Essen Hauptbahnhof
Der Essener Hauptbahnhof ist der wichtigste Bahnhof der Stadt Essen und gehört zu den 20 Bahnhöfen der höchsten Bahnhofskategorie der DB Station&Service. Er ist wichtiger Haltepunkt für den Fern-, Regionalverkehr und S-Bahnverkehr. Daneben ist er der zentrale Verkehrsknotenpunkt für den öffentlichen Personennahverkehr innerhalb Essens. Zudem fungiert er als Bindeglied zwischen der Essener Innenstadt, mit Anbindung an die Fußgängerzone, und den Dienstleistungszentren im Südviertel.
BahnhofsanlageBeim Essener Hauptbahnhof handelt es sich um einen Trennungsbahnhof, dessen Bahnsteige einzelne Bahnsteigüberdachungen besitzen. Zusätzlich zu den Durchgangsgleisen besitzt der Bahnhof auch einige Stumpfgleise für den Verkehr in Richtung Gelsenkirchen – Münster, Hagen sowie Borken. Quer und mittig unterhalb der Gleisanlagen befindet sich die Bahnhofshalle auf zwei unterschiedlichen Höhenniveaus, welche durch Treppen und Rolltreppen miteinander verbunden sind. Auf der unteren Ebene befinden sich Geschäfte und südlich außerhalb der Empfangshalle das Reisezentrum, auf beiden Ebenen dazu Gastronomie. Die untere Ebene ermöglicht den Durchgang von der nördlich des Bahnhofes gelegenen Essener Innenstadt in das Essener Südviertel. Die obere Ebene dient als Verteilerebene zu den Gleisen. Ein direkter Zugang zu den Bahnsteigen ist von der unteren Ebene per Aufzug möglich. Ein Fußgängertunnel am östlichen Ende der Gleise ermöglicht neben dem Gleiszugang ebenfalls den Durchgang von der Essener Innenstadt ins Südviertel. Ein zweiter Fußgängertunnel am westlichen Ende der Gleise verbindet nur einen Teil der Gleise mit dem Ausgang zum Südviertel und zur parallel und westlich zur Bahnhofshalle unterquerenden Straße Am Hauptbahnhof. Unterhalb des Bahnhofs befindet sich auf zwei unterirdischen Ebenen (Verteilerebene und darunter vier Gleise) die Straßenbahn- und Stadtbahn-Station der EVAG. Durch eine dominante blaue Beleuchtung hat sie eine ungewöhnliche Optik. Um Sicherheit im Bahnhof zu gewährleisten unterstützt die Bundespolizei mit eigener Wache die Mitarbeiter der DB Sicherheit GmbH. LinienTäglich bedienen nach DB-Angaben 123 Fernverkehrszüge, 198 Nahverkehrszüge und 403 S-Bahnzüge den Bahnhof (Stand 2010).[1] FernverkehrSeit dem 29.August 2011 gibt es eine neue Zugverbindung mit dem Hochgeschwindigkeitszug Thalys, der über Düsseldorf-Köln-Aachen nach Brüssel und Paris fährt. Die Fahrtdauer beträgt insgesamt 4 Stunden und 47 Minuten (4:18h in Gegenrichtung).[2] Essen Hauptbahnhof ist Bahnhof des Fernverkehrs der Deutschen Bahn und wird im Fahrplanjahr 2007 von Zügen der folgenden Fernverkehrslinien bedient:
Einzelne, über die gewöhnlichen Laufwege der Linien hinausführende Züge, sind ebenso wie Verstärkungszüge am Wochenende nicht aufgeführt. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2007 verlor der Essener Hauptbahnhof die Halte der Nachtzüge, CityNightLine nach Wien und EN Jan Kiepura nach Warschau (mit Kurswagen nach Minsk und Moskau). RegionalverkehrIn Essen Hauptbahnhof halten im Fahrplanjahr 2009 sechs Regional-Express-Linien, zwei Regionalbahn-Linien sowie fünf Linien der S-Bahn Rhein-Ruhr.
Busse und StadtbahnenDer Essener Hbf befindet sich im Fahrplanbereich 1 des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr und wird von Straßenbahnen und Stadtbahnen sowie Omnibussen durch die EVAG, BOGESTRA und die MVG an den Bahnhofsausgängen und unterhalb des Bahnhofs angefahren. Derzeit verkehren U-Bahnen der Linien U11, U17 und U18 sowie Straßenbahnen der Linien 101, 103, 105, 106 und 107 (jeweils montags bis freitags tagsüber im Zehn-Minuten-Takt, samstags und sonntags tagsüber im 15 Minuten Takt).
Die Busse verkehren als Schnellbusse, Nachtexpress und reguläre Buslinien auf über 20 Linien von Essen Hbf.
GeschichteAm 1. März 1862 ging ein Teilstück der Bahnstrecke Witten/Dortmund–Oberhausen/Duisburg der ehemaligen Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft zwischen Bochum und Mülheim an der Ruhr in Betrieb. Im Zuge dessen wurde auch der bis 1897 so genannte Bahnhof Essen BM als Vorgänger des Essener Hauptbahnhofes eröffnet. Er war nicht der erste Bahnhof in Essen. Bereits 1846 ging der für damalige Verhältnisse abseits gelegene Bahnhof Berge-Borbeck(seit 1914 Essen-Bergeborbeck) als erster Bahnhof auf heutigem Essener Stadtgebiet in Betrieb.[3] Im Jahr 1847 hatte die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft den zu dieser Zeit bedeutenden Bahnhof Essen CM[4] (heute Bahnhof Essen-Altenessen) an der Bahnstrecke Duisburg–Dortmund (Teil ihrer Stammstrecke Köln-Minden) in Betrieb genommen. Das erste, hölzerne Bahnhofsgebäude von 1862 wurde ersetzt durch ein repräsentatives Bahnhofsgebäude des Architekten Fritz Klingholz, errichtet unter der Leitung des preußischen Baubeamten Alexander Rüdell (* 6. September 1852 in Trier; † 14. Dezember 1920 in Berlin)[5]. Dabei wurden die Gleisanlagen niveaufrei über die Straßen gelegt und die Inselbahnsteige durch eine zweischiffige Bahnhofshalle überspannt. Baubeginn war im Jahre 1900, eröffnet wurde der Bahnhof dann zum Ende des Jahres 1902. Durch die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude irreparabel beschädigt, so dass es in der Nachkriegszeit durch einen Neubau im typischen Stil der 1950er Jahre ersetzt wurde, an dem maßgeblich die Architekten Kurt Rasenack und Bernd Figge beteiligt waren. Bezeichnend für diesen Neubau war, dass die am 15. November 1959 fertig gestellte Empfangshalle nicht mehr vor, sondern unter den Gleisanlagen liegt. Den westlichen Flügel des Nordeinganges zierte eine charakteristische, gläserne Caféhaus-Rotunde, in der sich Anfangs das Bahnhofs-Café und zuletzt ein Reisebüro befand. Ein nach oben geschwungenes Dach ließ eine gewisse Lichtdurchflutung der Empfangshalle vom Nordeingang her zu. Dieses wurde allerdings später durch ein größeres, vorgebautes gerades Dach ersetzt. Deshalb, und durch weiteren nachträglichen Einbau von Geschäften, litt die einstige Großzügigkeit und Offenheit des Bahnhofs. Umbau 2008 bis 2010Der erste Spatenstich zu diesem Umbau war im September 2008. Zuvor galt der Essener Hauptbahnhof als insgesamt eng und baufällig. Da ihm nur wenige Ausdehnungsmöglichkeiten eingeräumt wurden, erwog man zwischenzeitlich eine Verlegung in den Bereich des Haltepunktes Essen-West. Hiervon ist man aber wieder abgekommen. Stattdessen fand eine kostengünstigere Renovierung und Modernisierung des bestehenden Bahnhofes statt. Dazu war ein NRW-Förderpaket angedacht, das insgesamt 350 Millionen Euro für die fünf Städte Essen, Duisburg, Dortmund, Münster und Wuppertal vorsah. Im Juli 2007 hätte dann die DB Station & Service AG die ersten Arbeiten ausschreiben wollen. Das tatsächliche Sanierungsvorhaben ist aber kein Paket für mehrere Städte geworden, sondern betrifft nur den Essener Hauptbahnhof. Nicht zuletzt durch den Zeitdruck, den Umbau spätestens bis zur Mitte des Kulturhauptstadtjahres 2010 fertiggestellt zu haben, erlangte Essen den Zuschlag zur Sanierung. Die einstige Finanzierungslücke von 18 Millionen Euro schlossen gemeinsam Bund, Land und die Bahn. Von den Gesamtkosten von rund 57 Millionen Euro übernimmt der Bund 35 Millionen Euro[6], das Land Nordrhein-Westfalen 5,1 Millionen Euro und die Bahn knapp 17 Millionen Euro. Zusätzlich investiert die Essener Verkehrs-AG (EVAG) knapp 5,3 Millionen Euro. Am 11. Februar 2008 begann die Essener Verkehrs-AG die etwa einhundert Meter lange, 1977 entstandene Passage zwischen Willy-Brandt-Platz und der Straße »Freiheit« im 1. Untergeschoss umzubauen. Dabei ersetzte sie die elektrischen Anlagen nach neuen Brandschutzbestimmungen und modernisierte die Lüftung. Außerdem wurden neue Ladenlokale gebaut. Vom 11. August 2008 bis zum 21. November 2008 war der Durchgang zur Innenstadt komplett gesperrt und wurde nun modernisiert und zunächst noch unvollständig wiedereröffnet. Der U-Bahnhof war in der Zeit jedoch über die Zugänge an der Straße »Freiheit« erreichbar, was auch nach wie vor der Fall ist. Für den eigentlichen Bahnhof ist die gesamte Bahnhofshalle entkernt worden, um 5700 Quadratmeter Einzelhandelsfläche zu errichten. Die Fassaden wurden erneuert und der Hauptdurchgang verbreitert. Der südliche Eingangsbereich erhielt zwei gläserne Pavillons, in denen nun das Reisezentrum der Bahn und das Kundenzentrum der Essener Verkehrs-AG untergebracht sind. Die ehemalige gläserne Caféhaus-Rotunde wurde 2009 abgerissen und durch einen rechteckigen, ebenfalls gläsernen Anbau ersetzt, der von einem Schnellrestaurant genutzt wird. Zu den Bahnsteigen entstanden fünf barrierefreie Zugänge mit Aufzügen. Ebenso wurden die Bahnsteigbeläge und Bahnsteigdächer saniert, sowie die Beschallung und Beleuchtung erneuert. Während der Bauarbeiten konnte die Bahnhofshalle seit September 2008 nicht genutzt werden. Sie ist am 21. Dezember 2009 wieder für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Die offizielle Eröffnung fand am 16. Januar 2010 in Anwesenheit von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Bahn-Chef Rüdiger Grube statt. Die Bahnsteige waren während der Umbauphase der Empfangshalle nur über die im West- (Bahnhofsunterführung/Freiheit) und Osttunnel (Nebeneingang gegenüber dem Haus der Technik) befindlichen Treppenaufgänge erreichbar. Außerdem verlegte die Essener Verkehrs-AG die Haltestellen der Busse von der Straßen-Bahnhofsunterführung in den Bereich des Nord- und Südausgangs. Am 12. April 2010 eröffnete die Essener Verkehrs-AG ihr 7,8 Millionen Euro teures Kundencenter am Südeingang. Auf dessen Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage, die bis zu 23.300 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen kann.[7] Des Weiteren wurden die beiden Fußgängerunterführungen im Osten und Westen, sowie der Fernbusbahnhof im Süden erneuert. Außerdem wurden die Plätze nördlich und südlich des Bahnhofes umgebaut. Seit Oktober 2011 ist auch der zwecks Einbau eines Liftes zwischenzeitlich gesperrte Osttunnel wieder zugänglich. Bahnsteige und GleiseInsgesamt hat der Essener Hauptbahnhof 14 Gleise, davon sind acht durchgehende Gleise mit und eines ohne Bahnsteiganschluss, dazu kommen fünf Kopfgleise. Die fünf Bahnsteige haben zusammengenommen eine Fläche von 24.798 Quadratmeter und sind (mit Ausnahme des Bahnsteigs der Gleise 21 und 22) seit dem Umbau mittels öffentlicher Aufzüge barrierefrei erreichbar.
Weitere EinrichtungenHeute hat der Essener Hauptbahnhof 5700 Quadratmeter reine Verkaufsfläche,[8] das sind 2.000 Quadratmeter mehr als vor dem Umbau 2008/2009.[9] Vor Beginn des Umbaus im Jahr 2008 boten in der Empfangshalle und im oberen Verknüpfungstunnel auf rund 14.000 Quadratmeter Gesamtfläche unter anderem 34 Geschäfte und Gastronomiebetriebe ihre Dienste an. Insgesamt waren rund 9.000 Quadratmeter vermietet.[10] Neben dem Reisezentrum standen insgesamt 31 Fahrscheinautomaten zur Verfügung, außerdem gab es 420 Schließfächer. In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs standen 94 Parkplätze und rund 200 Fahrradparkplätze zur Verfügung. (Stand 14. August 2008) Weblinks
Deutsche Bahn AG:
Stadt Essen:
NRWbahnarchiv von André Joost: Einzelnachweise
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