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Edgar Faure

Edgar Faure (* 18. August 1908 in Béziers; † 30. März 1988 in Paris) war ein französischer Politiker.

Er studierte in Paris Rechtswissenschaft und war mit 27 Jahren der zu dieser Zeit jüngste Anwalt am "Barreau". Sein Engagement in der Politik startete er in den Reihen der linksbürgerlich-antiklerikalen Radikalen Partei (Parti républicain, radical et radical-socialiste), der führenden Partei der Dritten Republik, die zwischen 1900 und 1940 die Mehrzahl der Ministerpräsidenten stellte.

Während des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Okkupation schloss sich Faure der Résistance an und floh 1942 nach Algier in das Hauptquartier von General Charles de Gaulle, der ihn zum Chef des Service législatif der Gouvernement provisoire de la République Française (GPRF) machte. 1945 wurde er der französische Ankläger beim Nürnberger Prozess.

1946 wurde Faure als Mitglied des Parti radical in die Konstituierende Nationalversammlung der Vierten Republik gewählt. Nach der Bildung einer Dreierkoalition aus Sozialisten (SFIO), Kommunisten (PCF) und der christlich-demokratisch orientierten "Volksrepublikanischen Bewegung" (MRP) befanden sich die Radikalen zunächst in einer Außenseiterposition. Als die Kommunisten 1947 aus der Regierung gedrängt wurden, konnten die Radikalen trotz sinkender Popularität und einem Stimmenanteil von weniger als 10 Prozent oft eine überproportional wichtige Rolle bei der Bildung der französischen Regierungen spielen, da keine der anderen Gruppierungen in der Lage war, eine klare Mehrheit zu erlangen.

Faure war der Anführer des konservativeren Flügels der Partei, dem der linke Flügel unter Pierre Mendès-France entgegenstand. Edgar Faure war 1952 und 1955 bis 1956 zwei Mal Ministerpräsident (Président du Conseil). Im politischen Alltag nannte man Faure „la girouette“ (die Wetterfahne). Ende 1955 schlug er dem Staatspräsidenten René Coty die Auflösung der Nationalversammlung vor und ging ein Wahlbündnis mit der Rechten ein, worauf er auf Betreiben von Mendès-France aus der Radikalen Partei ausgeschlossen wurde, die nach den Wahlen eine Koalition mit den Sozialisten unter Guy Mollet bildete.

Mit der Zeit näherte er sich politisch de Gaulle an, der ihn 1963 auf eine inoffizielle Mission in die Volksrepublik China schickte, um die Herstellung diplomatischer Beziehungen zwischen Paris und Peking 1964 vorzubereiten. Als Radikaler in der Vierten Republik endete er als Gaullist in der 1958 errichteten Fünften. 1966 wurde er Landwirtschaftsminister, nach den Mai-Unruhen 1968 vertraute ihm General de Gaulle das schwierige Amt des Erziehungsministers an. Von 1973 bis 1978 bekleidete Faure das Amt des Präsidenten der Nationalversammlung.

Faure starb im Alter von 79 Jahren in Paris und wurde dort auf dem Cimetière de Passy bestattet.

Politische Mandate

Mitgliedschaft in Parlament und Senat
  • 1946 bis 1958 Abgeordneter des DĂ©partements Jura
  • 1959 bis 1967 Senator fĂĽr das DĂ©partement Jura
  • 1967 bis 1980 Abgeordneter des DĂ©partements Doubs
  • 1980 bis 1988 Senator fĂĽr das DĂ©partement Doubs
Ämter in der Regionalpolitik
  • 1947 bis 1971 BĂĽrgermeister von Port-Lesney (Jura)
  • 1949 bis 1967 Präsident des Conseil gĂ©nĂ©ral des DĂ©partements Jura
  • 1967 bis 1979 Mitglied des Conseil GĂ©nĂ©ral des DĂ©partements Doubs
  • 1971 bis 1977 BĂĽrgermeister von Pontarlier
  • 1974 bis 1981 Präsident des Regionalrats des Franche-ComtĂ©
  • 1982 bis 1988 Präsident des Regionalrats des Franche-ComtĂ©
  • 1983 bis 1988 BĂĽrgermeister von Port-Lesney
Regierungsämter
  • Finanzminister (1950–51)
  • Premierminister (1952)
  • AuĂźenminister (1955)
  • Premierminister (1955–56) – bei der Genfer Konferenz war er einer der groĂźen Vier neben Eisenhower, Bulganin und Eden
  • Landwirtschaftsminister (1966)
  • Erziehungsminister (1968)
  • Sozialminister (1969)
  • Präsident der Nationalversammlung (1973–78)

1978 wurde er Mitglied der Académie française. Er schrieb politische Bücher aber auch Krimis unter dem Pseudonym E. Sanday.

Schriften

  • Le serpent et la tortue, les problèmes de la Chine populaire, Juillard, 1957
  • La disgrâce de Turgot, Gallimard, 1961
  • La capitation de DioclĂ©tien, Sirey 1961
  • PrĂ©voir le prĂ©sent, Gallimard, 1966
  • L'Ă©ducation nationale et la participation, Plon, 1968
  • Philosophie d'une rĂ©forme, Plon, 1969
  • L'âme du combat, Fayard, 1969
  • Ce que je crois, Grasset, 1971
  • Pour un nouveau contrat social, Seuil, 1973
  • Au-delĂ  du dialogue avec Philippe Sollers, Balland, 1977
  • La banqueroute de Law, Gallimard, 1977
  • La philosophie de Karl Popper et la sociĂ©tĂ© politique d'ouverture, Firmin Didot, 1981
  • Pascal: le procès des provinciales, Firmin Didot, 1930
  • Le pĂ©trole dans la paix et dans la guerre, Nouvelle revue critique 1938
  • MĂ©moires I, „Avoir toujours raison, c'est un grand tort“, Plon, 1982
  • MĂ©moires II, „Si tel doit ĂŞtre mon destin ce soir“, Plon, 1984
  • Discours prononcĂ© pour la rĂ©ception de Senghor Ă  l'AcadĂ©mie française, le 29 mars 1984

Weblinks


Vorgänger Amt Nachfolger
René Pleven
Pierre Mendès-France
Ministerpräsident der Vierten Republik
20. Januar 1952–29. Februar 1952
23. Februar 1955–24. Januar 1956
Antoine Pinay
Guy Mollet
Vorgänger Amt Nachfolger
Pierre Mendès-France Außenminister von Frankreich
20. Januar 1955 – 23. Februar 1955
Antoine Pinay
Vorgänger Amt Nachfolger
René Maier
Maurice Bourgès-Maunoury
Pierre Pflimlin
Finanzminister von Frankreich
20. Januar 1952 – 8. März 1952
28. Juni 1953 – 20. Januar 1955
14. Mai 1958 – 1. Juni 1958
Antoine Pinay
Robert Buron
Antoine Pinay
Vorgänger Amt Nachfolger
Maurice Bourgès-Maunoury Innenminister von Frankreich
1. Dezember 1955 – 1. Februar 1956
Jean Gilbert-Jules
Vorgänger Amt Nachfolger
René Maier Justizminister von Frankreich
11. August 1951 – 20. Januar 1952
Léon Martinaud-Déplat
Vorgänger Amt Nachfolger

Achille Peretti
Präsidenten der französischen Nationalversammlung
2. April 1973 – 3. April 1978

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