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Elisabeth Frenzel (geb. Lüttig-Niese; * 28. Januar 1915 in Naumburg an der Saale) ist eine deutsche Literaturwissenschaftlerin.
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Die Tochter des Juristen Oswig Lüttig-Niese und Elisabeth, geb. Niese, studierte an der Berliner Universität, wo sie 1938 über Die Gestalt des Juden auf der neueren deutschen Bühne promovierte. Ihre Dissertation verrät glühende Begeisterung für den Nationalsozialismus und einen auf den Rassentheorien von Hans F. K. Günther basierenden Antisemitismus.
Kurz vor ihrer Promotion hatte sie 1938 den Regierungsrat und Schriftleiter im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda Herbert A. Frenzel geheiratet, dem sie im Nachwort zu ihrer Dissertation „für die Erweiterung meines wissenschaftlichen Interesses durch Hinweis auf die aktuellen kulturpolitischen Fragen“ dankte.
Mitglied der NSDAP war Elisabeth Frenzel nicht, doch bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie als wissenschaftliche Angestellte des Amtes für Kunstpflege in der „Reichsleitung Rosenberg“. Ihre 1943 in der Schriftenreihe zur weltanschaulichen Schulungsarbeit der NSDAP erschienene Broschüre Der Jude im Theater wurde 2003 von Jochen Hörisch in der Neuen Zürcher Zeitung als „eine der übelsten antisemitischen Publikationen aus germanistischer Feder überhaupt“ bezeichnet.[1] Außerdem bemühte sie sich um ein Lexikon jüdischer Schriftsteller für Rosenbergs Institut zur Erforschung der Judenfrage in Frankfurt am Main, das ähnlich dem bereits bei diesem Institut erschienen Lexikon der Juden in der Musik der leichteren Ausgrenzung jüdischer Künstler aus dem deutschen Kulturleben dienen sollte. In der Endphase des Weltkriegs war an ein solches Großprojekt nicht mehr zu denken, stattdessen wurde 1944 ein einbändiges Handbuch für 1945 angekündigt, das aber auch nicht mehr erschien.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Frenzel als freie wissenschaftliche Schriftstellerin tätig. In enger Zusammenarbeit mit ihrem Mann Herbert A. Frenzel verfasste sie das Standardwerk Daten deutscher Dichtung, eine Chronologie der deutschsprachigen Literatur, die 1953 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erstmals veröffentlicht wurde und bis in die heutige Zeit 35 Neuauflagen erlebte, die jeweils von Elisabeth Frenzel in Absprache mit dem Verlag aktualisiert wurden. Dennoch enthielt das Werk für die Zeit von 1933 bis 1945 bis in die jüngsten Auflagen Lücken über die Werke damals bekannter, aber unerwünschter Autoren (u.a. Kurt Tucholsky, Klaus Mann, Oskar Maria Graf u.v.a.m.), während es gleichzeitig nationalsozialistische Autoren ausführlich behandelte. Der Deutsche Taschenbuch Verlag nahm das Werk erst nach einer Kritik in der FAS/FAZ im Mai 2009 „ab sofort aus seinem Programm.“[2]
Elisabeth Frenzels Nachschlagewerke zur Stoff- und Motivgeschichte der deutschen Literatur sind ebenfalls in mehreren Auflagen erschienen. Die politisch und ideologisch erheblich vorbelasteten Eheleute Frenzel wurden mit diesen Arbeiten in der bundesdeutschen Germanistik und Theaterwissenschaft der 1950er Jahre (Herbert A. Frenzel wurde Schriftleiter der Deutschen Gesellschaft für Theatergeschichte) ohne jedes Aufhebens reintegriert, jedoch blieb ihnen eine akademische Karriere verwehrt.
Elisabeths Frenzels Dissertation wurde in ihrer Buchhandelsausgabe nach Kriegsende in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[3]
Von 1978 bis 2001 war Elisabeth Frenzel Mitglied der Kommission für literaturwissenschaftliche Motiv- und Themenforschung der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. 1997 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz am Bande. Sie lebt in Berlin.
Frenzels Bedeutung für die deutschsprachige Erzählforschung nach 1960 ist unbestritten, auch wenn sie einen literaturwissenschaftlichen Zugang zu Motiven und Stoffen wählte. Die genannten Nachschlagewerke werden dankbar benutzt, und wer die in den deutschsprachigen Ländern lange in Verruf geratene literaturwissenschaftliche Motiv- und Themenforschung methodisch fundiert betreiben möchte, findet in den programmatischen Schriften Frenzels viele Anregungen.
In der volkskundlich-folkloristisch orientierten Enzyklopädie des Märchens, die – nicht unumstritten – auch lebende Autoren würdigt, verfasste Gero von Wilpert (Sydney) einen huldigenden Artikel über Frenzel,[4] der zwar die Berücksichtigung der Volksliteratur in ihrem Werk lobt und die internationale Anerkennung der Stoff- und Motivforschungen Frenzels unterstreicht, aber nicht auf die NS-Zeit oder das Thema der Dissertation eingeht.
Literatur von und über Elisabeth Frenzel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Frenzel, Elisabeth |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Literaturwissenschaftlerin |
| GEBURTSDATUM | 28. Januar 1915 |
| GEBURTSORT | Naumburg (Saale) |