte (Wh/kg) | â | 1,5âŠ3,9 | 4âŠ9 | 10âŠ15 | 95âŠ190 |
| Effektive Leistungsdichte (kW/kg) | > 100 | 2âŠ10 | 3âŠ10 | 3âŠ6 | 0,3âŠ1,5 |
| Selbstentladezeit bei Raumtemperatur | kurz (Tage) |
mittel (Wochen) |
mittel (Wochen) |
lang (Monate) |
lang (Monate) |
| Wirkungsgrad (%) | 99 | 95 | 95 | 90 | 90 |
| Lebensdauer bei Raumtemperatur (Jahre) | > 20 | 5âŠ10 | 5âŠ10 | 5âŠ10 | 3âŠ5 |
Doppelschichtkondensatoren gehören zu den Bauelementen fĂŒr Elektronische Anlagen und GerĂ€te, die in groĂen StĂŒckzahlen industriell hergestellt und eingesetzt werden. Die GrĂŒnde fĂŒr ihren Einsatz ergeben sich aus ihren Eigenschaften. Mit diesen stehen sie im Wettbewerb mit anderen Bauelementen, in diesem Fall vorzugsweise mit Akkumulatoren. Die Vorteile von Doppelschichtkondensatoren gegenĂŒber Akkumulatoren sind
Dagegen haben Doppelschichtkondensatoren gegenĂŒber Akkumulatoren die Nachteile
Die Bedingungen fĂŒr die PrĂŒfungen von Doppelschichtkondensatoren und der Messvorschriften ihrer elektrischen Parameter[58] werden in mehreren Normen entsprechend ihrer Einsatzbereiche festgeschrieben.
In der Fachgrundspezifikation
Die EN 62391-1 teilt die Anwendungen in vier Bereiche, den sogenannten âKlassenâ ein. Die Klassen werden ĂŒber den Entladestrom definiert, der in der Applikation benötigt wird.
(<math>C</math> = NennkapazitÀt in Farad, (<math>U</math> = Nennspannung in Volt)
Die ersten Doppelschichtkondensatoren, die vor etwa 20 Jahren auf den Markt kamen, hatten zwar höhere KapazitĂ€tswerte als Elektrolytkondensatoren bei deutlich kleineren Bauvolumen, aber noch relativ hohe InnenwiderstĂ€nde. Sie waren jedoch ideal geeignet fĂŒr Verbraucher, deren Strombedarf gering war und die zumindest zeitweilig von der Stromversorgung getrennt waren, beispielsweise bei elektronischen Datenspeichern (RAM, SRAM) in der industriellen Elektronik, aber auch in der Konsumelektronik (Spielzeuge). Hier konnte und kann der Energieinhalt <math>W</math> des Kondensators mit der KapazitĂ€t <math>C</math> und der Ladespannung <math>U_\text{Lade}</math>
zur Energieversorgung der Schaltungen bei konstanter Stromentnahme <math>I</math> genutzt werden. Dabei lÀsst sich dann die Versorgungszeit <math>t</math> durch die Gleichung
berechnen, wobei <math>U_\text{Lade}</math> die maximale und <math>U_\text{min}</math> ist die minimale Betriebsspannung des Kondensators ist.
Mit der fortschreitenden Entwicklung kamen EDLCs mit noch höheren KapazitĂ€tswerten und niedrigeren InnenwiderstĂ€nden auf den Markt. Dadurch wurden neue Applikationen in der industriellen Leistungselektronik möglich. Doppelschichtkondensatoren konnten nun als Stromquelle fĂŒr elektrische Stellantriebe oder fĂŒr den Fahrbetrieb kleinerer Elektrofahrzeuge wie Gabelstapler und Ă€hnlicher Transportmittel eingesetzt werden. Relativ neu ist der Einsatz von Klasse-2-Doppelschichtkondensatoren in Seilbahnkabinen. Die Gondeln sind mancherorts bis zu 24 Stunden am Tag im Einsatz und da Akkumulatoren eine zu lange Ladezeit und eine unzureichende Lebensdauer aufweisen, bieten Superkondensatoren, die bei jeder Stationsdurchfahrt ĂŒber eine Stromschiene neu geladen werden können, einen idealen Ersatz. In diesen FĂ€llen, in denen ein Verbraucher mit konstanter Leistung <math>P</math> betrieben wird, berechnet sich die Betriebszeit <math>t</math> nach
wobei <math>U_\text{Lade}</math> die maximale und <math>U_\text{min}</math> die minimale Betriebsspannung des Kondensators ist.
Weitere Anwendungen finden Doppelschichtkondensatoren bei stark schwankenden Belastungen in Laptops, Funk- und TelekommunikationsgerĂ€ten. Sie können Belastungsspitzen abfangen und beim Ausgleich von Leistungsschwankungen unterstĂŒtzend wirken. Sie eignen sich ebenfalls zur Kurzzeitspeicherung bei der photovoltaischen Einspeisung ins Niedrigspannungsnetz.[70] Ein weiteres Einsatzfeld ist die FlĂŒgelsteuerung (Drehzahlregelung, Notabschaltung) von Windkraftanlagen. So ist es z. B. bei Sturm möglich, die RotorblĂ€tter aus dem Wind zu drehen, selbst wenn die Verbindung zum elektrischen Netz unterbrochen ist.
Der von den Kondensatoren lieferbare Strom in solchen Anwendungen ergibt sich aus der HĂ€ufigkeit der Strom-Lade- und Entladezyklen. Diese Strombelastung fĂŒhrt ĂŒber den Innenwiderstand zur inneren ErwĂ€rmung der jeweiligen Kondensatoren und muss dem entsprechenden Datenblatt entnommen werden.
Mit den niedrigeren InnenwiderstĂ€nden weiterentwickelter Doppelschichtkondensatoren eigneten sich diese Bauelemente auch fĂŒr Anwendungen, in denen kurzzeitige Spitzenströme benötigt wurden. Dies sind beispielsweise unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) zur ĂberbrĂŒckung kurzfristiger NetzausfĂ€lle bei GerĂ€ten oder Anlagen in KrankenhĂ€usern und in der Industrie.[71][72] EDLCs, die entsprechend der benötigten Betriebsspannung zusammen geschaltet sind, konnten hier die zum Teil erheblich gröĂeren Batterien bisheriger Elektrolytkondensatoren ablösen.
Im Parallelbetrieb mit Batterien z. B. in portablen GSM-GerĂ€ten können Doppelschichtkondensatoren eine StoĂstrombelastung puffern und damit die Lebensdauer der Batterie verlĂ€ngern.
Relativ neu ist die Anwendung von Superkondensatoren in der StraĂenbeleuchtung, die wegen der besseren Tieftemperatureigenschaften und der lĂ€ngeren Lebensdauer den Vorzug gegenĂŒber Akkus erhielten. In dieser Anwendung werden tagsĂŒber die Kondensatoren ĂŒber Solarzellen geladen und liefern ab Einbruch der Dunkelheit den Strom fĂŒr LED-Leuchten. Diese StraĂenbeleuchtung kann somit völlig ohne Netzanschluss betrieben werden.[73]
Doppelschichtkondensatoren können als ErgĂ€nzung zu den Akkus als Starterbatterie in Dieselloks und zum Vorheizen des Katalysators zum Einsatz kommen. Ab 2004 lĂ€uft hierzu bei Siemens ein Langzeitversuch zum Nachweis der Bahntauglichkeit.[74][75] Durch Gewichts- und Bauraum-Reduzierung ist mit dieser Lösung ein höherer Treibstoffvorrat in Dieselloks möglich. Wartungsfreiheit und umweltfreundliche Materialien waren bei der Entscheidung, diesen Versuch durchzufĂŒhren, weitere entscheidende Vorteile fĂŒr den Einsatz von Doppelschichtkondensatoren.
Obwohl sie nur sehr geringe Betriebsspannungen von etwa 2,7 V besitzen und sie aufgrund höherer Arbeitsspannungen in vielen Bereichen mit einer Serien-Parallel-Schaltung zu einem homogenen Zellverbund zusammengekoppelt werden mĂŒssen, wobei hohe Anforderungen an die erforderlichen Steuerungen gestellt werden mĂŒssen[75], ist die Doppelschicht-Technologie aufgrund des hohen Wirkungsgrades und der Zyklusfestigkeit ideal fĂŒr die Rekuperation von Bremsenergie[76] geeignet.
Rekuperation in Kraftfahrzeugen
In Kombination mit Akkumulatoren lassen sich mit Doppelschichtkondensatoren deutliche Gewichtseinsparungen des Gesamtsystems und eine VerlÀngerung der Lebensdauer des Akkumulators erreichen. Hybridfahrzeuge (HEV) sind aus diesem Grund bereits jetzt teilweise mit Doppelschichtkondensatoren ausgestattet, um die Akkus bzw. den Verbrennungsmotor zu puffern. Insbesondere das Zusammenarbeiten von Brennstoffzellen, Akkus und EDLCs könnte sich in Zukunft als umweltfreundliche Kombination im Automobilbetrieb herausstellen.[77][78][79]
Der erste Einsatz dieser Technik im privaten PKW-Bereich wird ab 2012 erfolgen. Im neuen Mazda Demio werden dazu regenerative Bremssysteme eingebaut, die EDLC des Herstellers NCC als Speichermedium verwenden.[80] Um diese Doppelschichtkondensatoren KFZ-tauglich zu machen, wurden die Kondensatoren fĂŒr eine Temperaturfestigkeit bis 70 °C und fĂŒr eine erhöhte Vibrationsfestigkeit weiterentwickelt und mit einem umweltvertrĂ€glichen Elektrolyten versehen.
Rekuperation in Bussen
Schon 2001 wurde der sog. âUltracapbusâ von der MAN, der erste Hybridbus mit Ultrakondensatoren in Europa, der Ăffentlichkeit vorgestellt und 2001/2002 im realen Linienbetrieb in NĂŒrnberg erprobt. Jeder Bus enthielt acht Ultracapmodule, die mit 640 V betrieben wurden. Der Energieinhalt der Module betrug 0,4 kWh bei einem Gewicht von 400 kg und lieferte einen maximalen Strom von 400 A. Die Vorteile des Systems waren eine deutliche Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs (derzeit 10 bis 15 % im Vergleich zum konventionellen Dieselfahrzeug), eine Reduktion der CO2-Emissionen, das Verlassen der Haltestelle ohne störende GerĂ€usch- und Abgasbelastung, die Erhöhung des Fahrkomforts (ruckfreies vibrationsarmes Fahren) und eine Reduktion der Wartungskosten.[82][83]
Ein weiterer Betriebsversuch mit Superkondensatoren wurde 2002 mit der TOHYCO-Rider-Kleinbusflotte in Luzern, Schweiz, erfolgreich durchgefĂŒhrt. Die Busse können an jeder Haltestelle berĂŒhrungslos induktiv aufgeladen werden. Alle Versuche fielen erfolgreich aus, sodass der Flottenversuch 2004 weiter fortgesetzt wurde.[84]
Rekuperation in Stadtbahnen
In einigen Stadtbahnnetzen werden teilweise Speicherstationen mit Doppelschichtkondensatoren eingesetzt, um eine StromrĂŒckspeisung bei Nutzbremsung auch dann zu ermöglichen, wenn das Netz nicht aufnahmefĂ€hig ist. Ein Beispiel ist das MITRAC Energy Saver-System (Bombardier Transportation), das u. a. fĂŒr StraĂenbahnen im Probebetrieb eingesetzt wird: Kurzzeitig können hier 600 kW bereitgestellt, unter Beschleunigung bis zu 1 km fahrdrahtlos gefahren und ca. 30 % an Antriebsenergie eingespart werden.[42][85]
Rekuperation in der Formel 1
Besonders anspruchsvoll ist der Einsatz von Superkondensatoren im Motorsport. Die FIA, der internationale Dachverband des Automobilsports, hat im Jahre 2007 im Regelwerk fĂŒr die Formel-1-Boliden erlaubt, dass im Antriebsstrang ein 200-kW-Hybrid-Antrieb verwendet werden darf, der Superkondensatoren und Akkumulatoren in Parallelschaltung enthĂ€lt (KERS). Durch Einspeisen der Bremsenergie und RĂŒcklieferung beim Beschleunigen lassen sich so etwa 20 % Treibstoff einsparen.[86][87][88]
Durch ihre Eigenschaft der schnellen Lade- und EntladefĂ€higkeit (Leistungsdichte) gekoppelt mit einer guten Tieftemperatureigenschaft, groĂer ZuverlĂ€ssigkeit, hohem Wirkungsgrad sowie Wartungsfreiheit sind Super- oder Ultrakondensatoren in den Blickpunkt der Ăffentlichkeit geraten, weil sie bei den neuen Konzepten der ElektromobilitĂ€t als Speicher fĂŒr die RĂŒckgewinnung von Bremsenergie sowie als Energielieferant bei Lastspitzenbedarf in Bahnen und Kraftfahrzeugen in Frage kommen. Der ĂŒberaus groĂe Markt, der hinter diesen Applikationen steckt, lĂ€sst eine ganze Reihe von Forschungs- und Entwicklungsabteilungen intensiv an Verbesserungen arbeiten[89]. Zielsetzungen sind:
Ein Zwischenschritt dieser Weiterentwicklungen stellen die relativ neuen Lithium-Ionen-Kondensatoren dar, die mit einer Elektrodenkombination aus Aktivkohle aus einem Doppelschichtkondensator und einer Lithium-Ionen-Elektrode aus einem Lithium-Ionen-Akkumulator arbeiten. Zur Zeit liegt die Energiedichte von Lithium-Ionen-Kondensatoren bei etwa 10 bis 15 Wh/kg.
Ăbertroffen wird diese Energiedichte von der Neuentwicklung eines âNano-Hybrid-Ultrakondensatorsâ[90]. Dieser Kondensator wurde an der Tokyo University of Agriculture and Technology (TUAT) von Professor Katsuhiko Naoi entwickelt, weist eine Energiedichte von 20 bis 30 Wh/kg auf und soll bei NCC/ECC[91] ab MĂ€rz 2011 in MusterstĂŒckzahlen zur VerfĂŒgung stehen.
Eine Arbeitsgruppe um J. Kassakian, J. Schindall und R. Signorelli am Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat mit vertikal angeordneten Kohlenstoff-Nanoröhrchen[92] eine Energiedichte von ĂŒber 60 Wh/kg mit der Lebensdauer von 300.000 Zyklen entwickelt. Sie grĂŒndeten eigens die Firma FastCap Systems[93], um diesen âNanotube Supercapacitorâ zur Marktreife weiter zu entwickeln, was zur Zeit (2011) jedoch noch nicht erreicht ist.
Eine noch höhere Energiedichte haben Forscher um Bor Jang am US-Unternehmen Nanotek Instruments[94] erreicht. Ihr Elektrodenmaterial fĂŒr den âgraphene supercapacitorâ[46][95] weist eine Energiedichte (ohne GehĂ€use) von 85,6 Wh/kg bei Raumtemperatur auf. Das ist die zur Zeit (2011) höchste Energiedichte, die bislang in Doppelschichtkondensatoren erreicht wurde. Diese hohe Speicherdichte wurde erreicht durch Verwendung von Graphen, einer Modifikation des Kohlenstoffs mit zweidimensionaler Struktur, die eine OberflĂ€che von 2675 m2/g erreicht, womit theoretisch Doppelschichtkondensatoren mit 550 F/g hergestellt werden könnten.
Die zweidimensionale Struktur der Graphenschicht verbessert auĂerdem das Frequenzverhalten des Graphen-Kondensators. Die LadungstrĂ€ger mĂŒssen nicht mehr tief in enge Poren hineinwandern. Vertikal orientierte Graphen-Nanoschichten, die direkt auf den Elektroden auswachsen, verringern die Zeitkonstante (C · Ri) auf < 200 ”s. Das bedeutet, dass solche Kondensatoren die gleichgerichtete Netzfrequenz von 100/120 Hz effektiv filtern kann und dabei deutlich kleiner als ein vergleichbarer Niedervolt-Elektrolytkondensator ist.[96]
Einen anderen Ansatz hohe Energiedichten bei gleichzeitiger hoher Spannungsfestigkeit hat der âEESUâ genannte Hybridkondensator des US-amerikanischen Unternehmens EEStor Inc. (Austin/Texas). Dieses hĂ€lt ein Patent[97] fĂŒr eine Polyethylenterephthalat-Elektrode auf die Bariumtitanatpulver aufgebracht wird. Bariumtitanat ist ein Ferroelektrikum mit einer sehr hohen PermittivitĂ€t und einer hohen Durchschlagsfestigkeit und wird auch als Dielektrikum fĂŒr Klasse-2-Keramikkondensatoren (MLCC) verwendet. Die âEESUâ-Kondensatoren sollen einen Energieinhalt von 52 kWh bei einer Masse von 152 kg haben und sollten schon 2007 mit 15 kWh-Energiespeichereinheiten mit einer Masse von weniger als 100 Pound (45 kg) fĂŒr den kanadischen Elektroautohersteller ZENN Motor Company in Produktion gehen[98] Da EEStor bisher (2011) noch keine funktionierenden Prototypen prĂ€sentieren konnte, werden die Angaben EEStors derzeit stark angezweifelt.[99]
Ein Ă€hnliches Patent hat das deutsche Unternehmen BASF 2003 eingereicht, in dem ein Hybridkondensator mit einer Energiedichte von 5500 Wh/l (19,8 MJ/l) beschrieben wird[100]. Der beschriebene Kondensator kombiniert die Vorteile der OberflĂ€chenvergröĂerung einer porösen Elektrode mit einer 0,1 ”m dicken Bariumtitanat-Schicht. Die volumetrische Energiedichte des beschriebenen Kondensators, sollte er denn jemals realisiert werden können, entspricht damit mehr als 50 % der Energiedichte von Heizöl.
Neue, bisher nicht erschlossene Möglichkeiten fĂŒr die weitere Erhöhung der elektrischen Energie- und Leistungsdichte resultieren aus der Nutzung von Quanteneffekten. Diese Kondensatoren, die Quantensuperkondensatoren (engl. Quantum Supercapacitor) genannt werden, weisen in ihren Elektroden sehr kleine Cluster (Nanoocluster) aus dipolaren Metalloxiden in der Rutilstruktur wie z. B. TiO2 oder TaO2 mit einer ClustergröĂe von bis zu etwa 30 nm auf. Die Energiespeicherung erfolgt ĂŒberwiegend durch Beladen der Cluster mit Elektronen, wobei der Welle-Teilchen-Dualismus der Elektronen genutzt wird. Die Ladungswellen der Elektronen tunneln das nanostrukturierte Material und sammeln sich im Cluster, wodurch einerseits eine hohe Energiedichte und andererseits sehr schnelle Lade- und Entladezeiten erreicht werden können. Die Cluster weisen diskrete Energieniveaus auf, wodurch trotz des geringen Elektrodenabstands eine hohe Durchschlagsfestigkeit besteht. Mit Quantensuperkondensatoren können theoretisch Energiedichten von bis zu 480 Wh/kg erreicht werden.[42][101][102][103]
Einen Weg zur Herstellung von integrierten Miniatur-Doppelschichtkondensatoren haben Forscher an der Drexel University in Philadelphia, USA, gefunden. Sie erzeugten eine dĂŒnne Karbonschicht, in die sie ein geometrisches Zick-Zack-Muster aktivierter Kohle mittels eines Verfahrens aus der Technik der Integrierten Schaltungen einbrachten. Die Grenzen des Zick-Zack-Musters bilden eine Helmholtz-Doppelschicht und können somit kapazitiv genutzt werden. Diese Miniatur-Doppelschichtkondensatoren können beispielsweise direkt auf RFID-Chips aufgebracht werden und eine Batterie ersetzen. Auch die RĂŒckseite von Solarzellen könnte mit solchen integrierten Miniatur-Doppelschichtkondensatoren sinnvoll zur Pufferung schwankender Lichtausbeute genutzt werden.[104]
Ein Team um Dinglin Jiang von den National Institutes of Natural Sciences in Okazaki (Japan) stellte am 12. August 2011 in der Zeitschrift Angewandte Chemie ein neues Material mit herausragenden Superkondensator-Eigenschaften vor. Hierbei benutzten sie eine Stoffklasse mit interessanten Eigenschaften, nĂ€mlich spezielle gerĂŒstartig aufgebaute, mikroporöse organische Polymere. Aufgrund der Anordnungen ihrer Doppelbindungen kann sich ein Teil ihrer Elektronen in ausgedehnten Bereichen des GerĂŒsts frei bewegen. Daher sind solche Materialien elektrisch leitfĂ€hig. Die hohe innere OberflĂ€che ist wichtig fĂŒr die Bildung von elektrostatischen Ladungstrennungs-Schichten in den Poren. Jiang und sein Team haben jetzt ein stickstoffhaltiges GerĂŒst synthetisiert, dessen PorengröĂe optimal ist, um Ionen rasch hinein und hinaus zu lassen, eine Voraussetzung fĂŒr eine schnelle Aufladung und Entladung. Die Stickstoffzentren treten zudem mit Ionen des Elektrolyten in Wechselwirkungen, die die Ansammlung von Ladungen und die Bewegung von Ionen begĂŒnstigen.[105][106]
Der Markt fĂŒr die elektrochemischen Kondensatoren wird nach Meinung eines Marktforschungsinstitutes im Jahre 2010 auf etwa 300 bis 400 Millionen ⏠geschĂ€tzt. Der Markt weist eine jĂ€hrliche Steigerungsrate von 15 bis 20 % auf.[107] Davon machen jedoch die kleineren Standardklasse-1-Doppelschichtkondensatoren fĂŒr den Datenerhalt von RAMs und auch die etwas gröĂeren Bauformen fĂŒr unterbrechungsfreie Stromversorgungen etwa 60 bis 70 % des Marktvolumens aus.
Interessant ist die Doppelschicht-Technologie aufgrund der hohen Wirkungsgrade, der Zyklusfestigkeit und der Möglichkeit des schnellen Laden und Entladens fĂŒr die Rekuperation von Bremsenergie. Denn Im Vergleich zu einer TankfĂŒllung dauert das Laden von Akkus recht lange, selbst bei einem Ladedurchsatz von 10 kW wĂŒrde das Aufladen des Akkus mindestens 2 Stunden benötigen. Superkondensatoren mit einer höheren Energiedichte wĂ€ren deshalb geeignet, um parallel zu einem Akkumulator fĂŒr die RĂŒckgewinnung der Bremsenergie und fĂŒr den kurzen Spitzenstrombedarf beim Anfahren eingesetzt zu werden. Damit rĂŒcken Super- und Ultrakondensatoren fĂŒr die Zielsetzung des Umweltschutzes im Rahmen der ElektromobilitĂ€t in den Fokus der Ăffentlichkeit.[42]
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Rechenbeispiel: Ein Mittelklasse-PKW benötigt ca. 12 kWh (10 bis 20 kWh )[108] elektrische Antriebsenergie pro 100 km Fahrt. FĂŒr diese GröĂenordnung mĂŒsste ein Kondensator zur Aufnahme der Bremsenergie, als Lieferant von Leistungsspitzen und fĂŒr kurzen Fahrbetrieb in etwa ausgelegt sein. Um aber 12 kWh in heute verfĂŒgbaren Doppelschichtkondensatoren (6 Wh/kg) zu speichern, brĂ€uchte man eine Kondensatormasse von 2000 kg, die eine GesamtkapazitĂ€t von 12 Millionen F hĂ€tten. (Ioxus, 5000 F, 840 g, 6 Wh/kg)[109]. Der Preis fĂŒr Doppelschichtkondensatoren wurde nach Kötz[110] mit etwa 7 âŹ/1000 F fĂŒr 2002 geschĂ€tzt, nach Electronics weekly wurde dieser Preis im Jahre 2010 erreicht.[111]. Ein Kondensator mit 12 Millionen F und mit einem ein Gewicht von 2000 kg wĂŒrde 2011 etwa 84.000 ⏠(42 âŹ/kg) kosten. Dies ist heutzutage (2011) fĂŒr einen Einsatz im Kfz weder vom Gewicht noch vom Preis her vertretbar.
Wenn, wie im oberen Abschnitt beschrieben, das US-Unternehmen Nanotek Instruments mit ihrem âgraphene supercapacitorâ eine Energiedichte von rund 80 Wh/kg in Superkondensatoren tatsĂ€chlich realisieren könnte, wĂŒrde sich allerdings eine andere Situation ergeben. Denn bei dieser Energiedichte in solchen neuartigen Superkondensatoren wĂ€ren fĂŒr einen 12-kWh-Kondensator lediglich noch 150 kg Kondensatormasse erforderlich. Bliebe der Preis, bezogen auf das Gewicht, gegenĂŒber dem heutigen Stand gleich, dann wĂŒrde solch ein Kondensator ânurâ noch 6300 ⏠kosten. Bei diesem Preis wĂ€re der Einsatz von Superkondensatoren in PKWs schon vorstellbar. Neuentwicklungen mit einer höheren Energiedichte als bisher wĂ€ren deshalb geeignet, um parallel zu einem Akkumulator fĂŒr die RĂŒckgewinnung der Bremsenergie und fĂŒr den kurzen Spitzenstrombedarf beim Anfahren eingesetzt zu werden.