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Einfluss

Einfluss ist die potenzielle oder effektive Wirkung eines Subjekts oder einer Interessengruppe auf eine Zielperson oder -gruppe. Zu unterscheiden ist zwischen Einfluss haben (passiv, evtl. unbewusst) und Einfluss ausĂŒben (aktiv, bewusst).

Wenn Einfluss bewusst ausgeĂŒbt wird, zielt er auf die VerĂ€nderung von Einstellungen oder die Korrektur von Überzeugungen; manche Definitionen fassen auch die HerbeifĂŒhrung einer bestimmten Entscheidung oder eines gewĂŒnschten Verhaltens unter die möglichen Ziele der AusĂŒbung von Einfluss; in diesem Fall ist Einfluss von Macht kaum zu unterscheiden. Das bewusste AusĂŒben von Einfluss setzt notwendigerweise eine persönliche Beziehung zwischen Einflussnehmer und Beeinflusstem voraus; die Grundlagen gelungener Einflussnahme sind oft persönliches Charisma des Einflussnehmers oder (psychische oder materielle) AbhĂ€ngigkeit des Beeinflussten.

Von besonderer sozialer Relevanz sind religiöser, politischer und wirtschaftlicher Einfluss. Manipulation ist ein verwandter Begriff, der jedoch hĂ€ufig negativ konnotiert wird. Die Abgrenzung zur „Macht“ ist schwierig und umstritten.

Inhaltsverzeichnis

Einfluss und Macht

Bereits der Soziologe Max Weber (1864-1920) unterschied die Begriffe „Macht“ und „Einfluss“ im Rahmen seiner Forschung nach Formen von „Herrschaft“. Dabei akzentuierte er, dass nicht „jede Art von Chance, ‚Macht‘ und ‚Einfluss‘ auf andere Menschen auszuĂŒben“ als Herrschaft zu bezeichnen sei.[1] Weber verwendete die Begriffe Einfluss und Macht zwar nicht synonym, lieferte allerdings auch keine Definition von „Einfluss“.[1] Abzugrenzen wĂ€re demzufolge die Semantik des Begriffs Einfluss von seiner Definition von Macht. „Macht“ bedeutete bei Weber „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht“.[2] Ausgehend von dieser klassischen Machtdefinition wurde in der Folge der Machtbegriff von Wissenschaftlern weiterentwickelt, wobei unterschiedliche BeziehungsverhĂ€ltnisse zwischen „Macht“ und „Einfluss“ hergestellt wurden.[2] Ronald Nagy fasste 2002 die von ihm so bezeichnete „Flut von Begriffsbestimmungen“ so zusammen: „Neben der synonymen Verwendung der Begriffe, wird zum einen Einfluss als Oberbegriff und Macht als besondere AusprĂ€gung dargestellt und zum anderen einen strikte (analytische) Trennung vorgeschlagen“.[2]

Einflussfaktoren

Alfred Meier und Tilman Slembeck unterschieden 1994 folgende „Einflussfaktoren“ im Sinne eines kausalen sozialen Modells: 1. AusĂŒbung von Rechten und Wahrnehmung von Kompetenzen; 2. Gratifikation (Belohnung mit Geld, Aufmerksamkeit oder anderen geschĂ€tzten Zuwendungen); 3. persuasive Kommunikation (Überzeugen durch bessere Argumente oder persönliche Eigenschaften; Wissensvorsprung und Überredung); 4. Manipulation (Verschleierung der effektiven Absichten); 5. Identifikationsangebote des (scheinbar) „StĂ€rkeren“ an die Zielgruppe und 6. Konfrontation.[3] Ob es tatsĂ€chlich angemessen ist, alle diese als „Einflussfaktoren“ aufzufassen, oder ob es sich nicht vielmehr um Begriffe handelt, die von Einfluss analytisch abzugrenzen sind (wobei einige von ihnen eventuell besondere Formen von Einfluss darstellen), ist allerdings keineswegs unstrittig.

Sozialer Einfluss

Sozialer Einfluss der Gesellschaft auf ihre Mitglieder entspringt z. B. dem Wunsch des Individuums nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Über PrĂ€ferenzen und Wertvorstellungen einer Gemeinschaft prĂ€gen sich soziale Normen aus, welchen sich die Akteure anpassen.

Durch die Angleichung eigener Wertvorstellungen an GruppenprĂ€ferenzen findet eine individuelle Anpassung an gleichgesinnte Gruppen statt. Innerhalb der Gruppen wird die KonformitĂ€t der Gruppenmitglieder durch Gruppendruck gefördert. Der Zusammenhalt der Gruppe (siehe KohĂ€sion) setzt ein Mindestmaß an KonformitĂ€t voraus.

Soziale Normen wirken insofern oft ansteckend und können zur AusprĂ€gung von Angleichungen in Wertvorstellungen und Verhalten fĂŒhren. Gruppenzugehörigkeit funktioniert hĂ€ufig ĂŒber Identifikation, die teilweise auch aus gemeinsam geteilter Geschichte beeinflusst wird. Die Mechanismen können sowohl ĂŒber die angesprochene kollektive HistorizitĂ€t als auch ĂŒber symbolische Ortsbezogenheit, Generation (-enschicksal) oder Ă€hnliches hergestellt werden. Eine Angleichung umfasst einen kollektiven Erfahrungsraum, der zu gleichen (kollektiv erarbeiteten) Normalvorstellungen fĂŒhrt. Auch weitere Personen können diesen teilen. Üblicherweise gibt es hierfĂŒr Initiationsriten, Inthronisationen innerhalb von SchlĂŒsselsituationen oder -prozessen oder auch durch Rahmenbedingungen bestimmte AnlĂ€sse (z.B. gemeinsamer Schulbesuch). Dadurch steigt innerhalb der Gruppe die VerlĂ€sslichkeit und Voraussehbarkeit des Verhaltens der Gruppenmitglieder, was die Interaktion in der Gruppe fördert. Dieser KonformitĂ€tsdruck kann zu Gleichförmigkeit, vorauseilendem Gehorsam, Obrigkeitshörigkeit und sinkender Toleranz fĂŒhren.

Allerdings fĂŒhrt diese Art von KonformitĂ€t zwar zur öffentlichen ErfĂŒllung der Verhaltenserwartungen der Gruppe, aber nicht notwendigerweise zur privaten Akzeptanz ihrer Verhaltensweisen und Annahmen (nach P.D. Allison 1992).

Die Anpassung an KonformitÀtsforderungen des sozialen Umfelds ist eine verbreitete und in vielen Situationen kaum vermeidbare Leistung. Die Reaktion auf solchen sozialen Druck kann aber auch in Widerstand dagegen bestehen; KonformitÀtsdruck kann als Gegenbewegung UnabhÀngigkeitsbestrebungen auslösen. Der Wunsch nach Einmaligkeit und IndividualitÀt steht z. B. in Kontrast zum Wunsch nach Gruppenzugehörigkeit (nach K. J. Gergen und M. M. Gergen 1986). Auch Widerstands- und UnabhÀngigkeitsbewegungen (von Individuen oder Gruppen) können also auf sozialem Einfluss beruhen.

Das Vorliegen von sozialem Einfluss ist demnach nicht davon abhĂ€ngig, dass der Beeinflusste eine vom Beeinflussenden gewĂŒnschte Entwicklung vollzieht: Dies ist ein wesentlicher Unterschied zwischen dem AusĂŒben von Einfluss und dem AusĂŒben von Macht. Sozialer Einfluss kann auch stattfinden, ohne dass der Beeinflussende sich dessen bewusst ist. Es ist sogar möglich, dass jemand gegen den eigenen Willen Einfluss hat. Der Popstar z. B., der sich gerne exklusiv kleiden möchte, den seine Fans aber seiner ExklusivitĂ€t berauben, indem sie ihn millionenfach in ihrer Kleidung nachahmen, hat von ihm selbst ganz unerwĂŒnscht Einfluss auf eine große Gruppe Menschen - ohne jedoch ĂŒber sie Einfluss oder Macht aktiv auszuĂŒben. Die unterschiedlichen Funktionsweisen von sozialem Einfluss und sozialer Macht zeigen sich auch daran, dass man von Toten sinnvollerweise sagen kann, dass sie Einfluss haben, aber nicht, dass sie Macht haben. Macht ist begrifflich an Intentionen des Machthabers gebunden, Einfluss dagegen nicht an Intentionen des Einflussreichen.

Literatur

  • Kenneth J. Gergen, Mary M. Gergen: Social Psychology. Springer-Verlag, New York 1986, ISBN 3-540-96252-2.
  • P. D. Allison: The Cultural Evolution of Beneficient Norms. In: Social Forces. 71 (1992), S. 279-301.
  • Alfred Meier, Tilmann Slembeck: Wirtschaftspolitik. Ein kognitiv-evolutionĂ€rer Ansatz. Oldenbourg Verlag, MĂŒnchen 1994, ISBN 3-486-22952-4.
  • Ruth Zimmerling: Influence and Power. Variations on a Messy Theme. Springer-Verlag, Dordrecht 2005, ISBN 1-4020-2986-1.

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Einfluss â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Nicole J. Saam: Prinzipale, Agenten und Macht. Eine machttheoretische Erweiterung der Agenturtheorie und ihre Anwendung auf Interaktionsstrukturen in der Organisationsberatung. TĂŒbingen 2002, ISBN 3-16-147832-0, S. 141. (Anpassung des Zitats an die ref. dt. Rechtschr.; Quelle: Max Weber: Gesammelte politische Schriften. Hrsg. von Johannes Winckelmann. 4. Auflage. TĂŒbingen 1980, S. 129.)
  2. ↑ a b c Ronald Nagy: Corporate governance in der Unternehmenspraxis. Akteure, Instrumente und Organisation des Aufsichtsrates. Wiesbaden 2002, ISBN 3-8244-0668-3, S. 32. (Anpassung des Zitats an die ref. dt. Rechtschr.; Quelle: Weber, Gesellschaft, S. 28.)
  3. ↑ Alfred Meier, Tilman Slembeck: Wirtschaftspolitik. Ein kognitiv-evolutionĂ€rer Ansatz. MĂŒnchen/Wien/Oldenbourg 1994, ISBN 3-486-22952-4.
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