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Erich Klausener (* 25. Januar 1885 in DĂŒsseldorf; â 30. Juni 1934 in Berlin) war ein fĂŒhrender Vertreter des deutschen politischen Katholizismus[1] und Staatsbeamter. 1906 wurde er zum Regierungsassessor im PreuĂischen Handelsministerium ernannt und nach Teilnahme am Ersten Weltkrieg 1917 zum Landrat in Adenau und 1919 in Recklinghausen. Im Jahre 1924 wurde er Ministerialdirektor im preuĂischen Wohlfahrtsministerium. 1926 wechselte er zum preuĂischen Innenministerium und ĂŒbernahm dort die Leitung der Polizeiabteilung. Nach der MachtĂŒbernahme der NSDAP wurde er ins Reichsverkehrsministerium versetzt. Als Leiter der Berliner Katholischen Aktion seit 1928 wandte er sich gegen die antikirchliche Politik Adolf Hitlers.
In einer Rede auf dem 32. MÀrkischen Katholikentag am 24. Juni 1934 kritisierte er öffentlich die Kirchenpolitik der Regierung und die Ausgrenzung von weltanschaulichen Kontrahenten durch die Nationalsozialisten. Klausener wurde im Zuge der unter der Propagandabezeichnung Röhm-Putsch bekannt gewordenen politischen SÀuberungswelle in seinem Dienstzimmer ermordet.
Inhaltsverzeichnis |
Erich Klausener stammte aus einer Familie, die als âstreng katholischâ bezeichnet wurde.[2] Diese ReligiositĂ€t prĂ€gte nicht nur das Leben innerhalb des Familienkreises, sondern auch das aktive Engagement der Familie in kirchlichen Institutionen.[3] Sein Vater, Peter Klausener (1844â1904), stammte aus der ursprĂŒnglich im österreichischen Flirsch beheimateten Familie Klausener, die als Handwerker um 1740 ins Rheinland kamen. Erichs Mutter, Elisabeth Biesenbach (1864â1944), stammte aus einer groĂbĂŒrgerlichen Familie DĂŒsseldorfs. Klauseners Vater studierte Jura und arbeitete zunĂ€chst als Gerichtsassessor und Friedensrichter in Malmedy. Er bekam eine Stelle in der Verwaltung des RegierungsprĂ€sidenten in DĂŒsseldorf und ĂŒbernahm kommissarisch die Funktion des Landrates in den Kreisen DĂŒsseldorf und Moers. Im Jahr 1880 wurde Peter Klausener als Oberbeamter in der Rheinischen Provinzialverwaltung in DĂŒsseldorf gewĂ€hlt. Peter Klausener engagierte sich besonders in Wohlfahrtseinrichtungen der Rheinprovinz, in Arbeiterkolonien und kĂŒmmerte sich um die FĂŒrsorge fĂŒr entlassene Strafgefangene und Blindenanstalten.[4] Erich Klauseners GroĂvater mĂŒtterlicherseits, Gustav Biesenbach (1831â1893), war Rechtsanwalt und Zentrumsabgeordneter im PreuĂischen Abgeordnetenhaus. Elisabeth Biesenbachs Bruder Gustav Biesenbach (1862â1934) wurde BĂŒrgermeister in Unkel am Rhein und Mitglied des Reichstages und des preuĂischen Landtags fĂŒr die Zentrumspartei.[5] Peter Klausener und Elisabeth Biesenbach heirateten 1884. Erich Klauseners zwei Jahre jĂŒngerer Bruder Bruno wurde 1887 geboren.[6]
Nachdem Klausener 1903 in seiner Geburtsstadt DĂŒsseldorf das Abitur (âReifeprĂŒfungâ)[7] absolviert hatte, studierte er wie sein Vater Jura. Nach einem Studium an den UniversitĂ€ten in Bonn, Berlin und Kiel legte er 1906 das Referendar-Examen ab.[5] Von 1906 bis 1907 diente er in der Kavallerie als EinjĂ€hrig-Freiwilliger bei dem WestfĂ€lischen Ulanen-Regiment Nr. 5 in DĂŒsseldorf[8], in dem auch von Papen gedient hat.[9] Dort wurde er Leutnant der Reserve.[5] Ab 1908 war Klausener Regierungsreferendar bei der Regierung in DĂŒsseldorf;[10] 1910 legte er das Assessor-Examen ab. Mit der Arbeit Das Koalitionsrecht der Arbeiter nach Reichsrecht und preuĂischem Landesrecht systematisch und kritisch dargestellt erwarb Klausener 1911 in WĂŒrzburg den Doktor der Rechts- und Staatswissenschaften, Dr. iur. et rer. pol. [11]
Klausener war fortan im Verwaltungsdienst beschĂ€ftigt. ZunĂ€chst trat er eine Stelle bei dem Landratsamt Neustadt in Oberschlesien an und wechselte 1913 als Regierungsassessor an das preuĂische Handelsministerium in Berlin. In Berlin lernte er Hedwig Kny (1888â1971) kennen, eine Tochter des Professors der Botanik Leopold Kny, und heiratete sie in DĂŒsseldorf am 1. August 1914.[12] Nach Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er Ordonnanzoffizier und war zunĂ€chst in Belgien und Frankreich, dann mit dem 8. WestpreuĂischen Infanterie-Regiment Nr. 175 an der Ostfront eingesetzt; 1914 erhielt er das Eiserne Kreuz 2. Klasse, 1917 das der 1. Klasse.[5] Am 18. Januar 1917 kam sein gleichnamiger Sohn Erich Klausener auf die Welt.[13] Erich Klausener wurde am 1. MĂ€rz zum Regierungsrat und, nach Entlassung aus dem MilitĂ€rdienst, am 23. Oktober kommissarisch zum Landrat des Landkreis Adenau in der Eifel bestellt.[14][5] Unter anderem ist Klausener in Adenau dafĂŒr bekannt, dass er die Errichtung des NĂŒrburgrings plante.[15] Zwei Jahre spĂ€ter, am 28. August 1919,[5] erfolgte seine Ernennung zum Landrat des Landkreises Recklinghausen, des damals gröĂten preuĂischen Landkreises mit 344.000 Einwohnern. Schwerpunkte seiner dortigen Amtszeit waren Förderung und Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur, die GrĂŒndung der Kreisbank sowie die Einrichtung einer zweiten landwirtschaftlichen Schule.[5] Als Zentrum seiner Arbeit verstand Klausener aber den Sozial- und Gesundheitsbereich mit dem Aufbau von MĂŒtterberatungs-, Tuberkulose- und SĂ€uglingsfĂŒrsorgestellen im Kreis und der Errichtung von KindererholungsstĂ€tten u.a. an der Nordsee.[16]
In seiner Zeit als Landrat in Recklinghausen zeigte sich Klausener als âlinksorientiertesâ Mitglied der Zentrumspartei, wobei er sich aber auch nicht direkt von der monarchistischen Grundhaltung der Partei absetzte. Klauseners auf christlicher Ăberzeugung beruhendes soziales Engagement brachte ihm den Beinamen âroterâ[2] oder âsozialer Landratâ[5] und die Gegnerschaft rechtsgerichteter Kreise ein.[2] Allerdings lĂ€sst sich in einigen Quellen auch eine sehr kritische Sicht auf Linke erkennen, so hĂ€tte Klausener ein erheblich anderes Vorgehen gegen die Kommunistische Partei stattfinden lassen, wĂ€re es ihm möglich gewesen.[17] Einerseits unterstĂŒtzte Klausener wĂ€hrend des Kapp-Putsches im MĂ€rz 1920 den Generalstreik gegen die reaktionĂ€ren Putschisten in Berlin. Jedoch plĂ€dierte er wenige Wochen spĂ€ter fĂŒr ein Eingreifen der Reichswehr gegen die linksradikale Rote Ruhrarmee, welche im Ruhrgebiet einen Aufstand initiierte.[18] Trotz seiner teilweisen linken Orientierung warf ihm sein zukĂŒnftiger Dienstherr, der Innenminister Severing (SPD), eine zu groĂe NĂ€he zum monarchistisch-orientierten FlĂŒgel des Zentrums vor. Severing warf Klausener vor, an Veranstaltungen âmit ausgeprĂ€gt monarchistisch-militĂ€rischer Aufmachungâ teilzunehmen. Klausener nahm an zwei Traditionsveranstaltungen seiner ehemaligen Kameraden aus der Kriegsdienstszeit teil, was zu politischen Schwierigkeiten fĂŒhrte. Im April 1922 nahm Klausener letztmals an einem solchen Treffen teil, als dort eine Huldigungsadresse fĂŒr Wilhelm II. angefertigt wurde, ohne dass Klausener das Treffen verlieĂ, was Severing als âgroĂe Unvorsichtigkeitâ bezeichnete.[19][20]
1923 wurde Klausener wĂ€hrend der Ruhrbesetzung zu zwei Monaten GefĂ€ngnis verurteilt und zeitweise aus dem Ruhrgebiet ausgewiesen. Grund fĂŒr die Verurteilung vor dem belgischen Kriegsgericht war ein Protestschreiben, das Klausener an die belgische Ortskommandatur geschickt hatte. In diesem Schreiben kritisierte Klausener die Misshandlung von deutschen Polizeibeamten durch die belgische Besatzungsmacht.[21]
Nach einer zweijĂ€hrigen Amtszeit als Ministerialdirektor und Abteilungsleiter fĂŒr Jugend- und ErwerbslosenfĂŒrsorge im preuĂischen Wohlfahrtsministerium wurde Klausener 1926 auf Vorschlag des Zentrumsabgeordneten Joseph HeĂ in das preuĂische Innenministerium berufen. Dort ĂŒbernahm er die Leitung der fĂŒr die Polizei zustĂ€ndigen Abteilung. Der bisherige Leiter dieser Abteilung, Wilhelm Abegg (DDP), wurde zum StaatssekretĂ€r im Innenministerium befördert und blieb in dieser Funktion bis zum PreuĂenschlag am 20. Juli 1932. Im Innenministerium diente Klausener als Ministerialdirektor unter verschiedenen Innenministern der SPD: Grzesinski (1926â1930), Waentig (1930), Severing (1930â1932) und unter dem parteilosen Bracht (ab 1932). Klausener vertrat somit das Zentrum, den zweitstĂ€rksten Koalitionspartner der Weimarer Koalition, im Innenministerium.[22] Zusammen mit den Referenten Christian Kerstiens und Robert Kempner wirkte Klausener, der âan der Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltungâ stand,[23] in entscheidender Weise an der Entstehung des preuĂischen Polizeiverwaltungsgesetzes mit. Dieses Gesetz brachte die Polizei PreuĂens in Einklang mit den demokratischen Prinzipien der Weimarer Republik und beeinflusste langfristig die Entwicklung des Polizeirechtes in den spĂ€teren BundeslĂ€ndern.[24]
Zusammen mit Albert Grzesinski war Klausener ein ĂŒberzeugter Gegner linker und rechter âKampforganisationenâ, der nationalsozialistischen Sturmabteilung und des kommunistischen Roten FrontkĂ€mpferbundes, die er als lebensbedrohlich fĂŒr die Weimarer Republik einstufte und mit den Mitteln der preuĂischen Polizei entschieden bekĂ€mpfte.[25] Bei den Unruhen in Berlin vom 1. bis 3. Mai 1929, bekannt als Blutmai, wurden durch die unverhĂ€ltnismĂ€Ăige HĂ€rte der Polizei 33 Zivilisten getötet und 198 weitere unbeteiligte Personen verletzt.[26] AnlĂ€sslich der Ăbergabe des PolizeiprĂ€sidiums und der UnterkĂŒnfte der Polizei in Recklinghausen hatte Klausener 1929 in Vertretung des preuĂischen Innenministers die Rolle der Polizei als des in vielen Regionen âeinzigen Garanten staatlicher Machtâ programmatisch definiert: Den Prinzipien der âGerechtigkeitâ und der âFreiheitâ verpflichtet, sei âsie stark genug, jeden Versuch der UmwĂ€lzung zu bekĂ€mpfen; niemand möge den Versuch unternehmen, die Macht und die SchlagfĂ€higkeit unserer Polizei auf die Probe zu stellen.â[27]
Enge Kontakte unterhielt Klausener zu fĂŒhrenden Vertretern der katholischen Kirche, so zu Franz Xaver MĂŒnch, Abt Ildefons Herwegen aus Maria Laach und Erich Przywara.[12] Klausener wurde in den Vorstand des Katholischen Akademikerverbandes gewĂ€hlt.[28][2] Auf Wunsch des Berliner Weihbischofs Josef Deitmer ĂŒbernahm Klausener 1928 zusĂ€tzlich zu seiner Ministerialdirektorenstelle die Leitung der Katholischen Aktion in der FĂŒrstbischöflichen Delegatur fĂŒr Brandenburg und Pommern, die 1930 nach dem PreuĂenkonkordat zum Bistum Berlin wurde. Die Rolle der Aktion bestand darin, bereits existierende katholische Vereine, wie zum Beispiel das Zentralkomitee der katholischen Vereine Berlin und Umgebung und die Berliner Caritas, zu koordinieren und ihre Interessen stĂ€rker zu vertreten.[29] Die Katholische Aktion in Berlin sah 1928 ihre Aufgabe darin, der Expansion teilweise atheistisch und antikirchlich geprĂ€gter Bewegungen wie der SPD, der KPD und der Freidenkervereine entgegenzuwirken. Die NSDAP wurde hingegen von dem politischen Katholizismus um 1928 nicht so stark staatsgefĂ€hrdend wahrgenommen.[30]
In diesem Zusammenhang war es Klausener besonders wichtig, durch jĂ€hrliche katholische Kundgebungen, wie die Papstkrönungsfeier, der DiozĂ€sankatholikentag oder der katholische Vereinstag am BuĂ- und Bettag,[31] PrĂ€senz und Einheit der Berliner katholischen Gemeinschaft zu demonstrieren.[32] FĂŒr ihn waren diese Kundgebungen eine âVisitenkarte der Berliner Katholikenâ[33], sie nahmen deshalb unter seiner Leitung ein immer gröĂeres AusmaĂ an. Diese Massenveranstaltungen behielten aber stets ihren religiösen Charakter; dabei wurden sie dafĂŒr kritisiert, dass sie Sakramenten wie der Eucharistie keinen wĂŒrdigen Rahmen böten.[33] Als Vorsitzender der Aktion kĂ€mpfte er auĂerdem besonders gegen die zunehmende Veröffentlichung pornographischen Materials in Berlin. Am 19. MĂ€rz 1931 richtete er eine Eingabe an den preuĂischen Innenminister Severing in der er ihn, im Namen der katholischen Aktion, aufforderte, âdafĂŒr Sorge zu tragen, dass die gesetzlichen Bestimmungen, die dem Schutze der guten Sitten zu dienen bestimmt sind, in strengerer Weise gehandhabt werden als bisher.â[34] Die Eingabe fand vielfach Beachtung, so wurde Klausener dafĂŒr von der Berliner Morgen-Zeitung als âMinisterrĂŒfflerâ tituliert und auch der Vorsitzende der PreuĂischen Zentrumsfraktion, Joseph HeĂ, kritisierte ihn heftig.[35] Da die Arbeitslosigkeit nach der Weltwirtschaftskrise auch in Berlin rasch zunahm, unterstĂŒtzte die Katholische Aktion mehrere karitative Organisationen. 1930 fasste der Caritasausschuss der Katholischen Aktion die Ziele der Katholischen Aktion zusammen: â[Wir] mĂŒssen unseren erwerbslosen Jugendlichen [...] nicht nur materiell helfen, sondern vor allem an der Seele gesund erhaltenâ.[36]
Dieser Meinung wurde aber vom SekretĂ€r der Katholischen Aktion in Berlin von 1930 bis 1934[39] Walter Adolph[40] und von Klauseners Neffe[41] Tilman PĂŒnder[42] widersprochen. Der Historiker Klaus GroĂe Kracht sieht ebenso eine Beteiligung Klauseners an der Vorbereitung des PreuĂenschlags als höchst unwahrscheinlich an.[43] Am 20. Juli stellte Bracht Klausener die Frage, ob er weiterhin die Leitung der preuĂischen Polizei ĂŒbernehmen wolle.[40] Klausener lehnte eine sofortige Beantwortung der Frage ab, da er fĂŒrchtete, dass eine Bejahung als Verrat gegen die Republik gesehen werden könnte. Er diskutierte mit den Zentrumspolitikern Heinrich Vockel und Heinrich Krone, ob er weiterhin die Leitung der preuĂischen Polizei ĂŒbernehmen solle. Beide Abgeordneten, sowohl Vockel als auch Krone, rieten Klausener das Amt weiterzufĂŒhren. Krone war der Meinung, âdass es in der kritischen Zeit darauf ankĂ€me, alle Stellungen zu halten, die noch in den HĂ€nden von Zentrumsleuten lĂ€gen.â[44]âDer Ministerialdirektor Klausener (âŠ) hat sich in der Zeit der ersten Bracht-Tage im PreuĂischen Innenministerium als unaufrichtig und illoyal erwiesen.â
â Carl Severing in seinen Memoiren âMein Lebenswegâ[38]
Nach dem MachtĂŒbergang diente Klausener der Regierung Bracht weiter so wie er der frĂŒheren Regierung gedient hatte. Laut GroĂe Kracht spricht vieles dafĂŒr, dass Klausener nicht unbedingt unglĂŒcklich mit der neuen politischen Richtung war. Diese Einstellung war in Einklang mit der Politik der Katholischen Aktion.[45] Im August 1932 schrieb der SekretĂ€r der Aktion Walter Adolph im Kirchenblatt einen durchaus positiven Artikel ĂŒber eine Anordnung Brachts zur Hebung der öffentlichen Sittlichkeit: âWir freuen uns dass der [âŠ] OberbĂŒrgermeister Bracht in einem Erlass an die Polizeibehörden die Grundlage fĂŒr die BekĂ€mpfung ĂŒbelster AuswĂŒchse geschaffen hat.â[46]
Mit der MachtĂŒbernahme der NSDAP am 30. Januar 1933 wurden viele Ămter im PreuĂischen Innenministerium neu besetzt. Der Innenminister Franz Bracht wurde durch Hermann Göring ersetzt. Auch Klausener musste mit einer Entlassung aus seinem Dienst rechnen. Am 13. Februar 1933 wurde Klausener von seinen Dienstpflichten im Innenministerium entbunden und am 1. MĂ€rz 1933 als Leiter der Schifffahrtsabteilung in das Reichsverkehrsministerium unter Minister von Eltz-RĂŒbenach berufen. Als Göring Klausener empfing, um ihm seine Versetzung mitzuteilen, kĂŒndigte er an, jeden zu bekĂ€mpfen, der gegen die NSDAP arbeite.
âSie haben uns mit Nadelstichen bekĂ€mpft, und diese Taktik hat unsere Lebenskraft noch angefeuert. Ich versichere Ihnen: merken wir, daĂ jemand gegen uns arbeitet, so werden wir mit der Faust zuschlagen.â
â Hermann Göring zu Klausener, 1933[47]
Jedoch stand Klausener dem nationalsozialistischen Regime nicht vollstĂ€ndig ablehnend gegenĂŒber.[28][48] Ăhnlich wie von Papen[49] war er davon ĂŒberzeugt, dass Hitler sich von der tagtĂ€glichen Regierungspraxis, von der âstill und konsequent wirkenden Kraft der BĂŒrokratieâ, zĂ€hmen lassen wĂŒrde.[50] Obwohl Klausener die nationalsozialistische Ideologie und besonders den Ideologen Alfred Rosenberg öffentlich kritisierte, war er von der Art, mit der die neue FĂŒhrung des Landes die konkreten Probleme anpackte, angetan.[51] Explizit hat Klausener einige politische Entscheidungen Hitlers begrĂŒĂt, wie zum Beispiel die Einrichtung der âKraft durch Freudeâ-Organisation und die des âEintopfsonntagsâ.[52] Klausener war ein Patriot, der fĂŒr eine aktivere Teilnahme der Katholiken an der nationalsozialistischen ânationalen Erhebungâ plĂ€diert hat. Schwegel nach âbegriff er die ânationale Revolutionâ als gemeinsames Aufbauwerk, dem sich die Katholiken nicht entziehen dĂŒrften.â[53] In einer Rede, die Klausener am 26. MĂ€rz 1933 vor den SchĂŒlern des Lietzensee-Gymnasiums und Liebfrauen-Lyzeums hielt, hieĂ es: âSeid katholisch und seid deutsch! [âŠ] Als BĂŒrger unseres Vaterlandes fĂŒhlen wir den heiĂen Strom nationaler Begeisterung, der durch unser Volk geht [âŠ] Aus unserer religiösen Ăberzeugung erwĂ€chst die Pflicht und Kraft der Hingabe an Volk und Nation. Der ganze katholische Mensch ist auch der ganze deutsche Mensch.â[54] Am 15. Oktober 1933, nach dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund, telegraphierten Kapitularvikar Paul Steinmann und Klausener im Namen der Katholischen Aktion Berlins an Hitler: âIn den Schicksalsstunden der Nation treten die Katholiken des Bistums Berlin in unerschĂŒtterlicher Liebe zum Volk und Vaterland geschlossen hinter den FĂŒhrer und Kanzler in seinem Kampf fĂŒr die Gleichberechtigung und die Ehre der Nation und die Wiederherstellung eines gerechten Friedens unter den Völkern.â[55]
Klausener war es zwar bewusst, dass sich die Beziehung zwischen der Kirche und der nationalsozialistischen Regierung stets verschlechtert hatte, er war aber der Auffassung, dass dies hauptsĂ€chlich auf einen Mangel an Kommunikation und Diplomatie zurĂŒckzufĂŒhren wĂ€re und dass ein Kompromiss in erreichbarer NĂ€he lĂ€ge.[51][56] Diese Meinung wurde durch die ErklĂ€rung Hitlers am Tag von Potsdam am 21. MĂ€rz 1933 unterstĂŒtzt, in der er âfreundschaftliche Beziehungen zu dem Heiligen Stuhlâ versprach. Das Konkordat, das Hitler mit der Kirche am 20. Juli 1933 schloss, bestĂ€tigte diese weit verbreitete Meinung.[57] Die Auffassung Klauseners zum Nationalsozialismus wurde vom Apostolischen Nuntius, Erzbischof Cesare Orsenigo geteilt. Dieser war der Meinung, dass das nationalsozialistische Regime keine Erscheinung von kurzer Dauer sein werde und dass folglich ein diplomatischer Bruch zwischen dem Heiligen Stuhl und Deutschland gravierende negative Konsequenzen haben könnte.[58] Dem Historiker Klaus GroĂe Kracht zufolge war der Berliner Generalvikar Paul Steinmann der Meinung, dass Klausener zu freundlich zum NS-Regime gewesen sei und aufgrund dieser Haltung seine Stellung als Vorsitzender des Katholischen Kirchentages ânicht mehr lange halten könneâ.[59] GroĂe Kracht betont den Widerspruch zwischen Adolphs Biographie, in der herausgehoben wird, dass Klausener am Ende seines Lebens in einen âunversöhnlichen Gegensatz zur NS geratenâ musste,[60] und den unveröffentlichten Aufzeichnungen desselben, nach denen Klausener noch kurz vor seinem Tod âeine Lanze nach der anderen fĂŒr das dritte Reich gebrochenâ habe. Deswegen bleiben Klauseners Ansichten zum Nationalsozialismus teilweise unklar.[61]
Je gröĂer der nationalsozialistische Einfluss auf die deutsche Gesellschaft wurde, desto grĂŒndlicher wurde jeder christliche Einfluss aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. In diesem Zusammenhang war es besonders schwierig, die Katholische Aktion fortzufĂŒhren.[62] Nach der Selbstauflösung der Zentrumspartei am 5. Juli 1933 war die Katholische Aktion die einzige öffentliche Verkörperung des politischen Katholizismus.[63] Trotz der erfolgten MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten setzte Klausener seine TĂ€tigkeit im Laienapostolat fort und provozierte mit demonstrativen Treuebekundungen zur Kirche die nationalsozialistischen Machthaber.[52] Beim 31. Katholikentag im Bistum Berlin am 25. Juni 1933 im Grunewald-Stadion wandte sich Klausener gegen die neuesten politischen Entwicklungen. Er forderte eine Begleitung der nationalsozialistischen âRevolutionâ durch eine christlich geprĂ€gte Bewegung.
âWenn die Revolution der nationalen Erhebung nicht begleitet wird von einer Revolution der inneren geistigen Erneuerung, dann ist alle Kraft und Arbeit und alle MĂŒhe vergebens.â
â Erich Klausener am 25. Juni 1933[64]
Mit âgeistiger Erneuerungâ meinte Klausener die Ăbernahme der Werte des katholischen Christentums. Seine Forderung bestand darin, der nationalsozialistischen Bewegung grundlegende christliche Werte hinzuzufĂŒgen. Der Ideologe der NSDAP, Alfred Rosenberg, erwiderte am 27. Juni 1933 im Völkischen Beobachter auf Klauseners Kritik an der nationalsozialistischen Bewegung:
âDer Zentrumsmann Dr. Klausener sieht also den 14jĂ€hrigen Kampf Adolf Hitlers und die groĂe Erhebung unseres Volkes [âŠ] als eine von noch nicht genĂŒgend innerer Geistigkeit getriebene Bewegung an!â
â Alfred Rosenberg am 27. Juni 1933.[65]
Vor Beginn des 31. Katholikentages hatte Arbeitsminister Robert Ley den katholischen ArbeitsverbĂ€nden Staatsfeindlichkeit vorgeworfen, was Klausener dazu veranlasste, öffentlich Stellung zu diesem Angriff zu nehmen. Der nationalsozialistisch veranlagte Katholische Verein fĂŒr nationale Politik reagierte empört auf Klauseners Kritik an der Gleichschaltung der Arbeitervereine.[66]
AnlĂ€sslich des mĂ€rkischen Katholikentages am 24. Juni 1934 im Hoppegarten hielt Klausener eine leidenschaftliche Rede vor 60.000 Zuschauern.[67] Der Originaltext dieser improvisierten Rede ist nicht erhalten. Klausener selber beschrieb den Ablauf der Kundgebung und seine Rede in einer Karte an seine Mutter, in der er betont, dass die Rede gut verlaufen sei und er ânur zum Frieden und zur Liebe geredetâ habe.[68] Max Gallo schreibt in seinem Buch Der schwarze Freitag der SA, dass Klausener sich ânach einem Lob auf die Regierungâ damit begnĂŒgte, âfĂŒr die Katholiken das Recht zu fordern, ihr innerkirchliches Leben ungestört fĂŒhren zu könnenâ.[69] Diese Rede war aber in den Augen vieler Beobachter ausschlaggebend fĂŒr Klauseners Ermordung.[70] Der Schwerpunkt dieser Rede war einerseits Treue der Katholiken zur Kirche und Vaterland und andererseits Menschenliebe.[71] In dieser Rede hat Klausener ein âTreuegelöbnis fĂŒr die Kirche, fĂŒr Papst und Bischofâ ausgesprochen âund so die Existenz einer vom Staat unabhĂ€ngigen, der offiziellen Ideologie widerstreitenden Organisation demonstrativ unter Beweis gestelltâ.[72] Erich Klausener â Klauseners Sohn â berichtet, dass die Teilnehmer des 32. MĂ€rkischen Kirchentages, die Rede so verstanden haben, dass diese Menschenliebe jede Bevölkerungsgruppe einschlieĂt, auch die jĂŒdische Bevölkerung.[73] In dem Personenverzeichnis GedenkstĂ€tte Deutscher Widerstand heiĂt es, dass Klausener sich in dieser Rede gegen die Ausgrenzung von Menschen anderer Weltanschauungen durch die Nationalsozialisten wandte.[74] Der Historiker Michael Behnen betont, dass Klausener in seiner Rede auch die kirchenfeindlichen MaĂnahmen der Regierung und deren Rassenpolitik angegriffen habe.[75] Dies steht allerdings im Widerspruch zu einer Aussage Klauseners auf dem Katholikentag am 25. Juni 1933, nach der es Klausener wie eine âErlösungâ vorkommt, âdass die Reichsregierung [âŠ] denen das Handwerk gelegt haben [âŠ], die die Pest der moralischen Verseuchung [âŠ] verbreiteten, [âŠ] die das Volk [âŠ] schon in seiner völkischen eugenischen Entwicklung angefressen hatâ.[76]
WĂ€hrend des Röhm-Putsches wurden neben SA-FunktionĂ€ren auch Gegner des Nationalsozialismus ermordet. Zu den Opfern gehörte auch Erich Klausener. Am 30. Juni 1934 beauftragte der Leiter des Geheimen Staatspolizeiamtes Reinhard Heydrich den SS-Mann Kurt Gildisch damit, Klausener im Verkehrsministerium aufzusuchen und auf der Stelle zu erschieĂen.
Gildisch und ein weiterer Begleiter eröffneten Klausener in dessen Dienstzimmer im Verkehrsministerium, dass er verhaftet sei. Gildisch schoss mit seiner Pistole Klausener in den Kopf. Klausener erlag dieser Schussverletzung sofort. Nachdem Gildisch Heydrich telefonisch Vollzugsmeldung erstattete, gab dieser ihm den Auftrag, den Mord an Klausener als Suizid zu tarnen. Nach Gildischs RĂŒckkehr ins Geheime Staatspolizeiamt erklĂ€rte Heydrich ihm, dass Klausener âein gefĂ€hrlicher Katholikâ gewesen sei, der gegen die Regierung gearbeitet habe.[77]
Als Hauptmotiv fĂŒr Klauseners Ermordung gilt seine Rede auf dem Katholikentag vom 24. Juni im Hoppegarten, in der er sich gegen die weltanschauliche Intoleranz des Nationalsozialismus gewandt hatte.[70] Als politischer Beamter im PreuĂischen Innenministerium hatte er zudem vor 1933 zahlreiche PolizeieinsĂ€tze gegen die Nationalsozialisten verantwortet. Der Historiker Lothar Gruchmann hebt hevor, dass Klausener âeingehende Kenntnis von zahlreichen ungesetzlichen Handlungen und den zweifelhaften Methoden der NSDAPâ gewonnen habe und deswegen âden nunmehrigen Machthabern unbequem sein musste.â[78] In der Exilpresse wurde Klausener zwar hĂ€ufig fĂ€lschlicherweise dem Stab von Franz von Papen und den dortigen Reform- und Umsturzbestrebungen zugerechnet. Der Historiker Hans Rothfels hob jedoch darauf ab, dass Klausener lediglich als potentieller Ansatzpunkt einer möglichen Opposition gesehen wurde, ohne dass erkennbar sei, dass er tatsĂ€chlich in die Aktionen oder Planungen des damaligen Widerstandes verwickelt gewesen wĂ€re.[79] Ob Klauseners TĂ€tigkeit als aktiver Widerstand gegen das Nazi-Regime zu werten ist, bleibt unklar. Laut Ger van Roon kam der katholische Widerstand nie ĂŒber die ersten von Ernst Wolf formulierten Phasen-Normen, nĂ€mlich die Verteidigung der eigenen Rechte, hinaus.[80] Max Gallo betont, dass Klausener keine Ausnahme darstellt.[69] Klauseners Sohn geht davon aus, dass die Rede auf der Galopprennbahn Hoppegarten nicht als Widerstand, sondern eine unpolitische Meinung des Redners zu werten ist. Die Nationalsozialisten dagegen interpretierten, so Klauseners Sohn, die Rede als eine objektive WiderstandserklĂ€rung gegen die Ideologie und die Bewegung des Nationalsozialismus.[73] Im Lagebericht der SS vom Mai/Juni 1934 heiĂt es, dass Klauseners Massenkundgebungen in Berlin gegen die Schulungsarbeit der NSDAP gewirkt haben.[81] Auch GroĂe Kracht hĂ€lt die Massenkundgebungen als einen möglichen Grund fĂŒr Klauseners Ermordung.[82] So hebt er heraus, dass die Mobilisierung von 50â60.000 Menschen die NS-FĂŒhrung so stark âverunsichertâ[83] haben dĂŒrfte, dass sie sich gezwungen sah, zu einem Schlag gegen die âĂberreste des politischen Katholizismusâ[84] zu fĂŒhren. Alternativ zeigt er zwar die Vermutung, dass es sich bei der Ermordung Klauseners um einen âRacheakt der NS-FĂŒhrung an dem ehemaligen Leiter der Polizeiabteilung im preuĂischen Innenministeriumâ[84] gehandelt habe, aber er zeigt, dass die Organisation von Massenkundgebungen eine âentscheidendereâ[83] Rolle gespielt haben dĂŒrfte. Jedoch erwĂ€hnt GroĂe Kracht auch, dass Klauseners Ermordung nicht von âlanger Hand geplantâ, sondern am 30. Juni 1934 eher kurzfristig angeordnet und deswegen eine Art âĂberschussreaktionâ gewesen sein könnte.[85]
Am 3. Juli 1934 wurde ein Trauergottesdienst in der Hauskapelle des Bischöflichen Ordinariates gehalten. Wenige Tage spĂ€ter, am 7. Juli 1934, fand ein Requiem statt, bei dem die Urne mit Klauseners Asche beigesetzt wurde. Sowohl der Trauergottesdienst als auch das Requiem fanden aus Angst vor der Reaktion der Nationalsozialisten im engsten Familienkreis statt.[87] Einige Tage nach dem Requiem lieĂ das Bischöfliche Ordinariat in allen Kirchen des Bistums Berlin die Nachricht ĂŒber Klauseners Tod verkĂŒnden. Bei dieser VerkĂŒndung wurde der Klerus aufmerksam gemacht, die âgebotene ZurĂŒckhaltung zu beobachten und das Gesamtwohl der Kirche nicht aus den Augen zu lassenâ.[88] Das Schweigen der Kirche bezĂŒglich des Falles Klausener kritisierte der in die Schweiz emigrierte Publizist Waldemar Gurian scharf:âEinige Zeitungen haben die Meldung gebracht, dass der Chef der Katholischen Aktion in Berlin sich durch Selbstmord der Verhaftung entzogen hĂ€tte. Ăhnliche Meldungen bedĂŒrfen keines Dementis, um so mehr, als ihre AbsurditĂ€t am Tage liegt.â
â Osservatore Romano vom 2./3. Juli 1934[86]
âDas Schweigen der Bischöfe ist vielleicht noch furchtbarer als alles, was am 30. Juni geschehen ist.â
â Waldemar Gurian, 1934[89]
Diese Kritik ist aber in Zusammenhang mit der gesamten Kirchenpolitik des Heiligen Stuhles und der Bischöfe zu betrachten.[90] Die kirchliche Politik bestand u. a. darin, âSituationen zu vermeiden, die zu einem Bruch der LoyalitĂ€tspflicht des Konkordats ausgelegt werden könntenâ.[91] Die Kirche sah darin ein Mittel, sich als Institution zu retten. Dies fĂŒhrte aber auch zu einer GefĂ€hrdung ihrer GlaubwĂŒrdigkeit. Dazu Ă€uĂerte Konrad Adenauer 1946 die Meinung, dass eine deutlichere öffentliche Stellungnahme der Kirche den Verlauf der Geschichte hĂ€tte verĂ€ndern können.[92]
Trotz des bischöflichen Mahnrufs widersprach Klauseners Pfarrer Albert Coppenrath öffentlich der offiziellen These des Suizids und verwies in einer Predigt auf den âerschossenenâ KatholikenfĂŒhrer Klausener. Nach der Kollekte fĂŒr ein Klausener-Denkmal auf dem Friedhof der St.-Matthias-Gemeinde wurde Coppenrath verhaftet. Die folgende Gerichtsverhandlung am 3. August 1936 wegen âKanzelmissbrauchsâ endete mit einem Freispruch.[93] Coppenraths AmtsvorgĂ€nger Clemens August Graf von Galen, seit 1933 Bischof von MĂŒnster, löste 1936 einen öffentlichen Konflikt mit Reichskirchenminister Kerrl aus. Bei einer Predigt im Xantener Dom erinnerte der Bischof an die âfrischen GrĂ€ber, in denen die Asche derer ruht, die das katholische Volk fĂŒr MĂ€rtyrer des Glaubens hĂ€lt.â Der Kritik des Ministers an dieser Predigt hielt Galen ausdrĂŒcklich das Schicksal Klauseners entgegen.[94]
Zwei Jahre zuvor hatten die Morde des 30. Juni 1934, denen mit Klausener, dem DJK-JugendfĂŒhrer Adalbert Probst und dem Journalisten Fritz Gerlich drei engagierte Katholiken zum Opfer gefallen waren, fĂŒr erhebliche Unruhe unter der katholischen Bevölkerungsminderheit gesorgt und die Volksabstimmung vom August des Jahres aus Sicht des Regimes negativ beeinflusst. âKatholiken! [âŠ] Bekennt Euch gegen Hitlerâ forderten anonyme Klebezettel im Ruhrgebiet, die ausdrĂŒcklich an die âMĂ€rtyrerâ Klausener und Probst erinnerten.[95][96][97]
Auf den Rat der Behörden des Innenministeriums hin reichte Klauseners Familie am 28. MĂ€rz 1935 eine Schadensersatzklage aufgrund des Augleichsgesetzes vom 13. Dezember 1934 gegen das Deutsche Reich und das Land PreuĂen ein.[98] Die mit der Sache betrauten AnwĂ€lte Werner PĂŒnder und Erich Wedell wurden daraufhin in Schutzhaft genommen.[77] Es wurde ihnen vorgeworfen, sie hĂ€tten mit ihrer Klage versucht, die Reichsregierung in einer âöffentlichen Aktion gegen den FĂŒhrerâ zu diskreditieren. Nur der gemeinsame Einsatz der Minister GĂŒrtner, Schwerin von Krosigk, von Neurath, von Blomberg und Frick sowie der schwedischen Botschaft ermöglichten die Entlassung beider AnwĂ€lte am 16. Mai 1935 aus ihrer Haft. Der Prozess um die EntschĂ€digung wurde eingestellt.[98]
Da konservative Kreise und besonders die Reichswehr mit der SA zutiefst verfeindet waren, stimmten sie den Aktionen des Röhm-Putsches, die hauptsÀchlich gegen die SA gerichtet waren, zu.[99] Als Konsequenz daraus stieg Hitlers PopularitÀt unter den Mitgliedern der Reichswehr, nach dem Putsch, erheblich.[100] Der gleichzeitige Mord eines allgemein respektierten Politikers wie Klausener und der GenerÀle von Schleicher und Bredow verursachte aber eine erschreckende Wirkung bei manchen antinationalsozialistisch geprÀgten Konservativen, die sich von dem Regime der Nationalsozialisten entfernten.[99] Durch den Putsch scheiterte ein erster Umsturzversuch, den Schleicher mithilfe von Werner von Fritsch und Franz von Papen angestrebt hatte.[99]
In der Gedenkkirche der deutschen Katholiken fĂŒr die Opfer des Nationalsozialismus Maria Regina Martyrum in Berlin-Charlottenburg wurde fĂŒr Erich Klausener nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein Mahnmal errichtet.[101] Eine mögliche Seligsprechung wurde kurz nach dem Krieg thematisiert, und wird vom Freundeskreis âGedenken Dr. Erich Klausener, Hoppengartenâ unterstĂŒtzt.[102]
In Recklinghausen grĂŒndete unmittelbar nach dem Ende des Krieges der Oberstudiendirektor des Gymnasiums Petrinum, Josef Sprenger, den Klausener-Bund, eine âGesellschaft zur Pflege christlicher Weltanschauungâ. Der Klausener-Bund veranstaltete seminarĂ€hnliche Vortragsabende ĂŒberkonfessionell fĂŒr alle Bildungsschichten. Als Dozenten konnten namhafte zeitgenössische Philosophen und Theologen gewonnen werden (u. a. Theodor Litt, Heinrich Spaemann, Johannes Pinsk). Der Bund bestand bis Ende der 1960er Jahre. [5]
Zu Ehren von Erich Klausener wurde eine Sonderbriefmarke in der Sowjetischen Besatzungszone herausgegeben. SpÀter gab die Deutsche Bundespost am 8. Mai 1984 eine Briefmarke (Mi. 719) heraus.[103]
Die Polizei NRW benannte 1957 in Bork eine Polizeischule mit DiensthundefĂŒhrer-Schule nach Klausener. Die Schule wurde in 1970 nach SchloĂ Holte-Stukenbrock verlegt.[104]
Berlin erinnert an Klausener mit einer Gedenktafel in der KeithstraĂe 8 im Bezirk Tempelhof-Schöneberg sowie in der BehrenstraĂe im Bezirk Mitte. Verschiedene StĂ€dte in Deutschland haben StraĂen, PlĂ€tze oder Schulen nach Klausener benannt (zum Beispiel Erich-Klausener-StraĂe im Stadtteil Stockum seiner Geburtsstadt DĂŒsseldorf, Klausenerplatz im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, KlausenerstraĂe in Magdeburg). In Herten, Kreis Recklinghausen tragen eine bischöfliche Realschule und eine StraĂe seinen Namen. In Dorsten, Kreis Recklinghausen ist ebenfalls eine Realschule nach ihm benannt worden. In Adenau, wo Klausener als Landrat fungierte, wurde das örtliche Gymnasium nach ihm benannt. Diese NamensĂ€nderung fand 1964 statt.[105] 2009 wurde eine BĂŒste Klauseners in der NĂ€he des Haupteinganges der Schule aufgestellt.[106]
Im Jahre 1992 erhielt das Katholische Zentrum in Recklinghausen den Namen âErich-Klausener-Hausâ. Damit will das Stadtkomitee der Katholiken einen engagierten Christen, ĂŒberzeugten Demokraten und sozialen Landrat ehren. Eine Gedenktafel im Haus, die Publikation einer Dokumentation sowie Gedenkveranstaltungen, zuletzt 2009 zum 75. Jahrestag seiner Ermordung und 2010 zum 125. Geburtstag Klauseners, halten die Erinnerung aufrecht.[107]
Das Bundesministerium fĂŒr Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) hat an seinem Standort in der InvalidenstraĂe in Berlin den im Zuge der Restaurierung (2003 bis 2004) wiedergewonnenen Lichthof nach Erich Klausener benannt. Der Saal wird heute fĂŒr Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt.[108]
Der Kreis Recklinghausen ehrte den frĂŒheren Landrat 2004 durch die Errichtung eines groĂen Gedenksteins auf dem Dorfplatz in Ahsen und die Benennung einer Lippe-BrĂŒcke.[109] Den 75. Jahrestag der letzten öffentlichen Rede Dr. Klauseners auf dem MĂ€rkischen Katholikentag in Hoppegarten begingen Erzbistum und Diözesanrat Berlin und der Freundeskreis Dr. Erich Klausener Hoppegarten mit einem Festakt im Rathaus und einer Messe auf der Rennbahn mit Georg Kardinal Sterzinsky und Nuntius Dr. Jean-Claude PĂ©risset. Dabei wurden der Platz vor der Rennbahn nach Dr. Klausener benannt, eine BĂŒste enthĂŒllt und auf dem RennbahngelĂ€nde eine Gedenktafel angebracht.[110][111][112]
Grab von Hedwig und Erich Klausener auf dem St.-Matthias-Friedhof in Berlin-Tempelhof
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Gedenktafel am Haus KeithstraĂe 8 in Berlin-Schöneberg
Gedenktafel der Martyrer der NS-Zeit in der Krypta der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin-Mitte
Gedenktafel in Ahsen im Kreis Recklinghausen
Obwohl Erich Klausener in einer groĂen Zahl von Publikationen zur Geschichte der Weimarer Republik und zur NS-Zeit ErwĂ€hnung findet, ist das gesicherte Wissen zu seinem Leben und Wirken noch immer recht unvollstĂ€ndig.
Dies liegt zum Einen daran, dass das Gros der Publikationen, in denen er ErwĂ€hnung findet, ihn nur recht kursorisch am Rand erwĂ€hnt oder abhandelt. Hinzu kommt, dass die meisten Arbeiten, die sich eingehender mit der Person Klauseners befassen - wie Klaus GroĂe Kracht festgestellt hat - keine historisch-kritischen Veröffentlichungen darstellen. Viel mehr handelt es sich bei diesen hauptsĂ€chlich um Erinnerungen von WeggefĂ€hrten (Walter Adolph) oder Angehörigen (Tilman PĂŒnder) Klauseners sowie um Arbeiten, denen eine deutliche politische, religiöse oder weltanschauliche Motivation zugrunde liegt. Die Arbeiten von Autoren wie Baur, Schwegel und Möllers sieht GroĂe Kracht im Rahmen des allgemeinen politisch-gesellschaftlichen Diskurses in der Bundesrepublik Deutschland als Versuche, Erich Klausener als historisches Vorbild fĂŒr die Christlich Demokratische Union Deutschlands zu deuten. Ăhnliches lĂ€sst sich zu vielen aus einem dezidiert katholischen Blickwinkel geschriebenen Betrachtungen zu Klausener feststellen, die im Regelfall vor allem altbekannte Informationen und nur wenige neue Erkenntnisse prĂ€sentieren und vor allem Klausener als Beispiel fĂŒr vorbildliche Glaubenstreue reflektieren.
Die bislang einzige ausfĂŒhrlichen Biographie, die Walter Adolph 1955 schrieb, stellt keine wissenschaftliche Arbeit dar, sondern basiert vor allem auf eigenen Erinnerungen aus der Zeit des gemeinsamen Wirkens in der Berliner Diözese in den 1920er und 1930er Jahren. Eine historisch-kritische Biografie steht noch aus.
GroĂe Kracht fordert mit Blick auf die oben beschriebenen LĂŒcken andere Quellen zu erschlieĂen, um so eine objektivere Darstellung zu erhalten. Als Ansatzpunkt hierfĂŒr nennt er z.B. die Notizen, die Adolph vor der Veröffentlichung seines Buches verfasste.[113]
Willibrord Köller (1816â1825) | Anton Haas (1825) | Hans Karl Heuberger (1825â1829) | NN. Metten (1829) | Christian Gattermann (1829â1848) | Heinrich Jaeger (1848) | Anton Fonck (1848â1867) | NN. ThĂŒring (1867) | Alexander Halm (1867â1871) | Hugo Strom (1872) | Theodor Dillenburger (1872â1874) | Clemens August Heckmann (1874â1883) | Richard von Doemming (1884â1891) | Hermann von Kruse (1891â1898) | Wilhelm Scherer (1899â1912) | Heinrich Schellen (1912â1917) | Erich Klausener (1917â1919) | Friedrich Gorius (1919â1923) | Otto Creutz (1924â1932)
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Dieser Artikel wurde am 15. April 2012 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |
| Personendaten | |
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| NAME | Klausener, Erich |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist, Vertreter des deutschen politischen Katholizismus und Staatsbeamter |
| GEBURTSDATUM | 25. Januar 1885 |
| GEBURTSORT | DĂŒsseldorf |
| STERBEDATUM | 30. Juni 1934 |
| STERBEORT | Berlin |
en:Erich Klausener fr:Erich Klausener ja:ăšăŒăȘăă»ăŻă©ăŠăŒăăŒ ko:ì늏í íŽëŒì°ì ë la:Ericus Klausener no:Erich Klausener pl:Erich Klausener pt:Erich Klausener