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Eine Wurzel hat die Erbauungsliteratur in der Heiligenlegende. Weitere Formen sind Andachtsbuch, Gebetbuch, Stundenbuch oder Sammlungen von Predigten.
Erbauungsliteratur war jahrhundertelang weit verbreitet, einzelne Ausgaben wurden sogar über Konfessionsgrenzen hinweg gelesen. Sie trat anfänglich auf in Gestalt religiöser Biografien oder Bekehrungsgeschichten, aber auch in Gestalt von Kirchenliedern, die nicht selten zu diesem Zweck geschaffen wurden. Das 17. Jahrhundert schuf zahlreiche literarisch bedeutende Schriften von bekannten Barockdichtern wie Johann Arndt, Johann Michael Dilherr, Jeremias Drexel, Paul Gerhardt, Johannes Lassenius, Joachim Meichel, Martin Moller, Heinrich Müller und Christian Scriver.
Aufgrund der bewussten Schlichtheit der Inhalte wurde der Begriff in späterer Zeit auch negativ wertend gebraucht. Im 19. Jahrhundert verstand man deshalb unter Erbauungsliteratur auch kitschige oder einfältige Literatur. Mit der Industrialisierung des Buchdrucks erwuchs zunächst in den 100.000-fach vertriebenen erbaulichen Traktaten eine eigene Literaturform. Begonnen mit den im angelsächsischen Bereich entstehenden Traktatgesellschaften, verbunden mit dem Aufkommen des Kolportagehandels setzte sich diese Vertriebsform rasch im gesamten europäischen Raum durch. Bahnbrecher des Vertriebs von Erbauungsliteratur im deutschsprachigen Raum waren damals u.a. das Haus Bertelsmann sowie der Christliche Verein im nördlichen Deutschland. Im 19. Jahrhundert wurde Erbauungsliteratur zunehmend durch die Unterhaltungsliteratur verdrängt.