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Edo Osterloh

Edo Osterloh (* 2. April 1909 in Rotenhahn bei Varel (Oldenburg); † 25. Februar 1964 in Kiel) war evangelischer Theologe und Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Vor Eintritt in die Nachkriegs-Politik

Osterloh wuchs als Sohn eines Bauern auf und besuchte die Volks- und die Oberrealschule, auf der er 1928 das Reifezeugnis erwarb. Danach studierte er Theologie und Philosophie an den Universitäten Marburg, Göttingen und Zürich. Die finanziellen Mittel stellte ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes zur Verfügung.

In Göttingen trat er dem Studentenkampfbund Deutsche Christen bei und wurde dessen Hochschulgruppenführer. Unter seiner Ägide erschien die Schrift Das Evangelium im Dritten Reich, in dem Volksgemeinschaft und Rasse verherrlicht werden. Am 10. Mai 1933 organisierte er eine NS-Bücherverbrennung vor der Göttinger Albanikirche.[1]

1935 übernahm er eine Dozententätigkeit an der Kirchlichen Hochschule Berlin-Zehlendorf. Hier unterrichtete er im lutherischen Zweig als Repetent die Fächer Altes Testament, Hebräisch und Philosophie, trotz schwieriger politischer Umstände und Lehrverbot.

1940 wurde Osterloh zum Kriegsdienst eingezogen. Er war während seiner fünfjährigen Militärzeit als Artillerieoffizier im Fronteinsatz und an einer Kriegsschule tätig. Später gehörte er als sogenannter Fachoffizier zum Generalstab der Heeresgruppe Mitte. Im Mai 1945 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Im August 1945 gelang ihm die Flucht. Nach seiner Rückkehr übernahm Osterloh ein Pfarramt in der Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg. Gemeinsam mit Hermann Ehlers wurde er in den Oberkirchenrat dieser Landeskirche gewählt. 1949 nahm er einen Ruf als Oberkirchenrat in die Kirchenleitung der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers an. In dieser Funktion widmete er sich vornehmlich Schul- und Erziehungsfragen.

Nach Eintritt in die Politik

Osterloh schloss sich dann der CDU an, in der er sich für eine liberale Familien- und Bildungspolitik einsetzte. 1953 wurde er zum Ministerialrat im Bundesministerium des Innern ernannt und mit der Leitung des Referates 2 (Schul- und Erziehungsangelegenheiten) beauftragt. Im Januar 1954 wurde er Ministerialdirektor. Am 18. Januar 1956 übernahm Osterloh das Amt des Kultusministers von Schleswig-Holstein. 1958 und 1962 wurde er für den Wahlkreis Steinburg-Süderdithmarschen in den schleswig-holsteinischen Landtag gewählt.

Er gehörte außerdem verschiedenen Kuratorien und Stiftungsvorständen an. In der politischen Arbeit galt sein Einsatz einer Volks- und Berufsschulreform. Sein Ziel war eine Verbesserung des schulischen Ausbildungsstandes vor allem der ländlichen und der sozial benachteiligten Jugend. In zahlreichen Publikationen beschäftigte Osterloh sich mit bildungspolitischen Fragen. Er entwarf „Grundsätze der Schul- und Kulturpolitik“, untersuchte die Entwicklung des Volksschulwesens in Deutschland und erörterte das Verhältnis von „Arbeit, Freizeit und Familie“.

In kulturpolitischen Kreisen der CDU galt Osterloh als Experte. Wiederholt kritisierte er den autoritären Regierungsstil Konrad Adenauers. Seine Amtsführung als Kultusminister war jedoch wiederholt von schweren Konflikten geprägt. Im Mittelpunkt stand dabei die Rolle von Kieler Universitätsprofessoren im Dritten Reich. Osterloh vertrat die Ansicht, dass man zwar „keinen [NS-]Verbrecher ungestraft lassen“ dürfe, doch hielt er „das nachträgliche Einfangen und Aburteilen einzelner Sündenböcke“ und das „späte Opfern einzelner“ für problematisch [2].

Dabei setzte Osterloh sich mit der Frage von Schuld und Verantwortung im Blick auf die nationalsozialistische Terrorherrschaft intensiv auseinander. Vermutlich die bedrängte Lage, in die Osterloh als ein auf Ausgleich und Verständigung setzender Vermittler im Kontext solcher Konflikte geriet, ließ ihn seinem Leben am 25. Februar 1964 selbst ein Ende setzen.

Osterloh hinterließ seine zweite Ehefrau Gertrud geb. Wilmanns und acht Kinder, darunter seine 1944 geborene Tochter Lerke.[3]. Zwei der Kinder stammten aus der ersten Ehe (1935) mit Anneliese geb. Hübner († 1941). Ulrike Meinhof war seine Nichte sowie sein Patenkind.[4]

Auszeichnungen

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Hartwig Hohnsbein:Bekenntnisse aus dem Verlag V&R. In: Ossietzky Nr. 16/2010, S. 587 (Online)
  2. zitiert aus:  Schatten am Meer. In: Der Spiegel. Nr. 10, 1964, S. 21-22 (online).</span>
  3.  Schatten am Meer. In: Der Spiegel. Nr. 10, 1964, S. 21-22 (online).</span>
  4. Brigitte Kaff: Osterloh, Edo. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, S. 618 f. (Onlinefassung).
  5. Peter Zocher: Edo Osterloh – Vom Theologen zum christlichen Politiker. Eine Fallstudie zum Verhältnis von Theologie und Politik im 20. Jahrhundert. (AKiZ B 48), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 99
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