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Edelmetalle sind Metalle, die besonders korrosionsbestĂ€ndig sind. Einige Edelmetalle, zum Beispiel Gold und Silber, sind deswegen seit dem Altertum zur Herstellung von Schmuck und MĂŒnzen in Gebrauch. Im Laufe der letzten vier Jahrhunderte wurden die Platinmetalle entdeckt, die eine Ă€hnliche KorrosionsbestĂ€ndigkeit wie Gold zeigen.
Zu den Edelmetallen im klassischen Sinn gehören die Platinmetalle sowie Gold und Silber. Teilweise wird auch noch Quecksilber zu den Edelmetallen gezĂ€hlt, obwohl es in vieler Hinsicht reaktiver als die ĂŒbrigen Edelmetalle ist. Edelmetalle korrodieren (verrosten, oxidieren) bei Raumtemperatur an Luft entweder gar nicht, oder nur Ă€uĂerst langsam und in sehr geringem Umfang, so wie es beim Silber der Fall ist, wenn es mit (Spuren von) Schwefelwasserstoff in BerĂŒhrung kommt. Selbst dabei bildet sich nur eine extrem dĂŒnne Schicht von schwarzem Silbersulfid. Der Silbergegenstand wird dabei nicht beschĂ€digt. Von SalzsĂ€ure werden die Edelmetalle nicht angegriffen. Edelmetalle zeichnen sich ferner dadurch aus, dass viele ihrer Verbindungen thermisch nicht stabil sind. So werden Silberoxid und Quecksilberoxid beim Erhitzen in ihre Einzelelemente zerlegt.
Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die Theorie der Redoxreaktionen verfeinert. Neue Reaktionswege wurden entdeckt. Des Weiteren entwickelte man die elektrochemische Methode der Potentiometrie, mit der man die StĂ€rke von Reduktionsmitteln und Oxidationsmitteln genau messen und vergleichen konnte. Dies gestattete auch eine verfeinerte Einteilung der Metalle nach ihrem edlen oder unedlen Charakter. Zu den Halbedelmetallen gehören demnach solche, die nicht unter Wasserstoffbildung mit wĂ€ssrigen Lösungen nichtoxidierender SĂ€uren wie zum Beispiel SalzsĂ€ure oder verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure reagieren. Das liegt an ihrem Standardpotential, welches höher als dasjenige des Wasserstoffs ist. Diese Metalle sind auch gegen Luftsauerstoff weitgehend inert. Aus diesem Grund kommen sie in der Natur gelegentlich gediegen vor.
Metalle wie Bismut und Kupfer liegen mit ihrem Standardpotential deutlich nĂ€her am Wasserstoff als die klassischen Edelmetalle. An Luft korrodieren sie schneller, und in oxidierenden SĂ€uren wie konzentrierte SchwefelsĂ€ure oder halbkonzentrierte (30-prozentige) SalpetersĂ€ure lösen sie sich zĂŒgig. Im chemischen Sinne sind Halbedelmetalle also alle Metalle, die in der elektrochemischen Spannungsreihe ein positives Standardpotential gegenĂŒber Wasserstoff besitzen, ansonsten aber nicht so korrosionsbestĂ€ndig wie klassische Edelmetalle sind. Nach dieser Definition ist auch das kĂŒnstliche und radioaktive Technetium als halbedel zu bezeichnen. Diese Halbedelmetalle nehmen also eine Zwischenstellung zwischen den klassischen edlen und unedlen Metallen ein. Selbst Nickel und Zinn werden von einigen Autoren dazugezĂ€hlt, obwohl ihr Standardpotential etwas unter dem Wasserstoff liegt.
Theoretische Ăberlegungen aufgrund quantenmechanischer Berechnungen sprechen dafĂŒr, dass auch die kĂŒnstlichen Elemente Bohrium, Hassium, Meitnerium, Darmstadtium, Roentgenium und Copernicium Edelmetalle sind. Praktische Bedeutung kommt diesen Metallen allerdings nicht zu, da ihre bekannten Isotope Ă€uĂerst instabil sind und schnell (typischerweise in wenigen Sekunden, maximal in circa 1 Stunde fĂŒr Mt-278) radioaktiv zerfallen.
Klar abzugrenzen sind die unedlen Metalle wie Aluminium, Eisen und Blei. Da ihr Standardpotential kleiner als das von Wasserstoff ist, werden sie von nichtoxidierenden SÀuren angegriffen. Das kann, wie beim Blei, auch recht langsam erfolgen. "Nichtoxidierend" bedeutet hierbei, dass sich kein stÀrkeres Oxidationsmittel als das Wasserstoffion in der Lösung befindet.
Neben den Edelmetallen gibt es auch noch einige Metalle, die in Folge ihrer Passivierung mitunter eine hohe KorrosionsbestĂ€ndigkeit besitzen, die je nach chemischem Milieu auch manche Edelmetalle zum Teil ĂŒbertrifft. Dies sind die Elemente der 4. Nebengruppe (Titan, Zirconium und Hafnium), die der 5. Nebengruppe (Vanadium, Niob und Tantal) sowie die der 6. Nebengruppe (Chrom, MolybdĂ€n und Wolfram). Weitere technisch bedeutende Metalle, die Passivschichten bilden, sind Zink (12. Nebengruppe), Aluminium (3. Hauptgruppe) sowie Silicium und Blei (4. Hauptgruppe).
Mit geeigneten aggressiven Chemikalien kann man alle Edelmetalle in Lösung bringen. Gold und einige Platinmetalle lösen sich zĂŒgig in Königswasser. Silber sowie die Halbedelmetalle reagieren lebhaft mit SalpetersĂ€ure. Im Bergbau werden Cyanidlösungen in Verbindung mit Luftsauerstoff verwendet, um Gold und Silber aus Gesteinen zu lösen. Der Angriff durch den Luftsauerstoff ist nur möglich, weil sich als Produkte stabile Cyanidokomplexe mit Gold und Silber bilden. Auch im Königswasser ist die Bildung stabiler Komplexverbindungen (Chloridokomplexe) mit entscheidend fĂŒr die oxidierende Wirkung des Milieus. Edelmetalle verhalten sich im ĂŒbrigen hĂ€ufig gar nicht âedelâ gegenĂŒber sehr elektropositiven Metallen, sondern bilden hier hĂ€ufig bereitwillig und unter Energiefreisetzung Intermetallische Phasen.
Im physikalischen Sinn ist die Menge der Edelmetalle noch bedeutend kleiner; es sind nur Kupfer, Silber und Gold. Das Kriterium zur Klassifizierung ist die elektronische Bandstruktur. Die drei aufgefĂŒhrten Metalle besitzen alle vollstĂ€ndig gefĂŒllte d-BĂ€nder, die damit nicht zur LeitfĂ€higkeit und praktisch nicht zur ReaktivitĂ€t beitragen. FĂŒr Platin gilt dies z. B. nicht. Zwei d-artige BĂ€nder kreuzen das Ferminiveau. Das fĂŒhrt zu einem anderen chemischen Verhalten, weshalb Platin, im Gegensatz zu Gold, auch gern als Katalysator benutzt wird. Besonders auffĂ€llig ist der Unterschied bei der Herstellung reiner MetalloberflĂ€chen im Ultrahochvakuum. WĂ€hrend z. B. Gold vergleichsweise leicht zu prĂ€parieren ist und nach der PrĂ€paration lange rein bleibt, bindet sich an Platin oder auch Palladium sehr schnell Kohlenstoffmonoxid.
Wie schon bei den unedlen Metallen angedeutet, sind Edelmetalle und Halbedelmetalle einfach metallische Elemente (und eventuelle gewisse Legierungen, wie z.B. EdelstĂ€hle) deren Normalpotential positiv gegenĂŒber der Wasserstoffelektrode ist, sprich von verdĂŒnnten SĂ€uren nicht angegriffen werden. Die Elemente die in Betracht kommen sind somit sortiert nach ihrem Normalpotential gegenĂŒber der H-Elektrode in wĂ€ssriger Lösung bei pH 7:
| Name | Gruppe | Reaktion | Potential |
|---|---|---|---|
| Gold | Ib/6 | Au â Au3+ | 1.498 V |
| Platin | VIIIb/6 | Pt â Pt2+ | 1.18 V |
| Iridium | VIIIb/6 | Ir â Ir3+ | 1.156 V |
| Palladium | VIIIb/5 | Pd â Pd2+ | 0.987 V |
| Osmium | VIIIb/6 | Os â Os2+ | 0.85 V |
| Silber | Ib/5 | Ag â Ag+ | 0.799 V |
| Quecksilber | IIb/6 | 2 Hg â Hg22+ | 0.7973 V |
| Polonium | VIa/6 | Po â Po2+ | 0.65 V[1] |
| Rhodium | VIIIb/5 | Rh â Rh2+ | 0.60 V |
| Ruthenium | VIIIb/5 | Ru â Ru2+ | 0.45 V |
| Kupfer | Ib/4 | Cu â Cu2+ | 0.337 V |
| Bismut | Va/6 | Bi â Bi3+ | 0.32 V |
| Technetium | VIIb/5 | Tc â Tc4+ | 0.272 V |
| Rhenium | VIIb/6 | Re â Re4+ | 0.259 V |
| Antimon | Va/5 | Sb â Sb3+ | 0.152 V |
Antimon zĂ€hlt als Halbmetall nicht dazu und bei Polonium ist es wahrscheinlich seine starke RadioaktivitĂ€t und makroskopische UnverfĂŒgbarkeit (vor dem Bau von Kernreaktoren), wegen der man es klassisch nicht als Edelmetall angesehen hatte -- heutzutage ist es aber in Gramm-Mengen verfĂŒgbar. Die Unterteilung, sprich Potentialgrenze, dieser Elemente in Edelmetalle und Halbedelmetalle ist ziemlich willkĂŒrlich und wird nicht einheitlich gehandhabt. Sie wird aber meistens zwischen Kupfer und Ruthenium gezogen [2], da letztere prinzipiell durch feuchte Luft aufgrund der Redoxreaktion O2 + 2âH2O + 4âeâ â 4âOHâ(aq) mit einem Normalpotential von +0.4 V angegriffen werden können.
Im Sprachgebrauch von Sportreportagen, vor allem ĂŒber Medaillen wĂ€hrend der Olympischen Spiele, wird fĂ€lschlicherweise auch die Bronze zu den Edelmetallen gezĂ€hlt.
Redoxreihe | Unedle Metalle | Edelmetall-Scheidung