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Dossenheim

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Dossenheim (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Dossenheim
Dossenheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Dossenheim hervorgehoben
49.44916666678.67222222222153Koordinaten: 49° 27′ N, 8° 40′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Rhein-Neckar-Kreis
Höhe: 153 m ü. NN
Fläche: 14,14 km²
Einwohner:

12.507 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 885 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 69215–69221
Vorwahl: 06221
Kfz-Kennzeichen: HD
Gemeindeschlüssel: 08 2 26 012
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
69221 Dossenheim
Webpräsenz: www.dossenheim.de
Bürgermeister: Hans Lorenz (CDU)
Lage der Gemeinde Dossenheim im Rhein-Neckar-Kreis
BayernHessenRheinland-PfalzHeidelbergHeilbronnLandkreis HeilbronnLandkreis KarlsruheMannheimNeckar-Odenwald-KreisEberbachAltlußheimAngelbachtalBammentalBrühl (Baden)DielheimDossenheimEberbachEberbachEberbachEdingen-NeckarhausenEdingen-NeckarhausenEpfenbachEppelheimEschelbronnGaibergHeddesbachHeddesheimHeiligkreuzsteinachHelmstadt-BargenHemsbachHirschberg an der BergstraßeHockenheimIlvesheimKetschLadenburgLaudenbach (Bergstraße)Leimen (Baden)Leimen (Baden)LobbachMalsch (bei Wiesloch)Mauer (Baden)MeckesheimMühlhausen (Kraichgau)NeckarbischofsheimNeckargemündNeidensteinNeulußheimNußlochOftersheimPlankstadtRauenbergReichartshausenReilingenSandhausenSt. Leon-RotSchönau (Odenwald)Schönbrunn (Baden)SchriesheimSchwetzingenSchwetzingenSinsheimSpechbachWaibstadtWalldorf (Baden)WeinheimWeinheimWiesenbach (Baden)WieslochWilhelmsfeldZuzenhausenKarte
Über dieses Bild
Dossenheim von Westen

Dossenheim ist eine Gemeinde mit rund 12.500 Einwohnern im Rhein-Neckar-Kreis im nordwestlichen Baden-Württemberg.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage und Naturraum

Dossenheim liegt fünf Kilometer nördlich von Heidelberg an der Badischen Bergstraße am Fuß des Odenwaldes in der Metropolregion Rhein-Neckar. Im Westen der Gemarkung beginnt die Oberrheinische Tiefebene. Der Ort besitzt Grenzen zu den Städten Heidelberg, Ladenburg und Schriesheim.

Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 1416 Hektar. Davon sind 17,4 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 32,1 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt und 44,2 Prozent sind bewaldet.[2] Im Westen der Gemarkung fließt der Neckar. Beim Weiler Schwabenheim überwindet eine Neckarschleuse eine Höhendifferenz von 8,7 Metern. Vom Odenwald her kommen Mühl-, Brenken- und Mantelbach.

Der Ölberg ist geprägt von durch Gesteinsabbau entstandenen Terrassen, Felswänden und Schutthalden. Die vielfältige Biotopstruktur bietet Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten und steht daher seit 1998 unter Naturschutz. Das Waldgebiet auf dem Ölberg ist als Schonwald eingestuft. Die Gemarkung östlich der B 3 ist Teil des Naturparks Neckartal-Odenwald. Fast alle unbebauten Flächen des Naturparks gehören zum Landschaftsschutzgebiet Bergstraße-Mitte.[3]

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde gehören außer Dossenheim selbst, der Weiler Schwabenheim, die Orte OEG Bahngebäude und Turmgasthaus zum „Weißen Stein“ und die Häuser Bärenstein. Im Gemeindegebiet liegt die abgegangene, 801 erwähnte Ortschaft Bernhardteshusen, die möglicherweise mit dem 1298 erwähnten Wilre identisch ist.[4]

Geschichte

Dossenheim und Umgebung 1907

Die erste Nennung der Siedlung ist 766 im Lorscher Codex.[5] 1130 werden erstmals die Edlen von Wolfsölden-Schauenburg erwähnt, die von der Schauenburg aus über den Ort herrschten. Nach ihrem Aussterben 1280 verkauften die Erben 1303 die Ländereien an den Pfalzgrafen von Heidelberg. Bereits 1319 erwarb Kurmainz alle Rechte, das die Vogtei Schauenburg aber an die Ritter von Handschuhsheim verpfändete. Nach einer langen Zeit der Rivalität zwischen Kurmainz und der Kurpfalz eroberte Friedrich der Siegreiche die Gebiete 1460 und zerstörte die Schauenburg.

Im Landshuter Erbfolgekrieg verwüstete der hessische Landgraf 1504 Dossenheim. Während des Dreißigjährigen Kriegs plünderten und zerstörten vor allem 1622 Tillys Truppen den Ort. Nach der Einnahme der Residenzstadt Heidelberg wurde Dossenheim für kurze Zeit wieder kurmainzisch, gelangte aber im Bergsträßer Rezess 1650 zurück zur Pfalz. Im Holländischen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg zündeten französische Truppen 1674, 1689 und 1693 zahlreiche Gebäude an.

Mainz erklärte 1714 seinen endgültigen Verzicht an Dossenheim. 1803 wurde die Kurpfalz aufgelöst und Dossenheim wurde badisch.

Schwabenheim wurde 763 erstmals urkundlich erwähnt. Das Dorf wurde vermutlich im Hochmittelalter auf eine Hofsiedlung reduziert. Ab dem frühen 19. Jahrhundert vermehrte sich die Zahl der Häuser wieder und der Ort entwickelte sich zu einem Straßendorf. 1925 wurde Schwabenheim eingemeindet. 1988 hatte Dossenheim erstmals mehr als 10.000 Einwohner.

Einwohnerentwicklung 1577 1727 1818 1852 1905 1925 1950 1965 2007
Dossenheim 560 1106 1517 2921
Schwabenheim 91 126 102
Gesamt 757 1197 1643 3023 3839 5820 7826 12008

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat von Dossenheim hat neben dem vorsitzenden Bürgermeister 22 Mitglieder und wird in direkter Wahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die Sitzverteilung stellt sich nach der Kommunalwahl 2009 wie folgt dar:

Rathaus
Gemeinderat 2009
Partei Stimmenanteil Sitze
CDU 28,6 % (-7,4) 7 (-2)
GRÜNE 23,4 % (+3,5) 5 (+1)
FW Dossenheim 21,4 % (+3,0) 5 (+1)
SPD 15,8 % (-1,9) 3 (-1)
FDP 10,8 % (+2,8) 2 (+1)
Wahlbeteiligung: 60,72 %

Bürgermeister

Der Bürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Bürgermeister von Dossenheim ist Hans Lorenz (CDU).

  • 1963–1979 Heinrich Schumacher
  • 1979–1995 Peter Denger
  • seit 1995 Hans Lorenz (CDU).

Wappen

Die Blasonierung des Wappens lautet: In Silber drei blaue Trauben (1:2) an einer grünen Ranke mit vier grünen Blättern.

Das Wappen geht zurück auf Gerichtssiegel aus dem Jahr 1495, auf dem bereits eine Weinranke zu sehen war. Es wurde 1901 vom Generallandesarchiv offiziell verliehen.

Die Flagge ist Grün-Weiß. Seit wann sie geführt wird, ist nicht bekannt.[6]

Städtepartnerschaften

Dossenheim unterhält seit 1982 partnerschaftliche Beziehungen zu Le Grau du Roi in Frankreich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Aussichtsturm Weißer Stein
Steinbrecher-Denkmal von Robert Heckl

Sehenswürdigkeiten

Dossenheim hat durch seine topographische Lage in der Rheinebene und am Fuße des Odenwaldes einen hohen Naherholungswert. Sowohl die ebenen gärtnerisch genutzten Kulturflächen der Rheinebene als auch die steil ansteigenden Wälder des Odenwaldes bieten eine abwechslungsreiche Flora und Fauna. Insbesondere das Waldgebiet, das von 110 m.ü.NN bis auf 558 m.ü.NN beim Weißen Stein ansteigt, verfügt über ein gut ausgezeichnetes Wanderwegenetz.

Dieses Wanderwegenetz führt auch an der nördlich gelegenen Ruine Schauenburg vorbei. Bei guter Sicht eröffnet sich der Blick über die Türme des Speyerer Doms bis hin zum Hambacher Schloss im Pfälzer Wald, über die Städte Mannheim und Ludwigshafen bis hin im Süden nach Karlsruhe. Typisch und Wahrzeichen sind die weit sichtbaren, rot-gelb leuchtenden ehemaligen Porphyrsteinbrüche, die wie Wunden in das bewaldete Gebiet eingeschnitten sind.

Südöstlich der Schauenburg befinden sich die Überreste der Kronenburg aus dem 11./12. Jahrhundert. Vermutungen, dass es sich um Vorgängerbauten der Schauenburg handelt, konnten bislang nicht belegt werden.

Der 552 Meter hohe Weiße Stein ist der Hausberg von Dossenheim. Er dient als Treffpunkt von Radfahrern und Wanderern. Markantestes Merkmal des Weißen Steins sind sein aus Sandstein erbauter Aussichtsturm und sein an ein Ufo erinnernder Fernsehturm.

Als schönste Jahreszeit gilt in Dossenheim das Frühjahr mit der Obstbaumblüte. Weiß und rosa ist in dieser Zeit der Fuß des Odenwaldes um den Ort herum durch die Blüten der zahlreichen Obstbäume farbenprächtig gezeichnet.

Die Evangelische Kirche wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Die neobarocke St.-Pankratius-Kirche der Katholiken stammt aus dem Jahr 1926.

Museen

Das Heimatmuseum wurde 1978 eingerichtet und 2002 neu konzipiert. Es befindet sich im 1890 errichteten alten Rathaus, das als solches bis 1955 genutzt wurde. Das Museum zeigt Funde der Frühgeschichte, das Leben im Steinbrecherdorf Dossenheim, die Beziehungen zu Schauenburg, Fliehburg und Kronenburg und beinhaltet eine museumspädagogische Werkstatt. Es ist jeden dritten Sonntag im Monat geöffnet.

Sport und Freizeit

In Dossenheim gibt es zahlreiche Sportvereine, denen vier Sporthallen mit insgesamt acht Feldern und Außenanlagen sowie ein ganzjährig geöffnetes Hallenbad mit 25-m-Bahn zur Verfügung stehen. Es gibt auch zahlreiche Tennisfelder und ganz in der Nähe einen kleinen Bikepark. Für Skater gibt es seit einigen Jahren ein Gelände mit Halfpipe, Funbox etc. Das Sportangebot wurde 2009 um einen Bogensportverein mit Gelände im alten Steinbruch Leferenz erweitert.

Regelmäßige Veranstaltungen

Jeweils am Wochenende des dritten Sonntags im September findet die traditionelle Dossenheimer Kerwe (Kirchweih) statt. Dossenheimer Brauchtum, Straßenfest und Rummelplatz sind dabei vereint. Die Dossenheimer Brauchtumskerwe ist für ihren Holzäpfeltanz und das Bannweidgericht bekannt.

Jährlich im Mai findet der traditionelle Dossenheimer Sommertagszug statt. Jährlich im Dezember findet seit einigen Jahren der Weihnachtsmarkt auf dem Kronenburger Hof statt.

Seit 1984 veranstaltet die TSG Germania 1899 Dossenheim jeweils am zweiten Samstag im November einen anspruchsvollen Berglauf vom "Waldfrieden" hinauf zum Weißen Stein. Auf einer Strecke von ca. 5,4 Kilometer sind dabei 350 Höhenmeter zu überwinden.

Ferienstraßen

Dossenheim liegt an zwei bedeutenden touristischen Straßen:

Wirtschaft und Infrastruktur

Blick von der A 5 auf den Steinbruch am Sporenberg

Wirtschaft

Dossenheim ist im Wesentlichen eine Wohngemeinde. Sie ist aufgrund der Nähe zu Heidelberg insbesondere für dort beschäftigte Personen attraktiv. 2006 waren 89 Prozent der Dossenheimer Auspendler.[7] Industrie und Gewerbe gibt es nur in geringem Umfang.

Dossenheim ist als Steinbrecherdorf bekannt. In Dossenheim gab es ehemals zwei große Steinbrüche. Der abgebrochene Porphyrstein wurde mit Seilbahnen zur inzwischen abgerissenen Umladestation transportiert. Die Steine wurden vor allem als Wasserbausteine und als Straßenunterbau verwendet. Beide Steinbrüche sind inzwischen stillgelegt. Die Abbruchstellen sind aber bis weit in die Rheinebene hinein zu sehen.

Kurpfalzschule

Bildung

Im Ort gibt es die Neubergschule (Grundschule), sowie die Kurpfalzschule (Grundschule mit Hauptschule und Werkrealschule). Die Freie Schule LernZeitRäume ist eine private Grund- und Realschule und Aufbaugymnasium. Sie arbeitet reformpädagogisch auf der Basis des Jenaplans.

Eine Gemeindebücherei steht den Einwohnern im Gemeindeamt zur Verfügung. Des Weiteren gibt es eine Volkshochschule im Ort.

Verkehr

Dossenheim liegt an der Bundesautobahn 5 sowie an der Bundesstraße 3. Die von der Rhein-Neckar-Verkehr (RNV) betriebene Oberrheinische Eisenbahn (OEG) verbindet Dossenheim im 10-Minuten-Takt mit den umliegenden Ballungszentren Mannheim, Heidelberg und Weinheim. Speziell für ältere Mitbürger bietet Dossenheim ein Gemeindetaxi an, das an Werktagen diverse Haltestellen im Ort anfährt. Ähnlich gelagert, aber speziell für junge Leute, ist das Angebot eines Nacht-Taxis von Heidelberg nach Dossenheim. Ergänzt wird das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) durch Carsharing-Stationen.

Behörden und Institutionen

Sendetürme

  • Einstiger Mittelwellensender des SWR: In Dossenheim betrieb der SWR bis 2004 einen Mittelwellensender. Als Antennenträger kam ein gegen Erde isolierter, fußpunktgespeister, abgespannter 51 Meter hoher Rohrmast zum Einsatz. Die Anlage wurde inzwischen abgebaut.
  • Fernmeldeturm Weißer Stein

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Dossenheim hat einmal die Ehrenbürgerwürde verliehen. Die Auszeichnung erhielt 1948 der in Dossenheim geborene Missionsbischof Augustin Olbert (1895–1964).

Söhne und Töchter der Gemeinde

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Philipp Leferenz (* 1888), Unternehmer und Mitinhaber der Fa. Gebr. Leferenz in Dossenheim

Literatur

  • Staatl. Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit d. Städten u.d. Landkreisen Heidelberg u. Mannheim (Hrsg.): Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim: Amtliche Kreisbeschreibung.
    • Bd 1: Allgemeiner Teil. Karlsruhe 1966
    • Bd 2: Die Stadt Heidelberg und die Gemeinden des Landkreises Heidelberg. Karlsruhe 1968
  • Christoph Bühler: Burgen der Kurpfalz. Bergstraße und Neckartal. Heidelberger Verlagsanstalt, Heidelberg 1990. S. 61 ff. ISBN 3-89426-012-2
  • Sarah Leon: Dossenheimat. Reihe Sehenswürde. Fotobildband. DossenVerlag, Dossenheim 2011. ISBN 978-3-942909-02-0

Einzelnachweise

  1. ↑ Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2010 (Hilfe dazu)
  2. ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stand: 31. Dezember 2008
  3. ↑ Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg
  4. ↑ Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 348–350
  5. ↑ Urkunde 536 28. Mai 766
  6. ↑ Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4
  7. ↑ Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stand: 30. Juni 2006

Weblinks

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