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Ozokerit

Ozokerit

Ozokerit, auch als Erdwachs, Bergwachs oder Bergtalg bezeichnet, ist seiner chemischen Zusammensetzung nach ebenso wie Petroleum und Paraffin ein Gemenge verschiedener Kohlenwasserstoffe.

Ozokerit besteht durchschnittlich aus 15% Wasserstoff und 85% Kohlenstoff, hat eine Dichte von etwa 0,94 bis 0,96 g/cm³ und schmilzt bei 58 bis 98 °C, sehr selten auch bei höheren Temperaturen. Varianten sind zum einen Kenderbal mit einem Schmelzpunkt von 58 bis 60 °C und zum anderen das sehr ähnliche, aber in der Konsistenz unterschiedliche Neftgil aus Swätoi-Ostrow.

Inhaltsverzeichnis

Abbau und Sorten

Ozokerit wird bergmännisch aus nahe an der Oberfläche und in tieferen Schichten liegenden, zum Teil unter hohem Druck stehenden Flözen abgebaut. Größere Vorkommen liegen bei Boryslaw und Dzwieniasz in Ost-Galizien; weitere in Gaming in Niederösterreich, West-Galizien, Ungarn, Kroatien, in der Walachei und Moldau, bei Newcastle in England, Swätoi-Ostrow sowie auch auf der Insel Tscheleken im Kaspischen Meer, in Transkaukasien, Iran, Ägypten, Algerien, Kanada und Mexiko.

In Gallizien erfolgt der Abbau von Ozokerit manuell und wird nur in einer der Minen (in einer Tiefe von 200 und einer Breite von 225 Metern) für Transport und Lüftung durch mechanische Maschinen unterstützt. In Abbauprozessen, in denen herkörmliche Schächte benutzt werden, wird Ozokerit mit Hilfe von Bohrmaschinen gewonnen und danach von Hand sortiert. In seltenen Fällen, bei denen die Reinigung von Ozokerit nicht möglich ist, wird die Mischung in großen, extra angefertigten Kesseln erhitzt, bis der Ozokerit an die Oberfläche steigt und somit vom Gestein separiert wird. Für eine abschließende Reinigung wird das Ozokerit erneut erhitzt und in Kegelform gegossen in denen es auf den Markt kommt. Rohes, unbearbeitetes Ozokerit wird u. a. mit Schwefelsäure und abschließend mit Holzkohle gereinigt.

Nach den Gewinnungsmethoden bezeichnete man seine Rohprodukte als Stufenwachs, Waschwachs, Klaubwachs und nach einer Reinigungsstufe als Schmelzwachs.

Im Handel unterschied man folgende Arten:

  • Durch Raffination erhaltenes reines Ozokerit wird als Ceresin (auch Zeresin) bezeichnet.
  • Als Kenderbal bezeichnete man ein mit Öl und Erde vermischtes Produkt von schmieriger Konsistenz.
  • Lep ist ein Ton, der mit Ozokerit gedrängt ist.

Es gab und gibt für Ozokerit vielseitige Verwendungsbeispiele, wie die Wachskerzenproduktion, als Möbelpolitur, für Schuh- und Ledercreme, in der Schusterei, als Kabelwachs, zum Imprägnieren und in der Galvanoplastik, früher in großen Mengen zur Herstellung von Vaseline.[1]

Verwendung in der Medizin

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Ozokerit ist ein wertvolles Produkt für medizinische Ziele. Die Verwendung im medizinischem Rahmen liegt hauptsächlich in der Physiotherapie — Ozokerit-Therapie. Dank des hohen Schmelzpunkts und der niedrigen Wärmeleitung ist Ozokerit weit verbreitet in medizinischen Zielen der Rehabilitation von entzündbaren Krankheiten, dystrophischen Störungen des Stütz- und Bewegungsapparats (Gelenkentzündung, Arthrosis, Osteochondrosis, Myositis, traumatische Störungen) und Behinderungen im Nervensystem (Neuritis, Radikulitis). Ozokeritische Behandlungen gelten als eine der meist verbreiteten Methoden der Thermotherapie in medizinischen Behandlungen (Rehabilitationszentren, Kliniken, Sanatorien) in der Ukraine und anderen Ländern der GUS, da diese gegenüber der Paraffintherapie bevorzugt ist.

Literatur

  • Frank, Oil Empire: Visions of Prosperity in Austrian Galicia (Cambridge, MA, 2005)
  • Gintl, Galizisches Petroleum und Ozokerit (1873)
  • Muck, Der Erdwachsbergbau in Boryslaw, Berlin, Julius Springer Verlag 1903
  • Lasarenko, E.K. (1956): Über die Fahlerze 10: 171-211.
  • Paul, Die Petroleum- und Ozokeritvorkommnisse Ostgaliziens (1881)
  • Perutz, Die Industrie der Mineralöle, des Petroleums etc. (Wien 1868-80)
  • Pichler, Über Erdwachs, Erdöl etc. (1879)
  • Windakiewicz, Erdöl und Erdwachs in Galizien (1875)

Einzelnachweise

  1. Victor Grafe (Hrsg.), Moritz Dolch, Leopold Singer: Grafes Handbuch der organischen Warenkunde. Band IV, 2. Halbband Konservierung. Kohle und Erdöl. Stuttgart 1928, S. 310-311
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