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Unter elektromagnetischer Induktion (auch Faraday'sche Induktion, nach Michael Faraday, kurz: Induktion) versteht man das Entstehen einer elektrischen Spannung durch Änderung der magnetischen Flussdichte.
Ein typisches Beispiel für elektromagnetische Induktion zeigt das nebenstehende Bild: Durch Bewegung des Magneten wird eine elektrische Spannung erzeugt, die an den Klemmen der Spule messbar ist und für weitere Anwendungen bereitsteht.
Die elektromagnetische Induktion wurde 1831 von Michael Faraday bei dem Bemühen entdeckt, die Funktionsweise eines Elektromagneten („Strom erzeugt Magnetfeld“) umzukehren („Magnetfeld erzeugt Strom“). Der Zusammenhang ist eine der vier Maxwell'schen Gleichungen. Die Induktionswirkung wird technisch vor allem bei elektrischen Maschinen wie Generatoren, Elektromotoren und Transformatoren genutzt. Bei diesen Anwendungen treten stets Wechselspannungen auf. Abzugrenzen von der elektromagnetischen Induktion ist die sogenannte Unipolarinduktion, bei der direkt und ohne eine Gleichrichtung Gleichspannungen entstehen. Da bei Anwendungen zur Unipolarinduktion idealtypisch betrachtet keine Flussdichteänderungen auftreten, liefert das Induktionsgesetz in differentieller Form für jeden Ort im Raum den Wert null. Die an den Klemmen der Anordnung auftretende Spannung kann daher nicht auf elektromagnetische Induktion im Sinne des Induktionsgesetzes zurückgeführt werden, sondern sie beruht vielmehr auf einer Ladungstrennung infolge der Lorentzkraft.
Bei der durch Induktion infolge einer magnetischen Flussänderung entstehenden elektrischen Spannung handelt es sich um eine sogenannte Umlaufspannung oder Induktionsspannung. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass sie durch geschlossene elektrische Feldlinien dargestellt wird (Wirbelfeld). Hierdurch unterscheidet sich die Induktionsspannung von Spannungen, wie sie beispielsweise bei einer Batterie vorkommen (Potentialfeld). Die Feldlinien der sog. Urspannungsquellen EMK einer Batterie (siehe elektromotorische Kräfte[1]) verlaufen stets von positiven zu negativen Ladungen und sind nicht geschlossen.
In mathematischer Form lässt sich das Induktionsgesetz durch jede der folgenden drei gleichbedeutenden Gleichungen beschreiben:
| differentielle Form | Integralform I | Integralform II |
|---|---|---|
| <math>\text{rot}\vec E = -\frac{\partial \vec B}{\partial t}</math> | <math>\oint\limits_{\partial A(t)}{\vec E \text{d}\vec s}= -\int\limits_{A(t)}{\frac{\partial \vec B}{\partial t} \text{d}\vec A}</math> | <math>\oint\limits_{\partial A(t)}{(\vec E+\vec u \times \vec B(t)) \text{d}\vec s}= -\frac{\text{d}}{\text{d}t }\int\limits_{A(t)} \vec B(t) \text{d}\vec A</math> |
In den Gleichungen bedeuten <math>\vec E</math> die elektrische Feldstärke und <math>\vec B</math> die magnetische Flussdichte. Die Größe <math>\text{d}\vec A</math> ist das gerichtete Flächenelement und <math>\partial A</math> der Rand (Konturlinie) der betrachteten Integrationsfläche <math>A</math>; <math>\vec u</math> ist die lokale Geschwindigkeit der Konturlinie in Bezug auf das zugrundeliegende Bezugssystem. Das auftretende Linienintegral erfolgt entlang einer geschlossenen Linie <math>\partial A</math> und endet daher am Startpunkt. Zwischen zwei nebeneinanderstehenden Vektoren soll das Skalarprodukt genommen werden: d. h. alle drei kartesischen Vektorkomponenten werden miteinander multipliziert und die Ergebnisse addiert.
Alle in den Gleichungen auftretenden Größen werden von einem beliebigen (aber für alle Größen gleichen) Bezugssystem (Inertialsystem) aus beschrieben. Wegen <math>\text{div}\vec B=0</math> (Nichtexistenz von magnetischen Monopolen) sind alle drei Gleichungen miteinander mathematisch und physikalisch äquivalent. Insbesondere stehen sie in Kombination mit den übrigen Maxwellgleichungen mit der speziellen Relativitätstheorie in Übereinstimmung.
Die Gleichungen eignen sich grundsätzlich für die Beschreibung ruhender und bewegter Körper. Zu beachten ist hierbei Folgendes:
Die elektromagnetische Induktion als Teil der Maxwell'schen Gleichungen und der klassischen Elektrodynamik (KED) spiegelt den Kenntnisstand aus dem Ende des 19. Jahrhunderts wider. Es wurden damals teilweise andere Begriffe und Nomenklaturen als heute für die Darstellungen benutzt, die grundlegenden Vorstellungen über den Induktionsvorgang waren vorhanden.
Als Entdecker des Induktionsgesetzes gelten Michael Faraday und Joseph Henry, die das Induktionsgesetz im Jahr 1831 unabhängig voneinander entdeckt haben, wobei Faraday seine Ergebnisse als Erster veröffentlicht hat[3][4].
In Faradays erstem Demonstrationsaufbau zur Induktion vom 29. August 1831[5] wickelte er zwei Leiterdrähte auf entgegengesetzte Seiten eines Eisenkerns; eine Anordnung, die modernen Ringkerntransformatoren ähnelt. Er erwartete aufgrund seiner Kenntnisse über Permanentmagnete, deren Eigenschaften zu dieser Zeit gerade erst untersucht worden waren, dass sich eine Art Welle entlang des Rings ausbreitet, sobald in einer der beiden Leitungen ein Strom zu fließen beginnt, und zu einem Stromfluß auf der anderen Seite des Rings führt. Im Experiment schloss er an einem der beiden Drähte ein Galvanometer an und betrachtete den Zeigerausschlag, während er den anderen Draht an eine Batterie anschloss. Tatsächlich beobachtete er jedes Mal einen transienten Stromfluss, wenn der Leiter mit der Batterie verbunden oder getrennt wurde[6]. Die Ursache dieser Induktionserscheinung war die Änderung des magnetischen Flusses in der von der Leiterschleife aufgespannten Fläche. In der folgenden Zeit identifizierte Faraday weitere Beispiele elektromagnetischer Induktion. So beobachtete er beispielsweise transiente Ströme in einer Spulenanordnung, wenn er einen Permanentmagneten rasch in die Spule hinein und wieder herausbewegte. Aus den historischen Untersuchungen ging auch die sogenannte Faradayscheibe, ein Gleichstromgenerator, hervor[7], die aus heutiger Sicht als sogenannte "Bewegungsinduktion" beschrieben wird und ihre Ursache in der Bewegung des Leiters und der mitgeführten Ladungen im magnetischen Feld hat.
Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte die relativistische Eingliederung des Induktionsgesetzes im Rahmen der speziellen Relativitätstheorie. Dabei wurde einerseits auf die Verhältnisse bei Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit Rücksicht genommen. Andererseits konnte im Rahmen der Relativitätstheorie beschrieben werden, wie sich beispielsweise die Beträge der elektrischen und magnetischen Feldkomponenten in Abhängigkeit von der Bewegung zwischen einem Beobachter und einer beobachteten elektrischen Ladung verändern. Diese Abhängigkeiten in der relativen Bewegung zueinander zwischen verschiedenen Bezugssystemen werden durch die Lorentz-Transformation beschrieben. Dabei zeigt sich, dass das Induktionsgesetz (so wie die restlichen Maxwell'schen Gleichungen) „lorentzinvariant“ ist. Das heißt, die Struktur der Gleichungen wird durch die Lorentz-Transformation zwischen verschiedenen Bezugssystemen nicht verändert. Dabei wird auch besonders deutlich, dass die elektrischen und magnetischen Felder nur zwei Erscheinungsformen desselben Phänomens sind.
In der Mitte des 20. Jahrhunderts gelang im Rahmen der Elektrodynamik die Verbindung der Quantenmechanik mit der speziellen Relativitätstheorie, und es wurde auch das Induktionsgesetz im Rahmen einer Quantenfeldtheorie des Elektromagnetismus formuliert. Diese Quantenfeldtheorie wird als Quantenelektrodynamik (QED) bezeichnet. Sie stellt heute, auch aufgrund des großen technischen Anwendungsgebietes, eine der durch Experimente am genauesten überprüften Theorien der Physik dar.
Das Gesetz der elektromagnetischen Induktion, kurz Induktionsgesetz, beschreibt den Zusammenhang zwischen elektrischen und magnetischen Feldern. Es besagt, dass bei einer Änderung des magnetischen Flusses durch eine Fläche am Rand dieser Fläche eine Ringspannung entsteht. In besonders häufig verwendeten Formulierungen wird das Induktionsgesetz beschrieben, indem die Randlinie der Fläche als unterbrochene Leiterschleife dargestellt wird, an deren offenen Enden die Spannung gemessen werden kann.
Die zum Verständnis sinnvolle Beschreibung gliedert sich in zwei mögliche Darstellungsformen:
Beide Darstellungsformen beschreiben denselben Sachverhalt. Je nach konkretem Anwendungsfall und Problemstellung kann es sinnvoll sein, die eine oder die andere Form zu benutzen. Im Folgenden sind beide Darstellungsformen beschrieben.
Das Induktionsgesetz in Differentialform lautet:
Das Vorhandensein von elektrischen Wirbeln bzw. einer zeitveränderlichen magnetischen Flussdichte ist das wesentliche Kennzeichen von Induktion. In elektrischen Feldern ohne Induktion (z. B. in dem Feld unbewegter Ladungen) existieren keine geschlossenen Feldlinien der elektrischen Feldstärke <math>E</math>, und das Umlaufintegral der elektrischen Feldstärke ergibt immer null.
Seine Hauptanwendung findet das Induktionsgesetz in Differentialform einerseits bei theoretischen Herleitungen und in der numerischen Feldberechnung, andererseits (jedoch seltener) in der analytischen Berechnung konkreter technischer Fragestellungen.
Wie in Einsteins erstem Werk über die spezielle Relativitätstheorie [8] gezeigt wurde, stehen die Maxwellgleichungen in Differentialform in Übereinstimmung mit der speziellen Relativitätstheorie. Eine an den heutigen Sprachgebrauch angepasste Herleitung hierzu findet sich in dem inzwischen vergriffenen Lehrbuch von Simonyi[9].
Der Zusammenhang zwischen der Integralform und der Differentialform kann mithilfe des Satzes von Stokes mathematisch exakt beschrieben werden. Dabei werden die globalen Wirbel- und Quellenstärken in lokale, diskrete Wirbel- bzw. Quellendichten, welche einzelnen Raumpunkten (Punkten eines Vektorfeldes) zugeordnet sind, übergeführt.
Ausgangspunkt ist das Induktionsgesetz in Differentialform
Zur Überführung in die integrale Form wird der Satz von Stokes verwendet, der aus naheliegenden Gründen mit der Variablen <math>\vec E</math> formuliert wird:
Ersetzt man im rechten Term des Stokes'schen Gesetzes das Vektorfeld <math>\vec E</math> entsprechend dem Induktionsgesetz in Differentialform durch den Term <math>-\frac{\partial \vec B}{\partial t}</math>, so ergibt sich
Dieses ist eine mögliche allgemeine Form des Induktionsgesetzes in Integralform[10], die entgegen vieler anderslautender Behauptungen sowohl für ruhende als auch für bewegte Leiter gültig ist[11].
Um eine Formulierung zu erhalten, die den magnetischen Fluss <math>\Phi = \int\limits_{A}\vec B \text{d}\vec A</math> enthält, addiert man auf beiden Seiten der Gleichung den Term <math>\oint\limits_{\partial A}(\vec u \times \vec B)\text{d}\vec s</math>. Dabei ergibt sich:
Der rechte Teil der Gleichung entspricht wegen <math>\text{div}\vec B=0</math> der negativen zeitlichen Änderung des magnetischen Flusses[12][13], so dass das Induktionsgesetz in Integralform in voller Allgemeingültigkeit auch folgendermaßen notiert werden kann:
In vielen Lehrbüchern werden diese Zusammenhänge leider nicht richtig notiert, was daran erkennbar ist, dass der auf der linken Gleichungsseite notierte Term <math>\vec u \times \vec B</math> fehlt; so beispielsweise bei [14][15][16]. Richtig notiert wird das Induktionsgesetz hingegen beispielsweise in [17][18][19]
Der Irrtum besteht wahrscheinlich darin, dass der fehlende Term irrtümlich der elektrischen Feldstärke zugeschlagen wird. (Manche Autoren sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer "effektiven" elektrischen Feldstärke.[20]) In seiner Konsequenz führt das Weglassen des Terms <math>\vec u \times \vec B</math> dazu, dass die Größe "E" inkonsistent verwendet wird und je nach dem Zusammenhang eine unterschiedliche Bedeutung hat[21]
Im folgenden Abschnitt wird die erste Integralform des Induktionsgesetzes betrachtet:
Entsprechend der mathematischen Formulierung des Integrals wird die Fläche <math>A</math> zu einem konstanten Zeitpunkt betrachtet und deren zeitliche Änderung nicht berücksichtigt.
Im Hinblick auf den Begriff der induzierten Spannung - das Integral über die elektrische Feldstärke - wird zunächst die im nebenstehenden Bild eingezeichnete Verbindungslinie zwischen den Punkten A und B in einem elektrischen Feld betrachtet.
Die Spannung zwischen den Punkten A und B („äußerer Pole“ einer „Steckdose“) kann man näherungsweise berechnen, indem man den Weg in viele kleine Wegelemente <math>\text{d}\vec r</math> unterteilt. Da man aufgrund der nur geringen Länge näherungsweise von einer konstanten elektrischen Feldstärke entlang eines solchen Wegstückes ausgehen kann, ergibt sich für die Teilspannung entlang eines Wegelementes im Innern der Wert
Als Gesamtspannung zwischen beiden Punkten ergibt sich somit
Die exakte Darstellung wird mithilfe eines Integrals definiert. Dieses kann man sich als Grenzwert für unendlich viele Wegstücke mit unendlich kleiner Länge <math>\left| \text{d}\vec{r} \right|\to 0</math> vorstellen. Zur Berechnung definiert man i. A. eine von einem Parameter <math>\xi</math> abhängige Funktion <math>\vec r(\xi),</math> die im Bereich <math>\xi=0...1</math> die Punkte entlang der Wegstrecke beschreibt (im Innern also in Pfeilrichtung). Die Spannung zwischen beiden Punkten kann dann über ein Kurvenintegral formal erfasst werden:
Lässt man nun den Punkt entlang der Kontur <math>C=\partial A</math> eines Gesamtumlaufes weiterwandern, bis er die eingeschlossene Fläche genau einmal umrundet hat und wieder mit Ausgangspunkt identisch wird (B=A), ergibt sich als Gesamtwert die in der geschlossenen Leiterschleife induzierte Umlaufspannung <math>U_\text{ind}</math>:
Hinsichtlich des Vorzeichens ist zu berücksichtigen, dass die Kontur die Fläche dabei im Sinne der Rechte-Hand-Regel umrundet.
Der dritte Ausdruck obiger Gleichungen ist dabei die dem zweiten Ausdruck gleichwertige vektorielle Darstellung des tangentialen Feldstärkeanteils mithilfe des Skalarproduktes, und die beiden Integrale sind sogenannte Ringintegrale, die immer dann verwendet werden, wenn (wie hier) längs eines geschlossenen Weges integriert wird, in diesem Fall entlang der Kontur der Leiterschleife C.
Die induzierte Spannung lässt sich bei einer nichtbewegten Leiterschleife näherungsweise als Spannungsabfall mit einem Spannungsmessgerät messen, wenn man entlang der geschlossenen Linie eine Leiterschleife anbringt und diese an einer Stelle auftrennt. Da über dem Leiterdraht nahezu keine elektrische Spannung abfällt, liegt die ganze induzierte Spannung zwischen den Klemmen.
In der englischsprachigen Literatur und teilweise auch in der deutschen Literatur wird anstelle des allgemeinen Induktionsgesetzes (Englisch: Maxwell-Faraday-Equation) häufig das sogenannte "Faradaysche Induktionsgesetz" (Englisch: Faraday's law of induction) gelehrt.
Hierbei handelt es sich um eine spezielle Formulierung des Induktionsgesetzes, die im Gegensatz zum allgemeinen Induktionsgesetz zwar einen etwas geringeren Anwendbarkeitsbereich umfasst, aber etwas einfacher anzuwenden ist. Im Unterschied zum allgemeinen Induktionsgesetz, das die Betrachtung einer beliebigen berandeten Fläche <math>A</math> zulässt, beschreibt das Faradaysche Induktionsgesetz die Verhältnisse bei einer im elektromagnetischen Feld ruhenden oder bewegten dünnen, gut leitfähigen Leiterschleife und setzt die an den Enden der Leiterschleife messbare Spannung in Verbindung mit der in der Fläche stattfindenden Flussänderung.
Trennt man die Leiterschleife an einer Stelle auf und misst die elektrische Spannung <math>U</math> zwischen den Enden der Klemmen mit einem Voltmeter, so erhält man bei vernachlässigbar kleiner (unbedrahteter) Öffnung der Leiterschleife, vernachlässigbar kleinem elektrischen Strom in der Leiterschleife, ruhendem Voltmeter in Bezug auf den Beobachter und nichtrelativistischen Geschwindigkeiten <math>v \ll c</math> der Teilstücke der Schleife die Spannung
Hinsichtlich der Vorzeichen wird wie üblich vorausgesetzt, dass die Flächennormale und die Umlaufrichtung der Flächenkontur rechtshändig zueinander verlaufen.
Häufige Formulierungen verwenden in diesem Zusammenhang den Begriff der elektromotorischen Kraft EMK (Englisch: electromotive force EMF), der über folgende Gleichung definiert ist:
Hierbei stellt man sich vor, dass die Leiterschleife entlang der Kontur <math>\partial A</math> verläuft und dass Kontur und Leiterschleife zu jedem Zeitpunkt die gleiche Geschwindigkeit aufweisen (<math>\vec u = \vec v</math>). Die Einheit der elektromotorischen Kraft lautet <math>[EMK]=1 \mathrm{V}</math>, es handelt sich also bei der EMK nicht um eine Kraft im Sinne der Mechanik.
Das Induktionsgesetz für die Leiterschleife kann mithilfe der elektromotorischen Kraft auch folgendermaßen geschrieben werden:
Der Zusammenhang soll im folgenden für nichtrelativistische Geschwindigkeiten <math>v \ll c</math> nachgewiesen werden. Da Leiterschleifen in der Praxis ausschließlich mit nichtrelativistischen Geschwindigkeiten bewegt werden, kann die Frage nach dem Grenzfall für <math>v \approx c</math> offengelassen werden:
Gesucht wird die Klemmenspannung <math>U</math>, die bei Beachtung der eingezeichneten Integrationsrichtung entlang der gestrichelten Linie ausgedrückt werden kann als
Diese soll mithilfe des Faradayschen Induktionsgesetzes in Integralform entsprechend
berechnet werden.
Befindet sich die betrachtete Kontur <math>\partial A</math> am gleichen Ort wie die Leiterschleife und bewegt sie sich mit der gleichen Geschwindigkeit wie diese, so gilt <math>\vec u = \vec v</math> und man kann schreiben:
Aufgrund der vorausgesetzten idealen Leitfähigkeit der Leiterschleife gilt für den Ort der Leiterschleife aus Sicht des mitbewegten Beobachters <math>\vec E' = \vec 0</math>. Mithilfe der nichtrelativistisch genäherten Lorentztransformation für das elektrische Feld ergibt sich daraus für den Bereich der Leiterschleife
und somit
Der im Integral <math>\oint\limits_{\partial A} \left(\vec E + \vec v \times \vec B \right) \text{d} \vec s</math> enthaltene Ausdruck <math>\vec E + \vec v \times \vec B</math> hat also ausschließlich in dem gestrichelt gezeichneten Wegbereich zwischen den Klemmen einen von null verschiedenen Wert, so dass gilt:
<math>\int\limits_{A}^{B} \left(\vec E + \vec v \times \vec B \right) \text{d} \vec s = \oint\limits_{\partial A} \left(\vec E + \vec v \times \vec B \right) \text{d} \vec s = -\frac{\text{d}}{\text{d}t} \int\limits_{A}\vec B \text{d}\vec A </math>
Da das Voltmeter in Bezug auf den Beobachter ruht, kann diese Gleichung vereinfacht werden zu <math>\int\limits_{A}^{B} \vec E \text{d} \vec s = \oint\limits_{\partial A} \left(\vec E + \vec u \times \vec B \right) \text{d} \vec s = -\frac{\text{d}}{\text{d}t} \int\limits_{A}\vec B \text{d}\vec A</math>.
Ersetzt man das erste Integral entsprechend der Definition der Klemmenspannung durch <math>-U</math>, multipliziert die Gleichungskette mit (-1) und lässt den mittleren Teil der Gleichungskette weg, so ergibt sich als Lösung
was zu zeigen war.
Da die Klemmenspannung entsprechend
zum Teil auf die Bewegung der Leiterschleife und zum Teil auf die Änderung der Flussdichte zurückgeführt werden kann, unterscheiden manche Autoren in diesem Zusammenhang zwischen der sogenannten "Ruheinduktion" und der "Bewegungsinduktion".
Da es in diesem Zusammenhang leicht zu Begriffsverwechslungen kommen kann, sei angemerkt:
In technischen Anwendungen werden die Körper meist mit nichtrelativistischen Geschwindigkeiten <math>v\ll c</math> bewegt. Bewegt man die Flächenkontur <math>\partial A</math> mit dem betrachteten Leiterelement in einem Stromkreis gleichförmig mit, so dass <math>\vec u = \vec v</math> gilt und setzt man die für kleine Geschwindigkeiten genäherte Lorentztransformation <math>\vec E + \vec v \times \vec B \approx \vec E'</math> in die Integralform II des Induktionsgesetzes ein, so gelangt man zu der gemischten Darstellung des Induktionsgesetzes, die auch "Flussregel" genannt wird:
<math>\begin{align} \oint\limits_{\partial A}{{{\vec{E}}'}}\text{d}\vec{s}\approx -\int\limits_{A}{\frac{\partial \vec{B}}{\partial t}}\text{d}\vec{A}+\oint_{\partial A}{{\vec{v}}}\times \vec{B}\ \text{d}\vec{s}=-\frac{\text{d}}{\text{d}t}\int_{A}{{\vec{B}}}\cdot \text{d}\vec{A} \end{align}</math>
Hierbei ist die Größe <math>\vec{E}'</math> die Feldstärke, die im Ruhesystem des mit der Geschwindigkeit <math>\vec u</math> bewegten Wegelementes <math>\text{d}\vec{s}</math> herrscht (d. h. im mitbewegten System). Alle anderen Größen werden im Ruhesystem des Beobachters gemessen.
Im Unterschied zu einem ruhenden Leiter, bei dem ausschließlich die Coloumbkraft stromtreibend wirkt, wirkt auf die Ladungen in einem bewegten Leiter die komplette Lorentzkraft
Für nichtrelativistische Geschwindigkeiten <math>v \ll c</math> ist die im ruhenden Bezugssystem gemessene Lorentzkraft gleich groß wie die Kraft, die die Ladung im mitbewegten System erfährt.
Für bewegte Materialien, für die das Ohmsche Gesetz gilt, kann die spezifische Leitfähigkeit <math>\kappa</math> durch die Gleichung
mit der elektrischen Feldstärke <math>\vec E</math>, der Geschwindigkeit <math>\vec v</math> des jeweiligen Leiterelements und der magnetischen Flussdichte <math>\vec B</math> definiert werden. Das Ohmsche Gesetz lautet dann wie im Falle unbewegter Materialien
Bei Anwendungen des Induktionsgesetzes muss strikt darauf geachtet werden, in welchem Bezugssystem die zugehörigen Vorgänge beschrieben werden. Denn die elektromagnetischen Feldgrößen ändern sich bei einer Änderung des Bezugssystemes. Dies soll an einem Beispiel erläutert werden:
Die gegenseitige Umwandlung der Felder ineinander wird durch die sogenannte Lorentztransformation beschrieben, die aus der speziellen Relativitätstheorie hervorgeht.
Bewegen sich die Ladungen relativ zum Beobachter nur mit kleinen Geschwindigkeiten <math>v \ll c</math>, so wird der Beobachter in jedem solchen Bezugssystem die gleiche Größe der Lorentzkraft
messen. Das kann man so interpretieren, dass bei einer Änderung des Bezugssystems elektrische und magnetische Anteile der Kraft ineinander übergehen.
Bei relativistischen Geschwindigkeiten ist zu berücksichtigen, dass der Begriff der (dreikomponentigen) Kraft aus der klassischen (nichtrelativistischen) Mechanik stammt und zwei sehr schnell gegeneinander bewegte Beobachter bei dem gleichen physikalischen Vorgang stets unterschiedliche Kräfte beobachten. Zur korrekten Beschreibung relativistischer Kräfte eignen sich die sogenannten Viererkräfte, die Elemente eines Minkowski-Raumes sind.
Einleitend sollen zwei Beispiele mit ruhenden Komponenten betrachtet werden. Da sich bei einer ruhenden Anordnung die Position der elektrischen Leitungen und Bauelemente mit der Zeit nicht ändert (<math>v=0</math>), ist es zweckmäßig, das Induktionsgesetzes für eine ruhende Flächenkontur (<math>\vec u=0</math>) zu wählen. In diesem Spezialfall sind das Flächenintegral über die zeitliche Ableitung der Flussdichte und die totale Flussänderung identisch, und es gilt:
Im einfachsten Fall liegt eine metallische Leiterschleife mit Unterbrechung vor. Da das Innere eines Leiters stets feldfrei ist (<math>\vec E\equiv 0,</math> d. h. auf die Ladungsträger werden keine Kräfte ausgeübt), tritt die gesamte Umlaufspannung an den Klemmen als Spannung
auf.
Bei Zunahme des B-Felds während des Zeitschrittes <math>\text{d} t</math> liegt eine Vergrößerung des magnetischen Flusses
vor, da das B-Feld und die Flächennormale von <math>A</math> in die gleiche Richtung zeigen. Dem Minuszeichen im Induktionsgesetz entsprechend ist die Spannung <math>u_{11'}</math> negativ. Bei Abnahme des B-Felds während des Zeitschrittes <math>\text{d}t</math> liegt eine Verringerung des Flusses vor. Dem Minuszeichen im Induktionsgesetz entsprechend ist die Spannung <math>u_{11'}</math> positiv.
Eine geschlossene Leiterschleife mit idealer Leitfähigkeit verhindert, dass sich der magnetische Fluss durch die von der Leiterschleife aufgespannte Fläche ändert, denn wegen der idealen Leitfähigkeit des Metalls ist das Umlaufintegral des elektrischen Feldes gleich null und es gilt:
Das Entstehen der Flussänderung wird durch die in der Leiterschleife induzierten Ströme verhindert, was i. A. eine lokale Änderung der Flussdichte erzeugt, da das magnetische Feld der induzierten Ströme in Leiternähe am größten ist und somit in der Nähe der Leiter die größte Kompensationswirkung stattfindet. Der Gesamtfluss, das heißt die über die gesamte Schleifenfläche integrierte Flussdichte, ändert sich dabei jedoch nicht.
In der Praxis ist der elektrische Widerstand einer Leiterschleife stets größer als null. Ist R der elektrische Widerstand des Leiters, so gilt
Wegen des Widerstands des elektrischen Leiters fließt ein elektrischer Strom, der dem magnetischen Feld die Momentanleistung <math>P(t)=R \cdot i^2(t)</math> entzieht und die Leiterschleife erwärmt. Nach diesem Prinzip arbeiten u. a. Induktionsherde, wobei die Energie zur ständigen Änderung des Magnetfeldes aus dem Haushaltsnetz stammt.
Die Aussage, dass der Strom <math>i(t)</math> seiner Ursache entgegenwirkt, ist im Sinne des gewählten Beschreibungsmodells problematisch. Tatsächlich fließt bei steigendem magnetischen Fluss wegen des Minuszeichens im Induktionsgesetz ein Strom entgegen der eingezeichneten positiven Stromrichtung. Dieser Strom erzeugt gemäß dem Durchflutungssatz eine magnetische Feldstärke H, die andersherum zeigt als das B-Feld. Es ist jedoch zu beachten, dass das Induktionsgesetz nicht zwischen Selbsterregung und Fremderregung unterscheidet. Insofern ist die Kompensationswirkung des induzierten Stromes schon im magnetischen Fluss <math>\Phi</math>, der bei der Berechnung verwendet wird, enthalten.
Wie in den Vorlesungen von Haus[22] beschrieben wird, lässt sich der Integrationsweg für die elektrische Feldstärke auch bei einer mehrfach gewickelten Spule als Berandung einer einfachen Fläche angeben (vgl. nebenstehendes Bild). Das Induktionsgesetz in seiner allgemeinen Form erfordert daher keinen Faktor <math>N</math> für die Windungszahl der Spule, auch wenn der Spulendraht im konkreten Fall einen Zylinder mehrfach umläuft.
In den meisten Veröffentlichungen zur elektromagnetischen Induktion bei elektrischen Spule wird der Einfachheit halber der Faktor <math>N</math> für die Windungszahl eingeführt, und das Induktionsgesetz wird in der Form
angegeben. Hierbei bezeichnet <math>\Phi_\text{w}</math> den von einer einzelnen Windung umschlossenen magnetischen Fluss, und <math>U_\mathrm{i}</math> ist die induzierte Spannung <math>U_\mathrm{i}=\oint \vec E \mathrm{d}s</math> für den Gesamtumlauf mit N Windungen durch den Wickeldraht, der durch ein kurzes Wegstück in der Luft zu einem Gesamtumlauf komplettiert wird. Gilt für die elektrische Feldstärke im Leiterdraht die Beziehung <math>E=0</math> (gute Leitfähigkeit, geringe Leiterströme), so ist die gesamte induzierte Spannung an den Klemmen messbar.
Durch Integration über die Zeit lässt sich die angegebene Gleichung folgendermaßen umformen:
Diese Beziehung beschreibt den Flussverlauf als Integralfunktion des Spannungsverlaufs.
Betrachtet man den Vorgang in einem Zeitintervall von 0 bis T bei konstanter Fläche, durch die der magnetische Fluss tritt – das Zeitintervall kann sich beispielsweise über eine Halbperiode einer Wechselspannung erstrecken –, so folgt daraus für den sich dann ergebenden Fluss
Für den Fall <math>\Phi_\mathrm{w}(0)=0</math> bedeutet das, dass der magnetische Fluss durch eine Leiterschleife bzw. eine Flussänderung in dieser, wie sie sich durch Anlegen einer Spannung nach der gegebenen Zeit T dort einstellt, immer von dem Spannungszeitintegral in den angegebenen Grenzen 0 bis T verursacht sein und diesem auch entsprechen muss. Die dafür relevante Spannung ist jeweils die induzierte Spannung <math>U_\mathrm{i}</math>. Diese entspricht der angelegten Spannung abzüglich Ohmscher Spannungsabfälle (I·R), soweit diese nicht zu vernachlässigen sind.
Zu veranschaulichen ist das Spannungszeitintegral auch als Fläche zwischen dem Spannungsgraphen und der Zeitachse über dem Intervall [0; T], weshalb man es bisweilen auch als Spannungszeitfläche bzw. Spannungszeitsumme[23] bezeichnet, in meist älterer Literatur in Anlehnung an den Begriff des Kraftstoßes auch als Spannungsstoß[24][25]. (Ursächlich hierfür ist der Umstand, dass messtechnisch früher die Integration von induzierten Spannungsimpulsen mittels ballistischer Galvanometer durchgeführt wurde. Vgl. auch Veranschaulichung des magnetischen Kraftflusses!)
Als weiteres Beispiel kann ein vielfach praktiziertes Messprinzip für den magnetischen Fluss dienen: Hier wird der zu messende Fluss von einer Messspule erfasst, und die Spannung an der Spule auf einen Integrator gegeben, der an seinem Ausgang als Ergebnis unmittelbar den Fluss anzeigt.
In Messsystemen mit bewegten Komponenten treten auch schon bei kleinen Geschwindigkeiten <math>v\ll c</math> relativistische Effekte auf. Diese grundsätzliche Tatsache wird durch ein einfaches Gedankenexperiment deutlich:
Damit bei Messungen mit bewegten Komponenten keine Missverständnisse auftreten, ist die Angabe des Bezugssystemes, relativ zu dem die Beobachtungen beschrieben werden, unbedingt erforderlich.
Betrachtet wird der nebenstehende Leiterstab im Magnetfeld. Da die Leiterschleife geöffnet ist, gilt <math>I=0</math> und daher:
In dem mit der Geschwindigkeit <math>\vec v</math> bewegten Leiterstab ergibt sich somit aus Sicht eines Beobachters im Ruhesystem die Feldstärke
während im Bereich des ruhenden Leiters mit <math>\vec v=0</math> eine Feldstärke von
herrscht.
Berechnet man das Ringintegral über die elektrische Feldstärke entlang des gesamten Stromkreises, so ergibt sich
Das Ringintegral lässt sich jedoch auch über das Induktionsgesetz in der Integralform I
formulieren, was sich wegen <math>\dot{\vec{B}} = 0</math> zu
vereinfacht.
Das Ergebnis für die an den Klemmen messbare Spannung lautet dementsprechend
Da das genannte Beispiel in vielen Darstellungen als ein Beispiel für elektromagnetische Induktion dargestellt wird, soll ausdrücklich bekräftigt werden:
Mithilfe des Begriffes der elektromotorischen Kraft lässt sich das Ergebnis folgendermaßen darstellen: Im Zeitintervall <math>\mathrm{d}t</math> bewegt sich der Leiterstab um das Wegstück <math>v \mathrm{d}t</math> nach rechts. Der Stromkreis umschließt damit einen zusätzlichen magnetischen Fluss von <math>\mathrm{d}\Phi = v \mathrm{dt} L B</math>, so dass gilt:
Das nebenstehend dargestellte Experiment zum Hering'schen Paradoxon zeigt, dass bei Induktion nicht immer ein Ausschlag am Spannungsmessgerät vorliegen muss.
Anordnung:
Problem:
Lösung:
Wir setzen das Induktionsgesetz in der zweiten Integralform an:
Da sich der Integrationsweg zeitlich nicht ändert (<math>\vec u=0</math>), kann es auch als
geschrieben werden.
Die induzierte Spannung <math>\oint \vec E \text{d}\vec s</math> setzt sich aus der Klemmenspannung am Voltmeter und der über die Länge <math>L</math> im Magneten integrierten elektrischen Feldstärke zusammen. Entsprechen der Gleichung <math>\vec E=-\vec v \times \vec B</math> für die Lorentztransformation zeigt die elektrische Feldstärke im Magneten "nach oben". Wird das Ringintegral über die elektrische Feldstärke wie üblich rechtshändig zur Flächennormalen durchgeführt (d. h. hier: im Uhrzeigersinn), so ergibt sich
In der Zeit <math>\text{d}t</math> vergrößert sich die vom Integrationsweg eingeschlossene Fläche des Magneten um <math>\text{d}A_{\Phi} = L v \text{d}t</math> und der magnetische Fluss somit um <math>\text{d}\Phi = L v B \text{d}t</math>. Der rechte Teil der Gleichung ergibt somit
Setzt man diese Größen in das Induktionsgesetz ein, so ergibt sich <math>-U-LvB=-LvB</math>, d. h.
Die induzierte Spannung tritt in diesem Beispiel nicht an den Klemmen der Anordnung, sondern im Permanentmagneten in Erscheinung. Das bereitet vielen Lernenden Verständnisprobleme, da sie implizit davon ausgehen, dass die zeitliche Änderung des magnetischen Flusses immer an den Klemmen abgreifbar ist (vgl. "Faraday's Law of Induction").
Die wesentliche Ursache, die zu den Verständnisproblemen führt, ist die Tatsache, dass sich im vorliegenden Fall die Geschwindigkeit <math>\vec u</math> der Konturlinie und die Geschwindigkeit <math>\vec v</math> des Leiters (hier: des Magneten) voneinander unterscheiden. Definiert man die Konturlinie so, dass sie sich mit dem Magneten mitbewegt, so ergibt sich eine Flussänderung von null, und man erhält das Ergebnis <math>U=0</math> unmittelbar.
Hinweis: Da in der Literatur viele unzutreffende Aussagen zum Hering'schen Paradoxon zu finden sind, soll an dieser Stelle ausdrücklich bekräftigt werden:
Wenn an den Klemmen einer starren Leiterschleife eine Spannung abgreifbar ist, so kann diese dem Faradayschen Induktionsgesetz (Faraday's Law of Induction) entsprechend immer auf eine Flussänderung in der Leiterschleife zurückgeführt werden.
Hübel[26] weist darauf hin, dass diese Flussänderung in manchen Fällen dem ungeübten Auge jedoch verborgen bleibt, und diskutiert die Probleme anhand verschiedener Anordnungen mit Hufeisenmagneten, wie sie typischerweise im Schulunterricht verwendet werden (vgl. nebenstehende Bilder). Während die Flussänderung in der Leiterschleife in der ersten Anordnung für Anfänger normalerweise leicht erkennbar ist, misslingt dies vielen Lernenden bei dem zweiten Bild. Die Lernenden konzentrieren sich auf den mit Luft erfüllten Bereich der Anordnung und berücksichtigen nicht, dass die Flussdichte im Pol des Permanentmagneten zum Außenbereich hin kontinuierlich abnimmt (siehe drittes Bild).
Die Antwort auf die Frage, ob bei der genannten Anordnung Induktion vorliegt oder nicht, hängt interessanterweise von der Wahl des Bezugssystems ab, in dem sich der Beobachter befindet:
Das Beispiel zeigt, dass das Phänomen der Induktion nicht auf die Lorentzkraft zurückgeführt werden kann. Hierzu wäre es nämlich erforderlich, dass beide Phänomene im gleichen Bezugssystem stattfinden. Allerdings zeigt das Beispiel, dass nach dem Wechsel eines Bezugssystems eine elektrische Kraft (durch E-Feld verursachte Coloumbkraft) in eine magnetische Kraft (durch B-Feld verursachter magnetischer Teil der Lorentzkraft) übergeht.
In dem genannten Beispiel ist zu beachten, dass man bei der Berechnung der Klemmenspannung in den verschiedenen Bezugssystemen zu unterschiedlichen Zahlenwerten gelangt. Der Grund ist die Feldtransformation mittels der Lorentztransformation.
Eine elektromagnetische Kraft (EMK), d. h. eine an den Klemmen messbare Spannung, ist immer dann vorhanden, wenn sich der magnetische Fluss durch die Spule ändert: Da der Fluss das Produkt aus Flussdichte und Fläche ist, kann sich dazu entweder die Flussdichte B oder die Fläche A ändern; oder beides geschieht. Eine Änderung der Fläche wird erreicht, indem man z. B. die Spule in einem konstanten Magnetfeld oder einen Magneten in einer Spule dreht. Die vom Magnetfeld durchsetzte Fläche ist null, wenn die Spule quer zum Magnetfeld steht, sie ist maximal, wenn das Feld die Spule axial durchsetzt. Nach diesem Prinzip wird in einem Generator (Dynamomaschine) Strom erzeugt, der z. B. an nicht mitrotierenden Kontaktschleifen abgegriffen werden kann.
Eine Änderung der Flussdichte erreicht man u. a. durch ein veränderliches Magnetfeld. Nach diesem Prinzip wird in der Sekundärwicklung eines Transformators bei Speisung der Primärwicklung mit einer Wechselspannung eine Wechselspannung induziert, deren Höhe proportional zum Verhältnis der Windungszahlen ist.
Hierunter fallen auch alle Arten der induktiven Erwärmung durch Wirbelstrom: der Induktionsofen, Induktionshärten, das Induktionsfeld, usw.
Induktive Erwärmung von Werkstoffen: Induktionsöfen werden vorwiegend in der Industrie zum Härten, Löten, Schmelzen usw. eingesetzt. Diese Technik kommt aber zunehmend auch in der privaten Anwendung vor, beispielsweise in der Küche als Induktionskochfeld.
In der Literatur wird der Begriff der induzierten Spannung von verschiedenen Autoren unterschiedlich aufgefasst. Ursache ist vermutlich die von Kröger und Unbehauen[27] kritisierte Inkonsistenz bei der Verwendung des Begriffes "elektrische Feldstärke".
Im vorliegenden Artikel wurden Begriffe und Gleichungen so gewählt, dass sich insgesamt ein zu den Maxwellgleichungen und zur speziellen Relativitätstheorie konsistentes Gesamtbild ergibt.
Unter "induzierter" Spannung wird im Rahmen des vorliegenden Artikels das Ringintegral
entlang der Konturlinie einer berandeten Fläche verstanden. Dabei wird vorausgesetzt, dass der Beobachter sich in einem (beliebigen) Inertialsystem befindet und alle Größen aus diesem Inertialsystem heraus beschreibt.
Wie die unter dem Lemma Unipolarinduktion aufgeführten Beispiele (bewegter Leiterstab im Magnetfeld, Faradayscheibe) zeigen, stimmt die induzierte Spannung nicht notwendigerweise mit der an den Klemmen eines Stromkreises abgreifbaren Klemmenspannung überein. Genau in diesem Sinne verwenden ihn manche Autoren aber auch, was beim Vergleich verschiedener Lehrbücher zu Verständnisproblemen führen kann.
Soll die Wirkung des magnetischen Feldes und der eventuellen Bewegung einer Leiterschleife im Feld auf die Klemmenspannung angeben werden, so wird im vorliegenden Artikel der Begriff "Klemmenspannung" oder der inzwischen nicht mehr überall gelehrte Begriff der elektromotorischen Kraft
verwendet. Die elektromotorische Kraft entspricht in nichtrelativistischer Näherung der an den Klemmen einer Leiterschleife abgreifbaren Klemmmenspannung.
Den Begriff der "induzierten Gegenspannung", wie er gelegentlich zur Erklärung der Induktion an der elektrischen Spule verwendet wird, wird im vorliegenden Artikel nicht benutzt.