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Edward Louis Bernays (* 22. November 1891 in Wien; †9. März 1995 in New York) gilt neben Ivy Lee und anderen als Vater der Public Relations und bedeutender Spin-Doctor. Er selbst prägte für seinen Beruf die Bezeichnung PR-Berater (Public Relations Counselor).
Inhaltsverzeichnis |
Bernays war Neffe von Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse. Anfang der 1920er Jahre heiratete Bernays seine Freundin Doris Fleischman, die er schon aus Jugendzeiten kannte und welche später in seinem ersten Unternehmen arbeitete. Ein Jahr vor ihrer Hochzeit schlossen sich Bernays und Fleischman der Lucy Stone League, einer amerikanischen Frauenrechtsorganisation, an, deren Ziel es u. a. war, dass Frauen nach der Heirat ihren Geburtsnamen behalten können. In der Hochzeitsnacht im New Yorker Waldorf-Astoria unterschrieb Doris Fleischman Bernays mit ihrem Geburtsnamen. Zwei Jahre nach ihrer Hochzeit war sie die erste Frau, der das U. S. State Department einen Pass auf den Geburtsnamen ausstellte.
Bernays Erfolge in der Ă–ffentlichkeitsarbeit halfen, die Theorien von Freud in den Vereinigten Staaten von Amerika zu popularisieren. Bernays war Pionier in der Anwendung von Forschungsergebnissen der noch jungen Psychologie und Sozialwissenschaften in der angewandten Ă–ffentlichkeitsarbeit. Er vermied den historisch belasteten Begriff Propaganda zugunsten des Begriffes Public Relations.[1] Er entwickelte seine Kampagnen zur Meinungsbeeinflussung auf Basis damals aktueller Erkenntnisse von Massenpsychologie. Bernays argumentierte:
Er bezeichnete diese auf Wissenschaft basierende Technik der Meinungsformung als engineering of consent. Bernays wohl bekanntestes Buch Propaganda beginnt mit dem Kapitel Organising Chaos und den Worten:
Bernays entwickelte einen Acht-Punkte-Plan zur Durchführung einer PR-Kampagne[2], der auch heute noch häufig als Grundlage vieler PR-Kampagnen weltweit Verwendung findet und ebenso als Basis für die Arbeit gemeinnütziger Organisation dienen kann:
Joseph Goebbels benutzte Bernays Buch Crystallizing Public Opinion, um die antijüdische Propaganda im nationalsozialistischen Deutschland aufzubauen. Bernays, selbst – wie auch sein Onkel Sigmund Freud – Jude, wurde dies von Karl von Wiegand, einem Reporter der amerikanischen Hearst-Zeitung in Deutschland mitgeteilt, welcher Goebbels besucht hatte und mit ihm einen Rundgang in dessen Bibliothek unternommen hatte. Bernays äußerte sich in seiner 1965 erschienenen Autobiographie wie folgt:
Eine seiner bevorzugten Techniken zur Manipulation der öffentlichen Meinung war die indirekte Nutzung prominenter Dritter: „Wenn man die Führer beeinflussen kann, entweder mit oder ohne deren bewusste Zusammenarbeit, beeinflusst man automatisch deren Gruppe“. Bernays Klienten waren u. a. der US-Präsident Calvin Coolidge, Procter & Gamble, CBS, British American Tobacco, United Fruit, General Electric und Dodge Motors.
Larry Tyes Buch The Father of Spin – Edward L. Bernays and the Birth of Public Relation (1998, bisher nur in englischer Sprache erschienen) beschreibt im gleichnamigen Kapitel, was Bernays PR-Technik, „The Big Think“, in der Realität bedeutete. Bernays arbeitete nicht nur für verschiedenste Wirtschaftsunternehmen, sondern auch für karitative Vereinigungen.
So wirkte er ab den 1920ern einige Jahre für die amerikanische Tabakindustrie, auch für die American Tobacco Company (ATC). Frauen, so fand er heraus, betrachteten in den 1920er Jahren Zigaretten als phallische Symbole männlicher Macht und somit als ungeeignet für Frauen. Bernays versuchte für ATC auch für Frauen das Rauchen attraktiv zu machen. Er beschäftigte eine Gruppe von Frauen und bat sie sich als Suffragetten zu verkleiden und zu argumentieren. Die Frauen marschierten durch New Yorks Fifth Avenue und als Zeitungsreporter sie fotografierten, zündeten sie Zigaretten an und proklamierten diese als "torches of freedom" (Fackel der Freiheit). Die Werbestrategie zielte darauf ab, den Widerstand der Frauen gegen das Rauchen zu brechen.[4] Einige Jahrzehnte später (in den 1960ern) arbeitete er für die Anti-Rauch-Kampagne.
In den 1930ern arbeitete Bernays für einige große Verlagshäuser. Seine Idee war es (neben seiner Taktik, angesehene Personen der Öffentlichkeit zur Befürwortung der Wichtigkeit von Büchern für die Zivilisation zu bewegen), Möbelhersteller zum verstärkten Einbau von Bücherregalen in die Stubenmöbel zu veranlassen. Seine einfache Theorie: „Wo es Bücherregale gibt, wird es auch Bücher geben.“ Ähnlich verfuhr Bernays, als er ab 1949 für Mack Trucks bzw. die amerikanische Truck-Industrie arbeitete. Um sich gegen die Eisenbahngesellschaften durchsetzen zu können, hatte Bernays einen derart indirekten und weitsichtigen Plan ausgeklügelt, dass er sogar Mack Trucks von der Sinnhaftigkeit seiner Idee überzeugen musste. Bernays gewann letztlich nicht nur die Zustimmung von Mack Trucks, sondern brachte in den 1950er Jahren auch den US-Kongress dazu, Milliarden von US-Dollar in den Ausbau des Highway-Systems zu pumpen.
Bernays arbeitete des Weiteren für die Amerikanische Gesellschaft für Multiple Sklerose. Er stellte fest, dass der Name der Krankheit zu viel wäre, „um von den meisten Amerikanern verdaut werden zu können.“ Kurzentschlossen ließ er den Namen auf „MS“ abkürzen. Mitunter waren seine Kampagnen derart kompliziert, dass er selbst den Überblick etwas verlor; manchmal – wie im Fall von „MS“ – waren sie aber auch im Grunde genommen sehr einfach.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bernays, Edward |
| ALTERNATIVNAMEN | Bernays, Edward L. |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer PR-Berater |
| GEBURTSDATUM | 22. November 1891 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 9. März 1995 |
| STERBEORT | New York City |